Transalp mit "Dr. rad"Andreas Albrecht

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Trail Transalp Tirol 1.0
 

Trail Transalp Tirol

Das wichtigste in Kürze

Strecke Seefeld - Seejöchl - Gschnitztal - Pflerscher Scharte - Ridnauer Höhenweg - Schneebergscharte - Pfelders - Spronser Joch - Meran
Länge 180 - 250 km (je nach gewählter Variante)
Höhenmeter ca. 9700 hm bis 1.2600 hm
Etappen (6) bzw. (7)
Tag Strecke km hm
1.Tag Seefeld - Leithen - Schlosssteig - Zirl - Ranggen - Sellrain - Grinzens - Kemater Alm 35 - 40 1400 - 1500
2.Tag Kemater Alm - Seejöchl - Starkenburger Hütte - Neustift - Pinnisjoch - Innsbrucker Hütte 23 - 28 1750 - 2250
3.Tag Innsbrucker Hütte - Gschnitztal - Sandestal - Pflerscher Scharte - Pflerschtal 26 1300
4.Tag Pflersch - Ladurns - Dolomieu-Weg - Ridnauer Höhenweg - Ridnauntal 27 1100
  Alternative: Pflersch - Maurerscharte - Ridnauntal 21 1250
5.Tag Ridnaun - Schneebergscharte - Moos in Passeier - Pfelders 37 2050
6.Tag Pfelders - Spronser Joch - Dorf - Tirol - Meran 26 1000
  Alternative: Pfelders - Eisjöchl - Pfossental - Schnalstal - Burg Juval - Naturns - Meran 55 1350
Alternative Abschlussvariante: 7.Tag
Bikeshuttle: Mals - Stilfser Joch
per Bike: Stilfser Joch - Dreisprachenspitze - Goldseetrail - Furkelhütte - Glurnser Alm - Glurns - Mals
31 650
GPS-Tracks, Kartenscans: hier klicken
Roadbook zum Nachfahren der Tagesetappen im Transalp Roadbook 5: hier klicken; nun auch als DVD erhätlich
Roadbook 5 Info

Zur DVD-Route

Im Juli 2009 filmte Roland Schymik mit Appi und seinem Team die Trail Transalp Tirol. Dabei haben sie zwei neue Varianten erkundet:
  1. Maurerscharte: Übergang vom Pflerschtal ins Ridnauntal
  2. Spronser Joch: Übergang von Pfelders nach Meran
Gleichzeitig wählen sie damit als Endpunkt Meran. In der ersten Ausgabe des Transalp Roadbooks 5 war der krönende Abschluss die Befahrung des Goldseetrails vom Stilfser Joch bis Glurns. Wir haben bei der Neuauflage lange diskutiert, ob wir diese Abschlussvariante weiter im Buch und auf dieser Webseite dokumentieren wollen, da es ja momentan eine Wegesperrung gibt. Die wird im maßgeblichen deutschsprachigen IBC-Forum (IBC: Internet Bike Community - www.mtb-news.de) heiß diskutiert. Der Beitrag findet sich hier

Den Tourismusverantwortlichen in Südtirol im Allgemeinen und im Vinschgau im Besonderen ist dringend zu empfehlen, die dort geäußerten Meinungen zumindest zur Kenntnis zu nehmen. Wenn man sich die Alterstruktur der Urlauber zum Beispiel in Dorf Tirol anschaut, wird schnell klar, dass sich in kurzer Zeit gravierende Änderungen ergeben werden. Ob man da gut beraten ist, eine ständig nachwachsende Zielgruppe zu verprellen? Es sind Konzepte gefragt und keine Verbote. Wir können es nur wiederholen: ein kurzer Blick über die Grenze in die Schweiz zeigt, wie es geht. Wir haben uns deshalb entschlossen, den Bericht zum Goldseetrail weiter zu veröffentlichen verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis die aktuelle Situation zu beachten. Es kann sicher auch nicht schaden, Beschwerden bei den Hotels und örtlichen Tourismusvereinen zu platzieren, sollte keine Lösung gefunden werden, die auch die Interessen der Mountainbiker berücksichtigt.
Landkarten Kompass: Digitale Karte Tirol, Digitale Karte Südtirol, 36, 44, 52, 53, 072,
TOPO-Karte für GPS-Geräte: Garmin TransAlpin, kaufen bei Amazon: klick hier
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
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Neu: Die gescannten Ausschnitte der KOMPASS-Karten mit Einzeichnung der Route können nun erworben werden. Mehr Info: hier klicken
Touridee Markus Apperle
Tourplanung Markus Apperle, Andreas Albrecht
Teilnehmer Markus Apperle, Andreas Albrecht

Tourbericht

Die Vergangenheit ist Geschichte.
Die Zukunft ein Geheimnis.
Und der Augenblick...ein Geschenk!

frei nach Ina Deter (*1947)

Prolog
Diese Transalp hat schon etwas Besonderes und unterscheidet sich stark von meinen bisherigen Touren. Die Grundidee für diese Route stammt von Markus Apperle, von allen Appi genannt (www.appi.at). Appi ist als Tiroler Naturbursche mit den Bergen aufgewachsen und als ehemaliger professioneller Snowboarder erst relativ spät zum Mountainbiken gekommen. Als wir beide zusammen die ersten Touren unternahmen, merkten wir sofort, dass sich hier zwei verwandte Seelen getroffen haben. Ein ausgeprägtes Gefühl für die Bergwelt, ein intuitives Gespür für den richtigen Weg, für die Linie über den Berg und natürlich eine Menge alpine Erfahrung - das sind Eigenschaften, die uns beiden gemeinsam sind und sich ideal ergänzen, um etwas Neues zu schaffen. Alle meine Transalptouren folgen einer Idee, einem "Roten Faden" gewissermaßen. Bei dieser Tour sind es folgende Prämissen, die sich zu einer Route fügen sollen:
  1. Beginn und Ende in Tirol (von Nord- nach Südtirol)
  2. das Ganze möglichst in einer geraden Linie
  3. möglichst viele Trails in hochalpinem Gelände
  4. kaum befahrene Pässe im Herzen der Alpen
Damit ist natürlich zwangsläufig verbunden, dass deutlich mehr und vor allem auch längere Schiebe- bzw. Tragepassagen vorkommen als es sonst bei meinen Transalps üblich ist. Diese Plagerei muss natürlich einen Sinn haben, d.h. der Trail bergab muss es auch wert sein, den man sich hart erarbeitet hat. Das hieß für Appi und für mich bei der Planung, dass eine gewisse Fahrbarkeit gegeben sein muss, entsprechende Übung, Erfahrung und das richtige Material vorausgesetzt. Es ergibt ja keinen Sinn, sein Mountainbike zwei Stunden den Berg hochzuschleppen, wenn man dann vor einer Felswand steht, die man nur mit Abseilen bezwingen kann. Diese Trails haben wir gefunden. Komplett fahrbar sind sie sicher nicht immer und nicht für alle, teilweise auch mit ausgesetzten Abschnitten, bei denen durchaus Absturzgefahr besteht. Deshalb die deutliche Warnung vorneweg.
Achtung! Diese Transalp ist nichts für Leute, die gerade mit dem Mountainbiken begonnen habe und nichts für jene, die überhaupt keine alpine Erfahrung haben. Sehr gute Bikebeherrschung, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind überlebensnotwendige Voraussetzungen, um die Trails genießen zu können. Ein Fully mit einem Federweg von mindesten 140 mm vorn und 120 mm hinten erleichtert den Fahrspaß auf jeden Fall. Trotzdem wird flüssiges Fahren nicht immer möglich sein, verblockte Stellen und Spitzkehren in langer Folge kommen vor. Wem das keinen Spaß macht, der sollte die Finger von dieser Route lassen. Wer solche Herausforderung aber liebt und bereit ist, sich dafür auch einmal durch Geröllfelder zu quälen, dem werden auf den Pässen und den Trails die Augen leuchten. So nah an die Felstürme der Alpen kommt man selten mit dem Bike heran wie auf dieser Route.
Selbstüberschätzung ist allerdings bei dieser Transalp fehl am Platze und kann einen, um es gnadenlos und hart auszudrücken, in ernste Schwierigkeiten bringen. Risiken sind objektiv vorhanden und sollen auch nicht wegdiskutiert werden. Bei schlechten äußeren Bedingung heißt es bei einigen der Passübergange - rechtzeitig umkehren bzw. gar nicht erst in Angriff nehmen.
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Haftungsausschluss
Die sorgfältig recherchierten und sauber dokumentierten Tourenvorschläge spiegeln den Zeitpunkt der Erstellung wider. Für die Aktualität und Richtigkeit der Informationen kann ich aus verständlichen Gründen nicht garantieren. Das Nachfahren der Routenvorschläge geschieht auf eigene Gefahr, jegliche Haftung aus der Benutzung der Roadbooks und/oder GPS-Daten ist ausgeschlossen. Das gilt vor allem für Unfälle, angerichtete Flurschäden oder begangene Ordnungswidrigkeiten. Einzelne Streckenabschnitte können zwischenzeitlich einem Fahrverbot unterliegen oder nur für Fußgänger erlaubt sein. An diesen Strecken muss das Fahrrad geschoben werden. Wanderer haben auf Trails immer Vorrang.
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1. Tag: Schlossbergtrail
Am ersten Tag geht es noch recht ruhig und beschaulich zu. Nach dem Start in Seefeld in Tirol ist es die erste Herausforderung, die meist gut frequentierte Fußgängerzone unfallfrei zu überstehen. Defensive Fahrweise ist auch beim Passieren des Wildsees angebracht. Spätestens in Auland hat man dann den fußläufig zu erreichenden Dunstkreis der Urlauber hinter sich gelassen. Wir unterqueren die Bundesstraße und fahren auf dem leichten Forstweg in Richtung Leithen. Nach dem Ort folgt ein kurzer Anstieg, doch bald geht es bergab. Der Schloßbergtrail berührt für einen Moment die meist stark befahrene Straße des Zirler Bergs. Die Pfadspur führt auf dem Seitenstreifen entlang und verläuft dann nach wenigen Metern im Wald. Jetzt wird es das erste Mal trailig - ein paar Spitzkehren, im Großen und Ganzen aber schön flowig zu fahren. Durch die Bäume sieht man hinunter in die tiefe Schlucht, die der Schlossbach im Laufe der Zeit ins Gestein gegraben hat. In Richtung Süden blickt man über das Inntal hinweg schon ins Senderstal, dem Ziel des heutigen Tages.

Wir genießen jetzt noch den Trail an der Schlossruine vorbei bis Zirl. Hier endet er an der Bundesstraße. Wir rollen durch den Ort, überqueren den Inn und stoßen direkt auf den M-Preis. Es ist heiß, die Stühle im Schatten laden zur Rast ein - also Pause und sich verpflegen.
Während der Pause kann man sich überlegen, wie es weitergeht. Die Etappe heute ist nicht sehr lang, nur rund 35 km bei ca. 1500 Höhenmetern im Aufstieg.

GoogleMap


Die kürzere Variante verläuft flussabwärts bis Unterperfuss, wo der Anstieg nach Ranggen beginnt. Bei der etwas längeren Alternativroute würde man zunächst auf dem Innradweg flussaufwärts bis Hatting fahren und dort den Anstieg auf das mittlere Plateau des Inntals beginnen. Diese Variante hat den Reiz, dass man noch ein bisschen mehr einfache Trails fahren kann und zwar auf dem Peter-Anich-Weg, der schöne Ausblicke zum Karwendel bietet. Wie man sich auch entscheidet, in Ranggen führen beide Varianten wieder zusammen. Um nach Grinzens, dem Eingang ins Senderstal zu gelangen, muss man den tiefen Einschnitt des Sellrainer Tals überwinden. Über Kammerland und Au geht es auf Nebenstraßen und Forstwegen bis hinab in den Talgrund. Ein Stück müssen wir nun bergauf durch den Tunnel die Hauptstraße benutzen. Gleich bei der Kirche am Ortsbeginn von Sellrain sind wir den Verkehr wieder los. Auf dem uralten Verbindungsweg nach Brandögg folgt ein kurzes Steilstück, das aber fahrbar sein sollte.

Eine kleine Kapelle mit einem Bänkchen davor lädt zur Rast ein. Zur weiteren Entspannung rollen wir ein paar hundert Meter auf dem Sträßchen in Richtung Grinzens. Bei den ersten Häusern nehmen wir den Schwung mit und rollen die Straße bergauf. Wenn man es nicht weiß, verpasst man leicht den Trail, der kurz nach dem Ort links weggeht. In der Karte ist er gar nicht eingezeichnet. Er verläuft auf einer alten Wassertrasse ein paar hundert Meter parallel zur Fahrstraße, die zur Kemater Alm führt - dem heutigen Tagesziel. Schließlich erreichen wir die Forststraße, die schottrig und mit ein paar Steilstücken versehen ist. Jetzt liegen noch ca. 600 Höhenmeter vor uns. Appi und ich sparen uns ein Wettrennen. Es liegen noch weit schwerere Etappen vor uns. Das ist heute ein Tag zum Eingewöhnen gewesen.
An der Kemater Alm beziehen wir unser Quartier für die Nacht, sitzen noch ein wenig vor der Hütte und beschauen uns die gezackten Felstürme, die morgen unseren Weg säumen werden. Mit einem kräftigen Abendbrot stärken wir uns für den nächsten Tag.
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2. Tag: Seejöchl - Pinnisjoch
Der Morgen ist klar, die Luft rein. Eine seidige Atmosphäre liegt über den Alpen. Wir sind mitten drin in den Alpen. Bis zur Adolf-Pichler-Hütte gibt es noch einen Forstweg, der wird zum Schluss aber so steil, dass wir nur mit Mühe das Plateau erreichen, auf dem die Hütte steht. Kurz die Beine ausschütteln, bei Bedarf Wasser nachtanken und weiter geht's. Ein wenig können wir noch auf dem Wanderweg fahren. Er verläuft zum Teil direkt auf der Kante einer kleinen Erhebung und ist nicht nur dadurch sehr eindrucksvoll zu fahren. Schließlich führt der Weg ganz dicht an die steilen Felsformationen der Ochsenwände heran. Bald ist Schluss mit Fahren, der Wandersteig verläuft durch eine Schutthalde, die sich durch die fortlaufende Erosion gebildet hat. Es läuft sich durchaus angenehm, da man das Mountainbike zu weiten Teilen bequem neben sich führen kann. Wir sind mit Fotopausen kaum anderthalb Stunden seit der Pichlerhütte unterwegs, als wir das Seejöchl erreichen. Wow - das Panorama der Stubaier Alpen verschlägt einem die Sprache. Die Mühen des Aufstiegs sind für Appi und mich vergessen, das Wort Strapazen wollen wir erst gar nicht in den Mund nehmen. Wer allerdings auf dieser Passhöhe zwischen dem Gamskogel und der Schlicker Seespitze merkt, dass ihm alle Körner abhanden gekommen sind, der hat nun Gelegenheit darüber nachzudenken, ob er diese Transalp durchsteht.

Auf dem folgenden schönen Trail zur Starkenburger Hütte kann man relativ gefahrlos darüber sinnieren, denn es folgt heute noch ein etwas heftigerer Aufstieg zum Pinnisjoch. Soweit sind wir aber noch nicht. Die Rast an der Starkenburger Hütte haben wir uns redlich verdient. Bei schönem Wetter sind hier viele Wanderer unterwegs, die aus dem Stubaital meist bequem mit der Kreuzjochbahn nach oben fahren und dann herüber laufen. Warum auch nicht!

Der Wirt der Starkenburger Hütte ist ein Sportfreund von Appi. Er freut sich natürlich über die Unmengen von Wanderern, die an schönen Tagen wie heute die Panoramaterrasse belagern. Wir suchen uns ein stilles Eckchen im Haus. Sonne haben wir genug genossen und nach Trubel steht uns nicht der Sinn. Wir checken noch einmal die Karte. Hinunter nach Neustift im Stubaital gibt es zwei Varianten. Die erste: einfach und bequem auf dem Forstweg. Die zweite: der Wanderweg 115 - sieht nach Trail aus. Keine Frage, bei diesen guten äußeren Bedingungen probieren wir den aus. Gleich an der Hütte geht es auf einem schmalen Pfad los. Kurzes Eingewöhnen, dann ein paar Dutzend Meter auf dem Almweg und wieder Abtauchen auf den Weg 115. Wir begegnen nur sehr sporadisch ein paar Wanderern. Unsere Fahrweise ist auf dem uns noch unbekannten Weg sowieso defensiv, so dass wir keine Konflikte heraufbeschwören. Gut eintausend Höhenmeter geht es bergab, alles auf einem schmalen Trail, der ein paar verblockte Stellen aufweist und einen ab und zu zum Absteigen zwingt, wenn man einen Weidezaun überwinden muss. Im Großen und Ganzen aber recht flüssig fahrbar.

Wem es zu viel wird, hat bei der Querung der Forststraße die Möglichkeit, jetzt einfach und entspannt abzufahren. Auch bei schlechtem Wetter und nassem Untergrund ist das eine gute Alternative. Wir wollen es heute natürlich wissen und bleiben auf dem Trail, bis er uns oberhalb von Neustift wieder ausspuckt. Appi hat durch sein Fully mit 160 mm Federweg etwas mehr Komfort, aber auch mit meinen 140 mm bin ich gut zurechtgekommen. Wichtig ist, dass der Sattel ordentlich abgesenkt werden kann - in Cross-Country-Sitzhaltung wird man auf diesem Trail keine große Freude haben.

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Im quirligen Zentrum von Neustift schütteln wir uns erst einmal die Arme und Beine aus. Die hatten ordentlich zu tun. Eine Pause tut gut. Wir machen einen Abstecher zum örtlichen M-Preis und rasten auf der Terrasse des Cafes. Dabei beratschlagen wir, wie es weitergehen soll. Unser Tagesziel ist die Innsbrucker Hütte, die direkt am Pinnisjoch liegt. Dorthin gelangt man über das gleichnamige Tal. Durch den Elferlift haben wir die Chance, uns ein paar Höhenmeter entspannt nach oben fahren zu lassen. Von der Bergstation des Lifts führt dann ein Forstweg und später schöner Trail zur Pinnisalm.

Die Alternative wäre, alles zu fahren, doch der Einstieg ins Pinnistal ist sehr steil. Da am Ende auch noch eine Schiebepassage über 600 Höhenmeter wartet, ist man gut beraten, die Liftunterstützung zu nehmen, zumal der Trail zur Pinnisalm auch etwas Feines ist. Man muss je nach Wetter, Jahres- und Tageszeit zwar mit einigen Wanderern rechnen, aber mit der entsprechenden Rücksichtnahme ist das kein Problem. Eine Klingel am Lenker ist generell durchaus angebracht, wenn man eine Alpenüberquerung macht - auch wenn einige vielleicht die Nase rümpfen.
Wenn man Konflikte mit Wanderern im Vorfeld vermeiden will, ist es sehr hilfreich, sich rechtzeitig und angemessen bemerkbar zu machen. Da ist der Klingelton am Fahrrad allemal besser als ein abruptes Bremsen, dass unwillkürlich mit Aggression assoziiert wird. Dann noch ein freundliches "Hallo" und "Was für ein schöner Tag!" hinterher geschoben - das klappt in den allermeisten Fällen. Wenn nicht, dann hat man selber zumindest zuerst die Freundlichkeitsinitiative ergriffen, frei nach meinem Motto: Ein Lächeln kommt immer zurück.

Seltsamerweise ist selbst unter Mountainbikern das Grußverhalten stark rückläufig. Am Gardasee kann ich es noch verstehen, wenn man bei der Vielzahl der Biker irgendwann nicht mehr hinterher kommt, jedem ein Hallo zuzurufen. In den letzten Jahren ist es mir bei Transalps immer öfter passiert, dass auf meinen Gruß keine oder nur eine sehr minimale Erwiderung erfolgte. Appi bestätigt mir diesen blödsinnigen Trend, er bemerke das auch schon eine Weile und sei bald soweit, auf einen unerwiderten Gruß ein herzliches "A...loch" hinterherzuschicken. Soweit will ich es noch nicht kommen lassen und mache immer noch den ersten Schritt und grüße, was das Zeug hält.
So vergeht die Zeit wie im Flug, als wir an der finalen Schiebepassage zum Pinnisjoch einen einsamen Wanderer einholen. Er hat sein Bike unten an der Karalm zurückgelassen und ist nun zu Fuß zum Joch unterwegs.

Bei der Rast war mir schon aufgefallen, dass die Anzahl der Biker nicht kompatibel mit der Anzahl der Bikes ist. Nun löst sich das Rätsel auf. Der Biker ohne MTB macht im Stubaital allein Urlaub, um den Kopf freizukriegen, wie er sagt. Wir fachsimpeln ein wenig über die Möglichkeiten und Grenzen der GPS-Navigation, er hat das gleiche Gerät wie ich dabei. Ein Allheilmittel ist GPS nicht - die Entscheidung, welchen Weg man bei Alternativen nimmt, muss man schon selber treffen. Vor einer solchen stehen wir bald. Die Schiebepassage zum Pinnisjoch hat an der Karalm begonnen. Nach ca. 300 Höhenmetern erreicht man ein Plateau, von dem aus man deutlich das Joch erkennen kann. Ebenso deutlich sieht man auch, das zwei Wege hinauf führen. Einer geht das Joch direkt an - quasi in der Falllinie. Der andere macht einen Bogen nach rechts und schlängelt sich an der Bergflanke nach oben, scheinbar etwas weniger steil.

Ich entscheide mich für den rechten Abzweig, Appi für die Direttissima. Welche Variante nun die bessere ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich laufe lieber ein paar Meter länger, Appi geht die Berge lieber direkt an. Am Pinnisjoch kommen wir gleichzeitig an. Heute weht hier ein sehr starker Föhnwind. Wir suchen uns eine etwas geschützte Stelle und genießen die Aussicht zum Habicht, dem am nächsten gelegenen markanten Gipfel. Unter uns liegt das Gschnitztal. Auf der anderen Talseite ragt das wuchtige Felsmassiv der Tribulaune empor. Dort wartet morgen die gröbste Schiebepassage auf diesem Alpencross auf uns.

Für heute haben wir es geschafft. In der Sonne ist es trotz Wind angenehm. Unser Wanderfreund taucht ein paar Minuten nach uns am Joch auf - wir haben zwar auch nicht gehetzt, er ist den Aufstieg aber noch gemächlicher angegangen. Wer weiß, was ihm so alles durch den Kopf gegangen ist - vielleicht bläst der Wind nun alle trüben Gedanken aus ihm heraus.
Die Innsbrucker Hütte liegt kaum einen Steinwurf vom Pinnisjoch entfernt. Sie wird durch eine Materialseilbahn aus dem Gschnitztal versorgt. Wir sind heute die einzigen Mountainbiker hier. Aus den Blicken anderer Gäste entnehmen wir, dass die hier wohl selten vorkommen. Da sind die Murmeltiere häufiger anzutreffen, zumindest an dieser Stelle. Es ist ein regelrechtes Pfeifkonzert im Gange, wahrscheinlich sind wichtige Absprachen im Gange.
Wir beziehen zunächst unsere Zimmer in der Hütte und verbringen dann den Rest des Nachmittags auf der Aussichtsterrasse. Dort gibt es ein windgeschütztes Plätzchen, an dem wir ausharren, bis uns die sinkenden Temperaturen ins Haus treiben. Der gemütliche Ofen wärmt unsere Körper und bringt uns zum wohligen Grübeln. Wir sind gespannt, ob der Trail am nächsten Tag die Mühen des Aufstiegs aufwiegt.
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3. Tag: Pflerscher Scharte
Wir haben in der Nacht gut geschlafen, sind ausgeruht und das Wetter ist so schön wie am Tag zuvor. Am Morgen steht noch kein Wölkchen am Himmel. Im Tagesverlauf werden nur ein paar harmlose Quellwolken entstehen. Keine Anzeichen für ein Gewitter oder gar einen Wettersturz.

Gespannt machen wir uns an den Trail hinunter ins Gschnitztal. Vom Untergrund her wäre er im ersten Abschnitt nach der Innsbrucker Hütte mit Leichtigkeit fahrbar. Er ist hier aber teilweise sehr schmal und ausgesetzt, so dass ich zunächst Schieben vorziehe. Appi ist gut drauf und fährt zunächst. Dann zerren Windböen an ihm. Er hat keine Lust, in die Tiefe geblasen zu werden und schiebt nun auch das kleine Stück, bis wir sicheres Gelände erreichen. Später muss man noch ein paar Stellen überwinden, an denen Murenabgänge den Weg verblockt haben. Aber bald windet sich der Trail in unzähligen engen Serpentinen nach unten. Das ist ein Paradies für leidenschaftliche Liebhaber von Spitzkehren. Wir haben sie nicht gezählt, es müssen über Hundert gewesen sein. Als ich mir zu Hause den Track angeschaut habe, war es eine einzige Zickzacklinie. Schließlich erreichen wir den Talgrund des Gschnitztals - mehr als 1000 Höhenmeter Trailorgie liegen hinter uns. Wir grinsen uns an - dieser Trail war definitiv die Mühen des Aufstiegs vom Vortag wert.

Das Gschnitztal ist ein ruhiges Seitental des Tiroler Wipptals, dass man sonst von Steinach a. Brenner aus erreicht. Die größten touristischen Zeiten liegen wohl hinter ihm. Die rege Bautätigkeit in den letzten Jahren ist eher auf den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung in Tirol zurückzuführen und ist geprägt von Wohnbauten auf eigenem Grund.

Wir rasten für einen Moment und nehmen eine Kleinigkeit zu uns. Eine größere Rast haben wir erst an der Tribulaunhütte geplant, an der auf der österreichischen Seite wohlgemerkt. Zunächst fahren wir ein paar hundert Meter taleinwärts auf der Straße, bis wir nach einem Wanderparkplatz links ins Sandestal einbiegen. Hier beginnt der Forstweg, der ein paar Almen im oberen Sandestal versorgt und letztlich bis zur Tribulaunhütte führt. Bis dorthin ist der Schotterweg fast gänzlich fahrbar. Nur zum Ende hin, schon in Sichtweise der Hütte, wird es sacksteil. Hier heißt es gut überlegen, ob man die letzten Rampen durchdrücken möchte. Denn eine der schwersten Schiebepassagen dieser Transalp wartet danach auch noch auf uns. Ich hatte schon bei der Auffahrt hierher ausreichend Zeit und Muße, mir den Rest des Weges zur Pflerscher Scharte anzuschauen. Mir ist klar, da ist reines Schieben oder Tragen angesagt.

Die Tribulaunhütte liegt auf einem kleinen Plateau und ist keine Alpenvereinshütte, sondern ein Haus der Naturfreunde Österreichs. Spiegeleier mit Speck und Bratkartoffeln sind eine gute Grundlage für das, was noch kommen wird. Die bestelle ich mir und warte im Gastraum auf das Essen. Appi unterhält sich derweil draußen mit einem Mann von der Tiroler Bergwacht. Der sagt, dass bis zur Hütte recht häufig Mountainbiker kommen, die meisten aber wieder umdrehen und zurück ins Gschnitztal fahren, manche über den Trail im Sandestal. Die Überquerung der Pflerscher Scharte nach Südtirol tun sich wohl deutlich weniger Mountainbiker an. Auch Wanderer treffen wir heute gar nicht. Es ist ja auch keine Seilbahn in der Nähe.

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg. In der Pause haben wir die verschiedenen Varianten begutachtet. Es gibt wieder einen direkteren Weg und einen Weg an der Bergflanke entlang. Da wir an der Tribulaunhütte Rast gemacht haben, wäre es sinnlos, wieder hinunterzurollen zum Einstieg in die Direttissima. Wir nehmen also den Wandersteig, der direkt am Fuß der Nordwand des Gschnitzer Tribulaun entlangführt. Obwohl es Anfang September ist, finden sich noch Reste eines Schneefeldes, das durch einen Lawinenabgang entstanden ist. Am Felsrand bildet der Schnee ein Dach, wir klettern mit den Bikes darunter hinweg. Wenn das besagte Schneefeld zu groß sein sollte, bleibt einem nichts anderes übrig, als die eher schneefreie Direttissima zu versuchen.

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Wir können heute gefahrlos passieren. Bei Regen ist der Weg nicht empfehlenswert, da dann Steinschlaggefahr besteht. Weiter geht es durch ein Geröllfeld. Der Weg ist erstaunlicherweise nicht grob verblockt, so dass wir leidlich gut vorankommen. Wir können die meiste Zeit das Bike neben uns her schieben. Ab und an sitzt Appi sogar auf und fährt ein paar Meter. Insgesamt sind von der Tribulaunhütte bis zur Pflerscher Scharte knapp 600 Höhenmeter zu überwinden. Zum Schluss wartet noch ein fieses Steilstück, bei dem man das Rad teilweise anheben muss. Da ist langsames, aber stetiges Gehen angesagt. Heckmair hätte seine Freude an diesem Abschnitt: "Transalp ist Bergwandern, nur dass man ein Mountainbike dabei hat."

Gute Geher benötigen rund anderthalb Stunden für diese Passage bis zur Passhöhe. Manche werden wohl deutlich länger als zwei Stunden dafür brauchen. Der Weg ist allerdings auch enorm eindrucksvoll. Direkt an den Felswänden geht es vorbei, die Aussichten sind gewaltig, alpine Hochstimmung kommt auf. Das Schild an der Pflerscher Scharte kommt nur langsam näher, noch einmal die Zähne zusammenbeißen. Dann ist es geschafft. Die Scharte markiert die Grenze zwischen Nordtirol und Südtirol, wie das Schild verkündet.

Ein kleines Plateau lädt zur Pause ein. Die sollte man auch dringend einlegen und dabei die Muskulatur mit Stretching entspannen. Gut 250 Höhenmeter unter uns liegt die Südtiroler Tribulaunhütte. Dort können wir später noch einen Cappuccino zu uns nehmen. Aber zuerst lassen wir das Panorama auf uns wirken und machen ein paar Fotos. Wir fragen uns: "Was wird der Downhill bringen? Hat sich die Plagerei hinauf zur Pflerscher Scharte gelohnt?" Was wir erblicken, sieht gut aus. Die Abfahrt ist tatsächlich von ganz oben fahrbar. Es gibt nur einen ganz kurzen ausgesetzten Abschnitt, den man besser mit Schieben überwindet, wenn man sich nicht locker genug fühlt. Ansonsten verläuft der Trail bis zur Südtiroler Tribulaunhütte vorwiegend im S2-Niveau, danach kommen auch S3-Passagen vor. Für Fahrtechniker überhaupt kein Problem. An der Hütte gibt es eine kurze flache Passage. Die Wanderer schauen verdutzt - mit Mountainbikern haben sie nicht gerechnet.

Ein kleiner, klarer Bergsee liegt neben der Hütte. Bei Bedarf kann man sich dort durch einen Sprung ins kühle nass abkühlen. Was dann folgt, ist ein einziger Singletrailtraum. Zunächst flach, dann geht es ohne Unterlass abwärts. Nur an wenigen Stellen, an denen der Weg 8 abgerutscht ist, muss man kurz absteigen. Es sind sage und schreibe gute 1300 Höhenmeter feinster Singletrail bis hinab ins Pflerschtal. Kurz vor dem Talgrund wird es im Wald etwas verblockter. Hier nicht zu früh auf die Forststraße wechseln, sondern dem Track folgen. Es folgt zum Abschluss noch ein kleiner Leckerbissen. Der Wandersteig in Richtung Innerpflersch ist zunächst fein geschottert und stößt dann auf eine Straße. Wir denken, das war's für heute - doch weit gefehlt. In der Wiese vor uns schlängelt sich ein Trampelpfad entlang. Unser Gefühl sagt uns: den fahren wir. Wir werden nicht enttäuscht. Passend zum Abschluss dieser Traumabfahrt spuckt uns der Trail nach ein paar ruppigen Abschnitten mit einigen finalen Spitzkehren im Talgrund aus. Ganz in der Nähe des Hotels Feuerstein, dass so einladend daliegt, dass wir nach Quartier fragen. Kein Problem in der Nachsaison. Wir checken zu einem fairen Preis ein. Ein feiner Wellness-Bereich zeigt uns, dass wir wieder in der Zivilisation angekommen sind.
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4. Tag: Ridnauer Höhenweg
Am Morgen sind wir total relaxt, wir lassen es etwas ruhiger angehen. Unser Tagesziel ist heute das Ridnauntal. Das ist nicht weit. "Ruhetag" wäre vielleicht doch nicht ganz der richtige Ausdruck für die heutige Tagesetappe. Die Anstiege fallen moderater aus. Eine Schiebepassage wird nicht ausbleiben - wir wollen ja nicht aus der Übung kommen. Zunächst rollen wir ein paar hundert Meter talauswärts, passieren Innerpflersch und biegen dann auf den Fahrweg in Richtung Ladurns ab. Dieser gewinnt mäßig steil langsam an Höhe und wird bald ein geschotterter Forstweg. Schließlich erreichen wir die freien Flächen des kleinen Skigebiets Ladurns und überqueren den Abfahrtshang in Richtung Ladurner Hütte.

Im Wald beginnt dann ein schöner Trail, der Dolomieu-Weg. Dieser Wanderweg ist neu angelegt worden und verbindet das Ridnauntal mit dem Pflerschtal. Die Namensgebung ehrt den Geologen Déodat de Dolomieu, dessen Gesteinsbestimmungen den Dolomiten ihre Bezeichnung beschert hat. Wir nehmen den neuen Weg dankbar an, beschert er uns doch eine interessante Variante in Richtung Rosskopf und Ridnauntal. Er beginnt als flowiger Trail, der später nach Passieren einer Geröllrinne zumindest in der von uns gewählten Richtung nicht mehr komplett fahrbar ist, da zu steil. Mit Gegenverkehr von Wanderern ist insbesondere am Wochenende zu rechnen. Bleibt zu hoffen, dass mit der entsprechenden Rücksichtnahme und einem freundlichen "Hallo" auf den Lippen der Mountainbiker hier keine Konflikte mit Wanderern entstehen. Zumal sich der Biker auf einigen Höhenmetern vor der Vallmingalm sowieso als Wanderer betätigen muss.

Wir tun das gerne, denn der Trail ist es wert. Der Weg ist so angelegt, dass man eindrucksvolle Panoramen vor Augen hat. Diverse Schautafeln erklären die umliegende Bergwelt und informieren über geologische Besonderheiten der Gegend. Schließlich erreichen wir einen Forstweg und genießen die leichte Abfahrt bis zur Vallmingalm. Dieser Rastplatz ist unter Umständen sehr gut besucht, da er selbst für Sandalenwanderer vom Rosskopflift her leicht zu erreichen ist. So auch heute, wir füllen unsere Trinkflaschen auf und fahren gleich weiter. Es folgt noch ein Anstieg in Richtung Rosskopf, der zum Schluss mit einer kurzen Schiebepassage endet. Auf dem Plateau oberhalb von Sterzing ist ein Riesentrubel, irgendein Verein veranstaltet wohl ein Fest. Wir sehen zu, dass wir Land gewinnen. Einsame Trails sind uns lieber.

Bis zur Kuhalm folgen wir dem Verlauf des Ridnauer Höhenwegs. Der liegt oberhalb der Baumgrenze. Wir haben also freie Sicht auf die Bergketten rings um uns her. Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, das Panorama ist grandios - diese Transalp gehört landschaftlich zu den eindrucksvollsten im hochalpinen Raum. Nach der Kuhalm ist uns der weitere Weg im Großen und Ganzen klar. Der Teufel steckt im Detail. Beim Feintuning helfen uns zunächst weder Karten noch GPS so richtig weiter. Klar ist uns nur, dass wir so wenig Höhe wie möglich verlieren wollen, da wir am Ende des Ridnauntals ankommen wollen. Wir fragen ein paar wandernde Mädels, die von ihrer Ausrüstung her so aussehen, als ob sie sich auskennen sollten. Das scheint auch so zu sein, denn die eine erzählt was von einem mittleren Höhenweg. Auf der Karte ist da auch was eingezeichnet, das dem entsprechen könnte.

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Wir fahren also ab in Richtung Freundalm, passieren diese und landen an einem Wegekreuz. Ein breiter Forstweg scheint uns auf den richtigen Weg in Richtung Ridnaun zu führen. Pustekuchen - der endet unvermittelt im Wald. Nicht mal als Pfad geht er weiter. Also zurück. Ein verstecktes Schildchen bringt uns auf die richtige Spur. Verwittert weist der Wegweiser nach Ridnaun. Aber noch sind wir unsicher, denn der Pfad verläuft kaum sichtbar und sehr steil eine Wiese hinunter. Bei Regen wäre das eine schöne Rutschpartie. Außerdem wollen wir ja nicht soviel an Höhe verlieren. Wir fahren also langsam hinab, nur keinen Abzweig verpassen. Der kommt auch bald und ist wirklich kaum zu erkennen. Der Trail geht direkt ins Gebüsch und überquert einen Bach, der in einer Rinne zu Tal fließt. Danach müssen wir noch drei Mal ähnliche Wasserrinnen überqueren. Das sind jedes Mal kurze Schiebepassagen. Der Weg ist aber schön abwechslungsreich, mal trailig, mal als Forstweg. Auf jeden Fall erreichen wir ohne großes Auf und Ab schließlich den Talgrund, überqueren den Fernerbach und sind auch schon an unserem Tagesziel, dem "Gassenhof". Das ist, wie unsere Unterkunft gestern auch, ein feines Wellness-Hotel. Appi kennt den Wirt gut. Wir genießen das gepflegte Ambiente, entspannen uns in der Sauna und sammeln Kräfte für die Trails in großer Höhe, die in den folgenden Tagen noch auf uns warten.

Hinweis: die Variante über die Maurerscharte wird im Buch beschrieben (Autor: Carsten Schymik)
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5. Tag: Schneebergscharte
Mit der Schneebergscharte habe ich noch eine Rechnung offen. Eine meiner ersten Transalps führte mich im Jahre 1996 schon einmal dorthin. Die Überquerung endete damals beinahe im Fiasko, da mein damaliger Begleiter seine Kräfte offensichtlich unterschätzt hatte und ca. 200 Höhenmeter unterhalb der Passhöhe schlappmachte. Mir blieb seinerzeit nichts anderes übrig, als nacheinander beide Bikes hochzuschleppen, was mich schließlich auch an die Grenze meiner Leistungsfähigkeit brachte. Erst gegen 17 Uhr waren wir oben. Zum Glück war das Wetter gut und wir konnten noch sicher ins Tal abfahren. Das war mir zumindest eine große Lehre. Ich lernte dadurch recht genau abzuschätzen und vor allem darauf zu achten, was in der verbleibenden Zeit des Tages noch realistisch geht und was nicht.

Heute sieht das natürlich ganz anders aus. Auch wenn die Jahre nicht spurlos an mir vorübergegangen sind, haben mein Geist und mein Körper weitaus mehr Erfahrungen in sich, wie sie mit den Belastungen umgehen müssen.

Vom "Gassenhof" aus fahren wir nach dem reichhaltigen Frühstück ein kleines Stück auf dem Weg von gestern zurück, wechseln dann kurz auf die Straße und biegen dann bald links ab auf den alten Erzweg. Nahezu höhengleich verläuft der als ideale Einrollstrecke bis zum Talschluss am Schaubergwerk in Maiern. Hier sieht man die alten Anlagen zur Erzgewinnung am Schneeberg, die für die Nachwelt erhalten werden sollen. Erst im Jahre 1967 wurde hier nach über 800 Jahren der Bergbau beendet. Zur Blütezeit im Mittelalter arbeiteten mehr als 1000 Knappen am und im Berg unter unvorstellbar schweren Bedingungen. Vor allem der Abbau von Silber brachte damals der Region ziemlichen Wohlstand. Die Wege, auf denen wir am heutigen Tage fahren werden, verdanken also ihre Entstehung der intensiven wirtschaftlichen Nutzung und sind nicht, wie so oft in Tirol, militärischen Hirngespinsten entsprungen.

Der Weg 28 beginnt in Maiern als Fahrstraße mit einem Steilstück. Bald wird daraus ein guter Forstweg, der sich gemächlich im Lazzacher Tal bis zur Poschalm hinzieht. Hier lädt die Moarerberghütte zur Rast ein. Ich habe mit Spiegeleiern und Speck schon an der Pflerscher Scharte gute Erfahrungen gemacht und genehmige mir eine ordentliche Portion. Es sind noch einige andere Mountainbiker zu sehen, aber als Appi und ich schließlich aufbrechen, sind wir die einzigen, die sich auf den Weg zur Schneebergscharte machen. Knapp 600 Höhenmeter liegen vor uns, fast alles zu schieben, selten zu tragen. Ich erinnere mich noch gut an die Plateaus, die den Aufstieg recht gut gliedern. Wir verschnaufen dort jedes Mal kurz. Am Kaindl-Stollen beginnt dann das letzte Steilstück. In einigen Serpentinen geht es nach oben. Wir kommen gut voran und sind zeitiger oben als gedacht. Ich kann endlich meine schlechten Erinnerungen aus dem Jahr 1996 mit den guten von dieser Bezwingung der Schneebergscharte überschreiben.

Unterschätzen sollte man diesen Passübergang allerdings nicht. Die Scharte liegt gut 2700 m hoch, nach schneereichen Wintern liegt hier unter Umständen noch bis weit in den Juli hinein Schnee. Schneefelder zu überqueren ist bei steilem Geländes sehr gefährlich. Die Serpentinen des Weges nützen einem dann gar nichts, wenn sie bedeckt sind. Das will also gut überlegt sein. Wir finden am heutigen Septembertag nicht eine Krume Schnee auf dem Weg und stürzen uns nach gebührender Würdigung des Panoramas am Pass voll Freude in den Trail. Er ist praktisch von ganz oben fahrbar und führt durch die Schutthalden, die der Bergbau hinterlassen hat, zum Schneeberghaus. Das Haus war früher das Verwaltungsgebäude in der Knappensiedlung St. Martin und wird heute als Schutzhütte und Teil des Erlebnisbergwerkes genutzt.

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Wir legen eine kleine Rast ein. Die Terrasse liegt angenehm in der Sonne. Wir schauen nochmals in die Landkarte. Im wesentlichen wollen wir dem Weg 31 folgen. Doch gleich nach dem Schneeberghaus schauen wir uns den alternativen Trail an, der neben der alten Schrägförderanlage verläuft, die gerade restauriert wird. Wir sehen uns an, klar, den probieren wir aus. Unter uns sind die Reste des Seemoos-Sees zu sehen. Enge, spitzwinklige Kehren und Absätze garantieren nur demjenigen Fahrspaß, der damit umzugehen weiß. Für mich sind einige der Absätze eine Nummer zu groß. Ich steige lieber ab, Appi ist heute besser drauf und fährt fast komplett bis unten durch. Am Gebäude fahren wir links vorbei und dann halten wir uns rechts, bis wir auf den Weg 31 stoßen. Auf diesem bleiben wir fast bis zur Timmelsjochstraße. Nur die letzten paar Dutzend Meter ersparen wir uns und nehmen die breite Forststraße. An der Hauptstraße des Passeiertals angekommen, rollen wir aus Mangel an geeigneten Alternativen erst einmal bergab. Die auf der Karte verlockend aussehende Fortführung des Wegs 31 auf die andere Talseite erweist sich als Sackgasse. Wir befragen eine einheimische Bäuerin. Die gibt uns den Rat, es gar nicht erst zu versuchen, der Nachbar dulde auf keinen Fall das Passieren seines Grundstücks. Wir finden das nicht weiter tragisch, denn für heute haben wir genug Trail gehabt und außerdem wartet noch der Anstieg nach Pfelders auf uns, wo wir uns eine Unterkunft suchen wollen.

Sämtliche Höhenmeter wollen wir natürlich nicht auf der Straße vernichten. Nach ca. 2,5 Kilometer bergab zweigt nach rechts ein Sträßchen ab, gleichzeitig versehen mit einem Wegweiser nach Moos in Passeier. Der Weg 26 führt dann als Schotterweg an der Passer entlang. Wir haben eine schöne Alternative zur Straße gefunden. Geschwind sind wir in Moos. Bis nach Pfelders liegen noch gut 600 Höhenmeter Auffahrt vor uns. Das wird auf der kaum befahrenen Nebenstrecke ca. anderthalb Stunden dauern. Wir stärken uns mit Specksemmeln, füllen unsere Trinkflaschen auf und los geht es. Kurz nach der Brücke zweigt rechts die Nebenstrecke ab, die in ihrem Verlauf die meist einzeln liegenden Gehöfte verbindet. Sie hat ein paar steile Abschnitte, die uns schön ins Schwitzen bringen. Schließlich erreichen wir beim Hütterwirt die Hauptstraße und radeln den Rest der Strecke entspannt bis Pfelders. Der Ort hat sich als autofreies Dorf ausgerufen. Die PKW müssen am Ortsanfang stehen bleiben bzw. sich eine Einfahrtsgenehmigung von den jeweiligen Herbergen geben lassen. Uns schert das nicht, wir fahren hinein und fragen bei der ersten gemütlich aussehenden Unterkunft nach einem Schlafplatz für die Nacht. Wir werden sofort fündig, verdrücken noch eine Riesenportion Südtiroler Schlutzkrapfen und ab geht es in die Falle.
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6. Tag: Alternative Route über das Eisjöchl
Hinweis: die Variante über das Spronser Joch wird im Buch beschrieben (Autor: Roland Schymik)

Das Eisjöchl ist ein legendärer Alpenübergang für Mountainbiker. Einerseits mit 2902 m einer der höchsten "fahrbaren" Pässe, andererseits durch die relative Leichtigkeit mit der das Joch erreicht werden kann. Bei meiner schon erwähnten "verunglückten" Alpentour im Jahre 1996 hatte mich das so gewurmt, es auslassen zu müssen, dass ich im September desselben Jahres das Joch noch in einer Solotour bezwungen habe. Sicher einer der Auslöser für meine beginnende Transalp-Leidenschaft, die mein Leben komplett verändern sollte. 1997 war ich dann gleich noch einmal oben. Dann sollten mehr als 10 Jahre vergehen, bis ich wieder dort stehe.

Wir starten in Pfelders am zeitigen Morgen. Es wird ein strahlender Tag. Kein Wölkchen trübt den himmlischen Frieden. Noch ist es frisch. Genau richtig, um gemütlich auf der bequemen Forststraße bis zur Lazinser Alm zu fahren. Ab hier ist der Weg eine alte Militärpiste. Man sieht es deutlich an der gesamten Anlage des Weges, der möglichst extreme Steigungen vermeidet. Die bedauernswerten Soldaten mussten ja eine Menge militärischen Gerümpels mit sich herumschleppen bzw. sogar Geschütze nach oben wuchten. Das geht nun mal nicht durch eine Felswand. Der Zahn der Zeit hat natürlich an der Piste genagt. In jedem Winter liegt der Schnee meterhoch auf der Strecke. Schmelzwasser und starke Regengüsse führen unweigerlich zu Erosionsschäden. Heutzutage wird die wichtige Wanderstrecke instand gehalten. Weiter oben werden wir Arbeiter treffen, die die Trasse ausbessern.

In manchen Beschreibungen liest man, dass die 1000 Höhenmeter von der Lazinser Alm bis zum Eisjöchl fast komplett fahrbar sein sollen. Das mag für den einen oder anderen zutreffen, die ohne schweren Rucksack unterwegs sind und das vielleicht auf einer Tagestour versuchen. Die übergroße Mehrheit wird das nicht schaffen, schon gar nicht auf einer Transalp, bei der man einiges an Gepäck auf dem Rücken zu tragen hat. Dazu kommt noch, dass alle paar Meter Steinplatten senkrecht in den Untergrund eingelassen sind, um den Weg nicht zum Sturzbach während der Schneeschmelze oder bei Regenfällen werden zu lassen. Da wäre er bald dahin.

Man müsste ständig das Vorder- und Hinterrad anlupfen, um nicht mit dem Kettenblatt aufzusetzen. Den Kräfteverschleiß kann man sich ausmalen. Wir schieben also gemütlich bergauf und sind sogar schneller als die meisten Wanderer. In gut zwei Stunden sind wir an der Stettiner Hütte, die nur einen Steinwurf vom Eisjöchl entfernt in der Sonne liegt. Es ist heute erstaunlich warm hier oben, ich muss nicht mal eine leichte Jacke überziehen. In der Senke vor dem Joch liegt überhaupt kein Schnee. Ich sehe zum ersten Mal den Weg komplett vor mir liegen. Auf der überfüllten Terrasse machen wir frühe Mittagsrast, lassen sie aber kurz ausfallen, damit wir nicht einrosten vor einer der Traumabfahrten für Mountainbiker in den Alpen. Sie ist eine der schönsten und längsten in diesem Teil der Alpen. Das einzige Manko ist, dass an schönen Tagen wie heute viele Wanderer unterwegs sind, die durchs Schnalstal bis zum Parkplatz Jägerrast im Pfossental mit dem Auto fahren und sich dann auf den Weg machen. Zum Glück bleiben die meisten an den Eishöfen hängen. Da ist heute ein Trubel, dass man meint, Hansi Hinterseer will ein Livekonzert geben.

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Appi und ich haben nicht vor, die Höhenmeter ins Vinschgau alle auf der Asphaltstraße zu vernichten. Deshalb nehmen wir uns Zeit, die Alternativen zu erkunden. Nach der Jägerrast zweigt der Weg 24 ab, der als Meraner Höhenweg ausgewiesen ist. Er kommt unserer Vorstellung von einer Trailabfahrt entgegen. Es finden sich zwar ein paar verblockte Stellen, aber Wanderer kommen uns nicht in die Quere, sie sind alle weiter oben beschäftigt. Bei Nassreid müssen wir dann doch auf die Straße wechseln. Kurz nach dem Tumlhof stoßen wir auf die Schnalstalstraße, die wir kurzerhand hinab rollen. Zwischen Neurateis und Altrateis verlassen wir die Straße wieder und fahren auf dem Wanderweg 3 weiter, in Richtung Burg Juval. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das Befahren so seine Richtigkeit hat und frage deshalb einen Bauern, der auf der Wiese steht. Der meint: "Das passt scho." Wir sind deshalb einigermaßen beruhigt. Der Weg schlängelt sich an der Bergflanke entlang, ist teilweise richtig schmal, bis sich herausstellt, dass es ein Waalweg ist. Das Wasser wird teils ober- und teils unterirdisch zur Bewässerung in die tieferen Lagen geleitet.

Das ist natürlich eine heikle Sache. Aus gewöhnlich gut informierten Kreisen hatte ich zwar vernommen, dass es in Italien keine gesetzliche Regelungen gäbe, die das Radfahren einschränken. Das Problem ist aber mehr oder weniger latent vorhanden und tritt vor allem dann auf, wenn Massenphänomene entstehen. Im Zweifel also lieber einmal zuviel absteigen und Rücksicht nehmen, Rücksicht nehmen, Rücksicht nehmen!

Wir kommen gut durch, müssen uns aber konzentrieren, da es links teilweise steil den Hang hinab geht. Dann erreichen wir offenes Gelände und Juval, die Privatburg des Herrn Messner liegt vor uns. Ein Bild wie auf einer Postkarte, fast schon ein wenig kitschig. Wir verzichten auf den Besuch des Messner-Mountain-Museums und beschäftigen uns damit, den rechten Weg hinab in den Vinschgau, zur Etsch zu finden. Ein Pfad führt direkt an der Burg Juval vorbei und scheint ein uralter Karrenweg zu sein, der uns zum Sonnenhof führt. Hier wechseln wir auf den Weg 1 nach Staben, der als ordentliche Rüttelpiste bis in das kleine Örtchen in der Nähe von Naturns führt. Direkt am Bahnhof spuckt uns der Trail aus. Auf dem Vinschgau-Radweg radelt es sich dann zum Abschluss bequem und entspannt bis nach Meran.
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Aternativer Abschluss: Goldseetrail
Hier noch einmal der ausdrückliche Hinweis: Momentan ist dieser Weg offiziell für Mountainbiker gesperrt. Bitte die aktuelle Situation beachten. Es ist aus unserer Sicht wichtig, dass dieser Trail trotzdem dokumentiert wird. Ständiges Zurückweichen bei Wegeverboten bringt auf Dauer gar nichts.
Wir starten um 8 Uhr mit einem von Siegis Bikeshuttles. Spätestens um 9 Uhr wollen wir am Stilfser Joch sein und in den Goldseetrail einsteigen. Warum so früh? Der Grund ist ein einfacher. Der Goldseetrail ist ein phantastischer Singletrail, der in seiner ganzen Länge von der Drei-Sprachen-Spitze bis hinunter nach Glurns ca. 30 km lang ist. Man sollte ihn befahren, bevor die Wanderer auftauchen, die von Trafoi aus mit der Seilbahn zur Furkelhütte hinauffahren. Nach Siegis Erfahrung geht das so ab 10.30 Uhr los. Dann sollte man durch sein, sonst sind Konflikte auf dem schmalen Trail vorprogrammiert. Das heißt, man muss spätestens um 9 Uhr am Stilfser Joch starten. Das klappt auf die Minute genau.

Siegi lässt am steilen Weg hinauf zur Drei-Sprachen-Spitze schon mal sein Können aufblitzen. Er gehört zu den ersten Mountainbikern in Südtirol, die die Sache professionell angingen und ist einer der ersten lizenzierten Mountainbikeguides, der die anspruchsvolle Südtiroler Ausbildung erfolgreich absolviert hat. Viel tut Siegi für die Akzeptanz des Mountainbiketourismus im Vinschgau. Bisher dominieren in den Köpfen der Tourismusstrategen meist die Wanderer, die zu großen Teilen aus Deutschland kommen und willig ihr Geld im prosperierenden Land lassen. Viel Geld hat man in diverse Projekte gesteckt (davon ganz sicher einiges an EU-Fördermitteln) wie z.B. das Internetportal für Wanderer: www.trekking.suedtirol.info

Dort kann man sich die digital aufbereiteten Wanderwege zu einer Tour zusammenstellen und u.a. als GPS-Track ausgeben lassen. Ein Heidenaufwand, aber sehr professionell gemacht. Man kann sich derzeit leider nur wünschen, dass die Zielgruppe "mountainbikende Urlauber" ebenso professionell umsorgt werden würde. Im Trail zeigt Siegi sich als wahre "Bergziege". Scheinbar mühelos fährt er sowohl bergauf als auch bergab Trails, die für Normalsterbliche unvorstellbar scheinen. Ich habe also etwas Mühe an ihm dranzubleiben, Appi ist ihm dichter auf den Fersen. Ich kaschiere meinen Bedarf an kurzen Stopps mit der Begründung, Fotos machen zu wollen. Das ist auch nicht ganz unbegründet, denn ein spektakulärer Aussichtspunkt jagt den anderen. Der Goldseetrail verläuft über mehr als 20 km oberhalb der Baumgrenze und ständig hat man den höchsten Berg Südtirols im Blickfeld, den Ortler mit 3902 m Seehöhe. Da fällt es schwer, einfach durchzufahren, zumal man sich beim Fahren schon konzentrieren muss. Es gibt zwar nur wenige wirklich ausgesetzte Stellen, aber einfach so rollen geht auch nicht. Der Trail ist schmal und verläuft zu weiten Teilen durch die Geröllfelder, die sich durch die Erosion der Gesteinsmassen gebildet haben. Der natürliche Neigungswinkel der entstandenen Geröllhalden ist halt so, wie es die Natur vorgibt - zwischen 30 und 50% Gefälle. Ein Abrutschen hätte eine schöne Schotterflechte zur Folge. Einen Fotostopp wird man auf jeden Fall am Goldsee einlegen. Auch hier finden sich, wie im gesamten Gebiet rund um das Stilfser Joch, Überreste militärischer Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg.

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Nachdenklich machen wir uns auf den Weg. Durch das Zusammenwachsen Europas glauben viele, dass kriegerische Auseinandersetzungen auf unserem Kontinent wohl nicht mehr möglich sind. Unter der Oberfläche schwelen aber in vielen Regionen nach wie vor Konflikte. Wenn man bedenkt, dass in Südtirol noch in den 1960er Jahren Anschläge verübt wurden, die seitens Rom mit deutlich repressiven Maßnahmen beantwortet wurden, wird einem klar, dass die Volksseele viele Überraschungen, auch unangenehmer Art, bereit hält. Nach meiner Auffassung liegt das vor allem an Vorurteilen, die sich dann bilden, wenn man vom anderen nichts aus erster Hand weiß. Wer in fremden Gefilden auf Hilfe und Unterstützung angewiesen ist und auf die Einheimischen zugeht, der wird in den seltensten Fällen Zurückweisung erfahren. Das ist zumindest meine Erfahrung, die ich während meiner zahlreichen Transalptouren gemacht habe.

Es wird Zeit, dass wir die Furkelhütte erreichen. Kurz davor treffen wir die ersten Wanderer. Da wird es schon eng auf dem Trail. Wir verschieben deshalb die Rast auf dem gewiss großartigen Aussichtsbalkon der Hütte zum Ortler hin und fahren auf dem Almweg weiter zur Stilfser Alm. Unterwegs treffen wir Arbeiter des Nationalparks, die Wege instand halten. Zunächst schauen sie etwas unwirsch. Siegi kennen sie jedoch und er verwickelt sie in ein Gespräch. Dabei schaltet er auf Südtiroler Dialekt um. Durch die vielen gemeinsam Touren mit Appi, der als Nordtiroler ja ähnlich spricht, kriege ich doch einiges mit und höre, dass langsam begriffen wird, dass Mountainbiker doch wohl weniger Schaden an den Trails anrichten, als zum Beispiel heftige Regengüsse oder extensive Weidewirtschaft.

Wie dem auch sei, wir freuen uns jedenfalls über die Linienführung des Trails, der u.a. auch auf Siegis Anregungen hin so gestaltet wird und auf den vorzüglichen Kaiserschmarren, den uns Siegi an der Stilfser Alm avisiert. Obwohl ich eigentlich kein Freund von Süßspeisen um die Mittagszeit bin, lange ich ordentlich zu und bin dicke satt von der gehaltvollen Mahlzeit. Die Essenspause haben wir auch nötig. Schließlich ist es nicht so, dass der Goldseetrail, so wie ihn Siegi fährt, nur bergab verläuft. Kürzere und längere Gegenanstiege summieren sich im Laufe der Tour zu rund 600 Höhenmeter im Anstieg seit dem Start am Stilfser Joch. Wir sind froh, dass wir dorthin mit dem Shuttlebus gefahren sind.

Das schöne am Goldseetrail ist auch, dass man an vielen Stellen abzweigen und früher ins Tal abfahren kann, wenn man keine Lust mehr hat oder sich das Wetter verschlechtert. Diese Gefahr besteht heute für uns nicht. Wir fahren ihn bis zum Ende durch. An der Tschageiner Hütte spendiert Siegi auf die Tour einen kleinen Prosecco - wir prosten uns zu und bedanken uns bei ihm für die schöne Tour. Er winkt lachend ab und sagt, nein, zu Ende ist die Tour noch nicht. Erst bei der Glurnser Alm unterschreiten wir die 2000-Meter-Höhenmarke und jetzt geht es wirklich nur noch abwärts. Ein letzter Trail statt der Forstautobahn - bis hinunter nach Glurns vernichten wir rund 1000 Höhenmeter. Das Grinsen will nicht aus den Gesichtszügen weichen. Das mittelalterliche Städtchen ist ein schöner Endpunkt dieser außergewöhnlichen Transalp. Danke, Siegi! Noch einen Cappuccino auf dem Marktplatz inmitten von Herden von Radlern aller Art. Dann wartet nur noch ein kurzer Anstieg nach Mals auf uns. Auch den werden wir noch schaffen.
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Fazit:
Das war mal eine Transalp der etwas anderen Art. Bisher habe ich ja mehr Wert auf weitgehende Fahrbarkeit der Strecken gelegt. Ich gebe auch gerne zu, dass ich am Anfang etwas skeptisch war, als mir Appi seinen Plan dieser Transalp skizzierte. Aber warum nicht einmal etwas Neues ausprobieren? Schließlich hat sich sowohl die Biketechnik als auch meine Fahrtechnik weiterentwickelt, so dass ich solche Trails mit Genuss fahren kann.

Lieber Appi! Danke für die wunderbare gemeinsame Transalp. Das war eine runde Sache. Das auch noch das Wetter so mitgespielt hat, setzte dem Gipfel des Glücks noch eine Krone auf.
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