Transalp.info by Andreas Albrecht

Olperer-Umrundung

Prolog

opener 350 DSC02094Diese Transalp habe ich erstmals ausdrücklich für eMountainbike (eMTB) konzipiert und recherchiert. Das bedeutet, dass ich im Vorfeld jeden Meter der Strecke mit einem eMTB gefahren bin, auch wenn mir der Abschnitt von vorherigen Transalps schon bekannt war. Ein eMTB wie zum Beispiel das Flyer Uproc6 kann alles, was ein normales MTB auch kann, also auch Trails fahren. Das hatte ich bei einer zweiwöchigen Tourenrecherche auf Elba ausgiebig getestet (siehe auch hier). Was aufgrund des hohen Gesamtgewichts eines eMTB im Vorfeld ausgeschlossen werden muss, sind längere Tragepassagen. Man kann sicher das eMTB mal über eine Stufe heben oder auch über einen Weidezaun wuchten. Das sollte aber die Ausnahme sein.

Schiebepassagen kann man mittels Schiebehilfen (wie beim Boschmotor) etwas entschärfen. Man muss aber wissen, wie das funktioniert. Das Handbuch gibt da nur vage Auskünfte. Die Schiebehilfe erfüllt ihren Zweck im steilen Anstieg nur, wenn man den Gang auf das kleinste Ritzel hinten legt. Dabei muss man die entsprechende Taste an der Bedieneinheit ständig gedrückt halten. Das ist ergonomisch sehr schlecht gelöst, weil man die Hand verdrehen muss. Etwas Abhilfe schafft ein Verdrehen der Bedieneinheit am Lenker.

Hinweis an die Bosch-Ingenieure: da könnt ihr euch durchaus noch etwas Besseres einfallen lassen! - Die Taste muss ergonomisch so angebracht werden, dass man sie beim Schieben mit dem Daumen bedienen kann. Das sollte doch keine unlösbare Aufgabe sein.

Aus meinen Tests wusste ich, dass man mit einem eMTB auf Schotter in der Spitze eine Steigung von knapp 30% bewältigen kann. Dazu habe ich aus Interesse die Passage meiner Albrecht-Route zwischen der Bozzi-Hütte und der Montozzo-Scharte ausprobiert. Das sind rund 140 Höhenmeter mit einer max. Steigung von mehr als 30%, maximal wahrscheinlich ca. 40%. Im Turbo-Modus ging das gerade so, die letzten 20 Höhenmeter ging gar nichts mehr, da musste ich schieben.

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Also habe ich bei der Olperer-Umrundung darauf geachtet, dass nahezu alle Passagen fahrbar sind. Nur ein paar Weidezäune sind zu überwinden, falls die gerade mal wieder geschlossen sein sollten. Zu zweit geht das aber allemal. Ansonsten habe ich bei der Auswahl der Strecken meinen üblichen Maßstab angelegt – so viel wie möglich offroad (Straßenanteil nur 13%) und landschaftlich so schön wie möglich. Fahrtechnische Höchstschwierigkeiten gibt es keine. Damit ist klar, dass sich diese nahezu 100% fahrbare Transalp natürlich auch für normale MTB eignet. Als weiterer Pluspunkt kommt hinzu, dass sich bei dieser transalpinen Rundtour Start und Ziel am selben Ort befinden, was viele logistischen Probleme vermeidet. Außerdem gibt es wie gehabt einige alternative Strecken, so dass die Tour sehr flexibel gestaltet werden kann. Nahezu bei jeder Etappe hat man außerdem die Möglichkeit, mit dem öffentlichen Nahverkehr (Bus und Bahn) Transfers zu machen. So kann man zum Beispiel auf Schlechtwetter reagieren.
Als Start- und Zielort habe ich Gries am Brenner gewählt. Am Gasthof Rose kann man sein Auto während der Tour problemlos parken bzw. auch ganz mit dem Zug anreisen. Man kann natürlich auch anderswo starten und ankommen (z.B. Innsbruck), wählt man aber Gries aus, ist der dramaturgische Aufbau am stimmigsten. Die alpinen Highlights Pfitscherjoch, Schlüsseljoch und Brennergrenzkamm kommen zum Schluss, wie es sich für das Beste gehört.
Die Transalp ist als Rundtour in Uhrzeigerrichtung konzipiert. In Gegenrichtung ginge es zwar auch, das ist aber nicht sinnvoll (extreme Schiebepassage vom Achensee zum Plumsjoch). Auch der krönende Abschluss Brennergrenzkamm fährt sich am eindrucksvollsten in Süd-Nord-Richtung.


Am Vorabend hole ich meinen Tourbegleiter Philipp in Garmisch ab. Er hatte zuvor noch die Zugspitze bestiegen. Als angehender Sportlehrer ist Philipp fit genug, um am nächsten Tag die Transalp in Angriff zu nehmen, auch wenn es „nur“ mit dem eMTB ist. Wir hatten im Vorfeld schon einige Testtouren unter ähnlichen Bedingungen zusammen unternommen, also voller Rucksack und als Zusatzgewicht einen Ersatzakku und das Ladegerät. Nach dieser Transalp sind wir schlauer und wissen, dass man durchaus nur mit einem Akku unterwegs sein kann. Mit den 2015er Boschmotoren und den Akkus mit einer Kapazität von 400 Wh kann man im Schnitt im ECO-Modus rund 1300 Höhenmeter im Anstieg zurücklegen. Das lässt sich auf Transalp machen, wenn man unterwegs Zeit fürs Nachladen einplant. Philipp und ich werden mit zwei identischen Flyer Uproc6 unterwegs sein – einziger Unterschied: an einem ist ein Nyon-Display, am anderen das kleine Normaldisplay. Das nehme ich, weil ich sowieso mein Garmin GPSmap 64 zum Aufzeichnen der Tour dabei habe.