Transalp.info by Andreas Albrecht

Heckmair à la Albrecht


7. Tag: Grande Finale über den Tremalzo

07 350px DSCN1115Wir sind voll Tatendrang und wollen um acht Uhr frühstücken. Doch wir stehen vor verschlossenen Türen, genau wie eine andere Gruppe von Transalplern, die hier übernachtet hat. Wir kommen weder in den Gastraum, noch in die Bikegarage und schon gar nicht aus dem Haus heraus. Als wir dann endlich so zehn nach acht Uhr Schlüssel klappern hören, wird uns klar, dass wir über Nacht eingeschlossen waren. Im Falle eines Brandes hätte das dumm ausgehen können. Wir trösten uns mit der Aussicht auf das Frühstück. Das geht erstaunlich schnell, weil es ausgesprochen mager ausfällt. Ein Glas O-Saft, ein Cappuccino und als Veralberung für den Magen ein größeres Stück Gebäck in der Art eines Pfannkuchens, das beim Zubeißen allerdings sehr luftig wirkt. Vorsichtshalber bestellen wir uns jeder ein Panino mit Salami und Käse nach. Das müssen wir teuer bezahlen (4,50 EUR pro Stück), wenigstens schmeckt es ganz gut. Ein paar Energieriegel haben wir auch noch; wir werden es schon schaffen. Wir kommen kurz mit der anderen Gruppe ins Gespräch, vier Männer und eine Frau, die schon etwas abgestrapst wirken. Sie waren auf der Heckmair-Route unterwegs und sind tatsächlich über den Scalettapass gegangen: ewiges Bikegeschleppe im Tiefschnee, wie sie uns erzählen. Wer sich das antun will, muss es halt machen. Zum Abschluss wollen sie, wie wir, über den Tremalzo. Sie brechen etwas früher auf und rollen bergab, nach Storo zurück. Das irritiert mich doch sehr. Ich bin mir sicher, dass wir bergauf Richtung Passo Ampola und Ledro-See fahren müssen. Ich bin so perplex, dass ich vorsichtshalber einen Einheimischen frage, der mir die Richtung bestätigt. Wir haben die andere Gruppe nicht wiedergesehen.

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David und ich können nun entspannt die SS 42 hochkurbeln. Zu dieser frühen Morgenstunde ist noch nicht viel Verkehr, den wir ganz hinter uns lassen, als wir an der Locanda Ampola abbiegen. Hier beginnt die Straße zum Tremalzo, früher eine Schotterpiste, seit einigen Jahren aber asphaltiert und leicht zu fahren. Noch sind wir nicht ganz sicher, ob wir zum Abschluss nach dem Tremalzo die alte Ponale-Straße direkt nach Riva hinein fahren können. Aber die positiven Anzeichen verdichten sich. Ich sage im Scherz zu David: "Wenn der Bike-Shuttle in Torbole um zehn Uhr startet und die Weicheier hochschaukelt, müsste uns das Fahrzeug gegen halb elf passieren." Fast auf die Minute genau trifft meine Vorhersage ein. Wir grinsen uns einen und strampeln weiter. Am Rifugio Garda beginnt dann die legendäre Schotterpiste am Tremalzo. Vorher gönnen wir uns noch einen Cappuccino. Der Wirt bestätigt mir, dass die Ponale-Straße offen ist. Wir ziehen frohlockend los. Als wir bei der traumhaften Schotterabfahrt den Lago im Sommerdunst vor uns liegen sehen, machen wir noch einmal kurz Rast und vertilgen die Reste des Paninos von heute morgen. Am Passo Nota beginnt eine der schönsten Passagen, die man am Gardasee fahren kann. Nach dem Erdrutsch von 1999 zwischen Riva und Limone war die Ponalestraße zwischen Riva und Pregasina gesperrt, sehr zum Leidwesen aller Mountainbiker am Gardasee. An der Baita Segala füllen wir Wasser nach. Nach wie vor versorgt die Sektion Limone des italienischen Alpenvereins die Gäste in der Hütte mit Getränken: Wasser, Bier, Wein. Was der Wanderer oder Radfahrer als Obolus hinterlässt, ist seinem Gutdünken überlassen und wird in den Geldschlitz einer "Kasse des Vertrauens" eingeworfen, die ins Mauerwerk eingelassen ist. Zufällig sind zwei Männer vom Verein da. Ich bedanke mich herzlich für die Versorgung und sie bestätigen mir endgültig, dass das Traumfinale Wirklichkeit wird. Nun gibt es für uns kein Halten mehr. Wir überwinden die letzten Trail-Passagen zum Passo Rocchetta mit Genuss und erfreuen uns ab der Malga Palaer an der Abfahrt auf dem uralten Karrenweg nach Pregasina. Immer wieder halten wir an einem der vielen Aussichtspunkte an und können uns an den Blicken auf den Lago kaum satt sehen. Schließlich landen wir auf dem als Wanderweg wiedereröffnetem Stück, dass fast noch schöner zu fahren ist als früher. Der Weg ist als ca. anderthalb Meter breiter Sentiero angelegt. Die restliche Breite ist mit Erde aufgefüllt und es sind ein paar Kurven bzw. Schikanen eingebaut, damit die Biker nicht zu sehr runterheizen.

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Wir sind natürlich rücksichtsvoll und erschrecken keine Wanderer, die schon recht zahlreich zu Gange sind. Lange war nicht klar, ob es Radfahrern überhaupt erlaubt werden sollte, die alte Straße zu benutzen. Letztlich haben sich die Interessen der Tourismusverbände gegen die örtliche Bürokratie durchgesetzt, was zu einer Duldung des Radverkehr geführt hat. Hoffen wir, dass das so bleibt. Bei entsprechender gegenseitiger Rücksichtsnahme zwischen Wanderern und Radfahrern sollte das eigentlich kein Problem darstellen. David und ich genießen in vollen Zügen diese schönste aller Möglichkeiten, eine Transalp zu beenden und rollen zum Hafen von Riva, wo wir kurz Resümee ziehen. Eine einsame, anstrengende, aber auch beeindruckende Transalp liegt hinter uns. Alles ist gut gegangen. An der Routenführung muss ich noch ein bisschen basteln (was mir dann auch gelungen ist - siehe Fazit). In Torbole am Strandcafe endet die Reise dann traditionsgemäß endgültig. Ein kleines Empfangskomitee hat sich zusammengefunden: meine Simi und Tino. Matze und Reiner sind auch da, die uns im September bei der nächsten Transalp begleiten werden (Bemerkung: das wurde dann die Albrecht-Route).

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Alternative:

Wenn das Wetter nicht passt oder man mit der Kraft am Ende ist, kann man ab Passo Ampola leicht und einfach auf dem Radweg in Richtung Lago di Ledro fahren. Diesen dann auf der rechten Seite über Pur umfahren und bergab über Pre zur Ponale-Straße.

Übernachtungstipps:

Villa Stella: Via Strada Granda, 104 - 38069 Torbole Tel + 39 0464 505354, www.villastella.it
Aktivhotel Santalucia Via Santa Lucia 6, (Gps Via Pontalti), I-38069 TORBOLE SUL GARDA (TN), Tel.: 0039-0464-505140, www.aktivhotel.it
Tonelli-Hotels in Riva und Nago:  www.tonellihotels.com