Transalp.info by Andreas Albrecht

St. Moritz - Venedig


2. Tag: Königsetappe über den Hauptkamm der Alpen am Pass da Costainas

opner 350 DSC02607Ohne zu Hetzen brechen wir zeitig am Morgen auf. Die Sonne beleuchtet schon die Bergspitzen. Die Luft ist klar und frisch. Ab S-charl geht es fast immer mit einer angenehmen Steigung stetig bergauf. Das Hochtal kann man getrost als lieblich bezeichnen. Ein Bach murmelt entlang des Weges. Jeden Moment könnte Old Shatterhand um die Ecke geritten kommen. Nach der Überquerung des Baches kommt ein kurzer steiler Anstieg. Hier steigt Simi ab und läuft, ich fahre das Tandem ein Stück allein. Nach fünf Minuten sind wir wieder vereint. Das Hochtal öffnet sich hin zur Alp Astras. Bis dahin geht es locker und zügig. Die Wiese nach der Alp Astras ist mit dem Tandem für uns nicht fahrbar und auch das erste Stück des Trails, der durch den Krüppelkieferwald führt. Dann wird der Weg breiter und wir können wieder auf dem Tandem rollen.
Es ist nicht mehr weit bis zum Pass da Costainas. Mit 2251 Metern ist das der höchste Punkt, den wir bis dahin offroad und mit dem Tandem erreicht haben. Und wir sind doch tatsächlich allein hier oben. Ich habe hier schon wahre Völkerwanderungen erlebt.
So mühen wir uns mit dem obligatorischen Gipfelfoto etwas ab. Fotos zu schießen ist auf der gesamten Tour die schwierigste Übung. Wir haben extra ein Stativ dabei. Das Auf- und Abbauen dauert zwar etwas, ist aber immer noch effektiver, als wenn man einen zufällig Vorbeikommenden bittet, ein Foto zu machen. Das geht in den allermeisten Fällen daneben, selbst wenn es nur ein eigentlich verpöntes Standfoto sein sollte. So dauert es eine Weile, bis wir die richtige Pose getroffen haben. Nach dem Gipfelfoto geht es weiter, die Abfahrt ist zunächst ein Wiesenweg. Der ist einfach zu fahren. Dann folgt ein Abschnitt auf grobem Schotter mit einigen steilen Stellen. Mit dem Tandem müssen wir etwas vorsichtiger manövrieren, als ich es vom normalen Mountainbike her gewohnt bin. Wir sind ein eingespieltes Team und schaffen die Passage.

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 Die Alp Champatsch liegt zwar nicht direkt am Weg ins Münstertal, der kleine Abstecher ist es jedoch wert, um eine Pause einzulegen. Prachtvoll breitet sich das Panorama der umliegenden Berge vor uns aus. Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg. Die Schotterabfahrt nach Lü ist rasant. Als wir aus dem Wald herauskommen, ist der Ortler mit seiner schneebedeckten Haube glasklar zu sehen. In Lü machen wir Halt am Gasthof Hirschen. "Mama Lü" will gar nicht glauben, dass wir beide mit dem Tandem auf Transalp unterwegs sind. Sie zeigt uns stolz das Gästebuch mit den vielen Eintragungen der Transalpler, die auf meiner Albrecht-Route hier Station gemacht haben. Mittlerweile ist sie weltweit ein Begriff; die weiteste Anreise hatte ein Australier.
Wir bleiben bei der Weiterfahrt ins Münstertal zunächst auf meiner Route. Erst in Runca, wo sonst die Auffahrt ins Val Mora beginnt, wechseln wir auf eine neue Strecke. Wir wollen dem Münstertal abwärts folgen, um ins Vinschgau zu gelangen. Das kann komplett abseits der Straße erfolgen. Mit dem Tandem lassen sich durchaus Trails fahren. Die im Münstertal in Frage kommenden habe ich vorher allein recherchiert. Es gibt einen schönen Trail entlang des Wildbaches "Rambach". Wir folgen dem Pfad ab Runca und schleichen uns so an der Ortslage von Sta. Maria vorbei. Auch Müstair passieren wir so am Rand.

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Die Grenze nach Südtirol überqueren wir auf dem Pfad, der seit ein paar Jahren hergerichtet wurde und seitdem dank Holzstegen fahrbar ist. Schließlich folgt die schnelle Abfahrt auf dem Forstweg ins Vinschgau. Bei Laatsch stoßen wir auf den Vinschgau-Radweg. Diesem folgen wir zunächst bis Glurns. Da uns hier der weitere Weg bekannt ist, u. a. von unserer Sissi-Transalp, probieren wir etwas Neues aus. In Richtung Prad befahren wir einen schönen Forstweg, der über Lichtenberg verläuft. In Prad treffen wir dann auf den Vinschgau-Radweg. Am schönsten ist die Schluchtstrecke zwischen Laas und Göflan und weiter durch die Apfelplantagen bis nach Latsch. Danach zieht sich der Weg etwas hin, zumal wenn Gegenwind herrscht. Diesen bringt die Thermik in Gebirgstälern oft hervor. Die Mühe ist vergessen, als uns dann Meran zu Füßen liegt. Die Hitze flirrt, nichts wie ab ins Quartier, duschen und erst am Abend zum Stadtbummel wieder los.

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Variante: Runca - Sta. Maria

Wem der Sinn nicht nach Trails steht, kann ab Runca recht zügig das Tal hinab rollen. Damit das nicht gleich auf der Straße geschieht, gibt es zwischen Runca und Valchava einen pfeilgeraden Wirtschaftsweg durch die Wiesen. Danach wechselt man auf die Straße und rollt durch Sta. Maria hindurch, bis man ca. 1 km nach dem Ortsteil Sielva vor der Brücke wieder auf die Hauptroute stößt, die weiter komplett abseits der Straße verläuft.

Alternativen

Ab Lü einfach die Straße hinunter rollen in Richtung Ofenpassstraße. Dort links bergab durch Valchava und Sta. Maria.