Transalp.info by Andreas Albrecht

Heckmair à la Albrecht


Tourbericht

Lebe so, als würdest du morgen sterben. Lerne so, als würdest du für immer leben.
Mahatma Ghandi (1869-1948)


Prolog

Lange habe ich überlegt, ob ich auf Heckmairs Spuren von Oberstdorf aus starten will. Einerseits gibt es logistische Probleme, wieder vom Gardasee dorthin zurück zu gelangen. Andererseits ließ die berühmte Klettereinlage am Schrofen-Pass bei mir keine große Begeisterung aufkommen, von dort aus zu starten. Während eines Ski-Urlaubs nutzte ich die Gelegenheit, ein paar Worte mit Andi Heckmair zu wechseln, der ja bekanntlich der "spiritus rector" seiner klassischen Transalp-Route ist. Als alter Bergsteiger hat er natürlich bestimmte Visionen von Linienführungen über die Alpen und er sagte sinngemäß, Transalp habe etwas von Bergwandern, nur dass man das Mountainbike dabei hat. Er sollte Recht behalten. Dann zeigte sich bei der Urlaubsplanung, dass meine Family wieder ein paar Tage in Südtirol verbringen will und hinterher an den Gardasee fährt. Damit waren die logistischen Probleme gelöst. In München traf ich mich mit David. Wir bestiegen den Zug Richtung Oberstdorf. Am Lago wurden wir dann empfangen; wie schön!

Letztendlich ausschlaggebend für meine Entscheidung, diese Route zu probieren, war dann die Meinung von Christian Förster, der meine Bedenken wie folgt zerstreuen konnte:


07 Prolog 350px DSCN0925"Zum Thema Schrofenpass : Oberstdorf ist nur auf den ersten Blick ein unbrauchbarer Einstieg, denn wenn man erst mal die Allgäuer Alpen hinter sich gelassen hat, erwartet einen hinterm Kristberg im Montafon (Schlappiner Joch) [...] ja eine gigantische Kulisse - dafür lohnt auch der Schrofenpass - ... Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ich den Schrofenpass auf mich genommen habe. Irgendwie ist er halt trotzdem einer DER Transalp-Pässe mit einer gehörigen Portion an abenteuerlichem Charme. Da sind an Wochenenden ziemlich viele andere Biker unterwegs (ich habe damals allein auf der Passhöhe 25 gezählt!!!), was ich aber nicht als Nachteil empfand: Es entsteht ein tolles Gemeinschaftsgefühl, während man sich der legendären Leiter nähert... Also: Mach den Schrofenpass, trotz Schieberei bergauf und bergab gehört er zu den Dingen, die man als Transalpler mal gemacht haben sollte!"


Da hat Christian Recht. Der Schrofen-Pass ist ein Erlebnis. Nach meiner Einschätzung bei weitem nicht so schwierig, wie ich gedacht hatte und insgesamt eine sehr kurze Schiebepassage. Bei der weiteren Tourplanung habe ich mich wieder von Berichten anderer Transalp-Seiten im Internet inspirieren lassen. Danach legte ich mit Hilfe von Kartenmaterial die genaue Route fest. Auf ein detailliertes Roadbook habe ich wieder verzichtet. Statt dessen habe ich die entsprechenden Kartenausschnitte gescannt und ausgedruckt. Das hat sich bewährt. Ein Übersichtsblatt sollte auf jeden Fall dabei sein. Wir haben es gebraucht, als wir von der geplante Strecke abweichen mussten. Unterkünfte haben wir uns auf der Strecke gesucht. Im Juli gibt es dabei kaum Probleme. Der krönende Abschluss war die letzte Etappe über den Tremalzo. Die alte Ponale-Straße war damals gerade als Wanderweg wieder geöffnet worden, nachdem sie nach einem Erdrutsch lange Jahre gesperrt war. Damit ist die beeindruckendste Variante, den Gardasee nach einem Transalp zu erreichen, wieder möglich. David und ich gehörten damals sicher zu den ersten, die diese Chance wahrnehmen konnten. Hoffentlich bleibt die Ponale-Straße noch lange offen.

Nun sitze ich nach der Tour in Torbole im Strandcafe, lasse die Seele baumeln und bringe die ersten Gedanken zu Papier. Was kann es Schöneres geben, als nach einer Woche Transalp hier zu verweilen. Die Tage mit ihren anstrengenden und beeindruckenden Momenten ziehen an mir vorbei wie die Surfer, die die letzten Winde am späten Vormittag erhaschen wollen. Die mediterrane Wärme umfängt mich und nichts erinnert mehr an die langen Wochen mit Regen und Kälte in Deutschland, die David und ich Mitte Juli 2004 hinter uns gelassen haben. Wenn ich das Panorama betrachte, ist es immer wieder ein Gefühl, als ob ich in meiner zweiten Heimat angekommen bin.
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