Transalp.info by Andreas Albrecht

Albrecht-Route

4. Tag: Val Mora, Passo Verva

opener 350 4 16 Verva M095Strecke: St. Maria im Münstertal - Val Mora - Lago Cancano - Arnoga - Passo di Verva - Eita - Grosio
73 km, 1503 hm

Diesmal bekommen wir Frühstück in der Jugendherberge. Eine Schweizer Jugendgruppe ist auf Klassenfahrt hier, so dass es sich für die Herbergsmutter Frau Tinner lohnt, Essen anzurichten. Frisch gestärkt nehmen wir die lange Schotterauffahrt ins Val Mora in Angriff. Mir fehlen Kilometer zum Einrollen. Buchstäblich aus dem Stand geht es nur bergauf. Das erste Flachstück an der Alp Pra de Vau gibt mir kurz Gelegenheit, die Beine hochzunehmen und etwas lockerer zu werden. Danach geht es besser und ich ziehe durch bis zur Alp Praveder. Nach einer kurzen Rast sind die letzten Höhenmeter zum Döss Radond schnell vergessen. Es ist sonnig, aber doch ein wenig frisch. Wir sind ganz allein in den Bergen, wenn man von den zahlreichen Murmeltieren absieht, die sich durch ihr charakteristisches Pfeifen bemerkbar machen. Matze kann die Geräusche täuschend echt nachmachen. Es ist, also ob sie sich unterhalten. Wir ziehen die Windjacken über und genießen die Abfahrt durchs Val Mora. Das Hochtal ist bei diesem Wetter einfach überwältigend. Wir halten oft an und schauen auf die uns umgebenden Dreitausender.
Die Bilder brennen sich ein. Diese alpine Kulisse sucht ihresgleichen. Aus der Schotterpiste wird ein Wiesentrail, der sich später durch Krüppelkiefern schlängelt. Ab der Bachbrücke wird das Tal schmaler, der Pfad zieht sich an der linken Fluss-Seite durch die Geröllhalden und zwingt einen ab und an zum Absteigen. Wildromantisch ist es hier. Jeden Moment könnte Winnetou um die nächste Wegbiegung geritten kommen. Am Passo Val Mora verlassen wir die Schweiz über die grüne Grenze. Der Weg zieht sich durch die Ausläufer der Geröllhalden, die durch die Erosion der Berge entstehen.
Die Bilder brennen sich ein. Diese alpine Kulisse sucht ihresgleichen. Aus der Schotterpiste wird ein Wiesentrail, der sich später durch Krüppelkiefern schlängelt. Ab der Bachbrücke wird das Tal schmaler, der Pfad zieht sich an der linken Fluss-Seite durch die Geröllhalden und zwingt einen ab und an zum Absteigen. Wildromantisch ist es hier. Jeden Moment könnte Winnetou um die nächste Wegbiegung geritten kommen. Am Passo Val Mora verlassen wir die Schweiz über die grüne Grenze. Der Weg zieht sich durch die Ausläufer der Geröllhalden, die durch die Erosion der Berge entstehen.

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Am Passo Fraele geraten die Stauseen ins Blickfeld. An der mittleren Staumauer ist rege Bautätigkeit zu erkennen. Die gewaltigen Wasserreservoire müssen instand gehalten werden, auch wenn uns die Staubfahnen der Baufahrzeuge manchmal nerven. Wir halten uns bei der Seeumfahrung wieder rechts. Ich passiere die Einmündung des Schotterweges vom Passo Alpisella. David und ich sind im Juli diesen Jahres von Livigno kommend hier entlang gefahren sind. Wir erinnern uns, dass wir damals am späten Nachmittag auf Quartiersuche waren und erst in Arnoga Unterschlupf fanden. Heute liegen wir gut in der Zeit. Am Rifugio Giacomo stehen die Liegestühle einladend in der Sonne - Kaffeepause. Als ob sich seit unserem Aufenthalt vor einem Jahr nichts verändert hätte, ist auch ein kleines Kätzchen wieder zur Stelle und turnt auf David herum. Schließlich fahren wir weiter, immer die Schotterpiste am See entlang. Oberhalb der Staumauer halten wir noch einmal an und bewundern die Bergwelt. Das Sommer-Skigebiet des Stilfser Jochs ist deutlich zu erkennen. Klar zeichnen sich die dunklen Liftmasten über dem weißen Schnee ab. Wir sind jedoch nicht sicher, ob die Lifte laufen. Auch der Zick-Zack-Trail durch die Felswand des Valle Forcola ist deutlich zu sehen. Bei solchem Wetter ist das auch eine wunderbare Strecke. Von Santa Maria aus wäre jedenfalls möglich, diese Variante zu fahren. Man müsste halt das Val Mora auslassen und die wenig befahrene Straße zum Pass Umbrail nehmen, um dann auf dem Höhentrail zur Bocchetta di Forcola zu gelangen. Eine schwere Entscheidung; bisher ist sie bei mir immer zu Gunsten des Val Mora ausgefallen. Irgendwie erscheint mir diese Route logischer. Die Variante über die alten Militäranlagen aus dem 1. Weltkrieg ist eher passend als Fortsetzung einer Transalproute, wenn man vom Stilfser Joch her kommt.
350 4 7 Christian 2004Transalp 067 350 4 8 DSCN1647 350 4 9 DSCN1648 350 4 10 DSCN1655 350 DSCN1665 350 4 12 DSCN1669
Nun gut, über den heute folgenden Weg brauche ich nicht lange zu rätseln. Nach den Torri di Fraele geht es in der dritten Serpentine wieder rechts ab Richtung Arnoga, über die alte Militärstraße "Decouville". Dafür brauchen wir heute recht lange, nicht weil wir schlapp wären, sondern weil uns die Aussicht überwältigt und wir immer wieder anhalten, um alles in uns aufzusaugen. In den letzten Tagen habe ich in Anbetracht der uns umgebenden landschaftlichen Highlights immer wieder gesagt: "Am nächsten Tag wird es noch einen Zacken schärfer!" Es ist tatsächlich so. Die Eindrücke eines Tages werden übertroffen von den Impressionen des nächsten und so weiter, und so weiter in der Abfolge dieser Traum-Transalp. Eigentlich wollte ich gerade schreiben: dieses Transalp-Traumes, aber da klang so etwas an von "-alp-Traum" und dieser Eindruck ist eindeutig fehl am Platze. In Arnoga machen wir noch mal Cappuccino-Rast. Eigentlich unnötig, wie ich im nachhinein feststelle. Durch die kurze Pause verliert man das lockere Gefühl in den Beinmuskeln, das sich auf der langen Flachstrecke eingestellt hat. Dieses Gefühl kann man am Passo Verva gut gebrauchen. Matze und Christian fahren die schwere Schotterpiste komplett durch. Alle anderen legen die eine oder andere kurze Schiebepausen-Erholung ein. Nebenbei bemerkt, kann man so die majestätische Bergwelt auch besser in sich aufnehmen (Wie war das noch mal mit dem Fuchs und den sauren Trauben?). Den Schotter-Downhill nach Eita lassen wir ruhig angehen. Immer wieder unterbrechen wir die Abfahrt. Es wäre eine Sünde, die eindrucksvolle Landschaft einfach so an sich vorbeirauschen zu lassen.
Im Bergdörfchen Eita hat uns das Leben wieder. Ursprüngliche Landschaft wird hier noch betrieben, allem Anschein nach meist von den älteren Bewohnern des Tales. Ein Bauer und seine Frau sind damit beschäftigt, mit Hilfe einer Art Häckselmaschine den Dung zu zerkleinern, um ihn besser auf die Feldern aufbringen zu können. Im Vorgarten eines kleinen, uralten Bauernhauses liegt ein alter Mann im Schatten, dick in Filzdecken eingemummelt, seine Frau neben ihm. Ich grüße freundlich: "Buon giorno!". Sie nicken und wünschen uns eine gute Reise: "Buon viaggio, ragazzi!" Es wirkt wie eine Idylle, ich kann mir aber gut vorstellen, wie hart das Leben hier oben ist und wie schwer es ursprüngliche Lebensformen haben, sich in der heutigen Zeit zu behaupten. Ich denke vor mich hin: "Allen Schickimicki-Kram wie Handy, vollgefedertes Bike und GPS hin und her - wenn es hart auf hart käme: Die Leute hier oben würden wohl eher klarkommen, wenn sie sich selber behelfen müssten, als wir verstädterte Menschen des 21. Jahrhunderts." Nun ist es aber genug mit dem Philosophieren.

350 4 13 DSCN1676 350 4 14 DSCN1691 350 4 15 DSCN1701  350 4 18 Matze 2004Transalp 096 350 4 19 DSCN1716 350 DSCN1724

350 4 20 SassellaM099In Grosio wartet das "Hotel Sassella" auf uns. Die rasante Abfahrt über 1000 Höhenmeter auf der kleinen Straße blasen alle fragenden Gedanken aus dem Kopf und die mediterrane Luft des Valtellina tut ein übriges, um keine bohrenden Zweifel über Sinn oder Unsinn einer Transalp aufkommen zu lassen. Freudig begrüße ich Marcella und Jim Pini, den Chef des familiär geführten Hotels. Ich fühle wieder wie zu Hause.

 

Varianten

- bei Übernachtung in Tschierv immer dem MTB-Weg 444 folgen, trifft bei Pra de Vau wieder auf die Route von Santa Maria kommend
- ab den Torri di Fraele auf den ehemaligen Schotterserpentinen und parallelen Trails hinab nach Premadio und weiter auf Rad- und Nebenwegen hinunter bis Grosio
 - oder man fährt gleich zur "La Baita" ins Val Rezzalo (verkürzt die Transalp um einen Tag) - siehe Bericht zu einer 6-Tage-Variante
Wenn man am 5. Tag die Hauptroute über Val di Rezzalo fahren will, kann man sich überlegen, ob man von Grosio aus noch bis nach Sondalo fährt und dort im HOTEL DELLE ALPI übernachtet. Das liegt im Ortsteil Bolladore direkt an der Albrecht-Route. Von Grosio bis Bolladore sind es nur ca. 5 km und 150 Höhenmeter.


Übernachtungstipps

Sondalo: Hotel Rezia - Via Zubiani, 60 - 23035 Sondalo (SO) - sichere Bikegarage
Telefon: +39 0342 801514

siehe auch Detailinfos