Transalp.info by Andreas Albrecht

Dolomiti 1


3. Tag: Corvara - Grödner Joch - Val Duron - Campitello - Fassatal - Molina di Fiemme

03 350px P1020685Wie nicht anders zu erwarten, setzt auch das opulente Frühstück in der Pension Raetia Maßstäbe. Mountainbiker können schon einiges vertilgen, aber bei der Vielfalt und Fülle müssen auch wir schließlich kapitulieren. Auf geht's - eine halbe Sella-Umrundung wartet auf uns. Zuerst geht es von Corvara aus zum Grödner Joch. Den ersten Teil des Weges fahren wir dabei auf einem schönen geschotterten Wanderweg, der direkt an berühmten Mittagstal vorbeiführt. Das Tal ist eigentlich eher eine immens steile Schuttrinne, sehr beliebt als Skiabfahrt mit dem ultimativen Kick für Könner. Auch diverse Mountainbiker sollen hier schon aus Showgründen mehr hinuntergerutscht als gefahren sein. Kurz nach dem Mittagstal folgen ein paar steile Rampen, die mit Rucksack kaum fahrbar sind.
Ein kleiner Waldtrail zweigt zur Straße ab. Das Angebot nehmen wir gern an. Es wäre sinnlos hier weiter zu schieben, da man auf der Straße fahren kann. Mit jedem Meter, den wir an Höhe gewinnen, wird es kälter. Am Gasthaus an der Passhöhe wärmen wir uns kurz bei einem Kaffee auf. Weiter geht's. Wenn man ins Grödner Tal wollte, könnte man auf einen kleinen Trail wechseln. Wir wollen aber in Richtung Sellajoch. Dahin steht nur die Straße bis Plan de Gralba zur Wahl. Wir verlieren bis dorthin ein paar Höhenmeter, die wir uns bis zum Sellajoch-Haus wieder erarbeiten müssen. Das geht relativ leicht, da wir Straße fahren. Der Schotterweg im Tal ist keine wirkliche Alternative, da er im Winter ein Teil der berühmten Sella Ronda ist. Aus leidvoller eigener Erfahrung weiß ich, Skipisten bergauf heißt Schieben, Schieben, Schieben. Also lassen wir das.

Am Sellajoch-Haus sammeln wir uns und beratschlagen den weiteren Weg. Im Prinzip gibt es drei Varianten für die Weiterfahrt ins Val di Fiemme. Die erste - für Mountainbiker am interessantesten - führt zur Friedrich-August-Hütte, weiter auf dem gleichnamigen Wanderweg bis zum italienischen Rifugio Sandro Pertini und von dort auf einem nicht zu schwierigen Trail hinab ins Val Duron. Für diese Variante entscheiden wir uns, weil das Wetter eigentlich ganz gut aussieht. Jedenfalls bis wir die Mittagsrast in der mit traumhafter Aussicht gesegneten Friedrich-August-Hütte beenden. Als wir aus der Hütte treten, sehen wir, dass sich die Berge von Norden her eintrüben. Ein leichter Hauch von Schneeflocken liegt in der Luft. Nun machen wir uns doch über die beiden anderen Alternativen ins Val di Fiemme Gedanken. Für den ganz schweren Fall bliebe als Lösung übrig, die sichere Straße nach Campitello über das Sellajoch zu nehmen. Im minder schweren Fall kann man auch vom Rifugio Valentini aus den Weg 655 nehmen, der als Schotterpiste zur Straße führt.

 

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Wir riskieren es nach reiflicher Überlegung auf dem Friedrich-August-Weg zu bleiben. Der verläuft in seiner ganzen Länge entlang des Langkofels zum Mahlknecht-Joch, dem Übergang zur Seiseralm. Er ist in beiden Richtungen mehr oder minder fahrbar, am besten am frühen Morgen, wenn noch keine Wanderer unterwegs sind. Durch das relativ schlechte Wetter ist er heute nicht so stark mit Wanderern frequentiert wie an manchen Sommertagen. In der Hauptferienzeit Mitte August sollte man ihn zwischen 10 und 16 Uhr eher vermeiden. Fahrbare Abschnitte wechseln sich mit einzelnen Schiebepassagen ab, die uns auch zum höchsten Punkt dieser Transalp bringen. Der liegt auf 2316 m zwischen dem Rifugio Sandro Pertini und der Plattkofelhütte. In der Senke vor der Plattkofelhütte zweigt der Wanderweg 533 ins Val Duron ab. Nach einigem Hin und Her, ob der Einstieg auch der richtige ist, entpuppt sich der Pfad als relativ gut fahrbarer Wiesentrail. Das Weidevieh hat zwar einige Furchen getrampelt, die sich manchmal als klitzekleine Sackgässchen erweisen. Im Großen und Ganzen ein leckerer kleiner Trail, der schließlich zu einer Holzbrücke fährt. Auf der anderen Talseite wird der Pfad breiter und flüssig fahrbar. An einer Weggabel müssen wir uns nun entscheiden: links ein Forstpfad direkt nach Campitello, rechts ein Karrenweg zum Rifugio Micheluzzi. In Anbetracht der dichter und dunkler werdenden Wolken am Himmel entscheiden wir uns für den gut fahrbaren Weg zum Rifugio, denn ab der Hütte kenne ich den Weg hinab nach Campitello.

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Ein paar Tibetrinder schauen uns eher gleichmütig denn verdutzt hinterher, als wir aus dem Wald kommen und auf dem Schotterweg landen. Nun aber flugs hinab nach Campitello. Der Weg ist einfach, bald sind wir an den steilen Rampen bergab, die in den Ort ins Fassa-Tal führen. Ich bin die vor Jahren einmal in der Gegenrichtung gefahren, nein geschoben, und habe mir geschworen, das Val Duron niemals wieder bergauf zu fahren. Der Schwur lässt sich leicht einhalten. In Campitello fängt es an zu tröpfeln. Wir wechseln auf die andere Talseite. Dort gibt es einen schönen, fast durchweg leicht bergab gehenden Radweg, der zunächst auf Schotter verläuft und später als geteerter Radweg ausgebaut ist. Auf Teilen dieser Route verläuft die berühmte Schlussetappe der Tour de Ski, bevor es den Abfahrtshang hinauf zur Alpe Cermis geht. Inzwischen ist aus den einzelnen Tropfen ein ausgewachsener Dauerregen geworden. Schwer liegen die Wolken auf den Bergen und hüllen die Gipfel in einen Dunstschleier. In Pozza di Fassa glauben wir, den Regen bei einer Kaffeepause aussitzen zu können. Daraus wird nichts, es hört nicht auf zu regnen. Es ist noch früher Nachmittag. Deshalb beschließen wir weiter bis Molina di Fiemme zu rollen. Der Radweg garantiert einfaches Rollen und ich kenne dort ein Hotel, wo ich vor Jahren schon mal untergekommen war. Da es nicht kalt ist, reichen für die Hände die normalen Radhandschuhe, ansonsten ziehe ich einfach Dieselhandschuhe von der Tankstelle darüber. Das hilft, ich komme mit trockenen Schuhen und Füßen an, was das Wichtigste ist. Dirk und Stephan experimentieren mit Dreiviertel-Hosen, Jürgen mit einer kurzen Regenhose. Alle mit dem Ergebnis, dass deren Schuhe vollkommen durchnässt sind. Sie wandern sofort in den Trockenraum des Hotels Ancora in Molina di Fiemme, das wir schließlich erreicht haben. Wir sind fast die einzigen Gäste, das Essen ist o.k., sogar die Sauna wird angeschmissen. Am Abend erfreut die ansonsten sehr seriös wirkende Empfangsdame Dirk und Stephan noch mit einer Vorführung im Hula-Hoop-Reifen-Schwingen. Wir anderen drei verpassen die Sensation, da wir schon im Zimmer verschwunden sind - schade.

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Übernachtungstipp: Molina di Fiemme

Hotel Ancora,  Tel.: 0039-0462-340044, Via Marconi 4,  www.ancorafiemme.it