Transalp.info by Andreas Albrecht

Heckmair à la Albrecht

Strecke:

07 Caplone 350px DSC07142Oberstdorf - Schrofenpass - Dalaas - Schlappiner Joch - Davos - Flüela-Pass - Livigno - Passo Alpisella - Arnoga - Passo Verva - Grosio - Passo Foppa - Aprica - Passo del Venerocolo - Passo del Gatto - Passo Vivione - Capo di Ponte - Passo Croce Domini - Passo Maniva - Bagolino - Idro-See - Storo- Tremalzo - Gardasee

Länge: 483 km
Höhenmeter: ca. 13.900 hm
Etappen: 7, Hinweise zu Varianten siehe bei den einzelnen Etappen - Hinweise zur Vorzugsvariante auf der Online-Karte, im Fazit und am Ende des Berichts

1. Tag: 59 km, 1633 hm
Oberstdorf - Schrofenpass - Warth - Lech - Zug - Freiburger Hütte - Dalaas

2. Tag: 42 km, 2190 hm
Dalaas - Kristbergsattel - Schruns - Galgenul - Gargellen - Schlappiner Joch - Schlappin

3. Tag: 112 km, 2557 hm
Schlappin - Klosters - Davos - Flüelapass - Susch - Zernez - Punt la Drossa - Tunnel - Livigno - Passo di Alpisella - Lago Cancano - Decouville - Arnoga

4. Tag: 77 km, 2025 hm
Arnoga - Passo Verva - Grosio - Mazzo di Valtellina - Passo Foppa - Alpe Möta - Trivigno - Aprica

5. Tag: 57 km, 1694 hm
Aprica - Lago Belviso - Passo del Venerocolo - Passo del Gatto - Passo Vivione - Cedegolo - Capo di Ponte

6. Tag: 83 km, 2157 hm
Capo di Ponte - Breno - Degna - Passo Croce Domini - Passo Maniva - Bagolino - Idro-See - Storo

7. Tag: 53 km, 1643 hm
Storo - Passo Ampola - Tremalzo - Passo Nota - Baita Segala - Pregasina - Riva - Torbole

Vorbemerkung: Klar und deutlich muss man anerkennen, dass Heckmair mit seiner Route den scheinbar unendlichen Transalp-Boom ins Rollen brachte. Wobei Rollen nicht immer das richtige Wort ist. Längere Schiebe- und Tragepassagen gehören zu seinem Programm. Die Strecke über den Passo Campo ist eine Bergwanderung, für die er oft kritisiert wurde. Ob zu Recht oder zu Unrecht will und kann ich nicht beurteilen. Für mich steht jedenfalls fest, dass ich nach allem, was ich gelesen und gehört habe, keinerlei Interesse an solch einer Schiebe- und Trageorgie habe. Vor allem, wenn es der Trail bei der Abfahrt dann nicht Wert ist. Aber das ist meine rein subjektive Meinung. Ersetzt habe ich bei meiner Transalp diese Passage durch den Passo Venerocolo und den Passo Croce Domini, was ich insgesamt schlüssiger finde. Die von mir recherchierte Abschlussetappe vom Idrosee entlang des Monte Caplone setzt dieser Transalp das I-Tüpfelchen auf (siehe auch die Bilder im Fazit). Zusammen mit der wetterbedingten Umfahrungsvariante von Scalettapass und Pass Chaschauna ist dadurch eine stimmige Transalp-Route entstanden (siehe auch das Höhenprofil dieser Vorzugsvariante). Die verläuft eindeutig auf Heckmairs Spuren und ich zolle ihm damit meinen Respekt und meine Anerkennung.

Medien

Wenn ihr die Tour individuell nachfahren wollt, ist folgendes im Webshop verfügbar auf Basis der Vorzugsvariante: GPS-Tracks und Kartenscans - auf Anfrage verfügbar:  TOPO-Karte für Garmin GPS-Geräte.


Übersichtskarte

Wichtig: Internetadresse muss mit www eingegeben werden, sonst erscheint bei manchen Browsern unter Umständen nur ein weißer Kasten.

schwarz: Vorzugsvariante nach allen Recherchen
rot: abweichende Befahrung bei 1. Erkundung
magenta: Seilbahn
Klicken auf den Track zeigt den Namen des entsprechenden Tracks an
Karte als Lightbox in eigenem Fenster öffnen: klicken

 

 

Höhenprofil der Erkundungsbefahrung

2004explorer gesamt

Auf ein gesondertes Diagramm der Wegeverteilung verzichte ich an dieser Stelle, weil durch das wetterbedingte Ausweichen von Davos über den Flüela-Pass bis nach Livigno eine sehr lange Straßenpassage zurückgelegt werden musste. Aussagekräftiger ist das Wegediagramm der folgenden Vorzugsvariante.

Höhenprofil der Vorzugsvariante

Heckmair ala Albrecht Vorzugsvariante hohekorrigiert

Wegeverteilung Vorzugsvariante

untergund vorzugsvariante

Landkarten

Kompass: Digitale Karte Über die Alpen, Digitale Karte Schweiz, 3, 33, 41, 072, 94, 99, 102, 103, 113
TOPO-Karte für GPS-Geräte: Garmin TransAlpin, kaufen bei Amazon: klick hier
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4
Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer

Tourplanung: Andreas Albrecht

gefahren vom 15.-21. Juli 2004: Andreas Albrecht, David Strixner
Varianten: Scalettapass, Pass Chaschauna (2006 bei Schweizroute), Gran Venerocolo Tour Aprica, Magnolta (September 2015)



Tourbericht

Lebe so, als würdest du morgen sterben. Lerne so, als würdest du für immer leben.
Mahatma Ghandi (1869-1948)


Prolog

Lange habe ich überlegt, ob ich auf Heckmairs Spuren von Oberstdorf aus starten will. Einerseits gibt es logistische Probleme, wieder vom Gardasee dorthin zurück zu gelangen. Andererseits ließ die berühmte Klettereinlage am Schrofen-Pass bei mir keine große Begeisterung aufkommen, von dort aus zu starten. Während eines Ski-Urlaubs nutzte ich die Gelegenheit, ein paar Worte mit Andi Heckmair zu wechseln, der ja bekanntlich der "spiritus rector" seiner klassischen Transalp-Route ist. Als alter Bergsteiger hat er natürlich bestimmte Visionen von Linienführungen über die Alpen und er sagte sinngemäß, Transalp habe etwas von Bergwandern, nur dass man das Mountainbike dabei hat. Er sollte Recht behalten. Dann zeigte sich bei der Urlaubsplanung, dass meine Family wieder ein paar Tage in Südtirol verbringen will und hinterher an den Gardasee fährt. Damit waren die logistischen Probleme gelöst. In München traf ich mich mit David. Wir bestiegen den Zug Richtung Oberstdorf. Am Lago wurden wir dann empfangen; wie schön!

Letztendlich ausschlaggebend für meine Entscheidung, diese Route zu probieren, war dann die Meinung von Christian Förster, der meine Bedenken wie folgt zerstreuen konnte:


07 Prolog 350px DSCN0925"Zum Thema Schrofenpass : Oberstdorf ist nur auf den ersten Blick ein unbrauchbarer Einstieg, denn wenn man erst mal die Allgäuer Alpen hinter sich gelassen hat, erwartet einen hinterm Kristberg im Montafon (Schlappiner Joch) [...] ja eine gigantische Kulisse - dafür lohnt auch der Schrofenpass - ... Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ich den Schrofenpass auf mich genommen habe. Irgendwie ist er halt trotzdem einer DER Transalp-Pässe mit einer gehörigen Portion an abenteuerlichem Charme. Da sind an Wochenenden ziemlich viele andere Biker unterwegs (ich habe damals allein auf der Passhöhe 25 gezählt!!!), was ich aber nicht als Nachteil empfand: Es entsteht ein tolles Gemeinschaftsgefühl, während man sich der legendären Leiter nähert... Also: Mach den Schrofenpass, trotz Schieberei bergauf und bergab gehört er zu den Dingen, die man als Transalpler mal gemacht haben sollte!"


Da hat Christian Recht. Der Schrofen-Pass ist ein Erlebnis. Nach meiner Einschätzung bei weitem nicht so schwierig, wie ich gedacht hatte und insgesamt eine sehr kurze Schiebepassage. Bei der weiteren Tourplanung habe ich mich wieder von Berichten anderer Transalp-Seiten im Internet inspirieren lassen. Danach legte ich mit Hilfe von Kartenmaterial die genaue Route fest. Auf ein detailliertes Roadbook habe ich wieder verzichtet. Statt dessen habe ich die entsprechenden Kartenausschnitte gescannt und ausgedruckt. Das hat sich bewährt. Ein Übersichtsblatt sollte auf jeden Fall dabei sein. Wir haben es gebraucht, als wir von der geplante Strecke abweichen mussten. Unterkünfte haben wir uns auf der Strecke gesucht. Im Juli gibt es dabei kaum Probleme. Der krönende Abschluss war die letzte Etappe über den Tremalzo. Die alte Ponale-Straße war damals gerade als Wanderweg wieder geöffnet worden, nachdem sie nach einem Erdrutsch lange Jahre gesperrt war. Damit ist die beeindruckendste Variante, den Gardasee nach einem Transalp zu erreichen, wieder möglich. David und ich gehörten damals sicher zu den ersten, die diese Chance wahrnehmen konnten. Hoffentlich bleibt die Ponale-Straße noch lange offen.

Nun sitze ich nach der Tour in Torbole im Strandcafe, lasse die Seele baumeln und bringe die ersten Gedanken zu Papier. Was kann es Schöneres geben, als nach einer Woche Transalp hier zu verweilen. Die Tage mit ihren anstrengenden und beeindruckenden Momenten ziehen an mir vorbei wie die Surfer, die die letzten Winde am späten Vormittag erhaschen wollen. Die mediterrane Wärme umfängt mich und nichts erinnert mehr an die langen Wochen mit Regen und Kälte in Deutschland, die David und ich Mitte Juli 2004 hinter uns gelassen haben. Wenn ich das Panorama betrachte, ist es immer wieder ein Gefühl, als ob ich in meiner zweiten Heimat angekommen bin.
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1. Tag: Schrofenpass: von Deutschland nach Österreich

01 350px DSCN0928Am Bahnhof München-Pasing treffe ich mich David und wir besteigen den Zug nach Oberstdorf. Gut zwei Stunden ist er unterwegs, eine entspannte Anreise. Die letzten Regenwolken verhüllen noch die Ausläufer der Alpen. Als wir uns 12 Uhr mittags am Bahnhof in Oberstdorf auf die Räder schwingen, sind auch diese verflogen. Die Ortslage ist schnell durchquert und sofort sind wir mit unseren Rädern alleine. An einem Tag mitten in der Woche zu loszufahren, bringt schon eindeutige Vorteile mit sich, gerade wenn man von Oberstdorf aus startet. Ich hatte von regelrechten Staus an der berühmten Leiter am Schrofenpass gehört und gelesen. Uns begegnen auf der Anfahrt ein paar Wanderer, das war's. Erst am Beginn der Schiebe-Passage sehen wir eine kleine Gruppe von Mountainbikern in der Felswand über uns. Exakt an der Leiter haben wir sie erreicht, so dass einer von ihnen uns die Freundlichkeit erweist, uns zu fotografieren. Natürlich auf der Leiter, das muss schon sein. Ich hatte schon ein wenig Respekt vor dieser Passage, weil viel Rummel darum gemacht wird. Heckmair sagte: "Das ist die Schlüsselstelle, gleich zu Beginn!" Das ist nach meiner Einschätzung leicht übertrieben. David als erfahrener Bergwanderer und Skitourengeher kann dem nur beipflichten. Klar, trittsicher und schwindelfrei sollte man schon sein, aber eine besondere Schwierigkeit stellt die Passage nach unserer Meinung nicht dar. Ohne uns abzuhetzen und mit Zeit für Fotopausen brauchen wir gerade mal 35 Minuten für das Schiebe-/Tragestück. Lästiger ist für uns eher, das nach dem Pass kein flüssiges Fahren möglich ist. Die schöne Berglandschaft und das sich bessernde Wetter entschädigen uns für die kleine Wandereinlage, von denen auf dieser Tour noch einige folgen sollten. Irgendwann ist der Weg dann für jeden wieder fahrbar. In Warth legen wir eine kurze Essenspause ein, bevor wir nach Lech herunter rollen. Im Ski-Ort ist im Sommer nicht allzu viel los, was uns nur recht ist. Wir biegen nach rechts ab, Richtung Zug und Freiburger Hütte, die mit dem Rad problemlos zu erreichen ist. Die Fahrt auf leichter Schotterpiste um den Formarin-See herum ist heute still und einsam.

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An der Freiburger Hütte wird gerade umgebaut. Wir liegen gut in der Zeit und beschließen, nach Dalaas abzufahren. Bis zu einer Almhütte führt ein leichter Schotterweg. Aber nun ist es mit den Spaß vorbei. Der jetzt folgende Weg ist verblockt und durch die lang anhaltenden Regenfälle der letzten Wochen sehr schmierig. Sowohl David als auch ich sind keine ausgeprägten Liebhaber von Steinhopserei und Stürzen im schweren Gelände. Aber das ist sicher Geschmackssache, andere werden diese Trails genießen Wir beide schieben jedenfalls unverdrossen unsere Räder einige Höhenmeter bergab. An der Mustrin-Alm auf ca. 1450 m entscheiden wir uns auch noch für den "falschen" Abzweig, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Der Weg gabelt sich. Nach rechts zeigt ein Schild "Braz" an. Nach links scheint es direkt in die Schlucht hinunter zu gehen, komplett unfahrbar, wie es aussieht. Beide Varianten führen letztlich nach Dalaas im Klostertal, wo wir im gemütlichen Gasthof "Zur Post" unterkommen.
Der Wirt ist bestens auf Radler eingestellt und sagt mir, dass wir am Abzweig besser den Weg nach links genommen hätten. Er sähe zwar auf den ersten Blick schlechter aus, würde aber recht bald in einen fahrbaren Forstweg übergehen. Das nächste Mal weiß ich es besser (in den GPS-Tracks ist es auch korrigiert). Zumindest haben wir unsere Beinmuskeln für das Bergabschieben gekräftigt. Die Übernachtung im Gasthof "Zur Post" kann ich empfehlen. Das Essen und die Zimmer sind gut und preiswert. Das schont die Reisekasse, bevor es in die teure Schweiz geht. Inzwischen gibt es an der Strecke auch eine weitere sehr gute Übernachtungsmöglichkeit für Moutainbiker im Haus Gaues: siehe die Hinweise bei den Übernachtungstipps.

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Variante Straße bei schlechtem Wetter:

auf Straße ab Lech über Zürs und den Flexenpass bis Dalaas

Übernachtungstipps:

Haus Gaues in Dalaas
liegt direkt an der MTB-Strecke Formarinsee-Dalaas und eignet sich sehr gut für die Unterbringung von Radfahrern
Direkt-Reservierung: Heidi Ollschnöger - Telefon: +43 (664) 3929389
Banner Skilehrerheim Lech 300x200 V3

Dallas: Gasthof Zur Post:  www.dalaas-wald.at/gasthofpost



2. Tag: Schlappiner Joch: von Österreich in die Schweiz

02 350px DSCN0945Ein Hochdruckgebiet hat sich über den Alpen festgesetzt und verheißt gutes Wetter für die nächsten Tage. Am Morgen scheint die Sonne vom blauen Himmel herunter, ein paar Schönwetterwolken tummeln sich und wir radeln gemächlich den ausgeschilderten MTB-Weg in Richtung Kristbergsattel. In gut einer Stunde sind wir oben und genießen bei bester Sicht die Fahrt auf einer der schönsten Panoramastraßen, die ich in den Alpen bisher erlebt habe. Wir werfen schon mal einen Blick auf das Schlappiner Joch, wo noch ein paar Schneefelder liegen und rollen dann weiter nach Bartholomäberg und Schruns. Hier sind viele Wegvarianten möglich. Man kann an vielen Stellen schon vorher über Wanderwege ins Silbertal abfahren. Weil die Aussicht heute so schön ist, bevorzugen wir die Straßenvariante, um schnell voranzukommen. Neben der Bundesstraße 188 im Montafon verläuft ab Schruns ein schöner Radweg in Richtung St. Gallenkirch. Der Abzweig nach rechts nach Galgenul ist nicht zu verfehlen. Über eine überdachte Holzbrücke führt eine Nebenstraße in die Ortslage. Nach rechts geht es jetzt steil die Straße hinauf. Die Sonne brennt von vorn, da ist jede Wasserstelle willkommen. Kurz vor Mittag erreichen wir Gargellen und können im Supermarkt unsere Vorräte auffüllen. Gleich daneben verführt uns die Sonnenterrasse einer Gaststätte zu einer Mittagsrast. Wir schaufeln Nudeln in uns hinein. Das soll sich rächen. Schwer wie Blei liegen mir die Spaghetti im Magen und die Muskeln fühlen sich überhaupt nicht mehr locker an, als es stramm bergauf weitergeht. An den nächsten Tourtagen werden wir nur noch kurze Pausen machen und ein Happen zwischendurch essen. Unsere Körper vertragen das so besser.
Bis zur Oberen Valzifenz-Alm bei ca. 1850 Metern ist der Talweg zwar steil, auf Grobasphalt aber gut fahrbar. Nun beginnt eine unangenehme Schiebepassage zum Schlappiner Joch, die mit Tragestücken und den schon gesichteten Schneefeldern gewürzt ist. 400 Höhenmeter und gut eine Stunde dauert es und wir sind oben und überqueren die Schweizer Grenze. Wie im Fimber-Tal zeigt nur ein einsames, verrostetes Schild an, dass wir die Euro-Zone verlassen.

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 Der Blick schweift über die Bergketten in Richtung Süden, die etwas im Dunst liegen. Die schwüle Wärme entlädt sich täglich in örtlich begrenzten Gewittern und Regenfällen, von denen wir glücklicherweise fast ganz verschont bleiben. Wer oben am Joch steht und denkt, das Gröbste ist geschafft, der hat sich getäuscht. Wer auf Heckmairs Spuren wandelt, sollte schon einen ausgeprägten Hang zum Bergwandern entwickeln oder ein technische versierter Singletrail-Spezialist sein, der auch mit vollem Transalp-Rucksack verblockte Pfade als Genuss empfindet und sie vielleicht auch ab und zu fahren kann. Wir können und wollen das nicht und machen uns wie am Tag zuvor auf Wanderschaft hinab nach Schlappin. O.k. - die letzten 50 Höhenmeter sind wir dann doch gefahren. Im oft und zu Recht in Tourbeschreibungen gepriesenen Gasthaus Gemsli machen wir Station und beziehen Unterkunft im Touristenlager, das sich im jüngst ausgebauten Stall befindet. Dusche und Toilette sind vorhanden, wir sind die einzigen, was will man mehr? Die Wirtin erzählt uns, das am Sonntag die Bude oft brechend voll mit Mountainbiker ist, die alle am Samstag in Oberstdorf starten. Wir genießen die Ruhe und verweilen noch lange auf der Terrasse, bis uns eine kurzer Regenguss in die Hütte zwingt. Auf jeden Fall kann ich die Übernachtung hier ausdrücklich empfehlen. Das für unsere Verhältnisse hohe Preisniveau in der Schweiz muss man halt ertragen.

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Übernachtungstipps:

Gasthaus Gemsli: (www.gemsli.ch)



3. Tag: Aus der Schweiz nach Italien

04 scaletta 350 DSCN4996Heute müssen wir spätestens in Davos die Entscheidung fällen, bei dieser Tour über den Scaletta-Pass zu fahren oder uns eine Ausweichroute zu suchen. Alle Erkundigungen unterwegs sowie meine eigenen Einschätzung der Schneelage lassen mich stark zweifeln, ob wir das Wagnis angehen sollen. Doch noch sitzen wir beim Frühstück und lassen uns den Bergkäse munden, bevor wir uns auf die Räder schwingen. Zur Einstimmung geht es den Schlappintobel steil hinab nach Klosters-Dorf. Wir folgen der Radroute nach Klosters-Platz, passieren den Bahnhof und müssen kurz auf die stark befahrene Straße nach Davos wechseln. In einer Linkskurve zweigt jetzt der ausgeschilderte MTB-Weg in diese Richtung ab. Wir unterqueren die Bahnlinie und haben mit teils heftig steilen Stücken zu kämpfen. Vorbei an Laret folgen wir dem Weg bis nach Wolfgang. Hier rollen wir dann die Straße hinein nach Davos. Wenn mal will, kann man dann am See entlang radeln. In der Tourist-Information im Zentrum von Davos frage ich zum letzten Male, ob man was über den Scaletta-Pass wisse. Eine freundliche junge Dame sagt mir, dass vor drei Tagen ein Mountainbiker berichtet hätte, dass zwar Biker über den 2600 m hohen Pass gegangen seien, dort aber nach wie vor sehr viel Schnee liege. Damit ist für David und mich die Entscheidung gefallen. Bikegeschleppe über ausgedehnte Schneefelder im hochalpinen Bereich ist das letzte Risiko, was wir aufgrund unserer Erfahrungen eingehen würden. Damit ist auch der Pass Chaschauna tabu.
Die Ausweichvariante ist schnell ausgemacht: Über den Flüela-Pass und weiter in Richtung Ofen-Pass führt eine parallele Variante über die Straße. Der Autoverkehr hält sich in Grenzen. Die Auffahrt zum Flüela ist unproblematisch, nach einer reichlichen Stunde sind wir oben. Es ist deutlich kälter und Schneereste überall, wohin das Auge blickt. Nur eine kurze Pause, damit wir nicht kalt werden, und hinunter geht es nach Susch. Bei der Abfahrt versägen wir erst mal die allseits beliebten Busse der europaweit agierenden Reise-Mafia. Beim Wasserfassen am Abzweig nach Zernez erfreuen wir uns an der langen Autoschlange, die sich dahinter gebildet hat. Weiter rollen wir zügig auf der Straße. Wir ignorieren den Radweg, da wir heute auf jeden Fall in Italien landen wollen. In Zernez beginnt die Auffahrt zum Ofen-Pass. Heute sind einige Rennradler unterwegs, die am Berg zügig an uns vorbeiziehen. In den umliegenden Bergen braut sich der nachmittägliche Regenguss zusammen. Er erwischt uns noch nicht, wir rollen nur bei der Abfahrt zum Punt la Drossa über regennasse dampfende Straßen.

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Am Grenztunnel nach Livigno beratschlagen wir, was zu tun sei. Mir ist zunächst nicht klar, ob der Tunnel für Radfahrer freigegeben ist. Ursprünglich dachte ich, dass wir über die Berge nach Livigno müssten. Zwei einheimische Mountainbiker kommen gerade vorbei und ich frage sie, was Sache ist. Der Tunnel ist für Radfahrer frei und der Weg über die Berge verboten, da er durch den Schweizer Nationalpark führt. Die Ampel schaltet gerade auf Grün und die Autoschlange setzt sich in Bewegung. Wir zum Schluss hinterher, sogar ein Radweg ist auf der einspurigen Straße markiert. David legt auf der sachte ansteigenden Straße ein solides Tempo vor; ich hechle hinterher und versuche Anschluss zu halten, was mir nicht ganz gelingt. Alle 1000 Meter sind Gebläse an der Decke installiert, um die Abgase aus dem Tunnel zu befördern. Unangenehm kühl weht es uns an diesen Stellen entgegen. Nach einer knappen Viertelstunde sind wir draußen und froh, am Punt dal Gall wieder frische Luft atmen zu können.


Achtung: Seit 2008 darf der Tunnel nicht mehr mit dem Rad befahren werden. Es existiert ein kostenpflichtiger Busshuttle für Fahrräder.


Wir radeln über die Staumauer des Lago Livigno zum Grenzübergang und sind in Italien. Noch ein paar Kilometer liegen auf der Uferstraße vor uns. Diese besteht fast durchgängig aus Galerien. Wir müssen die gesamte Länge des Stausees abfahren, dann auf einem Wanderweg noch ein Stück um den See herum. Die Ortslage von Livigno müssen wir nicht durchfahren, sondern gleich am See-Ende eine Holzbrücke überqueren. Ein breiter Rad- und Wanderweg führt uns in Richtung Val di Alpisella. Über den gleichnamigen Passo wollen wir heute auch noch drüber. Am Rifugio machen wir Rast, um uns für den finalen Aufstieg zu stärken.

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Das ist auch notwendig, denn die bestens gepflegte Rad- und Wanderstrecke zum Passo di Alpisella ist teilweise über 20% steil. Mit dem Rucksack auf dem Kreuz und schon über 2000 Höhenmetern in den Beinen ziehen wir es vor, ab und an zu schieben, was nicht wesentlich langsamer ist. Unterwegs holen wir einen einzelnen Mountainbiker ein, der anscheinend auch auf großer Tour ist, sich aber als wenig gesprächig erweist. Na dann eben nicht. Kurz nach 17 Uhr sind wir an der Passhöhe bei knapp 2300 m und ich denke, jetzt radeln wir nur noch entspannt runter zum Lago Cancano und nehmen die erstbeste Unterkunft, von denen es dort einige gibt. Doch wir haben nicht bedacht, dass heute Samstag ist und da zieht es viele Einheimische in die Berge, meist mit dicken Geländewagen; zu viel Bewegung ist gar nicht gut.

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Ich kenne die Gegend in- und auswendig, weil meine Lieblings-Transalp hier entlang führt, so dass keine Hektik aufkommt, als es im zweiten Anlauf auch im Rifugio Fraele nicht klappt: alles "tutto completto". Der Wirt ist ausgesprochen nett und ruft alle umliegenden Herbergen an und wird schließlich in Arnoga fündig. Nur gut, dass meine paar italienischen Brocken ausreichen, um mich einerseits verständlich zu machen und andererseits zu verstehen, dass für uns im "Li Arnoga" nun ein Zimmer reserviert ist. Ich bedanke mich herzlich und flugs geht es weiter. Wir werden heute die 100-km-Marke knacken, so viel ist gewiss. Knapp 20 km haben wir noch vor uns. Zum Glück verläuft der größte Teil davon nahezu höhengleich auf der alten Straße "Decouville" . Es wird ein Wettrennen mit dem Regen. Wenn ein wunderschöner Regenbogen mich nicht zum Fotografieren aufgefordert hätte, wären wir knapp Sieger geworden. So erwischen uns auf den letzten Metern ein paar Tropfen. Im Hotel ist alles klar, man erwartet uns schon. Die Räder werden in der riesigen Tiefgarage sicher verstaut. Wir beziehen ein geschmackvoll eingerichtetes Mansardenzimmer, duschen uns und wechseln in die Abendgarderobe. Das beste Abendessen auf der gesamten Tour wartet auf uns, wie wir gleich mit Vergnügen feststellen werden. Es ist proppenvoll im Restaurant; als Hausgäste bekommen wir aber sofort einen Zweiertisch. Im Halbpensionspreis ist das Abendessen a la carte eingeschlossen. Wir stellen uns aus der umfangreichen Speisekarte ein feines italienisches Menü zusammen und schlemmen wie die Könige. Logisch, ein Grappa zum Abschluss muss sein. Wen also die Routenplanung dorthin verschlägt, sollte nicht lange zu überlegen. Das Hotel "Li Arnoga"(www.arnoga.it) ist allererste Sahne.

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empfohlene Vorzugsvariante: Scalettapass und Pass da Chaschauna

Bei gutem Wetter und wenn nicht zuviel Schnee auf den Pässen liegen sollte, sind diese Übergänge natürlich allererste Wahl. Siehe auch den Tourbericht Schweizroute (4. und 5. Tag).

Impressionen Scalettapass

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Impressionen Pass Chaschauna

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Übernachtungstipps:

Hotel "Li Arnoga"(www.arnoga.it)



4. Tag: Hohe Berge - tiefe Täler

04 350px DSCN1006Ein schöner klarer Tag im Gebirge bricht an. Ich vertrete mir vor dem Frühstück die Beine und genieße die reine, klare Luft in den Bergen. Vor acht Uhr bekommt man in Italien selten etwas zu essen. Wir sind Punkt acht unten und müssen feststellen, dass das Büfett schon das erste Mal leergeräumt ist. Eine Radgruppe ist offenbar hier im Trainingslager. Was Radfahrer vertilgen können, wissen wir selbst am besten. Die Vorräte werden zügig wieder aufgefüllt. Die Stärkung durch das gestrige Abendmahl und dem für italienische Verhältnisse akzeptablem Frühstück werden wir heute gut gebrauchen können. Der Passo Vervo ist "nur" etwas zum Warmwerden nach dem Frühstück. Diesmal ist er beim besten Willen nicht komplett fahrbar. Die Regengüsse der letzten Wochen haben tiefe Spuren in die alte Militärstraße gegraben. Teilweise gleicht die Piste dem ausgetrockneten Bett eines Wildbaches; da hilft nur absteigen und kurz schieben. Nach der Alpe Verva können wir schließlich doch bis zur Pass-Höhe durchfahren.
Bei der Abfahrt müssen wir erst ein kleines Schneefeld umfahren und dann auf der groben Schotterpiste bis Eita höllisch aufpassen, wenn uns die Geländewagen der Einheimischen entgegenkommen. Ein anscheinend wirklich beliebter Zeitvertreib am Wochenende. Einige krasse Außenseiter versuchen es doch tatsächlich mit dem klassischen Wandern - wie uncool. Ab Eita versägen wir rasch die rund 1000 Höhenmeter hinunter nach Grosio und schauen bei Jim Pini im "Hotel Sassella" herein. Wir freuen uns über das Wiedersehen und bekommen Cappuccino und Kuchen kredenzt. Heute wird hier nicht übernachtet, sondern es geht weiter das Valtellina hinab.

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Ein echter Hammer wartet auf uns: der Passo Foppa (oder auch Mortirolo). David und ich sind ihn zwar schon einmal gefahren, aber nicht von Mazzo di Valtellina aus. Gnadenlos und fast durchgängig mit einer Steigung von 15-20% windet sich die schmale Asphalt-Piste nach oben - ein weiterer Klassiker des Giro d'Italia, wie die zahlreichen anfeuernden Aufschriften auf der Straße dokumentieren. Selbst Lance Armstrong, der den Pass zu Trainingszwecken befahren hatte, zollte diesem Scharfrichter seinen Respekt, als er oben war, sicher deutlich schneller als wir. Kurz vor der Passhöhe lädt ein Imbisswagen zur Rast ein, die wir bitter nötig haben. Die gegrillte Wurst duftet, so eine müssen wir auch verdrücken.
Frisch gestärkt sind wir heilfroh, endlich oben zu sein und befahren nun eine kleine wellige Straße auf dem Höhenzug, der das Valtellina östlich begrenzt. Bis Trivigno verläuft sie in einer Höhe um die 1800 Meter. Ein paar kleine giftige Anstiege sorgen dafür, dass wir nicht aus der Übung kommen. Am Ende des Tages werden wieder mehr als 2000 Höhenmeter im Roadbook stehen. Endlich geht es auf Nebensträßchen bergab nach Aprica, einem typisch italienischem Urlaubsort in den Bergen. Wir fackeln nicht lange, nehmen die erstbeste Unterkunft, die uns über den Weg läuft und quartieren uns im Hotel "Funivia" ein. Es wird vorwiegend von Rentnern frequentiert, was uns zumindest Ruhe garantiert. Mit etwas mehr Zeitaufwand hätten wir sicher noch was Besseres gefunden. An Hotels mangelt es nicht in Aprica, aber uns reicht es für heute.

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empfohlene Vorzugsvariante: Eita - Fusino

wie 4. Tag Albrecht-Route_v2: schöne Schotterpiste von Eita nach Fusino

Fusino oberhalb 04 karrenwegIMG 3290 grosio

Variante: Passo Foppa - Mortirolo

Normalauffahrt wie Albrecht-Route: Variante 5. Tag (Grosio - Passo Foppa)



5. Tag: Hochgebirgswandern

wandern 350 DSCN5049Mehr oder minder gestärkt nach dem italienischen Frühstück ziehen wir weiter. Parallel zur Hauptstraße geht es durch kleine Gassen kurz bergab bis auf ca. 940 Meter. Dann biegen wir links ab, erwischen durch Befragen eines Einheimischen einen uralten Karrenweg, der uns ins Tal bringt, indem der Lago Belviso liegt. Die Straße wird gleich zur Schotterpisten und immer steiler, bis wir an der Staumauer das heftigste Stücke wischen. Gerade ist eine Wandergruppe mit unzähligen Autos angekommen, die sich nun startklar für eine Wanderung am paradiesisch gelegenen See machen. Uns bleibt nichts anderes übrig also so zu tun, als ob dieser Anstieg die leichteste Übung für uns ist. Mit etwas gequältem Lächeln ziehen wir vorbei und können uns auf dem Weg, der am See entlang führt, erst mal entspannen. Am Ende des Sees zweigt nach links das Val Campo ab. Die Orientierung ist hier nicht ganz eindeutig. Das Schild gibt den Weg 311 Richtung Malga Demignone an. Von Malga di Campo, wo wir hin wollen, steht gar nichts. Der Weg wird gleich sehr steil und dient als Zubringer für die Almen. Zum Glück kommt mir ein Jeep entgegen und ich kann nach den Weg fragen. Zur Malga Campo geht es bei der nächsten Weggabel geradeaus und dann über eine kleine Brücke. Kurz danach passiert man zwei Steinhütten. Der Forstweg bleibt bis zur Malga sehr steil und ist nur teilweise fahrbar. Konditionstiere werden es komplett schaffen.
Die Malga di Campo liegt auf einer kleinen Hochebene und wird bewirtschaftet. Ein paar Hunde begrüßen uns als Abwechslung in der Einsamkeit. Einer knurrt ein wenig, die anderen schnüffeln an uns rum, wahrscheinlich wegen des strengen Wildgeruchs. Auch der Bauer erscheint auf der Bildfläche und die Hunde werden ruhiger. Sein Alter ist schwer einzuschätzen. Sein Gesicht ist sonnengegerbt und zeugt von der schweren Arbeit hier oben.

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 Er freut sich offensichtlich über die Abwechslung und ich bin auch froh, einen kleinen Plausch zu machen und mich nach dem weiteren Weg zum Passo del Venerocolo erkundigen zu können. Als deutlichen Einschnitt in der Bergkette haben wir ihn schon ausmachen können, auch die Schneefelder, die auf uns warten. "Sempre destra", "immer rechts halten", gibt er mir als Rat mit auf den Weg. Bis zum Talschluss können wir auf dem Almweg gerade so fahren, dann ist Schluss mit lustig. Wir müssen ein erstes Schneefeld überwinden. Der Pfad zum Pass ist als solcher überhaupt nicht zu erkennen, was eigentlich untypisch ist. Wir entdecken dann doch Markierungen auf den Steinen, die wir wieder verlieren und wuchten unsere Räder eine verblockte sehr steile Wiese nach oben. Der Weg bleibt verschwunden. Zum Glück ist uns klar, wo wir hin müssen, da wir den Pass sehen. Mit äußerster Vorsicht überqueren wir eine schneegefüllte Rinne und arbeiten uns durch ein Labyrinth aus mannshohen Felsblöcken hindurch. Plötzlich sehen wir wieder die Markierungen. Wir sind wieder auf dem Pfad und sehr erleichtert. Wie jetzt unschwer zu erkennen ist, verläuft der Weg vom Talschluss so ziemlich in der Direttissima zur Passhöhe. Zur Zeit ist er halt leider durch Schneefelder verdeckt. Ein solches wartet noch auf uns. Es ist einigermaßen passierbar, da nicht so steil und aus festem Schnee.

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Am Pass sitzt ein Wanderehepaar und macht Rast. Endlich sind wir oben und grüßen erst mal freundlich mit "Buon giorno!" Der Mann fragt gleich nach dem Woher und Wohin, was mir sehr Recht ist, um an Informationen über unseren weiteren Weg zu gelangen. Seine Frau fragt, ob wir Deutsche seien und hängt noch eine Bemerkung an. Ich vermute, es könnte etwas mit "verrückt, übergeschnappt" zu tun haben. Vielleicht hat sie nicht ganz Unrecht, denn am Ende dieser Etappe werden wir uns fragen, warum wir uns das immer wieder antun. Alles in allem hat der Aufstieg "nur" rund 75 Minuten gedauert. Uns kam es viel, viel länger vor. Zunächst verdrücken David und ich unser zweites Frühstück und peilen dann die Lage. Hinter dem Pass liegt ein kleiner See, auf dem noch Eisschollen schwimmen. Der Weg gabelt sich. Bei der Planung nach Kartenlage (Kompass Nr. 94) hatte ich mich für den Weg 416 entschieden, der über den Passo del Gatto zum Passo Vivione führt. Da er sich scheinbar an den Bergflanken entlang schlängelt, hegte ich die Vermutung, es könnte eine alter Militärweg sein, die oft fahrbar sind. Ich musste nun feststellen: Es irrt der Mensch, so lang er strebt. Wenigsten wandern wir beide nun durch einsame Hochgebirgslandschaften und das Fahrrad lässt sich ganz leidlich schieben. Aus einer kleinen Felsspalte am Passo del Gatto lächelt mich eine kleine Madonnenstatue an. Sie scheint mir zu zuflüstern: "Der Herr behüte dich auf deinen Wegen, auch den irrigen!" Amen!

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Irgendwann hat die Wanderschaft am Passo Vivione ein Ende, die letzten 20 Höhenmeter können wir sogar wieder fahren; wie schön! Zu allem Überfluss beginnt sich die Regenwolke zu entladen, die sich in den letzten Stunden aufgebaut hat und hinter uns hergezogen ist. Wir überlegen nicht lange, ziehen die Regenklamotten an und fahren ins Valle Camonica ab. Bald müssen wir doch eine Regenpause einlegen. Das gibt mir Gelegenheit, über eine sinnvollere Strecke nach dem Passo Venerocolo nachzudenken (Das Ergebnis des Nachdenkens und Recherchierens findet sich in der unten beschriebenen Variante).
Bei der Abfahrt hört es bald auf zu regnen. Wir ziehen in Forne Allione unser Regenzeug aus, trinken einen Cappuccino und beratschlagen kurz, wie weit wir heute noch fahren wollen. Ein Stückchen rollen wir noch die Straße Richtung Breno hinunter, dem starken Verkehr ausgesetzt. In Capo di Ponte reicht es uns. Auf einem Schild entdecken wir einen Hinweis auf das "Albergo Cumilí". Im Ortszentrum haben wir es gleich gefunden. Der Augenschein überzeugt uns und wir machen die Unterkunft klar. Die Bikes werden sicher im Vorratskeller verwahrt. Wir betreiben Ausrüstungs- und Körperpflege und laufen dann durch das kleine verträumte Örtchen, offensichtliche keine Touristenhochburg. Das ist uns sehr Recht. Nach dem ordentlichen Abendbrot nehmen wir unseren bewährten Schlummertrunk zu uns: 2 Bier und wichtig, einen Grappa. Der lockert die Muskulatur. Wir haben keine Probleme mit dem Einschlafen.

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empfohlene Vorzugsvariante: Gran Tour Venerocolo

Ab Aprica entweder mit der Seilbahn oder aus eigener Kraft hinauf zur Bergstation der Magnolta-Seilbahn. Von dort weiter auf dem alten Militärweg in Richtung Passo di Venerocolo. Der wurde hergerichtet und führt als schöner Höhenweg zum Pass. Gefahren mit Alcide Pancot - danke für den schönen Tag.

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empfohlene Vorzugsvariante: Passo di Campelli

Ab Passo Vivione bergab in Richtung Schilpario. Beim Rifugio Bagozza links auf grober Schotterpiste meist gut fahrbar zum Passo di Campelli. Dieser Übergang bietet herrliche Ausblicke zur Adamello-Gruppe und führt dann auf Nebenwegen direkt nach Breno. So umgeht man die ätzende Talfahrt auf der SS 42 zwischen Edolo und Breno: siehe auch 7. Tag Schweizroute.



6. Tag: Die lange Auffahrt - Passo Croce Domini

06 350px DSCN1105Je weiter wir nach Süden gelangen, umso tiefer werden die Täler und umso spärlicher wird das Frühstück. Na ja, für uns reicht's. Wir haben vorsorglich gestern Abend beim Stadtbummel unsere Ration Schinken und Käse für den Tag eingekauft. So können wir bestimmen, wann wir Essensrast machen. Die halten wir immer kurz, damit wir nicht aus dem Rhythmus kommen. Doch zuerst rollen wir flott die Straße nach Breno hinunter, immer auf der Hut vor dem Verkehr, den wir nun endlich hinter uns lassen. Zum Passo Croce Dominii und weiter in Richtung Doss dei Galli liegen so ziemlich 1800 Höhenmeter am Stück vor uns. Ich verschwende keinen Gedanken an die Möglichkeit, über Bienno einen ausgewiesenen MTB-Weg nach oben zu fahren. In einigen Berichten hatte ich gelesen, dass das Sträßchen im unteren Teil zwar auf Grobasphalt verläuft, aber mit 20-30% Steigung mörderisch steil ist. Weiter oben soll sie flacher werden, der Belag aber in so etwas wie "Eisenbahnschotter" (Originalzitat) übergehen. "Ankommen" und nicht "Abkotzen" heißt für uns die Devise. Die Provinzstraße SP 345 ist heute kaum befahren und nicht übermäßig steil. Trotzdem ist es eine gewaltige Fleißaufgabe. Zum Glück bewölkt sich der Himmel leicht, so dass es nicht zu heiß wird. Gegen 12 Uhr bin ich oben und warte ein paar Minuten auf David, der bei der Auffahrt Sitzprobleme bekommen hat. Auf der Terrasse des Gasthauses vertilgen wir unsere Vorräte. Drinnen gibt es heute nur Pasta. Wir haben Appetit auf Suppe, leider gibt es die nicht. Zu unserem Tagesziel Idro-See führen von hier aus etliche Varianten. Wir folgen der SP 345, die als Schotterpiste in Richtung Doss dei Galli verläuft. Bei den Anstiegen gibt sie uns heute den Rest. Im Schneckentempo schleichen wir die Serpentinen hoch. Endlich ist das Ende in Sicht.

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Am Doss dei Galli ragen riesige futuristisch anmutende Sende- oder Empfangsanlagen in die Höhe. Eine Stichstraße führt hinauf, heute für uns keine Versuchung. Wir sind froh, dass die Piste wieder in Asphalt übergeht, so dass der finale Anstieg einigermaßen erträglich ist. In Richtung Monte Maniva haben wir den weiteren Verlauf der Strecke immer gut im Blick. In einer Spitzkehre sehen wir einen Schotterweg, der geradeaus weiterführt in Richtung Passo Maniva. Den befahren wir und vermeiden so unnötigen Höhenverlust, wenn wir auf der Straße geblieben wären. Am Passo trinken wir den Nachmittags-Cappuccino und blicken von der Terrasse hinunter nach Bagolino. Dabei entdecken wir, dass ein direkter Weg hinunter geht. Es ist eine alte Straße in mäßigen Zustand, zumindest im oberen Teil. Die ursprüngliche Planung sah vor, auf der Piste in Richtung Dosso Alto zu fahren, um bei Anfo den Idro-See zu erreichen (ist in der Tat besser - siehe beschriebene Variante). Das Tal liegt aber so verlockend vor uns und wir haben wirklich keine Lust mehr auf zusätzliche Höhenmeter. Also nicht lange gefackelt und hinab geht's. Ein wirklich feines Sträßchen, in der Kompass-Karte Nr. 103 als solches überhaupt nicht zu erkennen. Je tiefer wir kommen, um so schwüler wird die Luft. Wir halten an einer der Wasserstellen und füllen die Flaschen nach. In den letzten Kurven fühlt sich meinen Hinterreifen etwas schwammig an. Ein schleichender Plattfuß, wie ich bemerken muss; die einzige Panne auf der Tour. Ich pumpe nach und es hält bis Storo, unserem heutigen Etappenziel. Am Idro-See kommt schon Gardasee-Feeling auf. Wir rasten kurz am See-Ufer. Nach Baden ist uns nicht zumute, da sich wieder ein Gewitter in den Bergen zusammenbraut. Wir sehen zu, dass wir weiter kommen und rollen zügig auf dem Radweg von Ponte Caffaro bis Storo. Es grummelt und blitzt hinter uns, so dass wir nicht lange überlegen und uns in der anscheinend einzigen Bleibe in Storo, dem "Albergo Firi" einquartieren. Ich mache mich an den Schlauchwechsel und stelle dabei fest, dass sich mein Ersatzschlauch nicht aufpumpen lässt. Schön blöd von mir, das nicht vorher getestet zu haben. David überlässt mir seinen und schnell ist die Fahrbereitschaft wieder hergestellt. Am Abende gibt es vor der Herberge noch ein kleines Konzert mit Orgel und Schlagzeug im Stile guter Bar-Musik. Wir hören in der seidenen Abendluft eine Weile zu, trinken unsere homöopathische Dosis Grappa und freuen uns darauf, morgen am Gardasee anzukommen.

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empfohlene Vorzugsvariante: Passo Maniva zum Idrosee

An der Flanke des Dosso Alto schlängelt sich eine alte Militärstraße entlang.  Von der landschaftlichen Charakteristik her ähnlich wie der Tremalzo, jedoch viel einsamer, führt sie lange auf der Höhe bis zum Rifugio Rosa Baremone und weiter bis nach Anfo am Idro-See. Auf jeden Fall die bessere Wahl.



7. Tag: Grande Finale über den Tremalzo

07 350px DSCN1115Wir sind voll Tatendrang und wollen um acht Uhr frühstücken. Doch wir stehen vor verschlossenen Türen, genau wie eine andere Gruppe von Transalplern, die hier übernachtet hat. Wir kommen weder in den Gastraum, noch in die Bikegarage und schon gar nicht aus dem Haus heraus. Als wir dann endlich so zehn nach acht Uhr Schlüssel klappern hören, wird uns klar, dass wir über Nacht eingeschlossen waren. Im Falle eines Brandes hätte das dumm ausgehen können. Wir trösten uns mit der Aussicht auf das Frühstück. Das geht erstaunlich schnell, weil es ausgesprochen mager ausfällt. Ein Glas O-Saft, ein Cappuccino und als Veralberung für den Magen ein größeres Stück Gebäck in der Art eines Pfannkuchens, das beim Zubeißen allerdings sehr luftig wirkt. Vorsichtshalber bestellen wir uns jeder ein Panino mit Salami und Käse nach. Das müssen wir teuer bezahlen (4,50 EUR pro Stück), wenigstens schmeckt es ganz gut. Ein paar Energieriegel haben wir auch noch; wir werden es schon schaffen. Wir kommen kurz mit der anderen Gruppe ins Gespräch, vier Männer und eine Frau, die schon etwas abgestrapst wirken. Sie waren auf der Heckmair-Route unterwegs und sind tatsächlich über den Scalettapass gegangen: ewiges Bikegeschleppe im Tiefschnee, wie sie uns erzählen. Wer sich das antun will, muss es halt machen. Zum Abschluss wollen sie, wie wir, über den Tremalzo. Sie brechen etwas früher auf und rollen bergab, nach Storo zurück. Das irritiert mich doch sehr. Ich bin mir sicher, dass wir bergauf Richtung Passo Ampola und Ledro-See fahren müssen. Ich bin so perplex, dass ich vorsichtshalber einen Einheimischen frage, der mir die Richtung bestätigt. Wir haben die andere Gruppe nicht wiedergesehen.

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David und ich können nun entspannt die SS 42 hochkurbeln. Zu dieser frühen Morgenstunde ist noch nicht viel Verkehr, den wir ganz hinter uns lassen, als wir an der Locanda Ampola abbiegen. Hier beginnt die Straße zum Tremalzo, früher eine Schotterpiste, seit einigen Jahren aber asphaltiert und leicht zu fahren. Noch sind wir nicht ganz sicher, ob wir zum Abschluss nach dem Tremalzo die alte Ponale-Straße direkt nach Riva hinein fahren können. Aber die positiven Anzeichen verdichten sich. Ich sage im Scherz zu David: "Wenn der Bike-Shuttle in Torbole um zehn Uhr startet und die Weicheier hochschaukelt, müsste uns das Fahrzeug gegen halb elf passieren." Fast auf die Minute genau trifft meine Vorhersage ein. Wir grinsen uns einen und strampeln weiter. Am Rifugio Garda beginnt dann die legendäre Schotterpiste am Tremalzo. Vorher gönnen wir uns noch einen Cappuccino. Der Wirt bestätigt mir, dass die Ponale-Straße offen ist. Wir ziehen frohlockend los. Als wir bei der traumhaften Schotterabfahrt den Lago im Sommerdunst vor uns liegen sehen, machen wir noch einmal kurz Rast und vertilgen die Reste des Paninos von heute morgen. Am Passo Nota beginnt eine der schönsten Passagen, die man am Gardasee fahren kann. Nach dem Erdrutsch von 1999 zwischen Riva und Limone war die Ponalestraße zwischen Riva und Pregasina gesperrt, sehr zum Leidwesen aller Mountainbiker am Gardasee. An der Baita Segala füllen wir Wasser nach. Nach wie vor versorgt die Sektion Limone des italienischen Alpenvereins die Gäste in der Hütte mit Getränken: Wasser, Bier, Wein. Was der Wanderer oder Radfahrer als Obolus hinterlässt, ist seinem Gutdünken überlassen und wird in den Geldschlitz einer "Kasse des Vertrauens" eingeworfen, die ins Mauerwerk eingelassen ist. Zufällig sind zwei Männer vom Verein da. Ich bedanke mich herzlich für die Versorgung und sie bestätigen mir endgültig, dass das Traumfinale Wirklichkeit wird. Nun gibt es für uns kein Halten mehr. Wir überwinden die letzten Trail-Passagen zum Passo Rocchetta mit Genuss und erfreuen uns ab der Malga Palaer an der Abfahrt auf dem uralten Karrenweg nach Pregasina. Immer wieder halten wir an einem der vielen Aussichtspunkte an und können uns an den Blicken auf den Lago kaum satt sehen. Schließlich landen wir auf dem als Wanderweg wiedereröffnetem Stück, dass fast noch schöner zu fahren ist als früher. Der Weg ist als ca. anderthalb Meter breiter Sentiero angelegt. Die restliche Breite ist mit Erde aufgefüllt und es sind ein paar Kurven bzw. Schikanen eingebaut, damit die Biker nicht zu sehr runterheizen.

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Wir sind natürlich rücksichtsvoll und erschrecken keine Wanderer, die schon recht zahlreich zu Gange sind. Lange war nicht klar, ob es Radfahrern überhaupt erlaubt werden sollte, die alte Straße zu benutzen. Letztlich haben sich die Interessen der Tourismusverbände gegen die örtliche Bürokratie durchgesetzt, was zu einer Duldung des Radverkehr geführt hat. Hoffen wir, dass das so bleibt. Bei entsprechender gegenseitiger Rücksichtsnahme zwischen Wanderern und Radfahrern sollte das eigentlich kein Problem darstellen. David und ich genießen in vollen Zügen diese schönste aller Möglichkeiten, eine Transalp zu beenden und rollen zum Hafen von Riva, wo wir kurz Resümee ziehen. Eine einsame, anstrengende, aber auch beeindruckende Transalp liegt hinter uns. Alles ist gut gegangen. An der Routenführung muss ich noch ein bisschen basteln (was mir dann auch gelungen ist - siehe Fazit). In Torbole am Strandcafe endet die Reise dann traditionsgemäß endgültig. Ein kleines Empfangskomitee hat sich zusammengefunden: meine Simi und Tino. Matze und Reiner sind auch da, die uns im September bei der nächsten Transalp begleiten werden (Bemerkung: das wurde dann die Albrecht-Route).

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Alternative:

Wenn das Wetter nicht passt oder man mit der Kraft am Ende ist, kann man ab Passo Ampola leicht und einfach auf dem Radweg in Richtung Lago di Ledro fahren. Diesen dann auf der rechten Seite über Pur umfahren und bergab über Pre zur Ponale-Straße.

Übernachtungstipps:

Villa Stella: Via Strada Granda, 104 - 38069 Torbole Tel + 39 0464 505354, www.villastella.it
Aktivhotel Santalucia Via Santa Lucia 6, (Gps Via Pontalti), I-38069 TORBOLE SUL GARDA (TN), Tel.: 0039-0464-505140, www.aktivhotel.it
Tonelli-Hotels in Riva und Nago:  www.tonellihotels.com



Fazit

07 Caplone 350px DSC07149Wenn man der Heckmair-Route folgen will, aber definitiv keine Lust auf die extreme Passage über den Passo di Campo hat, findet man in der hier beschriebenen Route eine gute Alternative. Die aus der Wetternot heraus genutzte Straßenvariante über den Flüelapass gibt einen die Sicherheit, bei dieser Transalp auch anzukommen. Durch den neuen Weg von Aprica über Magnolta verliert auch der Passo di Venerocolo seinen Schrecken.
Der Abschluss über den Tremalzo ist das krönende Highlight einer Transalp, wobei ich da noch einen drauf setze. Vom Idro-See führt eine zunächst sehr steile Route ab Bondone über die Malga Tombea zur Bocca di Caplone. Von dort folgt eine wunderschöne Traverse entlang des Monte Caplone zum Tremalzo. Ein paar wenige Schiebestücke sind dabei für die meisten sicher nicht zu vermeiden, man umgeht dadurch aber die recht lange Straßenpassage von Storo aus zum Passo Ampola und hoch zum Rifugio Tremalzo. Die Bilder sprechen für sich.
Schade, dass Heckmair nicht selber an seiner Route gearbeitet hat. Das ist aber keine Kritik: Ehre, wem Ehre gebührt. Andererseits eröffnet mir das die Chance, diesen "Verbesserungsvorschlag" zu unterbreiten. Mir ist erst bei der Überarbeitung des Tourberichtes für das neue Webseiten-Layout so richtig aufgegangen, welches Potenzial in dieser Route steckt.


Impressionen von der Strecke am Monte Caplone

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Vorzugsvariante in 7 Etappen

Strecke (siehe auch Online-Map am Anfang des Tourberichtes)

Oberstdorf - Schrofenpass - Dalaas - Schlappiner Joch - Davos - Scaletta - Livigno - Passo Alpisella - Arnoga - Passo Verva - Grosio - Passo Foppa - Aprica - Passo del Venerocolo - Passo del Gatto - Passo Vivione -Passo di Campelli Breno - Passo Croce Dominii - Passo Maniva - - Idro-See - Bondone - Bocca di Caplone - Tremalzo - Gardasee

Die in meinem Webshop erhältlichen GPS-Tracks und Kartenscans entsprechen dieser Vorzugsvariante.

Länge: ca. 450 km
Höhenmeter: ca. 15.000 hm

1. Tag: 59 km, 1630 hm
Oberstdorf - Schrofenpass - Warth - Lech - Zug - Freiburger Hütte - Dalaas

2. Tag: 42 km, 2190 hm
Dalaas - Kristbergsattel - Schruns - Galgenul - Gargellen - Schlappiner Joch - Schlappin

3. Tag: 53 km, 1780 hm
Schlappin - Klosters - Davos - Dürrboden - Scalettapass - S-chanf - Parkhütte Varusch

4. Tag: 75 km, 2100 hm
Varusch - Pass Chaschauna - Livigno - Passo di Alpisella - Lago Cancano - Decouville - Arnoga - Passo di Verva - Grosio

5. Tag: 73 km, 2650 hm
Grosio - Passo Foppa - Passo Mortirolo - Alpe Möta - Trivigno - Aprica - Malga Magnolta - Passo del Venerocolo - Passo del Gatto - Passo Vivione

6. Tag: 79 km, 2400 hm
Passo Vivione - Rif. Bagazzo - Passo Campelli - Breno - Passo Crocedomini - Passo Maniva - Passo Dosso Alto - Anfo - Idrosee

7. Tag: 70 km, 2500 hm
Idrosee - Bondone - Bocca di Camplone - Malga Tombea - Malga Lorina - Malga Ciapa - Tremalzo - Passo Nota - Baita Segala - Pregasina - Riva - Torbole


Höhenprofil der Vorzugsvariante

Heckmair ala Albrecht Vorzugsvariante hohekorrigiert

Wegeverteilung Vorzugsvariante

untergund vorzugsvariante


Meinungen und Rückmeldungen


Datum: 24.07.2017
Michael
Heckmair a la Albrecht

Letzte Woche bin ich die Tour mit drei Freunden gefahren. Wir hatten nur sechs Tage und haben deshalb den ersten Tag streichen müssen (schade, aber der Ankunft in Riva war uns wichtiger). Somit sind wir ab Bludenz - wo man gut mit dem Zug hinkommt - losgefahren und ab circa St. Gallenkirch auf deiner Route gewesen.

  1. Bludenz nach Schlappin
  2. Varusch
  3. Grosio
  4. Vivione
  5. Storo (am nördlichen Ende vom Idrosee)
  6. Riva bzw. Torbole

Am Tag zwei haben wir spontan eine kleine Alternative nach S'chanf gefunden - über einen Forstweg nachdem man fast ganz unten ist. Der Unterschied ist eher minimal, aber dennoch ganz nett (siehe Anhang). Insgesamt fand ich Scalettapass ziemlich Klasse, weil vieles fahrbar war (auch bergauf).
Am Tag drei sind wir die Trailalternative runter nach Grosio gefahren, die fand ich toll.
Tag vier war ganz schön spektakulär. Leider sind große Teile vom Passo del Gatto Downhill nicht fahrbar - weil zu verblockt, zu kaputt, zu ausgesetzt. Aber die Fahrt dahin hatte es wirklich in sich - sowohl landschafts- als auch fahr-technisch.
Am Tag fünf hatten wir eine Alternative Abfahrt zum Idrosee vorgeschlagen bekommen, u.a. weil einer meiner Freunde die normale Abfahrt mit dem Auto gefahren ist, und deshalb nicht der Meinung war, es würde sich mit dem Bike lohnen. Leider war das kein voller Erfolg: Oben unmittelbar unterhalb vom 1.Weltkriegsfestung sind wir über kleine Pfade mit dem Rad hoch- und runter-maschiert auf sehr schmale und teilweise ganz schön ausgesetzte Pfade. Erst ziemlich weit unten wurden sie tatsächlich fahrbar und dann auch ganz nett. Aber der Anteil, der geschoben und getragen werden muss, kompensiert das nicht wirklich ausreichend. Diese alternative Streckenführung war auch der Grund für die Übernachtung in Storo. Strecke ist angehängt.
Ich hatte mich sehr auf den alternativen Tremalzo-Aufstieg gefreut, aber die Gruppe hat sich für die kürzere Streckenführung über Landstrasse nach Tremalzo spontan entschieden, zum einen um zeitig am Gardasee anzukommen, zum anderen um überhaupt nach den Anstrengungen der letzten Tage anzukommen - und ich bin dann gefolgt. Schade, aber wohl in der Situation für uns eine gute Entscheidung. Ein anderes Mal mache ich dann die andere Tour nach Tremalzo.
Insgesamt eine sehr gelungene Tour bei tollstem Wetter (weder Regenschutz noch überhaupt Jacken in Verwendung gehabt).  

Herzliche Grüße aus München

Michael