Transalp mit "Dr. rad"Andreas Albrecht

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Transalp Classic 2003
 

Transalp 2003: Garmisch - Grosio - Passo Gavia - Gardasee

Das wichtigste in Kürze

Strecke Garmisch- Fernpass - Landeck - Ischgl - Fimberpass - Scoul - Passo Costainas - St. Maria - Val Mora - Val Rezzalo - Passo Gavia - Val di Sole - Madonna di Campiglio - Gardasee
Länge 437km
Höhenmeter 11029 hm
Termin 30. August - 5. September 2003
Etappen (7)
Tag Strecke km hm
1.Tag Garmisch-Partenkirchen - Fern-Pass - Schloß Fernstein -Strad - Imst - Landeck 79 773
2.Tag Landeck - Tobadill - See - Ischgl - Fimber-Tal - Bodenalpe 37 1367
3.Tag Bodenalpe- Fimber-Pass -Vna - Sent - Scoul - S-charl - Pass da Costainas - Lü - St. Maria im Münstertal 67 2023
4.Tag St. Maria im Münstertal - Val Mora - Lago Cancano - Passo Verva - Eita - Grosio 73 1566
5.Tag Grosio - Le Prese - Fumero - Val di Rezzalo - Passo dell' Alpe - Gavia-Pass - Ponte di Legno (Precasàglio) 50 2326
6.Tag Ponte di Legno - Passo Tonale - Fucine - Dimaro - Madonna di Campiglio 58 1593
7.Tag Madonna di Campiglio - Val d'Agola - Passo Bregn de l'Ors - Rif. Ghedina (Val d'Algone) - Stenico - Ponte Arche - Dasindo - Val di Lomasone - Tenno - Riva - Torbole 73 1381
Detail-Infos zum Nachfahren der Tagesetappen siehe Verweise im Tourbericht
Landkarten Kompass: Digitale Karte Österreich, Digitale Karte Tirol,  5, 35, 41, 42, 52, 072, 73, 101, 107
Kümmerly & Frey - Unterengadin ISBN 3-259-00814-4,
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer
Tourplanung Andreas Albrecht
Tourführung Andreas Albrecht, David Strixner (München)
Teilnehmer
  • Rainer (Recklinghausen), Günter (Bad Wörishofen), Jürgen (Hilden), Michael (Wuppertal), Christoph (Bergheim), Uwe, Erwin, Peter (alle Aalen), Bernd (Engelskirchen), Christian (Stuttgart)

Tourbericht

"Und am Ende sind es nicht die Jahre in deinem Leben, die zählen. Es ist das Leben in deinen Jahren."
Abraham Lincoln (1809-1865)

Prolog
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Das wilde Dutzend zum Vergrößern klicken

Irgendwann musste dieser Supersommer 2003 zu Ende gehen. Zwei Transalps war ich schon bei großer Hitze in diesem Jahr gefahren, aller guten Dinge sind drei. Ende August kündigte sich eine grundsätzliche Umstellung der Großwetterlage an. Am Startwochenende war Regen angesagt. Ich freute mich auf diese Transalp, die wieder auf meiner klassischen Route stattfinden sollte. Je öfter ich sie fahre, desto besser kann ich die Eindrücke der alpinen Gebirgswelt auf mich wirken lassen. Mittlerweile könnte ich diese Transalp wohl auswendig fahren, sozusagen mit implantiertem Bio-GPS. Besonders angenehm auf dieser Tour war das ausgewogene Leistungsniveau aller Mitfahrer. Dabei kamen mir meine Erfahrungen der letzten Jahren zu gute. Die Teilnahme an meinen Transalp-Touren erfolgt auf individueller, privater Basis. Das Interesse wird im wesentlichen durch meine Tourberichte im Internet angeregt. Bei der Auswahl der Mitfahrer gehe ich mit großer Sorgfalt vor. Wichtig für das Gelingen ist, dass neben einen ausreichenden konditionellen Zustand die Motivation des einzelnen Mitfahrers stimmig ist. Jugendliche Heiß-Sporne und Race-Fanatiker sind fehl am Platze. Schließlich ist es auch mein Urlaub, den ich nutze, um gemeinsam mit Gleichgesinnten das Erlebnis Transalp zu genießen.

Erwin, Peter und Christian hatten schon Ostern am Vorbereitungscamp am Gardasee teilgenommen und wollten nun einen Transalp in Angriff nehmen. Michael und ich hatten im Frühsommer zusammen eine kleine Radrunde bei Wuppertal gedreht. Mit den anderen hatte ich ausführlich telefoniert bis ich sicher war, die Gruppe würde harmonieren.David aus München fuhr nun schon das dritte Mal mit und fungierte als Co-Guide, der zuverlässig die Gruppe hinten zusammenhielt. So konnte ich mich meist vorn aufhalten, um für den rechten Weg zu sorgen.

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1. Tag: Regen am Fern-Pass
In der Nacht zum Samstag schüttete es teilweise wie aus Kannen. Wie es in den Alpen jedoch oft der Fall ist, folgte einer verregneten Nacht ein Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Dass es nicht so bleiben sollte, war nach der Wettervorhersage abzusehen. Nach und nach trudelten alle Mitfahrer am Treffpunkt in Garmisch-Partenkirchen in der Nähe des Bahnhofs ein.
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Noch wussten wir nicht,
was morgen noch zu erledigen war!
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Als die Gruppe sich schließlich auf die Räder zum Abenteuer Transalp schwang, zogen bereits erste Wolken über die Zugspitze. In Ehrwald schlug ich deshalb den direkten Weg zur Schotterauffahrt auf der Via Claudia zum Fernpass ein. Am höchsten Punkt des Passes begann es dann zu nieseln. Also das volle Regenprogramm an und zur vielbefahrenen Fernpass-Straße abgefahren. Hier entschied ich mich schnell doch auf dem alten Römer-Weg zu bleiben, nicht ohne zur Vorsicht hinsichtlich der bevorstehenden Abfahrt zu mahnen. Bis zum Schloss Fernstein hatte der Weg ab und zu Trail-Charakter. Zeit zum ausführlichen Betrachten der Spuren der alten Römerkarren im Gestein fand sich wegen des Wetters nicht.

Wir sahen zu, schnell durchs Gurgl-Tal nach Imst zu gelangen. An der Einstiegsstelle zum Rafting, an der Engstelle des Inns, hörte es auf langsam zu regnen. Die Fahrt im immer stärker werdenden Dauerregen war auf dem Radweg bis Landeck zügig erledigt. Im Stammhotel "Mozart" (www.mozarthotels.at) erwartete uns die bereits angeheizte Sauna nebst Schwimmbad. Meinen Lieblingsspruch: "Alles wird gut!" konnte ich deshalb am Ende des ersten Tages mit Fug und Recht zu Gehör bringen.

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2. Tag: Kühle Fahrt, doch ohne Regen
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Trisanna-Brücke im Paznauntal zum Vergrößern klicken

Eigentlich hatte ich für den zweiten Tag geplant, über St. Anton durchs Verwall-Tal Richtung Ischgl zu fahren. Das sollte man bei schönem Wetter auf jeden Fall tun und entspräche meiner angepeilten Route eines optimalen Transalp. Nach der Wettervorhersage war das jedoch illusorisch. Also war spätes Frühstücken angesagt. Beim Aufbruch bemerkte Bernd mit seinen mehr als 100 kg Muskelmasse zum Glück rechtzeitig, dass sich sein Hinterreifen in Einzelteile auflöste. Hier musste schnell Ersatz her, und das am Sonntag. Der Hotelchef Thomas Radlbeck telefonierte kurz und erwischte noch einen Mitarbeiter vom ortsansässigen Bike-Shop "Peto-Bike". Unkompliziert brachte er einen Ersatzreifen zum Hotel ("Alles wird gut!"). In 5 Minuten war dann der Reifen gewechselt Herzlichen Dank an: www.petobike.at. Die Verzögerung beim Aufbruch erwies sich im nachhinein als goldwert. Wir erwischten dadurch eine regenfreies Wetterfenster auf der kurzen Etappe bis zur Bodenalpe im Fimber-Tal.

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Bodenalpe im Fimber-Tal zum Vergrößern klicken
Bei der Auffahrt nach Tobadill wurde uns schnell warm. Oben waren wir dem sehr kühlen Wind ausgesetzt. Deshalb entschloss ich mich, mit der Gruppe schon von hier aus ins Paznaun-Tal abzufahren. Den anspruchsvolleren Weg über das "Almstüberl" ließ ich diesmal aus. Die urige Jausenstation wurde in diesem Sommer leider nicht mehr bewirtschaftet. Der danach folgende Trail wäre heute sehr nass und schmierig gewesen, so dass man weite Teile hätte schieben müssen. So kamen wir an der imposanten Eisenbahnbrücke über die Trisanna heraus. Die Fahrt über die Straße des Paznauns-Tals bis Ischgl ging dann zügig vonstatten. Der Schlussanstieg aus der Ortslage Ischgl heraus war zwar heftig, stellte aber für keinen ein größeres Problem dar. Am frühen Nachmittag war für heute an der Bodenalpe Endstation. Hier übernachteten wir diesmal und nicht wie sonst auf der Heidelberger Hütte. Diese ist inzwischen viel zu überlaufen. Von Hüttenromantik keine Spur mehr. Im Juli 2003 zählte ich dort mehr als 50 Mountainbikes über Nacht. Die junge Wirtin Esma der Bodenalpe empfing uns sehr freundlich und wir bezogen unsere Zimmer. Das war schon ein gewaltiger Unterschied zur Heidelberger Hütte. Mit Dusche/WC und sogar TV bestens ausgestattete Doppelzimmer, einen Trockenraum gab es auch. Abendessen und Frühstück schmackhaft und reichlich, dazu sehr preiswert. Bikerherz, was willst du mehr. Also Leute: vergeßt die Heidelberger Hütte. Die Bodenalpe auf 1848 m Seehöhe ist die Alternative (Tel.: 0043/5444-5285).
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3. Tag: Hochalpine Pässe
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Christian im Fimber-Tal zum Vergrößern klicken
Bei der heute bevorstehenden Etappe nach St. Maria im Münstertal konnten wir die eine zusätzliche Stunde durch den Start an der Bodenalpe locker dranhängen. Wir frühstückten zeitig und waren gegen 9 Uhr an der Heidelberger Hütte, wo die kurze Schiebepassage zum Fimber-Pass begann. Aus der Hütte trudelten auch noch ein paar Mountainbiker mit demselben Ziel heraus.Von Zeitverlust konnte also keine Rede sein. Für einige aus unserer Truppe war eine Schiebepassage noch neu und ungewohnt.
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Schieben am Fimber-Pass
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Man muss erst seinen Rhythmus finden. Mir machte es nicht so viel aus, in gut einer dreiviertel Stunde war ich oben und konnte von jedem ein nicht gestelltes Beweis-Foto von der Bezwingung des Fimber-Passes schießen. Die sagenhafte Trailabfahrt ins Engadin war heute etwas feucht und rutschig, so dass ich zur Vorsicht mahnte. An den verblockten Stellen stieg auch ich lieber ab und schob, um keinen Sturz zu riskieren. Die sonst üblichen Schneereste waren nicht mehr zu finden. Der Trialspezialist Günther fuhr fast komplett die 600 Höhenmeter hinunter zur Alp Chöglias. Hier war wieder allgemeines Sammeln und Richten der Ausrüstung angesagt. Erwin hatte ein wenig Bekanntschaft mit dem felsigen Untergrund gemacht, zum Glück war nichts Ernstes passiert. Die Nachhut sammelte unterwegs einen verlorengegangenen
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Uwe am Fimber-Pass zum Vergrößern klicken
Fahrradcomputer ein, der einem aus der Truppe gehörte. Nach der abenteuerlichen Bachbrücke wurde der grobe Schotterweg bald besser.Diesmal wollte ich eine neue Wegvariante testen.

Kurz vor Vna bogen wir scharf rechts ab in Richtung Kurhaus Val Sinestra. Der Wiesenweg wird später zum anspruchsvollen Wurzel-Trail, der an der Abruchkante des Flusses zum Teil recht steil nach unten ging. Vorsicht war also angesagt. Bei der Transalp 2002 war ich von Gasthaus Zuort gekommen. Im damaligen Regen war mir der verblockte Pfad am Flussufer in keiner guten Erinnerung. Diese Variante gefiel mir weitaus besser.Ab dem Kurhaus verläuft eine sehr schöne Naturstraße bis Sent, das hoch über dem Inn-Tal mit direktem Blick ins Val d’Uina liegt. Von Sent aus ging es dann mit Höchstgeschwindigkeit hinab nach Scoul. Die Rast am Supermarkt im Ortszentrum mit Auffüllung der Vorräte sollte bis 12:15 Uhr

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JH "Chasa Plaz" in St. Maria
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erledigt sein. Danach wurden zur Siesta die Bürgersteige hochgeklappt. Die Auffahrt nach S-charl und weiter zur Alp Astras verlief unkompliziert. Die Sonne ließ sich wieder blicken. Die Temperaturen luden trotzdem nicht zu größeren Pausen im Freien ein. Kaum 10 Minuten trennten die Spitze von der Nachhut: Immer wieder verblüffend, wie homogen das Leistungsniveau war. Der wunderschöne Trail durch Krüppelkiefern zum Pass da Costainas war inzwischen bestens fahrbar. Im Juli 2003 waren noch Erdleitungen auf der Trasse verlegt worden. Bei der Abfahrt nach Lü wurden wir dann durch schwere Baufahrzeuge kurzzeitig ausgebremst. Der eigentlich schon sehr gut fahrbare Forstweg wurde mit feinem Schotter noch glatt ausgewalzt. Hoffentlich kommt nicht irgendwann noch Asphalt drauf. In der urigen Jugendherberge "Chasa Plaz" fand die Pasta-Party diesmal in der "Stüwa" statt. Deren originale Holzvertäfelung hat schon einige hundert Jahre auf dem Buckel und zählt zu den ältesten im Münstertal. Ein schöner Kontrapunkt zur Schnelllebigkeit der heutigen Zeit, in der z.B. die Bikes des nächsten Jahres bereits im Spätsommer des Vorjahres herauskommen, um dann bereits im Frühjahr des Editionsjahres Gefahr zu laufen, in Bike-Zeitschriften als veraltet dargestellt zu werden.

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4. Tag: Stille Hochtäler
Die schwere Schotterauffahrt führte keinen aus der Gruppe an seine Leistungsgrenzen und belohnte uns mit der Abfahrt durchs Val Mora. Dieses einsame Hochtal ist wie geschaffen als eine Kulisse für kitschige Indianerfilme. Nur, hier ist alles echt und unverfälscht.
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Val Mora: Rast am Affenfelsen
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Nach einer Rast am von uns so getauften Affenfelsen kurz nach dem höchsten Punkt waren nun winddichte Sachen erste Wahl, denn es ging stetig bergab. Aus der Schotterpiste wurde ein Wiesenweg, der nach der stabileren Bachbrücke als teils ausgesetzter, aber meist gut fahrbarer Trail durch die Geröllhalden des Tals führte. Der Passo Val Mora bildet die grüne Grenze zu Italien und ist als solcher kaum zu erkennen. Er verläuft unspektakulär im recht ebenen Gelände auf knapp 2000 m Höhe. Der Weg an den beiden Stauseen Lago di San Giacoma-di Fraéle und Lago di Cancano wird oft als unschön beschrieben. Das liegt wohl daran, dass die meisten ab dem Passo di Fraéle auf der linke Seite bleiben. Wir bogen jedoch rechts ab und erfreuten uns an einer Fahrt durch das landwirtschaftlich genutzte Gelände am Südufer, das im hellen Licht der Berge tiefen Frieden ausstrahlte. Das idyllisch gelegene Rifugio S. Giacomo kam wie gerufen, um uns zum ersten Mal auf dieser Tour bei einer Rast die warmen Sonnenstrahlen genießen zu lassen.

Auf dem weiteren Weg entlang der Stauseen eröffnete sich die Aussicht auf das Gletscherskigebiet des Stilfser Jochs, das bis in Höhenlagen von ca. 3400 m hinaufgeht.

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Trail im Val Mora
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Genau gegenüber der ersten Staumauer war der berühmte Serpentinenweg durch die Felswand des Valle Forcola deutlich zu erkennen. Bei bestem Wetter war ich ihn bei meiner Transalp 2000 gefahren. Aus dieser Perspektive kann man es sich überhaupt nicht vorstellen, dass er überhaupt fahrbar ist, so schroff wirkte die Felswand. An den Torri di Fraele zu stoppen, war natürlich ein Muss bei diesen klaren Sichtverhältnissen. Die Schotterserpentinen hinab nach Bormio war ich im Juli diesen Jahres gefahren. Heute zweigten wir wie 2002 in der dritten Kurve scharf rechts ab Richtung Arnoga. Es folgte über ein gutes Dutzend Kilometer eine höhengleiche alte Militärstraße. Im ersten Teil im offenen Gelände verlaufend, bietet sie dem Auge und den Sinnen ein atemberaubendes Panorama der Berge des Ortler-Gebietes. Heute schob der Wind sogar von hinten, so richtig geeignet die nötige Lockerheit in den Beinen für den Schlußanstieg zum Passo Verva zu gewinnen. Diesmal schaffte ich es, die teilweise sehr grobe Schotterauffahrt komplett zu fahren.
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Christoph am Passo Verva
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Vielleicht oder gerade deshalb, weil ich es mit den Vorsätzen aus dem letzten Jahr, nur noch Radler zu trinken doch nicht mehr so genau nahm. Bei der Pasta-Party am Vorabend hatte ich den Rotwein spendiert, schließlich feierte ich auf dieser Tour meinen Geburtstag. Das eine oder andere Bierchen gönnte ich mir auch. Also, man sollte das ganze nicht so eng sehen.

Die folgende Schotterabfahrt über 600 Höhenmeter nach Eita hatte ich aus den Vorjahren schwerer in Erinnerung. Es läuft scheinbar von Mal zu Mal besser. Hinunter nach Grosio ließen wir auf dem kleinen Asphaltsträßchen die Räder so richtig laufen. Die Temperaturen stiegen mit jedem vernichteten Höhenmeter deutlich an. Kurz vor der Ankunft hatte Bernd einen Platten. So konnten wir die Aussicht ins Valtellina genießen. Die deutsche Entsprechung gab dem Veltliner Wein seinen Namen. Das Tal ist vom Massentourismus nicht berührt und hat sich seine ruhige Lebensart bewahrt. Beim Durchfahren des Ortes fällt uns deutschen Hektikern schon auf, dass hier die Menschen noch auf der Straße zusammenstehen und ihr Schwätzchen machen. Im Hotel Sassella empfängt mich der Chef Jim Pini, der mit Gustav Thöni (1972 und 1976 Olympiasieger im Alpinen Skilauf) Rennen gefahren war. Sie stehen heute noch in engem freundschaftlichen Kontakt, vielleicht auch, weil Thöni in Trafoi am Stilfser Joch ebenfalls ein Hotel (www.gustav-thoeni.com) führt. In Grosio machte ich auf der Transalp 2001 das erste Mal Station. Meine Tourberichte hatten einige Transalpler animiert, auch hier Halt zu machen. Signor Pini bedankte sich jedenfalls sehr herzlich für die neue sportlich orientierte Klientel, die dadurch zu ihm kommt. Das klassische italienische mehrgängige Abendmenü war wieder allererste Sahne. Bestimmt war ich nicht das letzte Mal hier.

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5. Tag: Val Rezzalo, Gavia

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Val Rezzalo
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Die Wetteraussichten verkündeten von Tag zu Tag ansteigende Temperaturen. Der Morgen empfing uns mit strahlendem Sonnenschein. Deshalb war klar, dass die heutige Etappe durchs Val Rezzalo und über den Gavia-Pass führen würde. Dem lockeren Einrollen nach Le Prese folgte zur Einstimmung dann die ersten Kilometer auf Asphalt bergauf bis Fumero. Hier begann der schwere Teil. Grobe Steinplatten als Schutz gegen Ausspülungen sind nicht besonders gut zu fahren. Auf der Hochebene des Val Rezzalo rasteten wir an der kleinen Kirche, ganz in der Nähe von "La Baita", wo ich im Juli 2003 übernachtet hatte. Im September ist für den Wirt Alessandro die Sommersaison jedoch schon vorbei, so dass man nur mit Voranmeldung dort beköstigt werden würde.
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Passo dell'Alpe
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Nach der Essenspause ging es richtig zur Sache. Die alte Militärpiste zum Passo dell’Alpe ist etwas für Beißer. Irgendwann musste jedoch jeder zumindest ein Stück das Rad schieben. Der Pass als solcher ist zum Schluß wieder fahrbar. Trotz der strahlenden Sonne waren die Temperaturen nicht dazu angetan hier lange zu verweilen. Deshalb schickte ich die ersten gleich hinunter zur Gavia-Pass-Straße, die ca. 150 Höhenmeter bergab bald erreicht war.
Die Asphaltpassage zum Gavia-Pass, mit 2652 m der höchste Punkt der Tour, sollte eigentlich keinen vor ernsthafte Probleme stellen. Nur Christoph musste sich aufgrund einer Erkältung ziemlich quälen. Eine lange Rast an der Pass-Höhe kam ihm gerade recht. Vor uns lag nur noch die lange, lange Abfahrt hinab Richtung Ponte di Legno. Wir hatten ausreichend Zeit. Aufziehende Wolken veranlassten uns schließlich aufzubrechen. An der Tunnelumfahrung, die noch ein wenig das Flair dieses oftmaligen Scharfrichters des Giro d’Italia erahnen ließ, kündeten einige kleine Schotterhügel von den kurz zuvor niedergegangenen sintflutartigen Niederschlägen. Bei der weiteren Abfahrt auf der seit Mitte der 1980er Jahre leider asphaltierten Straße mussten wir uns voll konzentrieren. Die Straße ist sehr kurvig und wird stellenweise so schmal, dass nur ein Auto passieren kann. Wir als Radfahrer waren natürlich viel schneller als alle motorisierten Zeitgenossen, die bergab unterwegs waren. Im unteren Teil begann der starke Gegenwind zu wehen, der sich in den Alpentälern oft nachmittags entwickelt. Trotzdem waren wir relativ zeitig im Quartier in Precasaglio, einem Vorort von Ponte di Legno. Hier war nicht viel los, wir hatten deshalb ausreichend Zeit für Körper- und Radpflege.

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6. Tag: Märchenstimmung
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Passo Tonale
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Es war nun klar, dass wir problemlos den Gardasee erreichen würden. Christoph hatte sich durch viel Schlaf über Nacht halbwegs kuriert. Alle waren guter Dinge. Von diesem Ort hätte die Möglichkeit bestanden, über den Montozzo ins Val di Sole zu gelangen, wie ich es bei meinen Transalps 2000 und 2001 getan hatte. Beim Frühstück waren aber alle der übereinstimmenden Meinung, dass es der Passo Tonale auch tun würde. Schließlich wartete mit der Auffahrt von Dimaro entlang der Brenta nach Madonna di Campiglio noch ein Anstieg auf uns, das zwar fahrbar, aber doch anspruchsvoll war. Am Tonale trudelten alle in geringen Minutenabständen ein. Die Abfahrt ins Val di Sole ist immer wieder ein Genuss. Eine alte Militärstraße zweigt kurz nach der Pass-Höhe von der Autostraße ab und führt einen durch einen lichten Wald, der immer wieder Ausblicke auf die Gletscher des Presanella gewährt.

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Brenta
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 Im unteren Teil wird der Radweg des Val di Sole immer mehr entschärft. Die Passage mit katzenkopfgroßen Steinen, die noch im Juli Uli unsanft zum Absteigen zwang, war inzwischen entschärft. Ab Fucine war nur noch entspanntes Rollen leicht bergab angesagt. Wir lagen gut in der Zeit, so dass wir uns in Dimaro eine Mittagsrast mit Spaghetti in allen Variationen gönnen konnten. Der abschließende Mountainbike-Weg nach Madonna war zunächst recht steil und verlief im Schatten des Waldes. Im oberen Teil wurde es etwas flacher. Dadurch konnten wir die Aussichten auf die Felstürme der Brenta etwas genauer wahrnehmen. Nach dem Überqueren des kleine Canyons über die neue, überdachte Holzbrücke wurde der Weg leichter fahrbar, bis wir schließlich bei der Malga di Mondifra das offene Gelände kurz vor Madonna di Campiglio erreichten. Das Team von Ferrari zelebriert im Ski-Gebiet des mondänen Wintersportortes traditionsgemäß einmal im Jahr einen "Betriebsausflug" mit den Fahrern der Formel 1. Wir bezogen im Ortszentrum Quartier im Hotel "Arnica" meines "alten" Freundes Matteo, der hoffentlich auch einmal die Gelegenheit wahrnehmen kann, bei einer Transalp mitzufahren. Im Familienunternehmen wird in der Saison halt jede Hand gebraucht.

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7. Tag: Glückliches Finale

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Cascate
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Der letzte Morgen verhieß mit strahlendem Sonnenschein und einem stahlblauen Himmel einen glücklichen Abschluß dieser Transalp-Tour. Nur ziemlich kühl war es noch. An den letzten 5 Tagen hatten wir uns fast ausschließlich im hochalpinen Bereich bewegt. Wir freuten uns nun alle auf das mediterrane Flair und die Wärme am Gardasee. Zu leicht würde die letzte Etappe nicht werden. Es wartete noch zumindest eine kurze, jedoch heftige Schiebepassage auf uns. Kurz vor dem Gardasee gab es dann noch die Option, wieder auf alten Römerpfaden den Schlußanstieg zu absolvieren. So weit war es aber noch nicht. Gemächlich rollten wir aus Madonna heraus in Richtung Rif. Cascate. Der Wasserfall lag noch im morgendlichen Schatten der Felsen.
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Märchenstimmung am Lago d'Agola
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Nach einem kurzen Wurzeltrail erreichten wir an der Mga. Brenta Bassa die Almwiesen, aus denen der Tau in Nebelschleiern in die klare Luft aufstieg. Die Schotterauffahrt zum Lago d’Agola lies die Gruppe sich noch einmal auseinanderziehen, aber nicht weit. Am idyllischen Rastplatz neben dem abgestorbenen Baum am See waren wir schnell wieder beisammen und genossen die zauberhafte Stimmung an diesem paradiesischen Platz. Die Schiebeeinlage zum Passo Bregn de l’Ors dauerte zwischen 30 bis 45 Minuten. Beim Verschnaufen genossen wir das Panorama der umliegenden Gebirgszügen, wo nur in Lagen weit über 3000 m noch Schneereste und Gletscher zu sehen waren. Die ellenlange Schotterabfahrt ins Val d’Algone ist legendär und wurde von der nicht minder beeindruckenden Abfahrt auf dem kleinen kurvenreichen Nebensträßchen abgelöst. Am Talende nach links abbiegend begann der kurze, aber immer wieder ätzende Straßenabschnitt nach Stenico. Kaum merklich ansteigend, aber immer mit Gegenwind tut man gut daran, sich möglichst im Windschatten eines Vordermannes aufzuhalten. Falls dieser jedoch einen Zwischenspurt einlegt und du diesem nicht folgen kannst, stehst du gnadenlos im Wind. Naja, ich wusste, dass gibt wieder eine Sprintwertung.

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Am Kreuz siehst du den Lago!
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Kurz nach Stenico hielten wir kurz an, um die letzten Kilometer in Augenschein zu nehmen. In Dasindo wollten wir entscheiden, welchen Weg wir zum Schluss wählen würden. Eine kurze Essensrast noch in Ponte Arche und auf ging‘s zum wirklich allerletzten Anstieg vor dem Lago. Es war nun richtig warm geworden, die Sonne brannte auf uns herunter. Wir lagen gut in der Zeit und nach einer letzten Capuccino-Rast in Dasindo führte uns der Weg ins einsame Val di Lomasone. Zunächst sanft rollend folgten dann noch zwei kurze Abschnitte auf uralten Römerpfaden, die schlichtweg unfahrbar sind. Katzenkopfgroße Steine und die Steilheit machten dies unmöglich.

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Bier in Torbole
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Nichtsdestotrotz ist dieser Abschluß zum Gardasee die schönste Alternative. Schließt sich hier doch der Kreis zum Beginn dieses Transalp auf den alten Römerpfaden am Fernpass. Der Hauch der Geschichte weht einen schon an, wenn man bedenkt, dass die Pfade seit mehr als 2000 Jahre bestehen. Irgendwann war dann das Plateau auf knapp 1000 m erreicht und der letzte Downhill konnte beginnen. Am berühmten Holzkreuz ca. 700 m über dem Gardasee war Foto-Shooting. Es ist schon ein unbeschreibliches Glücksgefühl, den Lago zum Greifen nah vor sich zu sehen. Nur keinen Sturz mehr riskieren und heil ins Ziel gelangen, lautete nun die Devise. In Riva am Hafen war es geschafft. Alle konnten stolz auf ihre Leistung sein. Den Uferweg weiter nach Torbole konnten wir leider nicht einschlagen, da die Stadt quasi zur Festung mutiert war. Eine Tagung der europäischen Regierungschefs bewirkte, dass die Gegend um das Kongreßzentrum weiträumig und hermetisch abgesperrt war. Nach einem kleinen Schlenker konnten wir am Yachthafen endlich den Ufer-Radweg nach Torbole befahren, um ins Hotel Elisabetta zu gelangen. Mit zwei Runden Forst-Bier stießen wir auf den glücklichen Ausgang dieser Transalp-Tour an.

Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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Fazit
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Der Lago di Garda ist und bleibt das Traumziel!
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Dieser Transalp orientierte sich im wesentlichen an meiner klassischen Route, wie ich sie in den letzten Jahren entwickelt hatte. Kleine Änderungen konntet ihr den Tagesberichten entnehmen. Jedenfalls komme ich dem Ziel einer optimalen Transalp immer näher, wie auch die vielen Mountainbiker belegen, die meine Roadbooks für ihre eigenen Transalps nutzen.
Gutes Wetter vorausgesetzt, werde ich die "optimale" Transalp mit Gleichgesinnten im September 2004 in Angriff nehmen.
Das ist auch geglückt und daraus die "optimale" Albrecht-Route entstanden.
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