Transalp.info by Andreas Albrecht

Infopool

1. Mensch  

  • Kondition
  • ausreichender Fitnesszustand ist zwingende Voraussetzung für eine gelungenen Transalp
  • wie diese Fitness erreicht wird, kann sehr unterschiedlich sein; sie muss auf jeden Fall dazu führen, dass man eine konstante Ausdauerleistung im mittleren Belastungsbereich erbringen kann
  • es kann nicht schaden, 2000 km mit MTB/Rennrad in dem Jahr abgespult zu haben, bevor es zur Transalp geht
  • Selbsttest: eine Radtour von 80-100 km in lockerem Tempo solltest du ohne Probleme durchstehen
  • mindestens 1 Tour mit 1000 Höhenmetern im Aufstieg solltest du vorher mit Rucksack (ca. 7 kg) absolviert haben
  • Faustregeln:
    » maximale Herzfrequenz (in Schläge/Minute): 220 minus Lebensalter (entspricht 180 für einen 40-jährigen Mann); dieser Wert sollte nur kurzfristig überschritten werden
    » nach Hochbelastung muss der Puls innerhalb von ein bis zwei Minuten wieder deutlich zurückgehen, auch wenn normal weitergefahren wird
    » das bedeutet: Wichtig ist nicht die Höchstleistungsfähigkeit auf einer Transalp, sondern die Regenerationsfähigkeit
    » wer es ganz genau wissen will, sollte sich einer Leistungsdiagnostik unterziehen
  • geht am Abend oder in der Nacht der Puls nicht zurück, ist das ein deutliches Alarmsignal, dass man seinem Körper zu viel zugemutet hat. In dem Falle unbedingt die Tour unterbrechen und einen Arzt aufsuchen
  • zum Thema Transalp im Alter siehe auch diesen aufschlussreichen Artikel
  •  Mentale Vorbereitung
  • klar ist, man muss sich ein wenig quälen können und das auch wollen; der "innere Schweinhund" ist ein ständiger Wegbegleiter
  • du musst wissen, was dich erwartet: ohne Schiebepassagen geht es nicht, es sei denn, man benutzt nur Teerstraßen mit reichlich Autoverkehr, was aber den Reiz von Transalp nicht ausmacht
  • kurze Tragepassagen sind kaum zu verhindern, alle über 30 min sollte man schon in der Vorplanung eliminieren
  • deshalb: genau recherchieren, z.B. im Internet, weil man dort den Fahrer direkt fragen kann
  • hervorragend geeignet ist dazu das wichtigste deutschsprachige MTB-NEWS-Forum (Internet Bike Community) www.mtb-news.de/forum
    in der Rubrik "Reisen, Routen und Reviere" werden auch dem Einsteiger sachkundig seine Transalp-Fragen beantwortet
    eine komfortable Such-Funktion rundet die Sache ab
  • Fragen zum Thema Alpenüberquerung kannst du auch bei Facebook stellen, dort gibt es diverse Gruppen für Transalp, Alpencross - meine Empfehlung ist aber weiterhin MTB-NEWS
  • Tourberichte anderer kritisch lesen, entscheidend ist das eigene Leistungsvermögen, nicht das anderer Transalpler
  • viele “Traum-Singletrails” sind mit schwerem Rucksack schlichtweg unfahrbar - 400 Höhenmeter bergab schieben, vielleicht noch im Regen, vergällen jedem die Freude - siehe auch diverse Berichte zur Heckmair-Route (Passo Campo)
  • Beispiel: Tarscher-Pass (Süd-Tirol-Übergang Vinschgau-Ultental)
    wird in Tourbeschreibungen immer wieder gerne erwähnt, ist für mich jedoch schlichtweg sinnlos, da sowohl im An- als auch im Abstieg zu viele Höhenmeter zu schieben sind
    Alternative: Weg über Naturnser Alm (siehe meine Eisjöchl-Tour 1997 im Archiv)
  • Gruppe/allein
  • prinzipiell kann man mit der nötigen Erfahrung eine Transalp auch allein fahren; ob das Spaß macht und sinnvoll ist, wage ich nach meinen Erfahrungen zu bezweifeln, muss jeder für sich entscheiden
  • zu zweit sollte das Minimum sein, in Notfallsituationen kann dann jemand Hilfe holen
  • ich habe oft erlebt, dass ich im hochalpinen Gelände den ganzen Tag keinem einzigen Menschen begegnet bin
  • in der Gruppe ist es zwingend notwendig, dass über grundsätzliche Fragen Einigkeit herrscht
  • unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen sind nicht das Problem, sondern wie der Einzelne damit umgeht
  • die stärkeren Fahrer am Berg müssen es akzeptieren, auf die schwächeren auch mal zu warten
  • kritisch ist das Erreichen einer Passhöhe bei kühlem Wetter, da kann keiner lange warten; entweder findet sich die Gruppe vorher zusammen, oder es muss klar besprochen werden, dass die ersten wieder abfahren und man sich an einem genau definierten Ort wieder trifft
  • Allgemeine Verhaltensregeln
  • in den Bergen grüsse ich freundlich alle Personen, die ich treffe
  • seien es Wanderer, Bergsteiger, andere Mountainbiker oder wer auch immer: Mein Lächeln kommt immer zurück! Wenn nicht, liegt die Schuld beim anderen.
  • ich fahre defensiv, wenn ich Wanderern begegne - besonders wenn ich von hinten angefahren komme - Klingeln oder freundliches Hallo-Rufen entspannt die Situation
  • ich helfe, wenn jemand offenkundig in Not ist
  • auf Unfreundlichkeit reagiere ich gar nicht
  • ich kann so bremsen, dass keine Spuren entstehen (außer in Notfällen)
  • Ernährung
  • immer auf den Körper hören, er signalisiert dir bei Dauerbelastung genau, worauf er Appetit hat
  • Frühstück: was reingeht und worauf du Appetit hast
  • Mittags: ausreichend, aber leicht essen (Nudeln, Suppen) - kein Fleisch, kein Bier;
    mittlerweile mache ich keine ausgedehnten Pausen mehr zum Essen, um nicht aus dem Rhythmus zu kommen
  • unterwegs: Bananen, Energie-Riegel o.ä, Brot mit Salami oder Speck und Käse
  • genug trinken (Wasser ist in Alpen selten ein Problem - aus den Bächen kann bedenkenlos getrunken werden); es sollte sich oberhalb der Quelle nur keine Kuhweide befinden
  • Tipp: bei Übernachtung Halbpension buchen (falls möglich), das Essen ist dann reichlich und preiswert
  • Umgang mit Hitze/Kälte  
  • die Temperaturunterschiede können beträchtlich sein, sowohl während eines Tages als auch über die gesamte Tour
  • Erfahrungen sammeln, wie man persönlich Hitze bzw. Kälte beim Radfahren toleriert
  • am gefährlichsten ist Kälte in Verbindung mit Regen/Schnee; niemals ohne Winterausrüstung losfahren (siehe auch Packliste).
  • bei Hitze und starker Sonneneinstrahlung niemals ohne Kopfbedeckung fahren (Helm, Schirmmütze oder Piratentuch)
  • Körpergewicht  
  • jedes Kilo schleppst du den Berg hinauf - Tipp: vorher fasten
  • ich habe mit Fasten sehr gute Erfahrungen gemacht, vor Transalps habe ich in einer knappen Fastenwoche mein Gewicht um 4-5 kg reduziert - damit ist das Rucksackgewicht fast kompensiert
  • während der Fastenwoche kann leicht trainiert werden
    letzter Termin: Fasten ende 2 Wochen vor Transalp
  • Pausen
  • während des Tages auf der Strecke möglichst nur kurze Pausen einlegen (fünf bis zehn Minuten); sonst kommt man aus dem Rhythmus
  • nur wenn einen die Umstände dazu zwingen (Defekt oder Starkregen) längere Pausen machen
  • eine ausgedehnte Mittagspause empfiehlt sich nur, wenn danach eine längere Abfahrt wartet
  • Musikberieselung
  • in den letzten Jahren ist der Trend aufgekommen, sich auf dem Bike mit Musik über Ohrhörer berieseln zu lassen
  • das muss jeder für sich entscheiden
  • ich halte davon gar nichts
  • 1. aus Sicherheitsgründen und
  • 2. was gibt es Schöneres, als die Umgebung mit allen Sinnen aufzunehmen