Transalp.info by Andreas Albrecht

Karwendel - Brenner - Route

Von Mittenwald über Karwendel, Tuxerjoch, Brenner, Villnöß, Seiseralm, Brenta an den Gardasee

Strecke:

350 Bergvagabund Transalp 2007 068Mittenwald - Karwendeltal - Plumsjoch - Achensee - Weerberg - Geiseljoch - Tuxer Joch - Gries - Brenner - Brixen - Aferer Tal - Villnösstal - Brogles - Seiseralm - Fassatal - San Lugano - Mezzocorona - Andalo - Lago Molveno - Sarche - Arco - Torbole

Länge: 428 km
Höhenmeter: ca. 10.400 hm
Etappen: 6, Hinweise zu Varianten siehe bei den einzelnen Etappen

1. Tag: 88 km, 2067 hm
Mittenwald - Karwendeltal - Hochalmsattel - Rißtal - Plumsjoch - Achensee - Schwaz - Weerberg

2. Tag: 61 km, 2639 hm
Weerberg - Innerst - Weidener Hütte - Geiseljoch - Lanersbach - Tuxer Joch - Kasern - Gries

3. Tag: 76 km, 1663 hm
Gries - Brenner - Sterzing - Brixen - Aferer Tal - St. Magdalena im Villnösstal

4. Tag: 67 km, 2176 hm
Villnöss - Brogles-Alm - Raschötzer Höhenweg - St. Ulrich - Seiseralm - Mahlknechtjoch - Campitello - Predazzo

5. Tag: 85 km, 1393 hm
Predazzo - Molina di Fiemme - San Lugano - Neumarkt - Mezzocorona - Spormaggiore - Andalo

6. Tag: 51 km, 464 hm
Andalo - Lago Molveno - Ranzo - Sarche - Arco - Torbole

Medien

Wenn ihr die Tour individuell nachfahren wollt, ist folgendes verfügbar: GPS-Tracks, Kartenscans, TOPO-Karte für Garmin GPS-Geräte, Finisher Bikeshirt im Webshop

Transalp Roadbook 3: im Buchhandel, versandkostenfrei direkt beim Verlag oder bei AMAZON


Übersichtskarte

Wichtig: Internetadresse muss mit www eingegeben werden, sonst erscheint bei manchen Browsern unter Umständen nur ein weißer Kasten.

schwarz: Hauptroute
rot: Nebenrouten
Klicken auf den Track zeigt den Namen des entsprechenden GPS-Tracks an
Karte als Lightbox in eigenem Fenster öffnen: klicken

 

 

Höhenprofil

karwendel brenner gesamt

Wegeverteilung

untergrund

Landkarten

Kompass: Digitale Karte Über die Alpen, 26, 28, 36, 37, 44, 54, 56, 73, 74, 101
Übersichtskarte: Kompass - Straßenkarte 358  Tirol - Trentino ISBN: 3-85491-853-4

Tourplanung: Andreas Albrecht

gefahren vom 22. - 28. Juli 2007: Andreas Albrecht, Dirk Kersken, Jürgen Heigl, Jürgen Schottenhamml, David Strixner



Tourbericht

Ich kann allem widerstehen - außer der Versuchung.
Oscar Wilde (1854 - 1900)


Prolog

Wieder eine Tour, bei der ich nur die grobe Route im Hinterkopf hatte. Nach den Wetterkapriolen in den letzten Jahren hatte ich so eine Ahnung, dass wir flexibel sein müssten in Hinblick auf die tatsächliche Strecke und die Etappenorte. Auch wenn es Ende Juli eigentlich Hochsommer sein sollte, gibt es schon lange keine Garantie mehr auf stabiles gutes Wetter. Das hatte ich in diesem Jahr schon erlebt, als wir bei den Dreharbeiten zur DVD "Abenteuer Alpencross 2 - Transalp auf der Albrecht-Route" morgens aufwachten und draußen alles weiß überzuckert war.
Das GPS-Gerät war wieder mein treuer Begleiter; im wesentlichen zum Aufzeichnen der Tour. Dazu ca. 20 gescannte Ausschnitte in A4 aus KOMPASS-Karten. Das hat gereicht. Ich kannte Teile der Strecke schon von anderen Touren und hatte unterwegs deshalb keine größeren Orientierungsprobleme. Das Pfunderer Joch konnten wir wegen der Wetterlage nicht fahren. Es ist aber als alternative Variante mit im Buch und auf der Karte aufgeführt. Ansonsten sind viele alpine Highlights auf der Strecke vertreten.

UA 0005186641 Cover 300pxKlappentext Transalp Roadbook 3

Einen kleinen ironischen Seitenhieb auf die ausufernde Dopingpraxis im Radsport kann sich der bekannte Transalpler Andreas Albrecht dann doch nicht verkneifen. Dieser bildet den Auftakt zu neuen Tourbeschreibungen zweier Transalps. Wie ein großes Alpen-X beginnen sie in Mittenwald bzw. am Schliersee, laufen am Alpenhauptkamm zusammen und trennen sich dann wieder, um verschiedene Ziele anzupeilen. Zum einen das klassische Ziel Gardasee, zum anderen den Monte Grappa. Neben den wie gewohnt sorgfältig recherchierten und sauber dokumentierten Roadbooks zeigen die Tourberichte, dass man sportliche Leistungen nicht bierernst nehmen muss. Ein ordentliches Hefeweizen am Abend weckt die Lebensgeister und führt dem Körper anscheinend auch Stoffe zu, die er tagsüber braucht.
Das Buch enthält Höhenprofile, Übersichtskarten und detaillierte Roadbooks in Tabellenform mit allen wichtigen Informationen zur Strecke. In diesem Buch zusammengefasst mit der Transalp an den Monte Grappa.
Ebenfalls erhältlich als eBook - mehr Info hier



1. Tag: Karwendel

02 350px IMG 3389Zwei Tage vor dem eigentlichen Tourstart war ich schon nach Seefeld angereist, um noch ein paar Wege zum Inntal und im Axamer Lizum zu recherchieren. Das erfolgte in drückender Hitze. Genau zum Tourstart stellte sich dann die Wetterlage um - wie sollte es auch anders sein.
Am Sonntagmorgen rolle ich von Seefeld die paar Kilometer hinunter nach Mittenwald. Dunkle Wolken hängen am Himmel. Am Bahnhof in Mittenwald treffen wir uns. Leise beginnt es zu tröpfeln. Wir bleiben noch eine Weile unter dem Schutz des Vordachs stehen, reden und stimmen uns auf die Tour ein. Nach Art der Bergvagabunden soll sie ablaufen. Start, grobe Linie und Ziel stehen fest. Wo es uns im Lauf der Etappen hintreiben wird, ist offen. Wir waren schon oft zusammen auf Tour. Alle wissen, was uns erwartet, so kommt trotz der Warterei vor dem Start keine Hektik auf. Schließlich hört der Nieselregen auf und wir fahren los. Die Karwendeldurchquerung ist ein klassischer und sehr schöner Beginn einer Transalp. Sofort gerät man in den Bann des Alpenpanoramas. Der Weg ist nicht zu verfehlen und leicht zu befahren.
Wir können uns gut vorstellen, dass im langgezogenen Karwendeltal schon sehr früh Fahrräder ihre Spuren hinterlassen haben. Für die Kletterer und Bergvagabunden des vergangenen Jahrhunderts war das Fahrrad auch schon ein flexibles und preiswertes Fortbewegungsmittel, um große Strecken in den Alpen zu überbrücken. Ohne technischen Schnickschnack, nur mit Ballonreifen wurden damals schon die Täler befahren. Ich bin mir sicher, der Hochalmsattel und das Plumsjoch - unsere heutigen Zwischenziele - sind schon vor Jahrzehnten mit dem Fahrrad bezwungen worden. Heute haben wir es allerdings deutlich leichter, wenn wir die Schotterwege befahren. Vollfederung ist inzwischen Quasi-Standard für Transalpler und Scheibenbremsen machen selbst steilste Abfahrten zu einem ziemlich ungetrübten Vergnügen. Nur in die Pedale treten müssen wir schon noch selber, aber das wollen wir ja auch.
Zügig erreichen wir den ersten größeren Anstieg zum Hochalmsattel. Das Karwendelhaus markiert gut die zu erreichende Höhe. In langgezogenen Serpentinen zieht sich der Weg hinauf. Jeder findet seinen Rhythmus, am Sattel treffen wir wieder zusammen. Eine Rast am Karwendelhaus lassen wir aus, zu ungewiss ist die weitere Wetterentwicklung. Zudem ist es sehr kalt, obwohl Ende Juli Hochsommer sein sollte. Also dick angezogen und abwärts geht's in Richtung Rißtal. Der Forstweg ist gut fahrbar und führt über den Kleinen Ahornboden hinunter zur Mautstraße. Die Schluchtstrecke im Johannestal ist aus wegeversicherungsrechtlichen Gründen zwar offiziell gesperrt, aber eigentlich kein wirkliches Problem. Sicher, es geht spektakulär an der Abbruchkante zur Schlucht entlang. Der Fahrweg ist allerdings breit genug, so dass mit entsprechender Vorsicht diese Passage leicht zu meistern ist. Wie dem auch sei, eine alternative Strecke ist vorhanden. Sie ist mit ein paar zusätzlichen Höhenmetern verbunden und führt genauso gut ins Rißtal. Dort machen wir an der Garberlalm erst einmal Mittagsrast und beratschlagen dabei, wie weit wir heute noch zu fahren gedenken.
Vor uns liegt noch das Plumsjoch, das den Übergang zum Achensee darstellt - ein leicht zu fahrender Pass. Die legendäre Plumsjochhütte kann man dabei ansteuern, muss es aber nicht. Am Joch finden wir wieder zusammen und beginnen die sehr steile Abfahrt zur Gernalm. Mit Scheibenbremsen überhaupt kein Problem, frühere Bezwinger per Rad werden mit einer Rücktrittbremse wohl ihre Problem gehabt haben. Je weiter wir ins Tal hinunter kommen, umso wärmer wird es. Den Achensee passieren wir in kurzen Trikots und folgen dem Radweg, der nach dem Ort Eben als Rodelbahn hinunter nach Jenbach ausgeschildert ist. Heute liegt kein Schnee. Bei Fischl queren wir nach rechts zur alten Kasbachstraße und sind flugs in Jenbach. Im Ortszentrum wechseln wir dann auf den Innradweg, der uns rasch über Schwaz nach Pill bringt. Das Wetter hat sich deutlich gebessert. Wir beschließen, heute noch bis Weerberg zu fahren. Das sind ein paar leichte Höhenmeter, die wir uns morgen früh nicht noch zusätzlich aufladen wollen, denn morgen soll der Alpenhauptkamm bezwungen werden. Gut 400 Höhenmeter über dem Inntal finden wir im zweiten Anlauf eine ordentliche Bleibe. Nur zum Abendessen müssen wir bis zum nächsten Gasthof ein paar Meter laufen. Das tut aber gut und lockert die Muskeln schon ein wenig vor, damit die muskuläre Tiefenentspannung mit Hilfe eines Weißbieres und eines Obstlers auch garantiert vollendet wird.

350 Bergvagabund Transalp 2007 002 02 350px IMG 3380 02 350px IMG 3393 02 350px IMG 3396 350 Bergvagabund Transalp 2007 011 350 Bergvagabund Transalp 2007 013

02 panoachensee IMG 3406DSC00186

bgvag Tag1

Übernachtungstipps:

Gasthaus Schwannerwirt,  A-6133 Mitterberg 59, Telefon: 0043-5224-68568     www.schwannerwirt.com
Hotel Garni Regina, Mitterberg 11, A-6133 Weerberg, Tel.: +43 5224 68155  Mobil: +43 676 9444093  www.hotelgarni-regina.at



2. Tag: Hochalpines Ambiente - Geiseljoch, Tuxerjoch

opner 350 P1010174Der strahlende Morgen verheißt einen schönen Tag. Für die vor uns liegende Etappe können wir das gut gebrauchen. Es soll die Königsetappe werden, an deren Ende wir mehr als 2500 Höhenmeter in den Beinen haben werden. Los geht es mit einigen, wenigen Kilometern zum Einrollen. Auf dem Weerberger Plateau fährt es sich wie auf einem riesigen Balkon, von dem man aus weit ins Inntal schauen kann. Nach der Ortsmitte von Weerberg geht es nun langsam, aber stetig bergauf, zunächst auf Asphalt bis Innerst. Dann ein kleiner Trail bis zur Forststraße, die sich relativ moderat zur Nafingalm hinzieht. Dort ist die Weidener Hütte ein beliebter Rastpunkt und Übernachtungsort für Transalpler. Wir wollen heute allerdings so weit wie möglich kommen, weil das gute Wetter in Tirol nur einen Tag halten soll. Die Pause fällt deshalb nicht zu lange aus. Bis zum Geiseljoch sind es von hier aus noch rund 500 Höhenmeter, also eine gute Stunde. Normalerweise gehört dieser Übergang zu den ziemlich komplett fahrbaren Pässen in den Alpen. Je weiter wir aber in die Höhe gelangen, umso kräftiger wird der Wind. Auf dem schmalen Pfad zum Joch bläst er dann mit Sturmstärke direkt von vorn und versetzt mit tückischen, böigen Wirbeln. Auch wenn der Pfad nicht wirklich ausgesetzt ist, Schieben ist bei diesen Bedingungen die sicherste Variante des Vorwärtskommens. Der Gipfelsturm ist Vorbote des Wetterumschwungs. Wir halten uns nicht lange am Geiseljoch auf, genießen nur kurz das schöne Alpenpanorama und machen uns an die Abfahrt, die fast von ganz oben leicht fahrbar ist.
Im unteren Teil wird aus dem Almweg eine schmale Teerstraße, auf der man bis Vorderlanersbach rollen könnte. Da ich diese Strecke schon kenne, halte ich nach einer interessanteren Variante Ausschau. Mein Gefühl trügt mich nicht, als wir beim Abzweig zum Vogelnest die Fahrstraße verlassen. An der Talstation des Skilifts beginnt ein netter kleiner Trail. Der Weg 315 ist eine willkommene Abwechslung auf unserem Weg ins Tuxer Tal. Nach reichlich einem Kilometer erreichen wir wieder ein Fahrsträßchen oberhalb von Lanersbach. Ich orientiere mich kurz - aha, da biegt ja ein schmaler Wiesenpfad ab, der direkt in den Ort führt. Den fahren wir hinab und landen schließlich im Ort auf der Fahrstraße nach Hintertux.

350 Bergvagabund Transalp 2007 016 350 Bergvagabund Transalp 2007 023 350 Bergvagabund Transalp 2007 024 350 Bergvagabund Transalp 2007 028 350 Bergvagabund Transalp 2007 032 350 Bergvagabund Transalp 2007 031

Vom Geiseljoch aus haben wir nun gut 1000 Höhenmeter vernichtet, die müssen wir wieder hinauf, wenn wir heute über das Tuxer Joch wollen, nein, bei den Wetteraussichten müssen. Wenn es, wie vorhergesagt, morgen regnen soll, würden wir hier festsitzen. Es nützt also nichts. Wir stellen uns seelisch und moralisch darauf ein. Auf jeden Fall müssen wir unseren Körpern Brennstoff zuführen. In Madseit landen wir dazu auf der Sonnenterrasse des Gasthauses "Zum Sepp". Während des Essens unterhalten wir uns mit dem Wirt. Er bestätigt nochmals, dass morgen eine Kaltfront mit Regen durchziehen wird. Es gibt kein Zurück, wir müssen heute bei schönem Wetter übers Tuxer Joch und weiter in Richtung Brenner, so verlockend auch eine Übernachtung im Tuxerjochhaus wäre.
Wir liegen allerdings auch gut in der Zeit, so dass wir nicht hetzen müssen. Kurz vor Tux biegt dann der breite Schotterweg in Richtung Sommerberg ab, der Seilbahndrehscheibe zum Hintertuxer Gletscher und für uns Zwischenstation zum Tuxer Joch. Die ersten steilen Rampen kommen bald, unsere Gruppe zieht sich auseinander. Beim Wasserfassen an der Sommerbergalm treffen wir wieder zusammen. Das Tuxerjochhaus grüßt schon aus der Höhe. Die will allerdings erkämpft sein. Der Weg dorthin ist fast eine einzige Rampe. Mit Rucksack ist das nicht durchgängig fahrbar, die eine oder andere Wanderstrecke ist dabei. Der böige Wind tut ein Übriges. An den steilsten Stellen kommt er immer von vorn - Radfahrer kennen das. Jeder fährt in seinem Tempo, der Treffpunkt ist ausgemacht.
Am Tuxerjochhaus hat man heute eine sehr gute Sicht auf das weitläufige Skigebiet auf dem Hintertuxer Gletscher. Ein Ganzjahres-Skigebiet ist das schon lange nicht mehr, schmutzig grau liegt das Eis zwischen den Liftmasten. Wir kommen mit einer Gruppe von Geologiestudenten aus Berlin ins Gespräch. Sie haben hier oben ihr Basislager aufgeschlagen, von dem aus sie in den nächsten Tagen in die Umgegend ausschwärmen werden, um Gesteinsbestimmungen durchzuführen. Das hätte ein lustiger Abend werden können. Wir müssen aber weiter. Der legendäre Trail vom Tuxer Joch ins Kaserer Tal ist nur bei trockenen Bedingungen, wie wir sie heute vorfinden, ein Leckerbissen für Trailfreunde. Nur im unteren Teil gibt es ein paar Stufen, die man besser schiebt, ansonsten sind die 600 Höhenmeter bis zum Talgrund mit etwas Übung zu großen Teilen fahrbar. Kurz nacheinander trudeln wir alle wohlbehalten unten ein. Der Rest ist entspanntes Ausrollen bis ins Wipptal. Kurz nach Schmirn geht rechts die alte Schluchtstrecke über Leite ab, die den Gegenanstieg nach St. Jodok vermeidet. Bei Stafflach erreichen wir die Brennerstraße, auf der wir noch bis Gries fahren, wo wir im Gasthof Rose bei meinem Freund Thomas Libiseller übernachten. Das Gasthaus ist seit Generationen im Familienbesitz. Die Gaststube wirkt durch die uralte Holzvertäfelung sehr gemütlich; Thomas wird sie nicht kaputtrenovieren. Es gibt leckere Tiroler Hausmannskost. Wir langen ordentlich zu. Nach dem Essen geht es noch einmal vor die Tür. Wir sind gespannt auf den nächsten Tag. Noch ist es schön draußen.

350 P1010175 350 Bergvagabund Transalp 2007 042 350 Bergvagabund Transalp 2007 043 350 P1010177 350 Bergvagabund Transalp 2007 046 350 P1010179

bgvag Tag2

Übernachtungstipps:

Gasthof Rose; 6156 Gries am Brenner, Gries 16, Österreich  Telefon: +43 5274 87201 www.gasthofrose.com



3. Tag: Blitz und Donner reinigen die Atmosphäre - Aferer Tal, Geisler Gruppe

opener 350 Bergvagabund Transalp 2007 065Auf den Wetterbericht ist leider Verlass. Der Morgenhimmel ist grau in grau. Als wir aufbrechen wollen, fängt es an zu regnen - na toll. Die Brennergrenzkammstraße fällt also aus. Wir beschließen nach Süden auszuweichen, oft ist hinter dem Brenner - in Südtirol - ja besseres Wetter. Also Regensachen an und unspektakulär auf der Bundesstraße zum Brenner hochkurbeln. An diesem Morgen herrscht kein starker Autoverkehr. In einer guten halben Stunde sind wir oben am Brenner, dem mit 1375 m niedrigsten Übergang über den Hauptkamm der Ostalpen. Das Regengebiet hat sich allem Anschein genau hier festgesetzt. In Richtung Südtirol ist keine Wolkenlücke zu erkennen. Es bleibt uns also nicht anderes übrig, als weiter im sicheren Gelände zu bleiben. Ab dem Brenner gibt es einen Radweg. Das ist zwar nicht prickelnd, aber im Regen freiwillig und ohne Not in die Berge hineinzufahren, wäre einfach nur idiotisch, zumal leichtes Grummeln in den Wolken auf Gewitter schließen lässt.
Schnell passieren wir den Abzweig zum Schlüsseljoch (schade, schade...), wechseln auf die Straße und sind im Nu in Gossensass und wenig später in Sterzing. Hier scheint es aufzuhellen, es ist auch deutlich wärmer geworden. Wir entledigen uns der Regensachen und radeln schnurstracks zum Eisackradweg, der einen stressfreien Transfer nach Brixen garantiert. Aber schon kurz hinter Sterzing, in Stilfes, wird unser Tatendrang gebremst. Eine dunkle Wolkenwand rast auf uns zu, wir befinden uns taktisch günstig gerade vor einem kleinen Spar-Laden. Es beginnt zu blitzen und zu donnern, ein Gewitterguss prasselt nieder. Machen wir halt Pause und verpflegen uns. Schließlich verziehen sich die Wolken und die Sonne kommt wieder hervor. Es wird schwül warm. Die Wiesen dampfen, wir auch, als wir weiterfahren. Bei Mittewald empfiehlt es sich, den Radweg kurzzeitig zu verlassen. Die Architekten des ansonsten gut trassierten Radwegs haben es sich hier nicht nehmen lassen, nach der sanft geschwungenen Radbrücke ein paar heftige Rampen einzubauen. Das kann man leicht umgehen, in dem man das kurze Stück zwischen Mittewald und Franzensfeste auf dem breiten Seitenstreifen der Bundesstraße bergab rollt und an den ersten Häusern wieder auf den Radweg wechselt. Wir machen das so und fahren dann über Vahrn durch bis ins historische Zentrum von Brixen. Inzwischen knallt die Sonne wieder vom Himmel herunter. Wir halten an einem Brunnen an und entledigen uns der überflüssigen Klamotten. Mein Vorschlag ist es, in Albeins Mittagsrast zu machen, um danach durchs Aferer Tal in die Dolomiten zu fahren. Gesagt - getan.
Auf dem Radweg entlang der Eisack fährt es sich im Schatten sehr angenehm. In Albeins suchen wir auch Schatten und finden ihn auf der Terrasse des Kircherhofs. Jeder von uns isst eine Kleinigkeit, dann geht es weiter. Der Anstieg durchs Aferer Tal erfordert frische Kräfte. Insgesamt liegen reichlich 1000 Höhenmeter vor uns auf zwar leichter Strecke, aber das Höhenprofil zeugt es deutlich an, da ist keine Stelle zum Ausruhen. Zu allem Überfluss braut sich hinter uns wieder ein Gewitter zusammen. Den Wettlauf bergauf können wir nicht gewinnen. Zum Glück liegt das Aferer Tal tief eingeschnitten zwischen den Bergen, so dass die Gefahr eines Blitzschlags eher gering ist. Wir beschließen, dass jeder in seinem Tempo fährt so lange es geht und das wir uns am ersten Haus - dem Schmied-Hof - wieder zusammenfinden. Ich reihe mich in der Mitte ein. Als mich der Regen erwischt, ist kein Unterschlupf in der Nähe. Ich schlüpfe schnell in meine Regenjacke und fahre weiter bis zum Schmied, wo schon Dirk und Jürgen H. warten.
Die Wolken lichten sich und die Sonne zeigt sich in strahlendem Glanz wieder, denn das Gewitter hat die Atmosphäre gereinigt. David und Jürgen S. waren beim Einsetzen des Regens in der Nähe eines Unterstandes. Dort haben sie den Schauer abgewartet und treffen ein paar Minuten später ein. Gemeinsam schrauben wir uns nach oben und haben bald die schroffen Gipfeltürme der Aferer Geisler direkt vor uns. Sie scheinen durch die klare Luft zum Greifen nah zu sein. Ein atemberaubender Anblick - wie hingemeißelt stehen die Felswände vor uns im warmen, rötlichen Sonnenschein des späten Nachmittags - alles wird gut. Wir erreichen das Villnösstal, rollen ein Stück die Straße hinunter und verlassen diese kurz nach Russis Kreuz. Auf dem steilen Forstweg 11 fahren wir weiter bis St. Magdalena, wo wir problemlos eine Unterkunft finden. Das Tal strahlt Ruhe und Frieden aus.

350 Bergvagabund Transalp 2007 054350 Bergvagabund Transalp 2007 057350 Bergvagabund Transalp 2007 058350 Bergvagabund Transalp 2007 061350 Bergvagabund Transalp 2007 063350 Bergvagabund Transalp 2007 073

bgvag Tag3

Übernachtungstipps:

Gasthof Edelweiß, St. Magdalena 77 , Tel. 0039-0472840141 www.edelweiss-hotel.eu
Pension Sonja, St Magdalena 124, Tel: 0039-0472-840220  www.pensionsonia.com
Touristinfo: Tel.:  0039-0472-840180 www.villnoess.com

Variante Brennergrenzkamm bei gutem Wetter

Gries - Sattelalm - Brennergrenzkammstraße - Trail nach Gossensass - Schlüsseljoch - Fussendrass: ist in den GPS- und Kartendaten enthalten
Es wäre auch möglich, nach dem Schlüsseljoch noch das Pfunderer Joch anzuschließen, das ist im Tourbericht zur Monte Grappa-Route als Alternative enthalten. Außerdem ist diese Variante im gemeinsamen Transalp Roadbook 3 für beide Touren dokumentiert.

bgvag Tag3Var



4. Tag: Seiseralm, Fassatal

opener 350 P1010196Der heutige Tag in den Alpen wird einer dieser Tage werden, deren optische Eindrücke sich ins Gedächtnis einbrennen werden. Das gestrige Gewitter und der Regen haben die Luft gereinigt. Ein strahlend klarer Tag bricht an. Zügig und nach dem reichhaltigen Frühstück gut gestärkt brechen wir auf in Richtung Broglesalm. Die ersten 500 Höhenmeter lassen sich gut fahren, dann ist die Forststraße zu Ende und eine kurze Schiebepassage beginnt. Bald sind wir aus dem Wald heraus. Über uns stehen die Türme der Geislergruppe. Reinhold Messner soll hier als kleiner Bub seine ersten Kletterversuche unternommen haben. Gut nachzuvollziehen, dass man ein Bergsteiger wird, wenn man hier aufwächst. Die Broglesalm liegt noch einsam in der Morgensonne. Wir sind die ersten Gäste des Tages. In der Küche herrscht schon reges Treiben. Im Laufe des Tages werden viele Spaziergänger aus dem Grödnertal heraufkommen, denen verschiedene Lifte den Anmarsch verkürzen.
Wenn es in die Tourplanung passt, kann man auf der Broglesalm übernachten. Die Alm ist von Mitte Juni bis Mitte September bewirtschaftet. Es gibt ein paar Betten in Zimmern und ein sehr rustikales Massenlager im Nebenhaus, genauer gesagt über dem Kuhstall. Das habe ich vor Jahren ausprobiert - es ist ein, sagen wir mal so, etwas anderes Erlebnis. Wir lassen uns auf den Holzbänken im Freien nieder und trinken eine frische Buttermilch, sehr erfrischend und genau das Richtige an diesem Vormittag. Gegen 11 Uhr brechen wir auf, denn bald wird es mit der Ruhe vorbei sein. Die ersten Wanderer tauchen am Broglessattel auf. Sie sind den Raschötzer Höhenweg entlang gewandert. Mit dem Sessellift ist er aus dem Grödnertal leicht zu erreichen und deshalb gut besucht. Dieser Höhenweg ist einer der schönsten Panoramawege in den Südtiroler Alpen. Wir befahren ihn auf unserem weiteren Weg. Zum Broglessattel schiebt man noch ein kleines Stückchen. Oben angekommen, entfaltet sich dann das volle Panorama der Dolomiten vor unseren Augen: Seiseralm, Schlern, Sella, Langkofel und, und, und... Gestochen scharf liegen sie vor uns ausgebreitet. Da stört es auch nicht, dass der Wanderverkehr mehr und mehr zunimmt. Der Sessellift bringt ständig Nachschub nach oben. Das Küchenteam der Broglesalm wird sich freuen - das ist eine im besten Sinne Standardwanderung der Urlauber im Grödnertal.
Nach dem wir die Bergstation des Lifts passiert haben, ist das quirlige Treiben vorbei. In vielen Kehren geht es auf dem Almweg bergab. Nur ab und zu kommen uns Mountainbiker entgegen. Schnell sind wir im Zentrum von St. Ulrich angelangt. Die Verpflegungspause nutze ich, um mich zu erkundigen, ob die Seilbahn zur Seiseralm Fahrräder mitnimmt - das tut sie. Jürgen S. und ich wollen auf jeden Fall mit dem Rad hoch zur Seiseralm fahren. Die anderen drei sind erst unentschlossen, fahren dann aber mit der Seilbahn. Wir vereinbaren als Treffpunkt die Mahlknechthütte. Zu zweit strampeln wir das Jendertal hinauf. Das geht recht zügig. An der Saltria rasten wir und bekommen per SMS die Information, dass die anderen schon am vereinbarten Treffpunkt eingetroffen sind. Wir machen uns auf den Weg zur Mahlknechthütte. Bald treffen wir ein, hier tobt der touristische Rummel. Eine Alphornbläsergruppe packt gerade die Instrumente ein - Glück gehabt. Gemeinsam fahren wir nun weiter zum Mahlknechtjoch - der italienische Name ist Passo Duron und markiert den Übergang ins italienische Trentino. Im Durontal sind auch viele Wanderer unterwegs, fast durchweg Italiener, die aus dem Fassatal mit der Seilbahn zum Col Rodela fahren und dann weiterwandern. Es geht bergab und wir sind flott unterwegs. Das letzte Steilstück nach Campitello hinab ist gerade wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Umleitung führt uns durch die oberen Ortsteile von Campitello und dann ins Ortszentrum. Hier wechseln wir auf den Radweg, der links vom Fluss bergab führt. Im Winter ist das die berühmte Strecke des "Marcialonga". Die Abschlussetappe der "Tour de Ski" verläuft hier, bis bei Cavalese der brutale Anstieg zur Alpe Cermis die Entscheidung bringt. Unsere Entscheidung besteht heute nur darin, wie weit wir noch rollen wollen. So weit als möglich bleiben wir auf dem Radweg, nur bei Moena müssen wir kurz auf die Straße wechseln. Die heutige Etappe endet schließlich in Predazzo, wo wir wiederum problemlos eine Unterkunft in einem Drei-Sterne-Hotel finden. In Italien scheint es im Sommer so etwas ähnliches wie ein Rentnerverschickungsprogramm zu geben. Wie ich es schon oft erlebt habe, füllt sich zum Abendessen der Speisesaal in Windeseile mit Damen und Herren im vorgerückten Alter. Obwohl wir selbst auch nicht mehr unbedingt taufrisch sind, drücken wir den Altersschnitt doch erheblich nach unten.

350 Bergvagabund Transalp 2007 082 350 P1010192 350 Bergvagabund Transalp 2007 088 350 Bergvagabund Transalp 2007 089 350 P1010199 350 P1010201

 

bgvag Tag4

Übernachtungstipps:

Hotel Vinella - I-38037 Predazzo, Via Mazzini 76, Tel.: 0039-0482-501151     www.albergovinella.it



5. Tag: Etschtal, entlang der Brenta nach Andalo

opener 350 Bergvagabund Transalp 2007 105Zum Frühstück empfiehlt es sich Pünktlichkeit. Ältere Leute brauchen wenig Schlaf. Wenn wir also nicht rechtzeitig erscheinen, ist das Büfett schnell abgeräumt und wir müssten auf Nachschub warten. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig und schlagen ordentlich zu. Biker sind bekanntlich gefürchtete Frühstücksgäste nicht nur in italienischen Hotels, da sie Unmengen vertilgen können. Mit einer guten Grundlage im Bauch brechen wir auf und rollen weiter auf dem Radweg des Fassatals bis Molina di Fiemme. Hier wollen wir das Tal verlassen und wieder nach Südtirol "einreisen". Der Weg war mir noch nicht ganz klar. Auf der Karte war da ein kleines Tal zu sehen, das unter Vermeidung der Straße nach San Lugano führt, wo Südtirol beginnt. Den Einstieg haben wir auch schnell gefunden, das sieht passabel aus. Vorsichtshalber frage ich bei einer einheimischen Frau nach, ob der Weg auch der richtige ist: "Certo, non ce problema con bici", bestätigt sie mir. Dann ist ja alles klar und los geht's. Der Weg offenbart sich als Volltreffer. Wir fahren durch ein liebliches Tälchen auf guten Forstwegen bergauf, ohne uns groß anstrengen zu müssen und sind bald an der Sprachgrenze zwischen dem Trentino und Südtirol.
Bald schon haben wir die Passhöhe erreicht. Nun beginnt ein sehr schöner und einfach zu fahrender Streckenabschnitt auf der alten Bahntrasse der Fleimstalbahn. Diese verband früher das Etschtal mit Predazzo. Entstanden ist hier ein feingeschotterter Radweg. Durch sein gleichmäßiges und sanftes Gefälle muss man weder treten noch bremsen, man kann es einfach rollen lassen. Einige Tunnels auf der Strecke sind mit Bewegungsmeldern versehen - Licht an, Licht aus. Klar, das ist fahrtechnisch nun überhaupt keine Herausforderung; die braucht man ja auch nicht auf jedem Meter einer Transalp zu haben. Was zählt, ist das Gesamterlebnis aus zurückgelegter Strecke, Vertrauen in die eigene Kraft und landschaftlicher Schönheit, die man unterwegs erlebt.
Wir überlegen gerade, für das zweite Frühstück eine Pause einzulegen, als sich das ganze Panorama des Etschtals vor unseren Augen entfaltet. Wir durchqueren noch eine Apfelplantage, als auch schon ein idealer Rastplatz auftaucht. Eine Bank steht am Wegesrand. Wir lassen uns gemütlich nieder und lassen die Aussicht auf uns wirken. Irgendwie haben wir alle das Gefühl - hier könnte auch eine Transalp enden. Schließlich entziehen wir uns dem Zauber des Augenblicks und fahren weiter mit dem Ziel Gardasee - so wie wir es uns vorgenommen haben. Unser Tagesziel heißt Andalo. Im Tal ist es dann drückend heiß. Bei Neumarkt erreichen wir den Etschradweg, bei Salurn - dem letzten Südtiroler Ort vor dem Trentino - verlassen wir ihn wieder. Der erste Trentiner Ort, den wir passieren, heißt Rovere della Luna - welch klangvoller Name. Die nächsten Orte klingen nicht weniger verheißungsvoll - Mezzocorona, und nach einer Straßenauffahrt, den größeren Bruder der Ortschaft Sporminore: Spormaggiore. Hier rasten wir im Schatten am Dorfbrunnen.
Für den letzten Teil der Strecke nach Andalo gibt es ab hier zwei Möglichkeiten. Die leichtere: Straße bergauf bis in den italienischen Urlauberort. Die etwas schwerere: auf Schotter und ohne Autoverkehr über Selvaplana. Ich bin beide Varianten schon gefahren und favorisiere heute den Weg über Selvaplana. Dirk und Jürgen H. schließen sich mir an. Bei David und Jürgen S. ist heute etwas die Luft raus, sie beschließen easy-going auf der Straße nach Andalo zu fahren. Dort werden wir uns wiedertreffen. Die Wasserflaschen werden nachgefüllt und los geht's. Ich bin die Schottervariante zuvor schon einmal gefahren. Erstaunlich, wie mein Bewusstsein die giftigen Rampen kurz vor dem Ziel verdrängt hat. Die Landschaft ist nach wie vor schön und die Rampen sind doch tatsächlich nicht verschwunden. Selbst der am Berg sehr starke Dirk mit seinem extrem leichten Cannondale (O-Ton: "Man muss über jede Schraube nachdenken!") muss absteigen und kurze Strecken schieben. Dass ich das noch erleben darf...
Schließlich erreichen wir Andalo. Der Ort ist, wie ich nicht anders erwartet habe, gut mit urlaubenden italienischen Großfamilien gefüllt und es beginnt eine etwas längere Quartiersuche. Ist aber meine Schuld, ich hätte ja gleich ins mir schon bekannte Hotel gehen können. Ich weiß wirklich nicht, warum ich das erst im vierten Anlauf tue. Wir bekommen jedenfalls ein großes Zimmer mit Aufbettungen. Der Preis ist dadurch sogar recht moderat. Nachdem das geklärt ist, holen wir David und Jürgen S. ab, die uns ihre Ankunft schon vor einer Weile per SMS mitgeteilt hatten und im Ortszentrum einen Kaffee trinken. Gemeinsam geht es abends in eine Pizzeria. Wir freuen uns auf die morgige Ankunft am Gardasee.

350 Bergvagabund Transalp 2007 103 350 P1010203 350 Bergvagabund Transalp 2007 104 350 P1010208 350 Bergvagabund Transalp 2007 110 350 Bergvagabund Transalp 2007 112

bgvag Tag5

 

Übernachtungstipps:

Hotel Dolce Avita, 38010 Andalo, Via Moro 1   Tel. +39 0461 585912   www.hoteldolceavita.it
Touristinfo: Piazza Dolomiti, 1, 38010 Andalo TN, Telefon: +39 0461 585836   www.visitdolomitipaganella.it



6. Tag: 3-Seen-Tour zum Abschluss - Molveno, Toblino, Gardasee

opener 350 Bergvagabund Transalp 2007 115Viele Wege führen von Andalo an den Gardasee. Wir horchen beim Frühstück am Morgen tief in uns hinein und hören übereinstimmend folgendes: Oh Herr, beschere uns eine schöne, aber nicht zu anstrengende letzte Etappe. Dem Wunsch kann entsprochen werden. Vor Jahren bin ich ohne großes Nachdenken einfach die Straße hinunter nach Molveno gerollt. Das muss auch besser gehen, denke ich mir und schaue in die Karte. Neben der Straße schlängelt sich offenkundig ein Wanderweg zum Lago Molveno. Aha, das sollte passen. Zufällig kommt gerade eine junge, attraktive Italienerin des Weges. Eigentlich frage ich lieber ältere Herren mit Hund, die wissen immer Bescheid, wo es langgeht. Aber was soll ich machen? Mangels einer Alternative muss ich die junge Frau fragen. "Ja, gleich am Ortsausgang von Andalo geht links der Wanderweg ab. Da ist auch ein Schild", verstehe ich und bedanke mich für die Auskunft: "Grazie mille e buon giornata, signora." Der Wanderweg ist schnell gefunden und wirklich eine sinnvolle, schöne Alternative zur Fahrt auf der Straße. Auf diese stoßen wir erst wieder am Lago Molveno. Wir könne sie aber vermeiden und umrunden den See auf der Gegenseite. Das stellt sich als reizvolle Variante heraus. Nach der Staumauer rollen wir weiter bergab bis Nembia, queren wieder die Straße und erreichen nach einem kurzen Trailstück die Schotterpiste nach Ranzo. In der Tendenz geht es bergab, ein paar kleinere Gegenanstiege gibt es schon noch. In der Gegenrichtung bin ich diesen Weg schon einmal gefahren und weiß, dass es eine landschaftlich schöne Strecke ist. Wir begutachten von oben den tiefen Einschnitt, den der Fluss Sarca in den Fels gegraben hat und machen auch die Piste zum Passo della Morte am Monte Casale vor uns aus.
Kurz vor Ranzo wird die Schotterpiste plötzlich sehr breit und geht in zerbröckelnden Asphalt über. Scheinbar gab es einmal ein Straßenbauprojekt in Richtung Molvenosee, vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau des Staudammes und des E-Werks - fortgeführt wurde es, wie man sieht, nicht. Gut so, damit ist eine schöne MTB-Strecke erhalten geblieben Am Ortsende von Ranzo führt der Weg über den alten Karrenweg hinunter zum Castel Toblino. Vor ein paar Jahren war das noch ein sehr rustikales Rüttelmonster. Steil ist er immer noch, die Kurven sind eng und die Bremsen müssen gute Arbeit leisten. Unterwegs kommt man an einem großen Felsüberhang vorbei, fast schon eine Höhle. Hier sind oft Kletterer zugange. Es ist interessant, ihnen aus der Nähe zuzusehen. Dabei können die Bremsscheiben abkühlen. Sie werden aber gleich wieder heißlaufen, auf dem Rest des Weges bis zum Lago di Toblino. Weiter geht es am See entlang bis Sarche. Hier am Kreisverkehr halbrechts bis zur Brücke über die Sarca und dort auf den Radweg abbiegen. Er verläuft nach Pietramurata. Ab hier ist uns allen der Weg vertraut. Durch die Steinwüste der Marocche werden wir über Dro und Ceniga nach Arco fahren. Das sollte zügig erledigt sein, aber nein, das erste und einzige Mal auf dieser Transalp schlägt der Pannenteufel zu.
Auf der Strecke wirbelt mein Vorderrad einen Ast in die Luft. Der schlägt einen Salto, erwischt mein Hinterrad und schafft es tatsächlich, sich zwischen den Speichen einzufädeln. Es gibt ein metallisches Peng und ich komme abrupt zum Stehen. Zwei Speichen sind gebrochen und die Felge hat einen ordentlichen Schlag weg. Ich kann das ganze zum Glück so weit zentrieren, dass es bis zum Gardasee halten sollte. Das tut es auch und schließlich erreichen wir ohne weitere Schäden glücklich und zufrieden den Lago di Garda. Auf die erlebnisreiche Transalp stoßen wir gerne an, natürlich mit einem Hefeweizen.

350 Bergvagabund Transalp 2007 117 350 P1010213 350 P1010215 350 P1010218 350 Bergvagabund Transalp 2007 125 350 Bergvagabund Transalp 2007 127

bgvag Tag6

Übernachtungstipps:

Villa Stella: Via Strada Granda, 104 - 38069 Torbole Tel + 39 0464 505354, www.villastella.it
Aktivhotel Santalucia Via Santa Lucia 6, (Gps Via Pontalti), I-38069 TORBOLE SUL GARDA (TN), Tel.: 0039-0464-505140, www.aktivhotel.it
Tonelli-Hotels in Riva und Nago:  www.tonellihotels.com



Fazit

Angenehme, sehr flexible Transalp mit weitgehend fahrbaren Strecken. Imposanter Trail vom Tuxer Joch ins Schmirntal. Sehr gut auch für Einsteiger geeignet. Lässt sich je nach Wetter, Lust und Laune beliebig verlängern oder verkürzen, da man immer in der Nähe des Eisack- bzw. Etschtals mit deren guten Verkehrsverbindungen bleibt.