Transalp.info by Andreas Albrecht

Karwendel - Sette Comuni - Gardasee


5. Tag: Manghenpass, Sette Comuni

opener 350 DSCN3029Heute ist die Route klar und eindeutig. Manghenpass, Val Sugana und von dort aus zur Hochebene der Sette Comuni. Nach dem reichhaltigen Frühstück geht es ohne viel Federlesen gleich bergauf. Den Manghenpass erreicht man unspektakulär auf einer wenig befahrenen Asphaltstraße. Ab und zu passiert uns ein einsames Auto oder eines der wohl unvermeidlichen stark motorisierten Bikes der anderen Fraktion, die sich in den Alpen tummelt. Wie dem auch sei, uns ist heute diese leichte Variante recht, denn ich weiß nicht so recht, was uns bei der noch folgenden Auffahrt zum Rifugio Barricata noch erwartet. Doch zunächst versägen wir die gewonnenen Höhenmeter weicheimäßig auf der Asphaltpiste runter ins Val Sugana, wo uns die übliche Sommerhitze empfängt, die ich von meinen Transalps in den letzten Jahren gewohnt bin. Bevor die Läden gegen zwölf Uhr zur Siesta dicht machen, versorgen wir uns in Scurelle in einem kleinen Spar-Markt mit Essen und Trinken und rasten im Schatten. Die Zeitplanung ist optimal, wie sich herausstellen sollte. Bis Selva ist es nur ein Katzensprung, davon die letzten Kilometer auf dem Radweg.
Im dem Örtchen zweigt genau an einer Wasserstelle rechts die legendäre Auffahrt zur Hochebene Altopiano dei Sette Comuni ab. Jahrzehntelang war die alte Militärpiste in einen Dornröschenschlaf verfallen, aus dem sie erst durch die aufkommende Mountainbike- und Transalpbegeisterung seit Anfang der 1990er Jahre geweckt wurde. 2002 wollte ich sie schon einmal bezwingen. Damals machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Heute hätte es beinahe auch nicht geklappt. Die Straße wird nämlich asphaltiert, wie wir hören müssen und gesperrt sei sie deshalb auch für jeglichen Verkehr, sagt mir eine Einheimischer, den ich nach dem Weg frage. Nun gut, denk ich mir, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Mit dem Fahrrad kommst du eigentlich überall durch, und außerdem ist Mittagszeit. Also nicht lange gefackelt und los. Den Einstieg haben wir schnell gefunden und dann schraubt sich die Piste in moderater Steigung in die Höhe, sehr gut fahrbar bis wir tatsächlich zu Baustelle kommen. Eine Steinwüste liegt auf dem Weg, schweres Baugerät steht herum, die Felswände werden aufwändig gesichert. Bis auf einen Arbeiter, der im Schatten döst, ist keine Menschenseele zu sehen - Siesta alla italiana. Ich grüße freundlich, es kommt keine Widerrede und wir ziehen weiter. Die Tragepassage über Felsbrocken ist kurz und wir kommen noch in den Genuss der ursprünglichen Piste. Wie wir dann abends erfahren werden, wird die Hochebene und eben auch diese Straße mit immensem finanziellen Aufwand erschlossen. Ob das so richtig sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln, denn auf der Hochebene wohnen nur eine Handvoll Menschen, die auf dem kärglichen, trockenen Boden Schafe und Kühe halten. Naja, vielleicht wird ja auch mal das Pfunderer Joch asphaltiert, damit es wirklich komplett fahrbar wird.
Der Weg zieht sich, bis wir endlich das Rifugio Barricata erreichen, wo wir eine Unterkunft für die Nacht zu finden hoffen. Mir schwant nichts Gutes, als ich einen Notausschank in Baucontainern antreffe. Das Rifugio wird renoviert und ist geschlossen (inzwischen wieder geöffnet - siehe Via Crux Albi - 5. Tag). Nun bin ich doch froh, das ich mit meinen paar Brocken Italienisch schnell herausbekomme, dass das Rifugio Marcesina offen hat, es dort Zimmer gibt und es auch nur zwei Kilometer entfernt ist. Schnell sind wir dort, checken ein und schlucken erst einmal bei dem für diese Verhältnissen üppigen Preis für die Halbpension von 54 Euro (2005). Aber uns bleibt keine Wahl, wir haben schon über 2400 Höhenmeter in den Beinen und wirklich keine Lust weiterzufahren.
Noch ein paar andere Transapler treffen ein, sie sind aber nicht sehr gesprächig. Der Abend wird aber auch so ganz interessant. Ein Bauarbeiter nächtigt hier. Er ist Südtiroler und wir kommen ins Gespräch. Seine Firma ist mit dem Bau der Wasserleitung hier oben beschäftigt. Bisher mussten sich die Leute mit Wasser aus Zisternen begnügen. Einige Millionen Euro Fördergelder aus EU-Mitteln für strukturschwache Regionen aus sollen den Tourismus hier oben ankurbeln. Im Winter sollen hier bis zu sechs Meter Schnee fallen, ein ideales Gelände für Langlauf ist es schon. Die beiden erwähnten Rifugios werden mit ca. zwei Millionen Euro aus regionalen Mitteln renoviert und dann langfristig an die jetzigen Betreiber verpachtet, die jetzt schon die Preise von später kassieren. Wie dem auch sei, durch unsere Unterhaltung kommen wir noch in den Genuss einer einheimischen Spezialität. Ein paar Italiener machen hier seit einiger Zeit Urlaub und lassen sich ein interessantes Mixgetränk servieren. Es sieht aus wie Glühwein und wird auch flambiert serviert. Sie schaffen nicht alles und geben den Rest an unseren Tisch. Ich bin natürlich für alles Neue aufgeschlossen und probiere gleich einen Schluck. Der schmeckt sehr lecker, hat es aber in sich. Wie wir uns erklären lassen, ist es eine Mixtur aus Kaffee, Rotwein und Grappa. Eine heiße Mischung, für wahr. Wir haben keine Probleme beim Einschlafen.

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2005explorer 05

Tourdetails: (bitte Hinweise zum Haftungsausschluss beachten)

Ort km hm Zeit Bemerkungen Karte
Molina 0,0 855 m 08:08 Molina 74
Kreisverkehr 0,8 861 m 08:12 Kreisverkehr 74
Cadino al Cervo 6,3 1150 m 08:48 unspektakuläre Auffahrt auf Nebenstraße, wenig Verkehr 74
Wasserstelle 7,2 1203 m 08:55 bei Ponte de Stue Alternative über Weg 318 zur Forcella die Valsorda (2256) zum Val Cion 74
Malga Cadina 14,5 1821 m 10:03 Rastmöglichkeit 74
Manghenhütte 16,6 2014 m 10:30 Rastmöglichkeit 74
Manghenpass 17,0 2042 m 10:34 jetzt geht es rasant abwärts 74
Ristorante Baessa 24,9 1348 m 11:01 Straße 75
Telve di sopra 36,3 648 m 11:23 Straße 75
Telve 37,8 574 m 11:27 Straße 75
Carzano 38,7 526 m 11:29 Carzano 75
Carzana Kirche 39,2 493 m 11:30 links Richtung Scurelle 75
Abzweig rechts 40,0 459 m 11:33 rechts ab durch Apfelplantagen 75
Scurella 40,6 436 m 11:34 Rast bis 12:10, weiter Straße Richtung Strigno 75
Weggabel 41,6 457 m 12:16 Weggabel rechts Richtung Agnedo 75
Villa Agnedo 42,1 450 m 12:18 hier geradeaus 75
Abzweig rechts 42,8 438 m 12:20 rechts ab auf Straße 75
Abzweig links 43,7 395 m 12:22 links Richtung Ospedaletto 75
Ospedaletto 45,7 392 m 12:29 weiter Richtung Hauptstraße SS 47 75
Hauptstraße SS 47 46,5 365 m 12:31 SS 47 und Eisenbahn unterqueren, Richtung Fluss Brenta 75
Brücke 47,7 355 m 12:37 Brücke, dann links auf Radweg 75
Rastplatz 49,5 343 m 12:46 Rastplatz 76
Selva 50,7 283 m 12:52 bei Wasserstelle rechts abbiegen, dann noch mal rechts und bei gelbem Haus links abbiegen; war bis 2005 gut fahrbare alte Militärpiste auf Schotter, ist jetzt komplett asphaltiert 76
Felstunnel 56,0 708 m 13:49 Felstunnel 76
Wegeeinmündung 60,0 1062 m 14:44 Wegeeinmündung, weiter rechts bergauf 76
Wegeeinmündung 62,1 1217 m 15:06 Wegeeinmündung von Malga Vacchetta, geradeaus weiter 76
freies Almgelände 63,4 1246 m 15:15 jetzt ist das Gröbste geschafft 76
Rifugio Barricata 64,8 1324 m 15:24 Loc. Barricata, 1, 38055 Altopiano Di Marcesina, Grigno TN, http://www.labarricata.it/   76
Albergo Marcesina 67,3 1357 m 15:49 Piana di Marcesina - Enego Tel.: 0039 0424 490209    http://www.rifugiomarcesina.it/
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