Transalp.info by Andreas Albrecht

Heckmair à la Albrecht


6. Tag: Die lange Auffahrt - Passo Croce Domini

06 350px DSCN1105Je weiter wir nach Süden gelangen, umso tiefer werden die Täler und umso spärlicher wird das Frühstück. Na ja, für uns reicht's. Wir haben vorsorglich gestern Abend beim Stadtbummel unsere Ration Schinken und Käse für den Tag eingekauft. So können wir bestimmen, wann wir Essensrast machen. Die halten wir immer kurz, damit wir nicht aus dem Rhythmus kommen. Doch zuerst rollen wir flott die Straße nach Breno hinunter, immer auf der Hut vor dem Verkehr, den wir nun endlich hinter uns lassen. Zum Passo Croce Dominii und weiter in Richtung Doss dei Galli liegen so ziemlich 1800 Höhenmeter am Stück vor uns. Ich verschwende keinen Gedanken an die Möglichkeit, über Bienno einen ausgewiesenen MTB-Weg nach oben zu fahren. In einigen Berichten hatte ich gelesen, dass das Sträßchen im unteren Teil zwar auf Grobasphalt verläuft, aber mit 20-30% Steigung mörderisch steil ist. Weiter oben soll sie flacher werden, der Belag aber in so etwas wie "Eisenbahnschotter" (Originalzitat) übergehen. "Ankommen" und nicht "Abkotzen" heißt für uns die Devise. Die Provinzstraße SP 345 ist heute kaum befahren und nicht übermäßig steil. Trotzdem ist es eine gewaltige Fleißaufgabe. Zum Glück bewölkt sich der Himmel leicht, so dass es nicht zu heiß wird. Gegen 12 Uhr bin ich oben und warte ein paar Minuten auf David, der bei der Auffahrt Sitzprobleme bekommen hat. Auf der Terrasse des Gasthauses vertilgen wir unsere Vorräte. Drinnen gibt es heute nur Pasta. Wir haben Appetit auf Suppe, leider gibt es die nicht. Zu unserem Tagesziel Idro-See führen von hier aus etliche Varianten. Wir folgen der SP 345, die als Schotterpiste in Richtung Doss dei Galli verläuft. Bei den Anstiegen gibt sie uns heute den Rest. Im Schneckentempo schleichen wir die Serpentinen hoch. Endlich ist das Ende in Sicht.

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Am Doss dei Galli ragen riesige futuristisch anmutende Sende- oder Empfangsanlagen in die Höhe. Eine Stichstraße führt hinauf, heute für uns keine Versuchung. Wir sind froh, dass die Piste wieder in Asphalt übergeht, so dass der finale Anstieg einigermaßen erträglich ist. In Richtung Monte Maniva haben wir den weiteren Verlauf der Strecke immer gut im Blick. In einer Spitzkehre sehen wir einen Schotterweg, der geradeaus weiterführt in Richtung Passo Maniva. Den befahren wir und vermeiden so unnötigen Höhenverlust, wenn wir auf der Straße geblieben wären. Am Passo trinken wir den Nachmittags-Cappuccino und blicken von der Terrasse hinunter nach Bagolino. Dabei entdecken wir, dass ein direkter Weg hinunter geht. Es ist eine alte Straße in mäßigen Zustand, zumindest im oberen Teil. Die ursprüngliche Planung sah vor, auf der Piste in Richtung Dosso Alto zu fahren, um bei Anfo den Idro-See zu erreichen (ist in der Tat besser - siehe beschriebene Variante). Das Tal liegt aber so verlockend vor uns und wir haben wirklich keine Lust mehr auf zusätzliche Höhenmeter. Also nicht lange gefackelt und hinab geht's. Ein wirklich feines Sträßchen, in der Kompass-Karte Nr. 103 als solches überhaupt nicht zu erkennen. Je tiefer wir kommen, um so schwüler wird die Luft. Wir halten an einer der Wasserstellen und füllen die Flaschen nach. In den letzten Kurven fühlt sich meinen Hinterreifen etwas schwammig an. Ein schleichender Plattfuß, wie ich bemerken muss; die einzige Panne auf der Tour. Ich pumpe nach und es hält bis Storo, unserem heutigen Etappenziel. Am Idro-See kommt schon Gardasee-Feeling auf. Wir rasten kurz am See-Ufer. Nach Baden ist uns nicht zumute, da sich wieder ein Gewitter in den Bergen zusammenbraut. Wir sehen zu, dass wir weiter kommen und rollen zügig auf dem Radweg von Ponte Caffaro bis Storo. Es grummelt und blitzt hinter uns, so dass wir nicht lange überlegen und uns in der anscheinend einzigen Bleibe in Storo, dem "Albergo Firi" einquartieren. Ich mache mich an den Schlauchwechsel und stelle dabei fest, dass sich mein Ersatzschlauch nicht aufpumpen lässt. Schön blöd von mir, das nicht vorher getestet zu haben. David überlässt mir seinen und schnell ist die Fahrbereitschaft wieder hergestellt. Am Abende gibt es vor der Herberge noch ein kleines Konzert mit Orgel und Schlagzeug im Stile guter Bar-Musik. Wir hören in der seidenen Abendluft eine Weile zu, trinken unsere homöopathische Dosis Grappa und freuen uns darauf, morgen am Gardasee anzukommen.

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empfohlene Vorzugsvariante: Passo Maniva zum Idrosee

An der Flanke des Dosso Alto schlängelt sich eine alte Militärstraße entlang.  Von der landschaftlichen Charakteristik her ähnlich wie der Tremalzo, jedoch viel einsamer, führt sie lange auf der Höhe bis zum Rifugio Rosa Baremone und weiter bis nach Anfo am Idro-See. Auf jeden Fall die bessere Wahl.