Transalp.info by Andreas Albrecht

Dolomiti 1


5. Tag: Bertoldi - Passo Sommo - Monte Maggio - Colle Xomo - Rif. Campogrosso

05 350 IMG 1903Gestern Abend haben wir im Fernsehen den gruseligen Wetterbericht aus Österreich und Deutschland gesehen. Wir frohlocken, der geht uns hier nichts an. Vor uns funkeln die Berge in der Morgensonne. Von der Terrasse unseres Hotels sehen wir schon das markante Eisenkreuz, das den Gipfel des Monte Maggio markiert. Das ist eines unserer Zwischenziele am heutigen Tage. Heute geht es zur Abwechslung gleich mit einer Schotterpiste los. Wir drehen eine Ehrenrunde noch zum Monte Rust, das ein Ossarium beherbergt - also die knöchernen Überreste der gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges in dieser Gegend. Leider ist der abkürzende Trail hinab nach Carbonare verfallen und durch umgestürzte Bäume nicht befahrbar. Wir rollen also wieder ein Stück dieselbe Strecke zurück und folgen dann der Ausschilderung des MTB - Weges nach Carbonare. Damit das nicht zu schnell geht, habe ich kurz nacheinander zwei Reifenpannen. Beim ersten Mal flicke ich noch versuchsweise mit dem Parktool-Zeug. Bei der nächsten Abfahrt ist der Reifen wieder platt. Die Flicken haben nicht gehalten, was sie versprechen. Jetzt aber den neuen Schlauch rein, ordentlich aufgepumpt und Ruhe hat's bis zum Gardasee.

Doch so weit sind wir noch nicht. Erst einmal wartet der nächste Pass auf uns, den Passo Sommo. Den erreichen wir leicht auf der Straße, die von Carbonare bergauf führt. Eine kurze Rast, dann aber wieder ab ins Gelände. Die Auffahrt zum Rifugio Stella d'Italia lässt sich angenehm fahren, dann wieder eine kurze Rast auf der Sonnenterrasse der Hütte. Wir treffen wieder auf die Transalpler, die auf der Pralongià übernachtet haben. Für sie ist heute ihre Transalp quasi beendet. Sie wollen nach einer ausgiebigen Rast nach Rovereto abfahren und dann kurz und schmerzlos den Gardasee erreichen. Wir haben noch mehr vor und machen uns auf den Weg. Wir passieren das Forte Sommo. Wer will, macht dort einen Abstecher zu dieser alten Festungsanlage. Wir schenken uns das heute, da noch ein paar Höhenmeter vor uns liegen und überqueren schließlich nach einer kurzen Abfahrt die Straße, die zum Passo Coe führt. Nun beginnt der alte Militärpfad zum Monte Maggio. Moderat beginnt es, zum Schluss wird es immer knackiger und wilder. Der Pfad verfällt zunehmend und wird verblockt. Wer das komplett fahren kann - Hut ab.

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Schließlich öffnet sich ein Durchgang, der zum Kammweg auf der anderen Seite führt. Wir nehmen diese breite Schotterpiste dankend an und erreichen fahrenderweise das Gipfelkreuz des Monte Maggio. Leider ist die Sicht - wie hier fast immer - durch Nebelschwaden eingeschränkt. Sie entstehen durch die feuchten Luftmassen, die aus der venetischen Tiefebene gegen den Berg drücken. Zumindest erhaschen wir einige Blicke auf das Pasubio-Massiv, dass noch stark mit Schneefeldern gesprenkelt ist und auf der anderen Talseite zu sehen ist. Jetzt folgt ein Leckerbissen, die spektakuläre Trailabfahrt zum Passo Borcola. Je nach Traute und Fahrtechnik lassen sich ein paar Schiebestellen kaum vermeiden, auch weil es einige ausgesetzte Passagen gibt. Im Großen und Ganzen aber ein Traumtrail, der auch mit Transalprucksack keine unüberwindliche Schwierigkeit darstellt. Leider wird in diesem Jahr der Fahrfluss etwas gebremst. Einige Bäume und Sträucher konnten der enormen Schneelast des vergangenen Winters nicht standhalten und sind umgeknickt.

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Schließlich erreichen wir in der Nähe des alten Steinbruchs das legendäre Wrack des zurückgelassenen LKW. Hier fragt sich jeder, wie der einmal hier hochgekommen ist. Inzwischen ist auch die Fahrerkabine zertrümmert. Allerdings trotzen noch einige stabile Eisenteile dem unaufhaltsamen Verfall. Nach dem LKW wird der Trail breiter, bleibt aber steil, bis wir über eine Wiese am Passo Borcola auf die Straße gelangen. Wir verlieren ein paar hundert Höhenmeter auf der Straße hinab nach Süden, die wir uns auf den schmalen Sträßchen zum Collo Xomo wieder hart erarbeiten müssen. Zum Glück hat das Rifugio an der Passhöhe geöffnet und wir nehmen ein spätes Mittagessen zu uns. Verlassen sollte man sich nicht darauf, dass dieses Rifugio immer geöffnet hat.

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Bei der Tourplanung war eine Option für die Weiterfahrt die Querung des Pasubio. Die aus meiner Erinnerung sehr zähe Militärpiste führt über Strada Scrarubbi zum Rifugio Papa. Diese Passage ist aber nur bei guten Wetterbedingungen sinnvoll, wie ich aus Erfahrung weiß. Nach einem Blick zum Himmel verwerfen wir den Gedanken sofort. Schwarze, dicke Gewitterwolken verheißen nichts Gutes. Die Entscheidung für den weiteren Weg zum Passo Pian delle Fugazze fällt mir auch deshalb leicht, weil das einsame Rifugio Papa mir nicht in sehr einladender Erinnerung geblieben ist. Ich habe dort während einer Transalp übernachtet - spartanische Ausstattung, kaum Waschmöglichkeiten. Das muss ich nicht noch einmal haben. Hebe ich mir die erneute Pasubio-Überquerung halt für die nächste Dolomiten-Transalp auf. Außerdem passt zur Route, dass wir die kleinen Dolomiten (Piccolo Dolomiti) passieren werden. Wir rollen also am Colle Xomo los, ein paar Höhenmeter bergab zur Ponte Verde und dann folgt das vorletzte Stück für heute, der Anstieg zum Passo Pian della Fugazze. Wie so oft wartet das steilste Stück zum Schluss auf uns: zäh, sehr zäh wird es, ehe wir im Albergo auf der Passhöhe eine letzte Rast machen. Rustikaler Charme, nicht ganz so herausragend wie die Unterkünfte zuvor. Am Passo Pian delle Fugazze könnte diese Transalp ganz schnell beendet werden: Straße hinunter nach Rovereto, Radweg über Mori nach Torbole - fertig. Das steht als Schlechtwettervariante immer zur Verfügung oder wenn die Zeit oder Kräfte nicht mehr ausreichen. Wir liegen gut in der Zeit. Bis zum Rifugio am Passo Campogrosso sind es nur noch leicht zu fahrende 250 Höhenmeter. Das liegt sehr einsam, aber mit toller Aussicht auf die Carega-Gruppe der Piccolo Dolomiti im touristischen Hinterland. Der Abend klingt mit einem leckeren Essen auf der Terrasse aus.

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Übernachtungstipp:

RIFUGIO CAMPOGROSSO: m 1457 – Campogrosso, Recoaro Terme (VI) Tel: +39 0445 75030 – +39 0445 1920468   www.rifugiocampogrosso.com