Transalp.info by Andreas Albrecht

Albrecht-Route

7. Tag: Gardasee

opener 350 7 10 IMG 2345Strecke: Madonna di Campiglio - Val d'Agola - Passo Bregn de l'Ors - Val d'Algone - Stenico - Villa Banale - Sarche - Arco - Torbole
75 km, 862 hm

Es ist frisch, als ich am Morgen aus dem Fenster blicke. Die Sonne steigt langsam über die Berge. Es wird wieder eine schöner Tag werden. Passend zum Abschluss dieser grandiosen Tour. Das Frühstück ist reichhaltig: Käse, Wurst, Marmelade, Obst und eine Vielzahl verschiedener Kuchen. Wir verschaffen uns damit eine gute Grundlage, denn mit größeren Essenspausen wollen wir uns heute nicht aufhalten. Der Gardasee ruft. Wir fahren durch das Ortszentrum, am See vorbei durch den noch kühlen Wald in Richtung Rifugio Vallesinella. Am Parkplatz ist die grobe Betonstraße zu Ende. Steil geht es abwärts zum Wasserfall. Das Rifugio Cascata di mezza ist noch geschlossen. Wir überqueren unterhalb die kleine Holzbrücke und fahren und schieben gemütlich den folgenden Single-Trail entlang. Bald erreichen wir eine Forststraße, die uns abwärts zur Malga Brenta bringt. Aus den Wissen steigt noch der Tau auf. Die morgendliche Stimmung ist märchenhaft. Die Schotterpiste das Val d'Agola hinauf ist nur mäßig steil und lässt sich hervorragend fahren. Ich teste mich mal aus und bleibe an Matze und Christian dran bzw. sie reduzieren ihr Tempo so, dass ich folgen kann. Bald ist der Hohlweg erreicht, der zum Lago d'Agola führt. Am See wird traditionsgemäß Rast in der Nähe des abgestorbenen Baumstumpfes gemacht.
Noch sitzen wir im Schatten, gerade erhebt sich die Sonne über die Bergspitzen der Brenta. Nach und nach erstrahlt auch der still da liegende See im gleißenden Sonnenlicht. Gemächlich nehmen wir die kurze, heftige Schiebepassage in Angriff. Ich feuere Christian an, der die Wiese so weit hochfährt, bis es nicht mehr geht. Eine starke Leistung. Der letzte größere Anstieg vor dem Gardasee ist bald bezwungen.
Am Bärenpass verschnaufen wir kurz, lassen die Glocke der Kapelle erklingen und berieten uns auf die Abfahrt vor. Doch erst muss noch der Passo del Gotro bezwungen werden. Das geht schnell. Im Spätsommerdunst liegt das Val d'Algone vor uns. Eine traumhafte Abfahrt wartet auf uns. 700 Höhenmeter auf Schotter bis zum Rifugio Brenta und dann noch einmal 500 Höhenmeter auf der kleinen Asphaltstraße. Am Talende verstauen wir die Windjacken. Es ist deutlich wärmer geworden. Erstaunlicherweise bläst uns diesmal in Richtung Stenico der Wind nur mäßig ins Gesicht. Jeder sucht trotzdem so gut es geht einen Vordermann, der ihm Windschatten spendet. Auf der Piazza Centrale in Stenico werden die Punkte für die Sprintwertung vergeben. Von hier aus gibt es mehrere Möglichkeiten, den Gardasee zu erreichen. Die zwei klassischen Hauptvarianten kennen alle aus der Gruppe schon. Da ist zum einen der Weg über den Passo di Ballino, eine oft gefahrene Straßenvariante. Landschaftlich sehr reizvoll ist zum anderen der Weg durch das einsame Val di Lomasone. Der Wermutstropfen ist allerdings, dass man dabei zwei sehr steile Schiebestücke auf alten Römerpfaden zu überwinden hat. Beide Varianten belohnen den erfolgreichen Transalpler dann mit dem ersten Blick auf den Gardasee aus mehreren hundert Metern Höhe von Tenno aus. Während unserer Ostertourenwoche am Gardasee sind wir beide Alternativen gefahren.

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Deshalb wollen wir eine dritte Möglichkeit in Angriff nehmen, die zudem kaum noch zusätzliche Höhenmeter erfordert. Landschaftlich reizvoll ist sie allemal, die Route auf der alten Sarca-Straße. Der Fluss hat sich zwischen Ponte Arche und Sarche im Laufe von Jahrmillionen einen Canyon durch den Fels gegraben, bevor er bei Torbole in den Gardasee mündet. Auf der Ponte Sarca, die sich im kühnen Bogen über die Schlucht schwingt, überqueren wir die Schlucht. Ein kurzes Stück müssen wir noch auf der Straße fahren. Der Seitenstreifen gibt uns genug Platz, um unbedrängt vom Verkehr schnell vorwärts zukommen. Ein Radweg ist offensichtlich im Bau (und inzwischen auch fertig gestellt). Vor dem ersten Tunnel zweigt er links ab, die Strada Vecchia im Sarca-Tal. Hoch über dem Grund der Schlucht schlängelt sie sich an den Felsen entlang. Ganz still ist es hier, der Fluss führt um die Jahreszeit wenig Wasser. Der alte Straßenbelag war damals übersät mit Gesteinsbrocken. Langsam holte sich die Natur die Straße zurück. Bäume und Büsche wachsen durch den bröckelnden Asphalt. An manchen Stellen bleibt nur eine schmale Gasse für uns übrig. Wir fahren hintereinander. In einer Kurve rollen wir vorsichtig an die kleine Mauer heran, die die Straße begrenzt. Senkrecht fällt die Felswand ab, unten gurgelt der Fluss. Da stockt einen der Atem. Drei Tunnel, durch die an Wochentagen der Verkehr braust, umfahren wir so elegant. Dieses Stück erinnerte mich damals an die alte Ponale-Straße, sie muss in etwa zur selben Zeit gebaut worden sein. Schließlich endet dieses Reise in die Vergangenheit oberhalb von Sarche.
Hier beginnt die fruchtbare Ebene, die sich vom Gardasee über Arco und Dro bis zum Lago Toblino erstreckt. Wir überqueren am Ortseingang von Sarche wieder die Sarca und biegen sofort auf den Radweg ab, der dem Flusslauf folgt. Entspannt rollen wir die letzten Kilometer zum Finale unserer Transalp. In Pietramurata wählen wir den Weg am Lago di Cavedine entlang, der noch einen kurzen Anstieg durch die Steinwüste der Marocche mit sich bringt. Sie entstand nach der letzten Eiszeit durch den gewaltigen Abbruch einer ganzen Felswand des Monte Brento, als sich der gewaltige Gletscher, der auch den Gardasee schuf, nach und nach zurückzog. Hier sehen wir zum ersten Mal den Gardasee. Jetzt gibt es kein Halten mehr. In Höchstgeschwindigkeit rasen wir auf Dro zu. Doch wie Olaf immer sagt: "Ein Eis geht immer noch." Hinter dem Schuhmarkt befindet sich die Gelateria "Maui". Hier gibt es weit und breit das beste hausgemachte Eis der Region, behaupte ich. Unsere Eisspezialisten Olaf und Reiner sind erst skeptisch, bestätigen dann aber meine Meinung. Von Dro aus folgen wir wieder dem Flusslauf der Sarca auf einem alten Karrenweg, der durch Olivenhaine führt. An der alten Römerbrücke bei Ceniga wachsen Feigenbäume. Die Früchte sind reif und werden gekostet. Weiter geht es an den Kletterfelsen von Arco vorbei. Hier ist immer viel los in der Felswand. Das finale Wettrennen findet auf dem Radweg nach Torbole statt. Am Gardasee angekommen, möchte Matze am liebsten das Rad mit seinem geliebten Surfbrett vertauschen, so stark weht heute der nachmittägliche Wind. Ein paar Meter noch am Strand entlang und wir sind am Strandcafe von Torbole, wo ich meine Transalps immer beende. Simi und Diana sind schon da, um uns zu empfangen. Sie haben die Finisher-Biketrikots dabei. Alle haben sie sich redlich verdient.

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Der Gardasee wird wohl immer die unangefochtene Nummer 1 als Ziel einer Transalp bleiben. Warum wohl? Ich denke, die Bilder sprechen für sich.

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Variante

Der Strecke über Ponte Arche und auf Nebenwegen zum Passo Ballino ist nun zu recht fester Bestandteil der Hauptroute und wird im Transalp Roadbook 1 auch so dokumentiert.

Übernachtungstipps

siehe Detailinfos