Transalp 2000 – Imst-Riva
Das wichtigste in Kürze
| Strecke |
Imst - St. Anton - Verwalltal - Fimbertal
- Val d'Uina-Prad - Stilfser Joch - Bormio - Gavia-Pass -
Pejo Terme - Madonna di Campiglio - Val d' Agola - Ponte
Arche - Riva - Gardasee |
| Länge |
400 km |
| Höhenmeter |
11.425 hm |
| Termin |
10.-15. September 2000 |
| Etappen (6) |
| Tag |
Strecke |
km |
hm |
| 1.Tag |
Imst-Landeck-St.
Anton-Verwall-Tal-Konstanzer Hütte-Neue
Heilbronner Hütte-Kops
Stausee-Zeinisjoch-Galtür |
85 |
1826 |
| 2.Tag |
Galtür-Ischgl-Fimbertal Weg-Heidelberger
Hütte-Fimberpass-Alp Chöglias-Vna-Ramosch-Sur
En |
48 |
1359 |
| 3.Tag |
Sur En - Val d'Uina - Schlinigpass - Sesvenna
Hütte - Schlinig - Schleis - Laatsch - Glurns - Prad -Stilfser-Joch-Straße-Gomagoi - Trafoi |
47 |
1767 |
| 4.Tag |
Trafoi-Stilfser Joch-Pass Umbrail-Bocchetta
di Forcola-Malga Pedenelo-Valle
Forcola-Bormio-S.Caterina |
59 |
2371 |
| 5.Tag |
S.Caterina-Gavia-Pass-Pezzo-Rif. Bozzi al
Montozzo-Forcellina Montozzo-Lago di Pian
Palu-Pejo Terme |
53 |
2012 |
| 6.Tag |
Pejo Terme - Dimaro - Madonna di Campiglio - Val d'
Agola - Passo Bregn de l'Ors - Stenico - Ponte Arche - Dasindo - Lago di Tenno - Riva - Torbole |
109 |
2050 |
Detail-Infos zu den Tagesetappen siehe Verweise im
Tourbericht
|
| Landkarten |
Kompass:
Digitale Karte Österreich,
Digitale Karte Tirol,
Digitale Karte Südtirol,
41,
52,
072, 73,
101
Kümmerly & Frey - Unterengadin
ISBN
3-259-00814-4,
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358 Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
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| Tourplanung |
Andreas Albrecht |
| Tourführung |
Andreas Albrecht |
| Teilnehmer |
- Frank Dietrich (Pirna)
- Tobias Schmidt (Ulm)
|
| GPS-Tracks |
hier klicken |
Tourbericht
| Prolog |
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Weite und Stille in den Alpen |
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Transalp mit dem Mountainbike
zu fahren übt eine unvergleichliche Faszination aus. Seit 1994 bin ich in
den Alpen unterwegs. Eigene Erfahrungen sind unverzichtbar, um das
Erlebnis genießen zu können und es nicht zum unkalkulierbaren Wagnis werden
zu lassen. Transalp zu planen wird immer ein Kompromiss sein
zwischen Fahrbarkeit der Strecken und dem
Eintauchen in die Felswelt
des Hochgebirges. Der Alpenhauptkamm zwischen den Ötztaler Alpen und den
Hohen Tauern bietet für Biker keine komplett fahrbaren Übergänge an.
Mindestens eine Stunde schieben oder tragen ist immer angesagt. Das Fahren soll
bei Transalp jedoch im Mittelpunkt stehen. Auf die vielbefahrenen
Auto-Pass-Straßen auszuweichen ist auch keine Alternative, wenn das
majestätische Erlebnis der stillen Bergwelt im Vordergrund stehen soll.
Weiter westlich sieht es günstiger aus. Hinter dem Fernpass liegen die
Übergänge in greifbarer Nähe, die den Transalp in Richtung Gardasee, dem
klassischen Endpunkt, auch für Otto Normalbiker möglich machen. Die wilde
und zerklüftete Verwall-Gruppe ist wie die Silvretta durchzogen von den
hier typischen V-Tälern. Sie führen relativ sanft in Höhen von 2400-2600 m
und sind zu großen Teilen fahrbar. Wenn man dann die für Biker
uneinnehmbare Gletscherfestung des Ortler-Massivs westlich umfährt, ergibt
sich die Streckenführung fast von selbst.
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| 1. Tag: Verwall-Tal |
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| Verwall-Tal |
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Das Tiroler Städtchen Imst
hinter dem Fern-Pass wählte ich als Ausgangspunkt der
Tour. Vom Gardasee gelangt man hierher problemlos zurück,
sei es per Bahn, Bus oder Bike, zudem sehr preiswert,
wenn man keine internationalen Fahrkarten erwirbt.
Der Inn-Radweg bis Landeck und die Strecke weiter
bis St. Anton am Arlberg bringt zum Einrollen viele
leichte Kilometer. Ab hier bietet das Verwall-Tal einen
ersten Eindruck davon, was der Transalp alles bereithält.
Das Wetter meint es Anfang September gut
mit uns, strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen.
Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Oft gibt es
in der ersten Septemberhälfte eine stabile Hochdruck-Wetterlage,
es ist noch warm und die Wege sind nicht
überlaufen. Wir genießen die weiten Hochflächen
in ihrer Stille. Mit der ist es allerdings an der
Heilbronner Hütte, dem Übergang ins Paznaun-Tal,
vorbei. Der vielgepriesene Hüttenzauber will sich
angesichts der Massen an Wanderern nicht einstellen.
Meine Tourbegleiter Frank aus Dresden (der schon bei der
Ronda Dolomiti in diesem Jahr dabei war) und Tobias aus
Ulm (via Internet zu uns gestoßen) und ich beschließen
deshalb, ins Tal abzufahren. Hier zeigt sich der Vorteil,
mit dem Rad unterwegs zu sein. Kaum eine Stunde später
sind wir gut 800 Höhenmeter tiefer im Paznaun-Tal und
beziehen in Galtür unser erstes Quartier. |
| Tourdetails: (Strecke,
Höhenprofil) |
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| 2.Tag:
Fimber-Tal |
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| Fimber-Pass (Andreas und Frank) |
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Am nächsten Tag wartet mit dem Fimber-Tal ein weiteres V-Tal auf uns.
Nach knackigem Anstieg hinter Ischgl führt uns der Weg dann relativ sanft
zur Heidelberger Hütte. Kurz davor passieren wir unspektakulär die
Schweizer Grenze. Nur ein Pfahl zeigt auf einem Schild an, dass wir nun
Österreich verlassen. Der Weg zum Fimber-Pass erfordert zwar ein paar
Schiebepassagen, dauert aber kaum eine Stunde und oben ist er sogar
wieder fahrbar.
In vielen Berichten steht folgendes geschrieben:
Im Mittelalter sollen über diesen Pass die Toten aus Ischgl zum
Friedhof nach Sent im Engadin gebracht worden sein, denn das Paznaun-Tal
gehörte jahrhundertelang zur Gemeinde Sent. Im Winter war der Weg
unbegehbar. Man ließ deshalb die Leichen einfrieren und brachte sie im
Frühjahr in Sent unter die Erde. Klingt gut, oder nicht? Der
Wahrheit kommt wohl folgende Version näher: Die Gemeinde Sent hatte sehr
große Weidegegebiete im Paznaun erworben und Ischgl gehörte lange
Zeit kirchlich zu Sent. Das mit den Toten ist eine alte
Überlieferung. Da sich die Senter nur im Sommer in Ischgl aufhielten,
ist es wohl sehr selten vorgekommen, dass die Leichen eingefroren
wurden, um sie später zu transportieren. (Quelle: Cla Rauch - Gemeinde
Sent).
Wie dem auch sei. Wir genießen den anspruchsvollen
Single-Trail ins Unterengadin im rätoromanischen Teil der Schweiz. Das
Graubündner Sprachidiom des Rätoromanischen ("romantsch
grischun") ist die vierte offizielle Sprache der Schweiz und hat
seine Wurzeln im Lateinischen. Weitere verwandte Sprachgruppen findet man
in Südtirol (ladinisch z.B. im Grödner Tal) und die zahlenmäßig größte
Gruppe im italienischen Friaul ("furlan")- Quelle: Robert Thätig. Hier
jedoch grüßen sich Wanderer und Biker mit "Allegra". Wir treffen
allerdings auf der gesamten Tour auf wenig Menschen, so dass wir die neuen
Sprachkenntnisse selten anwenden können.
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| Tourdetails: (Strecke,
Höhenprofil) |
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| 3.Tag: Val d’Uina |
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| Val d'Uina |
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Heute wartet das nächste
Highlight der Tour auf uns. Viele Wanderer dürfen
allerdings nicht unterwegs sein, wenn man die Eindrücke
eines der dramatischsten Übergänge für Biker in den
Alpen so recht in sich aufnehmen will.
An der
Bergkäserei Uina Dadaint laben wir uns mit Buttermilch.
Dann wird der Weg immer schmaler und die Felsenwände
ragen am Talschluss senkrecht in die Höhe. Ein
Durchkommen scheint nur für alpine Kletterer möglich.
Wenn man jedoch genau hinsieht, sieht man die
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| Drehkreuze am Schlinig-Pass |
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Fels-Galerie, die 1910 gebaut wurde. Auf Initiative des
Deutschen Alpenvereins wurde eine halbe Röhre in den
Fels gehauen, 1,3 m breit und 600 m lang. Damit waren
lange Umwege zum Schlinigpass und zur heutigen
Sesvenna-Hütte passé. Schwindelfrei sollte man schon
sein. Der Steig verläuft ca. 150-200 m über dem Grund
der engen Schlucht, durch die das Wasser tobt. An den
brenzligen Stellen ist er jedoch gesichert. Diesen Trail
vergisst man sein Leben lang nicht.
Oberhalb der Schlucht überquert man am Schlinig-Pass
bald die Grenze zu Süd-Tirol. Wieder ist ein neues
Sprachgebiet erreicht. Wir entschließen uns wegen des
weiterhin stabilen Wetters den Weg übers Stilfser Joch
zu nehmen. Schnell geht es hinab ins Etsch-Tal und weiter
bis Prad und noch ein paar Höhenmeter hinauf bis
Trafoi. |
| Tourdetails: (Strecke,
Höhenprofil) |
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| 5. Tag: Gavia-Pass |
| | Wettersturz an der Forcellina Montozzo |  |
Heute wartet ein Klassiker
des Giro d’Italia auf uns – der Gavia-Pass.
Für Autos mehr oder minder gesperrt schlängelt sich das
Asphaltband hoch hinauf bis auf 2652 m, immer die
vergletscherten Berge im Blick. Bei der Rast auf der
Passhöhe inspiziere ich interessiert die Fotos der
Helden des Giro. Oft kamen sie sogar im Sommer bei
Schneetreiben oben an, im kurzen Trikot. Auch uns sollten
heute noch die Wetterkapriolen im Hochgebirge
ereilen.
Nach der rasanten Abfahrt ins Pezzo-Tal wartet noch
ein Scharfrichter auf uns. Der Übergang nach Pejo über
die Forcellina Montozzo hat es in sich. Noch mal gut 1000
Höhenmeter sind es hinauf zum Rifugio Bozzi al Montozzo.
Dunkle Wolken brauen sich zusammen, also weiter. Gerade
als ich die Scharte schiebend erreiche, wird es düster
und es beginnt zu hageln. In der Ferne zucken Blitze.
Bedrohlich rollt der Donner durch die Berge. Besser
hätte es kein Drehbuch schreiben können. Doch ich bin
auf die Mitwirkung im Film nicht sonderlich erpicht.
Schnell verwandelt sich der im oberen Teil sonst gut
fahrbare Weg in einen Wildbach. Doch wir müssen runter
nach Pejo. Ich kenne die Gegend von einem Ski-Urlaub her,
es ist Luftlinie nicht mehr weit. Der Lago di Pian Palu
liegt blau schimmernd einige hundert Höhenmeter unter
uns. Da unten ist der Wetterspuk vorbei. Am malerischen
Anblick des Sees können wir uns heute nicht erwärmen,
in wenigen Minuten sind wir total durchnässt und
verdreckt in Pejo und quartieren uns in meinen alten
Ski-Hotel ein. |
Tourdetails: (Strecke, Höhenprofil) |
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| 6. Tag: Gardasee |
| | Riva Transalp 2000 | |
Die
Wolken sind verzogen. Die Bremsen am Bike werden nachgestellt und ab
geht's ins Val di Sole, das heute seinem Namen alle Ehre macht. Ab Dimaro
führt unser Weg entlang der schroffen Brenta-Gruppe nach Madonna di
Campiglio, dem berühmten Ski-Ort. Es wartet noch ein Pass auf uns, der
Bregn de l'Ors. Er erfordert eine letzte 30-minütige Schiebepassage und
dann belohnt uns ein sagenhafter langer Schotter-Downhill. Leicht rollt es
sich weiter hinunter nach Ponte Arche. Der Gardasee ist heute noch zu
schaffen. Auch wenn es noch ein Gewaltritt auf der Straße wird, die letzte
Abfahrt ab dem Tenno-See über die alte Straße nach Riva bringt uns noch
ein Hochgefühl, das die Strapazen des heutigen Tages vergessen lässt.
Punkt 19.00 Uhr stoßen wir als frischgebackene Transalpler auf dem
zentralen Platz am Hafen von Riva mit Bier aus der Flasche an (Bild). 400
km und 11400 Höhenmeter verteilt auf 6 Etappen liegen hinter uns. Alles
ist gut gegangen, unterwegs nur ein platter Reifen. Transalp 2001 kann kommen.
Die Tour fand statt in der 2. Septemberwoche
2001.Tourbericht Transalp 2001
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| Tourdetails: (Strecke, Höhenprofil) |
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| Fazit |
| | Trail zur Bocchetta di Forcola |  |
Eine wahre Traumtour ist diese Transalp. Das Wetter war wie es besser nicht sein kann. Bei solchen Bedingungen werden die Trails weit über der Baumgrenze zum Genuss. Insbesondere die Passage nach dem Pass Umbrail zur Bocchetta di Forcola ist ein Highlight. In Kombination mit der Route des Transalps 2001 vom Lago Cancano
zum Passo dell' Alpe und weiter über Gavia-Pass und Montozzo gibt es wahrscheinlich kaum eine schönere Strecke im hochalpinen Bereich, die nahezu komplett zu fahren ist. Die Etappe am letzten Tag war ein wenig zu lang. Hier sollte man noch eine Übernachtung einschieben, um am letzten Tag dann den Gardasee via Val di Lomasone (siehe Transalp 1996) zu erreichen.
Das Stilfser Joch muss man mit dem Bike einmal bezwungen haben, wenn man in den Alpen unterwegs ist. Auch wenn die Straße im Sommer ab 10 Uhr meist stark frequentiert ist, ist es ein tolles Erlebnis. Bei entsprechender Etappenplanung ist man rechtzeitig oben. Ende August wird die Straße an einem Tag für Autos gesperrt und gehört den Radlern alleine.
Infos dazu: www.stelviobike.com
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