| Strecke | Garmisch-Partenkirchen - Fern-Pass - Landeck - Prutz - Scoul - Passo Costaines - St. Maria im Münstertal - Val Mora - Lago Cancano - Arnoga - Passo Verva - Grosio - Valle di Rezzalo - Passo dell' Alpe - Gavia-Pass - Pezzo - Forcellina di Montozzo - Val di Sole - Dimaro - Madonna di Campiglio - Val d'Agola - Ponte Arche - Riva - Torbole | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Länge | 455 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Höhenmeter | 10287 hm | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Termin | 8.-13. September 2001 | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Etappen (7) |
Detail-Infos zum Nachfahren der Tagesetappen siehe Verweise im Tourbericht | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Landkarten |
Kompass:
Digitale Karte Österreich,
Digitale Karte Tirol,
5,
35,
41,
42,
52,
072, 73,
101,
107 Kümmerly & Frey - Unterengadin ISBN 3-259-00814-4, Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358 Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4 Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Tourplanung | Andreas Albrecht | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Tourführung | Andreas Albrecht | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Teilnehmer |
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| Prolog |
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Selten hat dieser Ausspruch so
zugetroffen wie auf meine diesjährige Transalp-Tour. Überschattet wurden
die Erlebnisse durch die entsetzlichen Geschehnisse in New York am 11.
September 2001. Am Gavia-Pass erfuhren wir davon, nachdem ich unsere
MTB-Gruppe über "meine Neuentdeckung", den Passo dell' Alpe durch stille, friedliche Gebirgslandschaften
geführt hatte. Mir war sofort klar, nichts wird in Zukunft mehr so sein
wie es war. Meine einzige Erleichterung war mit dem Bike unterwegs zu
sein, so könnte ich im schlimmsten Fall aus eigener Kraft zurückkommen.
Einen Moment überlegte ich die Tour abzubrechen, doch alle wollten es zu
Ende bringen.Nach der Testtour im September 2000 war ich fest entschlossen, in 2001 einen geführten Transalp durchzuführen, der im wesentlichen der erprobten Route folgen sollte.
Die Teilnehmersuche habe ich konsequent über das Internet betrieben. Die
Resonanz war enorm. Die Anfragen waren so zahlreich, daß ich
mehrere Transalps hätte durchführen können. Nach dem 7. Teilnehmer hatte
ichden Hinweis auf meiner Homepage entfernt. Mehr als 8 Transapler sollten es
nicht sein. Trotzdem kamen bis kurz vor dem Termin ständig Anfragen, die
ich leider abweisen mußte. Der Termin rückte näher und näher und das
Wetter wurde schlechter und schlechter. Die Schneefallgrenze sollte auf
1500 m sinken. Glücklicherweise hatte ich die Tour so konzipiert, daß eine
Schlechtwettervariante möglich war. So radelten dann am 8. September
sieben erwartungsfrohe Mountainbiker los, einer hatte noch kurzfristig
abgesagt. Im großen und ganzen hatten wir noch Glück mit dem Wetter. Es
war zwar meist lausig kalt, aber wir hatten nur am ersten Tag einzelne
Regentropfen und im Val Mora etwas Schnee, der aber nicht
liegenblieb. |
| Karte Gesamtstrecke |
| 1. Tag: Fern-Pass - Inn-Tal |
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Samstag morgen
trafen wir uns alle in Garmisch. Entgegen der
Wettervorhersage, die in der Nacht 60 Liter Regen am Alpenrand
vorhersagte, gab es sogar ein paar Wolkenlücken. Den
ganzen Tag begleiteten uns zwar einige Regentropfen, aber
richtig schüttete es glücklicherweise nicht. Von Garmisch aus geht ein sehr angenehmer Radweg bis Ehrwald. Genau das richtige zum lockeren Einrollen. Den oft empfohlenen Absteicher zum Hochthörle-Haus hatte ich nicht vorgesehen, da ich die Tour eh umstellen mußte. Eigentlich sollte es am ersten Tag bis zur Konstanzer Hütte im Verwall-Tal gehen und dann weiter über Verbellener Winterjöchl und den Fimber-Pass ins Unter-Engadin. Aufgrund der Schneegefahr wollte ich die Hüttenübernachtungen jedoch nicht riskieren und vertraute dem Südtiroler Wetterbericht, den ich mir in den Tagen vorher per e-mail schicken ließ (siehe meine Linkliste). Südlich des Alpenhauptkamms versprach er besseres Wetter. Deshalb folgten wir nach der Überwindung des Fernpasses auf dem Römerweg mit herrlicher Trailabfahrt direkt durch Schloß Fernstein dem direkten Weg durch das Inn-Tal. So konnten wir direkt ins Unterengadin radeln, ohne größere Höhen überwinden zu müssen. Der Inn-Tal-Radweg ist bis Landeck easy zu fahren. Es nieselte nun etwas stärker, aber wir beschlossen, noch bis Prutz zu radeln. Hier am Eingang ins Kaunertal reichte es dann. Im Gasthof Rose bezogen wir Quartier mit Halbpension für ca. 66 DM. Schon am ersten Tag zeigte es sich, daß die Gruppe vom Leistungsvermögen her relativ homogen war. In den Bergen zeigten sich später natürlich ein paar Leistungsunterschiede, die sich aber nicht als problematisch erwiesen. |
| Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte) |
| 2.Tag: Passo Costaines |
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In
der Nacht hatte es in den Bergen bis
ca. 1500 m Schnee gegeben. Unten im Tal verzogen sich jedoch langsam die
Wolken und die Sonne schien, wenn es auch mit 7°C recht kühl war. Also los
weiter auf der alten Straße, die nun zum Radweg umfunktioniert ist. An der
Kajetansbrücke verzweigen sich die Wege. Links geht die Reschenpass-Straße
hoch, mit viel Autoverkehr ein wenig empfehlenswerter Übergang
für Biker. Besser ist es, wenn es der Reschenpass sein muß, bis Martina
in der Schweiz im Inn-Tal zu bleiben und dann über die Norberthöhe zu
radeln. Unsere Richtung war Scoul, deshalb blieben wir im Inntal. Wir besichtigten
noch die alte Zollstation Alt-Finstermünz. Hier zwängt sich der
Fluß durch eine Engstelle und kann über eine alte überdachte Holzbrücke
überquert werden. Hier beginnt ein 1,5 km langer Abschnitt, in dem
die Via Claudia, der wir bisher lange gefolgt waren, über weite Strecken
auch mit dem MTB nicht befahrbar ist. Bis zur alten Festung Nauders
ist der Weg teilweise sehr steil und schmal. Wer allerdings bereit ist,
wie die Römer abzusteigen und zu schieben, kann sich die römische Reschenroute
durchaus aus eigener Kraft erarbeiten. Andernfalls transportiert
der Postbus den bequemen Biker mit dem Bike huckepack ab Pfunds
bis nach Nauders. Unser Weg führte jedoch zurück zur Straße, da am Flußufer
nur ein unfahrbarer Trail vorhanden war. Ab dem Örtchen Strada kann
man die Straße verlassen und im Tal des Inn auf Parallelwegen bis Scoul
radeln. In Ramosch kommt von rechts her der Weg vom Fimberpass hinab,
nach links kann man die sagenhafte Auffahrt ins Val d'Uina beginnen.
Den Fimberpass mußten wir in diesem Jahr leider auslassen, heute sah
das Wetter zwar gut aus und er wäre fahrbar gewesen. Wir wären bei
ursprünglicher Planung erst einen Tag später drüber gekommen und da sollte
es schlechter werden, was sich auch bestätigte. Der Weg ins Münstertal führte uns durch ab Scoul ins Val S-charl. Zunächst steiler Asphalt, dann wieder etwas flacher und festgefahrener feiner Schotter, bis S-charl hervoragend zu fahren. Ab S-charl (Übernachtungsmöglichkeiten) beginnt dann der Weg zum Passo da Costainas (2251 m), dem einzig komplett für Mountainbiker fahrbaren Nichtstraßen-Übergang des Alpenhauptkamms. Wirklich ein Genuß für alle, die ewiges Schieben im unwegsamen Gelände satt haben. Ab der Alp Astras sollte man zunächst etwas am Hang nach rechts oben queren, um den Jeepweg zu erwischen. Ansonsten muß man auf der ausgewaschenen Wiesendurchfahrt vielleicht doch den einen oder anderen Meter schieben. Aber alles kein Problem. Eine kleine Schotterabfahrt nach dem Pass und schon ist man in Lü, wo man bei klarer Sicht unwillkürlich anhalten und den freien Blick zum schneebedeckten Ortler genießen wird. Bis St. Maria im Münstertal versägen wir noch auf bestem Asphalt einige Höhenmeter, bis wir in der Jugendherberge "Chasa Plaz" unseren Burschenschlafsaal beziehen. In der Schweiz ist es für deutsche Verhältnisse schon fast unverschämt teuer, deshalb sind die Jugendherbergen hier eine gepflegte Alternative auch für uns schon etwas ältere Semester. Einen JH-Ausweis benötigt man in der Schweiz nicht. |
| Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte) |
| 3.Tag: Val Mora, Passo Verva |
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Nach dem Frühstück beim Bäcker für 14
Fränkli beginnt nun eine der fantastischsten Strecken, die man in den
Alpen mit dem Mountainbike fahren kann. Zunächst geht es über eine gut
fahrbare, wenn auch teilweise sehr steile Schotterpiste 900 Höhenmeter
hinauf ins Val Mora. Ab der Alm Döss Radond (2234 m) zieht sich zunächst
über einige Kilomter ein Schotterweg, später ein Trail am Wasser entlang
bis zum Passo Val Mora (1934 m). Die Kulisse erinnert an Indianerfilme und
bei der ersten Abfahrt laufen doch tatsächlich einige rassige Pferde auf
unseren Weg zu, als wollten sie sich im Tempo mit uns messen. Anscheinend
haben sie vor, unsere Nachhut ein wenig necken, denn sie halten auf dem
Pfad inne. Wir bremsen ab und fahren respektvoll in mäßigem Tempo vorbei,
um es dann wieder rollen zu lassen. Nach der Bachquerung über einen Holzsteg beginnt ein teilweiser ausgewaschener Trail, der einem ab und zu zum Absteigen zwingt. Aber ehe es lästig wird, haben wir schon die grüne Grüne Grenze nach Italien passiert und erreichen die zwei Stauseen Lago di Fraele und Lago di Cancano. Im Ristoro Val Frale (Übernachtungsmöglichkeit) an der Staumauer zwischen beiden Seen sind wir froh, erst mal ins Warme zu kommen. Wir essen die übliche Pasta-Portion. Beim Blick zurück sehen wir im Val Mora schon dichteres Schneetreiben, wir hatten bei der Auffahrt nur einzelne Flocken. Glück gehabt. Überhaupt sollte in den nächsten Tagen das schlechtere Wetter immer einen halben Tag hinter uns bleiben. Bisher war es meine kälteste Transalp (Minimum 2° C). So lange keine Feuchtigkeit dazu kommt, läßt sich das alles noch ertragen, wenn die Ausrüstung stimmt. Wie geht der Weg nun weiter? Ab den alten Wehrtürmen Torri di Fraele kann man die Schotterserpentinen hiunter bis Bormio nehmen, um dann den kompletten Gavia-Pass zu fahren. Kurz vor der Tour las ich dann jedoch den entscheidenden Tipp. Nach der 3. Serpentine bei 1866 Höhenmetern zweigt scharf rechts ein genialer Schotterweg ab, der ca. 13 km höhengleich Richtung Arnoga zum Valla Verva führt. Hier wartet dann mit dem Passo di Verva (2301 m) ein weiterer fast komplett fahrbarer Pass im hochalpinen Bereich auf uns. Doch vorher muß erst am Bike von Werner ein Kettenriß repariert werden. Neben 2 Platten waren das die einzigen Pannen auf
der ganzen Tour. Nach dem Pass wartet ein anspruchsvoller Schotterdownhill
über 600 Höhenmeter hinab nach Eita auf uns. Das ist etwas für Genießer.
Im nun beginnenden Valle Grosin kann man sich dann entspannen. Auf einem
Asphaltsträßchen rauscht man weitere 1000 Höhenmeter hinab bis Grosio. In
der Albergo Sassella finden wir Unterschlupf. Zuerst sind wir über den
Preis von 95.000 Lit für Halbpension etwas irritiert, aber der Chef des
Hauses versteht uns zu überzeugen, das die Übernachtung das Geld wert sein
wird. Tatsächlich zeugt das 5-Gänge-Menü von feinster italienischer
Kochkunst. Wir sind vollauf zufrieden und können diese Albergo nur
wärmsten allen Transalplern empfehlen, die es hierher verschlägt. |
| Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte) |
| 4.Tag: Passo dell' Alpe, Gavia-Pass - Terroranschlag in New York |
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| Am Abend vorher
hatte ich noch mit Holger zusammen Kartenstudium betrieben.
Der Routenvorschlag ab Grosio lautetet: Passo della Foppa - ein Giro-Klassiker
wie der Gavia-Pass. Das Problem ist nur, das danach fast
zwangsläufig eine längere Straßenetappe via Passo Tonale folgt, wenn man über Madonna
di Campiglio zum Gardasee will. Mir fiel jedoch auf, daß für
es Mountainbiker eine interessantere Möglichkeit geben könnte, den Weg
fortzusetzen. Nach ein paar Straßenkilometer talaufwärts Richtung Bormio zweigt
in Le Prese rechts das Valle di Rezzalo ab. Dieses Tal erreicht nach
dem Passo dell' Alpe (2463 m) bei knapp 2300 m die Straße
zum Gavia-Pass. Nach meinen Erfahrungen mit Kompass-Kartenmarkierungen und dem
Wegeverlauf in Bezug zu den Höhenlinien müßte diese Route zu großen
Teilen fahrbar sein. Alle waren der Meinung, daß wir es versuchen sollten. Also gings
es los. Bis La Prese nutzten wir die alte Straße nach Bormio,
wenig befahren und moderat ansteigend. Kurz nach dem Kreisel zogen wir
bei Sonnenschein einige Sachen aus, denn nun ging es rechterhand steil
bergauf. Zunächst Asphalt, hinter Fumero bei ca. 1500 m Höhe begann
dann grober Schotter, teilweise Steinplatten als Weg - schwer fahrbar. Ab Teat wird
es dann etwas flacher, das Tal weitet sich zur einer bewirtschafteten
Alm mit Rast- und Übernachtungsmöglichkeiten (Rifugio La Baita).
Am Ende des Wiesengrundes erwarten uns zwei Steilstücke, die
auf Plateaus führen. Konditionstiere fahren komplett bis ca. 2200 m. Ab dann schiebt jeder
ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde zum Pass, aber alles noch
im grünen Bereich. Die Abfahrt zur Gavia-Pass-Straße ist zum größten Teil
fahrbar. Man muß nur nach der Bachquerung nach links etwas Höhe gewinnen,
um den Schotterweg zu erwischen, der gut zu passieren ist, ansonsten
quert man schiebenderweise ein paar Meter. An der Gavia-Pass-Straße ist
heute relativ viel Betrieb. Normalerweise ist sie für Autos mehr oder
minder gesperrt. Doch heute geht hier wohl eine Oldtimerralley durch.
Meist alte MG-Cabrios knattern an uns vorbei. Am Rifugio Bonetta direkt am
Gavia-Pass ist für sie Kontrollstelle. Auch wir rasten hier und werden von
Lärm aus dem Radio überfallen. Wir trinken Tee oder Caffe latte und bekommen nur langsam mit, daß in New York etwas Schreckliches passiert sein muß. Dann sieht einer von uns im Fernseher, der in der Küche läuft, daß das World Trade Center brennt und von Explosionen erschüttert zusammenbricht. Nur langsam wird uns klar, daß es kein "normales" Unglück ist, sondern es sich um einen perfiden Terroranschlag handelt. Entsetzt sehen wir, wie das zweite Flugzeug direkt in den Turm hineinfliegt und in einem Feuerball verglüht. Wenig später sacken die Türme in sich zusammen. Ich bin wie erstarrt. Mir wird sofort klar, daß dieser Anschlag gravierende Folgen für die Zivilisation haben wird. Ich denke an die Gefahr eines Dritten Weltkrieges, den wir wohl alle nicht überleben würden. Mein einziger Trost ist im Moment die Tatsache, daß ich mit dem Mountainbike unterwegs bin. So sehe ich zumindest eine Chance, im schlimmsten Falle noch aus eigener Kraft nach Hause kommen zu können. Lange sitzen wir dort oben, ehe es an die Abfahrt geht. Am Tunnel passiert dann das einzige Mißgeschick der Tour. Die ersten sechs fahren rechts auf Schotter am Tunnel vorbei. Matthias ist die Sicht versperrt, er konzentriert sich auf die vor ihm fahrenden Autos und rauscht durch den Tunnel und leider hinab bis Ponte di Legno. Wir bleiben erst mal stehen und beratschlagen, was zu tun ist. Schließlich fahren Frank und Holger nochmal hoch bis zu der Stelle, an der wir Matthias zuletzt gesehen hatten. Wir anderen fahren ab bis zur Albergo Pietra Rossa. Dort erreichen wir Matthias per Handy. Wir sind sehr erleichtert. Er war sich sicher, der letzte am Berg gewesen zu sein und versuchte uns einzuholen. In Precasaglio treffen wir dann in der Albergo Frigidolfo wieder zusammen, glücklich , daß alles gut gegangen ist. Wir nehmen wieder Halbpension und sitzen erstmal vor dem Fernseher, um weitere Informationen zu bekommen. Beim Abendessen stelle ich die Frage, ob wir aufgrund der Ereignisse in New York die Tour abbrechen sollten. Wir entscheiden uns, weiter zu fahren. Ein mulmiges Gefühl haben wir jedoch alle. |
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| 5.Tag: Forcellina di Montozzo, Val di Sole |
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| In der Nacht habe ich schlecht
geschlafen, immer wieder erscheint das Bild des in den Tower rasenden
Flugzeuges vor meinem inneren Auge. Das Ziel des Aufstiegs des heutigen
Tages paßt irgendwie zu dem, was gestern passiert ist. Zum Rifugio Bozzi
und zur Forcellina di Montozzo können wir heute nur mit dem Mountainbike
gelangen, weil die kriegerischen Auseinandersetzungen des Ersten
Weltkrieges eine große Anzahl von Militärtrassen in den Alpen
hervorbrachten. Auf diesen mußte ja schweres Gerät transportiert werden,
so daß die Wege einerseits relativ breit angelegt wurden und andererseits
die Steigung ein Mindestmaß nicht übersteigen durfte. Da die Wege
natürlich über die Jahre nicht überall unterhalten wurden, muß man
selbstverständlich einkalkulieren, daß sicher nicht alles fahrbar sein
wird. Aber die Trasse als solche ist in vielen Fällen erhalten. Am Rifugio
Bozzi sind noch Reste der Baracken und Schützengräben erhalten. Mir ist
nicht klar, was hier oben verteidigt werden sollte. Im vergangenen Jahr
habe ich das kaum registriert. Heute gelangt es mir beklemmend ins
Bewußtsein, daß uns der Hauch des Schreckens, den der Krieg verbreitet,
wieder eiskalt ins Gesicht zu blasen beginnen könnte. Eines ist in diesem Jahr zum Glück anders. Nach der straffen
Schiebepassage mit bis zu 40% Steigung zur Forcellina di Montozzo erwartet
mich oben kein Hagelgewitter und ich kann
mit den andern zusammen die Abfahrt zum Lago di Pian Palu genießen. Im
oberen Teil ist sie ein gut fahrbarer Schotterweg. Weiter unten gibt es
ein paar Schiebepassagen. An der Gabelung des Wegs 111 bei ca. 2200 m Höhe
nehmen wir diesmal den rechten Abzweig. Nach einer abenteuerlichen Bachquerung über eine kleine Hängebrücke erweist
sich der Weg als Super-Singletrail, der uns bis in die Nähe der Staumauer
des Lago di Pian Palù führt. Glücklicherweise ist die Staumauer heute
geöffnet. Wir fahren drüber hinweg und nach einer kurzen Schotterabfahrt
geht es dann auf Asphalt bis Pejo. Hier verschnaufen wir kurz und rasen
die Straße hinab ins Val di Sole. Kurz nachdem wir die Straße vom Passo
Tonale herab erreicht haben, biegen wir bei Ossano nach rechts auf den
Radweg des Val di Sole ab. Entspannt rollt es sich durch Wiesen und am
Fluß entlang bis Dimaro. Hier gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten.
Ich entdecke für uns einen Volltreffer, das Hotel Serena. Wir bekommen
einen Spezialpreis für "Biciclettisti", 65.000 Lit für Übernachtung mit
Halbpension, wirklich ein Schnäppchen. Das Abendesssen ist ein feines
italienisches Menü mit mehreren Gängen und auch das Frühstück am Morgen
ist ungewöhnlich reichhaltig und lecker. Am schönsten ist es jedoch, am
Nachmittag noch in der warmen Sonne sitzen zu können. Das Val di Sole
macht seinem Namen alle Ehre. |
| Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte) |
| 6.Tag: Gardasee |
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Heute werden wir den Gardasee
erreichen. Am Morgen ist es sonnig, bestes Bikewetter. Los geht's - kurz
ein Stück die Straße Richtung Madonna di Campiglio hinauf. In der ersten
Kehre beginnt dann der Forstweg parallel zur Brenta. Im ersten Teil
ziemlich steil, dann wieder flacher und immer gut fahrbar erreichen wir an
der Telecabina Groste die Straße in den berühmten Skiort. Wir rollen kurz
auf der Straße bis in den Ortskern, wo man sich nochmal versorgen sollte,
falls noch keine Mittagszeit ist und man heute noch den Gardasee erreichen
will. Weder am Lago di Val Agola noch am Passo Bregn de l'Ors gibt es
Einkehrmöglichkeiten. In das Val d'Agola zu gelangen gibt es zwei
Möglichkeiten. Entweder man hält sich in Madonna di Campiglio links der
Straße und fährt auf Forstwegen via Rifugio Cascata oder man fährt die
Straße hinab bis zum Ortseingang von San Antonio di Mavignola (1213 m) und
biegt hier hier scharf links ab. Wie auch immer, man muß erstmal auf 1173
m Höhe hinunter, um dann auf gutem Schotterweg den See zu erreichen. Kurz
vor dem See gibt es eine Wasserstelle, wo man seine Trinkflaschen füllen
sollte. Die Rast sollte man auf jeden Fall jedoch am hinteren Drittel des
Sees auf der rechten Seite einlegen. Hier ragt ein abgestorbener Baum
hervor, man kann sich im Gras lagern und vor allem ist die Stelle
windgeschützt. Das Panoramo der Brenta-Spitzen spiegelt sich auf der
stillen Wasseroberfläche, es ist fast schon kitschig. Nach der Rast wartet dann noch eine Schiebepassage von ca. 30 - 45 min bis zum Passo Bregn de l'Ors. An der kleinen Kapelle wird noch mal kurz verschnauft, dann geht es halblinks über einen Trail zum Passo del Gotro. Ab hier beginnt die Belohnung für die Mühen. Bis zur Malga Movlina geht an der Bergflanke entlang ein ein schöner Trail , dann folgt ein sagenhafter 10 km langer Schotterdownhill 600 Höhenmeter hinab bis zum Rifugio Brenta, wo die Abfahrt in Asphalt übergeht. Nur 50 Höhenmeter tiefer liegt das Rifugio Ghedina. Eins von beiden sollte man als letzte Übernachtung wählen, wenn am am letzten Tag eine kurze Etappe zum Gardasee einlagen will. Wir rollen heute jedoch nach der wohlverdienten Stärkung im Rifugio Brenta das Tal hinab, an dessen Ende wir nach links die zunächst kaum merkliche ansteigende Straße bis Stenico nutzen. Es nützt alles nichts, nach Ponte Arche muß jeder auf 400 Höhenmeter hinunter, um dann bis Dasindo wieder die Straße hinauf zu radeln. Hier gibt es wieder zwei Alternativen. Hat man genug Zeit sollte man auf jeden Fall den Weg zum Gardasee über das Val di Lomasone (siehe mein Tourbericht Transalp 1996) nehmen. Dabei hat man zwar nochmal eine Schiebepassage von ca. 50 min in Kauf zu nehmen. Der erste Blick auf den Lago beim Holzkreuz in ca. 800 m Höhe entschädigt für die Plackerei allerdings ungemein. Wir haben für heute schon genug Höhenmeter in den Beinen und entscheiden uns für die "Weichei-Variante" auf Straße via Passo di Ballina (750 m). Ab dem Tenno-See sollte man die alte Straße nach rechts hinunter nach Riva nehmen. Erfahrungsgemäß beginnt hier nochmal ein Wettrennen bei Tempo 60-70 km/h hinunter bis nach Riva, dem klassischen Endpunkt vieler Transalps. Wenn auch die
letzte Abfahrt ohne Sturz überstanden ist, besorgt man sich im Kaufladen
ein Forst-Bier und stößt am Hafenpatz auf die Traum-Tour an. Endlich
ist es schön warm bei 22° C. Unsere Übernachtung ist in Torbole geplant.
An der Casa Morandi ist jedoch schon alles "tutto completto". Das schlechte
Wetter in Deutschland hat viele vertrieben. Schließlich kommen wir
alle doch in einem Hotel, dem "Aurora" gleich am Kreisverkehr, unter. Eine
alternative Übernachtungsmöglichkeit ist auch noch Arco, ca 5 km im Hinterland
und bequem mit dem Rad zu erreichen.
Ehe wir dann im
"Centrale" noch unsere Pizza oder Pasta zu uns nehmen können, vergeht
wegen Überfüllung noch eine Weile. Aber gegen 22.00 Uhr sind wir dann alle
satt und können sagen: Transalp - auch wir haben es geschafft.Info von Ulrike Heidenwag, die 2002 diese Tour mit einer Freundin nachgefahren ist: Bekommt man am Lago keine Unterkunft empfiehlt es sich in Nago im Hotel Zanella zu übernachten. Die 200 Höhenmeter am Schluss sind zwar fies aber da kommt es auch nicht mehr drauf an. In Nago gibt es einen SuperItaliener wo man zu humanen Preisen die Trans Alp feiern kann. |
| Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte) |
| 7.Tag: Rückreise |
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| Wenn man den Transalp von Garmisch aus startet, ist die Rückreise vom Lago mit dem Zug am preiswertesten. Am besten fährt man mit dem Rad bis Rovereto (ca 20 km von Torbole - nur Radweg). Dort löst man eine Fahrkarte bis zum Brenner (ca 11 EUR mit Radtransport: Rabatte wenn mehrere zusammen die Fahrkarte lösen). In der Hochsaisaon kann es Probleme geben mit der Kapazität der Stellplätze für die Räder . Hier helfen zwei Riesen-Müllsäcker aus dem Baumarkt weiter (näheres siehe -Infopool-). Ab Brenner kann man mit dem Rad bis Innsbruck rollen oder den östereichischen Zug nehmen (bis Garmisch ca. 15 EUR incl. Radtransport). Entspannter geht es nicht. |
| Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte) |