Transalp.info by Andreas Albrecht

Karwendel - Brenner - Route


3. Tag: Blitz und Donner reinigen die Atmosphäre - Aferer Tal, Geisler Gruppe

opener 350 Bergvagabund Transalp 2007 065Auf den Wetterbericht ist leider Verlass. Der Morgenhimmel ist grau in grau. Als wir aufbrechen wollen, fängt es an zu regnen - na toll. Die Brennergrenzkammstraße fällt also aus. Wir beschließen nach Süden auszuweichen, oft ist hinter dem Brenner - in Südtirol - ja besseres Wetter. Also Regensachen an und unspektakulär auf der Bundesstraße zum Brenner hochkurbeln. An diesem Morgen herrscht kein starker Autoverkehr. In einer guten halben Stunde sind wir oben am Brenner, dem mit 1375 m niedrigsten Übergang über den Hauptkamm der Ostalpen. Das Regengebiet hat sich allem Anschein genau hier festgesetzt. In Richtung Südtirol ist keine Wolkenlücke zu erkennen. Es bleibt uns also nicht anderes übrig, als weiter im sicheren Gelände zu bleiben. Ab dem Brenner gibt es einen Radweg. Das ist zwar nicht prickelnd, aber im Regen freiwillig und ohne Not in die Berge hineinzufahren, wäre einfach nur idiotisch, zumal leichtes Grummeln in den Wolken auf Gewitter schließen lässt.
Schnell passieren wir den Abzweig zum Schlüsseljoch (schade, schade...), wechseln auf die Straße und sind im Nu in Gossensass und wenig später in Sterzing. Hier scheint es aufzuhellen, es ist auch deutlich wärmer geworden. Wir entledigen uns der Regensachen und radeln schnurstracks zum Eisackradweg, der einen stressfreien Transfer nach Brixen garantiert. Aber schon kurz hinter Sterzing, in Stilfes, wird unser Tatendrang gebremst. Eine dunkle Wolkenwand rast auf uns zu, wir befinden uns taktisch günstig gerade vor einem kleinen Spar-Laden. Es beginnt zu blitzen und zu donnern, ein Gewitterguss prasselt nieder. Machen wir halt Pause und verpflegen uns. Schließlich verziehen sich die Wolken und die Sonne kommt wieder hervor. Es wird schwül warm. Die Wiesen dampfen, wir auch, als wir weiterfahren. Bei Mittewald empfiehlt es sich, den Radweg kurzzeitig zu verlassen. Die Architekten des ansonsten gut trassierten Radwegs haben es sich hier nicht nehmen lassen, nach der sanft geschwungenen Radbrücke ein paar heftige Rampen einzubauen. Das kann man leicht umgehen, in dem man das kurze Stück zwischen Mittewald und Franzensfeste auf dem breiten Seitenstreifen der Bundesstraße bergab rollt und an den ersten Häusern wieder auf den Radweg wechselt. Wir machen das so und fahren dann über Vahrn durch bis ins historische Zentrum von Brixen. Inzwischen knallt die Sonne wieder vom Himmel herunter. Wir halten an einem Brunnen an und entledigen uns der überflüssigen Klamotten. Mein Vorschlag ist es, in Albeins Mittagsrast zu machen, um danach durchs Aferer Tal in die Dolomiten zu fahren. Gesagt - getan.
Auf dem Radweg entlang der Eisack fährt es sich im Schatten sehr angenehm. In Albeins suchen wir auch Schatten und finden ihn auf der Terrasse des Kircherhofs. Jeder von uns isst eine Kleinigkeit, dann geht es weiter. Der Anstieg durchs Aferer Tal erfordert frische Kräfte. Insgesamt liegen reichlich 1000 Höhenmeter vor uns auf zwar leichter Strecke, aber das Höhenprofil zeugt es deutlich an, da ist keine Stelle zum Ausruhen. Zu allem Überfluss braut sich hinter uns wieder ein Gewitter zusammen. Den Wettlauf bergauf können wir nicht gewinnen. Zum Glück liegt das Aferer Tal tief eingeschnitten zwischen den Bergen, so dass die Gefahr eines Blitzschlags eher gering ist. Wir beschließen, dass jeder in seinem Tempo fährt so lange es geht und das wir uns am ersten Haus - dem Schmied-Hof - wieder zusammenfinden. Ich reihe mich in der Mitte ein. Als mich der Regen erwischt, ist kein Unterschlupf in der Nähe. Ich schlüpfe schnell in meine Regenjacke und fahre weiter bis zum Schmied, wo schon Dirk und Jürgen H. warten.
Die Wolken lichten sich und die Sonne zeigt sich in strahlendem Glanz wieder, denn das Gewitter hat die Atmosphäre gereinigt. David und Jürgen S. waren beim Einsetzen des Regens in der Nähe eines Unterstandes. Dort haben sie den Schauer abgewartet und treffen ein paar Minuten später ein. Gemeinsam schrauben wir uns nach oben und haben bald die schroffen Gipfeltürme der Aferer Geisler direkt vor uns. Sie scheinen durch die klare Luft zum Greifen nah zu sein. Ein atemberaubender Anblick - wie hingemeißelt stehen die Felswände vor uns im warmen, rötlichen Sonnenschein des späten Nachmittags - alles wird gut. Wir erreichen das Villnösstal, rollen ein Stück die Straße hinunter und verlassen diese kurz nach Russis Kreuz. Auf dem steilen Forstweg 11 fahren wir weiter bis St. Magdalena, wo wir problemlos eine Unterkunft finden. Das Tal strahlt Ruhe und Frieden aus.

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Übernachtungstipps:

Gasthof Edelweiß, St. Magdalena 77 , Tel. 0039-0472840141 www.edelweiss-hotel.eu
Pension Sonja, St Magdalena 124, Tel: 0039-0472-840220  www.pensionsonia.com
Touristinfo: Tel.:  0039-0472-840180 www.villnoess.com

Variante Brennergrenzkamm bei gutem Wetter

Gries - Sattelalm - Brennergrenzkammstraße - Trail nach Gossensass - Schlüsseljoch - Fussendrass: ist in den GPS- und Kartendaten enthalten
Es wäre auch möglich, nach dem Schlüsseljoch noch das Pfunderer Joch anzuschließen, das ist im Tourbericht zur Monte Grappa-Route als Alternative enthalten. Außerdem ist diese Variante im gemeinsamen Transalp Roadbook 3 für beide Touren dokumentiert.

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