Transalp.info by Andreas Albrecht

Dolomiti 1


4. Tag: Molina di Fiemme - Manghenpass - Val Sugana - Kaiserjägerweg - Bertoldi

03 350 IMGP0163Die Folgen der abendlichen Darbietung zeigen sich in einem stark verzögerten Auftauchen der nun wieder seriös wirkenden Dame, die uns schließlich die recht moderaten Rechnungen präsentiert. Ein Zuschlag für die künstlerische Leistung wird nicht erhoben. Die Regenwolken haben sich verzogen. Ich flachse noch mit Stephan herum und sage, dass wir heute das Val Sugana erreichen werden, das für seine sommerliche Hitze berühmt-berüchtigt ist. Er verzieht keine Miene und zieht sich kommentarlos seine Beinlinge an. Die Auffahrt zum Manghenpass ist eine reine Fleißaufgabe. Die kleine Nebenstraße wird kaum befahren. An der Ponte delle Stue geht es moderat los, zum Schluss warten ein paar kleinere Rampen - Spaß muss sein. Kurz vor dem Pass befindet sich die Manghenhütte, willkommener Sammelpunkt und Raststation. Es ist zwar noch nicht Mittag, wir essen aber trotzdem jetzt schon eine Kleinigkeit, denn am Nachmittag wartet noch eine Auffahrt auf uns. Am gemütlichen Rifugio versammeln sich auch die auf der Straße unvermeidlichen Motorradfahrer. Kommunikation zwischen Mountainbikern und den potentiellen Organspendern findet nach meiner Beobachtung so gut wie nie statt. Uns fällt nur auf, dass recht viele mit verkniffenem Antlitz herumsitzen, wahrscheinlich wegen der immensen Anstrengungen beim Absteigen und Platznehmen.
Die Abfahrt ins Val Sugana findet mangels sinnvoller Alternativen auch auf der kleinen Nebenstraße statt. Für uns sind Schotterpisten nicht die allein seligmachende Heilslehre, deshalb genießen wir das entspannte Rollen entsprechend. Bei ca. 700 Meter Höhe wollen wir uns zusammenfinden, weil wir dort über die Fortsetzung der Route beratschlagen wollen. Stephan ist der erste am Sammelpunkt und schon fleißig beim Umziehen. Es ist ihm nun doch sehr warm geworden im Val Sugana. Gleichzeitig ist sein Stimmungsbarometer auf freundliche Werte gestiegen. Ein bisschen auf Schotter wollen wir heute dann doch noch fahren. Bei Telve findet sich ein kleines Stück

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. Es spuckt uns schließlich auf die Straße nach Borgo Valsugana aus. Hier können wir den besten ausgebauten und beschilderten Radweg nutzen. Bevor es zum finalen Schlussanstieg auf den berühmten Kaiserjägerweg hinauf auf das Hochplateau der Sette Comuni geht, liegt taktisch günstig eine Raststation am Radweg. Sie ist perfekt ausgestattet, das Tüpfelchen auf dem "I" ist eine Außendusche - da kann man nur staunen. Auch die Trentiner wissen, wie man Radtouristen jeglicher Art umsorgt und somit ins Land lockt. Wir können jedenfalls frisch gestärkt und gut versorgt mit kühlen Getränken die Auffahrt nach Monterovere in Angriff nehmen. Der Kaiserjägerweg wurde von den Österreichern in die Felswand gehauen, um ihre Festungen auf der Hochebene zu versorgen. Im oberen Teil eine kühne ingenieurtechnische Meisterleistung. Seit Jahren ist die Straße asphaltiert. Es existiert aber noch ein Stück der alten naturbelassenen Militärstraße. In einer Kehre zweigt die Schotterpiste ab. Ob man die bergauf fahren möchte, mag jeder für sich entscheiden. Wir bleiben auf Asphalt und schrauben uns die unzähligen Serpentinen nach oben.

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Kurz nach dem höchsten Punkt am Spiazzo Alto zweigt rechts ein Teilstück der MTB-Strecke "100 km dei Forti" ab. Wer Rast machen will, kann hier ein paar Höhenmeter bergab rollen bis zum Albergo Monterovere. Hier hatte ich schon einmal auf einer Transalp übernachtet, ein zweites Mal muss das nicht sein. Meine Begleiter sind auch nicht vom spröden Charme dieser Herberge angetan. Außerdem müssen wir schon noch ein paar Höhenmeter auf Schotter zurücklegen, sonst könnte man diese Etappe auch mit dem Citybike zurücklegen, grinst Dirk und rollt zurück zum Spiazzo Alto. Ein paar Höhenmeter sind es noch auf der alten Militärpiste. Schließlich rollen wir hinein nach Bertoldi, das einladend in der abendlichen Sonne liegt. Es ist siebzehn Uhr. Wir schauen uns die paar Hotels an und entscheiden uns übereinstimmend für das am gemütlichsten wirkende Hotel Caminetto. Wieder ein Volltreffer - geräumige, saubere Zimmer, himmlische Ruhe und als Krönung des Ganzen ein fünfgängiges feines Menü. Bis jetzt könnte die Tour auch Transalp de Gourmet heißen.

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Übernachtungstipp: Bertoldi

Hotel Caminetto Frazione Bertoldi Lavarone -TN- +39 0464 783214 - mobil: +39 340 2932820 (Even with whatsapp)    www.hotelcaminetto.eu