Transalp.info by Andreas Albrecht

Dolomiti 1


2. Tag: Hörschwang - St. Vigil - Fanes - Pralongia - Corvara

02 350 Pederu IMGP0111Der Blick aus dem Fenster zeigt uns ein zweigeteiltes Wetterbild. Am Alpenhauptkamm dichte Wolken und milchige Regenschauer. Hier blauer Himmel mit Wolkenfeldern, aber für einen Sommeranfang deutlich zu kühl. Das ist uns egal, weil uns Speck-Oswald vom Nebenhof als "Wetterexperte" verspricht: "Heute bleibt es schön, nur der Wind wird auffrischen!" Wir glauben es gerne und ziehen die Beinlinge an. Eine schöne kleine Straße bringt uns zum Grund des Gadertals, das wir bei Zwischenwasser erreichen. Schnell sind wir in St. Vigil, wo ich vergeblich versuche, einen neuen Schlauch zu kaufen. Macht nichts - dann eben im nächsten Ort mit besserer Logistik. Nun beginnt die lange, zunächst leichte Anfahrt zur Fanes. Über einige Kilometer zieht sie sich hin. Wir wechseln von der Teerstraße auf den parallel verlaufenden Schotterweg und später wieder zurück. An der Pederühütte beginnt der "ernste" Teil des Aufstiegs. Die steile Schotterpiste versorgt die beiden Hütten auf der Hochalm der Fanes. Die Faneshütte liegt direkt an unserem Weg, die Lavarellahütte im hinteren Teil der Hochebene. Wenn man die Etappenplanung so gestaltet, dass man hier eine Hüttenübernachtung einlegen möchte, empfiehlt sich in der Hauptsaison eine Reservierung. Auf jeden Fall gehören diese beiden Hütten zu jenen, wo ich auch übernachten würde, wenn es sich bei der Tour so ergibt.

 Bei dieser Transalp sind wir gut beraten, diesmal Übernachtungen im Tal anzusteuern. Die Wetterlage ist etwas indifferent. Wir hören nur, dass es in Bayern Dauerregen gibt und die Schneefallgrenze in Österreich unter die 2000m-Marke fällt. Der größte Teil des Schlechtwettergebietes bleibt zum Glück im Norden hinter dem Alpenhauptkamm zurück. Wir spüren die Auswirkungen bis jetzt nur an der sehr frischen Lufttemperatur. Das ist aber eher günstig, denn dann braucht man weniger Wasser. In diesem Jahr sprudeln die Quellen zwar reichlich, in trockenen Jahren muss man aber schon gezielt Wasser bunkern, wenn man in die Berge fährt. Wir legen an der Faneshütte ein kurze Essensrast ein und drücken dann die kurze, aber steile Rampe zum Limojoch hoch.

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Wenn man nach Cortina d'Ampezzo will, kann man die Fanes komplett fahrenderweise durchqueren. Wir biegen jedoch bei der Hütte an der Großen Fanesalm rechts ab in Richtung St. Kassian. Der Almweg lässt sich bis zum Col de Locia flüssig fahren. Dann beginnt ein Trailabschnitt, der ein paar knifflige Passagen aufweist. Gute Fahrtechniker werden an den verblockten Stellen ihre Freude haben. Wir steigen lieber einmal mehr als zu wenig ab, um keinen Sturz zu riskieren. Bald können wir wieder fahren, der eine früher, der andere später.

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An der Capanna Alpina wechseln wir nach links auf den Wanderpfad, der uns ins Tal führt. Nun folgt die Auffahrt zur Pralongia. Die Pralongia an sich ist ein eher unspektakulärer Berg. Allerdings umringt von den Highlights der Dolomiten: Marmolada, Sella und, und, und. Der Ausdruck gigantisch hat hier einen kleinen Beigeschmack von Untertreibung. Langsam schrauben wir uns auf einer guten Schotterpiste nach oben. Die bösen Rampen kommen erst zum Schluss, also Kräfte gut einteilen. Schließlich sind wir oben auf dem Kammweg, der uns zum Gasthaus Pralongià bringt. Der Wind hat sich zum Sturm gemausert und fällt uns heftig an. Er zerrt an den Rucksäcken, fährt in die Speichen. Das Wort Windjacke bekommt eine völlig neue Bedeutung. Zum Glück ist der Weg nicht ausgesetzt. Wir steuern vorsichtig die Hütte an und verziehen uns ins Innere. Das einzige Mal auf dieser Tour treffen wir hier eine andere Transalpgruppe. Sie wollen hier übernachten. Uns ist es noch zu früh. Wir fahren nach Corvara ab. Der heftige Wind drückt uns ein paar Mal von der Schotterpiste auf die Wiese. Am Golfplatz wartet zum Abschluss noch ein kleiner Trail auf uns, der uns fast bis zu den ersten Häusern von Corvara führt. Eine Unterkunft finden wir schnell. Im ersten Anlauf landen wir wieder einen Volltreffer - die gemütliche Pension Raetia. Sie hat zwar "nur" zwei Sterne, die Innenausstattung hat allerdings 4-Sterne-Niveau. Wir reiben uns die Augen und fragen die Wirtsleute, wie das zusammenhängt. Sie sagen, dass sie auf die Anzahl der Sterne keinen Wert legen und dass es steuerlich eher günstiger ist, auf einen Stern zu verzichten. Wichtiger sei es, dass die Gäste zufrieden sind und Mundpropaganda machen. Das übernehmen wir in diesem Falle gern. Es herrscht eine sehr angenehme familiäre Atmosphäre. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft kommt von Herzen und ist nicht antrainiert. Hierher kommt man gerne ein zweites Mal zurück.

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Übernachtungstipp: Corvara

Garni Raetia, sehr schöne Zimmer und ausgesprochen tolles Frühstück; Strada Col Alt 87,  I-39033 Corvara,  Tel. 0039-0471-836088    www.garniraetia.it