Transalp.info by Andreas Albrecht

Rennrad Transalp


3. Tag: Trafoi -  Stilfser Joch - Pass Umbrail - Ofenpass - Passo d'Eira - Passo di Foscagno - Bormio

opener 350 DSCN5161Am Morgen überlege ich mir beim ausgedehnten, reichhaltigen Frühstück, wie meine Route heute aussehen sollte. Nach dem Stilfser Joch hat man am Pass Umbrail zwei Möglichkeiten zur Weiterfahrt. Entweder direkt hinunter nach Bormio und weiter z.B. über den Gaviapass oder hinab in die Schweiz und durchs Münstertal und weiter über den Ofenpass. Ich entschließe mich für die letztere Variante, da mir diese Strecke zu weiten Teilen noch unbekannt ist. Aber zunächst wartet das Stilfser Joch auf mich. Mit dem Mountainbike habe ich es schon von beiden Seiten befahren, was aufgrund der Bergübersetzungen kein sonderlich großes Problem darstellte. Doch ich bin auch mit dem Rennrad optimistisch. Gestern bin ich rund 150 Kilometer und knapp 3000 Höhenmeter gefahren, ohne dass ich gleich im Koma lag. Wieder habe ich Glück und erwische einen Wegbegleiter. Ein junger Mountainbiker aus Jena fährt eine Transalp und ich passe mich seinem Tempo an. Vom Gefühl her könnte ich zwar etwas schneller fahren, lasse das aber gerne sein und quatsche lieber mit ihm. Außerdem gibt es uns beiden die Möglichkeit, bei den Fotopausen Bilder von Biker und Rad zu machen. Wir können uns heute glücklich schätzen, das Joch bei solch idealen äußeren Bedingungen fahren zu können. 48 Kehren sind es, alle durchnummeriert, die wir nach und nach abfahren. Der Verlauf der Strecke ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Die Trassierung erfolgte vor über 200 Jahren und musste seitdem praktisch nicht verändert werden. Dazu ist die Steigung nahezu gleichmäßig, wie das Höhenprofil anzeigt - angepasst, was die damaligen Verkehrsmittel, die Postkutschen leisten konnten.

Seit einigen Jahren wird am ersten Samstag im September der Radtag Stilfser Joch veranstaltet, bei dem die Straße (von Trafoi bis Bormio) von morgens bis abends für den motorisierten Verkehr gesperrt wird. Dann ist sie allein tausenden Radfahrern und (einigen wenigen) Wanderern/Läufern vorbehalten Wir haben heute etwas Verkehr, der aber aufgrund der frühen Stunde noch recht spärlich ausfällt. Nach knapp zwei Stunden Auffahrt, immer wieder unterbrochen durch Fotopausen trennen sich auf 2757 Meter über Seehöhe unsere Wege.

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Der Mountainbiker hat mit der Bocchetta di Forcola ein Highlight vor sich, besonders bei diesem schönen Wetter. Ich mache mich via Pass Umbrail an die Abfahrt über knapp 1400 Höhenmeter hinunter nach St. Maria im Münstertal. Im mittleren Teil existierte damals ein ca. zwei Kilometer langer Abschnitt als Naturstraße, zwar fein geschottert und gut gepflegt, aber nur mit Vorsicht und in langsamer Fahrt zu genießen, zumindest für mich und mein Rennrad. Inzwischen ist dieser Abschnitt auch komplett asphaltiert.
Nach vielen engen Kehren erreiche ich St. Maria, mir bestens vertraut von vielen Transalps auf meiner Albrecht-Route mit dem Mountainbike. Heiß brennt die Sonne vom Himmel herab. Ich mache eine kurze Pause, esse eine Kleinigkeit, fülle aus dem Brunnen Wasser in die Trinkflaschen ab und mache mich schließlich auf den Weg zum Ofenpass. Es ist Wochenende und deshalb leider wohl unvermeidlich viel Ausflugsverkehr unterwegs, besonders Motorräder. Ich nutze deshalb soweit es geht, die Ortsdurchfahrten als ruhige Nebenstrecken. Nach Tschierv ist damit aber auch Schluss und ich muss es halt ertragen. Nach der Passhöhe winkt als Lohn eine lange, entspannte Abfahrt, auf der ich mich nicht sonderlich konzentrieren muss, sondern es einfach laufen lassen kann.

Am Punt la Drossa ist damit Schluss und ich warte auf das grüne Licht der Ampel, das die Durchfahrt für den ca. dreieinhalb Kilometer langen Grenztunnel nach Livigno freigibt. Der Tunnel war damals für Radfahrer frei befahrbar, Autos und Motorräder müssen Maut entrichten. Ich geselle mich zu einem italienischen Rennradler, der mich am Ofenpass mit seinem edlen Carbonteil locker stehen ließ. Nur 6,3 Kilogramm wiege es, berichtet er mir stolz und gewährt mir bereitwillig Windschatten im Tunnel. Ich revanchiere mich bei der langen Fahrt durch die Galerien entlang des Stausees bis Livigno, indem ich mich in der Führungsarbeit mit ihm abwechsle.


Achtung: Seit 2008 darf der Tunnel nicht mehr mit dem Rad befahren werden. Es existiert ein kostenpflichtiger Busshuttle für Fahrräder. Infos dazu auch hier.


Zwei Wochen zuvor war ich auch schon in Livigno - bei meiner MTB-Transalp vom Bodensee zum Gardasee. Zielstrebig steuere ich einen kleinen Supermarkt in der Ortsmitte an, um mich zu verpflegen. Wieder dasselbe Traumwetter wie vor zwei Wochen. Wieder wartet als nächstes der Passo d'Eira auf mich, denn in Livigno will ich nicht übernachten, da erst früher Nachmittag ist. Wieder wird es ein Tag mit vier Pässen, denn mit dem Passo del Foscagno folgt noch der Übergang nach Bormio. Ich sehe ihn im langgezogenen Hochtal schon von weitem und auch die Wolkenfetzen, die ihn umwehen. Doch ich muss viel Geduld aufbringen. Ein kalter, böiger Gegenwind kommt auf und macht den eigentlich moderaten Anstieg zu einem kleinen Härtetest. Den bestehe ich, ziehe oben alles an, was ich habe und lasse mich in Richtung Bormio rollen. In Arnoga kreuze ich wieder meine klassische MTB-Route, überlege kurz im erstklassigen "Li Arnoga" abzusteigen, verwerfe jedoch den Gedanken, weil ein Wetterumschwung droht. Ich will mich morgen nicht der Gefahr aussetzen, eventuell in Kälte und Nässe diese lange Abfahrt vor mir haben zu müssen. Zum Glück gibt es bis ins Tal hinunter keine nennenswerten Gegenanstiege, mit dem Gegenwind werde ich schon fertig. Mit der Hotelsuche vertue ich keine große Zeit, nehme so ziemlich das erstbeste, das mir über den Weg läuft - das Baita Montana (siehe aber die Empfehlung bei Hoteltipps Bormio). Normaler italienischer Standard halt - vernünftiges Abendessen im Preis inbegriffen, mäßiges Frühstück. Aber dafür habe ich schon vorgesorgt und unterwegs Schinken, Käse und Brötchen für den nächsten Tag eingekauft...

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Übernachtungstipps:

Bormio: HOTEL Funivia
23032 BORMIO - via Funivia, 34
tel.: 0039 0342 903242

Livigno:
4 Sterne Superior Hotel Lac Salin Spa & Mountain Resort
Via Saroch 496-D, LivignoT. +39 0342 996166

3 Sterne: Hotel Astoria
Via Saroch 1116, 23030 Livigno (SO) ITALIEN
T./Fax +39 0342 99.66.63