Transalp mit "Dr. rad"Andreas Albrecht

Transalp.info: Informationen für Radreisenüber die Alpen
Transalp Explorer 2004
 

Transalp Explorer 2004: Oberstdorf - Riva

Das wichtigste in Kürze

Strecke Oberstdorf - Schrofenpass - Dalaas - Schlappiner Joch - Davos - Flüela-Pass - Livigno - Passo Alpisella - Arnoga - Passo Verva - Grosio - Passo Foppa - Aprica - Passo del Venerocolo - Passo del Gatto - Passo Vivione - Capo di Ponte - Passo Croce Dominii - Passo Maniva - Bagolino - Idro-See - Storo- Tremalzo - Gardasee
Länge 483 km
Höhenmeter 13.905 hm
Termin 15.-21. Juli 2004
Etappen (7)
Tag Strecke km hm
1.Tag Oberstdorf - Schrofenpass - Warth - Lech - Zug - Freiburger Hütte - Dalaas 59 1633
2.Tag Dalaas - Kristbergsattel - Schruns - Galgenul - Gargellen - Schlappiner Joch - Schlappin 42 2190
3.Tag Schlappin - Klosters - Davos - Flüelapass - Susch - Zernez - Punt la Drossa - Tunnel - Livigno - Passo di Alpisella - Lago Cancano - Decouville - Arnoga 112 2557
4.Tag Arnoga - Passo Verva - Grosio - Mazzo di Valtellina - Passo Foppa - Alpe Möta - Trivigno - Aprica 77 2025
5.Tag Aprica - Lago Belviso - Passo del Venerocolo - Passo del Gatto - Passo Vivione - Cedegolo - Capo di Ponte 57 2025
6.Tag Capo di Ponte - Breno - Degna - Passo Croce Dominii - Passo Maniva - Bagolino - Idro-See - Storo 83 2157
7.Tag Storo - Passo Ampola - Tremalzo - Passo Nota - Baita Segala - Pregasina - Riva - Torbole 53 1643
Detail-Infos zum Nachfahren der Tagesetappen siehe Verweise im Tourbericht
Landkarten Kompass: Digitale Karte Österreich, Digitale Karte Tirol, 3, 33, 41, 072, 94, 102, 103
Kümmerly & Frey - Unterengadin ISBN 3-259-00814-4, www.swissgeo.ch ,
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer
Neu: Die gescannten Ausschnitte der KOMPASS-Karten mit Einzeichnung der Route können nun erworben werden. Mehr Info: hier klicken
Webcams St. Gallenkirch, Livigno, Aprica - am Ende des Berichts
die will ich sehen: hier klicken
Tourplanung Andreas Albrecht
Tourführung Andreas Albrecht
Mitfahrer David Strixner (München)

Tourbericht

Lebe so, als würdest du morgen sterben. Lerne so, als würdest du für immer leben.
Mahatma Ghandi (1869-1948)

Prolog
Lange habe ich überlegt, ob ich von Oberstdorf aus starten will. Einerseits logistische Probleme, wieder vom Gardasee dorthin zurück zu gelangen und andererseits die Klettereinlage am Schrofen-Pass ließen bei mir bisher keine große Begeisterung aufkommen, von hier aus zu starten. Während eines Ski-Urlaubs nutzte ich die Gelegenheit, ein paar Worte mit Andi Heckmair zu wechseln, der ja bekanntlich der "spiritus rector" dieses Beginns seiner klassischen Transalp-Route ist. Als alter Bergsteiger hat er natürlich bestimmte Visionen von Linienführungen über die Alpen und er sagte sinngemäß, Transalp habe etwas von Bergwandern, nur dass man das Mountainbike dabei hat. Er sollte Recht behalten.
Dann zeigte sich bei der Urlaubsplanung, dass meine Family wieder ein paar Tage in Dorf Tirol verbringen und hinterher an den Gardasee will. Damit waren die logistischen Probleme gelöst. In München traf ich mich mit David. Wir bestiegen den Zug Richtung Oberstdorf. Am Lago wurden wir dann empfangen; wie schön!
Letztendlich ausschlaggebend war dann die Meinung von Christian Förster (www.singletrail.de.vu), der meine Bedenken wie folgt zerstreuen konnte:
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Leiter am Schrofenpass zum Vergrößern klicken
"Zum Thema Schrofenpass : Oberstdorf ist nur auf den ersten Blick ein unbrauchbarer Einstieg, denn wenn man erst mal die Allgäuer Alpen hinter sich gelassen hat, erwartet einen hinterm Kristberg im Montafon (Schlappiner Joch) [...] ja eine gigantische Kulisse - dafür lohnt auch der Schrofenpass - aber das weißt Du ja... Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ich den Schrofenpass auf mich genommen habe und wahrscheinlich auch noch mal auf mich nehmen werde: Irgendwie ist er halt trotzdem einer DER Transalp-Pässe mit einer gehörigen Portion an abenteuerlichem Charme. Da sind an Wochenenden ziemlich viele andere Biker unterwegs (ich habe damals allein auf der Passhöhe 25 gezählt!!!), was ich aber nicht als Nachteil empfand: Es entsteht ein tolles Gemeinschaftsgefühl, während man sich der legendären Leiter nähert... Also: Mach den Schrofenpass, trotz Schieberei bergauf und bergab gehört er zu den Dingen, die man als Transalpler mal gemacht haben sollte!"
Da hat Christian Recht.
Der Schrofen-Pass ist ein Erlebnis. Nach meiner Einschätzung bei weitem nicht so schwierig, wie ich gedacht hatte und insgesamt eine sehr kurze Schiebepassage.

Bei der Tourplanung habe ich mich wieder von Berichte anderer Transalp-Seiten im Internet inspirieren lassen. Danach legte ich mit Hilfe Kartenmaterial die genaue Route fest. Für die Feinplanung ist digitales Kartenmaterial eine große Hilfe und immer stärker im Kommen. Dazu habe ich die digitalen Karten aus Österreich benutzt, die auf 2 CD das gesamte Land abdecken (www.austrianmap.at) . Für den Teil in der Schweiz, der nicht von Kompass-Karten abgedeckt wird, griff ich auf digitales Kartenmaterial zurück, dass man über www.swissgeo.ch herunterladen kann.
Auf ein detailliertes Roadbook habe ich wieder verzichtet. Statt dessen habe ich die entsprechenden Kartenausschnitte gescannt und ausgedruckt. Das hatte sich schon im letzten Jahr bewährt. Ein Übersichtsblatt sollte auf jeden Fall dabei sein. Wir haben es gebraucht, als wir von der geplante Strecke abweichen mussten. Unterkünfte haben wir uns auf der Strecke gesucht. Im Juli gibt es dabei kaum Probleme.

Nun sitze ich in Torbole im Strandcafe, lasse die Seele baumeln und bringe die ersten Gedanken zu Papier. Was kann es Schöneres geben, als nach einer Woche Transalp hier zu verweilen. Die Tage mit ihren anstrengenden und beeindruckenden Momenten ziehen an mir vorbei wie die Surfer, die die letzten Winde am späten Vormittag erhaschen wollen. Die mediterrane Wärme umfängt mich und nichts erinnert mehr an die langen Wochen mit Regen und Kälte in Deutschland, die David und ich Mitte Juli 2004 hinter uns gelassen haben. Wenn ich das Panorama betrachte, ist es immer wieder ein Gefühl, als ob ich in meiner zweiten Heimat angekommen bin.


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Panorama am Lago zum Vergrößern klicken
Der krönende Abschluss war die letzte Etappe über den Tremalzo. Die alte Ponale-Straße war gerade vor einer Woche als Wanderweg wieder geöffnet worden, nachdem sie nach einem Erdrutsch lange Jahre gesperrt war. Damit ist die beeindruckendste Variante, den Gardasee nach einem Transalp zu erreichen, endlich wieder möglich. David und ich gehörten sicher zu den ersten, die diese Chance wahrnehmen konnten. Hoffentlich bleibt die Ponale-Straße noch lange offen.
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1. Tag: Von Deutschland nach Österreich
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Formarin-See bei Freiburger Hütte zum Vergrößern klicken
Am Bahnhof München-Pasing treffe ich mich David und wir besteigen den Zug nach Oberstdorf. Gut zwei Stunden ist er unterwegs, eine entspannte Anreise. Die letzten Regenwolken verhüllen noch die Ausläufer der Alpen. Als wir uns 12 Uhr mittags am Bahnhof in Oberstdorf auf die Räder schwingen, sind auch diese verflogen. Die Ortslage ist schnell durchquert und sofort sind wir mit unseren Rädern alleine. An einem Tag mitten in der Woche zu loszufahren, bringt schon eindeutige Vorteile mit sich, gerade wenn man von Oberstdorf aus startet. Ich hatte von regelrechten Staus an der berühmten Leiter am Schrofenpass gehört und gelesen. Uns begegnen auf der Anfahrt ein paar Wanderer, das war's. Erst am Beginn der Schiebe-Passage sehen wir eine kleine Gruppe von Mountainbikern in der Felswand über uns. Exakt an der Leiter haben wir sie erreicht, so dass einer von ihnen uns die Freundlichkeit erweist, uns zu fotografieren. Natürlich auf der Leiter, das muss schon sein.

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Tragestück am Schrofenpass zum Vergrößern klicken

Ich hatte schon ein wenig Respekt vor dieser Passage, weil viel Rummel darum gemacht wird. Heckmair sagte: "Das ist die Schlüsselstelle, gleich zu Beginn!" Das ist nach meiner Einschätzung leicht übertrieben. David als erfahrener Bergwanderer und Skitourengeher kann dem nur beipflichten. Klar, trittsicher und schwindelfrei sollte man schon sein, aber eine besondere Schwierigkeit stellt die Passage nach unserer Meinung nicht dar. Ohne uns abzuhetzen und mit Zeit für Fotopausen brauchen wir gerade mal 35 Minuten für das Schiebe-/Tragestück. Lästiger ist für uns eher, das nach dem Pass kein flüssiges Fahren möglich ist. Die schöne Berglandschaft und das sich bessernde Wetter entschädigen uns für die kleine Wandereinlage, von denen auf dieser Tour noch einige folgen sollten. Irgendwann ist der Weg dann für jeden wieder fahrbar.

In Warth legen wir eine kurze Essenspause ein, bevor wir nach Lech herunter rollen. Im Ski-Ort ist im Sommer nicht allzu viel los, was uns nur recht ist. Wir biegen nach rechts ab, Richtung Zug und Freiburger Hütte, die mit dem Rad problemlos zu erreichen ist. Die Fahrt auf leichter Schotterpiste um den Formarin-See herum ist heute still und einsam. An der Freiburger Hütte wird noch umgebaut. Wir liegen gut in der Zeit und beschließen, nach Dalaas abzufahren. Bis zu einer Almhütte führt ein leichter Schotterweg. Aber nun ist es mit den Spaß vorbei. Der jetzt folgende Weg ist verblockt und durch die langanhaltenden Regenfälle der letzten Wochen sehr schmierig. Sowohl David als auch ich sind keine ausgeprägten Liebhaber von Steinhopserei und Stürzen im schweren Gelände. Aber das ist sicher Geschmackssache, andere werden diese Trails genießen Wir beide schieben jedenfalls unverdrossen unsere Räder einige hundert Höhenmeter bergab. An der Mustrin-Alm bei ca. 1450 m entscheiden wir uns auch noch für den "falschen" Abzweig, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Der Weg gabelt sich. Nach rechts zeigt ein Schild "Braz" an. Nach links scheint es direkt in die Schlucht hinunter zu gehen, komplett unfahrbar, wie es aussieht. Beide Varianten führen letztlich nach Dalaas im Klostertal, wo wir im gemütlichen Gasthof "Zur Post" unterkommen.
Der Wirt ist bestens auf Radler eingestellt und sagt mir, dass wir am Abzweig besser den Weg nach links genommen hätten. Er sähe zwar auf den ersten Blick schlechter aus, würde aber recht bald in einen fahrbaren Forstweg übergehen. Das nächste Mal weiß ich es besser. Zumindest haben wir unsere Beinmuskeln für das Bergabschieben gekräftigt. Die Übernachtung im Gasthof "Zur Post" (www.dalaas-wald.at/gasthofpost) kann ich nur empfehlen. Das Essen und die Zimmer sind gut und preiswert. Das schont die Reisekasse, bevor es in die teure Schweiz geht.

Alternative Route: auf Straße ab Lech über Zürs und den Flexenpass bis Dalaas

Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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2. Tag: Von Österreich in die Schweiz
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Panorama am Kristbergsattel zum Vergrößern klicken
Ein Hochdruckgebiet hat sich über den Alpen festgesetzt und verheißt gutes Wetter für die nächsten Tage. Am Morgen scheint die Sonne vom blauen Himmel herunter, ein paar Schönwetterwolken tummeln sich und wir radeln gemächlich den ausgeschilderten MTB-Weg in Richtung Kristbergsattel. In gut einer Stunde sind wir oben und genießen bei bester Sicht die Fahrt auf einer der schönsten Panoramastraßen, die ich in den Alpen bisher erlebt habe.
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Bartholomäberg zum Vergrößern klicken
Wir werfen schon mal einen Blick auf das Schlappiner Joch, wo noch ein paar Schneefelder liegen und rollen dann weiter nach Bartholomäberg und Schruns. Hier sind viele Wegvarianten möglich. Man kann an vielen Stellen schon vorher über Wanderwege ins Silbertal abfahren. Weil die Aussicht heute so schön ist, bevorzugen wir die Straßenvariante, um schnell voranzukommen.

Neben der Bundesstraße 188 im Montafon verläuft ab Schruns ein schöner Radweg in Richtung St. Gallenkirch. Der Abzweig nach rechts nach Galgenul ist nicht zu verfehlen. Über eine überdachte Holzbrücke führt eine Nebenstraße in die Ortslage. Nach rechts geht es jetzt steil die Straße hinauf. Die Sonne brennt von vorn, da ist jede Wasserstelle willkommen.
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Schneefeld am Schlappiner Joch zum Vergrößern klicken
Kurz vor Mittag erreichen wir Gargellen und können im Supermarkt unsere Vorräte auffüllen. Gleich daneben verführt uns die Sonnenterrasse einer Gaststätte zu einer Mittagsrast. Wir schaufeln Nudeln in uns hinein. Das soll sich rächen. Schwer wie Blei liegen mir die Spaghetti im Magen und die Muskeln fühlen sich überhaupt nicht mehr locker an, als es stramm bergauf weitergeht. An den nächsten Tourtagen werden wir nur noch kurze Pausen machen und ein Happen zwischendurch essen. Unsere Körper vertragen das so besser.
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Schieben nach dem Schlappiner Joch zum Vergrößern klicken
Bis zur Oberen Valzifenz-Alm bei ca. 1850 Metern ist der Talweg zwar steil, auf Grobasphalt aber gut fahrbar. Nun beginnt eine unangenehme Schiebepassage zum Schlappiner Joch, die mit Tragestücken und den schon gesichteten Schneefeldern gewürzt ist. 400 Höhenmeter und gut eine Stunde dauert es und wir sind oben und überqueren die Schweizer Grenze. Wie im Fimber-Tal zeigt nur ein einsames, verrostetes Schild an, dass wir die Euro-Zone verlassen.

Der Blick schweift über die Bergketten in Richtung Süden, die etwas im Dunst liegen. Die schwüle Wärme entlädt sich täglich in örtlich begrenzten Gewittern und Regenfällen, von denen wir glücklicherweise fast ganz verschont bleiben.
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Gasthaus Gemsli mit Touristenlager zum Vergrößern klicken
Wer oben am Joch steht und denkt, das Gröbste ist geschafft, der hat sich getäuscht. Wer auf Heckmairs Spuren wandelt, sollte schon einen ausgeprägten Hang zum Bergwandern entwickeln oder ein technische versierter Singletrail-Spezialist sein, der auch mit vollem Transalp-Rucksack verblockte Pfade als Genuss empfindet und sie vielleicht auch ab und zu fahren kann. Wir können und wollen das nicht und machen uns wie am Tag zuvor auf Wanderschaft hinab nach Schlappin. O.k. - die letzten 50 Höhenmeter sind wir Weicheier dann doch gefahren.

Im oft und zu Recht in Tourbeschreibungen gepriesenen Gasthaus Gemsli machen wir Station und beziehen Unterkunft im Touristenlager, das sich im jüngst ausgebauten Stall befindet. Dusche und Toilette sind vorhanden, wir sind die einzigen, was will man mehr? Die Wirtin erzählt uns, das am Sonntag die Bude oft brechend voll mit Mountainbiker ist, die alle am Samstag in Oberstdorf starten. Wir genießen die Ruhe und verweilen noch lange auf der Terrasse, bis uns eine kurzer Regenguss in die Hütte zwingt. Auf jeden Fall kann ich die Übernachtung hier ausdrücklich empfehlen. Das für unsere Verhältnisse hohe Preisniveau in der Schweiz muss man halt ertragen.
Kontakt zu Gasthaus Gemsli: (www.gemsli.ch)
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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3. Tag: Aus der Schweiz nach Italien
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Im mondänen Davos zum Vergrößern klicken
Heute müssen wir spätestens in Davos die Entscheidung fällen, bei dieser Tour über den Scaletta-Pass zu fahren oder uns eine Ausweichroute zu suchen. Alle Erkundigungen unterwegs sowie meine eigenen Einschätzung der Schneelage lassen mich stark zweifeln, ob wir das Wagnis angehen sollen. Doch noch sitzen wir beim Frühstück und lassen uns den Bergkäse munden, bevor wir uns auf die Räder schwingen. Zur Einstimmung geht es den Schlappintobel steil hinab nach Klosters-Dorf. Wir folgen der Radroute nach Klosters-Platz, passieren den Bahnhof und müssen kurz auf die stark befahrene Straße nach Davos wechseln. In einer Linkskurve zweigt jetzt der ausgeschilderte MTB-Weg in diese Richtung ab. Wir unterqueren die Bahnlinie und haben mit teils heftig steilen Stücken zu kämpfen. Vorbei an Laret folgen wir dem Weg bis nach Wolfgang. Hier rollen wir dann die Straße hinein nach Davos. Wenn mal will, kann man dann am See entlang radeln.
In der Tourist-Information im Zentrum von Davos frage ich zum letzten Male, ob man was über den Scaletta-Pass wisse. Eine freundliche junge Dame sagt mir, dass vor drei Tagen ein Mountainbiker berichtet hatte, dass zwar Biker über den 2600 m hohen Pass gegangen seien, dort aber nach wie vor sehr viel Schnee liege. Damit ist für David und mich die Entscheidung gefallen. Bikegeschleppe über ausgedehnte Schneefelder im hochalpinen Bereich ist das letzte Risiko, was wir aufgrund unserer Erfahrungen eingehen würden. Damit ist auch der Pass Chaschauna tabu.

Die Ausweichvariante ist schnell ausgemacht: Über den Flüela-Pass und weiter in Richtung Ofen-Pass führt eine parallele Variante über die Straße. Der Autoverkehr hält sich in Grenzen. Die Auffahrt zum Flüela ist unproblematisch, nach einer reichlichen Stunde sind wir oben. Es ist deutlich kälter und Schneereste überall, wohin das Auge blickt.
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Flüela-Pass zum Vergrößern klicken
Nur eine kurze Pause, damit wir nicht kalt werden, und hinunter geht es nach Susch. Bei der Abfahrt versägen wir erst mal die allseits beliebten Busse der europaweit agierenden Reise-Mafia. Beim Wasserfassen am Abzweig nach Zernez erfreuen wir uns an der langen Autoschlange, die sich dahinter gebildet hat. Weiter rollen wir zügig auf der Straße. Wir ignorieren den Radweg, da wir heute auf jeden Fall in Italien landen wollen. In Zernez beginnt die Auffahrt zum Ofen-Pass. Heute sind einige Rennradler unterwegs, die am Berg zügig an uns vorbeiziehen. Ich spiele mit dem Gedanken, auch einmal mit dem Rennrad die Alpen unsicher zu machen, verwerfe ihn dann aber wieder, weil ich die Einsamkeit der Schotterwege zu schätzen gelernt habe.
In den umliegenden Bergen braut sich der nachmittägliche Regenguss zusammen. Er erwischt uns noch nicht, wir rollen nur bei der Abfahrt zum Punt la Drossa über regennasse dampfende Straßen. Am Grenztunnel nach Livigno beratschlagen wir, was zu tun sei. Mir ist zunächst nicht klar, ob der Tunnel für Radfahrer freigegeben ist. Ursprünglich dachte ich, dass wir über die Berge nach Livigno müssten. Zwei einheimische Mountainbiker kommen gerade vorbei und ich frage sie, was Sache ist. Der Tunnel ist für Radfahrer frei und der Weg über die Berge verboten, da er durch den Schweizer Nationalpark führt. Die Ampel schaltet gerade auf Grün und die Autoschlange setzt sich in Bewegung. Wir zum Schluss hinterher, sogar ein Radweg ist auf der einspurigen Straße markiert. David legt auf der sachte ansteigenden Straße ein solides Tempo vor; ich hechle hinterher und versuche Anschluss zu halten, was mir nicht ganz gelingt. Alle 1000 Meter sind Gebläse an der Decke installiert, um die Abgase aus dem Tunnel zu befördern. Unangenehm kühl weht es uns an diesen Stellen entgegen. Nach einer knappen Viertelstunde sind wir draußen und froh, am Punt dal Gall wieder frische Luft atmen zu können. Wir radeln über die Staumauer des Lago Livigno zum Grenzübergang und sind in Italien. Noch ein paar Kilometer liegen auf der Uferstraße vor uns. Diese besteht fast durchgängig aus Galerien. Wir müssen die gesamte Länge des Stausees abfahren, dann auf einem Wanderweg noch ein Stück um den See herum durch Heerscharen italienischer Urlauber und Wochenendausflügler hindurch. Die Ortslage von Livigno müssen wir nicht durchfahren, sondern gleich am See-Ende eine Holzbrücke überqueren. Ein breiter Rad- und Wanderweg führt uns in Richtung Val di Alpisella. Über den gleichnamigen Passo wollen wir heute auch noch drüber.

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Auffahrt vom Lago Livigno zum Passo di Alpisella zum Vergrößern klicken
Am Rifugio machen wir Rast, um uns für den finalen Aufstieg zu stärken. Das ist auch notwendig, denn die bestens gepflegte Rad- und Wanderstrecke zum Passo di Alpisella ist teilweise über 20% steil. Mit dem Rucksack auf dem Kreuz und schon über 2000 Höhenmetern in den Beinen ziehen wir es vor, ab und an zu schieben, was nicht wesentlich langsamer ist. Unterwegs holen wir einen einzelnen Mountainbiker ein, der anscheinend auch auf großer Tour ist, sich aber als wenig gesprächig erweist. Na dann eben nicht. Kurz nach 17 Uhr sind wir an der Passhöhe bei knapp 2300 m und ich denke, jetzt radeln wir nur noch entspannt runter zum Lago Cancano und nehmen die erstbeste Unterkunft, von denen es dort einige gibt. Doch wir haben nicht bedacht, dass heute Samstag ist und da zieht es viele Einheimische in die Berge, meist mit dicken Geländewagen; zu viel Bewegung ist gar nicht gut.

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Regenbogen über dem Valdidrento zum Vergrößern klicken
Ich kenne die Gegend in- und auswendig, weil meine Lieblings-Transalp hier langführt, so dass keine Hektik aufkommt, als es im zweiten Anlauf auch im Rifugio Fraele nicht klappt: alles "tutto completto". Der Wirt ist ausgesprochen nett und ruft alle umliegenden Herbergen an und wird schließlich in Arnoga fündig. Nur gut, dass meine paar italienischen Brocken ausreichen, um mich einerseits verständlich zu machen und andererseits zu verstehen, dass für uns im "Li Arnoga" nun ein Zimmer reserviert ist. Ich bedanke mich herzlich und flugs geht es weiter. Wir werden heute die 100-km-Marke knacken, so viel ist gewiss. Knapp 20 km haben wir noch vor uns. Zum Glück weiß ich, das der größte Teil davon nahezu höhengleich auf der alten Straße "Decouville" verläuft. Es wird ein Wettrennen mit dem Regen. Wenn ein wunderschöner Regenbogen mich nicht zum Fotografieren aufgefordert hätte, wären wir knapp Sieger geworden. So erwischen uns auf den letzten Metern ein paar Tropfen. Im Hotel ist alles klar, man erwartet uns schon. Die Räder werden in der riesigen Tiefgarage sicher verstaut. Wir beziehen ein geschmackvoll eingerichtetes Mansardenzimmer, duschen uns und wechseln in die Abendgarderobe. Das beste Abendessen auf der gesamten Tour wartet auf uns, wie wir gleich mit Vergnügen feststellen werden. Es ist proppenvoll im Restaurant; als Hausgäste bekommen wir aber sofort einen Zweiertisch. Im Halbpensionspreis von 52 EUR ist das Abendessen a la carte eingeschlossen. Wir stellen uns aus der umfangreichen Speisekarte ein feines italienisches Menü zusammen und schlemmen wie die Könige. Logisch, ein Grappa zum Abschluss muss sein. Wen also die Routenplanung dorthin verschlägt, sollte nicht lange zu überlegen. Das Hotel "Li Arnoga"(www.arnoga.it) ist allererste Sahne.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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4. Tag: Hohe Berge - tiefe Täler
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Gletscher des Cima di Piazzi (3439 m) zum Vergrößern klicken
Ein schöner klarer Tag im Gebirge bricht an. Ich vertrete mir vor dem Frühstück die Beine und genieße die reine, klare Luft in den Bergen. Vor acht Uhr bekommt man in Italien selten etwas zu essen. Wir sind Punkt acht unten und müssen feststellen, dass das Büfett schon das erste Mal leergeräumt ist. Eine Radgruppe ist offenbar hier im Trainingslager. Was Radfahrer vertilgen können, wissen wir selbst am besten. Die Vorräte werden zügig wieder aufgefüllt. Die Stärkung durch das gestrige Abendmahl und dem für italienische Verhältnisse akzeptablem Frühstück werden wir heute gut gebrauchen können.

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Sieht flacher aus, als er ist - Passo Verva zum Vergrößern klicken
Der Passo Vervo ist "nur" etwas zum Warmwerden nach dem Frühstück. Diesmal ist er beim besten Willen nicht komplett fahrbar. Die Regengüsse der letzten Wochen haben tiefe Spuren in die alte Militärstraße gegraben. Teilweise gleicht die Piste dem ausgetrockneten Bett eines Wildbaches; da hilft nur absteigen und kurz schieben. Nach der Alpe Verva können wir schließlich doch bis zur Pass-Höhe durchfahren.

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Passo Verva ist geschafft! zum Vergrößern klicken
Bei der Abfahrt müssen wir erst ein kleines Schneefeld umfahren und dann auf der groben Schotterpiste bis Eita höllisch aufpassen, wenn uns die Geländewagen der Einheimischen entgegenkommen. Ein anscheinend wirklich beliebter Zeitvertreib am Wochenende. Einige krasse Außenseiter versuchen es doch tatsächlich mit dem klassischen Wandern - wie uncool.

Ab Eita versägen wir rasch die rund 1000 Höhenmeter hinunter nach Grosio und schauen bei Jim Pini im "Albergo Sassela" herein. Wir freuen uns über das Wiedersehen und bekommen Cappuccino und Kuchen kredenzt. Heute wird hier nicht übernachtet, sondern es geht weiter das Valtellina hinab.

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Grobe Schotterabfahrt ins Val Grosin zum Vergrößern klicken
Ein echter Hammer wartet auf uns: der Passo Foppa (oder auch Mortirolo). David und ich sind ihn zwar schon einmal gefahren, aber nicht von Mazzo di Valtellina aus. Gnadenlos und fast durchgängig mit einer Steigung von 15-20% windet sich die schmale Asphalt-Piste nach oben - ein weiterer Klassiker des Giro d'Italia, wie die zahlreichen anfeuernden Aufschriften auf der Straße dokumentieren. Selbst Lance Armstrong, der den Pass zu Trainingszwecken befahren hatte, zollte diesem Scharfrichter seinen Respekt, als er oben war, sicher deutlich schneller als wir. Kurz vor der Passhöhe lädt eine Imbisswagen zur Rast ein, die wir bitter nötig haben. Die gegrillte Wurst duftet, so eine müssen wir auch verdrücken.

Frisch gestärkt sind wir trotzdem heilfroh, endlich oben zu sein und befahren nun eine kleine wellige Straße auf dem Höhenzug, der das Valtellin östlich begrenzt. Bis Trivigno verläuft sie in einer Höhe um die 1800 Meter. Ein paar kleine giftige Anstiege sorgen dafür, dass wir nicht aus der Übung kommen. Am Ende des Tages werden wieder mehr als 2000 Höhenmeter im Roadbook stehen. Endlich geht es auf Nebensträßchen bergab nach Aprica, einem typisch italienischem Urlaubsort in den Bergen. Wir fackeln nicht lange, nehmen die erstbeste Unterkunft, die uns über den Weg läuft und quartieren uns im Hotel "Funivia" ein. Es wird vorwiegend von Rentnern frequentiert, was uns zumindest Ruhe garantiert. Mit etwas mehr Zeitaufwand hätten wir sicher noch was Besseres gefunden. An Hotels mangelt es nicht in Aprica, aber uns reicht es für heute.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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5. Tag: Hochgebirgswandern
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An der Malga Campo zum Vergrößern klicken
Mehr oder minder gestärkt nach dem italienischen Frühstück ziehen wir weiter. Parallel zur Hauptstraße geht es durch kleine Gassen kurz bergab bis auf ca. 940 Meter. Dann biegen wir links ab, erwischen durch Befragen eines Einheimischen einen uralten Karrenweg, der uns ins Tal bringt, indem der Lago Belviso liegt. Die Straße wird gleich zur Schotterpisten und immer steiler, bis wir an der Staumauer das heftigste Stücke wischen. Gerade ist eine Wandergruppe mit unzähligen Autos angekommen, die sich nun startklar für eine Wanderung am paradiesisch gelegenen See machen. Uns bleibt nichts anderes übrig also so zu tun, als ob dieser Anstieg die leichteste Übung für uns ist. Mit etwas gequältem Lächeln ziehen wir vorbei und können uns auf dem Weg, der am See entlang führt, erst mal entspannen.

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Schneefelder am Passo Venerocolo (2315 m) zum Vergrößern klicken
Am Ende des Sees zweigt nach links das Val Campo ab. Die Orientierung ist hier nicht ganz eindeutig. Das Schild gibt den Weg 311 Richtung Malga Demignone an. Von Malga di Campo, wo wir hin wollen, steht gar nichts. Der Weg wird gleich sehr steil und dient als Zubringer für die Almen. Zum Glück kommt mir ein Jeep entgegen und ich kann nach den Weg fragen. Zur Malga Campo geht es bei der nächsten Weggabel geradeaus und dann über eine kleine Brücke. Kurz danach passiert man zwei Steinhütten. Der Forstweg bleibt bis zur Malga sehr steil und ist nur teilweise fahrbar. Konditionstiere werden es komplett schaffen.

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Schluss mit lustig am Passo zum Vergrößern klicken
Die Malga di Campo liegt auf einer kleinen Hochebene und wird bewirtschaftet. Ein paar Hunde begrüßen uns als Abwechslung in der Einsamkeit. Einer knurrt ein wenig, die anderen schnüffeln an uns rum, wahrscheinlich wegen des strengen Wildgeruchs. Auch der Bauer erscheint auf der Bildfläche und die Hunde werden ruhiger. Sein Alter ist schwer einzuschätzen. Sein Gesicht ist sonnengegerbt und zeugt von der schweren Arbeit hier oben. Er freut sich offensichtlich über die Abwechslung und ich bin auch froh, einen kleinen Plausch zu machen und mich nach dem weiteren Weg zum Passo Venerocolo erkundigen zu können. Als deutlichen Einschnitt in der Bergkette haben wir ihn schon ausmachen können, auch die Schneefelder, die auf uns warten. "Sempre destra", "immer rechts halten", gibt er mir als Rat mit auf den Weg.

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Noch Eis auf dem See am Passo Venerocolo zum Vergrößern klicken
Bis zum Talschluss können wir auf dem Almweg gerade so fahren, dann ist Schluss mit lustig. Wir müssen ein erstes Schneefeld überwinden. Der Pfad zum Pass ist als solcher überhaupt nicht zu erkennen, was eigentlich untypisch ist. Wir entdecken dann doch Markierungen auf den Steinen, die wir wieder verlieren und wuchten unsere Räder eine verblockte sehr steile Wiese nach oben. Der Weg bleibt verschwunden. Zum Glück ist uns klar, wo wir hin müssen, da wir den Pass sehen. Mit äußerster Vorsicht überqueren wir eine schneegefüllte Rinne und arbeiten uns durch ein Labyrinth aus mannshohen Felsblöcken hindurch. Plötzlich sehen wir wieder die Markierungen. Wir sind wieder auf dem Pfad und sehr erleichtert. Wie jetzt unschwer zu erkennen ist, verläuft der Weg vom Talschluss so ziemlich in der Direttissima zur Passhöhe. Zur Zeit ist er halt leider durch Schneefelder verdeckt. Ein solches wartet noch auf uns. Es ist einigermaßen passierbar, da nicht so steil und aus festem Schnee.

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Passo del Gatto (2418 m) zum Vergrößern klicken
Am Pass sitzt ein Wanderehepaar und macht Rast. Endlich sind wir oben und grüßen erst mal freundlich mit "Buon giorno!" Der Mann fragt gleich nach dem Woher und Wohin, was mir sehr Recht ist, um an Informationen über unseren weiteren Weg zu gelangen. Seine Frau fragt, ob wir Deutsche seien und hängt noch eine Bemerkung an. Ich vermute, es könnte etwas mit "verrückt, übergeschnappt" zu tun haben. Vielleicht hat sie nicht ganz Unrecht, denn am Ende dieser Etappe werden wir uns fragen, warum wir uns das immer wieder antun. Alles in allem hat der Aufstieg "nur" rund 75 Minuten gedauert. Uns kam es viel, viel länger vor. Zunächst verdrücken David und ich unser zweites Frühstück und peilen dann die Lage. Hinter dem Pass liegt ein kleiner See, auf dem noch Eisschollen schwimmen. Der Weg gabelt sich. Bei der Planung nach Kartenlage (Kompass Nr. 94) hatte ich mich für den Weg 416 entschieden, der über den Passo del Gatto zum Passo Vivione führt. Da er sich scheinbar an den Bergflanken entlang schlängelt, hegte ich die Vermutung, es könnte eine alter Militärweg sein, die oft fahrbar sind. Ich musste nun feststellen: Es irrt der Mensch, so lang er strebt.

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"Madonna hilf!" zum Vergrößern klicken
Wenigsten wandern wir beide nun durch einsame Hochgebirgslandschaften und das Fahrrad lässt sich ganz leidlich schieben. Aus einer kleinen Felsspalte am Passo del Gatto lächelt mich eine kleine Madonnenstatue an. Sie scheint mir zu zuflüstern: "Der Herr behüte dich auf deinen Wegen, auch den irrigen!" Amen! Irgendwann hat die Wanderschaft am Passo Vivione ein Ende, die letzten 20 Höhenmeter können wir sogar wieder fahren; wie schön! Zu allem Überfluss beginnt sich die Regenwolke zu entladen, die sich in den letzten Stunden aufgebaut hat und hinter uns hergezogen ist.

Wir überlegen nicht lange, ziehen die Regenklamotten an und fahren ins Valle Camonica ab. Bald müssen wir doch eine Regenpause einlegen. Das gibt mir Gelegenheit, über eine sinnvollere Strecke nach dem Passo Venerocolo nachzudenken. Im Internet hatte ich gelesen, dass die Abfahrt nach Schilpario wohl doch eine alte Militärpiste ist und zum größten Teil fahrbar sein soll. Wenn man dort das Valle di Scalve in Richtung Passo Vivione hoch fährt, erreicht man bei ca. 1500-1600 m Höhe einen in der Kompass-Karte Nr. 94 als MTB-Strecke ausgewiesenen Weg. Der führt über den Passo di Campelli (1892 m) ins Valle Camonica.
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Trailstücke zum Passo Vivione zum Vergrößern klicken
Über Cerveno und Losine erreicht man direkt Breno. Das hätte zudem den Vorteil, dass man die stark befahrene Staatsstraße SS 42 meiden kann. Zu der gibt es sonst keine Alternative, wenn man wie wir vom Val Paisco kommend auf die SS 42 trifft. Vielleicht hat das schon jemand mal ausprobiert. Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen (Link zu Antwortformular).

Wir ziehen in Forne Allione unser Regenzeug aus, trinken einen Cappuccino und beratschlagen kurz, wie weit wir heute noch fahren wollen. Ein Stückchen rollen wir noch die Straße Richtung Breno hinunter, dem starken Verkehr ausgesetzt. In Capo di Ponte reicht es uns. Auf einem Schild entdecken wir einen Hinweis auf das "Albergo Cumilí". Im Ortszentrum haben wir es gleich gefunden. Der Augenschein überzeugt uns und wir machen die Unterkunft klar. Die Bikes werden sicher im Vorratskeller verwahrt. Wir betreiben Ausrüstungs- und Körperpflege und laufen dann durch das kleine verträumte Örtchen, offensichtliche keine Touristenhochburg. Das ist uns sehr Recht. Nach dem ordentlichen Abendbrot nehmen wir unseren bewährten Schlummertrunk zu uns: 2 Bier und wichtig, einen Grappa. Der lockert die Muskulatur. Wir haben keine Probleme mit dem Einschlafen.


Info zur angesprochenen Alternative ab Passo Venerocolo:

...In Grosio (650 m) angelangt verlassen uns jetzt Volker und Goldi, da die beiden am nächsten Tag zuhause sein wollen. Wir entschließen uns nach dem Kauf zweier Kompass-Karten, eine völlig unbekannte Route über Aprica, den Passo Venerocolo nach Schilpario zu versuchen, um dann letztendlich als Ziel den Iseo-See zu erreichen. Da wir nicht wissen, was uns auf dem Venerocolo erwartet, beschließen wir, noch am selben Spät-Nachmittag die gut 740 Höhenmeter nach Aprica in Angriff zu nehmen. Wir rollen deshalb zunächst auf der Hauptstraße bis Tirano (450 m) und weiter bis Stazzona (435 m). Von dort aus geht's dann wieder hinauf bis nach Aprica (1176 m). Am nächsten Morgen starten wir von Aprica (1176 m) aus ins Ungewisse. Der von uns ausgewählte Weg ist zwar auf der Kompasskarte durchgehend dick rot eingezeichnet, aber dass das für Biker nichts heißen muss haben wir schon öfter erlebt. Zunächst geht's noch einmal runter bis auf etwa 920 m und wir treffen auf einen prima Weg, der zwar sehr steil, aber durchaus noch fahrbar hinaufführt zum Lago Belviso.
Auch den See entlang führt noch immer ein toller Weg. Doch danach wird's dann schon schwieriger. Als der Weg den See verlässt, gehen wir doch immer häufiger dazu über, das Bike den extrem steilen Weg hinauf zu schieben. Nach dem Waldstück schieben wir eigentlich nur noch bis hinauf zur Malga di Campo (1822 m). Etwas überrascht sind wir schon, als wir dort oben Geländewagen stehen sehen. Die sind offensichtlich doch etwas ausdauernder im Steilstück als wir. Doch was sich jetzt anschließt ist dann gar nicht mehr fahrbar: Echte Wanderwege durch felsige Wiesen, Latschenfelder und Geröllhänge. Zum Schluss dürfen natürlich auch Schneefelder nicht fehlen, das letzte davon im steilsten Stück kurz vor der Passhöhe.
Doch auf der anderen Seite des Venerocolo war vermutlich das Militär im 1. Weltkrieg am Werk. Die gesamte Strecke ist ein einziger, genialer Downhill über halb verfallene Militärpfade. Bis auf ganz wenige, seltene Stellen muss man überhaupt nicht absteigen. Und der Weg bleibt so genial bis man auf 1100 m Höhe auf die ersten Anzeichen von Zivilisation trifft: Eine Hütte, ein Fahrweg und einige italienische Wanderer, die uns mit einer Mischung aus Bewunderung und Mitleid ansehen, als wir mit Händen und Füßen erklären, wir kommen vom Venerocolo...

Quelle:www.stromgmbh.de/rainer/transalp3
Weitere Info von Horst (IBC-Name: univega2001)

...sind den von Dir genannten Weg über den Pso. Campelli vor 3 oder 4 Jahren gefahren. Es ein sehr schöner Weg, ein einsamer Forstweg, eigentlich durchgehend fahrbar und durch eine sehr schöne Landschaft. Also um Welten besser als die Straßenvariante,...
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6. Tag: Die lange Auffahrt - Passo Croce Dominii
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Endlich oben: Passo Croce Dominii zum Vergrößern klicken
Je weiter wir nach Süden gelangen, umso tiefer werden die Täler und umso spärlicher wird das Frühstück. Na ja, für uns reicht's. Wir haben vorsorglich gestern Abend beim Stadtbummel unsere Ration Schinken und Käse für den Tag eingekauft. So können wir bestimmen, wann wir Essensrast machen. Die halten wir immer kurz, damit wir nicht aus dem Rhythmus kommen. Doch zuerst rollen wir flott die Straße nach Breno hinunter, immer auf der Hut vor dem Verkehr, den wir nun endlich hinter uns lassen. Zum Passo Croce Dominii und weiter in Richtung Doss dei Galli liegen so ziemlich 1800 Höhenmeter am Stück vor uns. Ich verschwende keinen Gedanken an die Möglichkeit, über Bienno einen ausgewiesenen MTB-Weg nach oben zu fahren. In einigen Berichten hatte ich gelesen, dass das Sträßchen im unteren Teil zwar auf Grobasphalt verläuft, aber mit 20-30% Steigung mörderisch steil ist. Weiter oben soll sie flacher werden, der Belag aber in so etwas wie "Eisenbahnschotter" (Originalzitat) übergehen. "Ankommen" und nicht "Abkotzen" heißt für uns die Devise. Die Provinzstraße SP 345 ist heute kaum befahren und nicht übermäßig steil. Trotzdem ist es eine gewaltige Fleißaufgabe. Zum Glück bewölkt sich der Himmel leicht, so dass es nicht zu heiß wird. Gegen 12 Uhr bin ich oben und warte ein paar Minuten auf David, der bei der Auffahrt Sitzprobleme bekommen hat. Auf der Terrasse des Gasthauses vertilgen wir unsere Vorräte. Drinnen gibt es heute nur Pasta. Wir haben Appetit auf Suppe, leider gibt es die nicht.

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Doss dei Galli zum Vergrößern klicken
Zu unserem Tagesziel Idro-See führen von hier aus etliche Varianten. Wir folgen der SP 345, die als Schotterpiste in Richtung Doss dei Galli verläuft. Bei den Anstiegen gibt sie uns heute den Rest. Im Schneckentempo schleichen wir die Serpentinen hoch. Endlich ist das Ende in Sicht. Am Doss dei Galli ragen riesige futuristisch anmutende Sende- oder Empfangsanlagen in die Höhe. Eine Stichstraße führt hinauf, heute für uns keine Versuchung. Wir sind froh, dass die Piste wieder in Asphalt übergeht, so dass der finale Anstieg einigermaßen erträglich ist. In Richtung Monte Maniva haben wir den weiteren Verlauf der Strecke immer gut im Blick. In einer Spitzkehre sehen wir einen Schotterweg, der geradeaus weiterführt in Richtung Passo Maniva. Den befahren wir und vermeiden so unnötigen Höhenverlust, wenn wir auf der Straße geblieben wären. Am Passo trinken wir den Nachmittags-Cappuccino und blicken von der Terrasse hinunter nach Bagolino. Dabei entdecken wir, dass ein direkter Weg hinunter geht. Es ist eine alte Straße in mäßigen Zustand, zumindest im oberen Teil.

Die ursprüngliche Planung sah vor, auf der Piste in Richtung Dosso Alto zu fahren, um bei Anfo den Idro-See zu erreichen. Das Tal liegt aber so verlockend vor uns und wir haben wirklich keine Lust mehr auf zusätzliche Höhenmeter. Also nicht lange gefackelt und hinab geht's. Ein wirklich feines Sträßchen, in der Kompass-Karte Nr. 103 als solches überhaupt nicht zu erkennen.
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Idro-See zum Vergrößern klicken
Je tiefer wir kommen, um so schwüler wird die Luft. Wir halten an einer der Wasserstellen und füllen die Flaschen nach. In den letzten Kurven fühlt sich meinen Hinterreifen etwas schwammig an. Ein schleichender Plattfuß, wie ich bemerken muss; die einzige Panne auf der Tour. Ich pumpe nach und es hält bis Storo, unserem heutigen Etappenziel.

Am Idro-See kommt schon Gardasee-Feeling auf. Wir rasten kurz am See-Ufer. Nach Baden ist uns nicht zumute, da sich wieder ein Gewitter in den Bergen zusammenbraut. Wir sehen zu, dass wir weiter kommen und rollen zügig auf dem Radweg von Ponte Caffaro bis Storo. Es grummelt und blitzt hinter uns, so dass wir nicht lange überlegen und uns in der anscheinend einzigen Bleibe in Storo, dem "Albergo Firi" einquartieren. Ich mache mich an den Schlauchwechsel und stelle dabei fest, dass sich mein Ersatzschlauch nicht aufpumpen lässt. Schön blöd von mir, das nicht vorher getestet zu haben. David überlässt mir seinen und schnell ist die Fahrbereitschaft wieder hergestellt. Am Abende gibt es vor der Herberge noch ein kleines Konzert mit Orgel und Schlagzeug im Stile guter Bar-Musik. Wir hören in der seidenen Abendluft eine Weile zu, trinken unsere homöopathische Dosis Grappa und freuen uns darauf, morgen am Gardasee anzukommen.
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7. Tag: Grande Finale über den Tremalzo
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Blick vom Tremalzo ins Hinterland zum Vergrößern klicken
Wir sind voll Tatendrang und wollen um acht Uhr frühstücken. Doch wir stehen vor verschlossenen Türen, genau wie eine andere Gruppe von Transalplern, die hier übernachtet hat. Wir kommen weder in den Gastraum, noch in die Bikegarage und schon gar nicht aus dem Haus heraus. Als wir dann endlich so zehn nach acht Uhr Schlüssel klappern hören, wird uns klar, dass wir über Nacht eingeschlossen waren. Im Falle eines Brandes hätte das dumm ausgehen können. Wir trösten uns mit der Aussicht auf das Frühstück. Das geht erstaunlich schnell, weil es ausgesprochen mager ausfällt. Ein Glas O-Saft, ein Cappuccino und als Veralberung für den Magen ein größeres Stück Gebäck in der Art eines Pfannkuchens, das beim Zubeißen allerdings sehr luftig wirkt. Vorsichtshalber bestellen wir uns jeder ein Panino mit Salami und Käse nach. Das müssen wir teuer bezahlen (4,50 EUR pro Stück), wenigstens schmeckt es ganz gut. Ein paar Energieriegel haben wir auch noch; wir werden es schon schaffen.

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Albi am Tremalzo-Tunnel zum Vergrößern klicken
Wir kommen kurz mit der anderen Gruppe ins Gespräch, vier Männer und eine Frau, die schon etwas abgestrapst wirken. Sie waren auf der Heckmair-Route unterwegs und sind tatsächlich über den Scaletta-Pass gegangen. Ewiges Bikegeschleppe im Tiefschnee. Wer sich das antun will, muss es halt machen. Zum Abschluss wollen sie, wie wir, über den Tremalzo. Sie brechen etwas früher auf und rollen bergab, nach Storo zurück. Das irritiert mich doch sehr. Ich bin mir sicher, dass wir bergauf Richtung Passo Ampola und Ledro-See fahren müssen. Ich bin so perplex, dass ich vorsichtshalber einen Einheimischen frage, der mir die Richtung bestätigt. Wir haben die andere Gruppe nicht wiedergesehen.

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Schotterserpentinen zum Vergrößern klicken
David und ich können nun entspannt die SS 42 hochkurbeln. Zu dieser frühen Morgenstunde ist noch nicht viel Verkehr, den wir ganz hinter uns lassen, als wir an der Locando Ampola abbiegen. Hier beginnt die Straße zum Tremalzo, früher eine Schotterpiste, seit einigen Jahren aber asphaltiert und leicht zu fahren. Noch sind wir nicht ganz sicher, ob wir zum Abschluss nach dem Tremalzo die alte Ponale-Straße direkt nach Riva hinein fahren können. Aber die positiven Anzeichen verdichten sich. Ich sage im Scherz zu David: "Wenn der Bike-Shuttle in Torbole um zehn Uhr startet und die Weicheier hochschaukelt, müsste uns das Fahrzeug gegen halb elf passieren." Fast auf die Minute genau trifft meine Vorhersage ein. Wir grinsen uns einen und strampeln weiter.

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Der Lago lockt schon zum Vergrößern klicken
Am Rifugio Garda beginnt dann die legendäre Schotterpiste am Tremalzo. Vorher gönnen wir uns noch einen Cappuccino. Der Wirt bestätigt mir, dass die Ponale-Straße offen ist. Wir ziehen frohlockend los. Als wir bei der traumhaften Schotterabfahrt den Lago im Sommerdunst vor uns liegen sehen, machen wir noch einmal kurz Rast und vertilgen die Reste des Paninos von heute morgen.

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Pregasina - Kirche zum Vergrößern klicken
Am Passo Nota beginnt eine der schönsten Passagen, die man am Gardasee fahren kann. 1998 war ich die Strecke letztmalig gefahren, zusammen mit meinem Sohn Max. Er war damals 12 Jahre alt und ganz stolz, auf dem geliehenen Fully zu sitzen und die kniffligen Wurzeltrails bei der Malga Palaer zu meistern. Nach dem Erdrutsch von 1999 zwischen Riva und Limone war dann die alte Straße nach Pregasina gesperrt, sehr zum Leidwesen aller Mountainbiker am Gardasee. Endlich ist sie wieder auf. Ich erinnere mich genau an jeden Streckenabschnitt, auch an die kurzen giftigen Anstiege, die eingestreut sind.

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Ponale-Straße zum Vergrößern klicken
An der Baita Segala füllen wir Wasser nach. Nach wie vor versorgt die Sektion Limone des italienischen Alpenvereins die Gäste in der Hütte mit Getränken: Wasser, Bier, Wein. Was der Wanderer oder Radfahrer als Obolus hinterlässt, ist seinem Gutdünken überlassen und wird in den Geldschlitz einer "Kasse des Vertrauens" eingeworfen, die ins Mauerwerk eingelassen ist. Zufällig sind zwei Männer vom Verein da. Ich bedanke mich herzlich für die Versorgung und sie bestätigen mir endgültig, dass das Traumfinale Wirklichkeit wird. Nun gibt es für uns kein Halten mehr.

Wir überwinden die letzten Trail-Passagen zum Passo Rocchetta mit Genuss und erfreuen uns ab der Malga Palaer an der Abfahrt auf dem uralten Karrenweg nach Pregasina. Immer wieder halten wir an einem der vielen Aussichtspunkte an und können uns an den Blicken auf den Lago kaum satt sehen. Schließlich landen wir auf dem als Wanderweg wiedereröffnetem Stück, dass fast noch schöner zu fahren ist als früher. Der Weg ist als ca. anderthalb Meter breiter Sentiero angelegt. Die restliche Breite ist mit Erde aufgefüllt und es sind ein paar Kurven bzw. Schikanen eingebaut, damit die Biker nicht zu sehr runterheizen. Wir sind natürlich rücksichtsvoll und erschrecken keine Wanderer, die schon recht zahlreich zu Gange sind.
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Riva - das Traumziel zum Vergrößern klicken
Lange war nicht klar, ob es Radfahrern überhaupt erlaubt werden sollte, die alte Straße zu benutzen. Letztlich scheinen sich die Interessen der Tourismusverbände gegen die örtliche Bürokratie durchgesetzt zu haben, was zu einer Duldung des Radverkehr geführt hat. Hoffen wir, dass das so bleibt. Bei entsprechender gegenseitiger Rücksichtsnahme zwischen Wanderern und Radfahrern sollte das eigentlich kein Problem darstellen.

David und ich genießen in vollen Zügen diese schönste aller Möglichkeiten, eine Transalp zu beenden und rollen zum Hafen von Riva, wo wir kurz Resümee ziehen. Eine einsame, anstrengende, aber auch beeindruckende Transalp liegt hinter uns. Alles ist gut gegangen. An der Routenführung muss ich noch ein bisschen basteln, aber ich denke, dass ich in einem der nächsten Jahre nochmals von Oberstdorf starten werde. In Torbole am Strandcafe endet die Reise dann traditionsgemäß endgültig. Ein kleines Empfangskomitee hat sich zusammengefunden: meine Simi und Tino. Matze und Reiner sind auch da, die uns im September beim nächsten Transalp begleiten werden. Wir sind happy und freuen uns auf ein paar Tage zum Ausspannen und die nächste Tour.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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Fazit: Strecke
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Blick vom Tremalzo ins Valle Bondo zum Vergrößern klicken
Am Anfang folgten wir der Heckmair-Route. Damit lässt man sich je nach Fahrkönnen und Witterungsbedingungen auf mehr oder weniger lange Schiebepassagen ein, die auch noch durch Tragestücken gewürzt werden. Mein Fall ist das nicht unbedingt. Wobei ich über den Scaletta-Pass schon noch fahren und/oder schieben werde. Aber da sollte kein Schnee mehr liegen.

Als wir dann nach dem Lago Cancano meiner eigenen Planung folgten, war die Passage nach Aprica über den Passo di Venerocolo und Pass del Gatto landschaftlich sicher überragend und schön einsam, aber auch sehr wanderintensiv. Da schwebt mir schon eine andere Variante vor. Die Auffahrt über den Passo Foppa hat es sehr in sich und auch sonst ist die Tour sehr geprägt vom Motto: Tiefe Täler, hohe Berge. Die Anstiege mit weit über 1500 Höhenmetern am Stück, wie zum von Breno zum Passo Croce Dominii waren nur deshalb einigermaßen erträglich, weil die Sonne nicht so knallte. Zum Schluss weiß man nicht mehr, wie man sitzen soll.

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David und Albi am Ziel in Torbole zum Vergrößern klicken
Der Abschluss über den Tremalzo ist das krönende Highlight, wobei man noch einen drauf setzen kann. Vom Idro-See führt eine extrem steile Route ab Bondone über die Malga Tombea und entlang des Monte Caplone zum Tremalzo. Ein paar Schiebestücke sind dabei nicht zu vermeiden, man umgeht dadurch aber die recht lange Straßenpassage von Storo aus zum Passo Ampola und hoch zum Rifugio Tremalzo.

Durch den Start in der Wochenmitte waren wir fast allein auf der Strecke. Ab dem Lago Cancano haben wir überhaupt keine Mountainbiker mehr zu Gesicht bekommen. Erst bei der letzten Übernachtung trafen wir auf eine andere Gruppe. Wer es also einrichten kann, der sollte nicht am Wochenende starten, gerade wenn er in Oberstdorf losfährt.

Sehr angenehm war es, dass wir als eingespieltes Zweier-Team unterwegs waren. Einige Transalps sind David und ich nun zusammen gefahren. Wir wissen beide, dass aufeinander Verlass ist. Bestimmt ist es nicht die letzte gemeinsame Tour gewesen.
Fazit: Bike
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Mein Steppenwolf Tycoon am Schlappiner Joch zum Vergrößern klicken
David und ich sind mit zwei fast identischen Bikes von Steppenwolf losgezogen, mit dem 2004er Modell Tycoon SL in der Ausstattung LX - Julie. Insgesamt sehr ausgereifte, leichte und trotzdem stabile Modelle.
Bei der Federgabel Manitou Black "Platinum LO 90-120 mm" ist der verstellbare Federweg bei steinigen Bergauf- und Bergabpassagen sehr hilfreich und die Lockout-Funktion sehr komfortabel, wenn man lange Asphaltanstiege zu bewältigen hat. Beim Dämpfer hatte ich ebenfalls die Lockoutversion Manitou QRL, während an Davids Bike der Manitou QR montiert war. Ihn hat die fehlende Lockoutmöglichkeit nicht gestört. Ich empfand es beim langen Bergauffahren als angenehm, wenn ich das Bike wie ein Hardtail einstellen konnte.
David hatte sich einen leicht geschwungenen Lenker montieren lassen, mit dem er eine sehr komfortable Sitzposition hatte. Ich bevorzuge gerade Lenker, wobei der serienmäßige Ritchey-Lenker etwas zu schmal ausfällt. Die Lenkerhörnchen bewährten sich bei den sehr steilen Stellen ausgezeichnet.

So viel zum Thema -Light- Reifen
So viel zum Thema "Light" Reifen
Das einzige echte Manko sind die Reifen: Schwalbe "Little Albert falt". Die sind bei einer Transalp eindeutig überfordert. Das Profil auf der Lauffläche war schon nach ca. 1500 km Fahrstrecke fast komplett abgefahren und bei mir haben sich zum Ende der Transalp hin langsam die seitlichen Noppen sowohl am Vorder- als auch Hinterrad verabschiedet. Zum Glück bin ich ohne Reifenplatzer angekommen. Am Tremalzo war das aber kein sonderlich tolles Gefühl, ich bin da wie auf Eiern runter gefahren.
Die Scheibenbremsen von Magura sind großzügig dimensioniert. Bei einer Regenabfahrt wussten wir den Sicherheitsvorteil sehr zu schätzen. Störende Knackgeräusche gaben die Gelenke nicht von sich. Die Verlegung der Schaltzüge am Unterrohr sollte überdacht werden. Die Bowdenzüge und die Übergänge zu den Hüllen sind so dem Staub und Schmutz stark ausgesetzt. Wir hatten zwar keine Probleme mit der Schaltgenauigkeit bekommen, hatten allerdings auch keine extremen Witterungsbedingungen auf der Tour. Eine Lösung wären sicher auch gekapselte Schaltzüge.
Alles in allem kann ich guten Gewissens sagen, dass die Bikes ihr Geld wert sind.
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Webcams auf der Strecke:

1. Webcam:

Bergstation Valiserabahn (2100 m), vergleichbar mit Schlappiner Joch bei St. Gallenkirch, Gaschurn

2. Webcam:

Livigno



3. Webcam:

Aprica
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