Transalp.info by Andreas Albrecht

Karwendel - Brenner - Route


4. Tag: Seiseralm, Fassatal

opener 350 P1010196Der heutige Tag in den Alpen wird einer dieser Tage werden, deren optische Eindrücke sich ins Gedächtnis einbrennen werden. Das gestrige Gewitter und der Regen haben die Luft gereinigt. Ein strahlend klarer Tag bricht an. Zügig und nach dem reichhaltigen Frühstück gut gestärkt brechen wir auf in Richtung Broglesalm. Die ersten 500 Höhenmeter lassen sich gut fahren, dann ist die Forststraße zu Ende und eine kurze Schiebepassage beginnt. Bald sind wir aus dem Wald heraus. Über uns stehen die Türme der Geislergruppe. Reinhold Messner soll hier als kleiner Bub seine ersten Kletterversuche unternommen haben. Gut nachzuvollziehen, dass man ein Bergsteiger wird, wenn man hier aufwächst. Die Broglesalm liegt noch einsam in der Morgensonne. Wir sind die ersten Gäste des Tages. In der Küche herrscht schon reges Treiben. Im Laufe des Tages werden viele Spaziergänger aus dem Grödnertal heraufkommen, denen verschiedene Lifte den Anmarsch verkürzen.
Wenn es in die Tourplanung passt, kann man auf der Broglesalm übernachten. Die Alm ist von Mitte Juni bis Mitte September bewirtschaftet. Es gibt ein paar Betten in Zimmern und ein sehr rustikales Massenlager im Nebenhaus, genauer gesagt über dem Kuhstall. Das habe ich vor Jahren ausprobiert - es ist ein, sagen wir mal so, etwas anderes Erlebnis. Wir lassen uns auf den Holzbänken im Freien nieder und trinken eine frische Buttermilch, sehr erfrischend und genau das Richtige an diesem Vormittag. Gegen 11 Uhr brechen wir auf, denn bald wird es mit der Ruhe vorbei sein. Die ersten Wanderer tauchen am Broglessattel auf. Sie sind den Raschötzer Höhenweg entlang gewandert. Mit dem Sessellift ist er aus dem Grödnertal leicht zu erreichen und deshalb gut besucht. Dieser Höhenweg ist einer der schönsten Panoramawege in den Südtiroler Alpen. Wir befahren ihn auf unserem weiteren Weg. Zum Broglessattel schiebt man noch ein kleines Stückchen. Oben angekommen, entfaltet sich dann das volle Panorama der Dolomiten vor unseren Augen: Seiseralm, Schlern, Sella, Langkofel und, und, und... Gestochen scharf liegen sie vor uns ausgebreitet. Da stört es auch nicht, dass der Wanderverkehr mehr und mehr zunimmt. Der Sessellift bringt ständig Nachschub nach oben. Das Küchenteam der Broglesalm wird sich freuen - das ist eine im besten Sinne Standardwanderung der Urlauber im Grödnertal.
Nach dem wir die Bergstation des Lifts passiert haben, ist das quirlige Treiben vorbei. In vielen Kehren geht es auf dem Almweg bergab. Nur ab und zu kommen uns Mountainbiker entgegen. Schnell sind wir im Zentrum von St. Ulrich angelangt. Die Verpflegungspause nutze ich, um mich zu erkundigen, ob die Seilbahn zur Seiseralm Fahrräder mitnimmt - das tut sie. Jürgen S. und ich wollen auf jeden Fall mit dem Rad hoch zur Seiseralm fahren. Die anderen drei sind erst unentschlossen, fahren dann aber mit der Seilbahn. Wir vereinbaren als Treffpunkt die Mahlknechthütte. Zu zweit strampeln wir das Jendertal hinauf. Das geht recht zügig. An der Saltria rasten wir und bekommen per SMS die Information, dass die anderen schon am vereinbarten Treffpunkt eingetroffen sind. Wir machen uns auf den Weg zur Mahlknechthütte. Bald treffen wir ein, hier tobt der touristische Rummel. Eine Alphornbläsergruppe packt gerade die Instrumente ein - Glück gehabt. Gemeinsam fahren wir nun weiter zum Mahlknechtjoch - der italienische Name ist Passo Duron und markiert den Übergang ins italienische Trentino. Im Durontal sind auch viele Wanderer unterwegs, fast durchweg Italiener, die aus dem Fassatal mit der Seilbahn zum Col Rodela fahren und dann weiterwandern. Es geht bergab und wir sind flott unterwegs. Das letzte Steilstück nach Campitello hinab ist gerade wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Umleitung führt uns durch die oberen Ortsteile von Campitello und dann ins Ortszentrum. Hier wechseln wir auf den Radweg, der links vom Fluss bergab führt. Im Winter ist das die berühmte Strecke des "Marcialonga". Die Abschlussetappe der "Tour de Ski" verläuft hier, bis bei Cavalese der brutale Anstieg zur Alpe Cermis die Entscheidung bringt. Unsere Entscheidung besteht heute nur darin, wie weit wir noch rollen wollen. So weit als möglich bleiben wir auf dem Radweg, nur bei Moena müssen wir kurz auf die Straße wechseln. Die heutige Etappe endet schließlich in Predazzo, wo wir wiederum problemlos eine Unterkunft in einem Drei-Sterne-Hotel finden. In Italien scheint es im Sommer so etwas ähnliches wie ein Rentnerverschickungsprogramm zu geben. Wie ich es schon oft erlebt habe, füllt sich zum Abendessen der Speisesaal in Windeseile mit Damen und Herren im vorgerückten Alter. Obwohl wir selbst auch nicht mehr unbedingt taufrisch sind, drücken wir den Altersschnitt doch erheblich nach unten.

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Übernachtungstipps:

Hotel Vinella - I-38037 Predazzo, Via Mazzini 76, Tel.: 0039-0482-501151     www.albergovinella.it