Transalp.info by Andreas Albrecht

Albrecht-Route Uina

trail zu bocchetta di forcolaTransalp: Imst - Uina - Stilfser Joch - Riva
die erste Erkundung der Albrecht-Route

Strecke:

Imst - St. Anton - Verwalltal - Fimbertal - Val d'Uina-Prad - Stilfser Joch - Bormio - Gavia-Pass - Pejo Terme - Madonna di Campiglio - Val d' Agola - Ponte Arche - Riva - Gardasee

Länge: 400 km
Höhenmeter: ca. ca. 11.425 hm
Etappen: 6

1. Tag: 85 km, 1826 hm
Imst - Landeck - St. Anton - Verwall-Tal - Konstanzer Hütte - Heilbronner Hütte - Kops Stausee - Zeinisjoch - Galtür

2. Tag: 48 km, 1359 hm
Galtür - Ischgl - Fimbertal Weg - Heidelberger Hütte - Fimberpass - Alp Chöglias - Vna - Ramosch - Sur En

3. Tag: 47 km, 1767 hm
Sur En - Val d'Uina - Schlinigpass - Sesvenna Hütte - Schlinig - Schleis - Laatsch - Glurns - Prad - Gomagoi - Trafoi

4. Tag: 59 km, 2371 hm
Trafoi - Stilfser Joch - Pass Umbrail - Bocchetta di Forcola - Malga Pedenelo - Valle Forcola - Bormio - Santa Caterina Valfurva

5. Tag: 53 km, 2012 hm
S. Caterina - Gavia-Pass - Pezzo - Case di Viso - Rif. Bozzi al Montozzo - Forcellina Montozzo - Lago di Pian Palu - Pejo Terme

6. Tag: 109 km, 2050 hm
Pejo Terme - Dimaro - Madonna di Campiglio - Val d' Agola - Passo Bregn de l'Ors - Stenico - Ponte Arche - Dasindo - Passo Ballino - Lago di Tenno - Riva - Torbole

Medien

Wenn ihr die Tour individuell nachfahren wollt, ist folgendes verfügbar: GPS-Tracks, Kartenscans, Finisherbikeshirt im Webshop

Kombination mit Albrecht-Route ist möglich. Die GPS-Daten und Kartenscans decken dies mit ab. In den Daten sind enthalten der 1. Tag der Albrecht-Route Garmisch - Landeck sowie die Verbindung von Laatsch ins Münstertal.

Übersichtskarte

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Klicken auf den Track zeigt den Namen des entsprechenden GPS-Tracks an - Karte als Lightbox in eigenem Fenster öffnen: klicken

 

Höhenprofil

Imst Riva2000 mit Untergrund

wegeverteilung

Landkarten

Kompass: Digitale Karte Über die Alpen, Digitale Karte Schweiz,  5, 35, 41, 42, 072, 73, 94, 98, 101,
Übersichtskarte: Kompass: Straßenkarte 358  Tirol - Trentino
Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer

Tourplanung:

Andreas Albrecht
gefahren vom 10.-15. September 2000: Andreas Albrecht, Frank Dietrich (Pirna), Tobias Schmidt (Ulm)



 fimbatalTourbericht

Vorbemerkung: Damals konnte ich nicht ahnen, was sich aus meiner Routensuche alles entwickelt. Jedenfalls sollte diese Tour die Basis der späteren Albrecht-Route werden. Deshalb lasse ich den Originalbericht soweit als möglich stehen wie ich ihn damals aufgeschrieben habe. Digitale Kameras waren im Jahr 2000 noch etwas Exotisches, die Bilder waren im Ursprung analog geknipst - falls jemand noch weiß, was das ist. Gefahren bin ich nach einer reinen Kartenplanung, ohne GPS. Geht alles!

Prolog


Transalp mit dem Mountainbike zu fahren übt eine unvergleichliche Faszination aus. Seit 1994 bin ich in den Alpen unterwegs. Eigene Erfahrungen sind unverzichtbar, um das Erlebnis genießen zu können und es nicht zum unkalkulierbaren Wagnis werden zu lassen. Transalp zu planen wird immer ein Kompromiss sein zwischen Fahrbarkeit der Strecken und dem Eintauchen in die Felswelt des Hochgebirges. Der Alpenhauptkamm zwischen den Ötztaler Alpen und den Hohen Tauern bietet für Biker keine komplett fahrbaren Übergänge an. Mindestens eine Stunde schieben oder tragen ist immer angesagt. Das Fahren soll bei Transalp jedoch im Mittelpunkt stehen. Auf die vielbefahrenen Auto-Pass-Straßen auszuweichen ist auch keine Alternative, wenn das majestätische Erlebnis der stillen Bergwelt im Vordergrund stehen soll. Weiter westlich sieht es günstiger aus. Hinter dem Fernpass liegen die Übergänge in greifbarer Nähe, die den Transalp in Richtung Gardasee, dem klassischen Endpunkt, auch für Otto Normalbiker möglich machen. Die wilde und zerklüftete Verwall-Gruppe ist wie die Silvretta durchzogen von den hier typischen V-Tälern. Sie führen relativ sanft in Höhen von 2400-2600 m und sind zu großen Teilen fahrbar. Wenn  man dann die für Biker uneinnehmbare Gletscherfestung des Ortler-Massivs westlich umfährt, ergibt sich die Streckenführung fast von selbst.


Hinweis: In den folgenden Detailinformationen der einzelnen Tage sind die originalen Uhrzeiten angegeben. Auch die damaligen Übernachtungspreise (soweit angegeben) aus der Zeit vor dem EURO haben eine gewisse historische Bedeutung und lassen mich heute schmunzeln.



1. Tag: Verwall-Tal

Das Tiroler Städtchen Imst hinter dem Fern-Pass wählte ich als Ausgangspunkt der Tour. Vom Gardasee gelangt man hierher problemlos zurück, sei es per Bahn, Bus oder Bike, zudem sehr preiswert, wenn man keine internationalen Fahrkarten erwirbt. Der Inn-Radweg bis Landeck und die Strecke weiter bis St. Anton am Arlberg bringt zum Einrollen viele leichte Kilometer. Ab hier bietet das Verwall-Tal einen ersten Eindruck davon, was der Transalp alles bereithält.  Das Wetter meint es Anfang September gut mit uns, strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen. Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Oft gibt es in der ersten Septemberhälfte eine stabile Hochdruck-Wetterlage, es ist noch warm und die Wege sind nicht überlaufen. Wir genießen die weiten Hochflächen in ihrer Stille. Mit der ist es allerdings an der Heilbronner Hütte, dem Übergang ins Paznaun-Tal, vorbei. Der vielgepriesene Hüttenzauber will sich angesichts der Massen an Wanderern nicht einstellen. Meine Tourbegleiter Frank aus Sachsen (der schon bei der Ronda Dolomiti im selben Jahr dabei war) und Tobias aus Ulm (via Internet zu uns gestoßen) und ich beschließen deshalb, ins Tal abzufahren. Hier zeigt sich der Vorteil, mit dem Rad unterwegs zu sein. Kaum eine Stunde später sind wir gut 800 Höhenmeter tiefer im Paznaun-Tal und beziehen in Galtür unser erstes Quartier.

verwalltalverwallheilbronner hütte

1tag 2000

Tourdetails: (bitte Hinweise zum Haftungsausschluss beachten)

Ort km hm Zeit Bemerkungen
Imst 0 826 08:45 Inntal-Radweg
Landeck 22 816 10:00
St. Anton 49 1286 11:30 am Hotel Mooserkreuz km 52 links ab ins Verwall-Tal
Rasthaus Ferwall 55 1445 12:20
Konstanzer Hütte 61 1688 13:30 +43 (0)664 5124787, Weg 517 - Rast bis 14:20
Schönverwall-Hütte 67 2007 15:15 bis hierher gut fahrbar, nach Bachbrücke Tragepassage, auf Plateau wieder fahrbar
Neue Heilbronner Hütte 71 2320 16:20 0043/5446/2954, Kapazität: 50 Betten, Rast bis 17:00
Kops Stausee 78 1855 17:15 Traumabfahrt auf guter Schotterpiste, kurzer Anstieg vor Kops-Stausee
Zeinisjoch 81 1842 nach See links ab MTB-Weg Galtür
Galtür 85 1584 18:00 Verkehrsamt 0043/5443/85210, Übernachtung Haus Silvretta - 200 ÖS ÜF - 0043/5443/8395
    1828   hm gesamt


2. Tag: Fimberpass

Am nächsten Tag wartet mit dem Fimber-Tal ein weiteres V-Tal auf uns. Nach knackigem Anstieg hinter Ischgl führt uns der Weg dann relativ sanft zur Heidelberger Hütte. Kurz davor passieren wir unspektakulär die Schweizer Grenze. Nur ein Pfahl zeigt auf einem Schild an, dass wir nun Österreich verlassen. Der Weg zum Fimber-Pass erfordert zwar ein paar  Schiebepassagen, dauert aber kaum eine Stunde und oben ist er sogar wieder fahrbar. In vielen Berichten steht folgendes geschrieben:
Im Mittelalter sollen über diesen Pass die Toten aus Ischgl zum Friedhof nach Sent im Engadin gebracht worden sein, denn das Paznaun-Tal gehörte jahrhundertelang zur Gemeinde Sent. Im Winter war der Weg unbegehbar. Man ließ deshalb die Leichen einfrieren und brachte sie im Frühjahr in Sent unter die Erde.
Klingt gut, oder nicht?

tragen zum fimberpassfimber pass albi frankfimberpass

Der Wahrheit kommt wohl folgende Version näher: Die Gemeinde Sent hatte sehr große Weidegebiete im Paznaun erworben und Ischgl gehörte lange Zeit als Kirchengemeinde zu Sent. Die Geschichte mit den Toten ist eine alte Überlieferung. Da sich die Senter nur im Sommer in Ischgl aufhielten, ist es wohl sehr selten vorgekommen, dass die Leichen eingefroren wurden, um sie später zu transportieren. (Quelle: Cla Rauch - Gemeinde Sent). Wie dem auch sei. Wir genießen den anspruchsvollen Single-Trail ins Unterengadin im rätoromanischen Teil der Schweiz. Das Rätoromanische ist die vierte offizielle Sprache der Schweiz und hat seine Wurzeln im Lateinischen. Weitere verwandte Sprachgruppen findet man in Südtirol (ladinisch z.B. im Grödner Tal) und die zahlenmäßig größte Gruppe im italienischen Friaul ("furlan") - Quelle: Robert Thätig. Hier jedoch grüßen sich Wanderer und Biker mit "Allegra". Wir treffen allerdings auf der gesamten Tour auf wenig Menschen, so dass wir die neuen Sprachkenntnisse selten anwenden können.

2tag 2000

Tourdetails: (bitte Hinweise zum Haftungsausschluss beachten)

Ort km hm Zeit Bemerkungen
Galtür 0 1584 09:00 Start in Galtür
Ischgl 11 1376 09:15 an Silvretta-Bahn vorbei rechts ins Fimbertal Weg 302
Bodenalpe 18 1842 10:30 bis hierher gut fahrbar, Asphalt
Heidelberger Hütte 25 2264 11:40 160 Betten (Lager, Bett), bis hier guter Schotterweg fahrbar, ab hier links steil bergauf schieben, teilweise fahrbar (ca. 1 h), grandioser Übergang)
Fimberpass 29 2608 13:30 Passhöhe fahrbar, Single-Trail-Abfahrt (Schiebe-Stücke), Alp Chöglias km 32, ab km 33 wieder komplett fahrbar
Griosch 35 1817   ab hier sehr guter Forstweg, Variante: Zuort, Kurhaus Sinestra, Sent, Sur En (breite Naturstraße), notwendig wenn nicht Val d'Uina sondern über Scoul, Pass da Costainas nach Münstertal
Praschan 37 1833    
Vna 40 1630 15:40 ab hier Straße
Ramosch 44 1231 15:50  
Sur En 47 1124 16:30 Tor zum Val d'Uina
    1359   hm gesamt


3. Tag: Val d’Uina

Heute wartet das nächste Highlight der Tour auf uns. Viele Wanderer dürfen allerdings nicht unterwegs sein, wenn man die Eindrücke eines der dramatischsten Übergänge für Biker in den Alpen so recht in sich aufnehmen will. An der Bergkäserei Uina Dadaint laben wir uns mit Buttermilch. Dann wird der Weg immer schmaler und die Felsenwände ragen am Talschluss senkrecht in die Höhe. Ein Durchkommen scheint nur für alpine Kletterer möglich. Wenn man jedoch genau hinsieht, sieht man die Fels-Galerie, die 1910 gebaut wurde. Auf Initiative des Deutschen Alpenvereins wurde eine halbe Röhre in den Fels gehauen, 1,3 m breit und 600 m lang. Damit waren lange Umwege zum Schlinigpass und zur heutigen Sesvenna-Hütte passé. Schwindelfrei sollte man schon sein. Der Steig verläuft ca. 150-200 m über dem Grund der engen Schlucht, durch die das Wasser tobt. An den brenzligen Stellen ist er jedoch gesichert. Diesen Trail vergisst man sein Leben lang nicht. 
Oberhalb der Schlucht überquert man am Schlinig-Pass bald die Grenze zu Süd-Tirol. Wieder ist ein neues Sprachgebiet erreicht. Wir entschließen uns wegen des weiterhin stabilen Wetters den Weg übers Stilfser Joch zu nehmen. Schnell geht es hinab ins Etsch-Tal und weiter bis Prad und noch ein paar Höhenmeter hinauf bis Trafoi.

uina schluchtuina schluchtschlinigpass bei sesvennahütte

3tag 2000

Tourdetails: (bitte Hinweise zum Haftungsausschluss beachten)

Ort km hm Zeit Bemerkungen
Sur En 0 1124 08:30 Start Sur En
Uina Dadora 4 1499 09:10
Uina Dadaint 7 1731 09:40 ab km 8 1,5 m breiter 600m langer Felssteig 150 m über Schlucht, 1910 gebaut, 11:30 Ende Felsgalerie, dann Hochebene, zu großen Teilen fahrbar
Schlinigpass 12 2311 12:00 Übergang nach Süd-Tirol, Holzdrehkreuz
Sesvenna -Hütte 14 2258 12:15 0039/0473/830234 (Lager, Bett mit HP), sehr schön, Rast bis 13:20, Abfahrt schwerer Schotter, teilweise schieben
Schlinig 18 1738 13:55 ab km 17 Asphalt, am Ortsende rechts ab Wiesenweg Richtung Schleis, dann Schotter, kurz bergauf, dann Traumabfahrt bis Laatsch
Schleis 22 1064 14:15 Kartenstück fehlt - Kopie aus Straßenatlas vorhanden
Laatsch 27 1005 14:30 Radweg
Glurns 29 920 14:35 Rast, weiter Vinschgau-Radweg bis Prad
Prad 36 920 15:15 Stilfser-Joch-Straße, Beginn klassische Radler -Wallfahrtsstrecke
Gomagoi 43 1270 16:15
Trafoi 47 1508 16:50 Übernachtung: Gasthof Tuckett (HP 55.000 Lit.)
    1767   hm gesamt


4. Tag: Stilfser Joch – Alte Kriegspfade

Der Morgen verspricht einen klaren Tag. Das Stilfser Joch mit seinen 48 Kehren ist eine der klassischen Radler-Wallfahrten in den Alpen. In reichlich 2 Stunden sind wir oben. Leider leidet der Ort unter der Fülle der Menschen, so dass wir schnell weiter radeln und am Pass Umbrail wieder in die Einsamkeit der Bergwelt eintauchen. Wir folgen den steinernen Spuren der blutigen Kämpfe des 1. Weltkrieges im Ortler-Gebiet. Österreicherische Gebirgsjäger und italienische Alpini standen sich kämpfend gegenüber, die Schweizer riegelten am Pass Umbrail ihre Grenze ab. Das Leid der Soldaten muss besonders im Winter unendlich gewesen sein. An der Bocchetta di Forcola sind in 2768 m Höhe noch Reste der alten Befestigungsanlagen zu sehen. 50 Höhenmeter tiefer stehen die Reste des Militärlazaretts der Italiener. Bis hoch hinauf auf ca. 3000 m ziehen sich die Reste der alten Militärtrasse. Für uns Biker sind die alten Pisten ideal. Breit genug und in Serpentinen schlängeln sie sich meist fahrbar an Bergflanken und durch steile Felswände hinab durch Terrain, das sonst Wanderern und Kletterern vorbehalten wäre. Überwältigt von den Eindrücken erreichen wir schließlich die alte italienische Stadt Bormio. Ein Wetterumschwung kündigt sich an. Die letzten Kilometer bis S. Caterina im Valfurva sind ein Wettlauf mit dem drohenden Regen. Heute sind wir noch die Sieger. Unterkunftsmöglichkeiten sind hier reichhaltig vorhanden.

stilfser jochtrail zu bocchetta di forcolaabfahrt ins valle forcola

4tag 2000

Tourdetails: (bitte Hinweise zum Haftungsausschluss beachten)

Ort km hm Zeit Bemerkungen
Trafoi 0 1508 08:35 Start
Stilfser Joch 16 2757 11:10
Pass Umbrail 19 2502 11:30 Hangweg rechts oberhalb Straße Bormio, fahren, schieben, Weg 171 ( Variante Straße nach Bormio)
Bocchetta di Forcola 24 2768 13:00 kurz hinab zum alten Lazarett, Rast und links wieder hinauf
Tal-Ende Valle Forcola 25 2630 13:30 Tal-Ende Valle Forcola
Militär-Piste 26 2768 14:00 Weg 173, alte Militärstraße, gigantische Abfahrt in Serpentinen, gut erhalten, erst Schotter, dann Wiesenweg
Malga Pedenelo 30 2384 14:25
Talgrund Valle Forcola 34 2100 14:55 dramatischer Abstieg durch Felswand auf teils verfallener Militär-Piste, vor Rist. Solena links ab Richtung Bormio
Malga Boscopiano 40 1526 15:25 Schotter
Straße nach Bormio 41 1640 15:40 Schotter, knackiger Aufstieg
Bormio 46 1225 15:50 Rast, weiter Straße Richtung Gavia-Pass
S. Caterina 59 1738 17:20 am Fuße des Gavia-Passes
    2371   hm gesamt

Übernachtungstipp:

in Santa Caterina Valfurva: Hotel Sport; Via Magliaga 2, 23030 S. Caterina Valfurva (SO), Tel.: +39 0342.925100, der Hotelchef Norberto spricht sehr gut deutsch und ist perfekt auf Transalpbiker eingestellt, Wäscheservice, Reparaturmöglichkeiten, super Essen, organisiert im Fall des Falles alles, was notwendig sein sollte.



5. Tag: Gavia-Pass

montozzo scharteHeute wartet ein Klassiker des Giro d’Italia auf uns – der Gavia-Pass. Für Autos mehr oder minder gesperrt schlängelt sich das Asphaltband hoch hinauf bis auf 2652 m, immer die vergletscherten Berge im Blick. Bei der Rast auf der Passhöhe inspiziere ich interessiert die Fotos der Helden des Giro. Oft kamen sie sogar im Sommer bei Schneetreiben oben an, im kurzen Trikot. Auch uns sollten heute noch die Wetterkapriolen im Hochgebirge ereilen. Nach der rasanten Abfahrt ins Tal wartet noch ein Scharfrichter auf uns. Der Übergang nach Pejo über die Forcellina Montozzo hat es in sich. Noch mal gut 1000 Höhenmeter sind es hinauf zum Rifugio Bozzi al Montozzo. Dunkle Wolken brauen sich zusammen, also weiter. Gerade als ich die Scharte schiebend erreiche, wird es düster und es beginnt zu hageln. In der Ferne zucken Blitze. Bedrohlich rollt der Donner durch die Berge. Besser hätte es kein Drehbuch schreiben können. Doch ich bin auf die Mitwirkung im Film nicht sonderlich erpicht. Schnell verwandelt sich der im oberen Teil sonst gut fahrbare Weg in einen Wildbach. Doch wir müssen runter nach Pejo. Ich kenne die Gegend von einem Ski-Urlaub her, es ist Luftlinie nicht mehr weit. Der Lago di Pian Palu liegt blau schimmernd einige hundert Höhenmeter unter uns. Da unten ist der Wetterspuk vorbei. Am malerischen Anblick des Sees können wir uns heute nicht erwärmen, in wenigen Minuten sind wir total durchnässt und verdreckt in Pejo und quartieren uns in meinen alten Ski-Hotel ein.

 

5tag 2000

Tourdetails: (bitte Hinweise zum Haftungsausschluss beachten)

Ort km hm Zeit Bemerkungen
S.Caterina 0 1738 08:35 Giro-Klassiker, Asphalt
Mag. d. Alpe 9 2293 09:50 ab hier flacher
Rif. A. Berni 12 2545 10:30  
Gavia-Pass 15 2652 10:50 Rast, die Minestrone muss man kosten (1.Juli-1.Oktober - HP 60.000 Lit.-0039/0364/91806)
Pezzo 29 1565 12:30 links ab ins Valle di Viso, Richtung Montozzo (Alternative: weiter Straße bis Ponte di Legno und Passo Tonale)
Case di Viso 32 1763 12:50 Asphalt zu Ende, Beginn Schotter in Serpentinen, zu großen Teilen fahrbar, aber derbe
Rif. Bozzi al Montozzo 38 2478 14:45 0039/0364/900152 (Hütte HP 45.000 Lit), Rast bis 15:45
Forcellina Montozzo 39 2613 16:00 knackige Schiebepassage, Gewitter, Hagel
Lago di Pian Palu 45 1800 17:00 zunächst guter Weg, dann Single-Trail, nur teilweise fahrbar, kurz vor See an Weggabel links, hinter Staumauer wieder Asphalt
Pejo-Terme 53 1393 17:40 Hotel Milano (war ich Silvester 1996/97) (HP 55.000 Lit), total naß und dreckig
    2012   hm gesamt


6. Tag: Gardasee

rivaDie Wolken sind verzogen. Die Bremsen am Bike werden nachgestellt und ab geht's ins Val di Sole, das heute seinem Namen alle Ehre macht. Ab Dimaro führt unser Weg entlang der schroffen Brenta-Gruppe nach Madonna di Campiglio, dem berühmten Ski-Ort. Es wartet noch ein Pass auf uns, der Bregn de l'Ors. Er erfordert eine letzte 30-minütige Schiebepassage und dann belohnt uns ein sagenhafter langer Schotter-Downhill. Leicht rollt es sich weiter hinunter nach Ponte Arche. Der Gardasee ist heute noch zu schaffen. Auch wenn es noch ein Gewaltritt auf der Straße wird, die letzte Abfahrt ab dem Tenno-See über die alte Straße nach Riva bringt uns noch ein Hochgefühl, das die Strapazen des heutigen Tages vergessen lässt. Punkt 19.00 Uhr stoßen wir als frischgebackene Transalpler auf dem zentralen Platz am Hafen von Riva mit Bier aus der Flasche an. 400 km und 11400 Höhenmeter verteilt auf 6 Etappen liegen hinter uns. Alles ist gut gegangen, unterwegs nur ein platter Reifen. Die nächste Transalp kann kommen.

6tag 2000

Tourdetails: (bitte Hinweise zum Haftungsausschluss beachten)

Ort km hm Zeit Bemerkungen
Pejo-Terme 0 1393 08:35 Start in Pejo, wieder strahlender Sonnenschein
Dimaro 21 767 09:30 Straße, rechts ab Mad. di Campiglio, in 1. Kehre Nebenweg geradeaus
Weggabelung 25 1140 10:35 an Gabelung rechts ab Richtung Cascada
Nähe Straße nach Mad. C. 31 1517 11:30 entweder Straße oder Forstweg weiter bis Liftstation
Passo Campo Carlo Magno 34 1682 12:00  
Madonna di Campiglio 37 1522 12:05 Rast bis 13:10, weiter Straße Richtung Pinzolo
S. Antonio di Mavignola 44 1213 13:30 am Ortsschild scharf links auf Asphalt Richtung Val d' Agola
Val d' Agola 46 1173 13:45 Bachquerung, Forstweg, fahrbar
Lago di Val d'Agola 52 1595 14:45 nach See straffe Schiebepassage - 30 min
Passo Bregn de l'Ors 54 1836 15:50 oben an Kapelle Rast, Orientierungsprobleme, Gesicht zur Kapelle, nach links beide Wege möglich (nicht Richtung Malga Bregn de l'Ors)
Passo del Gotro 55 1848 16:00  
Malga Movlina 56 1803 16:10 endlich abwärts, Schotter-Downhill vom feinsten
Rif. Erina 65 1180 16:40 ab hier Asphalt
Rif. Ghedina 66 1132 16:45 am Talende links ab Richtung Stenico (Rif.Gh.:0039/0465/321808), Übernachtung möglich
Stenico 76 667 17:10 Straße
Ponte Arche 80 400 17:15 Straße, Gewaltritt bis Riva
Dasindo 84 512 17:50 Straße
Ballino 90 795 18:30 höchster Punkt vor Gardasee, nur noch Abfahrt
Lago di Tenno 95 590 18:40 am Lago rechts ab alte Straße über Pranzo
Riva 106 73 19:10 Platz Hotel Centrale, geschafft, Bier
Torbole 109 73 19:30 Casa Morandi 0039/0464/505239 (ÜF 52.000 Lit)
    2090   hm gesamt
    11425    Gesamthöhenmeter

Übernachtungstipps:

Villa Stella: Via Strada Granda, 104 - 38069 Torbole Tel + 39 0464 505354, www.villastella.it

Aktivhotel Santalucia Via Santa Lucia 6, (Gps Via Pontalti), I-38069 TORBOLE SUL GARDA (TN), Tel.: 0039-0464-505140, www.aktivhotel.it

Tonelli-Hotels in Riva und Nago:  www.tonellihotels.com



Fazit

Eine wahre Traumtour ist diese Transalp. Das Wetter war wie es besser nicht sein kann. Bei solchen Bedingungen werden die Trails weit über der Baumgrenze zum Genuss. Insbesondere die Passage nach dem Pass Umbrail zur Bocchetta di Forcola ist ein Highlight. In Kombination mit der Route der Transalp 2001 vom Lago Cancano durch das Valle di Rezzalo zum Passo dell' Alpe und weiter über Gavia-Pass und Montozzo gibt es wahrscheinlich kaum eine schönere Strecke im hochalpinen Bereich, die nahezu komplett zu fahren ist. Die Etappe am letzten Tag war ein wenig zu lang. Hier sollte man noch eine Übernachtung einschieben, um am letzten Tag dann den Gardasee etwas entspannter zu erreichen.
Das Stilfser Joch muss man mit dem Bike einmal bezwungen haben, wenn man in den Alpen unterwegs ist. Auch wenn die Straße im Sommer ab 10 Uhr meist stark frequentiert ist, ist es ein tolles Erlebnis. Bei entsprechender Etappenplanung ist man rechtzeitig oben. Ende August wird die Straße an einem Tag für Autos gesperrt und gehört den Radlern alleine.
Infos dazu: www.stelviobike.com


cover roadbook13aus heutiger Sicht: Ja, damals war ich schon auf der richtigen Fährte. Val d'Uina, Stilfser Joch und Bocchetta di Forcola haben es allerdings nicht in die Albrecht-Route geschafft, weil mir die nahezu komplett fahrbare Strecke über den Pass da Costainas mehr zusagte. Das spricht nicht gegen Val d'Uina. Ich habe es in der besser fahrbaren Süd-Nord-Richtung in meine Transalp von Mittenwald an den Comer See eingebaut. Dokumentiert im Transalp Roadbook 13.