| Strecke | Gries am Brenner - Flatschjoch - Pfunderer Joch - Brixen - Latzfonser Kreuz - Ritten - Bozen - Kohlern - Deutschnofen - Jochgrimm - Kugeljoch - Cavalese - Passo Sadole - Refavaie - Passo Cinque Croci - Val Sugana - Rif. Barricata - Sette Comuni - Luserna - Passo Coe - Posina - Colle Xomo - Pasubio - Rovereto - Torbole | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Länge | 429km | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Höhenmeter | 15.069 hm | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Termin | 2011 | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Etappen (7) |
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| Landkarten |
Kompass:
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Gardasee,
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358 Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4 Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Tourplanung | Andreas Albrecht | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Tourführung | Andreas Albrecht | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Teilnehmer | Dirk Kersken, teilweise |
| Prolog |
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Das war nun mal wieder eine ziemliche Hammertour. Gezielt bin ich Pässe und Regionen angegangen, die ich entweder noch nicht befahren habe oder die ich nach langer Zeit wieder sehen wollte. Herausgekommen ist diese schöne, aber schwere Transalp. Sie lässt sich allerdings recht leicht entschärfen, in dem man einzelne Etappen auslässt und im Tal weiterfährt. Je nach Lust und Laune, und natürlich auch nach Wetter. Ich konnte die Tour in diesem durchwachsenen Sommer auch nicht am Stück durchfahren, einen Wettersturz mit Schnee bis in tiefe Lagen habe ich in bewährter Manier einfach ausgesessen.
Das bescherte mir zum Ausgleich dann drei Tage mit einer klaren Sicht in den Alpen, die teilweise weit über 100 km weit reichte.
Ansonsten habe ich in die Transalp alles reingepackt, was mich so interessiert hat. Beim Kugeljoch (dem Übergang von Südtirol ins Fleimstal - siehe 4. Tag) bin ich durchs Kartenstudium draufgestoßen - ich hatte vorher noch nie darüber gelesen. Und es war ein Volltreffer, insbesondere in Verbindung mit der Anfahrt von Kohlern aus. Manchmal ist eine Streckenidee durch Kartenstudium natürlich auch großer Murks. So dachte ich am Anfang, dass der Weg zum Latzfonser Kreuz (3.Tag) über die Schalderer Scharte (bei Brixen) gehen könnte. Auf der Karte sah das ganz gut aus. Ich bin dann mal an einem freien Wochenende ins Tal reingefahren. Vollkommen sinnfrei. Im Tal siehst du nichts als Wald, alles bocksteil und zum Schluss müsste man mindestens 400 hm schieben/tragen. Das sollen die Heckmair-Jünger machen - ich nicht. So habe ich mich auf meine Intuition verlassen und bin dann über Brixen und Klausner Hütte hoch. Leicht ist das auch nicht, aber bei guter Sicht und die hatten wir an dem Tag, liegt das ganze Panorama der Dolomiten vor einem ausgebreitet.
Manchmal wird mir schon ein wenig unheimlich, weil ich so ein Gefühl habe, dass mich die schönen Wege irgendwie magisch anziehen. Ich schau mir das Gelände an und denke: hmm, dort muss doch was gehen. Und dann geht da auch noch was - einfach ein tolles Erlebnis!
Traumtag am Pasubio |
| 1. Tag: Flatschjoch - Brennermäuerl | |||||||||
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Aus Erfahrung weiß ich, dass der scharfe Start für eine Transalp durch die Dolomiten nicht in Deutschland erfolgen sollte, wenn man 6 bis 7 Tourtage einplant. Ansonsten bekommt man im letzten Abschnitt arge Zeitprobleme, falls man pro Tag rund 1500 bis knapp über 2000 Höhenmeter bewältigen möchte. Der Satz stammt von der Transalp Dolomiti 1 und trifft in besonderem Maße auch für diese Tour zu.
Diesmal habe ich als Startetappe den eher selten bei einer Transalp gefahrenen Übergang über das Flatschjoch gewählt. Danach war das Pfunderer Joch geplant. Beide Übergänge an einem Tag zu machen, hatte ich nicht vor. Deshalb gab es als Aufgalopp den netten Anstieg zur Sattelbergalm mit nachfolgendem Trail direkt hinunter zum Brenner. Man kommt dabei direkt an der Eisackquelle heraus. Beim Einstieg zum Flatschjoch muss man schon zweimal hingucken, denn es geht zunächst über die Einfahrt zur Autobahn. Ich konnte es erst auch nicht glauben und bin vorher bei der ersten Recherche mit dem Auto zum Gasthaus Wolf gefahren. Der Wirt hat mir dann erzählt, dass die Zufahrt zu ihm auch mit dem Rad erlaubt sei, nur ein Extraschild habe man halt nicht aufgestellt. Eine kleine Stärkung im Gasthaus ist keine schlechte Idee, denn danach ist man im touristischen Niemandsland. Parallel zur Grenze zwischen Süd- und Nordtirol mäandert dann die alte Militärpiste hinauf zum Flatschjoch. Die Einheimischen nennen den Übergang ins Pfitschtal Brennermäuerl, der italienische Name ist Passo Vallaccia. In Südtirol ist gerade ein harter Kampf darüber entbrannt, wie man nun die Wegeschilder gestaltet - mit den deutschen oder italienischen Bezeichnungen oder beiden. Oft sieht man mit Filzstift drübergemalt die italienische Bezeichnung, an einem anderen Schild hat jemand versucht, diese wieder wegzuwischen. Das trägt schon paranoide Züge. Ich schmunzle darüber; mir ist das egal, ich komme mit allen Varianten klar. Das lenkt allerdings nicht von der Tatsache ab, dass die Auffahrt zum Flatschjoch (das ist nun meine Bezeichnung) eine von der härteren Sorte ist. Das in der Nähe liegende und bekanntere Schlüsseljoch ist dagegen eher ein Spaziergang. Die Abfahrt hingegen ist dann ein Trailleckerbissen. Ich war bei der Befahrung leider alleine unterwegs. In diesen Fällen habe ich immer ein wenig Schiss, dass ich bei einem Sturz im Gelände liegen bleibe und mich nur die Wölfe finden. Insofern bin ich lieber einmal zu viel als zu wenig abgestiegen. Der Trail ist allerdings maximal S2, also durchaus und mit Freude für manche komplett fahrbar. Bei der Abfahrt kommt man dann bei der Grubberg-Hütte raus. Die ist urig, ich brezele mich in die Abendsonne und nehme etwas zu mir. Man kann hier auch übernachten, es hat allerdings kein warmes Wasser und schon gar keine Dusche. Danach steht mir nicht der Sinn - bin halt ein Warmduscher. Übernachtung suche ich mir dann unten im Tal und werde fündig in Kematen im Gasthof Alpenrose. Da spuckt mich der Trail sowieso aus. |
| 2. Tag: Pfunderer Joch | |||
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Das kenne ich schon, fahre aber immer wieder gern hinüber, auch wenn es zäh ist. Ist auch ein Übergang bei meiner Transalp München-Venedig.
An einem Traumtag wie diesem ist das Pfunderer Joch einer der schönsten Übergänge in den Alpen, die für Mountainbiker geeignet sind.
Die alte Militärpiste windet sich nach der Überquerung des Wildbaches über eine verfallene Brücke in Serpentinen zum Pfunderer Joch auf 2568 m. Vom Hörensagen weiß ich, dass es einige Leute gibt, die hier schon komplett gefahren sind. Das halte ich für realistisch, wenn der Untergrund wie heute recht griffig ist. Das schönste am Pfunderer Joch ist, dass der Pass von ganz oben zunächst komplett fahrbar ist. Im Hintergrund sieht man die Gletscher am Hochfeiler, vor mir breitet sich eine sanfte Hochebene aus. Hinab zur Weitenbergalm folgt ein etwas anspruchsvollerer Trail, der mit einigen Spitzkehren gewürzt ist.
Die Alm ist ein schöner Rastpunkt. Der weitere Weg hinab ins Pustertal ist einfach. Bis nach Dun führt ein grober Schotterweg, der schnell an Höhe verliert. Von Weitental hinab ins Pustertal gibt es keine sinnvolle Alternative als die normale Teerstraße. In Niedervintl erreicht man den Pustertaler Radweg. Rechts, also talauswärts geht es easy dahin bis kurz hinter Schabs. Dort gibt es noch einen kleinen leckeren Trail hinunter ins Riggertal. Der Einstieg ist etwas versteckt und befindet sich direkt neben dem Betriebsgelände eines Bauhofs. Hat man den Trail glücklich geschafft, rollt man am Kloster Neustift vorbei nach Brixen. Hier gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten, ich ziehe es aber vor, noch ein wenig Höhenmeter dranzuhängen. Morgen wird wieder ein sehr harter Tag. Ich habe nur noch Lust bis zum Wöhrmaurer, der liegt gut 300 Höhenmeter oberhalb von Brixen. Der junge Chef Peter ist im Nebenjob Bikeguide, kennt sich also bestens aus und kann im Notfall auch mit Reparaturen behilflich sein. Da beschließe ich gerne die heutige Etappe. Am Abend gesellt sich mein Bikefreund Dirk zu mir. Er liebt steile Rampen, da ist er morgen genau richtig. Hinweis: Wenn man nicht übers Pfunderer Joch fährt, sondern die nachfolgend beschriebene Alternative, ist es dringend zu empfehlen, noch so weit als möglich hinauf zu fahren. Wer es schafft, vielleicht bis zur Klausner Hütte. Das ist eine Alpenvereinshütte der Sektion Bozen. Alternative: Wenn am Flatschjoch noch Schneefelder liegen sollten, ist am Pfunderer Joch kein Durchkommen. Da bleibt als Alternative der Weg hinab nach Sterzing und durchs Eisacktal auf dem Radweg bis Franzensfeste. Hinter Mittewald (ital. "Mezzaselva") empfiehlt es sich, den Radweg kurzzeitig zu verlassen. Die Architekten des ansonsten gut trassierten Radwegs haben es sich hier nicht nehmen lassen, nach der sanft geschwungenen Radbrücke ein paar heftige und recht unnütze Rampen einzubauen. Das kann man leicht umgehen, in dem man das kurze Stück zwischen Mittewald und Franzensfeste auf dem breiten Seitenstreifen der alten Bundesstraße (die neue führt durch einen Tunnel) bergab rollt und an den ersten Häusern wieder auf den Radweg gelangt. Von Franzensfeste verläuft der Radweg weiter über Vahrn hinab nach Brixen. Dort stößt man wieder auf die Hauptroute, die vom Pfunderer Joch kommt. |
| 3. Tag: Hammerauffahrt zum Latzfonser Kreuz | |||||||||
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Mit der heutigen Auffahrt hat sich diese Transalp den Namen Dolomiti 2 verdient, auch wenn es zunächst in die Sarnthaler Alpen geht. Bei der Auffahrt zum Latzfonser Kreuz breitet sich das Panorama der Dolomiten voll vor uns aus. Da freut man sich, wenn man einen klaren Tag erwischt wie heute. Außerdem werde ich heute Abend noch dorthin kommen.
Meine latent ausgeprägte Teerphobie verleitet mich dazu, soweit als möglich auf Schotterwegen zu fahren. Dirk ist bei steilen Rampen der, der zuletzt absteigt, kein Wunder bei seinem auf leicht getrimmtem Cannondale. Ich mag das Rad von ihm gar nicht anheben, es sind deutlich weniger als 8 kg. Außerdem fährt er ohne Rucksack, da er "nur" eine Tagestour mitmacht, ansonsten hat er Urlaub mit der Familie. Da muss er schon das eine oder andere Mal auf mich warten. Über Schnauders, Garner Wetterkreuz und Kühhof kämpfen wir uns hoch zur Klausner Hütte. Bei dem Prachttag heute ist die Terrasse proppenvoll. Wir müssen aber etwas essen und lassen uns hier nieder. Ich brauche etwas Deftiges und bestelle Eier mit Speck und Bratkartoffeln. Das dauert seine Zeit und dann bringt mir die Bedienung eine Speckplatte - da ist was schief gelaufen. Nein, das reicht nicht - ich brauche etwas Warmes im Bauch, auch wenn ich nicht unbedingt der Typ bin, der rummäkelt, wenn es durcheinander geht. Die Bedienung entschuldigt sich viele Male. Ich wiegele ab, weil ich meine Bestellung vielleicht auch nicht deutlich genug geäußert habe - die Spiegeleier kommen dann pronto. Das war auch gut so. Waren die Rampen bisher zwar steil, aber auch für mich noch im Bereich des Fahrbaren, stößt selbst Dirk nun irgendwann an seine Grenzen, mehr als 30% kann wohl keiner fahren. Die letzten paar Höhenmeter schieben wir dann hinauf zum Latzfonser Kreuz. Da oben steht eine kleine Kirche. Wenn man es weiß, kann man sie tief aus dem Tal von der Brenner-Autobahn her sehen. Daneben gibt es eine Schutzhütte, wo man auch übernachten könnte. Mir würde da aber eher die Stöffl-Hütte vorschweben, unser nächster Punkt, den wir anpeilen. Dort wollen wir Kaffeerast machen. Ein kleiner Trail mit einer kurzen Schiebeeinlage bringt uns zum höchsten Punkt am heutigen Tage auf 2340 m am Jocherer Berg. Das wars dann auch. Flugs sind wir auf der Terrasse der Stöffl-Hütte. Auch hier ist viel los. Wir freuen uns über ein schattiges Plätzchen und schaufeln große Tortenstücke in uns hinein. Das haben wir uns verdient. Dirk verabschiedet sich hier und fährt hinunter nach Klausen ins Familienhotel. Morgen wird er aber wieder dabei sein - wieder ohne Rucksack; ich werd noch verrückt beim Hinterherhecheln. Meine Aufgabe für heute ist es, noch am Rittner Horn vorbei nach Oberbozen zu fahren. Da gibt es dir mir schon bekannte und bewährte Strecke, die wir auch bei der Tiroler Jöchl Transalp gefahren sind. In Oberbozen suche ich mir aber einen anderen Weg hinunter nach Bozen. Ein wenig mehr Trail soll es schon sein. Ich werde fündig, halte mich allerdings trotzdem strikt an die Wegesperrungen für Mountainbiker. Man muss ja kein Porzellan zerschlagen. Was ich finde und erlaubt ist, ist auch gut. Hoffen wir, dass wir die Wanderer-Mafia Ruhe hält, dann könnt ihr die Strecke auch später ohne Gewissensbisse fahren. Im Sinkflug geht es nach Bozen, wo es wieder einmal dampfend heiß ist. Ich verschwende keine Sekunde daran, die Auffahrt nach Kohlern mit dem Rad zu erledigen. Dorthin gibt es eine schöne alte Seilbahn. Da fahre ich gerne für kleines Geld hoch. Die kleine Teerstraße betrachte ich beim Darüberhinwegschweben ohne einen Hauch von Wehmut. Knapp 900 Höhenmeter gespart, da freue ich mich auf die fehlenden reichlich 200 Höhenmeter bis zum Berggasthof Schneiderwiesen. Eine schöne Forststraße, ein netter Trail zum Abschluss, eine tolle Unterkunft mit super Essen - was für ein Tag. Alternative: Bei schlechtem Wetter im Tal auf dem Radweg bis Bozen fahren oder die deutlich leichtere Auffahrt über das Thinnebachtal zur Stöffl-Hütte nehmen (siehe Tiroler Jöchl Transalp - 4. Tag). Wer das macht, kann auch dann auch die Teerstraße von Bozen nach Kohlern nehmen. |
| 4. Tag: Durch die Dolomiten - Kugeljoch - Passo Sadole | |||||||||
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Dirk ist rechtzeitig zum Frühstück da. Heute will er wieder ein Stück des Weges mitfahren. Wahrscheinlich bis Cavalese, denn der Übergang über das Kugeljoch interessiert ihn auch. Bis dahin ist es eine fahrtechnische leichte, aber konditionell durchaus anspruchsvolle Strecke. Landschaftlich ist sie sowieso überragend. Die Zacken des Rosengartens grüßen hinüber, die Latemargruppe ist zum Glück gut zu sehen, da es nicht diesig ist.
Mein ursprünglicher Plan war es, über das Lavaze Joch ins Fleimstal (Val di Fiemme - die Übersetzung ist nun erlaubt) zu fahren.
Als ich mit meiner Frau vor drei Wochen hier im Südtirol Urlaub machte, waren wir dort zu einem Tagesausflug. Ich hatte mein Mountainbike mit und wollte mir eine Inspiration holen. Auf der Karte identifizierte ich das Kugeljoch als mögliche Alternative. Gehört und gelesen hatte ich davon als Transalp-Übergang noch nichts. Also anschauen und dann entscheiden - Volltreffer. Ein Downhill vom Feinsten und dazu noch mit einer leichteren Schottervariante für den Fall der Fälle. Dirk ist begeistert und will am liebsten noch weiter mitfahren. Ich will heute aber noch über den Passa Sadole und damit die Lagorai-Kette durchqueren. Und von dort käme er nicht zurück zu seinem Urlaubsquartier. Also trennen wir uns in Cavalese, von wo aus er über San Lugano auf dem alten Bahntrassenweg wieder zurück nach Südtirol gelangt (siehe auch Transalp Karwendel-Brenner-Route, 5. Tag). Ich muss nur noch eine sinnvolle Verbindung im Fleimstal hinüber nach Ziano die Fiemme finden (dort beginnt die Auffahrt zum Passa Sadole). Das ist auch nicht weiter schwer, den es gibt ja den Radweg im Talgrund, auf dem im Winter die Schlussetappe der Tour de Ski ausgetragen wird. Schnell bin ich dort, es warten noch reichlich 1000 Höhenmeter auf mich. Wie viele davon für mich tatsächlich fahrbar sind, wird sich zeigen. Bis zur Malga Sadole lässt sich es auf einer Forststraße, die bald in Schotter übergeht, ganz gut fahren, auch wenn es teilweise rampig zugeht. An der Malga Sadole ist zu meiner Überraschung ein Riesenauftrieb von uniformierten jungen Menschen. Aus der Nachbarhütte strömen sie ins Freie und legen riesige Seesäcke auf der Wiese ab. Wie sich herausstellt, sind das die neuen Rekruten der Finanzpolizei. Das ist in Italien eine bewaffnete Truppe (ich verkneife mir hier einen Kommentar warum und wieso). Sie haben hier einen Teil ihrer Grundausbildung absolviert, wahrscheinlich als Gebirgsjäger, um schmuggelnde Mountainbiker aufzuspüren. Nichtsdestotrotz entsteht bei meinem Passieren kein internationaler Konflikt. Das geschulte Auge sieht auf den ersten Blick, dass hier nur ein armer irrer Radfahrer (natürlich ein Deutscher) sein Heil in der aberwitzigen Bezwingung heute nutzloser Gebirgspässe sieht. Die jungen Leute wollen nach Hause und werfen ihr Gepäck auf den bereitstehenden LKW. Nach der obligatorischen Rampe kann ich dann noch ein Stückchen fahren. Am Talschluss befindet sich eine Wasseranlage, deshalb wird der alte Militärweg auch ordentlich in Schuss gehalten. Nun folgt ein Saumpfad, noch ca. 250 Höhenmeter bis zur Passhöhe. Der ist nicht komplett fahrbar, aber gut schiebbar. Eine reichliche halbe Stunde und ich bin oben. Die Ruinen alter militärischer Bauten aus vergangenen kriegerischen Zeiten haben schon viele Winter auf dem Buckel, so dass nur noch die Grundmauern zu erkennen sind. In dieser Einsamkeit frage ich mich zum wiederholten Male, was Militärs doch für bescheuerte Menschen sein müssen. Hier gibt es aber auch gar nichts zu verteidigen, weder heute noch früher. Selbst als Übergang eignete sich der Passo Sadole maximal als Schmugglerpfad. Dementsprechend stolpere ich zunächst ein paar Höhenmeter auf dem S2-Trail hinab (zur Erinnerung: ich allein auf Transalp + S2-Trail = Schiss). Dann muss ich mich zusammenreißen. Zwei italienische Maiden lassen ihr glockenhelles Lachen ertönen. Sie sammeln Heidelbeeren und ich will mich ihnen als Held präsentieren. Das gelingt knapp im nun fahrbareren Gelände (meine Schiebeübungen haben sie nicht gesehen). Wir werfen uns ein paar Redewendungen über den schönen Tag im allgemeinen und die Schönheit der Bergwelt im besonderen zu. Ich muss ihnen erklären, woher ich mit dem Gerät komme und wohin es mich noch führen soll. Da ertönt auch schon: Bravo, bravo! Das lässt sich nun leicht übersetzen. Mangels vergleichbarer anderer Anwesender denke ich mir, das die Anfeuerung mir gilt und ziehe mit einem überaus freundlichen Gruß weiter. Mit dem diesem Motivationsschub versehen fällt es mir leicht, bei der folgenden leichten Schotterabfahrt noch Ausschau nach einem Hauch von Trail zu halten, der mich am Ende stracks zu meinem Tagesziel führt, dem legendären Rifugio Refavaie. Hier habe ich vor langer Zeit schon einmal Station gemacht. Das war bei meiner Transalp Dolomiti 2002. Aus der Hütte ist inzwischen ein respektables Berghotel geworden. Der Forellenteich ist noch vorhanden. Keine Frage, was ich heute Abend esse. Über Nacht kommt es zum Wettersturz, wie vom sehr genauen Südtiroler Wetterbericht vorhergesagt. Leise rieselt der Schnee. Ist mir aber egal, ich sitze sicher und warm in der Hütte und warte den nächsten Tag ab, wo sich das kleine Tief verzogen haben soll. Alternative: Vom Fleimstal auf Nebenstraße über den Manghenpass ins Val Sugana (siehe auch Transalp: Dolomiti 1) |
| 5. Tag: Passo Cinque Croci | |||||||||
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Es ist wie vorhergesagt vorbei mit dem schlechten Wetter. Der Morgen gerät im Tal zwar noch etwas kalt, bei der Auffahrt zum Auftakt ist das aber eher besser als Gluthitze.
Im Wesentlichen weiß ich bei der heutigen Etappe, was mich erwartet. Es beginnt mit der leichten, entspannten Schotterauffahrt zum Passo Cinque Croci. Es herrscht eine unfassbar klare Fernsicht. Der Gipfel des Cima d'Asta scheint zum Greifen nah vor mir zu liegen, als ich an dem berühmten eisernen 5 Kreuzen anhalte. Es hetzt mich nichts, ich nehme mir die Zeit, innezuhalten und die ruhige, klare Bergwelt auf mich wirken zu lassen. Die Schotterabfahrt vom Pass kenne ich schon. Also schaue ich mir die Trailalternative an. Der Pfad 326 kürzt den Weg ins Tal ab und führt zur Malga Conseria, ein wunderschöner Zwischenstopp und ein guter Ort zum Übernachten, wenn man die Etappeneinteilung anders gestalten möchte. Liebevoll ist sie restauriert, saubere einladende Kammern, gutes Essen und eine Aussicht vom Feinsten auf der Terrasse. Nach dem Stopp wird der Trail etwas anspruchsvoller, aber im wesentlich auch für mich allein gut fahrbar. An der Ponte Conseria beginnt nun leider schon der geteerte Fahrweg. Wer ein paar wenige Höhenmeter nicht scheut, kann noch nach links zur Malga Caserine queren und ein wenig Schotterpiste mitnehmen. Am Rifugio Carlettini ist dann aber endgültig Schluss und man muss auf der Teerstraße ins Tal rollen. Aus einer Eingebung heraus finde ich dann noch einen interessanten Abzweig. Ungefähr 5 Kilometer nach dem Rifugio Crucolo (auch hier könnte man übernachten) gabelt sich die Straße in sehr spitzem Winkel. Halblinks ist ein kleiner Holzwegweiser, auf dem steht: Strada de Sciapaor (erkennbar auch an einem Verkehrsschild "Beschränkung auf 10 t"). Das ist zwar kein Trail, unterwegs finden sich dafür ein paar Katzenkopfpflasterabschnitte und man umgeht die Hauptstrecke, die über Spera führt. Viel Verkehr ist zwar auf dieser Straße auch nicht zu erwarten, aber immerhin. In Strigno geht es stramm bergab in Richtung Villa. Achtung! Den Abzweig zum Radweg nicht verpassen, der eine direkt Verbindung zum Radweg des Val Sugana herstellt. Sinnvoll ist es schon allein deshalb, weil im Tal des Flusses Brenta eine Schnellstraße verläuft, die man nicht einfach so mit dem Rad überqueren kann, da mit Leitplanken zugesperrt. Wenn alles gut gegangen ist, kann man dann entspannt flussabwärts bis Selva radeln. Am Brunnen sollte man auf jeden Fall Wasser bunkern, denn zum Schluss geht es noch einmal über 1000 Höhenmeter hinauf zur Hochebene der Sieben Gemeinden (Altopiano dei Sette Comuni). Die alte schmale Militärstraße ist zwar seit einigen Jahren asphaltiert, aber es zieht sich halt ewig hin bis zum Rifugio Barricata. Man sollte schon sicher sein, dass es geöffnet hat, oder im Zweifel das in der Nähe liegende Rifugio Marcesina. Ansonsten ist hier oben eine menschenleere Einöde, die ich morgen durchstreifen werde. |
| 6. Tag: Altopiano dei Sette Comuni - Posina | |||||||||||||||
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Ich habe mir in den Kopf gesetzt, am heutigen Tage unbedingt Posina am Fuße des Pasubios erreichen zu wollen. Die dortige Trattoria All'Alpino ist bei Transalplern ebenso legendär wie das Rifugio Refavaie. Ich habe dort schon einmal mit meinem Bikefreund David bei einer Transalp übernachtet. Wir konnten am nächsten Tag definitiv nicht über Pasubio fahren, weil wir so vollgefressen und damit träge waren.
Das dabei eine Etappe mit über 100 km und ca. 2500 hm herauskommt, ist nicht unbedingt sinnvoll. Mir macht das an diesem Tag mit wiederum extrem klarer Sicht nicht so viel aus, ich bin allein unterwegs und kann mein Tempo selber bestimmen. Es ist fast alles Schotterpiste und Trail, wenn ich zu zweit unterwegs wäre, würde ich mir aber definitiv mehr Zeit lassen und unterwegs eine Übernachtung einschieben. Vielleicht ist es auch eine Idee, das Terrain als Spielwiese für eine Minitransalp zu nehmen.
Am liebstens mit meinem Bikefreund Matthias. Der ist junger Vater geworden und wird wohl nicht eine ganze Woche von seinem Urlaub abknapsen wollen.
Wie dem auch sein, einen Teil der Strecke kenne ich schon. Beim zweiten Mal ist der Genussfaktor aber viel größer, weil es hier ein schier unendliches und durchaus auch undurchschaubares Netz an Schotterpisten gibt. Auch die gehen auf alte Militärpisten zurück, die die Österreicher und Italiener angelegt haben, als sie sich hier als Feinde gegenüber standen. Heute ist das wie gesagt eine menschenleere Einöde, ideal um sie mit dem Mountainbike zu erkunden. Ich habe mir im Vorfeld einen Plan gemacht und diesen dann als GPS-Track zusammengeklickt, damit ich kein lohnenswertes Ziel verpasse. Das klappt auch prima und ich vertue nicht viel Zeit mit der Wegsuche. Die Strecke ist eine ganz schöne Zickzacklinie und das hat seinen Grund nicht nur in der Tatsache, dass ich mir einige der vielen alten Festungen anschaue, die es auf der Hochebene gibt. Viele der alten Militärstraßen wurden so angelegt, dass sie das Geländeprofil ausnutzen, sich an einer Bergflanke entlang schlängeln. Das gibt Deckung und vermeidet heute unnötige Abstecher ins Tal. So kommen vom Start der Etappe reichlich 30 km auf Schotterpisten in der Einsamkeit zustande, ehe ich am Passo Vezzana wieder eine nennenswerte Straße erreiche, einfach toll. Hier gibt es ein Hotel und für mich einen Latte Macchiato (der hat mehr Flüssigkeit als ein Espresso, insofern passt das schon für mich). Ich bin bis hierher im wesentlichen der logischen Hauptroute über Bivio Italia, Portule, Larici und Forte Verle gefolgt. Nun stehen noch das Werk Lusern und das Forte Belvedere auf dem Plan. Dazu ist es recht hilfreich, dass hier oben eine Bikestrecke ausgeschildert ist - 100 km dei Forti (grob übersetzt: die 100 km Festungsstrecke). So finde ich relativ entspannt die Wege zum Forte Luserna und dessen Vorposten und auch zum Forte Belvedere. Alles sehr beeindruckende Überbleibsel aus vergangener Zeit. Die Bikestrecke nimmt aber auch jeden Schlenker mit und in der Nähe des Lago Lavarone habe ich dann die Faxen dicke. Den vorgeschlagenen Abstecher ins Tal nehme ich nicht mehr mit, sondern steuere auf geradem Wege den Passo Sommo an. Die Gegend kenne ich nun wieder recht gut von vergangenen Touren. Ach, da ist ja die Bikestrecke "100 km dei Forti" wieder, ich kann mich doch immer wieder auf meine Intuition verlassen. Ich liege noch gut in der Zeit und will am Passo Sommo noch eine Rast machen - Pustekuchen, heute Ruhetag. OK, so ziehe ich auf dem schönen Höhenweg am Rif. Stella Italia vorbei durch bis zum Passo Coe. Hier bin ich bei der Dolomiti 1 direkt zum Monte Maggio gefahren. Ich will mir aber noch mal die Strecke durch das Valle Campoluzzo anschauen. Dort war ich zuletzt auf meiner Transdolomiti 2002, ist also eine Weile her. Zunächst muss aber noch eine Rast sein, ich habe Hunger und vertilge ein riesengroßes Panino mit Speck und Käse. Danach geht es gut weiter, fast nur noch bergab. Nur zum Passo Pianella muss man noch einmal 100 hm hinaufstrampeln. Wie fast den gesamten Tag, ja fast bei der gesamten Transalp, treffe ich hier kaum auf eine Menschenseele. Es ist es später Nachmittag und langsam reicht es mir auch. Zum Glück habe ich keine einzige Reifenpanne unterwegs. Auf Anraten von Dirk habe ich die Schläuche gegen Latexmilch ausgetauscht, das spart einerseits Gewicht und vermeidet andererseits lästige Pannenstopps - super Tipp, vielen Dank. Schließlich bin ich im Talgrund und muss noch ein paar Kilometer um den Berg herum auf der Straße fahren, ehe ich in Posina lande. Man könnte auch sagen, mit der Kirche ums Dorf gefahren, aber ich wollte das ja so. Wer den Monte Maggio noch nicht kennt, dem empfehle ich das als Alternative. Was ich noch nicht weiß, ist das meine sehnsüchtig erwartete Trattoria All'Alpino heute Ruhetag hat. Mir rutscht erst einmal das Herz in die Hose.Aber alles wird gut, durchreisende Gäste werden aufgenommen und bekommen auch ordentlich was zu essen. Alternative: Ab Passo Coe über Monte Maggio (siehe auch Dolomiti 1). |
| 7. Tag: Pasubio | |||||||||||||||
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Grande finale, große Bühne Pasubio und wieder ein unglaublich klarer Tag. Oft hängt man hier oben in einer Nebelsuppe und sieht rein gar nichts von der Landschaft.
Auf jeden Fall ist es nach dem ordentlichen Frühstück erst einmal eine Fleißaufgabe, hier überhaupt anzukommen. Aber ich habe mir das vorgenommen, also schaffe ich das diesmal auch.
Bei einer großen Aufgabe hilft es, sich kleine Teilziele zu stecken. Zuerst ca. 500 hm auf Teer zum Colle Xomo - geschaftt. Dann zum Beginn der Strada della galeria - keine 200 hm,lächerlich. Nun die Strada degli Scarubbi, rund 700 hm bis zum Rifugio Papa - geht noch. Was?! Schon da, klasse. Hier nur kurz reingeschaut, Fotos gemacht und weiter bei dem schönen Wetter. Die Setti Croci sind eigentlich sieben Kreuze, wieso fehlt da auf dem Bild eines?
Und dann aufgepasst! An der Selletta del Groviglio nicht den verführerisch bergab führenden Weg 120 nehmen, sondern links den Trail Nr. 105 noch ein paar Meter bergauf. Das wars dann aber auch im wesentlichen. Oben entspannt sich die Lage. Beim 120er weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung, dass der zwar auch zum Rif. Lancia führt, aber mit einigen Auf und Abs eher eine Wanderung im Heckmairischen Sinn ist: Transalp ist Bergwandern, nur dass man ein Mountainbike dabei hat. Ich liege gut in der Zeit, genieße das schöne Wetter und bin überrascht, wie schnell ich am Rifugio Lancia bin - Zeit für einen Kaffee. Bei der Abfahrt nehme ich mir dann noch die Zeit und erkunde die diversen Schotteralternativen, die es im unteren Teil gibt und womit ich die leider ab Cheserle inzwischen geteerte Zufahrtsstraße zum Rif. Lancia umgehen kann. Bei der gleißend im Sonnenlicht daliegenden Kirche Madonna delle Salette findet sich noch ein Hauch von Trail. Dann gibt es aber nur noch Gummi auf der Straße hinein nach Rovereto, wo mich brütende Hitze umfängt. Zum Glück beginnt kurz nach der Ortseinfahrt der Zubringer zum Radweg, der mich erst nach Mori und dann an den Gardasee bringt. Geschafft! Durst! Hefeweizen, Grappa! Prost! Variante: Ab Porte del Paubio/Rifugio Papa die Strada deglo Eroi hinab zum Passo Pian delle Fugazze und dann die Straße hinab nach Rovereto. Oder bereits von Colo Xomo über Straße via Ponte Verde zum Passo Pian dellle Fugazze (zum Beispiel bei Wettersturz oder wenn man sich in Posina überfressen hat). |
| Fazit |
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Enorm anspruchsvolle Transalp der schwereren Art, deren Hauptroute unter normalen Bedingungen von Juli bis September gefahren werden kann. Sie bietet an verschiedenen Stellen die Möglichkeit, mit Varianten die Tour zu verkürzen oder zu entschärfen.
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