Transalp mit "Dr. rad"Andreas Albrecht

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Transalp 2001
 

Transalp 2001: Garmisch - Fimberpass - Passo Gavia - Gardasee

Das wichtigste in Kürze

Strecke Garmisch-Partenkirchen - Fern-Pass - Landeck - Prutz - Scoul - Passo Costaines - St. Maria im Münstertal - Val Mora - Lago Cancano - Arnoga - Passo Verva - Grosio - Valle di Rezzalo - Passo dell' Alpe - Gavia-Pass - Pezzo - Forcellina di Montozzo - Val di Sole - Dimaro - Madonna di Campiglio - Val d'Agola - Ponte Arche - Riva - Torbole
Länge 455 km
Höhenmeter 10287 hm
Termin 8.-13. September 2001
Etappen (7)
Tag Strecke km hm
1.Tag Garmisch-Partenkirchen - Fern-Pass - Schloß Fernstein -Strad - Imst - Landeck - Prutz 91 1036
2.Tag Prutz - Pfunds - Kajetansbrücke - Martina - Scoul - S-charl - Pass da Costainas - Lü - St. Maria im Münstertal 82 1794
3.Tag St. Maria im Münstertal - Val Mora  - Lago Cancano - Arnoga - Passo Verva - Eita - Grosio 73 1528
4.Tag Grosio - Le Prese - Fumero - Valle di Rezzalo - Passo dell' Alpe - Gavia-Pass - Albergo Pietra Rossa - Precasàglio 50 2218
5.Tag Precasàglio - Pezzo - Case di Viso - Forcellina di Montozzo - Lago di Pian Palù - Pejo - Val di Sole - Dimaro 49 1293
6.Tag Dimaro - Madonna di Campiglio - Val d'Agola - Lago di Val d'Agola - Passo Bregn de l'Ors - Stenico - Ponte Arche - Dasindo - Passo di Ballina - Riva - Torbole 88 2143
7.Tag Torbole - Rovereto 21 266
Detail-Infos zum Nachfahren der Tagesetappen siehe Verweise im Tourbericht
Landkarten Kompass: Digitale Karte Österreich, Digitale Karte Tirol,  5, 35, 41, 42, 52, 072, 73, 101, 107
Kümmerly & Frey - Unterengadin ISBN 3-259-00814-4,
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
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Tourplanung Andreas Albrecht
Tourführung Andreas Albrecht
Teilnehmer
  • Frank Dietrich (Pirna)
  • Matthias Bernhardt (Nürnberg)
  • Dietmar Schalloer (Frankfurt/M.)
  • Georg Grewenka (Wien)
  • Werner Müller (München)
  • Holger Gering (Suhl)

Tourbericht

"Keiner kommt von einer Reise so zurück, wie er weggefahren ist."
Graham Greene - 1904-1994

Prolog
Selten hat dieser Ausspruch so zugetroffen wie auf meine diesjährige Transalp-Tour. Überschattet wurden die Erlebnisse durch die entsetzlichen Geschehnisse in New York am 11. September 2001. Am Gavia-Pass erfuhren wir davon, nachdem ich unsere MTB-Gruppe über "meine Neuentdeckung", den Passo dell' AlpeDie Entdeckung: Val Rezzola zum Passo dell'Alpe durch stille, friedliche Gebirgslandschaften geführt hatte. Mir war sofort klar, nichts wird in Zukunft mehr so sein wie es war. Meine einzige Erleichterung war mit dem Bike unterwegs zu sein, so könnte ich im schlimmsten Fall aus eigener Kraft zurückkommen. Einen Moment überlegte ich die Tour abzubrechen, doch alle wollten es zu Ende bringen.
Nach der Testtour im September 2000 war ich fest entschlossen, in 2001 einen geführten Transalp durchzuführen, der im wesentlichen der erprobten Route folgen sollte. Gardasee bei Riva - Ziel unserer Transalp 2001  © Thomas Moser Die Teilnehmersuche habe ich konsequent über das Internet betrieben. Die Resonanz war enorm. Die Anfragen waren so zahlreich, daß ich mehrere Transalps hätte durchführen können. Nach dem 7. Teilnehmer hatte ichden Hinweis auf meiner Homepage entfernt. Mehr als 8 Transapler sollten es nicht sein. Trotzdem kamen bis kurz vor dem Termin ständig Anfragen, die ich leider abweisen mußte. Der Termin rückte näher und näher und das Wetter wurde schlechter und schlechter. Die Schneefallgrenze sollte auf 1500 m sinken. Glücklicherweise hatte ich die Tour so konzipiert, daß eine Schlechtwettervariante möglich war.  So radelten dann am 8. September sieben erwartungsfrohe Mountainbiker los, einer hatte noch kurzfristig abgesagt. Im großen und ganzen hatten wir noch Glück mit dem Wetter. Es war zwar meist lausig kalt, aber wir hatten nur am ersten Tag einzelne Regentropfen und im Val Mora etwas Schnee, der aber nicht liegenblieb.
Karte Gesamtstrecke
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1. Tag: Fern-Pass - Inn-Tal
Samstag morgen trafen wir uns alle in Garmisch. Entgegen der Wettervorhersage, die in der Nacht 60 Liter Regen am Alpenrand vorhersagte, gab es sogar ein paar Wolkenlücken. Den ganzen Tag begleiteten uns zwar einige Regentropfen, aber richtig schüttete es glücklicherweise nicht.
Von Garmisch aus geht ein sehr angenehmer Radweg bis Ehrwald. Genau das richtige zum lockeren Einrollen. Den oft empfohlenen Absteicher zum Hochthörle-Haus hatte ich nicht vorgesehen, da ich die Tour eh umstellen mußte. Eigentlich sollte es am ersten Tag bis zur Konstanzer Hütte im Verwall-Tal gehen und dann weiter über Verbellener Winterjöchl und den Fimber-Pass ins Unter-Engadin. Aufgrund der Schneegefahr wollte ich die Hüttenübernachtungen jedoch nicht riskieren und vertraute dem Südtiroler Wetterbericht, den ich mir in den Tagen vorher per e-mail schicken ließ (siehe meine Linkliste). Südlich des Alpenhauptkamms versprach er besseres Wetter. Deshalb folgten wir nach der Überwindung des Fernpasses auf dem Römerweg mit herrlicher Trailabfahrt direkt durch Schloß Fernstein dem direkten Weg durch das Inn-Tal. So konnten wir direkt ins Unterengadin radeln, ohne größere Höhen überwinden zu müssen. Der Inn-Tal-Radweg ist bis Landeck easy zu fahren. Es nieselte nun etwas stärker, aber wir beschlossen, noch bis Prutz zu radeln. Hier am Eingang ins Kaunertal reichte es dann. Im Gasthof Rose bezogen wir Quartier mit Halbpension für ca. 66 DM. Schon am ersten Tag zeigte es sich, daß die Gruppe vom Leistungsvermögen her relativ homogen war. In den Bergen zeigten sich später natürlich ein paar Leistungsunterschiede, die sich aber nicht als problematisch erwiesen.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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2.Tag: Passo Costaines
In der Nacht hatte es in den Bergen bis ca. 1500 m Schnee gegeben. Unten im Tal verzogen sich jedoch langsam die Wolken und die Sonne schien, wenn es auch mit 7°C recht kühl war. Also los weiter auf der alten Straße, die nun zum Radweg umfunktioniert ist. An der Kajetansbrücke verzweigen sich die Wege. Links geht die Reschenpass-Straße hoch, mit viel Autoverkehr ein wenig empfehlenswerter Übergang für Biker. Besser ist es, wenn es der Reschenpass sein muß, bis Martina in der Schweiz im Inn-Tal zu bleiben und dann über die Norberthöhe zu radeln. Unsere Richtung war Scoul, deshalb blieben wir im Inntal. Wir besichtigten noch die alte Zollstation Alt-Finstermünz. Hier zwängt sich der Fluß durch eine Engstelle und kann über eine alte überdachte Holzbrücke überquert werden. Hier beginnt ein 1,5 km langer Abschnitt, in dem die Via Claudia, der wir bisher lange gefolgt waren, über weite Strecken auch mit dem MTB nicht befahrbar ist. Bis zur alten Festung Nauders ist der Weg teilweise sehr steil und schmal. Wer allerdings bereit ist, wie die Römer abzusteigen und zu schieben, kann sich die römische Reschenroute durchaus aus eigener Kraft erarbeiten. Andernfalls transportiert der Postbus den bequemen Biker mit dem Bike huckepack ab Pfunds bis nach Nauders. Unser Weg führte jedoch zurück zur Straße, da am Flußufer nur ein unfahrbarer Trail vorhanden war. Ab dem Örtchen Strada kann man die Straße verlassen und im Tal des Inn auf Parallelwegen bis Scoul radeln. In Ramosch kommt von rechts her der Weg vom Fimberpass hinab, nach links kann man die sagenhafte Auffahrt ins Val d'Uina beginnen. Den Fimberpass mußten wir in diesem Jahr leider auslassen, heute sah das Wetter zwar gut aus und er wäre fahrbar gewesen. Wir wären bei ursprünglicher Planung erst einen Tag später drüber gekommen und da sollte es schlechter werden, was sich auch bestätigte.
Der Weg ins Münstertal führte uns durch ab Scoul ins Val S-charl. Zunächst steiler Asphalt, dann wieder etwas flacher und festgefahrener feiner Schotter, bis S-charl hervoragend zu fahren. Ab S-charl (Übernachtungsmöglichkeiten) beginnt dann der Weg zum Passo da Costainas (2251 m), dem einzig komplett für Mountainbiker fahrbaren Nichtstraßen-Übergang des Alpenhauptkamms. Wirklich ein Genuß für alle, die ewiges Schieben im unwegsamen Gelände satt haben. Ab der Alp Astras sollte man zunächst etwas am Hang nach rechts oben queren, um den Jeepweg zu erwischen. Ansonsten muß man auf der ausgewaschenen Wiesendurchfahrt vielleicht doch den einen oder anderen Meter schieben. Aber alles kein Problem. Eine kleine Schotterabfahrt nach dem Pass und schon ist man in Lü, wo man bei klarer Sicht unwillkürlich anhalten und den freien Blick zum schneebedeckten Ortler genießen wird. Bis St. Maria im Münstertal versägen wir noch auf bestem Asphalt einige Höhenmeter, bis wir in der Jugendherberge "Chasa Plaz" unseren Burschenschlafsaal beziehen. In der Schweiz ist es für deutsche Verhältnisse schon fast unverschämt teuer, deshalb sind die Jugendherbergen hier eine gepflegte Alternative auch für uns schon etwas ältere Semester. Einen JH-Ausweis benötigt man in der Schweiz nicht.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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3.Tag: Val Mora, Passo Verva
Nach dem Frühstück beim Bäcker für 14 Fränkli beginnt nun eine der fantastischsten Strecken, die man in den Alpen mit dem Mountainbike fahren kann. Zunächst geht es über eine gut fahrbare, wenn auch teilweise sehr steile Schotterpiste 900 Höhenmeter hinauf ins Val Mora. Ab der Alm Döss Radond (2234 m) zieht sich zunächst über einige Kilomter ein Schotterweg, später ein Trail am Wasser entlang bis zum Passo Val Mora (1934 m).Val Mora Die Kulisse erinnert an Indianerfilme und bei der ersten Abfahrt laufen doch tatsächlich einige rassige Pferde auf unseren Weg zu, als wollten sie sich im Tempo mit uns messen. Anscheinend haben sie vor, unsere Nachhut ein wenig necken, denn sie halten auf dem Pfad inne. Wir bremsen ab und fahren respektvoll in mäßigem Tempo vorbei, um es dann wieder rollen zu lassen.
Nach der Bachquerung über einen Holzsteg beginnt ein teilweiser ausgewaschener Trail, der einem ab und zu zum Absteigen zwingt. Aber ehe es lästig wird, haben wir schon die grüne Grüne Grenze nach Italien passiert und erreichen die zwei Stauseen Lago di Fraele und Lago di Cancano. Im Ristoro Val Frale (Übernachtungsmöglichkeit) an der Staumauer zwischen beiden Seen sind wir froh, erst mal ins Warme zu kommen. Wir essen die übliche Pasta-Portion. Beim Blick zurück sehen wir im Val Mora schon dichteres Schneetreiben, wir hatten bei der Auffahrt nur einzelne Flocken. Glück gehabt. Überhaupt sollte in den nächsten Tagen das schlechtere Wetter immer einen halben Tag hinter uns bleiben. Bisher war es meine kälteste Transalp (Minimum 2° C). So lange keine Feuchtigkeit dazu kommt, läßt sich das alles noch ertragen, wenn die Ausrüstung stimmt.
Wie geht der Weg nun weiter? Ab den alten Wehrtürmen Torri di Fraele kann man die Schotterserpentinen hiunter bis Bormio nehmen, um dann den kompletten Gavia-Pass zu fahren. Kurz vor der Tour las ich dann jedoch den entscheidenden Tipp. Nach der 3. Serpentine bei 1866 Höhenmetern zweigt scharf rechts ein genialer Schotterweg ab, der ca. 13 km höhengleich Richtung Arnoga zum Valla Verva führt. Hier wartet dann mit dem Passo di Verva (2301 m) ein weiterer fast komplett fahrbarer Pass im hochalpinen Bereich auf uns. Doch vorher muß erst am Bike von Werner ein Kettenriß repariert werden.Auch ein Kettenriß bringt Werner nicht aus der Ruhe Neben 2 Platten waren das die einzigen Pannen auf der ganzen Tour. Nach dem Pass wartet ein anspruchsvoller Schotterdownhill über 600 Höhenmeter hinab nach Eita auf uns. Das ist etwas für Genießer. Im nun beginnenden Valle Grosin kann man sich dann entspannen. Auf einem Asphaltsträßchen rauscht man weitere 1000 Höhenmeter hinab bis Grosio. In der Albergo Sassella finden wir Unterschlupf. Zuerst sind wir über den Preis von 95.000 Lit für Halbpension etwas irritiert, aber der Chef des Hauses versteht uns zu überzeugen, das die Übernachtung das Geld wert sein wird. Tatsächlich zeugt das 5-Gänge-Menü von feinster italienischer Kochkunst. Wir sind vollauf zufrieden und können diese Albergo nur wärmsten allen Transalplern empfehlen, die es hierher verschlägt.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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4.Tag: Passo dell' Alpe, Gavia-Pass - Terroranschlag in New York
Am Abend vorher hatte ich noch mit Holger zusammen Kartenstudium betrieben. Der Routenvorschlag ab Grosio lautetet: Passo della Foppa - ein Giro-Klassiker wie der Gavia-Pass. Das Problem ist nur, das danach fast zwangsläufig eine längere Straßenetappe via Passo Tonale folgt, wenn man über Madonna di Campiglio zum Gardasee will. Mir fiel jedoch auf, daß für es Mountainbiker eine interessantere Möglichkeit geben könnte, den Weg fortzusetzen. Nach ein paar Straßenkilometer talaufwärts Richtung Bormio zweigt in Le Prese rechts das Valle di Rezzalo ab. Dieses Tal erreicht nach dem Passo dell' Alpe (2463 m) bei knapp 2300 m die Straße zum Gavia-Pass. Nach meinen Erfahrungen mit Kompass-Kartenmarkierungen und dem Wegeverlauf in Bezug zu den Höhenlinien müßte diese Route zu großen Teilen fahrbar sein. Alle waren der Meinung, daß wir es versuchen sollten. Also gings es los. Bis La Prese nutzten wir die alte Straße nach Bormio, wenig befahren und moderat ansteigend. Kurz nach dem Kreisel zogen wir bei Sonnenschein einige Sachen aus, denn nun ging es rechterhand steil bergauf. Zunächst Asphalt, hinter Fumero bei ca. 1500 m Höhe begann dann grober Schotter, teilweise Steinplatten als Weg - schwer fahrbar. Ab Teat wird es dann etwas flacher, das Tal weitet sich zur einer bewirtschafteten Alm mit Rast- und Übernachtungsmöglichkeiten (Rifugio La Baita). Am Ende des Wiesengrundes erwarten uns zwei Steilstücke, die auf Plateaus führen. Konditionstiere fahren komplett bis ca. 2200 m. Ab dann schiebt jeder ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde zum Pass, aber alles noch im grünen Bereich. Die Abfahrt zur Gavia-Pass-Straße ist  zum größten Teil fahrbar. Man muß nur nach der Bachquerung nach links etwas Höhe gewinnen, um den Schotterweg zu erwischen, der gut zu passieren ist, ansonsten quert man schiebenderweise ein paar Meter. An der Gavia-Pass-Straße ist heute relativ viel Betrieb. Normalerweise ist sie für Autos mehr oder minder gesperrt. Doch heute geht hier wohl eine Oldtimerralley durch. Meist alte MG-Cabrios knattern an uns vorbei. Am Rifugio Bonetta direkt am Gavia-Pass ist für sie Kontrollstelle. Auch wir rasten hier und werden von Lärm aus dem Radio überfallen.
Wir trinken Tee oder Caffe latte und bekommen nur langsam mit, daß in New York etwas Schreckliches passiert sein muß. Dann sieht einer von uns im Fernseher, der in der Küche läuft, daß das World Trade Center brennt und von Explosionen erschüttert zusammenbricht. Nur langsam wird uns klar, daß es kein "normales" Unglück ist, sondern es sich um einen perfiden Terroranschlag handelt. Entsetzt sehen wir, wie das zweite Flugzeug direkt in den Turm hineinfliegt und in einem Feuerball verglüht. Wenig später sacken die Türme in sich zusammen. Ich bin wie erstarrt. Mir wird sofort klar, daß dieser Anschlag gravierende Folgen für die Zivilisation haben wird. Ich denke an die Gefahr eines Dritten Weltkrieges, den wir wohl alle nicht überleben würden. Mein einziger Trost ist im Moment die Tatsache, daß ich mit dem Mountainbike unterwegs bin. So sehe ich zumindest eine Chance, im schlimmsten Falle noch aus eigener Kraft nach Hause kommen zu können.
Lange sitzen wir dort oben, ehe es an die Abfahrt geht. Am Tunnel passiert dann das einzige Mißgeschick der Tour. Die ersten sechs fahren rechts auf Schotter am Tunnel vorbei. Matthias ist die Sicht versperrt, er konzentriert sich auf die vor ihm fahrenden Autos und rauscht durch den Tunnel und leider hinab bis Ponte di Legno. Wir bleiben erst mal stehen und beratschlagen, was zu tun ist. Schließlich fahren Frank und Holger nochmal hoch bis zu der Stelle, an der wir Matthias zuletzt gesehen hatten. Wir anderen fahren ab bis zur Albergo Pietra Rossa. Dort erreichen wir Matthias per Handy. Wir sind sehr erleichtert. Er war sich sicher, der letzte am Berg gewesen zu sein und versuchte uns einzuholen. In Precasaglio treffen wir dann in der Albergo Frigidolfo wieder zusammen, glücklich , daß alles gut gegangen ist. Wir nehmen wieder Halbpension und sitzen erstmal vor dem Fernseher, um weitere Informationen zu bekommen. Beim Abendessen stelle ich die Frage, ob wir aufgrund der Ereignisse in New York die Tour abbrechen sollten. Wir entscheiden uns, weiter zu fahren. Ein mulmiges Gefühl haben wir jedoch alle.
Tourdetails:(Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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5.Tag: Forcellina di Montozzo, Val di Sole
In der Nacht habe ich schlecht geschlafen, immer wieder erscheint das Bild des in den Tower rasenden Flugzeuges vor meinem inneren Auge. Das Ziel des Aufstiegs des heutigen Tages paßt irgendwie zu dem, was gestern passiert ist. Zum Rifugio Bozzi und zur Forcellina di Montozzo können wir heute nur mit dem Mountainbike gelangen, weil die kriegerischen Auseinandersetzungen des Ersten Weltkrieges eine große Anzahl von Militärtrassen in den Alpen hervorbrachten. Auf diesen mußte ja schweres Gerät transportiert werden, so daß die Wege einerseits relativ breit angelegt wurden und andererseits die Steigung ein Mindestmaß nicht übersteigen durfte. Da die Wege natürlich über die Jahre nicht überall unterhalten wurden, muß man selbstverständlich einkalkulieren, daß sicher nicht alles fahrbar sein wird. Aber die Trasse als solche ist in vielen Fällen erhalten. Am Rifugio Bozzi sind noch Reste der Baracken und Schützengräben erhalten. Mir ist nicht klar, was hier oben verteidigt werden sollte. Im vergangenen Jahr habe ich das kaum registriert. Heute gelangt es mir beklemmend ins Bewußtsein, daß uns der Hauch des Schreckens, den der Krieg verbreitet, wieder eiskalt ins Gesicht zu blasen beginnen könnte.
Eines ist in diesem Jahr zum Glück anders.Bereit zur Abfahrt von der Forcellina die Montozz0  Nach der straffen Schiebepassage mit bis zu 40% Steigung zur Forcellina di Montozzo erwartet mich oben kein Hagelgewitter und ich kann mit den andern zusammen die Abfahrt zum Lago di Pian Palu genießen. Im oberen Teil ist sie ein gut fahrbarer Schotterweg. Weiter unten gibt es ein paar Schiebepassagen. An der Gabelung des Wegs 111 bei ca. 2200 m Höhe nehmen wir diesmal den rechten Abzweig. Nach einer abenteuerlichen Georg genießt den Blick zum Lago Pian Palu Bachquerung über eine kleine Hängebrücke erweist sich der Weg als Super-Singletrail, der uns bis in die Nähe der Staumauer des Lago di Pian Palù führt. Glücklicherweise ist die Staumauer heute geöffnet. Wir fahren drüber hinweg und nach einer kurzen Schotterabfahrt geht es dann auf Asphalt bis Pejo. Hier verschnaufen wir kurz und rasen die Straße hinab ins Val di Sole. Kurz nachdem wir die Straße vom Passo Tonale herab erreicht haben, biegen wir bei Ossano nach rechts auf den Radweg des Val di Sole ab. Entspannt rollt es sich durch Wiesen und am Fluß entlang bis Dimaro. Hier gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten. Ich entdecke für uns einen Volltreffer, das Hotel Serena. Wir bekommen einen Spezialpreis für "Biciclettisti", 65.000 Lit für Übernachtung mit Halbpension, wirklich ein Schnäppchen. Das Abendesssen ist ein feines italienisches Menü mit mehreren Gängen und auch das Frühstück am Morgen ist ungewöhnlich reichhaltig und lecker. Am schönsten ist es jedoch, am Nachmittag noch in der warmen Sonne sitzen zu können. Das Val di Sole macht seinem Namen alle Ehre.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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6.Tag: Gardasee
Heute werden wir den Gardasee erreichen. Am Morgen ist es sonnig, bestes Bikewetter. Los geht's - kurz ein Stück die Straße Richtung Madonna di Campiglio hinauf. In der ersten Kehre beginnt dann der Forstweg parallel zur Brenta. Im ersten Teil ziemlich steil, dann wieder flacher und immer gut fahrbar erreichen wir an der Telecabina Groste die Straße in den berühmten Skiort. Wir rollen kurz auf der Straße bis in den Ortskern, wo man sich nochmal versorgen sollte, falls noch keine Mittagszeit ist und man heute noch den Gardasee erreichen will. Weder am Lago di Val Agola noch am Passo Bregn de l'Ors gibt es Einkehrmöglichkeiten. In das Val d'Agola zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man hält sich in Madonna di Campiglio links der Straße und fährt auf Forstwegen via Rifugio Cascata oder man fährt die Straße hinab bis zum Ortseingang von San Antonio di Mavignola (1213 m) und biegt hier hier scharf links ab. Wie auch immer, man muß erstmal auf 1173 m Höhe hinunter, um dann auf gutem Schotterweg den See zu erreichen. Kurz vor dem See gibt es eine Wasserstelle, wo man seine Trinkflaschen füllen sollte. Die Rast sollte man auf jeden Fall jedoch am hinteren Drittel des Sees auf der rechten Seite einlegen. Hier ragt ein abgestorbener Baum hervor, man kann sich im Gras lagern und vor allem ist die Stelle windgeschützt. Das Panoramo der Brenta-Spitzen spiegelt sich auf der stillen Wasseroberfläche, es ist fast schon kitschig.
Nach der Rast wartet dann noch eine Schiebepassage von ca. 30 - 45 min bis zum Passo Bregn de l'Ors. An der kleinen Kapelle wird noch mal kurz verschnauft, dann geht es halblinks über einen Trail zum Passo del Gotro. Ab hier beginnt die Belohnung für die Mühen. Bis zur Malga Movlina geht an der Bergflanke entlang ein ein schöner Trail , dann folgt ein sagenhafter 10 km langer Schotterdownhill 600 Höhenmeter hinab bis zum Rifugio Brenta, wo die Abfahrt in Asphalt übergeht. Nur 50 Höhenmeter tiefer liegt das Rifugio Ghedina. Eins von beiden sollte man als letzte Übernachtung wählen, wenn am am letzten Tag eine kurze Etappe zum Gardasee einlagen will. Wir rollen heute jedoch nach der wohlverdienten Stärkung im Rifugio Brenta das Tal hinab, an dessen Ende wir nach links die zunächst kaum merkliche ansteigende Straße bis Stenico nutzen. Es nützt alles nichts, nach Ponte Arche muß jeder auf 400 Höhenmeter hinunter, um dann bis Dasindo wieder die Straße hinauf zu radeln.
Hier gibt es wieder zwei Alternativen. Hat man genug Zeit sollte man auf jeden Fall den Weg zum Gardasee über das Val di Lomasone (siehe mein Tourbericht Transalp 1996) nehmen. Dabei hat man zwar nochmal eine Schiebepassage von ca. 50 min in Kauf zu nehmen. Der erste Blick auf den Lago beim Holzkreuz in ca. 800 m Höhe entschädigt für die Plackerei allerdings ungemein. Wir haben für heute schon genug Höhenmeter in den Beinen und entscheiden uns für die "Weichei-Variante" auf Straße via Passo di Ballina (750 m). Ab dem Tenno-See sollte man die alte Straße nach rechts hinunter nach Riva nehmen. Erfahrungsgemäß beginnt hier nochmal ein Wettrennen bei Tempo 60-70 km/h hinunter bis nach Riva, dem klassischen Endpunkt vieler Transalps. Transalp 2001 Riva - Alles gutgegangen Wenn auch die letzte Abfahrt ohne Sturz überstanden ist, besorgt man sich im Kaufladen ein Forst-Bier und stößt am Hafenpatz auf die Traum-Tour an. Endlich ist es schön warm bei 22° C. Unsere Übernachtung ist in Torbole geplant.  An der Casa Morandi ist jedoch schon alles "tutto completto". Das schlechte Wetter in Deutschland hat viele vertrieben. Schließlich kommen wir alle doch in einem Hotel, dem "Aurora" gleich am Kreisverkehr, unter. Eine alternative Übernachtungsmöglichkeit ist auch noch Arco, ca 5 km im Hinterland und bequem mit dem Rad zu erreichen. Ehe wir dann im "Centrale" noch unsere Pizza oder Pasta zu uns nehmen können, vergeht wegen Überfüllung noch eine Weile. Aber gegen 22.00 Uhr sind wir dann alle satt und können sagen: Transalp - auch wir haben es geschafft.

Info von Ulrike Heidenwag, die 2002 diese Tour mit einer Freundin nachgefahren ist:
Bekommt man am Lago keine Unterkunft empfiehlt es sich in Nago im Hotel Zanella zu übernachten. Die 200 Höhenmeter am Schluss sind zwar fies aber da kommt es auch nicht mehr drauf an. In Nago gibt es einen SuperItaliener wo man zu humanen Preisen die Trans Alp feiern kann.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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7.Tag: Rückreise
Wenn man den Transalp von Garmisch aus startet, ist die Rückreise vom Lago mit dem Zug am preiswertesten. Am besten fährt man mit dem Rad bis Rovereto (ca 20 km von Torbole - nur Radweg). Dort löst man eine Fahrkarte bis zum Brenner (ca 11 EUR mit Radtransport: Rabatte wenn mehrere zusammen die Fahrkarte lösen). In der Hochsaisaon kann es Probleme geben mit der Kapazität der Stellplätze für die Räder . Hier helfen zwei Riesen-Müllsäcker aus dem Baumarkt weiter (näheres siehe -Infopool-). Ab Brenner kann man mit dem Rad bis Innsbruck rollen oder den östereichischen Zug nehmen (bis Garmisch ca. 15 EUR incl. Radtransport). Entspannter geht es nicht.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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Fazit:
Diese Route ist so ziemlich das Optimum aller Transalps, die ich bisher gefahren bin. Kaum Schiebepassagen, trotzdem unvergleichlich schöne und einsame Bergwege und -pässe ohne Asphalt. Möglich ist es auch, am ersten Tag gegen Mittag von Garmisch aus zu starten und in Imst oder noch weiter im Inn-Tal Richtung St. Anton die erste Übernachtung vorzusehen. Meine ursprüngliche Planung beinhaltete noch das Verwall-Tal und das Fimber-Tal, die man bei besseren Wetterbedingungen incl. Hüttenübernachtungen auf jeden Fall einbauen sollte. Auf jeden Fall zeigte es sich, wie wichtig es ist Schlechtwettervarianten zu planen. Wenn viel Regen oder Schneefall hinunter bis 1500 m angesagt ist, muß man auf jeden Fall im Tal übernachten. Transalp wird sonst zum unkalkulierbaren Risiko. In der Gruppe sollte jeder ein Handy dabei haben. Falls man sich aus den Augen verliert, was bei Abfahrten schnell passieren kann, geht so keiner verloren.Transalp 2002 - Ulli und Kathrin am Passo dell' Alpe

Im Nachhinein:
Im August 2002 ist diese Tour, wie gesagt Ulrike Heidenwag mit ihrer Freundin Kathrin nachgefahren. Auf dem Bild  sind sie zusammen am Passo dell' Alpe zu bewundern. Sie war im Vorfeld eher skeptisch, ob sie es bewältigen würden. Nachdem ich sie im Vorfeld intensiv beraten hatte, auch um Befürchtungen ihrer Familien abzubauen, starteten sie das Abenteuer und waren hellauf begeistert (siehe auch ihre Rückmeldung vm August 2002 im Gästebuch nebst email-Adresse). Sie ist gerne bereit, speziell Fragen von Frauen zu beantworten, die ihr Erlebnis -Transalp- in Angriff nehmen wollen.
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