Transalp.info by Andreas Albrecht

Karwendel - Brenner - Route


2. Tag: Hochalpines Ambiente - Geiseljoch, Tuxerjoch

opner 350 P1010174Der strahlende Morgen verheißt einen schönen Tag. Für die vor uns liegende Etappe können wir das gut gebrauchen. Es soll die Königsetappe werden, an deren Ende wir mehr als 2500 Höhenmeter in den Beinen haben werden. Los geht es mit einigen, wenigen Kilometern zum Einrollen. Auf dem Weerberger Plateau fährt es sich wie auf einem riesigen Balkon, von dem man aus weit ins Inntal schauen kann. Nach der Ortsmitte von Weerberg geht es nun langsam, aber stetig bergauf, zunächst auf Asphalt bis Innerst. Dann ein kleiner Trail bis zur Forststraße, die sich relativ moderat zur Nafingalm hinzieht. Dort ist die Weidener Hütte ein beliebter Rastpunkt und Übernachtungsort für Transalpler. Wir wollen heute allerdings so weit wie möglich kommen, weil das gute Wetter in Tirol nur einen Tag halten soll. Die Pause fällt deshalb nicht zu lange aus. Bis zum Geiseljoch sind es von hier aus noch rund 500 Höhenmeter, also eine gute Stunde. Normalerweise gehört dieser Übergang zu den ziemlich komplett fahrbaren Pässen in den Alpen. Je weiter wir aber in die Höhe gelangen, umso kräftiger wird der Wind. Auf dem schmalen Pfad zum Joch bläst er dann mit Sturmstärke direkt von vorn und versetzt mit tückischen, böigen Wirbeln. Auch wenn der Pfad nicht wirklich ausgesetzt ist, Schieben ist bei diesen Bedingungen die sicherste Variante des Vorwärtskommens. Der Gipfelsturm ist Vorbote des Wetterumschwungs. Wir halten uns nicht lange am Geiseljoch auf, genießen nur kurz das schöne Alpenpanorama und machen uns an die Abfahrt, die fast von ganz oben leicht fahrbar ist.
Im unteren Teil wird aus dem Almweg eine schmale Teerstraße, auf der man bis Vorderlanersbach rollen könnte. Da ich diese Strecke schon kenne, halte ich nach einer interessanteren Variante Ausschau. Mein Gefühl trügt mich nicht, als wir beim Abzweig zum Vogelnest die Fahrstraße verlassen. An der Talstation des Skilifts beginnt ein netter kleiner Trail. Der Weg 315 ist eine willkommene Abwechslung auf unserem Weg ins Tuxer Tal. Nach reichlich einem Kilometer erreichen wir wieder ein Fahrsträßchen oberhalb von Lanersbach. Ich orientiere mich kurz - aha, da biegt ja ein schmaler Wiesenpfad ab, der direkt in den Ort führt. Den fahren wir hinab und landen schließlich im Ort auf der Fahrstraße nach Hintertux.

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Vom Geiseljoch aus haben wir nun gut 1000 Höhenmeter vernichtet, die müssen wir wieder hinauf, wenn wir heute über das Tuxer Joch wollen, nein, bei den Wetteraussichten müssen. Wenn es, wie vorhergesagt, morgen regnen soll, würden wir hier festsitzen. Es nützt also nichts. Wir stellen uns seelisch und moralisch darauf ein. Auf jeden Fall müssen wir unseren Körpern Brennstoff zuführen. In Madseit landen wir dazu auf der Sonnenterrasse des Gasthauses "Zum Sepp". Während des Essens unterhalten wir uns mit dem Wirt. Er bestätigt nochmals, dass morgen eine Kaltfront mit Regen durchziehen wird. Es gibt kein Zurück, wir müssen heute bei schönem Wetter übers Tuxer Joch und weiter in Richtung Brenner, so verlockend auch eine Übernachtung im Tuxerjochhaus wäre.
Wir liegen allerdings auch gut in der Zeit, so dass wir nicht hetzen müssen. Kurz vor Tux biegt dann der breite Schotterweg in Richtung Sommerberg ab, der Seilbahndrehscheibe zum Hintertuxer Gletscher und für uns Zwischenstation zum Tuxer Joch. Die ersten steilen Rampen kommen bald, unsere Gruppe zieht sich auseinander. Beim Wasserfassen an der Sommerbergalm treffen wir wieder zusammen. Das Tuxerjochhaus grüßt schon aus der Höhe. Die will allerdings erkämpft sein. Der Weg dorthin ist fast eine einzige Rampe. Mit Rucksack ist das nicht durchgängig fahrbar, die eine oder andere Wanderstrecke ist dabei. Der böige Wind tut ein Übriges. An den steilsten Stellen kommt er immer von vorn - Radfahrer kennen das. Jeder fährt in seinem Tempo, der Treffpunkt ist ausgemacht.
Am Tuxerjochhaus hat man heute eine sehr gute Sicht auf das weitläufige Skigebiet auf dem Hintertuxer Gletscher. Ein Ganzjahres-Skigebiet ist das schon lange nicht mehr, schmutzig grau liegt das Eis zwischen den Liftmasten. Wir kommen mit einer Gruppe von Geologiestudenten aus Berlin ins Gespräch. Sie haben hier oben ihr Basislager aufgeschlagen, von dem aus sie in den nächsten Tagen in die Umgegend ausschwärmen werden, um Gesteinsbestimmungen durchzuführen. Das hätte ein lustiger Abend werden können. Wir müssen aber weiter. Der legendäre Trail vom Tuxer Joch ins Kaserer Tal ist nur bei trockenen Bedingungen, wie wir sie heute vorfinden, ein Leckerbissen für Trailfreunde. Nur im unteren Teil gibt es ein paar Stufen, die man besser schiebt, ansonsten sind die 600 Höhenmeter bis zum Talgrund mit etwas Übung zu großen Teilen fahrbar. Kurz nacheinander trudeln wir alle wohlbehalten unten ein. Der Rest ist entspanntes Ausrollen bis ins Wipptal. Kurz nach Schmirn geht rechts die alte Schluchtstrecke über Leite ab, die den Gegenanstieg nach St. Jodok vermeidet. Bei Stafflach erreichen wir die Brennerstraße, auf der wir noch bis Gries fahren, wo wir im Gasthof Rose bei meinem Freund Thomas Libiseller übernachten. Das Gasthaus ist seit Generationen im Familienbesitz. Die Gaststube wirkt durch die uralte Holzvertäfelung sehr gemütlich; Thomas wird sie nicht kaputtrenovieren. Es gibt leckere Tiroler Hausmannskost. Wir langen ordentlich zu. Nach dem Essen geht es noch einmal vor die Tür. Wir sind gespannt auf den nächsten Tag. Noch ist es schön draußen.

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Übernachtungstipps:

Gasthof Rose; 6156 Gries am Brenner, Gries 16, Österreich  Telefon: +43 5274 87201 www.gasthofrose.com