Transalp mit "Dr. rad"Andreas Albrecht

Transalp.info: Informationen für Radreisenüber die Alpen
Transdolomiti 2002
 

Transdolomiti 2002: Meran - Pasubio - Gardasee

Das wichtigste in Kürze

Strecke Dorf Tirol - Meran - Bozen - Seiser-Alm - Passo Duron - Fr.-August-Hütte - Grödner-Joch - Corvara - St. Vigil - Fanes - Cortina d'Ampezzo - Forc. Ambrizzola - Passo Staulanza - Alleghe - Canale Passo Valles - Val Venegia - Passo Rolle - San Martino di Castrozza - Lago Calaite - Refavaie - Passo Cinque Croci - Val Sugana - Kaiserjägerweg - Monterovere - Luserna - Bertoldi - Passo Sommo - Passo Coe - Mga. Zonta - Val Riofreddo - Posina - Colle Xomo - Pasubio - Rif. Lancia - Rovereto - Torbole - Rovereto Bhf. - Meran Bhf. - Dorf Tirol
Länge 518 km
Höhenmeter 14.573 hm
Termin 7.-13. September 2002
Etappen (7)
Tag Strecke km hm
1.Tag Dorf Tirol - Meran - Burgstall -Terlan - Bozen - Blumau - Völs - Seis - Compatsch - Mahlknecht-Hütte 78 2065
2.Tag Mahlknecht-Hütte - Passo Duron - Fr.-August-Hütte - Sella-Joch-Haus - Grödner-Joch - Corvara - Stern - Pederoa - Piccolein - Kleines Joch - St. Vigil - Pederü-Hütte 70 1757
3.Tag Pederü-Hütte - Fanes-Hütte - Limo-Joch - Ampezzo-Tal - Cortina - Campo - Forc. Ambrizzola - Forc. Col Duro - Rif. Citta di Fiume - Passo Staulanza - Mga. Vescova - Fernanzza - Alleghe 57 2274
4.Tag Alleghe - Canale d'Agordo - Falcade - Passo Valles - Val Venegia - Baita Segantini - Passo Rolle - San Martino di Castrozza - Lago Calaite - Canale San Bovo - Rif. Refavaie 85 2466
5.Tag Rif. Refavaie - Passo Cinque Croci - Castelnuovo - Borgo Valsugana - Kaiserjägerweg - Albergo Monterovere - Ex Forte Verle - Passo Vezzana - Luserna - Monterovere 86 2299
6.Tag Monterovere - Bertoldi - Carbonare - Passo Sommo - Forte Sommo Alto - Passo Coe - Mga. Zonta - Mga. Campoluzzi superior -Zolle di drento - Talgrund Val Riofreddo - Castana - Posina - Colle Xomo - Rif. Gen. Papa - Pasubio 69 2377
7.Tag Pasubio - Sette Croci - Rif. Lancia - Giazerra - Rovereto - Mori - Passo San Giovanni - Torbole - Rovereto Bhf. - Meran Bhf. - Dorf Tirol 73 1335
Detail-Infos zum Nachfahren der Tagesetappen siehe Verweise im Tourbericht
Landkarten Kompass: Digitale Karte Südtirol, 53, 54, 55, 56, 57, 75, 76, 101
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358; Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer
Tourplanung Andreas Albrecht
Tourführung Andreas Albrecht
Teilnehmer Matthias "Matze" Eckardt (Gräfenroda)

Tourbericht

"Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt."
Graham Greene - 1904-1994

Prolog
Neue Wege gehen - diese Maxime war der Ausgangspunkt für die Planungen dieser Transalp-Tour, die von Meran aus einen weiten Bogen über Cortina d'Ampezzo und Pasubio zum Gardasee spannen sollte. Bewusst hatte ich den Startpunkt nach dem Alpenhauptkamm gewählt, um Wetterkapriolen möglichst aus dem Weg zugehen. Das Zeitfenster - zweite Woche im September - hat sich wieder bewährt. Keine Hitzeextreme und absolut keine Probleme, Unterkünfte zu finden, da die Hauptferienzeit in Italien vorbei war. Nur für den ersten Tag hatte ich auf der Seiser-Alm Unterkunft reserviert. Für den Rest der 7-Tage-Tour wollte ich flexibel bleiben, auch um wieder einmal den Explorer-Charakter einer MTB-Tour genießen zu können.
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Seiser-Alm, Blick zur Plattkofel-Hütte und Schlern
Matze (li.), Albi (re.)
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Bei der Streckenplanung nutzte ich wieder die Berichte anderer Transalp-Seiten im Internet, die o.g. Kompass-Karten und das Buch "Traumtouren Transalp" Delius Klasing Verlag (ISBN 3-7688-1270-7), inklusive interaktiver CD-Rom von Uli Stanciu (www.traumtouren-transalp.de). Daraus sind die Höhenprofile einiger Streckenabschnitte hilfreich. Das Roadbook ist viel zu umfangreich, es wären im Ausdruck mindestens 100 Seiten DIN A4.
Mein Roadbook erstellte ich wieder als EXCEL-Tabelle mit den wichtigsten Eckpunkten (nachzulesen in den Detailinformationen der einzelnen Tage). Das paßte auf eine DIN A4-Seite und war in Verbindung mit dem Kartenmaterial vollkommen ausreichend. Einige Abschnitte konzipierte ich neu aufgrund der Kartenlage und Informationen, die ich unterwegs gezielt sammelte. Ein Beispiel dafür ist die Route am 6. Tag, die von der Hochebene von Folgaria-Lavarone zum Pasubio-Massiv führte. Der als Routenvorschlag irgendwann einmal aufgetauchte Weg vom Monte Maggio über 600 Höhenmeter hinab zum Passo Borcola musste nach Kartenlage ein zum großen Teil nicht fahrbarer Trail sein. Verschiedene Tourberichte im Internet bestätigten das auch ausdrücklich. Im Bericht vom 6. Tag findet ihr die Variante, die ich aus der Karte herauslas und die sich sowohl fahrerisch als auch landschaftlich als Volltreffer erwies.

Mein Tourpartner "Matze", mit dem ich schon einige tolle Trails im Thüringer Wald befahren hatte, war der erwartet starke und verlässliche Begleiter, der mich zu neuen Höchstleistungen führte. Wir waren ein Super-Team, sicher war es nicht die letzte Tour zusammen.
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1. Tag: Seiser-Alm
Nach der Anreise mit dem Auto war der erste Tag "nur" als Zubringeretappe gedacht. In Dorf Tirol ging es mittags los. Von Meran bis Bozen nutzten wir die alte Straße, die kaum noch von Autos frequentiert wird, seit es die MeBo-Schnellstraße gibt. Alternativ kann man auch Radwege entlang der Etsch oder durch die Apfelplantagen wählen.
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Blick ins Eisacktal zum Vergrößern klicken

Wer will kann auch gleich mit einer Bergetappe durch die Sarntaler Alpen beginnen, oder die Tour bei Bozen beginnen. Vom Eisack-Tal aus auf die Seiser-Alm zu gelangen hat man leider nur die Möglichkeit, die Straße zu nutzen, u.U. muss man viel motorisierten Verkehr in Kauf nehmen. Im August ist diese Route sicher nicht zu empfehlen. Wir waren in Bozen recht spät dran, so dass die knapp 2000 hm hoch zur Alm zwar kein Gehetze wurden, aber doch straff erledigt werden mussten. Leichter Nieselregen erwischte uns zwar auch, aber der richtige Guss ging glücklicherweise vor uns nieder.

Endlich in Compatsch angekommen, wo für die Autos Endstation ist, zogen wir uns erst mal einen Radler rein. Auf dieser Tour wurde es mein Lieblingsgetränk. Den nun folgenden Weg bergauf zur Mahlknecht-Hütte kannte ich schon von meinen Dolomiten-Runden 1999 und 2000, nur bin ich damals entgegengesetzt gefahren. Vor der Mahlknechthütte muss man noch ein paar Mal die gewonnenen Höhenmeter bei kurzen steilen Abfahrten abgeben. Aber irgendwann ist auch das überwunden. Die Hütte bietet guten Komfort und hervorragende Südtiroler Küche.

Anmerkung: Nach einer Info von Robert Thätig gibt es doch eine Alternative zur Seiseralmstraße. Ab Seis empfiehlt er wie folgt zu fahren:
St. Valentin - Marinzenhütte - Panider Sattel - Pufels - Pufler Schlucht - Rifugio Pitz - Ritschschwaige ("...eine tolle, abwechslungsreiche Strecke mit interessanten Trialeinlagen...")

Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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2. Tag: Sella-Gruppe, Fanes
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Trail entlang der Langkofel-Gruppe zum Vergrößern klicken
Nach kurzer Auffahrt zum Passo Duron oder auch Mahlknecht-Joch genannt, dass den Beginn des italienischen Sprachgebietes markiert, zweigen wir links in den Höhenweg Richtung Sella-Joch ab. Das ist einer der Traum-Trails der Dolomiten. Plattkofel, Langkofel, der Sella-Stock, alle im direkten Blickfeld und zum Greifen nah, in der Ferne sieht man das Gletscher-Eis der Marmolada. Bis zur Plattkofel-Hütte ist der Weg größtenteils fahrbar, nur einige Weidegatter und Kühe zwingen ab und an zum Absteigen. Nach dem italienischen Rifugio Sandro Pertini folgen ein paar Schiebstücke, da der Weg teilweise verblockt ist, aber es hält sich alles im Rahmen. Bis zur Fr.-August-Hütte muss mit viel Wanderverkehr gerechnet werden. Als Mountainbiker sollte man sich sehr rücksichtsvoll verhalten und lieber einmal zu viel absteigen, um den Wanderern Platz zu machen. Ein rechtzeitiger freundlicher Gruß lässt erst gar keine Spannungen aufkommen.

Ab der Fr.-August-Hütte führt der Schotterweg bergab zur Pass-Straße des Sella-Jochs, auf der wir schnell an Höhe verlieren, die wir auf der Straße zum Grödner-Joch leicht wieder gewinnen. Nach einer Rast geht es rasant die Straße hinab nach Corvara. Jetzt sind wir im dritten Sprachgebiet des heutigen Tages, im ladinischen Teil Südtirols.  Weiter bergab beginnt bald ein sehr schöner Schotterweg entlang des Flusses, den man erst in Pederoa verlassen muss, da der Wasserlauf hier eine Klamm gebildet hat. Im September herrscht jedoch kein reger Verkehr, so dass man den Straßenabschnitt in Kauf nehmen kann.
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Matze vor Langkofel zum Vergrößern klicken
Unterwegs erkundige ich mich nach einem alternativen Weg nach St. Vigil. Man kann zwar die Straße nach Zwischenwasser weiterfahren und dann rechts ab in den oftmaligen Etappenort der Transalp-Challenge gelangen, aber nach der Kartenlage muss es noch andere Möglichkeiten geben. Beim Örtchen Piccolein werden wir fündig. Hier geht es hoch Richtung Kleines Joch, zunächst 400 hm auf Teer, zuletzt Forstweg und oben beginnt ein sagenhafter Schotter-Downhill entlang der Ski-Piste bis man schließlich direkt im Zentrum von St. Vigil herauskommt. Hier ist heute ein ziemlicher Auftrieb, ein Trachtenfest mit viel "Musi" ist im Gange. Matze ist begeistert, mich irritieren die vielen Menschen und der Lärm zunächst. In Richtung Fanes grummelt es vernehmlich und es wird immer düsterer. Auf dem Weg zur Pederü-Hütte, wo heute Schluss sein soll, erwischt uns dann der Regen. Zum Glück ist gerade eine Möglichkeit zum Unterstellen vorhanden, das Gasthaus am Kreidesee. Etliche Wanderer gesellen sich zu uns. Ein kurzer Anruf auf der Hütte, es sind reichlich Schlafplätze vorhanden. Also entspannen, der Regen hört dann auch auf und die letzten Kilometer rollen wie von selbst.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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3. Tag: Croda da Lago, Cima di Ambrizzola, Alleghe
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Morgenstimmung in der Fanes zum Vergrößern klicken
Im Nachhinein betrachtet war es genau richtig, den gestrigen Schlußpunkt im Tal zu setzen. So genießen wir im Morgentau die Auffahrt in die Fanes. Eine Schotterpiste führt steil, aber durchaus gut fahrbar zur Hochalm, wo die Fanes- und Lavarella-Hütte kräftig aufgerüstet haben um den zunehmenden Ansturm von Mountainbikern zu verkraften.
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Fanes-Hütte zum Vergrößern klicken
Hier sollte man auf jeden Fall telefonisch reservieren, wenn die Etappe auf der idyllischen Hochebene enden soll. Bei uns geht es gleich weiter zum Limo-Joch, man wird das eine oder andere Stück schon schieben müssen, es dauert aber nur eine Viertelstunde. Ich bin schon ganz gespannt auf die Schotterabfahrt in Richtung Ampezzo-Tal, den Weg nach St. Kassian kenne ich ja schon. Zunächst geht es auf sehr grobem Schotter steil bergab, dann wird die alte Militärstraße immer besser. An der Brücke Ponte Outo muss man auf jeden Fall anhalten. Tief hat sich hier der Fluss im Laufe der Jahrtausende zu einem imposanten Canyon ins Gestein gegraben. Der Blick hinab lässt einen frösteln und spüren, welche Macht die Natur hat.

Weiter geht es und auf einmal wird der Weg zum Touristenflanierpfad, fein asphaltiert. Der Parkplatz am Eingang zum Fanes-Nationalpark ist nicht weit. Zum Glück geht es am Fluss entlang weiter auf Schotter, ab dem Campingplatz lässt es sich auf der Straße gut rollen bis nach Cortina d'Ampezzo hinein. Im Austragungsort der Winterolympiade von 1956 zeugen viele Hotels von der mondänen Geschichte des Ortes. Wir kaufen Verpflegung ein und machen Rast, denn es warten noch mehr als 1000 Höhenmeter Schotter auf uns. Anders als bei den Touren zuvor verpflegen wir uns jetzt tagsüber selbst, machen vielleicht mal eine Capuccino-Rast, kehren aber nicht ein. Abends gibt es fast immer Halbpension, so dass wir nicht vom Fleische fallen. Die Zeitplanung wird so flexibler und nebenbei bemerkt, schont es die Reisekasse gewaltig.

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Limo-Joch zum Vergrößern klicken
Nach der Durchquerung des Ortes geht es rechts ab hinunter nach Campo an großen Campingplätzen vorbei, wo nach Passieren einer Brücke gleich ein harter Anstieg wartet. Bis zur Mga. Fedara ist die schwere Schotterpiste für Cracks wie Matze noch voll fahrbar. Ich baue schon die eine oder anderer Schiebepassage ein. Nach der kurzen Rast mit Möglichkeit, die Wasserflaschen nachzufüllen, ist aber auch für ihn zeitweise Schluss. Schotterrampen mit teilweise 30% Steigung und mehr zwingen jeden in die Knie.
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Schiebepassage bei Forc. Ambrizzola zum Vergrößern klicken
Es dauert aber nicht lange und es wird wieder fahrbar. Dann öffnet sich das weite Hochtal am Rif. Croda da Lago (Übernachtungsmöglichkeit) und man sieht schon den weiteren Trail entlang der gewaltigen Felsspitzen der Cima di Ambrizzola. Der Pfad schlängelt sich teilweise fahrbar bis zum Pass auf 2277 m. Hier beginnt ein teils verblockter Trail zur Forcellina Col Duro, einzelne Passagen sind aber fahrbar. Danach gibt es noch die eine oder andere Schiebestelle bergab. Ab der Mga. Prendera wird das Terrain aber immer besser und es lässt sich wieder mit Genuss fahren. Eine kurze Straßenpassage über den Passo Staulanza trübt die Freude überhaupt nicht, denn gleich geht es auf Schotter weiter. Nach der Malga Vescova gibt es noch eine kleine Stelle zum Schieben, aber das dauert nicht lange.

Auf der letzten Höhe vor Alleghe befindet man sich mitten im Skigebiet und hat nun verschiedene Möglichkeiten hinunter zum gemütlichen Ort am Seeufer zu gelangen. Wir entscheiden uns, dem Trail Richtung Fernazza zu folgen, der einige schwere Passagen mit Wurzeln und Gesteinsbrocken enthält, sind aber sehr zufrieden mit diesem Tagesabschluss. Fernazza erweist sich als weitgehend verlassener, dem langsamen Verfall preisgegebener Ort hoch über Alleghe. Warum das so ist wird uns klar, als wir ihn bergab über einen extrem steilen Wiesentrail verlassen. Mit dem Auto ist er nicht erreichbar, so dass die letzten Bewohner wohl nach und nach aufgegeben haben. Ab Coi ist dann wieder eine Straße vorhanden und sofort wird es lebhafter. Schnell sind wir unter im Zentrum von Alleghe, wo uns der warme Hauch eines spätsommerlichen Nachmittags in Italien umfängt. Hier Unterkunft zu bekommen ist überhaupt kein Problem. Es gibt viele Hotels in diesem Zentrum des Wintersports. Wir quartieren uns schließlich im Hotel Centrale ein zu moderaten Preisen von 35 EUR mit Halbpension.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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4. Tag: Val Venegia
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Val Venegia zum Vergrößern klicken
Den Abend zuvor hatte ich einen schweren Fehler gemacht. 4 kleine Bier aus dem Supermarkt sahen so verlockend aus, den Flüssigkeitsverlust des Tages auszugleichen. Nun hängen sie mir wie Blei in den Knochen. Obwohl wir zunächst nur Teerstraßen unter die Stollenreifen nehmen, gestaltet sich die Auffahrt zum Passo Valles für mich als mühsam und zäh. Selbst in den kleinsten Gängen kostet jede Kurbelumdrehung Überwindung. Matze fährt unbeeindruckt seine großen Übersetzung, er trinkt aber auch nur Radler. Das lasse ich mir eine Lehre sein, fortan verzichte ich auf pures Bier und genehme mir höchsten einen Grappa nach reichhaltigem Abendbrot. Und siehe da, das hilft.

Endlich am Passo Valles angekommen nehme ich erst mal einen Espresso zu mir, schiebe Bananen und Brötchen rein und nach der Abfahrt geht es dann im Val Venegia wie geschmiert.
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Val Venegia zum Vergrößern klicken
Die berühmte Kulisse der Pale di San Martino war schon in vielen Filmen zu bewundern und beeindruckte auch uns in hohem Maße. Fahrtechnisch ist das Tal vollkommen unproblematisch, die Schotterserpentinen am Talschluß sind eine ingenieurtechnische Meisterleistung der alten Straßenbauer. Als Militärstraße geplant, durfte die Steigung nicht weit über 10% gehen, somit fährt es sich sehr entspannt bis auf 2200 m. Wer an der Baita Segantini nicht Rast macht, ist selber Schuld. Die Felsspitzen sind zum Greifen nahe, bei guter Sicht ein atemberaubender Rundblick. Wie lange wird der Gletscherrest am Cimon della Pala wohl noch zu sehen sein?

Auf breitem Jeepweg, im Winter ist hier ein ausgedehntes Skigebiet, geht es hinunter zum Passo Rolle. Unterwegs sehen wir noch einen Hubschrauber im Rettungseinsatz. An der Steilwand des Castelazzo wird ein Mensch geborgen, hoffentlich ist nicht Schlimmes passiert. Der Blick vom Passo Rolle hinunter ins Tal verheißt keine guten Wetteraussichten. Wir ziehen das volle Regenprogramm an und rauschen die reichlich 500 hm hinab nach San Martino di Castrozza. Zum Glück fängt es erst richtig zu schütten an, als wir im Ortszentrum unter der Markise eines Cafes sitzen und die Regenpause zur Rast nutzen. Das gibt mir genug Zeit, den weiteren Weg zu checken.

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Regenpause in San Martino zum Vergrößern klicken
Wir hatten uns entschlossen entlang der Catena dei Lagorai über den Passo Cinque Croci zu fahren. Um von San Martino dorthin zu gelangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zwei davon gefallen uns nicht besonders. Die eine führt über Imer ins Val Cia und verläuft nur über die Straße, wenn auch zunächst schön bergab. Die andere Route über die Mga. Tognale nach Caoria favorisiert Uli Stanciu. Diese hat den Haken, dass man ca. 3 km weit bergab schieben darf, was auch nicht unbedingt Sinn der Sache ist. Ich habe schon bei der Planung eine dritte Variante "entdeckt".
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Traumtrail zum Lago Calaita zum Vergrößern klicken
Von San Martino aus führt der Wanderweg 350 über die Forcellina di Calaita zum gleichnamigen See. Nach Kartenlage schien er nur eine kurze Schiebepassage aufzuweisen. Wie der Zufall so will, trafen wir in Alleghe einen Schweizer Mountainbiker, der diesen Weg schon mal gefahren war. Er bestätigte meine Vermutung und wir genossen in vollen Zügen diesen wunderschönen Weg.

Nach dem See warteten dann noch 900 hm auf kaum befahrener Nebenstraße bergab bis Canale San Bovo darauf versägt zu werden, auch nicht schlecht. In diesen Teil Italiens verirren sich keine deutschen Urlauber mehr, schon gar keine Pauschaltouristen. Der Nachmittag neigte sich dem Abend zu, also musste ich meine minimalen italienischen Sprachkenntnisse aktivieren und mich nach Unterkunft erkundigen. Die Albergo in Caoria konnte uns nur mit "dormire" (schlafen) dienen, Essen war in der Nachsaison nicht vorgesehen. Aber zumindest konnte ich den Hinweis verstehen, dass das Rifugio in Refavaie uns auch mit fester Nahrung versorgen würde. Bei mir war für heute die Luft raus, ich zockelte langsam bergan, Matze fuhr taufrisch schon mal voran und machte das beste Quartier auf der gesamten Tour klar. Der Oberhit war, dass der Sohn der Wirtin höchstpersönlich die Forellen im Minutentakt aus dem eigenen Teich angelte, die wir nur eine Stunde später gebraten verspeisten. In Kombination mit den sonstigen Köstlichkeiten war auf jeden Fall ein Grappa fällig. Beim Bier blieb ich eisern, nur ein Radler erreichte mein Körperinneres. Die Krönung des Ganzen war die Badewanne im ansonsten recht flachen Badezimmer in der ausgebauten Scheune. Die Muskeln freuten sich ungemein über die spannungslösende Heiltemperatur.
Tourdetails:(Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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5. Tag: Kriegspfade
Am Morgen betrübliche Wetteraussichten. Als wir gerade losfahren wollen, beginnt es leicht zu nieseln. Uns schwant nicht Gutes. Da es zunächst bergauf geht, verzichten wir aufs volle Regenprogramm. Ich ziehe nur meine Regengamaschen an. Das wärmt die Füße und hält die Bikeschuhe sauber. Doch wir haben wieder einmal Glück, der Niesel weicht, nur kühl bleibt es. Die alte Schotterstraße zum Passo Cinque Croci ist wie so viele in diesem Teil der Alpen aus militärischen Gründen entstanden und zwingt uns in den 900 hm bergauf nicht einmal zum Schieben. Oben ist es lausig kalt, zwei Arbeiter sind mit der Sanierung der "Denkmale" beschäftigt. Auch wenn ich gestellte Fotos nicht so mag, hier oben geht es nicht anders.
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Passo Cinque Croci zum Vergrößern klicken
Ein Arbeiter holt den mannshohen Eisenstab mir den 5 Kreuzen von der Ladefläche des Pickups extra für uns her. Also lassen Matze und ich uns bereitwillig fotografieren. Dann verabschieden wir uns herzlich und genießen die lange Abfahrt erst auf Schotter, später weit unten auf Teer ins Val Sugana.

In wärmeren Gefilden machen wir Cappuccino-Rast (es ist noch vor 12 Uhr) in Castelnuovo und füllen beim Alimentari unsere Essensvorräte auf. Langsam hängen uns die Brötchen zum Halse raus, auch wenn sie mit den hauchdünn geschnittenen Salamischeiben belegt werden (50-100 g reichen für einen Tag). Ich genehmige mir noch einen Joghurt und freue mich mit Matze über die bisher überaus gelungene Tour. Eigentlich ist heutiges Tagesziel das Rifugio Barricata (0039/0461/765139), am Tor zum Altopiano die Sette communi. Als wir jedoch den Radweg erreichen, der uns leicht bergab Richtung Grigno nach Selva bringen soll, sehen wir die Bescherung. Dunkle Wolken liegen dort auf den Bergen, unverkennbar ist daraus zumindest leichter Nieselregen zu schließen. Das Wetter der vergangenen Tage war geprägt von ganz geringen Luftdruckgegensätzen, wie ich dem Anzeigeverhalten meines Fahrradcomputers entnehmen konnte. Auch mit Wind hatten wir selbst auf den Berghöhen kaum zu tun. Wir konnten deshalb schlussfolgern, dass Regen nur örtlich begrenzt auftreten würde. In der anderen Richtung waren klare Abschnitte zu erkennen, also stellten wir die Route um und beschlossen, den alten Kaiserjägerweg, auf dem im ersten Weltkrieg tausende Soldaten in den unausweichlichen Tod auf den Schlachtfeldern in den Bergen ziehen mussten, in Angriff zu nehmen.

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Forte Verle zum Vergrößern klicken
Der Radweg am Fluss Brenta entlang stellte uns einen leichten Transferweg zur Verfügung, um dann die reichlich 800 hm hinauf nach Monterovere in Angriff zu nehmen. Ich hatte schon leichten Respekt vor dieser Passage, im Internet hatte ich gelesen, dass der Weg bei Sonnenhitze zur Qual werden kann. Bei den heutigen Temperaturen fuhr es sich ganz easy. Unterwegs gibt es sogar eine Wasserstelle, an der wir auch kurz Rast machten, um die restlichen Serpentinen auch noch zu bezwingen. Unterwegs konnten wir immer wieder den herrlichen Blick auf die Seen Lago di Caldonazzo und Lago di Levico genießen. Kurz nach der Passhöhe lag dann auch schon die Albergo Monterovere, wo wir als einzige Gäste für die Nacht logierten. Es war noch früher Nachmittag. Deshalb ließen wir unser Gepäck im Zimmer zurück und erkundigten leicht beschwingt die Umgebung.

Hier oben verlief im ersten Weltkrieg die Frontlinie zwischen den italienischen und österreich-ungarischen Linien. Die Bikeroute "100 km dei forti" erschließt die alten Festungsanlagen mustergültig für die heutigen Mountainbiker, die die Überbleibsel des kriegerischen Wahnsinns dankbar für ihre Touren nutzen. Die ehemalige Festung Verle war ebenso wie das Werk Sommo, das wir am nächsten Tage besuchen sollten, österreichisch und sollte die Grenze der k.u.k. -Monarchie gen Italien sichern. Die Jahrzehnte sind darüber hinweggegangen. Heute gibt es höchstens einmal im Winter "Kämpfe" am Skilift in der Hochebene Folgaria/Lavarone. Aber wie ich die Italiener schätzen gelernt habe, sehen sie es bei weitem nicht so verbissen wie die deutschsprachigen Rivalen und lassen einem bereitwillig den Vortritt, weil sie wissen, dass beim abendlichen Feiern sie uns haushoch überlegen sind. Zum Abschluss machen wir uns noch auf nach Luserna. Der Ort im italienischen ist eine uralte zimbrische Sprachinsel. Als bayerische Volksstämme im tiefsten Mittelalter diese Teile der Alpen besiedelten, bewahrten sie sich aufgrund der äußerst zerklüfteten Gebirgsstruktur und der damit verbunden Abgeschiedenheit ihre sprachlichen Eigenheiten bis heute. Wir radeln zum Abschluß ganz entspannt die leicht abschüssige Straße zurück nach Monterovere und genießen als einzige Gäste das Abendbrot.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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6. Tag: Schlachtfelder
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Schotterabfahrt ins Valle Posina zum Vergrößern klicken
Der Morgen verheißt mit blauem Himmel einen schönen Tag auf der Hochebene, die im Sommer vom touristischen Massenrummel wohl auf ewig verschont bleibt. Wir fahren zu nächst ca. 500 m zurück, um dann links auf die schon erwähnte Bikeroute "120 km dei forti" abzubiegen. Sie verbindet in einem Rundkurs auf einer guten Schotterpiste alte Festungen und Stellungen entlang der alten Frontlinien. Wir folgen dem Weg über Slaghenaufi und Lazina bis Bertoldi, wo wir dann jedoch die Straße hinauf zum Passo Sommo nehmen. Wieder wollten deutlich mehr als 2000 Höhenmeter am Tag überwunden werden. Da muss man nicht jeden Pfad mitnehmen, nur um Straßen zu vermeiden. 300 m nach der Passhöhe biegen wir links ein, um wieder auf der erwähnten Bikeroute unseren Weg zu finden.

Am Sommo Alto halten wir inne, um das alte österreichische Werk Sommo zu erkunden. Es wurde niemals von der italienischen Infanterie angegriffen und als sich der Rückzug der Italiener im November 1917 näherte, feuerte es Munition bis zur Erschöpfung in die feindlichen Linien. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das Gebiet an Italien, wurde entmilitarisiert und 1932 vom Ort Folgaria gekauft. Die Festung wurde danach teilweise zerstört, um die Eisenteile in der Abdeckung abzubauen. 1977 wurde die Ruine aufgeräumt und teilweise wiederhergestellt und 1981 von der Autonomen Provinz Trient im Rahmen der Einrichtung des "Sentiero della Pace" (Friedenspfades) wieder beräumt, so dass sie Besuchern wieder zugänglich ist. Der Bau des Werk Sommo kostete den Österreichern vor dem 1. Weltkrieg 982.000 österr. Kronen ohne Bewaffnung. Die Festung war völlig selbständig und konnte auch ohne Kontakt zur Außenwelt betrieben werden. Sie verfügte über einen Dieselgenerator, der die Innenanlagen, Scheinwerfer und Ventilatoren mit Strom versorgte. Für die Wasserversorgung gab es zwei Tanks mit einem Fassungsvermögen von je 380 Hektolitern, die von einem Aquädukt und einer Pumpe gespeist wurden. Eine Telefonleitung verband sie mit der Zentrale in Folgaria. Außerdem verfügte sie über ein System zur Übertragung von Sehzeichen zwischen den Festungen in der Umgebung. Die Garnison bestand aus 6 Offizieren und 162 Landesschützen.

Heute ist es uns völlig unverständlich, was hier oben Kriegswichtiges zu finden gewesen sein soll, wir freuen uns über die Fülle der Wege, die uns weiterbringen. Bald sind wir in Sichtweite der Straße hinauf zum Passo Coe, der oft vom Giro d'Italia gestreift wird. Gut können wir die anfeuernden Inschriften auf der Straße erkennen. Plötzlich erkennen wir klar die Parole: Forza Matze. Sollte sein Ruhm bis hierher gedrungen sein? Bei einem Capuccino im Rifugio kurz nach der Pass-Höhe besprechen wir die Lage und verwerfen den Gedanken.

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Serpentinen am Pasubio zum Vergrößern klicken
Wieder scheinen die Wetteraussichten nicht die besten zu sein, trüb lasten die Nebelschwaden in den Bergen. Ca. 2 km nach der Straßenabfahrt zweigen an der Mga. Zonte verschiedene Wege ab. Mir war klar, dass der Monte Maggio nicht das Traumziel auf dieser Tour war. Von dort führt nur ein zu mindestens 2/3 nicht fahrbarer Pfad 600 hm hinab zum Passo Borcola. Die Suche nach einer Alternative ergab auf der Karte eine klare Antwort. Von der eben erwähnten Malga führt der Weg 525 auf der Bikeroute "100 km dei forti" ebenso in das Valle Posina, nur eben fahrbar, wenn es auch ein paar Kilometer mehr sind. Kurz gesagt, es war ein Volltreffer. An den Malgi Campoluzzi vorbei führt ein traumhafter Schotterdownhill mit einer kurzen Gegensteigung durch gottverlassene Landschaften mit grandiosen Ausblicken ins Valle Posina.

Nach einem kurzen Straßentransfer liegen nun "nur" noch rund 1500 Höhenmeter vor uns, um im Rifugio Generale Papa am Pasubio zu übernachten. Mir hat es schon vor der Schotterstraße nach dem Beginn der "Strada della Galleria" mit ihren berühmten 52 Tunnels gegraut. Einmal war ich sie schon 1998 bergab mit dem MTB gefahren und im Herbst 2001 bergab gelaufen. Die ätzenden Serpentinen waren mir noch in unguter Erinnerung. Es lief aber erstaunlich gut. Nicht einmal 2 Stunden brauchten wir auf der schweren Schotterpiste über 700 hm bergauf. Ich habe vielleicht 50 m geschoben, als ich auf dem Schwimmschotter einmal wegrutschte. Matze ist wie selbstverständlich durchgefahren. Ich glaube, er hat nicht einmal geschwitzt. Im Rifugio beziehen wir Quartier im spartanischen Lager. Wasser zum Waschen gibt es nur aus der Zisterne, es reicht für eine Katzenwäsche.

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Schlachtfeld am Dente italiano zum Vergrößern klicken
Hier oben gibt es kaum Wasserquellen. Man kann sich gut vorstellen, was die Soldaten im 1. Weltkrieg durchgemacht haben, als die Frontlinie zwischen diesen kahlen Bergen verlief. Im Winter bei Eis und Schnee frieren und im Sommer bei gnadenloser Hitze es vor Durst kaum aushalten. Die Bilder an den Wänden des Rifugios sprechen davon eine beredte Sprache. Es ist ein hoher Preis, den viele Menschen mit ihrem Leben bezahlt haben, damit dieser Teil der Alpen nun so vortrefflich für Mountainbiker erschlossen ist. Nirgends war der Blutzoll so hoch wie am Pasubio. Luftlinie vielleicht nur 200 m voneinander entfernt, unterminierten die österreichischen und italienischen Soldaten die Dente italiano und austriaco, um tonnenweise Sprengstoff in die Stollen einzubringen. Es war ein Wettlauf mit der Zeit und dem Tod, der naturgemäß keinen wirklichen Sieger zulassen konnte. Die Österreicher gaben nur Stunden vor den Italienern den Befehl zum Zünden der Pulverladungen. Was die gewaltigen Explosionen angerichtet haben, lässt sich anhand der Trümmerfelder, die wir am nächsten Tage durchstreifen werden, nur erahnen. Begreifen kann man es nicht. Drei Tage lang war das Schlachtfeld erfüllt vom Schreien und Stöhnen der Verwundeten, bis daraus ein Wimmern wurde und der langsam eintretende Tod nur noch eine Erlösung für jene darstellte, denen keiner mehr half.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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7. Tag:
Das Wetter in der Frühe passt so recht zum Szenario hier oben, es ist wolkenverhangen, die Sicht beträgt kaum mehr als 50-100 m. Glücklicherweise bin ich schon einmal bei bestem Wetter hier oben gewandert, so dass die Orientierung trotzdem gelingt. Bis zur kleinen Kirche lässt sich gut fahren, dann ist für eine Weile Schluss damit. Immer wieder zwingt einen der bergauf bergab führende teilweise verblockte Pfad aus dem Sattel. Mir war noch in Erinnerung, dass zwischen den beiden Platten (Dente ital. e austr.) ein Wegweiser zum Rif. Lancia zeigte. Leider war die Sicht so schlecht, dass ich ihn nicht wiederfinden konnte. Wir orientierten uns deshalb ab den Sieben Kreuzen (Sette Croci) am Weg 120, keine besonders gute Wahl, da er praktisch unfahrbar ist. Der Weg 105 stellt hier wohl die bessere Alternative dar. Auf jeden Fall ist die Kompass-Karte im Maßstab 1.50.000 in diesem Gelände keine besonders gute Hilfe. Die grobe Richtung stimmt jedoch und endlich erreichen wir die ruppige Schotterpiste, die uns nun zügig zum Rif. Lancia führt.

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Kirche San Martino bei Rovereto zum Vergrößern klicken
Wer die Orientierungsprobleme hier oben scheut, kann die einfachere Variante wählen und auf Schotter ab dem Rif. Generale Papa die Straße der Helden (Strada degli Eroi) bergab fahren, dabei den Tunnel (Galleria Gen. D'Havet) durchqueren, um zum Passo Fugazze zu gelangen. Ab hier fährt man dann allerdings die Straße mit 4-5 Gegenanstiegen hinunter nach Rovererto. Wir sind froh, dass wir uns durchgebissen haben, denn die raue Schotterabfahrt nach dem Rif. Lancia ist gut zu bewältigen, zumal mit einem vollgefederten Rad. Ab ca. Höhe 1300 m geht die Piste dann langsam in Asphalt über und entspannt rauschen wir auf der kaum befahrenen Nebenstraße hinab bis kurz vor Rovereto. An der berühmten Kirche
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Finale in Torbole zum Vergrößern klicken
unter der Felswand (Chiesa San Martino) machen wir kurz Fotopause und nutzen die Gelegenheit, uns der wärmenden Sachen zu entledigen. Es ist zwar nicht so warm wie man um diese Jahreszeit erwarten kann, aber doch deutlich angenehmer als oben in den Bergen. Kurz vor 11 Uhr am Bahnhof angekommen, checken wir kurz die Lage und sehen, dass an regionalen Zügen, die Fahrräder mitnehmen, kein Mangel herrscht. Im 2-Stunden-Takt geht es Richtung Brenner. Wir entschließen uns, den Zug um 16.31 Uhr nach Bozen mit Anschluss nach Meran ins Auge zu fassen und rollen erst einmal zügig auf dem Radweg über Mori nach Nago. Hier erwartet uns der erste Blick auf den Gardasee.

Gegen 12 Uhr endet diese wunderschöne Transalp durch die Dolomiten am Strandcafe in Torbole, mit über 500 km und deutlich über 2000 Höhenmetern im Tagesdurchschnitt bisher meine längste und anspruchsvollste Alpenüberquerung. Matze will noch eine Woche zum Surfen hier bleiben und regelt die Dinge auf dem Campingplatz. Dann wird das Wetter noch richtig schön, wir relaxen noch eine Weile am Strand, um dann in aller Ruhe nach Rovereto zu radeln. Die Fahrkarten bis Meran kosten pro Nase rund 9 EUR, der Zug nach Bozen ist pünktlich und hat ausreichend Platz für die Räder. Stressfrei rollen wir zu den Autos zurück, sogar die Höhenmeter nach Dorf Tirol bleiben uns erspart, da die Busse die Räder mitnehmen. Ein paar Höhenmeter müssen wir noch aus eigener Kraft bewältigen, kurz vor 20 Uhr sind wir dann in der Pension. Es ist sogar ein Doppelzimmer frei, so dass die Tour so harmonisch enden kann, wie sie verlaufen ist. Zum Abendbrot gibt es eine große Portion Rühreier mit Schinken und Bratkartoffeln und endlich kann ich wieder guten Gewissens ein kaltes Forstbier bestellen und mit Matze auf die gelungene Transdolomiti anstoßen.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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Fazit: Friedliches Finale
Diese Tour stellt recht hohe Ansprüche an das körperliche Leistungsvermögen. Die Dolomitenlandschaft ist zerklüftet, so dass meist zwei kräftige Ansteige pro Tag zu bewältigen sind. An den meisten Tourtagen mussten deshalb deutlich über 2000 Höhenmeter bewältigt werden. Kompensiert wurde dies durch den relativ hohen Straßenanteil, der unvermeidbar ist, da einige Gebirgsstöcke schlicht und einfach nicht mit dem Rad zu bewältigen sind. Da wir uns zu weiten Teile jedoch im touristischen Hinterland befanden und im September gefahren sind, spielte der Autoverkehr kaum eine störende Rolle.

Der Tourbeginn von Meran aus ergab sich aus logistischen Zwängen heraus, so dass die lange Straßenauffahrt zur Seiser-Alm nicht zu vermeiden war.
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Traumpfade Transalp zum Vergrößern klicken
Alternativen sind: im Eggental beginnen und über das Val Duron von Campitello aus zur Seiser-Alm gelangen, oder vom Grödner Tal aus die steile Auffahrt zur Saltria in Angriff zu nehmen Da die Tour nach dem Alpenhauptkamm beginnt und nicht in Höhen über 2400 m geht, kann sie bei entsprechender Wetterlage von Ende Mai bis Anfang Oktober gefahren werden.
Ich habe am Ende des Tourberichts Links zu Webcams eingebunden, die Wettereindrücke von Orten vermitteln, die auf der Tour passiert werden. So kann sich jeder selbst ein Bild von den aktuellen Wetterverhältnissen machen, wenn er diese Tour oder Teilabschnitte nachfahren will.

Wir hatten trotz der hohen Beanspruchung des Materials nicht eine einzige Panne unterwegs, die Scheibenbremsen und Vollfederung machten fast jede Strecke zum reinen Vergnügen. Den einzigen Verlust hatte ich zu beklagen. Nach 8 Tourjahren mit dem Mountainbike in den Alpen verabschiedete sich still und unbemerkt meine Werkzeugtasche, die ein geruhsames Leben unter meinem Sattel geführt hatte. Möge sie in Frieden ruhen oder einem anderem Mountainbiker von Nutzen sein.
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Webcams auf der Route der Transdolomiti 2002
Ort Webcam
(aus technischen Gründen sind sie ab und zu nicht erreichbar oder zeigen keine aktuelles Bild an, dafür ist der jeweilige Betreiber zuständig)
Seiseralm
Mahlknechthütte
Link zur Webcam
Sellastock
Panorama
Link zur Webcam
Cortina d'Ampezzo
Blick: Monte Cristallo
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Cortina d'Ampezzo
Blick auf Cortina
Link zur Webcam

 
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