Transalp mit "Dr. rad"Andreas Albrecht

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Transalp Albrecht-Route
 

Transalp: Albrecht-Route - Seit Dezember 2007 auch auf DVD

Trailer zur DVD
Abenteuer Alpencross 2 - Transalp auf der Albrecht-Route
© Sebastian Runschke und Roland Schymik
AtelierBuscheMedia

Transalp Roadbooks

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Transalp Roadbook dazu komplett überarbeitet inkl. aller neuen Routenvarianten, GPS- und Kartendaten
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Strecke Garmisch- Fernpass - Landeck - St. Anton - Verwall-Tal - Galtür Ischgl - Fimberpass - Scoul - Passo Costainas - St. Maria - Val Mora - Passo Verva - Grosio - Val Rezzalo - Passo Gavia - Ponte di Legno - Montozzo - Val di Sole - Madonna di Campiglio - Gardasee
Länge 487 km
Höhenmeter 11.921 hm
Termin 5.-11. September 2004
Etappen (7)
Tag Strecke km hm
1.Tag Garmisch-Partenkirchen - Ehrwald - Fern-Pass - Schloss Fernstein - Strad - Imst - Landeck 79 849
2.Tag Landeck - St. Anton am Arlberg - Verwall-Tal - Heilbronner Hütte - Galtür -  Ischgl - Fimber-Tal - Bodenalpe 78 2240
3.Tag Bodenalpe - Fimber-Pass - Vna - Sent - Scoul - S-charl - Pass da Costainas - Lü - St. Maria im Münstertal 68 1996
4.Tag St. Maria im Münstertal - Val Mora - Lago Cancano - Arnoga - Passo Verva - Eita - Grosio 73 1503
5.Tag Grosio - Le Prese - Fumero - Val di Rezzalo - Passo dell' Alpe - Gavia-Pass - Ponte di Legno (Precasaglio)  50 2254
6.Tag Ponte di Legno (Precasaglio) - Pezzo - Montozzo - Pejo - Fucine - Dimaro - Madonna di Campiglio 64 2217
7.Tag Madonna di Campiglio - Val d'Agola - Passo Bregn de l'Ors - Val d'Algone - Stenico - Villa Banale - Sarche - Arco - Torbole 75 862
Detail-Infos zum Nachfahren der Tagesetappen siehe Verweise im Tourbericht
Landkarten Kompass: Digitale Karte Österreich, Digitale Karte Tirol,  5, 35, 41, 42, 52, 072, 73, 98, 101, 107
Kümmerly & Frey - Unterengadin ISBN 3-259-00814-4,
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
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Neu: Die gescannten Ausschnitte der KOMPASS-Karten mit Einzeichnung der Route können nun erworben werden. Mehr Info: hier klicken
Tourplanung Andreas Albrecht
Tourführung Andreas Albrecht
Teilnehmer
  • David (München), Reiner (Arnstadt), Matze (Gräfenroda), Uli (Gelnhausen), Olaf (Mainz), Christian (Deggendorf), HaPe (Ulm - bis 3. Tag)
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Special English tour report by Linda (almost the whole Albrecht-Route) click here

Tourbericht

"Hinterm Horizont geht's weiter, ein neuer Tag..."
Udo Lindenberg


Prolog
Deshalb fahre ich Transalps: Ankommen am Gardasee
Meine erste Transalp fuhr ich im Jahre 1994. Danach kamen Jahre des Ausprobierens, des Suchens nach einer optimalen Route. Seit dem Jahr 2000 bin ich auf der richtigen Fährte, Jahr für Jahr, Tour bei Tour. Jetzt, 4 Jahre später, bin ich endlich zufrieden. Alles passt zusammen. Die Strecke, die Truppe und auch das Wetter; es spielt mit. 7 Tage Sonnenschein, stahlblauer Himmel und nicht zu heiß; besser kann es gar nicht sein. Ich hatte mich im Vorfeld mit einem Augenzwinkern sogar an den Mondphasen orientiert, um den richtigen Zeitpunkt für die Transalp festzulegen. Wir sind am Ende einer Vollmondphase losgefahren, da ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass es eine Schönwetterphase wird. In die Route habe ich schließlich alle Highlights einbauen können, die ich in den letzten Jahren erfahren habe.

Viele Mountainbiker haben inzwischen Anregungen aus meinen Tourberichten aufgegriffen und sind verschiedene Varianten meiner Transalps ab Garmisch nachgefahren. Rückmeldungen aus dem Internet und aus den Hotels an den Etappenorten bestätigen mir das immer wieder. Zuerst war ich schon erstaunt über solch eine Resonanz, dann natürlich erfreut, dass so viele "meine" Touren nachfahren. Sie sind entstanden aus meiner Einstellung zum Mountainbiken in den Alpen. Ich will möglichst viel fahren können, auch und gerade im hochalpinen Bereich. Die Schiebepassagen sollen sich in Grenzen halten und Bikegeschleppe, besonders bergab, finde ich nervig. Das geht anscheinend vielen so. Von Anfang an habe ich darauf geachtet, für den Fall schlechten Wetters eine alternative Route zu haben, auf der die Transalp weitergehen kann. Zum Glück habe ich diese selten gebraucht. Bei dieser Tour hätte ich diesmal gut 2 kg Gepäck im Rucksack sparen können. Regensachen, Winterklamotten - alles nicht notwendig. Aber wer weiß das schon vorher.
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1. Tag: Fern-Pass
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Start unter der Zugspitze zum Vergrößern klicken
Inzwischen könnte ich meine Route aus dem Gedächtnis fahren, so hat sie sich bei mir eingebrannt. Aber sicher ist sicher; ich schleppe also die drei A4-Seiten des Roadbooks und die 18 Blätter gescannter Kartenausschnitte mit. Draufschauen muss ich nur selten, eigentlich nur, um zu sehen, wie wir in der Zeit liegen. Wir sind eine prima Truppe. Schon zu Ostern haben wir uns am Gardasee getroffen und sind gemeinsam Touren gefahren, menschlich passen wir gut zusammen. Das ist mir ganz wichtig, nach den überwiegend positiven Erfahrungen der letzten Jahre. Wieder geht es in Garmisch los. Wir treffen uns an einem sonnigen Spätsommermorgen im September am Parkplatz hinter dem Hauptbahnhof. Es ist ein Sonntag. Das hat den Vorteil, dass wir in der Regel allein auf der Strecke sein werden. Viele starten ja am Samstag. Nur eine Gruppe fährt parallel zu uns. Und wie sich am Abend in Landeck herausstellt, nach meinen Roadbooks.

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Uralte Wagenspuren am Fernpass zum Vergrößern klicken
Gemächlich setzen wir uns in Richtung Zugspitze in Bewegung. Diese erste Etappe ist so richtig schön zum Einrollen geeignet. Jeder kann seinen Rhythmus finden. Von allen Streckenvarianten ist etwas dabei: grober Schotter, knifflige Trail-Passagen, einfache Strecken zum Rollen, bergauf, bergab. Aber nicht zu viel auf einmal; und natürlich der Blick auf die Wälder, die Seen und die Berge der Alpen. Bei dem herrlichen Altweibersommer ein Genuss für die Sinne und ein wohliges Gefühl auf der Haut, die von der Sonne gebräunt wird. Am alten Fernpass sehen wir auf die Autoschlange hinunter, die sich in Richtung Imst quält. Wir sind frei und ungebunden und rauschen die Schotterpiste hinab. Beim Überqueren der Straße müssen wir erst eine Lücke in der unablässig vorüberziehenden Autokarawane abpassen. Die beeindruckendste Passage auf der ersten Etappe ist ohne Zweifel der ausgesetzte Wegabschnitt der uralten "Via Claudia" hoch über den Fernpass-Seen, die türkisblau in der Tiefe schimmern. Tief haben sich die eisenbeschlagenen Wagenräder der alten Römerkarren im Laufe der Jahrhunderte ins Gestein gegraben. Seit ein paar Jahren ist der Weg aus seinem Dornröschen-Schlaf erwacht. Einige Mountainbiker kommen uns an dieser Stelle entgegen. Sie kämpfen sich den Pfad hoch.

Für uns geht es heute fast nur noch abwärts. Imst passieren wir an der neuen Kirche und erreichen am Ufer des Inn den bestens ausgebauten Radweg Richtung Landeck. Wir halten uns nicht groß mit Pausen auf, sondern radeln in flotter Formation los. Olaf gibt einen guten Windschatten. Er fährt, wie ich früher, viel Rennrad und wir erreichen ein flottes Tempo. Wer abreißen lässt, hätte verloren, aber es kommt keinem darauf an, als erster anzukommen. An einer Wasserstelle kurz vor dem Tagesziel finden wir schnell wieder zusammen. Eine Nonne auf einem Fahrrad, die von unsere Spitzengruppe zügig passiert wurde, radelt nach kurzer Zeit entspannt vorbei. So schnell waren wir also doch nicht. Weiter geht's, in wenigen Minuten sind wir im Hotel "Mozart" in Landeck.

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Matze nach dem Bade zum Vergrößern klicken
Das hauseigene Schwimmbad und ein Sonnenbad im Garten warten schon auf uns. Wir sind guter Dinge, die Wetteraussichten hervorragend. Wir freuen uns auf das leckere Abendessen. Seitdem ich hier übernachte, habe ich meine Abendgarderobe ein wenig angepasst. Eine leichte Mikrofaserhose für den Abend ist nun immer dabei und eine T-Shirt, dass nicht zu radmäßig aussieht. Ich mache ein Schwätzchen mit dem Hotel-Chef Thomas Radlbeck, den ich vor ein paar Jahren auf einer Messe in Erfurt kennengelernt hatte. Ich freue mich immer über das Wiedersehen. Thomas ist so, wie ich viele Österreicher schätzen gelernt habe: verlässlich, professionell und immer herzlich. Er erzählt mir, dass immer mehr Radfahrer sein Hotel frequentieren. Manche seien für eine Story gut. Einer sei einmal mangels trockener Wechselkleidung barfuß und in Unterwäsche zum Abendessen erschienen, was die anderen Anwesenden und vor allem seine Mutter, die Seniorchefin des Hauses, nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinriss. Mit einem Augenzwinkern also hier der Hinweis: Im Hotel "Mozart" herrscht Ordnung, Krawattenzwang besteht allerdings nicht.
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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2. Tag: Verwall-Tal
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Verwall-Tal: Konstanzer Hütte zum Vergrößern klicken
Der Gardasee liegt für die anderen gedanklich noch in weiter Ferne. Für mich ist er schon heute nah. Ich gehe im Geiste die Etappen durch und bin mir sicher, dass wir alle Highlights auf der Strecke erleben werden. Für den zweiten Tag habe ich geplant, über St. Anton durchs Verwall-Tal Richtung Ischgl zu fahren. Das ist bei diesem schönem Wetter ein gute Wahl, auch wenn es erst mal heißt, Strecke zu machen. Bis St. Anton rollen wir im wesentlichen auf der Straße oder dem Seitenstreifen. Der Autoverkehr wird in den nächsten Jahren spürbar nachlassen, wenn der Tunnel der Bundesstraße zwischen Pians und Flirsch freigegeben wird. Am Abzweig ins Paznaun-Tal verabschieden sich Uli und HaPe für heute. Sie fahren die kürzere Strecke Richtung Ischgl. Beide hatten in den Wochen zuvor mit Knieproblemen zu kämpfen. Sie wollen es heute ruhig angehen lassen. Uli kennt den Weg aus dem letzten Sommer. Wir werden uns auf der Bodenalpe wiedertreffen. Gegen Mittag sind sie dort und Uli bestätigt mir per SMS die Ankunft. Ab Flirsch ist es ruhig auf der Strecke. Man könnte zwar auf Nebenwege ausweichen, die im Winter Skiloipen sind; das ist aber nicht zwingend notwendig.

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Verwall-Tal: schieben, tragen zum Vergrößern klicken
In St. Anton am Arlberg ist Gelegenheit, im Supermarkt etwas zu Essen und zu Trinken einzukaufen. Ich bin endgültig dazu übergegangen, tagsüber nur wenig und kleine Portionen zu essen. Wir machen insgesamt nur kurze Pausen, das ist besser für den Körper, der sich auf langandauernde Belastung, aber nicht auf ständige Höchstleistung einstellen muss. Bei dem schönen Wetter ist es auch kein Problem, mal kurz zu stoppen und eine Banane oder einen Riegel reinzuschieben. In den folgenden Tagen werden wir bei den Bergabfahrten und den flachen Panoramastrecken des öfteren anhalten müssen; einfach weil uns die Eindrücke der imposanten Gebirgswelt dazu "zwingen".

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Plateau vor Scheidseen zum Vergrößern klicken
Nach der Ortsdurchfahrt biegen wir am Hotel "Mooserkreuz" links ins Verwall-Tal ab. Im Jahr 2000 bin ich hier das erste Mal langgefahren. Damals noch mit dem etwas unsicheren Gefühl, was mich auf der Transalp so alles erwarten wird. Heute bin ich ganz entspannt und genieße das langsame Eintauchen in die Gebirgswelt. Nach der Großbaustelle des Kraftwerks haben wir das Verwall-Tal für uns allein. Es ist ein so genanntes V-Tal, das relativ sanft ansteigend das Überschreiten der Baumgrenze bei rund 2000 Meter auch für den Normalbiker zum Vergnügen werden lässt. Die Konstanzer Hütte ist schnell erreicht und passiert: Jetzt schon eine Pause einzulegen, wäre unklug; danach würde es sich doppelt schwer treten. An der Schönverwall-Hütte ist die Schotterpiste zu Ende. Der Trail beginnt, zunächst noch fahrbar. Wir trudeln in kurzen Abständen ein und machen uns auf den weiteren Weg bis zu einer Brücke. Hier beginnt die erste Schiebepassage in Richtung Heilbronner Hütte, die mit ein paar wenigen Tragepassagen (Bild) gewürzt ist, aber alles im grünen Bereich. Ehe es richtig lästig zu werden droht, erreichen wir das Hochplateau bei den malerischen Scheidseen (Bild) und meistern den Schlussanstieg zur Heilbronner Hütte. Matze und Christian fahrenderweise, die anderen schieben meist das letzte Steilstück. Auf der Terrasse knallt die Sonne wie im Hochsommer. Ich esse ein kleines Süppchen, auf mehr habe ich keinen Appetit.

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Trail am Scheidsee zum Vergrößern klicken
Die Abfahrt in Richtung Kops-Stausee ist bei diesem herrlichen Wetter ein Traum. Sie weist keine technischen Schwierigkeiten auf, so lassen wir es einfach rollen und halten immer wieder kurz an, um die Aussicht auf die Bergketten der Silvretta zu genießen. Nach der Verbellaalpe muss man Obacht geben, damit man nach der Schranke einen kurzen giftigen Anstieg nicht verpasst, der nach links zum Stausee führt. Nach rechts in Richtung Partenen weiter abwärts zu rollen, ist zwar verführerisch, hilft aber nicht viel weiter. Man müsste die Transalp dann z.B. auf der Heckmair-Route über das Schlappiner Joch fortsetzen, was sicher auch seinen Reiz hätte. Aber dann sollte man auch so konsequent sein, und von Oberstdorf aus starten. Wir kurbeln also ein kurzes steiles Stück nach oben. Ein paar entgegenkommende Wanderer helfen mental ungemein, um den lästigen Gegenanstieg zu meistern. Am Stausee halten wir kurz inne. Das Wasser ist durch die eingeschwemmten Sedimente milchig himmelblau, aber nicht sehr klar. Kurz nach dem Anstieg zum Zeinis-Joch sollte man den See links am Gasthaus auf dem Wanderweg umfahren. Man mündet dann direkt auf dem MTB-Weg Richtung Galtür, den man auch über die Straße erreichen kann. In diesem Falle biegt man dann kurz nach der Passhöhe nach links ab; Orientierungspunkt ist dabei die mautfreie Straße nach Galtür.

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Traumabfahrt ab der Heilbronner Hütte zum Vergrößern klicken
Das Zeinisjoch ist noch eine Bemerkung wert. Es hat vermutlich seinen Namen vom einheimischen Ausdruck für die Tränen der Tiroler Kinder. Viele von ihnen mussten bis in die 1940er Jahre ihre damals bitterarme Heimat verlassen, um sich in Schwaben als Dienstmädchen oder -jungen zu verdingen. Hier am Joch verabschiedeten sie sich von ihrer Familie und wurden den Schleppern übergeben. Es ist für uns heute kaum mehr vorstellbar, welche Armutsgrenze vor historisch kurzer Zeit durch die Alpen ging. Im damals reichen und mächtigen Deutschland veranlasste dies manche Einwohner, sich zum allgewaltigen Herrscher über das Leben der ihnen anvertrauten bzw. gekauften Seelen aufzuschwingen. Zum Glück ist mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges diese unsägliche Tradition hinweggefegt worden. Heute ist es wohl eher so, dass wir saturierten Deutschen von unseren österreichischen Nachbarn einiges Lernen könnten in punkto Beharrungsvermögen, Fleiß und vor allem Einstellenwollen auf sich ändernde äußere Bedingungen. Dazu sind die meisten hier wohl nicht mehr in der Lage. Nun aber genug des geschichtlichen Exkurses.

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Lawinenverbauung in Galtür zum Vergrößern klicken
Wir genießen die rasante Abfahrt in Richtung Galtür, das schnell in Sichtweite gelangt. Deutlich sind die Lawinenverbauungen zu erkennen, die nach den tragischem Unglück im Jahre 1999 den Ort vor Wiederholungen schützen sollen. Wir sehen deutlich, dass die lawinenauslösenden Berghänge niemals bewaldet waren und auch nicht mit Liftanlagen zugepflastert sind. Es war wohl eher eine Verkettung unglücklicher Umstände, die im damaligen Winter nach tagelangen Schneefällen den weißen Tod in den jahrhundertealten Ort brachte. Wir fahren in den Ort ab, um auf dem Radweg neben der Trisanna bergab zu rollen. Inzwischen hat man sich auf die Zunft der radelnden Sommergäste eingestellt. Der Weg ist bestens ausgeschildert und führt einen nicht ihn Versuchung, die Straße zu benutzen. Bei einzelstehenden weißen Häusern (Apart Alexander) kurz hinter Galtür kann ich allerdings nur empfehlen, nicht der offiziell ausgeschilderten Bike-Route zu folgen, sondern dem Schotterweg rechts der Trisanna zu folgen. In der Schlucht rücken die Felswände dicht aneinander. Nach dem Hochwassers im August 2005 wurde der Weg neu angelegt - und ist nun gut ausgebaut.

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Bodenalpe im Fimba-Tal zum Vergrößern klicken
Schließlich erreichen wir oberhalb der Ortslage Ischgl einen Wegabzweig ins Fimber-Tal, wo heute für uns Endstation sein soll. Damit sparen wir uns den ersten heftigen Teil des Schlussanstieg aus Ischgl heraus. In der ersten Spitzkehre erreichen wir den Hauptweg und kurbeln den zwar heftigen, aber durchaus fahrbaren Weg zur Bodenalpe hinauf. Wir übernachten hier und nicht wie viele andere, die es nicht besser wissen, auf der Heidelberger Hütte. Diese ist inzwischen viel zu überlaufen. Von Hüttenromantik keine Spur mehr. Im Juli 2003 zählte ich dort mehr als 80 Mountainbiker über Nacht, dazu noch rund 100 Wanderer- und Gesangesfreunde der Alpenvereinsektion Heidelberg. Da wird die alpine Einsamkeit wahrlich zum Massenerlebnis. Die junge Wirtin Esma der Bodenalpe empfängt uns herzlich und wir beziehen unsere Zimmer. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied zur Heidelberger Hütte. Die Zimmer sind frisch renoviert und mit Dusche/WC und TV sehr gut ausgestattet. Sogar einen Wäscheservice hält Esma bereit. Abendessen und Frühstück schmackhaft und reichlich, dazu sehr preiswert. Fazit: sehr empfehlenswert.

Alternative Route:
· ab Landeck über Tobadill und das Almstüberl nach See
· dann die Paznaun-Talstraße bis Ischgl, wie 2002-cl, 2003-int oder 2003-cl
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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3. Tag: Fimber-Pass, Pass da Costainas
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Morgenstimmung im Fimba-Tal zum Vergrößern klicken
Noch ist es kühl, als wir uns auf die Räder schwingen. Die Sonne taucht die Bergspitzen in ein rötliches Licht. Nach und nach ergreift sie auch Besitz vom Tal. Die Schotterpiste ist gut fahrbar, mal mehr, mal weniger steil. An der Schweizer Grenze künden nur die Schilder davon, dass wir nun die Euro-Zone verlassen, zumindest offiziell. Im Engadin ist die europäische Einheitswährung längst als zweites Zahlungsmittel neben dem Schweizer Franken akzeptiert. Mittlerweile gibt es oft auch das Rückgeld in Eurocent. Wir unterbrechen die Fahrt immer wieder durch Fotopausen. Das Morgenlicht ist dazu ideal. Nach einer guten Stunde ist die Heidelberger Hütte erreicht. Alle Mountainbiker, die hier übernachtet haben, sind schon ausgeflogen. Wir haben den Aufstieg zum Fimber-Pass für uns allein.

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Fahrstück am Fimber-Pass zum Vergrößern klicken
Der Weg zum Pass erfordert zwar ein paar Schiebepassagen, dauert aber kaum eine Stunde und ist sogar teilweise fahrbar.

In vielen Berichten steht folgendes geschrieben:
Im Mittelalter sollen über diesen Pass die Toten aus Ischgl zum Friedhof nach Sent im Engadin gebracht worden sein, denn das Paznaun-Tal gehörte jahrhundertelang zur Gemeinde Sent. Im Winter war der Weg unbegehbar. Man ließ deshalb die Leichen einfrieren und brachte sie im Frühjahr in Sent unter die Erde.
Klingt gut, oder nicht?
Der Wahrheit kommt wohl folgende Version näher: Die Gemeinde Sent hatte sehr große Weidegegebiete im  Paznaun erworben und Ischgl gehörte lange Zeit kirchlich zu Sent. Das mit den Toten ist eine alte Überlieferung. Da sich die Senter nur im Sommer in Ischgl aufhielten, ist es wohl sehr selten vorgekommen, dass die Leichen eingefroren wurden, um sie später zu transportieren. (Quelle: Cla Rauch - Gemeinde Sent).

Wie dem auch sei. Wir genießen den anspruchsvollen Single-Trail ins Unterengadin. Gleichzeitig überschreiten wir eine Sprachgrenze. Im Unterengadin spricht man Rätoromanisch ("romantsch grischun"). Sie ist die vierte Amtssprache der Schweiz und hat ihre Wurzeln im Lateinischen. Wanderer und Biker grüßen sich mit "Allegra".

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Trail zum Fimberpass zum Vergrößern klicken
Nach und nach treffen alle am Pass ein und sind beeindruckt vom großartigen Panorama, das sich uns bei diesen Wetterbedingungen bietet. Die Abfahrt auf dem weit einsehbaren Pfad gehört zu den legendären Trails in den Alpen. Bis zur winzigen Alp Chöglias muss man 500 Höhenmeter abwärts je nach Fahrkönnen und Beschaffenheit des Untergrundes einige Teilstücke schieben. Heute hat der Trail den idealen Grip - nicht zu nass und nicht zu trocken. Sogar ich fahre weite Teile. Könner fahren bei guten äußeren Bedingungen fast die gesamte Strecke. Der Pfad ist teilweise ausgewaschen und führt an Abbruchkanten entlang. Bei entsprechender Vorsicht sollte das aber kein Problem darstellen. Später quert man noch eine abenteuerliche Bachbrücke und einen Gletscherbach, erreicht dann einen ruppigen Forstweg bis Griosch. Hier fahren wir weiter auf der guten Naturstraße in Richtung Vna.

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Christian am Fimberpass zum Vergrößern klicken
Kurz vor der Ortslage biegen wir scharf rechts ab in Richtung Kurhaus Val Sinestra. Später teilt sich der Wiesenweg. Der Wegweiser zeigt an, dass der untere linke Weg direkt zum Kurhaus führt. Er wird wenig später zum anspruchsvollen Wurzel-Trail, der an der Abbruchkante des Flusses steil nach unten geht. Aber auch der obere rechte Weg (als Panoramaweg ausgewiesen) führt zum Ziel. Er ist ebenfalls gewürzt mit einigen Wurzelpassagen. Im Großen und Ganzen ein passabler Trail, der einen ab und zu aus dem Sattel zwingt. Nach einer Rechtskurve muss man Obacht geben. Hier ist ein Felsabbruch. Die dadurch entstandene Steilstufe ist ca. 1,50 Meter hoch. Ich würde den Drop nicht riskieren.

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Traumtal nach S-charl zum Vergrößern klicken
Ab dem Kurhaus verläuft eine schöne Naturstraße bis Sent, das hoch über dem Inn-Tal mit direktem Blick ins Val d'Uina liegt. Von hier aus geht es mit Höchstgeschwindigkeit die Straße hinab nach Scoul. Die Rast am Supermarkt im Ortszentrum mit Auffüllung der Vorräte sollte bis 12:15 Uhr erledigt sein. Danach werden zur Siesta die Bürgersteige hochgeklappt. Die Auffahrt nach S-charl ist eine reine Fleißaufgabe. Der Dorfbrunnen ist ein natürlicher Sammelpunkt. Hier hält auch der Postbus. Wer Kräfte sparen will oder muss, kann seine Fahrräder in Scoul außen am Bus verstauen und sich kutschieren lassen.

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Hochebene zur Alp Astras zum Vergrößern klicken
Ich hatte es HaPe vorgeschlagen, aber sein Ehrgeiz war stärker. Leider hat er seinem Knie damit keinen Gefallen getan. Bei der folgenden Auffahrt zur Alp Astras schwillt es stark an. Nichts geht mehr. Er muss zurück nach Scoul rollen. David überbringt uns an der Alp Astras diese Nachricht. Wir hatten schon besprochen, dass in solchen Fällen eine klare Entscheidung getroffen wird. Per SMS informiert mich HaPe, dass er in Scoul ein Hotelzimmer genommen hat und am nächsten Tag von seiner Nichte mit dem Auto abgeholt wird. Schade, dass er die Tour abbrechen muss, er ist ein angenehmer Begleiter.

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Ankunft am Pass da Costainas zum Vergrößern klicken
Von der Terrasse der Alp Astras haben wir einen weiten Blick zurück über die sehr angenehm zu fahrende Strecke. Der Weg führt durch idyllische Bergwiesen mit dem munter murmelnden Bach. Ein einziges steileres Stück nur kann einen einem aus dem Atem bringen. Die Hochebene zur Alp Astras erweist sich immer wieder als Rennstrecke. Christian und Matze sind die Sieger. Der wunderschöne Trail durch Krüppelkiefern zum Pass da Costainas ist gut fahrbar und ein Traum. Einer aus der Gruppe opfert sich und öffnet und schließt ein Gatter, so dass die restlichen alle von sich sagen können, den Pass komplett fahrend erreicht zu haben. Ich bin immer wieder fasziniert von dieser einzigartigen Möglichkeit, den Alpenhauptkamm fahrenderweise zu bezwingen, ohne dass man auf einer Teerstraße fährt. Wirklich ein Genuss für alle, die ewiges Schieben im unwegsamen Gelände satt haben.

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Blick zum Ortler zum Vergrößern klicken
Die Abfahrt beinhaltet gleich zu Beginn ein kurzes, sehr steiles Schotterstück. Leider macht Olaf dabei Bekanntschaft mit dem Untergrund. Eine ausgeprägte Schotterflechte ziert auf dem Rest der Tour seinen rechten Oberarm und auch den Unterschenkel. Als wir die Wiese erreichen, sind die Schwierigkeiten vergessen. Eine Traumabfahrt auf gutem Schotter bis Lü wartet auf uns. Die Sicht ist fantastisch. Der Ortler mit seiner dicken Schneehaube liegt zum Greifen nah vor uns - Fotopause. Kurz nach der Örtchen kreischt meine vordere Scheibenbremse gottserbärmlich. Der Bremsbelag ist komplett abgefahren. Zum Glück hat David passende Ersatzbeläge dabei. Ich war so dusselig, dass vor der Tour nicht zu kontrollieren. Aus seinen eigenen Fehlern lernt man wohl am besten. Das wird mir nicht noch einmal passieren.

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Abendessen in der JH "Chasa Plaz" in St. Maria zum Vergrößern klicken
Die obligatorische Pasta-Party in der urigen Jugendherberge "Chasa Plaz" kann aufgrund des warmen Spätsommerwetters im Freien stattfinden.

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Red Bull verleiht Flügel zum Vergrößern klicken
Ich telefoniere noch mal mit HaPe in Scoul, der wegen seines Tourabbruchs natürlich niedergeschlagen ist. Ich will ihn aufmuntern und verspreche ihm, dass ich für ihn selbstverständlich im nächstes Jahr einen Platz in der Gruppe freihalte, wenn es zur selben Jahreszeit wieder auf zu meiner Lieblings-Transalp geht. Im nächsten Jahr ist er wieder dabei, wenn er will, hoffentlich dann als Transalp-Finisher. Wie das funktionieren kann, hat sich seine kleine Tochter ausgedacht. Es wird relativ zeitig dunkel., wir sitzen noch lange im Freien zusammen. Das Glühen der Berge zeigt an, dass morgen wieder ein herrlicher Tag auf uns wartet.

Alternative Route:
· nicht nach Sta. Maria runter ins Tal fahren, sondern weiter oben im Münstertal übernachten (Lü, Tschierv oder Fuldera), ab Lü dazu immer dem MTB-Weg 444 folgen
· bei Schneegefahr auf dem Fimber-Pass im Inn-Tal bleiben (wie 2001)
· oder es über das Val d'Uina (siehe auch Roadbook) versuchen
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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4. Tag: Val Mora, Passo Verva
Diesmal bekommen wir Frühstück in der Jugendherberge. Eine Schweizer Jugendgruppe ist auf Klassenfahrt hier, so dass es sich für Frau Tinner, die Herbergsmutter, lohnt, Essen anzurichten. Frisch gestärkt nehmen wir die lange Schotterauffahrt ins Val Mora in Angriff. Mir fehlen Kilometer zum Einrollen. Buchstäblich aus dem Stand geht es nur bergauf. Das erste Flachstück an der Alp Pra de Vau gibt mir kurz Gelegenheit, die Beine hochzunehmen und etwas lockerer zu werden. Danach geht es besser und ich ziehe durch bis zur Alp Praveder. Nach einer kurzen Rast sind die letzten Höhenmeter zum Döss Radond schnell vergessen. Es ist sonnig, aber doch ein wenig frisch. Wir sind ganz allein in den Bergen, wenn man von den zahlreichen Murmeltieren absieht, die sich durch ihr charakteristisches Pfeifen bemerkbar machen. Matze kann die Geräusche täuschend echt nachmachen. Es ist, also ob sie sich unterhalten. Wir ziehen die Windjacken über und genießen die Abfahrt durchs Val Mora. Das Hochtal ist bei diesem Wetter einfach überwältigend. Wir halten oft an und schauen auf die uns umgebenden Dreitausender. Die Bilder brennen sich ein. Diese alpine Kulisse sucht ihresgleichen. Aus der Schotterpiste wird ein Wiesentrail, der sich später durch Krüppelkiefern schlängelt. Ab der Bachbrücke wird das Tal schmaler, der Pfad zieht sich an der linken Fluss-Seite durch die Geröllhalden und zwingt einen ab und an zum Absteigen. Wildromantisch ist es hier. Jeden Moment könnte Winnetou um die nächste Wegbiegung geritten kommen.

Am Passo Val Mora verlassen wir die Schweiz über die grüne Grenze. Der Weg zieht sich durch die Ausläufer der Geröllhalden, die durch die Erosion der Berge entstehen. Am Passo Fraele geraten die Stauseen ins Blickfeld. An der mittleren Staumauer ist rege Bautätigkeit zu erkennen. Die gewaltigen Wasserreservoire müssen instandgehalten werden, auch wenn uns die Staubfahnen der Baufahrzeuge manchmal nerven. Wir halten uns bei der Seeumfahrung wieder rechts. Ich passiere die Einmündung des Schotterweges vom Passo Alpisella. David und ich sind im Juli von Livigno kommend hier entlang gefahren sind. Wir erinnern uns, dass wir damals am späten Nachmittag auf Quartiersuche waren und erst in Arnoga Unterschlupf fanden.

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Noch Fragen: am Passo Fraele rechts rum fahren am Stausee zum Vergrößern klicken
Heute liegen wir gut in der Zeit. Am Rifugio Giacomo stehen die Liegestühle einladend in der Sonne - Kaffeepause. Als ob sich seit unserem Aufenthalt vor einem Jahr nichts verändert hätte, ist auch ein kleines Kätzchen wieder zur Stelle und turnt auf David herum (Bild). Schließlich fahren wir weiter, immer die Schotterpiste am See entlang. Oberhalb der Staumauer halten wir noch einmal an und bewundern die Bergwelt. Das Sommer-Skigebiet des Stilfser Jochs ist deutlich zu erkennen. Klar zeichnen sich die dunklen Liftmasten über dem weißen Schnee ab. Wir sind jedoch nicht sicher, ob die Lifte laufen. Auch der Zick-Zack-Trail durch die Felswand des Valle Forcola ist deutlich zu sehen. Bei solchem Wetter ist das eine wunderbare Strecke. Von St. Maria aus wäre das auch möglich. Man müsste halt das Val Mora auslassen und die wenig befahrene Straße zum Pass Umbrail nehmen, um dann auf dem Höhentrail zur Bocchetta di Forcola zu fahren. Eine schwere Entscheidung; bisher ist sie bei mir immer zu Gunsten des Val Mora ausgefallen. Irgendwie erscheint mir diese Route logischer. Die Variante über die alten Militäranlagen aus dem 1. Weltkrieg ist eher passend als Fortsetzung einer Transalproute, wenn man vom Stilfser Joch her kommt.

Nun gut, über den heute folgenden Weg brauche ich nicht lange zu rätseln. Nach den Torri di Fraele geht es in der dritten Serpentine wieder rechts ab Richtung Arnoga, über die alte Militärstraße "Decouville". Dafür brauchen wir heute recht lange, nicht weil wir schlapp wären, sondern weil uns die Aussicht überwältigt und wir immer wieder anhalten, um alles in uns aufzusaugen. In den letzten Tagen habe ich in Anbetracht der uns umgebenden landschaftlichen Highlights immer wieder gesagt: "Am nächsten Tag wird es noch einen Zacken schärfer!" Es ist tatsächlich so. Die Eindrücke eines Tages werden übertroffen von den Impressionen des nächsten und so weiter, und so weiter in der Abfolge dieser Traum-Transalp. Eigentlich wollte ich gerade schreiben: dieses Transalp-Traumes, aber da klang so etwas an von "-alp-Traum" und dieser Eindruck ist eindeutig fehl am Platze.

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Abfahrt nach Passo Verva zum Vergrößern klicken
In Arnoga machen wir noch mal Cappuccino-Rast. Eigentlich unnötig, wie ich im nachhinein feststelle. Durch die kurze Pause verliert man das lockere Gefühl in den Beinmuskeln, das sich auf der langen Flachstrecke eingestellt hat. Dieses Gefühl kann man am Passo Verva gut gebrauchen. Matze und Christian fahren die schwere Schotterpiste komplett durch. Alle anderen legen die eine oder andere kurze Schiebepausen-Erholung ein. Nebenbei bemerkt, kann man so die majestätische Bergwelt auch besser in sich aufnehmen. (Wie war das noch mal mit dem Fuchs und den sauren Trauben?) Den Schotter-Downhill nach Eita lassen wir ruhig angehen. Immer wieder unterbrechen wir die Abfahrt. Es wäre eine Sünde, die einsame Landschaft einfach so  an sich vorbeirauschen zu lassen.

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Zweite Heimat: Hotel Sassella in Grosio zum Vergrößern klicken
Im Bergdörfchen Eita hat uns das Leben wieder. Ursprüngliche Landschaft wird hier noch betrieben, allem Anschein nach meist von den älteren Bewohnern des Tales. Ein Bauer und seine Frau sind damit beschäftigt, mit Hilfe einer Art Häckselmaschine den Dung zu zerkleinern, um ihn besser auf die Feldern aufbringen zu können. Im Vorgarten eines kleinen, uralten Bauernhauses liegt ein alter Mann im Schatten, dick in Filzdecken eingemummelt, seine Frau neben ihm. Ich grüße freundlich: "Buon giorno!". Sie nicken und wünschen uns eine gute Reise: "Buon viaggio, ragazzi!" Es wirkt wie eine Idylle, ich kann mir aber gut vorstellen, wie hart das Leben hier oben ist und wie schwer es ursprüngliche Lebensformen haben, sich in der heutigen Zeit zu behaupten. Ich denke vor mich hin: "Allen Schickimicki-Kram wie Handy, vollgefedertes Bike und GPS hin und her - wenn es hart auf hart käme: Die Leute hier oben würden wohl eher klarkommen, wenn sie sich selber behelfen müssten, als wir verstädterte Menschen des 21. Jahrhunderts." Nun ist es aber genug mit dem Philosophieren.

In Grosio wartet das "Hotel Sassella" auf uns. Die rasante Abfahrt über 1000 Höhenmeter auf der kleinen Straße blasen alle fragenden Gedanken aus dem Kopf und die mediterrane Luft des Valtellina tut ein übriges, um keine bohrenden Zweifel über Sinn oder Unsinn einer Transalp aufkommen zu lassen. Freudig begrüße ich Marcella und Jim Pini, den Chef des familiär geführten Hotels. Ich fühle wieder wie zu Hause.


Alternative:
· bei Start oberhalb von Sta. Maria immer dem MTB-Weg 444 folgen, trifft bei Pra de Vau wieder auf die Standard-Route
· ab den Torri di Fraele die Schotterserpentinen hinab nach Bormio und die alte Straße hinunter bis Grosio
· oder man fährt gleich zur "La Baita" ins Val Rezzalo (verkürzt die Transalp um einen Tag)
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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5. Tag: Val Rezzalo, Gavia
Ein banger Blick am Morgen zum Himmel. Wolkenschleier hängen am Himmel. Talabwärts ist eine dunkle Wolkenformation zu sehen, die anscheinend langsam näher kommt. Sollte uns das Wetterglück verlassen? Ich berate mich mit David, der sich ebenfalls mit den Wetteranzeichen in den Alpen auskennt. Wir analysieren die Lage: kein starker Wind, kein starkes Absinken der Temperaturen über Nacht, der Luftdruck ist in etwa gleich geblieben. Nichts deutet auf einen gravierenden Umschwung der Wetterlage hin. Bei schlechten äußeren Bedingungen würde ich auf keinen Fall über das Val Rezzalo zum Gavia-Pass fahren. Als wir ca. zwei Kilometer nach Grosio den Abzweig zum Passo Foppa erreichen, schieben sich die ersten Berggipfel durch die Wolken, die sich nach und nach als Hochnebel entpuppen. Keine Frage mehr, wir fahren zum Val Rezzalo. Per email hatte ich vorsorglich unsere Durchreise bei Alessandro, dem Hüttenwirt von La Baita angekündigt. Unterwegs überholt uns Alessandro im Auto. Offensichtlich ist er auf dem Weg zur Berghütte. Wir werden also erwartet.

In Le Prese beginnt die steile, aber gut fahrbare Auffahrt nach Fumero Die Sonne hat die letzten Nebelschwaden vertrieben und heizt uns tüchtig ein. Wasserstellen gibt es unterwegs genug. Am Ortsende von Fumero ist ein Parkplatz und die Schotterstrecke beginnt. Wir warten, bis die letzten eintrudeln. Uli hat es langsam angehen lassen und erreicht diesmal als letzter den Treffpunkt. Er ist aber offensichtlich gut eingerollt und mit einem erfrischenden. "Auf geht's, Jungs!" rollt er ohne Pause weiter. Seine Leistungsfähigkeit setzt uns immer wieder in Erstaunen. Schnell beginnen die Steilstücke, die mit groben Steinplatten gepflastert sind. Die Zwischenräume sind inzwischen weitgehend durch Kies und Sand zugespült. Ich suche trotzdem soweit es geht, den schmalen Streifen am Rand, der mit dem Mountainbike besser zu befahren ist. Eine dreiviertel Stunde quält man sich ein bisschen. Dann öffnet sich das Hochtal bei San Bernardo. Es ist immer wieder eine Offenbarung, dass es so etwas Schönes gibt. In einer Höhe von 1800-1900 Metern liegen einzelne Gehöfte verstreut im Tal. Strommasten sucht man vergeblich. Vereinzelt wird noch ein wenig Landwirtschaft betrieben. Viele der alten Hütten sind in der letzten Zeit behutsam instand gesetzt worden und dienen als Wochenendhäuschen oder Sommerfrische für die Städter aus dem Tal.

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Alessandro - Chef von "La Baita" zum Vergrößern klicken
Die Terrasse von "La Baita" liegt in der Sonne, wir schlürfen Latte macchiato und genießen den selbstgemachten Heidelbeerkuchen. Ich freue mich, Alessandro wiederzusehen. Wir tauschen in einem Gemisch aus Deutsch und Italienisch Erinnerungen aus und was sich im Sommer so alles im Tal getan hat. Er betreibt die einzige Übernachtungsmöglichkeit für durchreisende Transalpler im Tal. Strom gewinnt er durch ein kleinen Generator, der durch Wasserkraft betrieben wird. Seit zwei, drei Jahren kommen immer mehr Urlauber ins Tal, angeregt durch die verschiedenen Tourberichte im Internet. Wer hier übernachten will, sollte unbedingt vorher per email reservieren (www.rezzalovacanze.com) oder einen Tag vorher anrufen, da die Hütte nicht immer besetzt ist. Bei der Tourplanung ist es für mich immer eine schwere Entscheidung, soll ich nun in Grosio oder in "La Baita" übernachten. Beide Orte haben ihre speziellen Reize. Leider liegen sie so dicht nebeneinander, dass man sich für eine von beiden Möglichkeiten entscheiden muss. Ich denke, bei der Septembertour im nächsten Jahr werde ich mich zur Abwechslung mal wieder für "La Baita" entscheiden. Als wir bezahlen wollen, winkt er nur ab: "Mille gracie per pubblicita!", sagt er zu mir. Ich bedanke und verabschiede mich für dieses Jahr.

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Tragestück zum Passo dell'Alpe zum Vergrößern klicken
Frisch gestärkt machen wir uns an die Auffahrt. Aus militärischen Gründen wurde einst die Trasse angelegt, die bis zu den letzten Gehöften in einer Höhe von ca. 2200 Metern auch noch regelmäßig instandgehalten wird. Je nach Kondition und Schwere des Rucksacks wird man im ersten Steilstück ein paar Schiebestücke einlegen. Wie nicht anders zu erwarten, bleiben Matze und Christian bis weit über das zweite Plateau hinaus im Sattel. Nach der zweiten Brücke ist aber für alle Schluss. Der Weg wird zu steil und führt teilweise über den blanken Fels. Da geht nichts mehr, außer gemütlich das Rad zu schieben und die Aussicht auf die Gletscher des Gavia-Massives zu genießen, so lange diese noch vorhanden sind. Uli hatte angekündigt, dass er wieder eine kleine Badepause im eiskalten Bergbach einlegen will. Diesmal hat er sogar extra ein Thermometer mit, 6° Celsius zeigt es an. Er ist schon ein verrückter Hund.
Das letzte Stück zum Passo dell'Alpe ist wieder fahrbar. Ich habe Uli versprochen, ihn dabei zu fotografieren und warte auf ihn. Die Sonne scheint, es weht aber ein kühler Wind. Keiner hält sich deshalb lange auf. Wir rasten dafür ausgiebig nach der Passhöhe in einer windgeschützten Senke in der Nähe eines Gletscherbaches. Kein anderer Mensch ist zu sehen. Umso mehr sind wir verwundert, plötzlich das Lärmen eines Hubschrauber zu hören. Ein paar hundert Meter entfernt, fliegt er in unserer Augenhöhe vorbei. Gleich ist jedoch wieder Stille um uns, nur ab und zu unterbrochen durch das Pfeifen der Murmeltiere. Nur langsam können wir uns entschließen aufzubrechen. Solche schönen Tage weit oben in den Bergen sind selten und man sollte sie genießen. Schließlich rollen wir doch hinab zur Gaviapass-Straße. Hier beginnt die leichte Auffahrt auf Asphalt bis zum Rifugio Berni an der Passhöhe. Jeder tritt sein Tempo. Kurz vor dem Ziel wird die Straße bei den Seen relativ flach. Das ist immer ein Signal für ein kleines Wettrennen, wenn zwei Mountainbiker nicht weit auseinander liegen. Ich trete an, Olaf liegt in meinem Windschatten und will vorbeiziehen. Ich denke mal, lass ihn den Punkt für die Bergwertung holen und will ihn abklatschen. Er versteht es offensichtlich als Zeichen, gemeinsam einzurollen, was wir dann auch tun. Vor dem Berggasthaus räkeln wir uns wir in der knallenden Sonne, umgeben von stolzen Bezwingern der Pass-Höhe: Rennradlern, Cabriofans und die unvermeidlichen Motorradfahrern, die meist in schwarzen Lederkombis und im Konvoi unterwegs sind.

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So war der alte Gavia-Pass zum Vergrößern klicken
Die Abfahrt vom Pass beginnt mit der rasanten Fahrt durch eine Mondlandschaft. Riesige Steinblöcke liegen links und rechts der Straße. Am Tunnel, den wir rechts umfahren, genießen wir kurz das Feeling des alten Schotterpasses, der der Gavia war, bis er Ende der 1980er Jahre asphaltiert wurde. Ein gewaltiger Erdrutsch blockierte damals die Straße nach Bormio. Der Gavia-Pass war die einzige Zufahrtsmöglichkeit von Süden her. David kennt ihn noch im ursprünglichen Zustand. Damals war er allerdings mit dem Motorrad unterwegs. Am Felsen studieren wir die Inschrift einer Gedenktafel. 50 Jahre ist es her, seit im Jahre 1954 hier offenbar 54 Alpinisti ums Leben gekommen waren. Der Fahrer eines Militärlasters verlor damals die Kontrolle über sein Fahrzeug und riss die jungen Soldaten in den Tod. Frische Blumen zeugen davon, dass ihrer noch gedacht wird. Nachdenklich schauen wir in die einige hundert Meter tiefe Schlucht, ehe wir weiterfahren. Auf dieser Seite ist die Straße stellenweise so schmal, dass nur ein Auto passieren könnte. So bleiben uns die Reisebusse der europaweit agierenden Rentnerreise-Mafia erspart, der Plage des 21. Jahrhunderts. Wer einmal auf einer Autobahn-Raststätte vor den Toiletten Schlange stehen musste, weiß, wovon ich rede. Im unteren Teil wird die Straße dann breiter und wir heizen mit High-Speed ins Tal. Bei der Albergo Pietrarossa sammeln wir uns wieder, das Eisessen verschieben wir auf Ponte di Legno. Vorher checken wir noch im Hotel "Frigidolfo" ein, dem einzigen in Precasaglio. Morgen ist der Montozzo angesagt.

Ohne Gepäck radelt es sich dann ganz entspannt. In Ponte di Legno schleckern wir leckeres Eis gegenüber vom 1-Sterne Albergo "Cervo". Der Chef frohlockt schon auf uns als Tagesgäste. Ich muss ihn aber diesmal enttäuschen, wir haben unsere Wahl schon getroffen. Wer sich noch an alte französische Filme mit Fernandel erinnert; in diesem Hotel könnte ein Remake gedreht werden. Was ich aber nicht als Kritik aufgefasst wissen möchte. Als ich einmal hier übernachtete, war ich recht zufrieden. Das Essen war o.k. und die Bikes standen sicher im Gastraum. David und ich lassen uns noch zu einem Bierchen nieder. Der Freisitz am Marktplatz sieht so einladend aus. Die Preise sind allerdings exorbitant. 4,50 Euro für ein 0,4 l Glas; da fällt mir nichts mehr ein. Zurück in der Albergo trudelt dann auch noch die Radgruppe ein, die auch unsere Strecke fährt. Sie lassen sich offensichtlich den ganzen Tag Zeit. In Grosio rückten sie erst ein, als wir gegen halb acht schon beim Abendessen waren. Schnell wird es dunkel. Wir gehen zeitig zu Bett. Morgen wartet das nächste Highlight auf uns.
Alternative Route:
· ab Grosio über den Passo Foppa (wenig befahrene Nebenstraße) nach Monno und weiter Straße bis Ponte di Legno
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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6. Tag: Montozzo
Wieder ist es am Morgen diesig in den Bergen, aber eindeutig ist es nur Hochnebel. Keine zwei Sekunden brauche ich zu überlegen, um zu wissen, dass heute die Straßenauffahrt zum Passo Tonale nicht die erste Wahl sein wird. Rund 1200 Höhenmeter bis zur Montozzo-Scharte warten auf uns, die allermeisten fahrbar auf einer alten Militärstraße. Doch zunächst geht es ein Stück zurück des Weges, den wir gestern vom Gavia-Pass heruntergerollt sind. Bald zweigen wir nach Pezzo ab, passieren das verschlafene Bergdorf und erreichen schnell Case di Viso. Hier endet die Straße und die Schotterpiste beginnt. Die langgezogenen Serpentinen zeichnen sich deutlich am Berghang ab. Zunächst moderat ansteigend und gut fahrbar kommen dann bald ein paar steilere Stellen, die manch einen kurz aus dem Sattel zwingen. Die Sonne verbirgt sich hinter den Nebelschleiern. Das ist uns recht. Ich bin im Jahr 2000 in der prallen Sonne gefahren. Das war nicht das reine Vergnügen.

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Am Rifugio Bozzi al Montozzo zum Vergrößern klicken
Bis zum Rifugio Bozzi al Montozzo zieht sich das Feld weit auseinander. Matze zieht durch, wahrscheinlich wieder auf dem großen Kettenblatt. Das Rifugio liegt auf einem kleinen Sattel mit traumhafter Aussicht auf die Berge und bald auch ins Tal, denn die Nebel verziehen sich just in dem Moment, als wir alle wieder beisammen sind. Wir machen eine ausgedehnte Pause und besichtigen die Überreste der alten Stellungen und Kriegsbauten. Was hier oben verteidigt werden sollte, will sich mir zum wiederholten Mal nicht erschließen. Die Verteidigungslinien zogen sich hinüber bis zum Passo Tonale, der alte Weg ist noch vorhanden und wäre auch mal eine Erkundung wert. Heute aber nicht, denn eins ist klar; bei diesen hervorragenden Bedingungen kann es nur einen Weg geben, den über die Forcellina di Montozzo.

Meine Gedanken gehen zurück in den September 2000. Damals stand ich schon mal dort oben. Im dem Moment, als wir die Scharte erreichten, brach ein Gewitter mit Hagelschauern los. Der Regen verwandelte die Schotterpiste in einen Sturzbach. Total verdreckt und durchnässt suchten wir in Pejo Zuflucht in einem Hotel. Eine Wiederholung ist heute nicht zu befürchten. Die Sonne hat alle Nebelfetzen längst verjagt. Lachend stemmen wir unsere Bikes die letzten Metern hoch.

Überreste von Schützengräben haben sich erhalten, eine kleine Gedenktafel erinnert an die sinnlosen Opfer dieses Gebirgskrieges. Wir halten inne und lassen das grandiose Panorama der Cevedale-Gruppe auf uns wirken. Weit über 3500 Meter sind die Berge hier hoch. Die Sicht ist unglaublich klar, der Himmel stahlblau. Der Trail ist vom höchsten Punkt beginnend gut fahrbar. Ein paar Mal queren wir kleine Bäche, die nicht viel Wasser führen. Nach einer kleinen Almhütte wird der Weg steiler. Von einem Felsplateau öffnet sich plötzlich der Blick auf den türkisblauen Lago di Pian Palu, der rund 500 Höhenmeter tiefer im Talkessel des Valle del Monte liegt.

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Schöner geht's wohl nicht zum Vergrößern klicken
Der Single-Trail bis dorthin ist ein Genuss für alle Fahrtechniker. Der Weg 111 gabelt sich bei ca. 2150 Metern. Links oder rechts? Egal, beide führen zum Stausee und haben ihre speziellen Reize. Wir nehmen diesmal den rechten Abzweig, überqueren noch ein paar Bäche und genießen die anspruchsvollen Single-Trials. Matze fährt vorneweg und wartet an einer sonnigen Stelle, damit alle aufschließen können. Es dauert eine Weile. Dann kommt Reiner. Er hat einen kleinen Überschlag hinter sich. Der Helm verhütet Schlimmeres. Wir begutachten die Delle im Material. Ohne Kopfschutz hätte das Böse ausgehen können. Olaf und David fehlen noch immer. Matze und ich laufen schließlich ein Stück zurück. Doch kein Grund zur Sorge. Olaf hat eine Bachquerung genutzt und seine Schürfwunde am Bein ausgewaschen. Als wir die Staumauer erreichen, liegen alle kniffligen Stellen endgültig hinter uns. Ein Angler zieht gerade eine große Forelle aus dem Wasser: "Buon appetito!", rufe ich ihm zu. Wir schauen eine Weile seinen Bemühungen zu, den Fisch aus dem Wasser zu bringen.

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Trail zum Lago Pian Palu zum Vergrößern klicken
Schließlich fahren wir los. Bis zur Fontanino di Pejo geht es eine gute Schotterstraße abwärts. An der heiligen Quelle füllen die Einheimischen das Wasser in große Kanister ab. Ihm werden heilende Kräfte zugeschrieben. Die Straße wird langsam zur Asphaltpiste. In Pejo halten wir kurz an. Ich schlage vor, dass wir die folgende Straßenpassage schnell hinter uns bringen. Es sind nur wenige Autos unterwegs. Der Wind kommt straff von vorn, wie oft in den Bergtälern. Auf halber Strecke bis Fucine zweigt nach rechts ein Radweg ab, der rasch an Höhe verliert. Er führt direkt zum Radweg im Val di Sole. Auf diesem ziehen wir durch bis Dimaro. Olaf und ich geben uns abwechselnd Windschatten, so dass wir in Windeseile da sind. Es ist früher Nachmittag, der Supermarkt noch zu. Zeit für eine Rast. Die Sonne brennt heiß. Wir essen im Schatten ein paar Kleinigkeiten, den es liegen noch reichlich 800 Höhenmeter im Anstieg vor uns. Am Ortsausgang verlassen wir die Straße. Der MTB-Weg geht geradeaus weiter nach Madonna di Campiglio. An der Flanke der Brenta entlang bieten sich von Zeit zu Zeit herrliche Ausblicke auf die Felsentürme der Gebirgsgruppe, sofern man zwischen Treten, Schwitzen und Luftholen Zeit und Lust empfindet, den Blick schweifen zu lassen.
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Meine italienischen Freunde bei ihrer Transalp zum Vergrößern klicken


Man schreibt es englischen Bergfreunden zu, dass von der Brenta aus sich der alpinistische Tourismus entwickeln konnte. Durch eine Vielzahl von Klettersteigen gehört der Bergstock zu einem der am besten erschlossenen alpinen Wandergebiete. Mittlerweile hat sich auch der MTB-Tourismus etabliert. Die Wegmarkierungen sind inzwischen eindeutig; immer den Schildern Richtung MTB-Madonna folgen. Der Weg führt m Rand eines Canyons entlang, den wir auf einer überdachten Holzbrücke überqueren. Zeit für ein kurzes Verschnaufen. Dann wird der Weg flacher und bleibt im Schatten der Bäume bei sehr angenehmen Temperaturen. Dann folgen noch ein paar steilere Abschnitte, bis man in die Nähe der Autostraße gerät. Jetzt ist es bald geschafft. An der Malga Mondifra füllen wir zum letzten Mal Wasser in die Trinkflaschen. Bei der Unterquerung eines kleinen Liftes ist der höchste Punkt erreicht und es geht nur noch abwärts.

Das Hotel "Arnica" meines Freundes Matteos liegt mitten im Ortszentrum von Madonna di Campiglio. Matteo ist gerade mit den Planungen für seinen ersten Transalp beschäftigt. Da komme ich ihm gerade recht. Ich empfehle ihm unsere gerade eben gefahrene Strecke. Einer seiner Begleiter kommt noch dazu und ich zeige ihnen anhand meiner gescannten Karten die Route. Der Einfachheit halber überlasse ich ihnen gleich die Blätter und wünsche ihnen viel Glück und gutes Wetter für ihre Tour. Das hat geholfen. Nach gelungener Transalp schickte mir Matteo ein Foto vom Pass da Costainas.
Wir lassen den Tag in einer Pizzeria ausklingen, nehmen noch einen Absacker an der Bar unseres Hotels und verkrümeln uns zeitig ins Bett.

Alternative:
· ab Ponte di Legno die Straße über den Passo Tonale, wie im Bericht 2003cl und 2003-int beschrieben
Tourdetails: (Roadbook - Höhenprofil - Landkarte)
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7. Tag: Gardasee
Es ist frisch, als ich am Morgen aus dem Fenster blicke. Die Sonne steigt langsam über die Berge. Es wird wieder eine schöner Tag werden. Passend zum Abschluss dieser grandiosen Tour. Das Frühstück ist reichhaltig: Käse, Wurst, Marmelade, Obst und eine Vielzahl verschiedener Kuchen. Wir verschaffen uns damit eine gute Grundlage, denn mit größeren Essenspausen wollen wir uns heute nicht aufhalten. Der Gardasee ruft.

Wir fahren durch das Ortszentrum, am See vorbei durch den noch kühlen Wald in Richtung Rifugio Vallesinella. Am Parkplatz ist die grobe Betonstraße zu Ende. Steil geht es abwärts zum Wasserfall. Das Rifugio Cascata di mezza ist noch geschlossen. Wir überqueren unterhalb die kleine Holzbrücke und fahren und schieben gemütlich den folgenden Single-Trail entlang. Bald erreichen wir eine Forststraße, die uns abwärts zur Malga Brenta bringt. Aus den Wissen steigt noch der Tau auf. Die morgendliche Stimmung ist märchenhaft. Die Schotterpiste das Val d'Agola hinauf ist nur mäßig steil und lässt sich hervorragend fahren. Ich teste mich mal aus und bleibe an Matze und Christian dran bzw. sie reduzieren ihr Tempo so, dass ich folgen kann. Bald ist der Hohlweg erreicht, der zum Lago d'Agola führt.

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Morgenstimmung am Lago d'Agola zum Vergrößern klicken
Am See wird traditionsgemäß Rast in der Nähe des abgestorbenen Baumstumpfes gemacht. Noch sitzen wir im Schatten, gerade erhebt sich die Sonne über die Bergspitzen der Brenta. Nach und nach erstrahlt auch der still da liegende See im gleißenden Sonnenlicht. Gemächlich nehmen wir die kurze, heftige Schiebepassage in Angriff. Ich feuere Christian an, der die Wiese so weit hochfährt, bis es nicht mehr geht. Eine starke Leistung. Der letzte größere Anstieg vor dem Gardasee ist bald bezwungen. Am Bärenpass verschnaufen wir kurz, schießen das obligatorische Gruppenfoto mit den Gletschern der Adamello-Gruppe im Hintergrund und bereiten uns auf die Abfahrt vor. Doch erst muss noch der Passo del Gotro bezwungen werden. Das geht schnell.

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Am Bärenpass zum Vergrößern klicken
Im Spätsommerdunst liegt das Val d'Algone vor uns. Eine traumhafte Abfahrt wartet auf uns. 700 Höhenmeter auf Schotter bis zum Rifugio Brenta und dann noch einmal 500 Höhenmeter auf der kleinen Asphaltstraße. Am Talende verstauen wir die Windjacken. Es ist deutlich wärmer geworden. Erstaunlicherweise bläst uns diesmal in Richtung Stenico der Wind nur mäßig ins Gesicht. Jeder sucht trotzdem so gut es geht einen Vordermann, der ihm Windschatten spendet. Auf der Piazza Centrale in Stenico werden die Punkte für die Sprintwertung vergeben.

Von hier aus gibt es mehrere Möglichkeiten, den Gardasee zu erreichen. Die zwei klassischen Hauptvarianten kennen alle aus der Gruppe schon. Da ist zum einen der Weg über den Passo di Ballino, eine oft gefahrene Straßenvariante. Landschaftlich sehr reizvoll ist zum anderen der Weg durch das einsame Val di Lomasone. Der Wermutstropfen ist allerdings, dass man dabei zwei sehr steile Schiebestücke auf alten Römerpfaden zu überwinden hat. Beide Varianten belohnen den erfolgreichen Transalpler dann mit dem ersten Blick auf den Gardasee aus mehreren hundert Metern Höhe von Tenno aus. Während unserer Ostertourenwoche sind wir beide Alternativen gefahren.

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Strada Vecchia an der Sarca zum Vergrößern klicken
Deshalb wollen wir eine dritte Möglichkeit in Angriff nehmen, die zudem kaum noch zusätzliche Höhenmeter erfordert. Landschaftlich reizvoll ist sie allemal, die Route auf der alten Sarca-Straße. Der Fluss hat sich zwischen Ponte Arche und Sarche im Laufe von Jahrmillionen einen Canyon durch den Fels gegraben, bevor er bei Torbole in den Gardasee mündet. Auf der Ponte Sarca, die sich im kühnen Bogen über die Schlucht schwingt, überqueren wir die Schlucht. Ein kurzes Stück müssen wir noch auf der Straße fahren. Der Seitenstreifen gibt uns genug Platz, um unbedrängt vom Verkehr schnell vorwärts zukommen. Ein Radweg ist offensichtlich im Bau. Das wird diese Passage bald noch freundlicher gestalten.

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Transalp-Finisher 2004 - z.B Uli zum Vergrößern klicken
Vor dem ersten Tunnel zweigt sie links ab, die Strada Vecchia im Sarca-Tal. Hoch über dem Grund der Schlucht schlängelt sie sich an den Felsen entlang. Ganz still ist es hier, der Fluss führt um die Jahreszeit wenig Wasser. Der alte Straßenbelag ist übersät mit Gesteinsbrocken. Langsam holt sich die Natur die Straße zurück. Bäume und Büsche wachsen durch den bröckelnden Asphalt. An manchen Stellen bleibt nur eine schmale Gasse für uns übrig. Wir fahren hintereinander. In einer Kurve rollen wir vorsichtig an die kleine Mauer heran, die die Straße begrenzt. Senkrecht fällt die Felswand ab, unten gurgelt der Fluss. Da stockt einen der Atem. Drei Tunnel, durch die an Wochentagen der Verkehr braust, umfahren wir so elegant. Dieses Stück erinnert mich sehr an die alte Ponale-Straße, sie muss in etwa zur selben Zeit gebaut worden sein. Schließlich endet dieses Reise in die Vergangenheit oberhalb von Sarche. Hier beginnt die fruchtbare Ebene, die sich vom Gardasee über Arco und Dro bis zum Lago Toblino erstreckt. Wir überqueren am Ortseingang von Sarche wieder die Sarca und biegen sofort auf den Radweg ab, der dem Flusslauf folgt. Seit diesem Jahr ist er durchgängig befahrbar.

Entspannt rollen wir die letzten Kilometer zum Finale unserer Transalp. In Pietramurata wählen wir den Weg am Lago di Cavedine entlang, der noch einen kurzen Anstieg durch die Steinwüste der Marocche mit sich bringt. Sie entstand nach der letzten Eiszeit durch den gewaltigen Abbruch einer ganzen Felswand des Monte Brento, als sich der gewaltige Gletscher, der auch den Gardasee schuf, nach und nach zurückzog. Hier sehen wir zum ersten Mal den Gardasee. Jetzt gibt es kein Halten mehr. In Höchstgeschwindigkeit rasen wir auf Dro zu. Doch wie Olaf immer sagt: "Ein Eis geht immer noch." Hinter dem Schuhmarkt befindet sich die Gelateria "Maui". Hier gibt es weit und breit das beste hausgemachte Eis der Region, behaupte ich. Unsere Eisspezialisten Olaf und Reiner sind erst skeptisch, bestätigen dann aber meine Meinung.

Von Dro aus folgen wir wieder dem Flusslauf der Sarca auf einem alten Karrenweg, der durch Olivenhaine führt. An der alten Römerbrücke bei Ceniga wachsen Feigenbäume. Die Früchte sind reif und werden gekostet. Weiter geht es an den Kletterfelsen von Arco vorbei. Hier ist immer viel los in der Felswand. Das finale Wettrennen findet auf dem Radweg nach Torbole statt. Am Gardasee angekommen, möchte Matze am liebsten das Rad mit seinem geliebten Surfbrett vertauschen, so stark weht heute der nachmittägliche Wind. Ein paar Meter noch am Strand entlang und wir sind am Strandcafe von Torbole, wo ich meine Transalps immer beende. Simi und Diana sind schon da, um uns zu empfangen. Sie haben die Finisher-T-Shirts dabei. Alle haben sie sich redlich verdient.
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Fazit
So, nun ist die Sache rund. Viele Verbesserungsmöglichkeiten fallen mir für diese Transalp-Route nicht mehr ein. Eine noch vielleicht, zum Schluss über den Tremalzo. Doch dann müsste man einige Dutzend Kilometer Strecke auf der Straße machen, was dem Charakter dieser Route zuwiderlaufen würde, zumindest in meinen Augen.

Also lasse ich sie so wie sie ist und freue mich auf das nächste Jahr, wo ich wohl wieder auf dieser "meiner" Route unterwegs sein werde und zum Abschluss hier am Strandcafe in Torbole sitzen werde. Die erste Septemberwoche ist dazu ein guter Zeitpunkt.
Panorama am Lago
Panorama am Lago
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