Transalp.info by Andreas Albrecht

Dolomiti 1


1. Tag: Gries am Brenner - Sterzing - Franzensfeste - Mühlbach - Rodenecker Alm - Hörschwang

Aus Erfahrung weiß ich, dass der scharfe Start für eine Transalp durch die Dolomiten nicht in Deutschland erfolgen sollte, wenn man 6 bis 7 Tourtage einplant. Ansonsten bekommt man im letzten Abschnitt arge Zeitprobleme, falls man pro Tag rund 1500 bis knapp über 2000 Höhenmeter bewältigen möchte. Also haben wir uns in Gries am Brenner getroffen. Mein Freund Thomas vom Gasthaus Rose ist bestens auf Durchreisende eingestellt, seien es Urlauber, die auf ihrer Reise in den Süden einen Zwischenstopp einlegen wollen oder Transalpler, die hier Quartier nehmen. Als Startort habe ich Gries aus den genannten Gründen ausgewählt, auch weil wir so maximale Flexibilität für die erste Etappe haben. Es herrscht Nordföhn, d.h. nördlich des Brenners ist es kalt und regnerisch und in Südtirol herrscht bestes Wetter. Wir sind eine kleine Gruppe von 5 Leuten, alle mit Transalperfahrung und wie ich gespannt darauf, wo es uns bei dieser ursprünglichen Rucksacktour Tag für Tag hinverschlagen wird. Die grobe Route steht zwar fest, aber die genauen Etappenorte werden sich erst unterwegs herauskristallisieren. Einerseits im Hinblick auf die Wetterlage, andererseits unter Berücksichtigung von Lust, Laune und Kondition. Die reine Fahrzeit wird sich pro Tag auf ca. fünfeinhalb bis sechs Stunden einpegeln. Gegen 17 Uhr wollen wir ca. im jeweiligen Quartier sein, kein Stress, Zeit für Pausen - es soll ja bei aller körperlichen Anstrengung Spaß machen.

Jürgen und ich reisen am Vorabend entspannt mit dem Zug an. Dirk, Stephan und Martin mit dem Auto, dass am Gasthaus Rose sicher geparkt werden kann. Für die Rückreise ist das insofern auch perfekt, da man bequem mit dem Mittagszug von Rovereto zum Brenner kommt, dann die sechs Kilometer in fünf Minuten nach Gries rollt und relaxt ins Auto steigt. Bei Bedarf kann man sich noch duschen und/oder eine Kleinigkeit essen, bevor es ab nach Hause geht. Und was für viele ein wichtiges Kriterium einer Transalp darstellt, den Alpenhauptkamm überquert man auch - schön easy am Brenner. Ich sehe das allerdings nicht so verbissen. Mir ist die Route zum Gardasee wichtiger. Nun geht es aber endlich los.

Gegen neun Uhr am Morgen schwingen wir uns auf die Räder. Der Brenner ist noch wolkenverhangen, doch erste Lücken sind zu erkennen. Zu dieser frühen Morgenstunde ist auf der Brennerstraße noch nicht viel los. Im Nu sind wir oben und passieren den mit 1375 m niedrigsten Pass des Alpenhauptkammes, der gleichzeitig die Grenze zu Südtirol markiert. Hier ist man gerade dabei, die alte aufgelassene Bahntrasse zu einem Radweg umzubauen. Wir nehmen das dankbar an, rollen durch zwei Tunnels in Richtung Gossensass, dass wir dann über einen netten kleinen Trail erreichen. Nach Sterzing hinunter schenken wir uns irgendwelche Umwege und fahren mit Höchstgeschwindigkeit auf dem breiten Seitenstreifen der Brennerstraße hinab. Am Ortseingang beginnt dann ein Radweg, der direkt durch die Altstadt führt und im weiteren Verlauf zum Eisackradweg wird. Ein schneller Transfer ist das für uns bis Franzensfeste. Das Wetter sieht gut aus und wir bleiben bei der ursprünglichen Planung und wechseln hinüber ins Pustertal. Dorthin führt der Römerweg, der bei Aicha in den Pustertaler Radweg übergeht.

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Es ist gerade Mittagszeit, als wie auf Bestellung eine Raststation für Radler auftaucht. Eins muss man den Südtirolern bescheinigen; sie wissen, wie man Radtouristen ihr Land von der besten Seite präsentiert und damit zum Wiederkommen animiert. Allerdings gilt das nicht unbedingt für Mountainbiker, wie die aktuellen Diskussionen um Wegesperrungen am Stilfser Joch und den Drei Zinnen belegen. Holzbänke laden zum Platz nehmen im Freien ein, im Innern gibt es eine ordentliche Auswahl an kleinen Speisen und Getränken. Wir nehmen die Gelegenheit zur Rast gern an, auch eingedenk der Tatsache, dass heute noch einige Höhenmeter vor uns liegen. Bisher bestand der Streckenverlauf ja im wesentlichen aus lockerem Rollen bergab. Den Weg zur Roner Hütte auf der Rodenecker Alm bin ich schon einige Male gefahren. Aus dem Tal hinaus, das wir bei Mühlbach überqueren, sind das gut 1000 Höhenmeter am Stück. Das geht zwar auf leichtem Untergrund vonstatten - von allein rollt es aber nicht bergauf. Am Wanderparkplatz wechseln wir dann auf die bequeme Schotterpiste und sind bald an der Roner Hütte. Die Sonne scheint zwar noch, es ist aber bereits empfindlich kühl geworden. Anzeichen einer sich nähernden Kaltfront, deren Ausläufer uns zum Glück nur streifen werden. Die Essenspause dehnen wir deshalb nicht länger als notwendig aus und machen uns auf den Weg ins Gadertal. Als Tagesziel hatte ich St. Vigil auserkoren. Es sollte aber anders kommen. In der Nähe der Starkenfeldhütte finden wir einen schönen Forstweg, der uns nach Ellen bringt. Es rollt weiter schön mit einigen Auf und Ab.

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Plötzlich fühlt sich mein Hinterrad schwammig an, ein schleichender Plattfuß - Schlauchwechsel. Zum Glück kontrolliere ich den Reifen. Ein klitzekleiner Dorn piekst, von außen gar nicht zu sehen. Mit dem Taschenmesser entferne ich den Übeltäter. Inzwischen ist es fünf Uhr nachmittags geworden. Bis nach St. Vigil zu fahren, lohnt sich nicht mehr, sagen wir uns. In dem Moment kündigt ein Schild den Gasthof Hörschwang an. Einige alte Fiat 500 stehen auf dem Parkplatz. Wir kommen mit dem kleinen Fan-Club ins Gespräch. Sie schwärmen uns vom allabendlichen Überraschungsmenü vor, dass die gemischt italienisch-südtirolerische Küchenmannschaft zaubert. Wir überlegen nicht lange und bleiben. Als ich dann noch den Preis für die Übernachtung und Halbpension erfahre, traue ich meinen Ohren kaum, so günstig ist er. Der erste Volltreffer in der Reihe der Übernachtungen, denen noch weitere folgen werden. Nach dem Fünf-Gänge-Menü und dem obligatorischen Grappa schwatze ich noch ein wenig mit dem Wirt. Er vermutet schon, dass wir auf Transalptour sind und bedauert, dass die meisten bis St. Vigil durchfahren und bei ihm nur bleiben, wenn sie durch schlechtes Wetter aufgehalten werden. Wir bleiben hier gerne und ohne Not, wir haben ja keinen festen Tourplan und können bleiben, wo es uns gefällt. Und das tut es uns im Gasthof in Hörschwang, einem Örtchen, dass nur aus ein paar wenigen Häusern besteht. Der Blick vom Balkon unseres Zimmers tut ein Übriges dazu. Ein großartiges Panorama baut sich vor unseren Augen auf. Rechts der Kronplatz, im Tal liegt Bruneck funkelnd in der Abenddämmerung und am Horizont das Massiv des Alpenhauptkamms. Dort hängen schon bedrohlich aussehende Wolken an den Gipfeln fest. Wie wird es morgen aussehen?

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Variante Trail:

Ab dem Abzweig zur Rastnerhütte gibt es einen netten kleinen Trail in Richtung Ellen. Das ist eine schöne Alternative zur reinen Schotterpassage über die Starkenfeldhütte. Falls man dort keine Rast einlegen will, ist dieser Trail meine Empfehlung.

Übernachtungstipps:

Leider gibt es den Gasthof Hörschwang nicht mehr. Info über andere Übernachtungsmöglichkeiten: Touristinfo St. Lorenzen: www.sankt-lorenzen.bz