Transalp.info by Andreas Albrecht

Rennrad Transalp

Mit dem Rennrad über die Alpen von Garmisch an den Gardasee

350 95Strecke:

Garmisch - Mittenwald - Seefeld - Telfs - Imst Bhf. - Pillerhöhe - Pfunds - Norbertshöhe - Reschenpass - Prad - Stilfser Joch - Pass Umbrail - Münstertal - Ofenpass - Livigno - Passo di Foscagno - Bormio - Passo Foppa - Passo Tonale - Madonna di Campiglio - Pinzolo - Passo Daone - Zuclo - Passo Duron - Passo Ballino - Gardasee

Länge: 500 km
Höhenmeter: ca. 11.400 hm aufwärts
Etappen: 5 plus 1 Tag Rückreise per Rad und Zug

1. Tag: 44 km, 673 hm
Garmisch-Partenkirchen - Mittenwald - Leutasch - Seefeld

2. Tag: 154 km, 2722 hm
Seefeld - Mösern - Telfs - Imst - Arzl - Wenns - Pillerhöhe - Kauns - Prutz - Pfunds - Martina (CH) - Norbertshöhe - Nauders - Reschen - Mals - Prad - Trafoi

3. Tag: 108 km, 2865 hm
Trafoi - Stilfser Joch - Pass Umbrail - St. Maria im Münstertal - Ofenpass - Punt la Drossa - Livigno - Passo d'Eira - Passo del Foscagno - Arnoga - Bormio

4. Tag: 118 km, 3154 hm
Bormio - Le Prese - Passo Foppa - Monno - Passo Tonale - Mezzana - Dimaro - Madonna di Campiglio

5. Tag: 76 km, 1401 hm
Madonna di Campiglio - Pinzolo - Spiazza - Passo Daone - Preore - Zuclo - Passo Duron - Fiave - Passo Ballino - Riva - Torbole

6. Tag - Rückreise: 56 km, 262 hm
per Rad: Torbole - Nago - Mori - Rovereto Bhf, ca. 17 km, ca. 250 hm
mit Regionalzug von Rovereto zum Brenner
per Rad: Brenner - Innsbruck, ca. 39 km, ca. 10 hm
per Regionalzug Innsbruck - Garmisch - München - Gotha

Medien

Wenn ihr die Tour individuell nachfahren wollt, ist folgendes verfügbar: GPS-Tracks, Kartenscans, TOPO-Karte für Garmin GPS-Geräte, Finisher Bikeshirt: im Webshop


Übersichtskarte

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schwarz: Hauptroute
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Höhenprofil

rennrad transalp komplett

Landkarten

Kompass: Digitale Karte Über die Alpen, 5, 35, 42, 52, 71, 072, 73, 94, 96, 101, 107
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer

Tourplanung: Andreas Albrecht

gefahren vom 21. - 26. September 2006: Andreas Albrecht solo



Tourbericht

Alles, was gut geht, wird im Nachhinein als Strategie erklärt.

Gerhard Schröder (*1944)


Prolog

350 DSCN5104Viele Transalps bin ich schon mit dem Mountainbike gefahren. Dabei quert man immer wieder Straßenpässe in den Alpen. So entstand in mir die Idee, eine Transalproute zu entwerfen, die komplett für ein Rennrad geeignet ist. Die eigentliche logistische Herausforderung ist dabei, Strecken zu suchen und zu kombinieren, die möglichst wenig vom motorisierten Verkehr betroffen sind. Da das natürlich nicht vollkommen vermeidbar ist, muss man sich überlegen, zu welchem Zeitpunkt der Hauptandrang vorbei ist. Das Stilfser Joch zum Beispiel an einem Samstagnachmittag im Hochsommer mit dem Rad befahren zu wollen, ist wohl wenig empfehlenswert. Karawanen von Autos und Motorrädern werden dann auf der grandiosen Passstraße dem Radler ihre Auspuffgase ins Gesicht blasen. Faustregel ist: attraktive Pässe so zeitig wie möglich am Morgen anfahren, dann hat man sie meist für sich alleine.

Bewährter Startort sollte wegen der guten Zuganbindung Garmisch-Partenkirchen sein, denn inzwischen lasse ich das Auto für den Transfer ganz gern mal stehen und fahre entspannt und stressfrei mit der Bahn. Als Zielpunkt ist der Gardasee unschlagbar, das stand also auch fest. Die Strecke mittendrin würde sich ergeben. Ein paar schöne Tage Ende September locken, also nicht lange gefackelt und los. Ein erster Zwischenstopp soll in Seefeld sein.
Ach ja, ein Rennrad brauche ich ja auch noch. Bei meinen Radhändler stand ein fast neues vor der Tür, dass mir schon rein optisch sehr gut gefiel. Die Rahmenhöhe und -geometrie passte auch, wie ich bei einer längeren Testfahrt sofort merkte. Der einzige Unsicherheitsfaktor für mich ist die Übersetzung. Das Kompaktsystem mit 34 Zähnen vorne und einem 26er Ritzel hinten musste reichen für die Alpenpässe. Würde meine Kraft dafür ausreichen?



1. Tag: Garmisch-Partenkirchen - Leutasch - Seefeld

350 DSCN5201Nach der Anreise mit der Bahn steht heute nur eine kleine Strecke zum Einrollen auf dem Programm. Am frühen Nachmittag geht es bei strahlendem Sonnenschein am Bahnhof Garmisch-Partenkirchen los. Die Radstrecke nach Mittenwald ist fast komplett asphaltiert und ich nutze sie gerne, weil auf der Bundesstraße wie fast immer reger Autoverkehr herrscht. Einzig ein vielleicht 700 m Meter langes Teilstück kurz vor Klais ist ein feingeschotterter Feldweg, den man mit dem Rennrad aber durchaus fahren kann. Wem das partout nicht passt, kann für einen Moment auf die Bundesstraße wechseln. Die Steigungen sind bis Mittenwald moderat und auch der erste längere Anstieg in die Leutasch sollte für niemanden ein ernsthaftes Problem darstellen. Wenn doch, dann wäre hier die Gelegenheit umzukehren und ernsthaft für eine Transalp mit dem Rennrad zu trainieren.

An der Höllkapelle ist die Leutascher Ebene erreicht. Ein Verbindungsweg führt hier zur Geisterklamm. Ich laufe die hundert Meter bis zur Klamm, die durch eine kühne Metallkonstruktion für Erlebnisspaziergänger erschlossen ist. Mir reicht die Stippvisite und weiter geht's. Die Leutasch besteht aus mehreren lose verteilten Dörfchen und Anwesen, flankiert von der Bergkette des Wettersteingebirges. Nur Weidach ist etwas größer. Hier biegt man auch schon links ab und der letzte kleine Anstieg für heute zum Seefelder Plateau beginnt. In Seefeld herrscht kein Mangel an Unterkunftsmöglichkeiten. Für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel lässt sich etwas finden. Auf dieser Solotour habe ich keine großen Ansprüche und komme in einer kleinen Familienpension mit Blick auf den Wildsee unter. Die relativ zeitig untergehende Sonne taucht die umliegenden Berge in ein beruhigendes, rötlich-warmes Licht. Ein gutes Vorzeichen für die nächsten Tage.

Wer ein wenig mehr Luxus will, steigt im "Karwendelhof" ab, direkt gegenüber dem Bahnhof ab. Der Service und das Ambiente sind vorbildlich. Autos können, falls notwendig, sicher auf dem Hotelparkplatz stehen bleiben.

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01Garmisch Seefeld

Übernachtungstipps:

Hotel Karwendelhof: Bahnhofstraße 124, 6100 Seefeld in Tirol, Österreich  Telefon: +43 5212 26550    www.karwendelhof.com



2. Tag: Seefeld - Pillerhöhe - Norbertshöhe - Reschenpass - Trafoi

opener 350 DSCN5117Ich wache früh am Morgen auf, geweckt durch Vogelzwitschern. Der Himmel ist wolkenlos und die Luft frisch und noch etwas kühl. Voller Tatendrang schwinge ich mich aufs Rennrad. Ein paar Kilometer zum Einrollen und schon geht es nach einer kleinen Steigung den Möserer Berg hinunter ins Inntal. Die Straße ist dank der Deutschlandrundfahrt der Radprofis frisch asphaltiert, die in jenem Jahr eine Bergankunft in Seefeld im Programm hatte. Auf den langen Geraden erreiche ich locker 70 km/h. Ein wenig mulmig ist mir dabei schon. Ich muss mich erst wieder an den Anblick der schmalen Pneus gewöhnen. So ein breiter Mountainbikereifen sieht für mich irgendwie Vertrauen erweckender aus. Alles geht gut. Ich grüße die bergauf strampelnden Radler mit einem Kopfnicken. Die Hände will ich lieber am Lenker lassen. In Telfs wechsle ich auf den Innradweg, den ich erst am Bahnhof Imst-Pitztal verlasse. Auf der alten Straße ins Pitztal erreiche ich bald Arzl, wo ich auf die neue Straße stoße. Der Verkehr wird etwas lebhafter. Die Straße ist breit genug für einen Seitenstreifen, so dass es sich gut fahren lässt. Ein Rennradler aus Innsbruck ist auf dem Weg ins Kaunertal. Wir fahren ein Stück gemeinsam und fachsimpeln ein wenig über die verschiedenen Schaltsysteme am Rennrad. Durch diese Abwechslung erreichen wir nach meinem Gefühl recht zügig die Pillerhöhe und machen kurz darauf am Gacher Blick einen kurzen Halt: Fotostopp. Gut siebenhundert Meter unter uns liegt das Inntal - ein atemberaubendes Panorama bei diesem Traumwetter heute. Tja, nun werden die Höhenmeter gleich wieder vernichtet. Steil ist die Abfahrt ins Kaunertal, wo sich mein kurzzeitiger Begleiter verabschiedet. Ich schaue auf die Uhr und rechne mir aus, das ich zur späten Mittagszeit in Pfunds sein dürfte - der rechte Zeitpunkt, um sich bei M-Preis eine etwas längere Essenspause zu gönnen. Außerdem ist mir das Wasser in den Trinkflaschen über, das ich unterwegs an den reichlich vorhanden Brunnen nachfüllen konnte. Inzwischen ist mir klar, dass ich heute locker bis zum Reschenpass kommen werde, und wenn ich einmal dort bin, kann ich auch gleich noch ins Vinschgau hinunter rollen. Alles weitere wird sich ergeben.

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Die direkte Route nach Nauders würde ich keinem mit dem Fahrrad empfehlen. Zu viel Verkehr und zu viele Tunnels (ist außerdem inzwischen für Radfahrer komplett verboten - richtigerweise!). Die alternative Route führt kurz in die Schweiz und von Martina aus über die Norbertshöhe. Ich bin sie schon mehrfach gefahren. Wieder habe ich Glück und treffe bei der Auffahrt auf einen zeitweiligen Begleiter. Ein Mountainbiker aus Landeck dreht seine Trainingsrunde. Wir schwatzen und sind im Nu oben. In Nauders trenne sich unsere Wege wieder. Ich radele bei starkem Gegenwind in Richtung Reschenpass - zunächst auf dem Radweg. Als ich drei Rennradler in gleichem Trikot auf der Straße sehe, wechsle ich bei Reschen auf die Straße in der Hoffnung, mich ihrer Formation anschließen zu können. Meine Hoffnung trügt mich nicht, ich reihe mich ein und wir wechseln uns in der Führungsarbeit ab, was bei dem leichten Gegenwind ziemlich kräftesparend ist. Bei der Abfahrt lasse ich die Jungs ziehen, sie wollen heute noch nach Bormio. Da wartet noch ein dicker Brocken auf sie. Ich peile von Glurns aus den direkten Weg nach Prad am Fuße des Stilfser Jochs an. Gegen siebzehn Uhr bin ich dort. Ich fühle mich gut und horche in mich hinein, was heute eventuell noch geht. Bis Trafoi sind es gut sechshundert Höhenmeter. Dort lockt mich die Übernachtung im Hotel Bellavista, von dem ich schon viel Gutes gelesen hatte. Exakt eine Stunde brauche ich und meine Erwartungen werden nicht enttäuscht. Ich bekomme ein Zimmer mit First-Class-Panorama zum Stilfser Joch und Ortler. Beim Abendessen im Speisesaal derselbe grandiose Ausblick. Das ist der Mühen wert gewesen.

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02Seefeld Trafoi

Übernachtungstipps:

Hotel Bellavista: Strada del Passo dello Stelvio, 17, 39029 Stilfs BZ, Italien  Telefon:+39 0473 611716     www.bella-vista.it 



3. Tag: Trafoi -  Stilfser Joch - Pass Umbrail - Ofenpass - Passo d'Eira - Passo di Foscagno - Bormio

opener 350 DSCN5161Am Morgen überlege ich mir beim ausgedehnten, reichhaltigen Frühstück, wie meine Route heute aussehen sollte. Nach dem Stilfser Joch hat man am Pass Umbrail zwei Möglichkeiten zur Weiterfahrt. Entweder direkt hinunter nach Bormio und weiter z.B. über den Gaviapass oder hinab in die Schweiz und durchs Münstertal und weiter über den Ofenpass. Ich entschließe mich für die letztere Variante, da mir diese Strecke zu weiten Teilen noch unbekannt ist. Aber zunächst wartet das Stilfser Joch auf mich. Mit dem Mountainbike habe ich es schon von beiden Seiten befahren, was aufgrund der Bergübersetzungen kein sonderlich großes Problem darstellte. Doch ich bin auch mit dem Rennrad optimistisch. Gestern bin ich rund 150 Kilometer und knapp 3000 Höhenmeter gefahren, ohne dass ich gleich im Koma lag. Wieder habe ich Glück und erwische einen Wegbegleiter. Ein junger Mountainbiker aus Jena fährt eine Transalp und ich passe mich seinem Tempo an. Vom Gefühl her könnte ich zwar etwas schneller fahren, lasse das aber gerne sein und quatsche lieber mit ihm. Außerdem gibt es uns beiden die Möglichkeit, bei den Fotopausen Bilder von Biker und Rad zu machen. Wir können uns heute glücklich schätzen, das Joch bei solch idealen äußeren Bedingungen fahren zu können. 48 Kehren sind es, alle durchnummeriert, die wir nach und nach abfahren. Der Verlauf der Strecke ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Die Trassierung erfolgte vor über 200 Jahren und musste seitdem praktisch nicht verändert werden. Dazu ist die Steigung nahezu gleichmäßig, wie das Höhenprofil anzeigt - angepasst, was die damaligen Verkehrsmittel, die Postkutschen leisten konnten.

Seit einigen Jahren wird am ersten Samstag im September der Radtag Stilfser Joch veranstaltet, bei dem die Straße (von Trafoi bis Bormio) von morgens bis abends für den motorisierten Verkehr gesperrt wird. Dann ist sie allein tausenden Radfahrern und (einigen wenigen) Wanderern/Läufern vorbehalten Wir haben heute etwas Verkehr, der aber aufgrund der frühen Stunde noch recht spärlich ausfällt. Nach knapp zwei Stunden Auffahrt, immer wieder unterbrochen durch Fotopausen trennen sich auf 2757 Meter über Seehöhe unsere Wege.

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Der Mountainbiker hat mit der Bocchetta di Forcola ein Highlight vor sich, besonders bei diesem schönen Wetter. Ich mache mich via Pass Umbrail an die Abfahrt über knapp 1400 Höhenmeter hinunter nach St. Maria im Münstertal. Im mittleren Teil existierte damals ein ca. zwei Kilometer langer Abschnitt als Naturstraße, zwar fein geschottert und gut gepflegt, aber nur mit Vorsicht und in langsamer Fahrt zu genießen, zumindest für mich und mein Rennrad. Inzwischen ist dieser Abschnitt auch komplett asphaltiert.
Nach vielen engen Kehren erreiche ich St. Maria, mir bestens vertraut von vielen Transalps auf meiner Albrecht-Route mit dem Mountainbike. Heiß brennt die Sonne vom Himmel herab. Ich mache eine kurze Pause, esse eine Kleinigkeit, fülle aus dem Brunnen Wasser in die Trinkflaschen ab und mache mich schließlich auf den Weg zum Ofenpass. Es ist Wochenende und deshalb leider wohl unvermeidlich viel Ausflugsverkehr unterwegs, besonders Motorräder. Ich nutze deshalb soweit es geht, die Ortsdurchfahrten als ruhige Nebenstrecken. Nach Tschierv ist damit aber auch Schluss und ich muss es halt ertragen. Nach der Passhöhe winkt als Lohn eine lange, entspannte Abfahrt, auf der ich mich nicht sonderlich konzentrieren muss, sondern es einfach laufen lassen kann.

Am Punt la Drossa ist damit Schluss und ich warte auf das grüne Licht der Ampel, das die Durchfahrt für den ca. dreieinhalb Kilometer langen Grenztunnel nach Livigno freigibt. Der Tunnel war damals für Radfahrer frei befahrbar, Autos und Motorräder müssen Maut entrichten. Ich geselle mich zu einem italienischen Rennradler, der mich am Ofenpass mit seinem edlen Carbonteil locker stehen ließ. Nur 6,3 Kilogramm wiege es, berichtet er mir stolz und gewährt mir bereitwillig Windschatten im Tunnel. Ich revanchiere mich bei der langen Fahrt durch die Galerien entlang des Stausees bis Livigno, indem ich mich in der Führungsarbeit mit ihm abwechsle.


Achtung: Seit 2008 darf der Tunnel nicht mehr mit dem Rad befahren werden. Es existiert ein kostenpflichtiger Busshuttle für Fahrräder. Infos dazu auch hier.


Zwei Wochen zuvor war ich auch schon in Livigno - bei meiner MTB-Transalp vom Bodensee zum Gardasee. Zielstrebig steuere ich einen kleinen Supermarkt in der Ortsmitte an, um mich zu verpflegen. Wieder dasselbe Traumwetter wie vor zwei Wochen. Wieder wartet als nächstes der Passo d'Eira auf mich, denn in Livigno will ich nicht übernachten, da erst früher Nachmittag ist. Wieder wird es ein Tag mit vier Pässen, denn mit dem Passo del Foscagno folgt noch der Übergang nach Bormio. Ich sehe ihn im langgezogenen Hochtal schon von weitem und auch die Wolkenfetzen, die ihn umwehen. Doch ich muss viel Geduld aufbringen. Ein kalter, böiger Gegenwind kommt auf und macht den eigentlich moderaten Anstieg zu einem kleinen Härtetest. Den bestehe ich, ziehe oben alles an, was ich habe und lasse mich in Richtung Bormio rollen. In Arnoga kreuze ich wieder meine klassische MTB-Route, überlege kurz im erstklassigen "Li Arnoga" abzusteigen, verwerfe jedoch den Gedanken, weil ein Wetterumschwung droht. Ich will mich morgen nicht der Gefahr aussetzen, eventuell in Kälte und Nässe diese lange Abfahrt vor mir haben zu müssen. Zum Glück gibt es bis ins Tal hinunter keine nennenswerten Gegenanstiege, mit dem Gegenwind werde ich schon fertig. Mit der Hotelsuche vertue ich keine große Zeit, nehme so ziemlich das erstbeste, das mir über den Weg läuft - das Baita Montana (siehe aber die Empfehlung bei Hoteltipps Bormio). Normaler italienischer Standard halt - vernünftiges Abendessen im Preis inbegriffen, mäßiges Frühstück. Aber dafür habe ich schon vorgesorgt und unterwegs Schinken, Käse und Brötchen für den nächsten Tag eingekauft...

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Übernachtungstipps:

Bormio: HOTEL Funivia
23032 BORMIO - via Funivia, 34
tel.: 0039 0342 903242

Livigno:
4 Sterne Superior Hotel Lac Salin Spa & Mountain Resort
Via Saroch 496-D, LivignoT. +39 0342 996166

3 Sterne: Hotel Astoria
Via Saroch 1116, 23030 Livigno (SO) ITALIEN
T./Fax +39 0342 99.66.63



4. Tag: Bormio - Passo Foppa (Mortirolo) - Passo Tonale - Passo Campo Carlo Magno - Madonna di Campiglio

opener 350 DSCN5188...denn bei der Auffahrt zum Passo Foppa werde ich keine Möglichkeit haben, irgendetwas einkaufen zu können. Doch zunächst rolle ich nach dem vorhersehbar dürftigen Frühstück das Valtellina hinunter. Vor Le Prese sieht man noch die Spuren des gewaltigen Bergrutsch im Tal der Adda, der in den 1980er Jahren dazu führte, dass der Gaviapass asphaltiert wurde, da die normale Zufahrt nach Bormio verschüttet war. Kurz vor Grosio kommt dann der Abzweig nach links zum Passo Mortirolo oder Foppa oder wie, was?! Der unterschiedliche Sprachgebrauch ist verwirrend. De facto gibt es sowohl den einen als den anderen. Der Passo del Mortirolo liegt jedoch etwas abseits der Hauptstraße, wenn es nach dem Passo della Foppa hinunter nach Monno geht. Der eigentliche Straßenpass ist der Foppa. Der Hotelchef Jim Pini vom legendären "Albergo Sassella" in Grosio hat mir die Zusammenhänge erklärt. Foppa ist wie gesagt die alte, richtige Bezeichnung für den Straßenpass. Als dann der Giro d'Italia einige Male über diesen Pass führte, benutzte ein Reporter aus Unkenntnis den Namen des Passes Mortirolo, der Luftlinie keinen Kilometer entfernt liegt, aber nur auf Schotter zu erreichen ist. Das haben dann alle nachgeplappert und so bürgerte sich im Laufe der Zeit der "falsche" Name für den "richtigen" Pass ein. Durch die offenkundig hochwirksame normative Kraft des Faktischen ist inzwischen auch der Name "Foppa" von den Wegweisern vor Ort verschwunden. Nur oben an der höchsten Stelle findet man an einem Holzpfahl noch den verblichenen Schriftzug, der vom Foppa kündet.
Doch bis dahin liegen noch knapp zwölfhundert Höhenmeter vor mir. Ich bin gespannt, wie lange ich brauchen werde. Nach den Erfahrungen der letzten Tage habe ich mit dem Rennrad eine deutlich höhere Aufstiegsrate als mit dem Mountainbike, was auch logisch ist. Durch die andere Übersetzung beim Rennrad bin ich mir aber nicht sicher, wie lange ich das durchhalten kann. Außerdem habe ich diesmal keine Begleiter zur Aufmunterung. Nur ca. ein halbes Dutzend Autos begegnen mir auf der ganzen Strecke. Doch plötzlich höre ich ein seltsam klackendes Geräusch. Hinter der nächsten Kurve sehe zwei Gestalten; Wanderer, wie ich vermute, doch sie sind schon wieder verschwunden. Nach ein paar engen Spitzkehren sehe ich endlich, was los ist. Zwei Männern kämpfen sich auf Skirollern den Berg hoch. Das Geräusch kommt von den Skistöcken, mit denen sie sich auf dem Asphalt abstoßen. Sie sind ziemlich zügig unterwegs und wollen tatsächlich auch bis zur Passhöhe. Ich bin auf einem etwas flacheren Abschnitt auch nicht wesentlich schneller, schieße ein paar Fotos von ihnen und versichere sie meiner Bewunderung. Sie geben das Kompliment zurück. Dann trennen sich unsere Wege wieder - eine willkommene Abwechslung. Je höher ich komme, desto nebliger wird es. Kein Windhauch, der die feuchte Luft vertreiben könnte. Nur schemenhaft erkenne ich die Bäume um mich herum. Selbst die anfeuernden Aufschriften auf dem Asphalt scheinen zu verblassen. Ivan Basso und Cunego scheinen die Favoriten zu sein. Auch Marco Pantani lebt offenkundig in den Herzen seiner Anhänger weiter. Ich glaube gelesen zu haben, dass diese Cracks nur eine knappe Stunde für die Auffahrt benötigen. Ob mit Doping und/oder Hilfsmotor im Rahmen versteckt lassen wir mal offen. Ich brauche auf jeden Fall schon deutlich länger. Eine Stunde und fünfundvierzig Minuten sind es schließlich. Ich bin zufrieden, mir reicht's - in doppeltem Sinne. Bei der Abfahrt lege ich im ersten Ristorante einen Stopp ein, um mich aufzuwärmen und einen Cappuccino zu trinken. Danach hangele ich mich weiter nach unten, durch den Nebel ist die Straße unangenehm glatt. An der Staatsstraße angekommen, schlägt mir das Gedröhn von Motorrädern entgegen. Die wenigsten nehmen heute den Weg zum Passo Foppa, was mir nur recht ist.

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Ich mache eine Pause und muss mit mir selber ausmachen, wie die Route weitergehen soll. Nach rechts und bergab in Richtung Edolo wäre ich dem Verkehr ausgesetzt, wie ich weiß. Nach links geht es zum Passo Tonale, allerdings muss es Nebenwege geben und die kundschafte ich nun aus. Eine zweiter Grund für die Entscheidung "links" statt "rechts" ist die ungewisse Wetterlage. Eine dichte, hochliegende Wolkendecke macht die weitere Entwicklung ungewiss. Wenn ich heute noch über den Tonale fahre, wäre ich im Val di Sole und könnte mein Ziel, den Gardasee, auch bei schlechteren äußeren Bedingungen erreichen - zur Not ganz einfach über den Radweg im Etschtal.
Denn aus Gewichtsgründen habe ich nur eine dünne Regenjacke und sonst nur das Notwendigste dabei, mein Rucksack Deuter Speed Lite 30 wiegt mit Inhalt gerade einmal vier Kilogramm. Also auf zum Passo Tonale, oben werde ich entscheiden, wie weit es heute noch gehen wird. Der Verkehr nimmt zum Glück auch ab und nach ein paar Minuten kann ich nach rechts auf die anvisierte Nebenstrecke ausweichen. So komme ich nahezu geräuschlos bis kurz vor Ponte di Legno, wo ich wieder auf die Staatstraße wechsle. Der Passo Tonale ist wirklich leicht zu fahren. Selbst mit dem Mountainbike konnte ich meist auf dem mittleren Kettenblatt bleiben. Unterwegs will ich mir im "La Roccia" einen Kaffee genehmigen. Als ich die Gaststube betrete, merke ich schnell, dass das heute hier wohl nichts wird. Im typischen italienischen Ausflugslokal ist das Personal gerade mit dem Auftragen der Speisenfolge beschäftigt. Alle wuseln geschäftig hin und her. Da wird sich in absehbarer Zeit wohl keine Hand zum Bedienen des Espressoautomaten finden. Ich mache also kehrt, steige aufs Rad und tröste mich mit dem Gedanken, dass mein "Stamm"-Cafe am Pass sicher geöffnet ist. Das ist es in der Tat, wie ich wenig später feststellen kann. "Vorrei un cappuccino, per favore", sage ich und prompt wird mein Wunsch erfüllt. Im Gastraum ist es heimelig warm, ich checke durch die Fensterscheiben die Wolkendecke. Aha, zum Val di Sole hin gibt es deutliche Aufhellungen. Alles wird gut.
Ich beschließe, heute die Marke von 3000 Höhenmetern zu knacken und bis nach Madonna di Campiglio zu fahren. Vorsichtshalber sende ich Matteo vom "Hotel Arnica" eine SMS und frage ihn, ob er ein Bett für mich hat. Die Antwort kommt prompt und lautet. "Ja." Also los. Der Weg im Val di Sole ist mir ausreichend bekannt. Bis Mezzana bleibe ich auf der Straße, wechsle hier auf den Radweg, bis in Dimaro der finale Aufstieg nach Madonna beginnt. Diese rund neunhundert Höhenmeter bin ich bisher stets auf Schotter und mit dem Mountainbike gefahren. Ich denke mir, so schlimm kann es schon nicht kommen. Es geht so einigermaßen, aber ca. beim Erreichen der 3000 Höhenmeter-Marke kommt dann doch spürbare Unlust bei mir auf. Es zwickt hier, dann zwackt es da im Rücken und so richtig Spaß macht das Sitzen im Sattel auch nicht mehr. Nach oben hin wird es zu meinem Glück zunehmend flacher und endlich erreiche ich den Passo Campo Carlo Magno. Danach geht es nur noch kurz bergab und ich erreiche erleichtert und zufrieden mein Stammhotel "Arnica". Jetzt wird erst einmal gedopt: ein Hefeweizen und ein Grappa. Es wirkt.

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Übernachtungstipps:

Hotel Arnica: Via Cima Tosa 32, I-38086 Madonna di Campiglio    tel +39 0465 442227  www.aristonarnica.it 



5. Tag: Madonna di Campiglio - Passo Daone - Passo Duron - Passo Ballino - Gardasee

opener 350 DSCN5193Am Morgen bin ich wieder voller Elan, nicht zuletzt deshalb, weil ich heute den Gardasee erreichen werde und weil die Etappe eher moderat ausfallen wird. Ich will noch zwei für mich neue Pässe fahren, den Passo Daone und den Duron. Doch zunächst beäuge ich kritisch den wolkenbedeckten Himmel. Es nieselt ein wenig und ich will erst einmal heil den Berg hinunter kommen. Durch Straßenbauarbeiten sind Teile der Strecke recht schmierig und ich stehe die meiste Zeit auf der Bremse. Ab Pinzolo wird es flacher und ich lasse es wieder laufen. Es heitert auf und in Spiazzo verlasse ich die Hauptstraße und nehme den Passo Daone in Angriff. Kein Schild weist den Weg. Ich frage vorsichtshalber nach und erhalte die Bestätigung, dass ich auf der richtiger Strecke bin. Ein paar steile Rampen gibt es schon, bei denen ich in den Wiegetritt gehe, aber ist es nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Kein einziges Auto begegnet mir auf der Strecke, so macht die Sache richtig Spaß. Oben wird es flacher und da ist er ja auch schon erreicht, der Passo Daone - ein kleiner Geheimtipp auf diesem Weg zum Gardasee. Die Abfahrt ist ein Traum auf guter Straße mit zuerst vielen engen Kehren und später ein paar Geraden, auf denen es man so richtig schön laufen lassen kann. Außerdem hat man eine gute Aussicht ins Tal der Sarca, die direkt in den Gardasee fließt. Aber ein paar Höhenmeter will ich noch machen. Der Passo Duron ist noch zu bezwingen. Ich kann ihn schon auf der gegenüberliegenden Talseite ausmachen. Nach einer Kurve halte ich an und begutachte den Straßenverlauf von oben. Dabei entdecke ein kleines Nebensträßchen, das nach Zuclo zu führen scheint und mir den Umweg über Tione ersparen könnte. Im Tal angekommen, bestätigt sich meine Vermutung und ich erreiche unbehelligt von Autoverkehr den Ortskern von Zuclo, trinke einen letzten Cappuccino vor dem Lago und denke mir, nun ist es ja geschafft.
Das ist es auch fast, allerdings nicht ohne eine letzte, etwas steilere Rampe, dann wird die Straße breit und moderat im Anstieg und ich bin oben. Der Rest ist freundliche Zugabe. In Fiave angekommen, sind es keine einhundert Höhenmeter mehr bis zum Pass di Ballino, dem definitiv letzten Pass vor dem Gardasee. Der kostet mich nur ein müdes Lächeln. Es folgt die rasante Abfahrt zum Lago, die ich schon so oft gefahren bin und wieder macht sich das übliche, angenehme Glücksgefühl breit, als im am Hafen von Riva aus dem Gewirr der schmalen Gassen auftauche. In Torbole ist dann wie immer am Strandcafe endgültig Schluss. Eine gelungene Transalp mit dem Rennrad liegt hinter mir.


Die Wolkenbilder des letzten Tages der Originalbefahrung schmälern das Erlebnis sicher nicht, mit dem Rennrad die Alpen bezwungen zu haben. Ich ergänze die Bilder aber aus gutem Grund mit meinen sonnigen Aufnahmen. Dieses Ziel ist die Reise wert.

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Übernachtungstipps:

Villa Stella: Via Strada Granda, 104 - 38069 Torbole Tel + 39 0464 505354, www.villastella.it
Aktivhotel Santalucia Via Santa Lucia 6, (Gps Via Pontalti), I-38069 TORBOLE SUL GARDA (TN), Tel.: 0039-0464-505140, www.aktivhotel.it
Tonelli-Hotels in Riva und Nago:  www.tonellihotels.com



350 DSCN51976. Tag: Rückfahrt

Wie schon so oft, habe ich auch diesmal die Rückreise mit dem Zug erledigt. Der Radweg von Torbole zum Bahnhof nach Rovereto war in ca. 50 Minuten bewältigt. Dann lassen sich im Zug bis zum Brenner noch einmal die Alpen Revue passieren. Vom Brenner geht es auf der alten Brennerstraße bis zum Innsbruck Bahnhof sher rasant. Für die ca. 39 km braucht man mit dem Rennrad deutlich weniger als eine Stunde. Im Bahnhof Innsbruck die Fahrkarten kaufen und sich im M-Preis verpflegen und dann rein in den Zug nach München. Dort umsteigen und relaxt nach Hause kommen. Auf der Fahrt gleich den Bericht geschrieben. Besser geht es nicht.



Fazit

fazit 350 DSCN5143Meine erste Transalp, die ich alleine gefahren bin. Das würde ich auch nur mit dem Rennrad so machen. Der Vorteil, dass man die täglichen Etappenlängen nur mit sich selber ausmachen muss, ist nach meinem Empfinden wohl gleichzeitig auch ein Nachteil, weil man wahrscheinlich eher zuviel als zuwenig fährt. Aber das ist sicher Geschmackssache. Beim Gepäck bin ich wirklich auf das absolute Minimum dessen gegangen, was ich mit gutem Gewissen noch verantworten konnte. Das Leichtgewicht Deuter Speed Lite 30 hat wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich trotz Rucksack auf dem Rücken auf dem Rennrad wohl gefühlt habe. Die minimale Packliste könnt ihr hier einsehen. Natürlich habe ich im Großen und Ganzen auch Glück mit dem Wetter gehabt. Es gab keinen gravierenden Wetterumschwung, Kälte und Dauerregen sind mir erspart geblieben. Was das Rennrad angeht, kann ein dreifaches Kettenblatt vorne auf keinen Fall schaden und hinten kann das größte Ritzel ruhig 28 Zähne haben, dann ist genug Reserve vorhanden.

 


Meinungen-Rückmeldungen:


Datum: 01.10.2013
Tom Prock
Kurze Danksagung zur Rennrad Transalp:
Bin Deine Rennrad Tour 2013 im August alleine gefahren. Super Tour! Vorwiegend einsame Strecken, seeehr fordernde Anstiege. Wer glaubt, nach dem Stilfser Joch hat man das schlimmste hinter sich, irrt (wie ich) gewaltig. Packliste auch ideal. Hatte die ersten beiden Tage immer über 33 Grad, dann Wetterumschwung und am Passo Tonale auch mal 4 Grad mit Starkregen. Da is man froh um jedes Kleidungsstück auf der Abfahrt (und um Scheibenbremsen bei Carbonfelgen).
Abgewichen bin ich nur im Bereich Nauders bis Prad. Da fährts sich am Radweg auf der anderen Seite entspannter als auf der Hauptstraße. Der neue Deuter TransAlpine 32 EL war perfekt. Kein Drücken oder Ziehen. Klare Kaufempfehlung. Kompaktkurbel 50/34 und 28er Ritzel hinten waren gerade so ausreichend.
War eine sehr erholsame Reise! Bis nächstes Jahr!


Datum: 02.09.2013
Karen
Danke für die schöne Alpentour :) - Rennrad-Transalp
Ende August bin ich mit einem Freund Deine Rennradtour von Garmisch nach Garda nachgefahren, mit unwesentlichen Abweichungen (Gavia noch mitgenommen...). Es war eine geniale Tour, vielen Dank für Deine guten Beschreibungen, Karten etc. Nur den letzten Tag fand ich hart: Da meint man es wäre fast geschafft und Du jagst einen noch über den Passo Daone, einer der gefühlt steilsten der ganzen Tour.
Schönen Gruss, Karen