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An der Malga Campo |
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Mehr oder minder gestärkt nach dem italienischen
Frühstück ziehen wir weiter. Parallel zur Hauptstraße geht es durch kleine
Gassen kurz bergab bis auf ca. 940 Meter. Dann biegen wir links ab, erwischen durch Befragen
eines Einheimischen einen uralten Karrenweg, der uns ins Tal bringt, indem der Lago Belviso
liegt. Die Straße wird gleich zur Schotterpisten und immer steiler, bis wir an der
Staumauer das heftigste Stücke wischen. Gerade ist eine Wandergruppe mit unzähligen
Autos angekommen, die sich nun startklar für eine Wanderung am paradiesisch gelegenen See
machen. Uns bleibt nichts anderes übrig also so zu tun, als ob dieser Anstieg die
leichteste Übung für uns ist. Mit etwas gequältem Lächeln ziehen wir
vorbei und können uns auf dem Weg, der am See entlang führt, erst mal
entspannen.
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Schneefelder am Passo Venerocolo (2315 m) |
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Am Ende des Sees zweigt nach links das Val Campo ab. Die
Orientierung ist hier nicht ganz eindeutig. Das Schild gibt den Weg 311 Richtung Malga
Demignone an. Von Malga di Campo, wo wir hin wollen, steht gar nichts. Der Weg wird gleich
sehr steil und dient als Zubringer für die Almen. Zum Glück kommt mir ein Jeep
entgegen und ich kann nach den Weg fragen. Zur Malga Campo geht es bei der nächsten
Weggabel geradeaus und dann über eine kleine Brücke. Kurz danach passiert man zwei
Steinhütten. Der Forstweg bleibt bis zur Malga sehr steil und ist nur teilweise fahrbar.
Konditionstiere werden es komplett schaffen.
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Schluss mit lustig am Passo |
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Die Malga di Campo liegt auf einer kleinen Hochebene und
wird bewirtschaftet. Ein paar Hunde begrüßen uns als Abwechslung in der Einsamkeit.
Einer knurrt ein wenig, die anderen schnüffeln an uns rum, wahrscheinlich wegen des
strengen Wildgeruchs. Auch der Bauer erscheint auf der Bildfläche und die Hunde werden
ruhiger. Sein Alter ist schwer einzuschätzen. Sein Gesicht ist sonnengegerbt und zeugt
von der schweren Arbeit hier oben. Er freut sich offensichtlich über die Abwechslung und
ich bin auch froh, einen kleinen Plausch zu machen und mich nach dem weiteren Weg zum Passo
Venerocolo erkundigen zu können. Als deutlichen Einschnitt in der Bergkette haben wir ihn
schon ausmachen können, auch die Schneefelder, die auf uns warten. "Sempre destra",
"immer rechts halten", gibt er mir als Rat mit auf den Weg.
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Noch Eis auf dem See am Passo Venerocolo |
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Bis zum Talschluss können wir auf dem Almweg gerade so
fahren, dann ist Schluss mit lustig. Wir müssen ein erstes Schneefeld überwinden.
Der Pfad zum Pass ist als solcher überhaupt nicht zu erkennen, was eigentlich untypisch
ist. Wir entdecken dann doch Markierungen auf den Steinen, die wir wieder verlieren und
wuchten unsere Räder eine verblockte sehr steile Wiese nach oben. Der Weg bleibt
verschwunden. Zum Glück ist uns klar, wo wir hin müssen, da wir den Pass sehen. Mit
äußerster Vorsicht überqueren wir eine schneegefüllte Rinne und arbeiten
uns durch ein Labyrinth aus mannshohen Felsblöcken hindurch. Plötzlich sehen wir
wieder die Markierungen. Wir sind wieder auf dem Pfad und sehr erleichtert. Wie jetzt unschwer
zu erkennen ist, verläuft der Weg vom Talschluss so ziemlich in der Direttissima zur
Passhöhe. Zur Zeit ist er halt leider durch Schneefelder verdeckt. Ein solches wartet
noch auf uns. Es ist einigermaßen passierbar, da nicht so steil und aus festem
Schnee.
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Passo del Gatto (2418 m) |
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Am Pass sitzt ein Wanderehepaar und macht Rast. Endlich sind
wir oben und grüßen erst mal freundlich mit "Buon giorno!" Der Mann fragt gleich
nach dem Woher und Wohin, was mir sehr Recht ist, um an Informationen über unseren
weiteren Weg zu gelangen. Seine Frau fragt, ob wir Deutsche seien und hängt noch eine
Bemerkung an. Ich vermute, es könnte etwas mit "verrückt, übergeschnappt" zu
tun haben. Vielleicht hat sie nicht ganz Unrecht, denn am Ende dieser Etappe werden wir uns
fragen, warum wir uns das immer wieder antun. Alles in allem hat der Aufstieg "nur" rund 75
Minuten gedauert. Uns kam es viel, viel länger vor. Zunächst verdrücken David
und ich unser zweites Frühstück und peilen dann die Lage. Hinter dem Pass liegt ein
kleiner See, auf dem noch Eisschollen schwimmen. Der Weg gabelt sich. Bei der Planung nach
Kartenlage (Kompass Nr. 94) hatte ich mich für den Weg 416 entschieden, der über den
Passo del Gatto zum Passo Vivione führt. Da er sich scheinbar an den Bergflanken entlang
schlängelt, hegte ich die Vermutung, es könnte eine alter Militärweg sein, die
oft fahrbar sind. Ich musste nun feststellen: Es irrt der Mensch, so lang er strebt.
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"Madonna hilf!" |
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Wenigsten wandern wir beide nun durch einsame
Hochgebirgslandschaften und das Fahrrad lässt sich ganz leidlich schieben. Aus einer
kleinen Felsspalte am Passo del Gatto lächelt mich eine kleine Madonnenstatue an. Sie
scheint mir zu zuflüstern: "Der Herr behüte dich auf deinen Wegen, auch den
irrigen!" Amen! Irgendwann hat die Wanderschaft am Passo Vivione ein Ende, die letzten 20
Höhenmeter können wir sogar wieder fahren; wie schön! Zu allem Überfluss
beginnt sich die Regenwolke zu entladen, die sich in den letzten Stunden aufgebaut hat und
hinter uns hergezogen ist.
Wir überlegen nicht lange, ziehen die Regenklamotten an und fahren ins Valle Camonica
ab. Bald müssen wir doch eine Regenpause einlegen. Das gibt mir Gelegenheit, über
eine sinnvollere Strecke nach dem Passo Venerocolo nachzudenken. Im Internet hatte ich
gelesen, dass die Abfahrt nach Schilpario wohl doch eine alte Militärpiste ist und zum
größten Teil fahrbar sein soll. Wenn man dort das Valle di Scalve in Richtung Passo
Vivione hoch fährt, erreicht man bei ca. 1500-1600 m Höhe einen in der Kompass-Karte
Nr. 94 als MTB-Strecke ausgewiesenen Weg. Der führt über den Passo di Campelli (1892
m) ins Valle Camonica.
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Trailstücke zum Passo Vivione |
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Über Cerveno und Losine erreicht man direkt Breno. Das
hätte zudem den Vorteil, dass man die stark befahrene Staatsstraße SS 42 meiden
kann. Zu der gibt es sonst keine Alternative, wenn man wie wir vom Val Paisco kommend auf die
SS 42 trifft. Vielleicht hat das schon jemand mal ausprobiert. Über eine Rückmeldung
würde ich mich sehr freuen (Link zu Antwortformular).
Wir ziehen in Forne Allione unser Regenzeug aus, trinken einen Cappuccino und beratschlagen
kurz, wie weit wir heute noch fahren wollen. Ein Stückchen rollen wir noch die
Straße Richtung Breno hinunter, dem starken Verkehr ausgesetzt. In Capo di Ponte reicht
es uns. Auf einem Schild entdecken wir einen Hinweis auf das "Albergo Cumilí". Im
Ortszentrum haben wir es gleich gefunden. Der Augenschein überzeugt uns und wir machen
die Unterkunft klar. Die Bikes werden sicher im Vorratskeller verwahrt. Wir betreiben
Ausrüstungs- und Körperpflege und laufen dann durch das kleine verträumte
Örtchen, offensichtliche keine Touristenhochburg. Das ist uns sehr Recht. Nach dem
ordentlichen Abendbrot nehmen wir unseren bewährten Schlummertrunk zu uns: 2 Bier und
wichtig, einen Grappa. Der lockert die Muskulatur. Wir haben keine Probleme mit dem
Einschlafen.
Info zur angesprochenen Alternative ab Passo Venerocolo:
...In Grosio (650 m) angelangt verlassen uns jetzt Volker und Goldi, da die beiden am
nächsten Tag zuhause sein wollen. Wir entschließen uns nach dem Kauf zweier
Kompass-Karten, eine völlig unbekannte Route über Aprica, den Passo Venerocolo nach
Schilpario zu versuchen, um dann letztendlich als Ziel den Iseo-See zu erreichen. Da wir nicht
wissen, was uns auf dem Venerocolo erwartet, beschließen wir, noch am selben
Spät-Nachmittag die gut 740 Höhenmeter nach Aprica in Angriff zu nehmen. Wir rollen
deshalb zunächst auf der Hauptstraße bis Tirano (450 m) und weiter bis Stazzona
(435 m). Von dort aus geht's dann wieder hinauf bis nach Aprica (1176 m). Am nächsten
Morgen starten wir von Aprica (1176 m) aus ins Ungewisse. Der von uns ausgewählte Weg ist
zwar auf der Kompasskarte durchgehend dick rot eingezeichnet, aber dass das für Biker
nichts heißen muss haben wir schon öfter erlebt. Zunächst geht's noch einmal
runter bis auf etwa 920 m und wir treffen auf einen prima Weg, der zwar sehr steil, aber
durchaus noch fahrbar hinaufführt zum Lago Belviso.
Auch den See entlang führt noch immer ein toller Weg. Doch danach wird's dann schon
schwieriger. Als der Weg den See verlässt, gehen wir doch immer häufiger dazu
über, das Bike den extrem steilen Weg hinauf zu schieben. Nach dem Waldstück
schieben wir eigentlich nur noch bis hinauf zur Malga di Campo (1822 m). Etwas überrascht
sind wir schon, als wir dort oben Geländewagen stehen sehen. Die sind offensichtlich doch
etwas ausdauernder im Steilstück als wir. Doch was sich jetzt anschließt ist dann
gar nicht mehr fahrbar: Echte Wanderwege durch felsige Wiesen, Latschenfelder und
Geröllhänge. Zum Schluss dürfen natürlich auch Schneefelder nicht fehlen,
das letzte davon im steilsten Stück kurz vor der Passhöhe.
Doch auf der anderen Seite des Venerocolo war vermutlich das Militär im 1. Weltkrieg am
Werk. Die gesamte Strecke ist ein einziger, genialer Downhill über halb verfallene
Militärpfade. Bis auf ganz wenige, seltene Stellen muss man überhaupt nicht
absteigen. Und der Weg bleibt so genial bis man auf 1100 m Höhe auf die ersten Anzeichen
von Zivilisation trifft: Eine Hütte, ein Fahrweg und einige italienische Wanderer, die
uns mit einer Mischung aus Bewunderung und Mitleid ansehen, als wir mit Händen und
Füßen erklären, wir kommen vom Venerocolo...
Quelle:www.stromgmbh.de/rainer/transalp3
Weitere Info von Horst (IBC-Name: univega2001)
...sind den von Dir genannten Weg über den Pso. Campelli vor 3 oder 4 Jahren gefahren. Es
ein sehr schöner Weg, ein einsamer Forstweg, eigentlich durchgehend fahrbar und durch
eine sehr schöne Landschaft. Also um Welten besser als die Straßenvariante,... |