Transalp Explorer 2006: Schliersee - Monte Grappa
Das wichtigste in Kürze
| Strecke |
Schliersee - Valepp - Pfitscher Joch - Lüsener Alm - Seiseralm - Val di Fassa - Passo Lusia - Val Venegia - Passo Brocon - Monte Grappa |
| Länge |
488 km |
| Höhenmeter |
11.522 hm |
| Termin |
17. - 22. Juni 2006 |
| Etappen (6) |
| Tag |
Strecke |
km |
hm |
| 1.Tag |
Schliersee - Spitzingsee - Valepp - Pinegg - Kramsach - Brixlegg - Zillertal - Kaltenbach |
69 |
914 |
| 2.Tag |
Kaltenbach - Mayrhofen - Ginzling - Schlegeispeicher - Pfitscher Joch - Stein - Sterzing - Franzensfeste - Vahrner See |
105,1 |
1953 |
| 3.Tag |
Franzensfeste - Mühlbach - Nauders - Roner Hütte - Lüsen - Passo Rodella - St. Magdalena |
57,9 |
2185 |
| 4.Tag |
St. Magdalena - Broglesalm - St. Ulrich - Jendertal - Seiseralm - Mahlknechtjoch - Val Duron - Campitello - Moena |
53,8 |
1982 |
| 5.Tag |
Moena - Passo Lusia - Val Venegia - Passo Rolle - San Martino - Lago Calaita - Canale San Bovo - Passo Brocon |
73 |
2737 |
| 6.Tag |
Passo Brocon - San Donato - Fonzaso - Monte Grappa - Bassano del Grappa |
90,1 |
1751 |
GPS-Tracks, Kartenscans: hier klicken
Roadbook zum Nachfahren der Tagesetappen im Transalp Roadbook 3: hier klicken |
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| Landkarten |
Kompass:
Digitale Karte Österreich,
Digitale Karte Tirol,
Digitale Karte Südtirol,
8,
28,
37,
44,
54,
56,
76,
78,
82
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358; Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer
Neu: Die gescannten Ausschnitte der KOMPASS-Karten mit Einzeichnung der Route können nun erworben werden. Mehr Info: hier klicken |
| Tourplanung |
Uli Reimelt/Andreas Albrecht |
| Teilnehmer |
Uli, Albi |
Tourbericht
"Alkohol, in Maßen genossen, ist auch in größeren Mengen nicht schädlich."
Anderl Heckmair - 1907-2005
| Prolog |
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Steppenwolf Tycoon CR |
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So wenig Aufwand in der Vorbereitung habe ich noch nie betrieben wie bei dieser Tour. Eigentlich hatte ich sie gemeinsam mit Uli schon im Jahr 2005 ins Auge gefasst, aber die Wetterkapriolen machten uns damals im August einen Strich durch die Rechnung.
Die grundsätzliche Idee ging dabei von Uli aus. Es sollte eine Direttissima vom Schliersee zum Monte Grappa sein. Im Winter hatten wir uns dann noch mal zusammen über die Karten gebeugt und den Routenverlauf nach kurzer Beratung abgenickt.
Die Anfahrt sollte auf jeden Fall mit dem Zug erfolgen, da am ersten Tag keine größeren Schwierigkeiten anstanden und wir versuchen wollten, soweit wie möglich im Zillertal voranzukommen.
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Deuter und Grappa |
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Zum ersten Mal habe ich GPS benutzt; allerdings nur zum Aufzeichnen der Tour. Ich kannte einen großen Teil des Geländes schon von anderen Touren und befürchtete deshalb keine größeren Orientierungsprobleme unterwegs.
Nach wie vor schaue ich am liebsten in die Karten. Diesmal waren es ca. 20 gescannte Ausschnitte in A4 aus KOMPASS-Karten. Außerdem frage ich gern die Leute unterwegs nach dem Weg. Das lockert die Tour auf und man erfährt viele interessante Dinge aus erster Hand.
Die Firma Deuter stellte mir für die Saison wieder ein neues Modell des "Transalpine 30" zur Verfügung. Ein Modell, dass immer wieder verfeinert und verbessert wird. Die paar Gramm gegenüber z.B. dem "Speed Lite 30", den ich im vergangenen Jahr getestet hatte, spielten für mich keine Rolle. Der Tragekomfort ist einfach super und die Facheinteilung wirklich genial. Danke, insbesondere an Frau Manger.
Von der Firma "Steppenwolf" erhielt ich ein Testbike. Das Tycoon CR in der Ausstattung XT, Magura Louise ist ein feines Teil. Bügelt alles Grobe auf der Piste weg und fährt auf Asphaltpassagen dank blockierbarer Federgabel wie ein Hardtail.
Danke an Roland Liertz und Katja Gersbeck.
Infos zu Monte Grappa und weitere Infos: italienisch: www.magicoveneto.it
bicicletta, cicloturismo, cycling, mountain bike
Link zur Gesamtstrecke in GoogleMaps: hier klicken
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| 1. Tag: Anreise per Bahn - Schliersee - Zillertal |
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Wappen von Schliersee |
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So entspannt wird eine Anreise mit dem Auto nie sein. Um 5:30 Uhr bin ich am Samstag in den Zug gestiegen, gegen 13:30 Uhr war ich am Schliersee. Preisgünstig und kurzweilig war die Fahrt allemal. Unterwegs kannst du in Ruhe einen Kaffee trinken, zwischendurch ein Nickerchen machen und dich in aller Ruhe auf die Fahrt einstimmen. Am Startort angekommen, vertust du keine Zeit mit der Suche nach einem Dauerparkplatz. Es kann gleich losgehen.
Diesmal in bzw. am Schliersee.
Das Wappen ziert unter anderem einen Wagen der BOB (Bayerische Oberlandbahn) und wurde der Gemeinde im Jahr 1926 durch das Staatsministerium genehmigt. Es zeigt im blauen Feld auf einem Faldistorium sitzend den heiligen Papst und Märtyrer Sixtus II. im goldenen Pluviale und mit der Tiara auf dem Haupt. Er erhebt die Rechte zum Segen und hält in der Linken das gesenkte Schwert. Entstanden ist das Wappen aus dem Siegel des ehemaligen Stiftskapitels Schliersee. Um das Siegel nicht zu kopieren, wurde dem Papst statt des Buches auf Anraten des Königlichen Reichsarchives ein Schwert in die Hand gegeben.
Soweit der historische Exkurs. Im Sommer 2006 ist Schliersee dann in die internationalen Schlagzeilen geraten, als der Unruhebär "Bruno" hier in der Nähe von Jägern abgeschossen wurde, ca. eine Woche nach unserem Start dieser Transalp.
Der erste Tag ist bewusst einfach gehalten. Am Schliersee rollen wir uns ein bis nach Josefsthal. Der erste Anstieg auf der alten Spitzingseestraße bringt uns ein erstes Mal ins Schwitzen. Dieses Gefühl sollte uns in den nächsten Tagen nicht verlassen. Das Wetter meint es gut mit uns, am Tag nur Sonne und Wärme, höchstens mal in der Nacht ein kleines Gewitter und Regen, der willkommene Erfrischung am anderen Morgen bringt.
Am Spitzingsee herrscht reges Treiben, wir rollen entspannt bis Valepp und überqueren unbemerkt die Grenze nach Österreich, soweit man von einer solchen überhaupt noch sprechen kann. Weiter geht es auf guter Schotterpiste in Richtung Inntal. Ein paar kleine Gegenanstiege würzen die Sache etwas, bringen aber nun wirklich keinen Stress.
Eine Rast an der Erzherzog-Johann-Klause schenken wir uns. Es geht schön bergab und wir wollen sehen, wie weit wir heute noch im Zillertal vorankommen. In Pinegg gibt es noch einen Gegenanstieg. Das war's dann aber auch für heute. Bei Brixlegg erreichen wir den Inn-Radweg, den wir bis zum Eingang ins Zillertal folgen. Hier wechseln wir auf den entsprechenden Radweg, der nicht zu verfehlen und gut zum Vorankommen geeignet ist.
Gegen sieben Uhr am Abend reicht es uns langsam. Wir halten nach Unterkünften entlang des Weges Ausschau. In Kaltenbach finden wir dann auf Anhieb ein vernünftiges Hotel. Kaum haben wir eingecheckt, geht ein Gewitterguss nieder. Schön, wenn man den von drinnen betrachten kann.
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| 2. Tag: |
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Trail zum Pfitscher Joch |
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Am Morgen ist die Luft angenehm frisch. Wir radeln weiter auf dem Zillertaler Radweg bis Mayrhofen und biegen in die Schluchtstrecke in Richtung Schlegeisspeicher ein. Hier war ich mit David schon im letzten Jahr. Bei strömenden Regen waren wir vom Geiseljoch abgefahren, um dann das Pfitscher Joch bei Sauwetter zu bezwingen.
Diesmal meint es der Wettergott gut mit uns. Ein paar Quellwolken bringen zwischendurch Schatten, der uns eher willkommen ist.
Auf der Passage bis zum Berggasthaus Breitlahner heißt es Kilometer machen und Straße trampeln. Unterwegs gesellt sich ein Mountainbiker zu uns, der auch in unsere Richtung fährt. Das Tempo passt und wir fahren gemeinsam. Am Breitlahner lotst er uns auf eine angenehm zu fahrende Schotterstrecke. Das ist eine schöne Alternative zur Mautstraße zum Schlegeisspeicher mit ihren vielen engen Tunnels.
Nach einer Rast am Zamsgatterl trifft unser Begleiter seine Familie wie vereinbart wieder.
Wir fahren weiter und passieren die ersten Schneefelder und sind bald oben am Pfitscher Joch. Ein beeindruckender Rundumblick bietet sich unseren Augen. Aufgrund der Höhenlage ist es doch deutlich kühler geworden. Wir wärmen uns mit Tee auf, ziehen die Windjacken über und ab geht's ins Pfitscher Tal. Eine schöne, lange und einfache Abfahrt. In Stein finden wir einen Wiesenweg, der rechts am Hang immer leicht bergab bis St. Jakob führt - ein Traum. Weiter versuchen wir die Hauptstraße zu meiden, was uns bis zum Stausee bei Ried ganz gut gelingt. Den vorherigen Abzweig zum Pfunderer Joch in Fußendraß müssen wir wohl oder übel ignorieren. Wenn am Pfitscher Joch noch Schneefelder liegen, ist am Pfunderer Joch kein Durchkommen.
Also weiter das Tal hinab bis Sterzing. Hier gibt es den Eisack-Radweg, der einen komfortabel in Richtung Brixen geleitet. Kurz hinter Franzensfeste liegt dann der Vahrner See mit einem Gasthaus, wie ich vom letzten Jahr weiß. Das peilen wir als Übernachtungsstätte an. Wir kommen unter, nach reichlich hundert Kilometern reicht es auch für heute.
Alternative bei gutem Wetter:
- von Fussendrass über das Pfunderer Joch
- ist in den GPS- und Kartendaten enthalten
- siehe auch Tourbericht der Transalp Explorer-Tour 2003
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| 3. Tag: |
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St. Magdalena - Geisler Gruppe |
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Der Start in den Tag beginnt mit einer Schrecksekunde. Als ich beim Aufbrechen mein Rad routinemäßig checke, läuft die hintere Bremsscheibe irgendwie unrund. Ich besehe mir die Sache näher und muss zu meinem Entsetzen feststellen, dass die Bremsscheibe nur noch von zwei Schrauben gehalten wird, und die sind auch schon lose.
Zum Glück habe ich einen Torxschlüssel dabei und verteile die restlichen Schrauben gleichmäßig auf vorne und hinten. Also müssen wir nach Brixen runter rollen, wo ich auch Ersatz bekomme. Um weiter auf der von mir favorisierten Route über die Lüsener Alm zu bleiben, nutzen wir eine kurzen Bustransfer nach Franzensfeste. Es warten heute noch genug Höhenmeter auf uns.
Im Nachhinein betrachtet, wäre es wahrscheinlich sinnvoller gewesen, gleich von Brixen aus am Lasankenbach entlang nach Lüsen zu fahren. Der Weg über die Lüsener Alm ist sicher sehr schön und bietet hervorragende Aussichten in das umliegende Gebirgspanorama. Aber irgendwie erscheint es mir logischer, diese Variante nur zu fahren, wenn man vorher über das Pfunderer Joch gekommen ist.
Wie dem auch sei, wir schrauben uns die Nebenstraßen hoch zum Parkplatz Zumis. Ich kenne die Strecke von meiner 1999er Ronda Dolomiti und weiß, dass das ein elendes Stück Arbeit wird. Schließlich sind wir beide oben und wechseln auf den Höhenweg zur Roner Hütte. Die gewonnenen Höhenmeter müssen wir leider auf der Abfahrt nach Lüsen vernichten, um sie dann wieder hart zu erkämpfen. In der Falllinie führt das kleine Nebensträßchen in Richtung Würzjoch. Die Hitze ist enorm und Uli nutzt den Lasankenbach zur Ganzkörperabkühlung. Schließlich sind wir oben und werden mit dem Blick auf die gezackten Felstürme der Aferer Geisler entschädigt.
Der Rest der Strecke ist für heute angenehme Zugabe. Wir werden wohl im Villnößtal übernachten und rollen mangels Alternativen zunächst ein Stück die Straße hinunter. Nach dem Russiskreuz biegen wir dann auf den Weg 11 ab. Mit dem habe ich noch eine Rechnung offen. Zweimal bin ich ihn schon bergauf gefahren und habe mir geschworen, dass nie wieder zu tun - ein guter Entschluss. Jetzt fahre ich ihn bergab, die Bremsscheiben glühen - damit kann ich leben.
Schließlich bietet sich ein atemberaubender Blick auf das Tal bei St. Magdalena - im Hintergrund die Geisler Gruppe. Hier hat der junge Reinhold Messner seine ersten Klettererfahrungen gesammelt.
Wir lassen den Tag ruhig ausklingen. Nach mehr als 2000 Höhenmetern in den Beinen ist das Verlangen heute noch in Richtung Broglesalm weiter zufahren, bei uns sehr gering ausgeprägt.
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| 4. Tag: |
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Brogles-Alm vor Geisler Gruppe |
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Ein richtiger Entschluss, wie es sich heute herausstellt. Zur Broglesalm führt zunächst ein steiler, aber gut fahrbarer Forstweg. Dann folgt allerdings eine deftige Schiebepassage, die für die meisten wohl erst an der Broglesscharte endet. Die Alm hat auch noch geschlossen, so dass wir gar nicht hier hätten übernachten können.
Wir nehmen den Weg 3 in Richtung St. Ulrich, ein feiner Trail mit einigen anspruchsvollen Wurzel- und Schotterpassagen. So richtig genießen kann ich ihn leider nicht, da ich mir Sorgen über die Bremsbeläge mache. In der Hektik beim Malheur mit den Bremsscheiben habe ich auch noch meine Werkzeugtasche mit den Ersatzbelägen verloren. Die einzige Chance auf Ersatz ist in St. Ulrich, und da sollten wir sein, bevor mittags die Läden schließen."Alles wird gut!". Wir sind rechtzeitig unten, und ich bekomme Koolstop-Beläge zu stolzen Preisen, aber egal - ich bin wieder beruhigt.
Den Aufenthalt nutzen wir gleich zur Rast am Supermarkt, der Aufstieg zur Seiseralm wartet. Durch das Jendertal führt die Piste zur Saltria, wo einem das touristische Ambiente der gut besuchten Seiseralm umfängt. Wir wollen dem Rummel so schnell wie möglich entfliehen und visieren auf direktem Wege das Mahlknechtjoch an. Ein netter Anstieg auf steiler Schotterpiste ist die Folge. Aber auch der endet am Übergang ins Italienische. Zum Ausgleich fahre ich dann das Val Duron hinunter, zweimal habe ich mich in der Vergangenheit dort schon hoch gequält.
In Campitello erreichen wir das Fassa-Tal und beratschlagen kurz, was heute noch zu tun ist.
Die Hitze hat uns ausgelaugt, so dass der Bedarf nach weiterer Wegsuche gering ausgeprägt ist. Der Einfachheit halber fahren wir die Straße bergab. Es gibt allerdings auf der linken Flussseite parallel verlaufende Nebenwege und später einen Radweg, die man bei Bedarf nutzen sollte. Ansonsten ist das sowieso ein reiner Transferabschnitt. In Moena ist für heute Schluss. Wir versuchen zwar noch herauszufinden, ob das Rifugio am Passo Lusia eventuell schon geöffnet ist, bekommen aber keine Telefonverbindung und in der Touristinfo auch keine eindeutige Auskunft.
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| 5. Tag: |
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Val Venegia |
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Das war auch gut so, wie sich heute herausstellen sollte. Es wird mit reichlich 2600 Höhenmeter die Königsetappe dieser Tour werden. Zunächst fahren wir Straße in Richtung Passo San Pellegrino. Nach wenigen Kilometern zweigt dann die Schotterpiste zum Passo Lusia ab. Es geht gleich zur Sache. Ich flachse noch: "Jetzt 15% Steigung und nachher 25!". Ich sollte recht behalten.
Die Passage auf dem folgenden Höhenweg bis zur Malga die Bocche entschädigt uns reichlich für die Mühen des Aufstiegs. Für die Abfahrt hat sich Uli eine spezielle Variante mit Singletrailanteil ausgedacht, welche näher zum Val Venegia heranführte. Serviert bekommen wir einen grenzwertig schönen Rüttelweg und eine kürzere Straßenpassage. Wer das nicht so gern hat, sollte schon kurz vorher rechts in Richtung Paneveggio abfahren, auch weil der Trail nach der Malga Bocche nicht einfach zu finden ist.
Ich vertraue meinem Instinkt und wir erreichen schließlich die Verbindungsstraße zum Val Venegia, dass wir nach wenigen Minuten erreichen.
Dieses wunderschöne Tal kann man immer wieder fahren. Da wird einem nicht langweilig. Bisher war ich jedes Mal von Cortina d'Ampezzo aus hierher gefahren, was den Nachteil hat, dass man jede Menge Straße zur Anfahrt nutzen muss.
Da ist die Variante über den Passo Lusia deutlich schöner. An der Baita Segantini rasten wir und nehmen uns Zeit fürs Fotoshooting.
Weiter geht es easy bis zum Passo Rolle und hinab nach San Martino di Costrazza. Wer will, kann hier über die Wiesen und durch den lichten Wald ein paar Wegabschneider nehmen, wir biegen erst bei der Malga Fosso di sotto von der Straße ab und erreichen über einen schönen Forstweg die Ortslage. Weiter führt ein traumhafter Panoramaweg in Richtung Lago di Calaite - den hatte ich bei meiner Transdolomiti 2002 "entdeckt". Er stellt die logische Verbindung nach Canale San Bovo dar, wo wir in Gluthitze bald ankommen. Ein Pass wartet heute noch auf uns - der Brocon. Wir liegen gut in der Zeit und vermuten, dass wir oben schon irgendwie unterkommen werden. Also nicht lange gefackelt, die Wasservorräte aufgefüllt und los geht's. Der Weg zieht sich, zum Glück ist unterwegs eine Wasserstelle. Gemeinsam nehmen wir die letzten Meter in Angriff und erreichen gemeinsam den Pass. Es gibt hier zwei Albergos. Wir entscheiden uns aus dem Bauch heraus sofort für das, welches auch den Namen des Passes trägt.
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| 6. Tag: |
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Monte Grappa |
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Direkt hinter dem Albergo führt uns in der Frische des Morgens eine alte Militärpiste in Richtung San Donato. Keinen Menschen treffen wir hier, Mountainbiker schon gar nicht.
Durch die Gardaseemanie der Transalpler, ich gehöre eigentlich auch dazu, werden solche Militärpisten buchstäblich links liegengelassen.
Für die Eindrücke des Abschlusstages zitiere ich aus Ulis Bericht (besser könnte ich es auch nicht ausdrücken):
"Aber welche Abfahrt: 600 Höhenmeter auf Schotter, der immer grober wird. Der Weg verläuft komplett im Wald, so das es zur frischen Morgenstunde gut ist, dass wir Arm- und Beinlingen dabei haben. Je näher wir dem Tal kommen, umso heißer wird es. Nach der Querung zum Fuße des Monte Grappa ist es dann über 30°C, bei denen wir die 28 Kilometer Straßenauffahrt in Angriff nehmen müssen. Das ist eine ganz schön giftige Geschichte, mit dem Programm der letzten Tage in den Beinen. Die Getränkeressourcen werden knapp und die Hitze immer drückender. Rund 300 Höhenmeter vor dem Gipfel ist doch tatsächlich eine Kneipe, die geöffnet hat. Mit einem großen Grappa und zwei herrlich kalten Bier intus lässt sich der restliche Weg auf den Gipfel, welcher mittlerweilen vollkommen von Wolken eingehüllt ist, in alter Frische zurücklegen.
Im ersten Weltkrieg stellte der Monte Grappa die letzte Bastion der Italiener vor der venetischen Ebene dar. Diese Bastion gewinnend, hätten die Österreicher kaum noch von ihrer Einnahme abgehalten werden können. Entsprechend erbittert wurde hier gekämpft. Einige Festungsanlagen sind erhalten und ein Soldatenfriedhof ist errichtet worden, erstaunlicherweise auch für die gefallenen k.u.k Soldaten.
Man soll von hier bei klarem Wetter einen Ausblick bis nach Venedig haben. Daran war heute nicht zu denken. Also machten wir uns auf die Serpentinenabfahrt nach Bassano del Grappa. Das ist teilweise so, als wenn man durch einen riesigen Fön fährt, denn am Fuße des Berges herrschten 37°C und diese heiße Luft steigt an der Flanke des Berges auf. Irgendwie ein Erlebnis der besonderen Art!"
Die Stadt liegt in der nachmittäglichen Hitze wie ausgestorben da, auch weil gerade ein Spiel der Italiener während der Fußball-WM läuft. Wir drehen noch eine Ehrenrunde bis wir den Bahnhof finden, ehe wir den Abschluss dieser gelungenen Transalp mit einem Grappa feiern, der hier sehr preiswert ist.
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| Fazit: |
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Grappa - Das Original |
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Eine sehr logische Linienführung hat diese Transalp - geradezu eine Direttissima vom Schliersee zum Monte Grappa. Hat das Potenzial ein Klassiker zu werden. Und mal ein anderer Endpunkt als immer "nur" der Gardasee. Nur wartet eben kein See am Endpunkt, es sei denn, man fährt noch durch bis nach Venedig, das Luftlinie nur ca. 70 km entfernt ist.
Kann man schon im Juni fahren, wenn man die Schneelage auf dem Pfitscher Joch im Auge behält. Wenn man später im Jahr fährt, kann noch das Pfunderer Joch als Highlight "eingebaut" werden.
Die Rückfahrt mit der Eisenbahn ist vollkommen stressfrei und äußerst preiswert. Ich habe von Bassano del Grappa bis zurück nach Hause nur ca. 45 EUR bezahlt und bin entspannt angekommen. Da lass' ich doch das Auto gerne stehen und trinke ein Grappa.
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