Transalp.info by Andreas Albrecht

Dolomiti 1


6. Tag: Rif. Campogrosso - Albaredo - Monte Zugna - Ala - Avio

06 350 P1020905Der Monte Zugna markiert den Gipfel, den wir heute erreichen wollen. Markant liegt dessen gezacktes Massiv vor uns. Um ihn von dieser Seite fahrenderweise zu erreichen, muss man eine lange Strecke fahren, auch wenn der Gipfel zum Greifen nah erscheint. Doch so weit sind wir noch nicht. Erst wartet eine Überraschung auf uns. Kurz nach dem Passo Campogrosso zweigt eine zunächst asphaltierte Straße ab, leicht bergab geht und für den Fahrzeugverkehr gesperrt ist. Sie ist zunächst recht breit und sieht gut ausgebaut aus.
Je weiter wir rollen, desto mehr liegen Steinbrocken auf der Straße herum und die Bäume und Büsche beginnen sich ihr Terrain zurückzuholen. Des Rätsels Lösung folgt bald. Urplötzlich wird aus dem zerbröckelnden Asphaltband eine grobe Schotterpiste, die sich an den schroffen Felswänden der kleinen Dolomiten entlang zieht. Der absolute Hammer folgt in einer Kehre. Hier ist im Winter eine Lawine abgegangen und die Überreste sind Ende Juni immer noch nicht weggetaut und das in einer Höhe von knapp 1200 Metern. Ich will gerade den festgepressten Schnee vorsichtig inspizieren, als mir ein italienisches Ehepaar auf der anderen Seite signalisiert, dass ich das lieber nicht tun soll. Ich erkunde ohne Bike die Lage und klettere ein paar Meter nach oben, als ich die Bescherung sehe. Das Schmelzwasser hat den Lawinenkegel von unten ausgehöhlt. Es ist nur eine schmale Eisschneebrücke übrig. Die kann uns unter Garantie nicht mehr tragen. Jetzt schießt mir schon der Schreck in die Glieder.
Ohne Vorwarnung wäre ich oder einer von uns vermutlich eingebrochen. Vorsichtig hangeln wir uns an der Gefahrenstelle vorbei und erreichen sicheres Gelände. Ich bedanke mich sehr bei dem Ehepaar. Sie erzählen mir, dass weiter unten noch zwei kleine Gerölllawinen auf dem Weg liegen, die aber zu Fuß passierbar sind. Noch mal gut gegangen, denken wir und weiter geht's. Urplötzlich taucht bei einem Tunnel wieder Straßenbelag auf. Wir umfahren ihn interessehalber auf dem alten Schotterweg und stehen so gleich vor einer imposanten Brücke, Format Fernstraße. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen wurde dieses Straßenprojekt nicht zu Ende geführt. Uns ist es recht, so kommen wir recht bequem voran. In Matassone kann man noch die Überreste eines österreichischen Forts besichtigen. Viel ist nicht mehr zu sehen, am Monte Zugna wartet Monumentaleres auf uns.

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Bald sind wir in Albaredo. Hier beginnt die schöne Auffahrt auf einer alten inzwischen asphaltierten Militärstraße. Die Steigung ist moderat und relativ gleichmäßig. Rampen gibt es keine bis zur Rifugio Monte Zugna, dass sich in schöner Aussichtsposition auf einer Höhe von 1616 Metern befindet. Das Etschtal liegt uns zu Füßen und gegenüber - scheinbar auf Augenhöhe - das Monte Baldo-Massiv. Im Rifugio könnte man auch übernachten, wenn man sich die Etappen anders einteilt. Vorherige telefonische Reservierung ist sinnvoll. Wir machen Rast, füllen die Wasserflaschen auf und nehmen nun die Schotter-Rampen in Angriff, zwar nicht sehr grob, aber zäh. Gänzlich unfahrbar ist der kurze Abstecher zum Gipfelkreuz des Monte Zugna. Bei klarer Sicht (die hatte ich hier schon mal) kann man bis zur Lagune von Venedig sehen. Heute tummeln sich einige Wolken in der schwülwarmen Luft. In der Ferne grummelt es.

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Wir halten uns deshalb nicht länger als nötig auf und machen uns an die Abfahrt, die nun wirklich gigantisch ist. So wünscht man sich das auf einer Transalp. Rund 1500 Höhenmeter werden wir auf Trails und Schotterpisten hinab ins Etschtal vernichten. Der spektakuläre Auftakt ist ein zum Trail verfallener alter Militärweg, der noch mit größeren Steinen gewürzt ist. Viele werden ihn komplett fahren können. Nach einer etwas steileren Passage geht der Trail in einen Pfad über, der meist leicht abfallend und flüssig fahrbar zum Passo Buole führt. Der oft strapazierte Begriff Traumsingletrail hat hier seine Berechtigung. Am Pass erläutern dann diverse Schautafeln, welchen Irrsinn die Militärs im Ersten Weltkrieg hier betrieben haben. Wir können uns an der einzig sinnvollen Hinterlassenschaft erfreuen, der Schotterabfahrt in Richtung Etschtal. Kein Gegenanstieg trübt das Vergnügen, zu dem ist die Piste vor kurzem scheinbar ein wenig ausgebessert worden. Wir können es so richtig krachen lassen. Ich vermute aber, dass der Untergrund nach schweren Regenfällen durchaus sehr grob werden kann. Im Etschtal empfängt uns eine schwüle Gluthitze und starker thermischer Wind, der uns flussaufwärts entgegen bläst. Ala erreichen wir auf einer kleinen Nebenstraße, die durch Weinberge führt. Ala würde sich auch als Übernachtungspunkt anbieten. Wir rollen aber noch weiter bis Avio. Dort wollen wir entscheiden, ob wir eventuell noch die Schlussetappe des morgigen letzten Transalptags verkürzen, in dem wir noch ein paar Höhenmeter hinauf zur Ostflanke des Monte Baldos machen. Nein, in Avio ist Schluss. Es gibt erst nach weit mehr als 1000 zusätzlichen Höhenmetern Übernachtungsmöglichkeiten. Das wäre für uns heute des Guten zuviel. Eine Unterkunft ist schnell gefunden.

tag6Campogrosso

Übernachtungstipps: Avio

Garni Piccolo Fiore, Viale A. Degasperi, 17; Tel: mobil 0039-338-1554671 oder  Tel: 0039-0464-684119    www.piccolofiore.net
B&B da Mariangela, Via Valle dei Molini 10, (liegt oberhalb von Avio direkt an der Strecke, bei Voranmeldung auch Abendessen möglich) Tel.: 0039-0464-684772     www.bbdamariangela.com