Transalp.info by Andreas Albrecht

St. Moritz - Venedig


1. Tag: Alpiner Aufgalopp im Inntal bis S-charl

opner 350 DSC03341Richtig los geht es nun in St. Moritz. Die Strecke kenne ich komplett und bin sie mehrfach allein abgefahren, damit es keine bösen Überraschungen gibt. Offizieller Startpunkt ist für uns die Stelle, wo der Inn in den überschaubaren See von St. Moritz fließt. Ein Radweg verläuft am Nordufer entlang, ehe es mit einer kleinen Abfahrt hinab ins breite Inntal bei Samedan geht. Hier ist auf dem Innradweg viel los, auch eine Folge aus den erfolgreichen Anstrengungen der Region Oberengadin/St. Moritz, ihr touristisches Potenzial ins Bewusstsein der Radler aller Art zu bringen. Jeder Radfahrer findet seine passende Strecke.
Nach dem Passieren von S-chanf, dem Zielort des legendären Engadiner Skimarathons, wird es ruhiger auf der Strecke. Der Innradweg wird zunehmend grober und nimmt in den Seitentälern einige Gegenanstiege mit; das ist nichts für den klassischen Donauradwegfahrer. Diese Spezies überholen wir einige Male, auch wenn unser Tempo eher gemächlich ist. Auf dünnen Reifen und mit überdimensioniertem Gepäck fährt es sich auf Schotterpisten eben nicht so gut. Wir sind, wie gewohnt, mit extrem leichtem Gepäck unterwegs, im Vertrauen darauf, dass uns das stabile Sommerhoch nicht im Stich lässt. Das soll in den nächsten Tagen unser Begleiter bleiben - mit ständig ansteigenden Temperaturen.
Doch im hochgelegenen Inntal ist es heute am Morgen noch recht frisch, findet Simi, und zieht sich erst einmal eine Jacke an. Bis S-chanf sind wir zügig gerollt, dann beginnen die ersten Gegenanstiege. Wir folgen über Zernez, Susch bis Lavin dem Innradweg, der hier sehr abwechslungsreich verläuft und nach meinem Gefühl stimmig ist. In Lavin endet die Schönheit des Innradweges, wie mir viele Radler bestätigt hatten, mit denen ich mich auf meinen Recherchetouren ausgetauscht hatte. Im Wesentlichen gibt es zwischen Lavin und Scoul für Radfahrer drei Möglichkeiten. Die hatte ich im Vorfeld alle ausgiebig getestet.

  1. Straße zwischen Ardez und Scoul
    Ohne nennenswerte Gegenanstiege rollt es sich leicht bis Ardez. Ab hier rasante Abfahrt nach Scoul, das man ab dem alten Grandhotel auf der alten Straße ohne Verkehr erreicht.
  2. Schotterpiste zwischen Lavin und Ardez südlich der Innschlucht
    Diese Variante hatte ich bei meiner ersten Recherchetour ausprobiert und finde sie recht stimmig, auch wenn man vor Ardez in die Schlucht hinunter muss und dann einen Gegenanstieg von ca. 100 Höhenmetern bis Ardez hat. Ab Ardez weiter wie bei 1. beschrieben.
  3. offizieller Innradweg über Bosca, Ardez und Ftan
    Dabei macht man auf ca. 20 km Strecke zwischen Lavin und Scuol ca. 700 Höhenmeter. Der Sinn dieser Variante erschließt sich mir nicht so richtig.

Wir entscheiden uns nach einer ausgiebigen Pause auf dem Balkon des Cafe Giacometti für die leichte erste Variante. Die zweite Variante ist im Roadbook auch dokumentiert. Die dritte Möglichkeit dokumentiere ich nicht, weil sie nach meiner betont subjektiven Einschätzung ein Beispiel für eine nicht besonders gelungene Trassierung eines Radweges ist. Wer diese Variante fahren will, findet den gut ausgeschilderten Weg problemlos.

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Wir erreichen Scoul am frühen Nachmittag und haben noch ausreichend Zeit für den finalen Anstieg nach S-charl. Simis Stärke ist nicht unbedingt das Bergauffahren. So brauchen wir für die rund 600 hm von Scoul nach S-charl mehr Zeit, als ich es von meinen Transalps mit dem Solorad gewöhnt bin. Das ist aber auch egal. Wir haben Zeit und nehmen sie uns auch für diverse Fotopausen. Die erste an der spektakulären Brücke über den Inn in Scuol, die nächste bei der Auffahrt, wo die Radstrecke den Tunnel außen umfährt. Am Val Minger wird die Strecke flacher und wir erreichen schließlich S-charl. Geschafft! Am Dorfbrunnen erfrischen wir uns, trinken das klare Wasser und lassen es uns über Kopf und Arme laufen. Gleich daneben liegt das gut von Bikern frequentierte Hotel. Wir checken im Gasthaus Crusch Alba ein, wechseln unsere Kleidung und genießen den Rest des Tages mit Faulenzen im Garten.

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Variante: Lavin - Ardez auf Schotter südlich des Inn

An der Holzbrücke über den Inn fährt man geradeaus auf dem Wanderweg 442, der über Sur En nach Ardez verläuft. Das ist eine schöne Schotterpiste, die zunächst hoch über dem Inn verläuft. Nach dem Weiler Sur En senkt sich die Piste hinab zum Inn. Die verlorenen Höhenmeter muss man sich hinauf nach Ardez wieder erarbeiten.

Alternativen, Shuttle:

Zwischen St. Moritz und Scuol kann man Teilstrecken mit der Rhätischen Bahn absolvieren. Von Scuol nach S-charl verkehrt ein Postbus, der auch Fahrräder mitnimmt.

Übernachtungstipp:

Alpengasthof*** Crusch Alba ed Alvetern, 7550 S-charl - Schweiz - Tel +4181 864 14 05