Transalp.info by Andreas Albrecht

Dolomiti 1


7. Tag: Avio - Pra Alpesina - Malga Ime - Malga Zocchi - Tenuta di Cervi - Campo - Magugnano - Malcesine

07 intro350 IMG 1948Am Morgen dieses letzten Tages dieser Transalptour kann man sich noch einmal ernsthaft befragen, ob man als Abschluss die Königsetappe über die Südflanke des Monte Baldo machen will oder nicht. Wenn man dann dieses Bild vor dem geistigen Auge hat, fällt die Antwort leicht. Es werden aber noch einmal um die 2000 Höhenmeter zu fahren sein. Die meisten davon zwar auf dem Asphalt von Nebenstraßen, aber auch die müssen erst einmal erstrampelt werden. Alternative wäre auf Radweg nach Mori zu rollen und dann über den Passo San Giovanni und Nago den Lago zu erreichen, wie es viele Radwanderer tun. Ein fragender Blick in die Runde, alles klar, Radweg fällt aus.
Gleich hinter Avio schraubt sich die kaum befahrene Nebenstraße hoch zur Ostflanken des Monte Baldo. Einige Serpentinen sind in die Felsen gehauen, bis zum Abzweig in ca. 1000 Meter Höhe geht es recht moderat zu. Weiter führt der Weg in Richtung Pra Alpesina. Die ersten Rampen sind da. Zur frühen Mittagszeit erreichen wir die Talstation des Sessellifts Pra Alpesina. Fahrzeuge einheimischer Handwerker stehen davor, aha, hier kann man gut essen. Am Monte Baldo ziehen dunkle Wolken auf. Als wir fertig gegessen haben (es war wie zu erwarten sehr lecker), fängt es leicht an zu tröpfeln. Ein örtlich begrenzter Regenschauer entlädt sich über uns. Also noch einmal das volle Regenprogramm angezogen und weiter. Bei der Abfahrt müssen wir dann doch beim Rifugio Novezza anhalten, denn die Regentropfen peitschen schmerzhaft ins Gesicht. Der Spuk dauert nicht lange. Bei der Malga Ime beginnt der Schlussanstieg. Die feuchten Wiesen dampfen, wir auch. Raus aus den Regenklamotten, zeitlich passend sind auch wieder sonnige Abschnitte zu sehen. Der Almweg an der Malga Valfredda vorbei geht schließlich in Schotter über und plötzlich liegt er vor uns, riesig ausgebreitet, der Gardasee. Wir schauen auf das flache Ende von Garda über Sirmione hinüber bis Salo und Maderno. Dort erhebt sich markant der Monte Pizzocolo. Gleich sind wir auch beim letzten höchsten Punkt angelangt und die zunächst leichte Schotterabfahrt beginnt. Ein paar Weidezäune sind zu öffnen und wieder zu schließen. Dann folgt die kurze, aber extrem steile Rampe bei der Malga Zocchi. Das werden vielleicht gerade einmal 15 Höhenmeter sein. Wer die bis oben fährt, hat sich bisher auf der Transalp erholt.

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Ab der Malga Zocchi gibt es verschiedene Varianten in Richtung Malcesine, wo wir unsere Transalp beenden wollen. Auf dieser Seite des Monte Baldo hat es nicht geregnet. Wir entscheiden uns für die Trailvariante über Malga Zilone, Tenuta dei Cervi nach Campo. Feine Singletrails wechseln sich ab mit gröbstem Schotter. Nach Tenuta dei Cervi folgt eine entspannte Fahrt auf einem Höhenweg, der schöne Blicke auf den Gardasee bietet. Kurz hinter dem Anwesen Ca del Lupo zweigt ein alter Karrenweg ab. Nun wird es richtig grob. Diese Wege wurden im Mittelalter angelegt und liegen teilweise noch so wie vor Hunderten von Jahren. Zum Wegebau wurde das genommen, was hier herumliegt - durch Gletscher rundgeschliffene Steine, die sich im Moränenschutt finden. Diese Wege muss man schon lieben, manche werden sie hassen. Bei Regen kann man nur dringend raten, auf der Straße von San Zeno hinunter zum See zu fahren.

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Eine entspannte Variante ab der Malga Zocchi sähe so aus: Sträßchen bis Prada, dann links bis zum Abzweig am Albergo Sceriffo und weiter nach San Zeno di Montagna. Hier über die steile Straße hinunter nach Castelletto am Ufer des Gardasees. Ab hier fährt man auf Kies- und Radwegen fast durchgängig direkt am Ufer entlang bis Marniga, wo man wieder auf die Hauptroute trifft. Wir bleiben auf der härteren Variante, die auch landschaftlich überragend ist. Ein paar Mal passieren wir Felsplatten, die von den Gletschern in der Eiszeit glatt geschliffen wurden. Schließlich spuckt uns der holprige Karrenweg in Campo aus. Das ist ein uraltes Dörfchen, dessen Geschichte bis in die Römerzeit zurückreicht. Damals war das ein Militärposten. Campo ist selbst heutzutage nicht mit einem normalen Auto zu erreichen. Ein schmaler Jeep schafft das gerade so. Gut die Hälfte der wenigen Häuser sind verfallen. Doch in ein paar regt sich noch oder wieder Leben. Fünf Einwohner soll das Örtchen haben.

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Nach Campo wartet noch ein schöner Pfad auf uns, doch dann reicht es uns. Man könnte zwar auf diversen Trails und Höhenwegen fast ganz bis Malcesine fahren. Aber sieben Tage Transalp fordern ihren Tribut. Deutliches Signal ist dann noch ein Kettenriss am Rad von Martin. Der wird vom Reparaturprofi Stephan schnell behoben. Danach nutzen wir die nächste Gelegenheit und fahren zum Seeufer ab. Das geschieht in Marniga. Die stark befahrene Gardesana müssen wir nur überqueren. Bis nach Malcesine fahren wir direkt am Seeufer, über Kies- und Radwege und durch Örtchen mit kleinen verträumten Häfen, wunderschön. Schließlich erreichen wir den letzten Vorposten von Malcesine: das Tal der Träume - Val di Sogno. Besser könnte es nicht passen, das Ziel unserer Träume ist erreicht. Auf der Uferpromenade rollen wir auf die bekannte Silhouette von Malcesine und der charakteristischen Scaligerburg zu.

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Bei der Ankunft am Hafen herrscht um uns her der übliche Touristenrummel. Wir kommen uns vor wie Exoten, die hier ihre Transalp beenden. In Riva oder Torbole wären wir nur einige unter vielen. Eine eindrucksvolle Transalp liegt hinter uns - alles gut gegangen - eintoller Abschluss. Mit dem Schiff geht es dann entspannt nach Torbole, wo wir übernachten, weil der Ort für die Abreise günstiger liegt. Also gibt es dann doch noch den obligatorischen Absacker am Strandcafe. Schade, mein geliebtes Kristallweizen wurde weggetrunken. Na gut, ein Hefeweizen tut es zur Not auch. Prost!

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Übernachtungstipp: Torbole

Hotel Villa Stella, Via Strada Granda, 104 - 38069 Torbole sul Garda (TN) Tel 0039-0464-505354     www.villastella.it