Transalp.info by Andreas Albrecht

Albrecht-Route

2. Tag: Verwall-Tal

350 2 9 DSCN1472Strecke: Landeck - St. Anton am Arlberg - Verwall-Tal - Heilbronner Hütte - Galtür - Ischgl - Fimber-Tal - Bodenalpe
78 km, 2240 hm

Der Gardasee liegt für die anderen gedanklich noch in weiter Ferne. Für mich ist er schon heute nah. Ich gehe im Geiste die Etappen durch und bin mir sicher, dass wir alle Highlights auf der Strecke erleben werden. Für den zweiten Tag habe ich geplant, über St. Anton durchs Verwall-Tal Richtung Ischgl zu fahren. Das ist bei diesem schönem Wetter ein gute Wahl, auch wenn es erst mal heißt, Strecke zu machen. Bis St. Anton rollen wir im wesentlichen auf der Straße oder dem Seitenstreifen. Der Autoverkehr wird in den nächsten Jahren spürbar nachlassen, wenn der Tunnel der Bundesstraße zwischen Pians und Flirsch freigegeben wird. Am Abzweig ins Paznaun-Tal verabschieden sich Uli und HaPe für heute. Sie fahren die kürzere Strecke Richtung Ischgl. Beide hatten in den Wochen zuvor mit Knieproblemen zu kämpfen. Sie wollen es heute ruhig angehen lassen. Uli kennt den Weg aus dem letzten Sommer. Wir werden uns auf der Bodenalpe wiedertreffen. Gegen Mittag sind sie dort und Uli bestätigt mir per SMS die Ankunft. Ab Flirsch ist es ruhig auf der Strecke. Man könnte zwar auf Nebenwege ausweichen, die im Winter Skiloipen sind; das ist aber nicht zwingend notwendig. In St. Anton am Arlberg ist Gelegenheit, im Supermarkt etwas zu Essen und zu Trinken einzukaufen. Ich bin endgültig dazu übergegangen, tagsüber nur wenig und kleine Portionen zu essen. Wir machen insgesamt nur kurze Pausen, das ist besser für den Körper, der sich auf langandauernde Belastung, aber nicht auf ständige Höchstleistung einstellen muss. Bei dem schönen Wetter ist es auch kein Problem, mal kurz zu stoppen und eine Banane oder einen Riegel reinzuschieben.
In den folgenden Tagen werden wir bei den Bergabfahrten und den flachen Panoramastrecken des Öfteren anhalten müssen; einfach weil uns die Eindrücke der imposanten Gebirgswelt dazu "zwingen". Nach der Ortsdurchfahrt biegen wir am Hotel "Mooserkreuz" links ins Verwall-Tal ab. Im Jahr 2000 bin ich hier das erste Mal entlang gefahren. Damals noch mit dem etwas unsicheren Gefühl, was mich auf der Transalp so alles erwarten wird. Heute bin ich ganz entspannt und genieße das langsame Eintauchen in die Gebirgswelt. Nach der Großbaustelle des Kraftwerks haben wir das Verwall-Tal für uns allein. Es ist ein so genanntes V-Tal, das relativ sanft ansteigend das Überschreiten der Baumgrenze bei rund 2000 Meter auch für den Normalbiker zum Vergnügen werden lässt. Die Konstanzer Hütte ist schnell erreicht und passiert. Jetzt schon eine Pause einzulegen, wäre unklug; danach würde es sich doppelt schwer treten. An der Schönverwall-Hütte ist die Schotterpiste zu Ende. Der Trail beginnt, zunächst noch fahrbar. Wir trudeln in kurzen Abständen ein und machen uns auf den weiteren Weg bis zu einer Brücke. Hier beginnt die erste Schiebepassage in Richtung Heilbronner Hütte, die mit ein paar Tragepassagen gewürzt ist, aber alles im grünen Bereich.

350 2 1 DSCN1448 350 2 2 Matze 2004Transalp 033 350 2 3 DSCN1450 350 2 4 Christian 2004Transalp 038 350 2 5 DSCN1461 350 2 6 DSCN1463

Ehe es richtig lästig zu werden droht, erreichen wir das Hochplateau bei den malerischen Scheidseen und meistern den Schlussanstieg zur Heilbronner Hütte. Matze und Christian fahrenderweise, die anderen schieben meist das letzte Steilstück. Auf der Terrasse knallt die Sonne wie im Hochsommer. Ich esse ein kleines Süppchen, auf mehr habe ich keinen Appetit. Die Abfahrt in Richtung Kops-Stausee ist bei diesem herrlichen Wetter ein Traum. Sie weist keine technischen Schwierigkeiten auf, so lassen wir es einfach rollen und halten immer wieder kurz an, um die Aussicht auf die Bergketten der Silvretta zu genießen. Ehe es richtig lästig zu werden droht, erreichen wir das Hochplateau bei den malerischen Scheidseen und meistern den Schlussanstieg zur Heilbronner Hütte. Matze und Christian fahrenderweise, die anderen schieben meist das letzte Steilstück. Auf der Terrasse knallt die Sonne wie im Hochsommer. Ich esse ein kleines Süppchen, auf mehr habe ich keinen Appetit. Die Abfahrt in Richtung Kops-Stausee ist bei diesem herrlichen Wetter ein Traum. Sie weist keine technischen Schwierigkeiten auf, so lassen wir es einfach rollen und halten immer wieder kurz an, um die Aussicht auf die Bergketten der Silvretta zu genießen. Nach der Verbellaalpe muss man Obacht geben, damit man nach der Schranke einen kurzen giftigen Anstieg nicht verpasst, der nach links zum Stausee führt. Nach rechts in Richtung Partenen weiter abwärts zu rollen, ist zwar verführerisch, hilft aber nicht viel weiter. Man müsste die Transalp dann z.B. auf der Heckmair-Route über das Schlappiner Joch fortsetzen, was sicher auch seinen Reiz hätte. Aber dann sollte man auch so konsequent sein, und von Oberstdorf aus starten. Wir kurbeln also ein kurzes steiles Stück nach oben. Ein paar entgegenkommende Wanderer helfen mental ungemein, um den lästigen Gegenanstieg zu meistern. Am Stausee halten wir kurz inne. Das Wasser ist durch die eingeschwemmten Sedimente milchig himmelblau, aber nicht sehr klar. Kurz nach dem Anstieg zum Zeinisjoch sollte man den See links am Gasthaus auf dem Wanderweg umfahren. Man mündet dann direkt auf dem MTB-Weg Richtung Galtür, den man auch über die Straße erreichen kann. In diesem Falle biegt man dann kurz nach der Passhöhe nach links ab; Orientierungspunkt ist dabei die mautfreie Straße nach Galtür.
Das Zeinisjoch ist noch eine Bemerkung wert. Es hat vermutlich seinen Namen vom einheimischen Ausdruck für die Tränen der Tiroler Kinder. Viele von ihnen mussten bis in die 1940er Jahre ihre damals bitterarme Heimat verlassen, um sich in Schwaben als Dienstmädchen oder -jungen zu verdingen. Hier am Joch verabschiedeten sie sich von ihrer Familie und wurden den Schleppern übergeben. Es ist für uns heute kaum mehr vorstellbar, welche Armutsgrenze vor historisch kurzer Zeit durch die Alpen ging. Im damals reichen und mächtigen Deutschland veranlasste dies manche Einwohner, sich zum allgewaltigen Herrscher über das Leben der ihnen anvertrauten bzw. gekauften Seelen aufzuschwingen. Zum Glück ist mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges diese unsägliche Tradition hinweggefegt worden. Nun aber genug des geschichtlichen Exkurses. Wir genießen die rasante Abfahrt in Richtung Galtür, das schnell in Sichtweite gelangt. Deutlich sind die Lawinenverbauungen zu erkennen, die nach den tragischem Unglück im Jahre 1999 den Ort vor Wiederholungen schützen sollen. Wir sehen deutlich, dass die lawinenauslösenden Berghänge niemals bewaldet waren und auch nicht mit Liftanlagen zugepflastert sind. Es war wohl eher eine Verkettung unglücklicher Umstände, die im damaligen Winter nach tagelangen Schneefällen den weißen Tod in den jahrhundertealten Ort brachte.

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Wir fahren in den Ort ab, um auf dem Radweg neben der Trisanna bergab zu rollen. Inzwischen hat man sich auf die Zunft der radelnden Sommergäste eingestellt. Der Weg ist bestens ausgeschildert und führt einen nicht ihn Versuchung, die Straße zu benutzen. Bei einzelnstehenden weißen Häusern (Apart Alexander) kurz hinter Galtür folgen wir dann dem Schotterweg entlang der Trisanna. In der Schlucht rücken die Felswände dicht aneinander. Nach dem Hochwassers im August 2005 wurde der Weg neu angelegt und ist nun gut ausgebaut. Schließlich erreichen wir oberhalb der Ortslage Ischgl einen Wegabzweig ins Fimber-Tal, wo heute für uns Endstation sein soll. Damit sparen wir uns den ersten heftigen Teil des Schlussanstieg aus Ischgl heraus. Wir kurbeln den zwar heftigen, aber durchaus fahrbaren Weg zur Bodenalpe hinauf. Wir übernachten hier und nicht wie viele andere auf der Heidelberger Hütte. Diese ist inzwischen viel zu überlaufen. Von Hüttenromantik keine Spur mehr. Dereinst zählte ich dort mehr als 80 Mountainbiker über Nacht, dazu noch rund 100 Wanderer- und Gesangesfreunde der Alpenvereinsektion Heidelberg. Da wird die alpine Einsamkeit wahrlich zum Massenerlebnis. Die Wirtin Esma der Bodenalpe empfängt uns herzlich und wir beziehen unsere Zimmer. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied zur Heidelberger Hütte. Die Zimmer sind sauber und mit Dusche/WC und TV sehr gut ausgestattet. Sogar einen Wäscheservice hält Esma bereit. Abendessen und Frühstück schmackhaft und reichlich, dazu sehr preiswert. Fazit: sehr empfehlenswert.

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Varianten

- ab Landeck über Tobadill und das Almstüberl nach See
- dann die Paznaun-Talstraße bis Ischgl, diverse Umfahrungen möglich

Übernachtungstipps

auf der Strecke in St. Anton am Arlberg: wenn man zum Beispiel die erste Etappe verlängern will oder hier starten will (unter Auslassung der 1. Etappe Garmisch -Landeck)

St. Anton am Arlberg: Hotel Montfort: A-6580 St. Anton am Arlberg, Dorfstraße 57, Tel. 0043-5446-2310

 

Ischgl

Hotel Jägerhof
Direkt an der alternativen Route des 2. Tages gelegen. Niveauvolles, familiär geführtes 4-Sterne-Hotel im Ortszentrum von Ischgl (Nähe Kirche). Falls es durch Wetterunbilden nicht möglich sein sollte, über den Fimberpass zu gehen, kann die Seilbahn nach Samnaun genutzt werden. Diese ist ab einer Nächtigung im Hotel gratis in der Silvretta-Card enthalten, die man als Gast im Hotel erhält. Tolle Sache.
Adresse: Eggerweg 11, A-6561 Ischgl/Tirol, Tel.: +4354445206

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