Transalp.info by Andreas Albrecht

Karwendel - Brenner - Route


1. Tag: Karwendel

02 350px IMG 3389Zwei Tage vor dem eigentlichen Tourstart war ich schon nach Seefeld angereist, um noch ein paar Wege zum Inntal und im Axamer Lizum zu recherchieren. Das erfolgte in drückender Hitze. Genau zum Tourstart stellte sich dann die Wetterlage um - wie sollte es auch anders sein.
Am Sonntagmorgen rolle ich von Seefeld die paar Kilometer hinunter nach Mittenwald. Dunkle Wolken hängen am Himmel. Am Bahnhof in Mittenwald treffen wir uns. Leise beginnt es zu tröpfeln. Wir bleiben noch eine Weile unter dem Schutz des Vordachs stehen, reden und stimmen uns auf die Tour ein. Nach Art der Bergvagabunden soll sie ablaufen. Start, grobe Linie und Ziel stehen fest. Wo es uns im Lauf der Etappen hintreiben wird, ist offen. Wir waren schon oft zusammen auf Tour. Alle wissen, was uns erwartet, so kommt trotz der Warterei vor dem Start keine Hektik auf. Schließlich hört der Nieselregen auf und wir fahren los. Die Karwendeldurchquerung ist ein klassischer und sehr schöner Beginn einer Transalp. Sofort gerät man in den Bann des Alpenpanoramas. Der Weg ist nicht zu verfehlen und leicht zu befahren.
Wir können uns gut vorstellen, dass im langgezogenen Karwendeltal schon sehr früh Fahrräder ihre Spuren hinterlassen haben. Für die Kletterer und Bergvagabunden des vergangenen Jahrhunderts war das Fahrrad auch schon ein flexibles und preiswertes Fortbewegungsmittel, um große Strecken in den Alpen zu überbrücken. Ohne technischen Schnickschnack, nur mit Ballonreifen wurden damals schon die Täler befahren. Ich bin mir sicher, der Hochalmsattel und das Plumsjoch - unsere heutigen Zwischenziele - sind schon vor Jahrzehnten mit dem Fahrrad bezwungen worden. Heute haben wir es allerdings deutlich leichter, wenn wir die Schotterwege befahren. Vollfederung ist inzwischen Quasi-Standard für Transalpler und Scheibenbremsen machen selbst steilste Abfahrten zu einem ziemlich ungetrübten Vergnügen. Nur in die Pedale treten müssen wir schon noch selber, aber das wollen wir ja auch.
Zügig erreichen wir den ersten größeren Anstieg zum Hochalmsattel. Das Karwendelhaus markiert gut die zu erreichende Höhe. In langgezogenen Serpentinen zieht sich der Weg hinauf. Jeder findet seinen Rhythmus, am Sattel treffen wir wieder zusammen. Eine Rast am Karwendelhaus lassen wir aus, zu ungewiss ist die weitere Wetterentwicklung. Zudem ist es sehr kalt, obwohl Ende Juli Hochsommer sein sollte. Also dick angezogen und abwärts geht's in Richtung Rißtal. Der Forstweg ist gut fahrbar und führt über den Kleinen Ahornboden hinunter zur Mautstraße. Die Schluchtstrecke im Johannestal ist aus wegeversicherungsrechtlichen Gründen zwar offiziell gesperrt, aber eigentlich kein wirkliches Problem. Sicher, es geht spektakulär an der Abbruchkante zur Schlucht entlang. Der Fahrweg ist allerdings breit genug, so dass mit entsprechender Vorsicht diese Passage leicht zu meistern ist. Wie dem auch sei, eine alternative Strecke ist vorhanden. Sie ist mit ein paar zusätzlichen Höhenmetern verbunden und führt genauso gut ins Rißtal. Dort machen wir an der Garberlalm erst einmal Mittagsrast und beratschlagen dabei, wie weit wir heute noch zu fahren gedenken.
Vor uns liegt noch das Plumsjoch, das den Übergang zum Achensee darstellt - ein leicht zu fahrender Pass. Die legendäre Plumsjochhütte kann man dabei ansteuern, muss es aber nicht. Am Joch finden wir wieder zusammen und beginnen die sehr steile Abfahrt zur Gernalm. Mit Scheibenbremsen überhaupt kein Problem, frühere Bezwinger per Rad werden mit einer Rücktrittbremse wohl ihre Problem gehabt haben. Je weiter wir ins Tal hinunter kommen, umso wärmer wird es. Den Achensee passieren wir in kurzen Trikots und folgen dem Radweg, der nach dem Ort Eben als Rodelbahn hinunter nach Jenbach ausgeschildert ist. Heute liegt kein Schnee. Bei Fischl queren wir nach rechts zur alten Kasbachstraße und sind flugs in Jenbach. Im Ortszentrum wechseln wir dann auf den Innradweg, der uns rasch über Schwaz nach Pill bringt. Das Wetter hat sich deutlich gebessert. Wir beschließen, heute noch bis Weerberg zu fahren. Das sind ein paar leichte Höhenmeter, die wir uns morgen früh nicht noch zusätzlich aufladen wollen, denn morgen soll der Alpenhauptkamm bezwungen werden. Gut 400 Höhenmeter über dem Inntal finden wir im zweiten Anlauf eine ordentliche Bleibe. Nur zum Abendessen müssen wir bis zum nächsten Gasthof ein paar Meter laufen. Das tut aber gut und lockert die Muskeln schon ein wenig vor, damit die muskuläre Tiefenentspannung mit Hilfe eines Weißbieres und eines Obstlers auch garantiert vollendet wird.

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Übernachtungstipps:

Gasthaus Schwannerwirt,  A-6133 Mitterberg 59, Telefon: 0043-5224-68568     www.schwannerwirt.com
Hotel Garni Regina, Mitterberg 11, A-6133 Weerberg, Tel.: +43 5224 68155  Mobil: +43 676 9444093  www.hotelgarni-regina.at