Transalp.info by Andreas Albrecht

Heckmair à la Albrecht


2. Tag: Schlappiner Joch: von Österreich in die Schweiz

02 350px DSCN0945Ein Hochdruckgebiet hat sich über den Alpen festgesetzt und verheißt gutes Wetter für die nächsten Tage. Am Morgen scheint die Sonne vom blauen Himmel herunter, ein paar Schönwetterwolken tummeln sich und wir radeln gemächlich den ausgeschilderten MTB-Weg in Richtung Kristbergsattel. In gut einer Stunde sind wir oben und genießen bei bester Sicht die Fahrt auf einer der schönsten Panoramastraßen, die ich in den Alpen bisher erlebt habe. Wir werfen schon mal einen Blick auf das Schlappiner Joch, wo noch ein paar Schneefelder liegen und rollen dann weiter nach Bartholomäberg und Schruns. Hier sind viele Wegvarianten möglich. Man kann an vielen Stellen schon vorher über Wanderwege ins Silbertal abfahren. Weil die Aussicht heute so schön ist, bevorzugen wir die Straßenvariante, um schnell voranzukommen. Neben der Bundesstraße 188 im Montafon verläuft ab Schruns ein schöner Radweg in Richtung St. Gallenkirch. Der Abzweig nach rechts nach Galgenul ist nicht zu verfehlen. Über eine überdachte Holzbrücke führt eine Nebenstraße in die Ortslage. Nach rechts geht es jetzt steil die Straße hinauf. Die Sonne brennt von vorn, da ist jede Wasserstelle willkommen. Kurz vor Mittag erreichen wir Gargellen und können im Supermarkt unsere Vorräte auffüllen. Gleich daneben verführt uns die Sonnenterrasse einer Gaststätte zu einer Mittagsrast. Wir schaufeln Nudeln in uns hinein. Das soll sich rächen. Schwer wie Blei liegen mir die Spaghetti im Magen und die Muskeln fühlen sich überhaupt nicht mehr locker an, als es stramm bergauf weitergeht. An den nächsten Tourtagen werden wir nur noch kurze Pausen machen und ein Happen zwischendurch essen. Unsere Körper vertragen das so besser.
Bis zur Oberen Valzifenz-Alm bei ca. 1850 Metern ist der Talweg zwar steil, auf Grobasphalt aber gut fahrbar. Nun beginnt eine unangenehme Schiebepassage zum Schlappiner Joch, die mit Tragestücken und den schon gesichteten Schneefeldern gewürzt ist. 400 Höhenmeter und gut eine Stunde dauert es und wir sind oben und überqueren die Schweizer Grenze. Wie im Fimber-Tal zeigt nur ein einsames, verrostetes Schild an, dass wir die Euro-Zone verlassen.

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 Der Blick schweift über die Bergketten in Richtung Süden, die etwas im Dunst liegen. Die schwüle Wärme entlädt sich täglich in örtlich begrenzten Gewittern und Regenfällen, von denen wir glücklicherweise fast ganz verschont bleiben. Wer oben am Joch steht und denkt, das Gröbste ist geschafft, der hat sich getäuscht. Wer auf Heckmairs Spuren wandelt, sollte schon einen ausgeprägten Hang zum Bergwandern entwickeln oder ein technische versierter Singletrail-Spezialist sein, der auch mit vollem Transalp-Rucksack verblockte Pfade als Genuss empfindet und sie vielleicht auch ab und zu fahren kann. Wir können und wollen das nicht und machen uns wie am Tag zuvor auf Wanderschaft hinab nach Schlappin. O.k. - die letzten 50 Höhenmeter sind wir dann doch gefahren. Im oft und zu Recht in Tourbeschreibungen gepriesenen Gasthaus Gemsli machen wir Station und beziehen Unterkunft im Touristenlager, das sich im jüngst ausgebauten Stall befindet. Dusche und Toilette sind vorhanden, wir sind die einzigen, was will man mehr? Die Wirtin erzählt uns, das am Sonntag die Bude oft brechend voll mit Mountainbiker ist, die alle am Samstag in Oberstdorf starten. Wir genießen die Ruhe und verweilen noch lange auf der Terrasse, bis uns eine kurzer Regenguss in die Hütte zwingt. Auf jeden Fall kann ich die Übernachtung hier ausdrücklich empfehlen. Das für unsere Verhältnisse hohe Preisniveau in der Schweiz muss man halt ertragen.

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Übernachtungstipps:

Gasthaus Gemsli: (www.gemsli.ch)