Transalp mit "Dr. rad"Andreas Albrecht

Transalp.info: Informationen für Radreisenüber die Alpen
Transalp 2000
 

Transalp 2000 – Imst-Riva

Das wichtigste in Kürze

Strecke Imst - St. Anton - Verwalltal - Fimbertal - Val d'Uina-Prad - Stilfser Joch - Bormio - Gavia-Pass - Pejo Terme - Madonna di Campiglio - Val d' Agola - Ponte Arche - Riva - Gardasee
Länge 400 km
Höhenmeter 11.425 hm
Termin 10.-15. September 2000
Etappen (6)
Tag Strecke km hm
1.Tag Imst-Landeck-St. Anton-Verwall-Tal-Konstanzer Hütte-Neue Heilbronner Hütte-Kops Stausee-Zeinisjoch-Galtür 85 1826
2.Tag Galtür-Ischgl-Fimbertal Weg-Heidelberger Hütte-Fimberpass-Alp Chöglias-Vna-Ramosch-Sur En 48 1359
3.Tag Sur En - Val d'Uina - Schlinigpass - Sesvenna Hütte - Schlinig - Schleis - Laatsch - Glurns - Prad -Stilfser-Joch-Straße-Gomagoi - Trafoi 47 1767
4.Tag Trafoi-Stilfser Joch-Pass Umbrail-Bocchetta di Forcola-Malga Pedenelo-Valle Forcola-Bormio-S.Caterina 59 2371
5.Tag S.Caterina-Gavia-Pass-Pezzo-Rif. Bozzi al Montozzo-Forcellina Montozzo-Lago di Pian Palu-Pejo Terme 53 2012
6.Tag Pejo Terme - Dimaro - Madonna di Campiglio - Val d' Agola - Passo Bregn de l'Ors - Stenico - Ponte Arche - Dasindo - Lago di Tenno - Riva - Torbole 109 2050
Detail-Infos zu den Tagesetappen siehe Verweise im Tourbericht
Landkarten Kompass: Digitale Karte Österreich, Digitale Karte Tirol, Digitale Karte Südtirol, 41, 52, 072, 73, 101
Kümmerly & Frey - Unterengadin ISBN 3-259-00814-4,
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer
Neu: Die gescannten Ausschnitte der KOMPASS-Karten mit Einzeichnung der Route können nun erworben werden. Mehr Info: hier klicken
Tourplanung Andreas Albrecht
Tourführung Andreas Albrecht
Teilnehmer
  • Frank Dietrich (Pirna)
  • Tobias Schmidt (Ulm)
GPS-Tracks hier klicken

Tourbericht

Prolog
zum Vergrößern klicken
Weite und Stille in den Alpen zum Vergrößern klicken
Transalp mit dem Mountainbike zu fahren übt eine unvergleichliche Faszination aus. Seit 1994 bin ich in den Alpen unterwegs. Eigene Erfahrungen sind unverzichtbar, um das Erlebnis genießen zu können und es nicht zum unkalkulierbaren Wagnis werden zu lassen. Transalp zu planen wird immer ein Kompromiss sein zwischen Fahrbarkeit der Strecken und dem Eintauchen in die Felswelt des Hochgebirges. Der Alpenhauptkamm zwischen den Ötztaler Alpen und den Hohen Tauern bietet für Biker keine komplett fahrbaren Übergänge an. Mindestens eine Stunde schieben oder tragen ist immer angesagt. Das Fahren soll bei Transalp jedoch im Mittelpunkt stehen. Auf die vielbefahrenen Auto-Pass-Straßen auszuweichen ist auch keine Alternative, wenn das majestätische Erlebnis der stillen Bergwelt im Vordergrund stehen soll. Weiter westlich sieht es günstiger aus. Hinter dem Fernpass liegen die Übergänge in greifbarer Nähe, die den Transalp in Richtung Gardasee, dem klassischen Endpunkt, auch für Otto Normalbiker möglich machen. Die wilde und zerklüftete Verwall-Gruppe ist wie die Silvretta durchzogen von den hier typischen V-Tälern. Sie führen relativ sanft in Höhen von 2400-2600 m und sind zu großen Teilen fahrbar. Wenn  man dann die für Biker uneinnehmbare Gletscherfestung des Ortler-Massivs westlich umfährt, ergibt sich die Streckenführung fast von selbst.
Top

1. Tag: Verwall-Tal
zum Vergrößern klicken
Verwall-Tal zum Vergrößern klicken
Das Tiroler Städtchen Imst hinter dem Fern-Pass wählte ich als Ausgangspunkt der Tour. Vom Gardasee gelangt man hierher problemlos zurück, sei es per Bahn, Bus oder Bike, zudem sehr preiswert, wenn man keine internationalen Fahrkarten erwirbt. Der Inn-Radweg bis Landeck und die Strecke weiter bis St. Anton am Arlberg bringt zum Einrollen viele leichte Kilometer. Ab hier bietet das Verwall-Tal einen ersten Eindruck davon, was der Transalp alles bereithält.  Das Wetter meint es Anfang September gut mit uns, strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen. Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Oft gibt es in der ersten Septemberhälfte eine stabile Hochdruck-Wetterlage, es ist noch warm und die Wege sind nicht überlaufen. Wir genießen die weiten Hochflächen in ihrer Stille. Mit der ist es allerdings an der Heilbronner Hütte, dem Übergang ins Paznaun-Tal, vorbei. Der vielgepriesene Hüttenzauber will sich angesichts der Massen an Wanderern nicht einstellen. Meine Tourbegleiter Frank aus Dresden (der schon bei der Ronda Dolomiti in diesem Jahr dabei war) und Tobias aus Ulm (via Internet zu uns gestoßen) und ich beschließen deshalb, ins Tal abzufahren. Hier zeigt sich der Vorteil, mit dem Rad unterwegs zu sein. Kaum eine Stunde später sind wir gut 800 Höhenmeter tiefer im Paznaun-Tal und beziehen in Galtür unser erstes Quartier.
Tourdetails: (Strecke, Höhenprofil)
Top

2.Tag: Fimber-Tal
zum Vergrößern klicken
Fimber-Pass (Andreas und Frank) zum Vergrößern klicken

Am nächsten Tag wartet mit dem Fimber-Tal ein weiteres V-Tal auf uns. Nach knackigem Anstieg hinter Ischgl führt uns der Weg dann relativ sanft zur Heidelberger Hütte. Kurz davor passieren wir unspektakulär die Schweizer Grenze. Nur ein Pfahl zeigt auf einem Schild an, dass wir nun Österreich verlassen. Der Weg zum Fimber-Pass erfordert zwar ein paar  Schiebepassagen, dauert aber kaum eine Stunde und oben ist er sogar wieder fahrbar.

In vielen Berichten steht folgendes geschrieben:
Im Mittelalter sollen über diesen Pass die Toten aus Ischgl zum Friedhof nach Sent im Engadin gebracht worden sein, denn das Paznaun-Tal gehörte jahrhundertelang zur Gemeinde Sent. Im Winter war der Weg unbegehbar. Man ließ deshalb die Leichen einfrieren und brachte sie im Frühjahr in Sent unter die Erde.
Klingt gut, oder nicht?
Der Wahrheit kommt wohl folgende Version näher: Die Gemeinde Sent hatte sehr große Weidegegebiete im  Paznaun erworben und Ischgl gehörte lange Zeit kirchlich zu Sent. Das mit den Toten ist eine alte Überlieferung. Da sich die Senter nur im Sommer in Ischgl aufhielten, ist es wohl sehr selten vorgekommen, dass die Leichen eingefroren wurden, um sie später zu transportieren. (Quelle: Cla Rauch - Gemeinde Sent).

Wie dem auch sei. Wir genießen den anspruchsvollen Single-Trail ins Unterengadin im rätoromanischen Teil der Schweiz. Das Graubündner Sprachidiom des Rätoromanischen ("romantsch grischun") ist die vierte offizielle Sprache der Schweiz und hat seine Wurzeln im Lateinischen. Weitere verwandte Sprachgruppen findet man in Südtirol (ladinisch z.B. im Grödner Tal) und die zahlenmäßig größte Gruppe im italienischen Friaul ("furlan")- Quelle: Robert Thätig. Hier jedoch grüßen sich Wanderer und Biker mit "Allegra". Wir treffen allerdings auf der gesamten Tour auf wenig Menschen, so dass wir die neuen Sprachkenntnisse selten anwenden können.

Tourdetails: (Strecke, Höhenprofil)
Top

3.Tag: Val d’Uina
zum Vergrößern klicken
Val d'Uina zum Vergrößern klicken
Heute wartet das nächste Highlight der Tour auf uns. Viele Wanderer dürfen allerdings nicht unterwegs sein, wenn man die Eindrücke eines der dramatischsten Übergänge für Biker in den Alpen so recht in sich aufnehmen will. An der Bergkäserei Uina Dadaint laben wir uns mit Buttermilch. Dann wird der Weg immer schmaler und die Felsenwände ragen am Talschluss senkrecht in die Höhe. Ein Durchkommen scheint nur für alpine Kletterer möglich. Wenn man jedoch genau hinsieht, sieht man die
zum Vergrößern klicken
Drehkreuze am Schlinig-Pass zum Vergrößern klicken
Fels-Galerie, die 1910 gebaut wurde. Auf Initiative des Deutschen Alpenvereins wurde eine halbe Röhre in den Fels gehauen, 1,3 m breit und 600 m lang. Damit waren lange Umwege zum Schlinigpass und zur heutigen Sesvenna-Hütte passé. Schwindelfrei sollte man schon sein. Der Steig verläuft ca. 150-200 m über dem Grund der engen Schlucht, durch die das Wasser tobt. An den brenzligen Stellen ist er jedoch gesichert. Diesen Trail vergisst man sein Leben lang nicht. 
Oberhalb der Schlucht überquert man am Schlinig-Pass bald die Grenze zu Süd-Tirol. Wieder ist ein neues Sprachgebiet erreicht. Wir entschließen uns wegen des weiterhin stabilen Wetters den Weg übers Stilfser Joch zu nehmen. Schnell geht es hinab ins Etsch-Tal und weiter bis Prad und noch ein paar Höhenmeter hinauf bis Trafoi. 
Tourdetails: (Strecke, Höhenprofil)
Top

4.Tag: Stilfser Joch – Alte Kriegspfade
zum Vergrößern klicken
Stilfser Joch:
Kehre 24 von 48
zum Vergrößern klicken
Der Morgen verspricht einen klaren Tag. Das Stilfser Joch mit seinen 48 Kehren ist eine der klassischen Radler-Wallfahrten in den Alpen. In reichlich 2 Stunden sind wir oben. Leider leidet der Ort unter der Fülle der Menschen, so dass wir schnell weiter radeln und am Pass Umbrail wieder in die Einsamkeit der Bergwelt eintauchen.
zum Vergrößern klicken
Militärpiste im Valle Forcola zum Vergrößern klicken
Wir folgen den steinernen Spuren der blutigen Kämpfe des 1. Weltkrieges im Ortler-Gebiet. Österreicherische Gebirgsjäger und italienische Alpinisti standen sich kämpfend gegenüber, die Schweizer riegelten am Pass Umbrail ihre Grenze ab. Das Leid der Soldaten muss besonders im Winter unendlich gewesen sein. An der Bocchetta di Forcola sind in 2768 m Höhe noch Reste der alten Befestigungsanlagen zu sehen. 50 Höhenmeter tiefer stehen die Reste des Militärlazaretts der Italiener. Bis hoch hinauf auf ca. 3000 m ziehen sich die Reste der alten Militärtrasse. Für uns Biker sind die alten Pisten ideal. Breit genug und in Serpentinen schlängeln sie sich meist fahrbar an Bergflanken und durch steile Felswände hinab durch Terrain, das sonst Wanderern und Kletterern vorbehalten wäre.

Überwältigt von den Eindrücken erreichen wir schließlich die alte italienische Stadt Bormio. Ein Wetterumschwung kündigt sich an. Die letzten Kilometer bis S. Caterina im Valfurva sind ein Wettlauf mit dem drohenden Regen. Heute sind wir noch die Sieger. Unterkunftsmöglichkeiten sind hier reichhaltig vorhanden. Meine Empfehlung für Biker, die sich mal verwöhnen lassen wollen: Hotel "Baita Fiorita" www.compagnoni.it  -Wellnessbereich mit Sauna/Whirlpool, fantastische Küche

Tourdetails: (Strecke, Höhenprofil)
Top

5. Tag: Gavia-Pass
zum Vergrößern klicken
Wettersturz an der Forcellina Montozzo
zum Vergrößern klicken
Heute wartet ein Klassiker des Giro d’Italia auf uns – der Gavia-Pass. Für Autos mehr oder minder gesperrt schlängelt sich das Asphaltband hoch hinauf bis auf 2652 m, immer die vergletscherten Berge im Blick. Bei der Rast auf der Passhöhe inspiziere ich interessiert die Fotos der Helden des Giro. Oft kamen sie sogar im Sommer bei Schneetreiben oben an, im kurzen Trikot. Auch uns sollten heute noch die Wetterkapriolen im Hochgebirge ereilen. Nach der rasanten Abfahrt ins Pezzo-Tal wartet noch ein Scharfrichter auf uns. Der Übergang nach Pejo über die Forcellina Montozzo hat es in sich. Noch mal gut 1000 Höhenmeter sind es hinauf zum Rifugio Bozzi al Montozzo. Dunkle Wolken brauen sich zusammen, also weiter. Gerade als ich die Scharte schiebend erreiche, wird es düster und es beginnt zu hageln. In der Ferne zucken Blitze. Bedrohlich rollt der Donner durch die Berge. Besser hätte es kein Drehbuch schreiben können. Doch ich bin auf die Mitwirkung im Film nicht sonderlich erpicht. Schnell verwandelt sich der im oberen Teil sonst gut fahrbare Weg in einen Wildbach. Doch wir müssen runter nach Pejo. Ich kenne die Gegend von einem Ski-Urlaub her, es ist Luftlinie nicht mehr weit. Der Lago di Pian Palu liegt blau schimmernd einige hundert Höhenmeter unter uns. Da unten ist der Wetterspuk vorbei. Am malerischen Anblick des Sees können wir uns heute nicht erwärmen, in wenigen Minuten sind wir total durchnässt und verdreckt in Pejo und quartieren uns in meinen alten Ski-Hotel ein. 

Tourdetails: (Strecke, Höhenprofil)
Top

6. Tag: Gardasee
zum Vergrößern klicken
Riva Transalp 2000 zum Vergrößern klicken
Die Wolken sind verzogen. Die Bremsen am Bike werden nachgestellt und ab geht's ins Val di Sole, das heute seinem Namen alle Ehre macht. Ab Dimaro führt unser Weg entlang der schroffen Brenta-Gruppe nach Madonna di Campiglio, dem berühmten Ski-Ort. Es wartet noch ein Pass auf uns, der Bregn de l'Ors. Er erfordert eine letzte 30-minütige Schiebepassage und dann belohnt uns ein sagenhafter langer Schotter-Downhill. Leicht rollt es sich weiter hinunter nach Ponte Arche. Der Gardasee ist heute noch zu schaffen. Auch wenn es noch ein Gewaltritt auf der Straße wird, die letzte Abfahrt ab dem Tenno-See über die alte Straße nach Riva bringt uns noch ein Hochgefühl, das die Strapazen des heutigen Tages vergessen lässt. Punkt 19.00 Uhr stoßen wir als frischgebackene Transalpler auf dem zentralen Platz am Hafen von Riva mit Bier aus der Flasche an (Bild). 400 km und 11400 Höhenmeter verteilt auf 6 Etappen liegen hinter uns. Alles ist gut gegangen, unterwegs nur ein platter Reifen. Transalp 2001 kann kommen.
Die Tour fand statt in der 2. Septemberwoche 2001.Tourbericht Transalp 2001
Tourdetails: (Strecke, Höhenprofil)
Top

Fazit
zum Vergrößern klicken
Trail zur Bocchetta di Forcola zum Vergrößern klicken

Eine wahre Traumtour ist diese Transalp. Das Wetter war wie es besser nicht sein kann. Bei solchen Bedingungen werden die Trails weit über der Baumgrenze zum Genuss. Insbesondere die Passage nach dem Pass Umbrail zur Bocchetta di Forcola ist ein Highlight. In Kombination mit der Route des Transalps 2001 vom Lago Cancano zum Passo dell' Alpe und weiter über Gavia-Pass und Montozzo gibt es wahrscheinlich kaum eine schönere Strecke im hochalpinen Bereich, die nahezu komplett zu fahren ist. Die Etappe am letzten Tag war ein wenig zu lang. Hier sollte man noch eine Übernachtung einschieben, um am letzten Tag dann den Gardasee via Val di Lomasone (siehe Transalp 1996) zu erreichen.
Das Stilfser Joch muss man mit dem Bike einmal bezwungen haben, wenn man in den Alpen unterwegs ist. Auch wenn die Straße im Sommer ab 10 Uhr meist stark frequentiert ist, ist es ein tolles Erlebnis. Bei entsprechender Etappenplanung ist man rechtzeitig oben. Ende August wird die Straße an einem Tag für Autos gesperrt und gehört den Radlern alleine.
Infos dazu: www.stelviobike.com
Top
Besucher:

 
© Andreas Albrecht (2000 - 2008), update: 2. Jul. 2008   » Impressum        » Datenschutz     Webdesign: Konzept © by » Florentin Hauber