Transalp.info by Andreas Albrecht

Karwendel - Sette Comuni - Gardasee


6. Tag: Auf alten Kriegspfaden zum Monte Maggio

opener 350 DSCN3047Der starke Schlummertrunk bewirkt, dass wir das nächtliche Gewitter nur am Rande mitbekommen. Als wir am frühen Morgen aus dem Haus treten, ist die Luft klar und frisch und der Himmel wolkenlos. Das Frühstück ist ganz o.k. und wir ziehen los, um die Hochebene zu erkunden. Wir folgen wieder der Route aus der DVD "Abenteuer Alpencross" und ich recherchiere detailliert für das Roadbook. Die Orientierung ist entgegen meiner Befürchtung einfach. Mit Hilfe der sehr guten Wegweisung und des entsprechenden Kartenmaterials sollte es kein Problem sein, sich hier oben zurechtzufinden, wenn man denn weiß, wo man hin will. Das Wegenetz aus breiten Schotterpisten ist in gutem Zustand und verdankt seine Entstehung den kriegerischen Auseinandersetzungen im Ersten Weltkrieg zwischen Österreich/Ungarn und Italien. Hier oben verlief die Grenze und damit auch die Frontlinien. Eine Vielzahl von Festungen entstand hier, die eine entsprechende Logistik erforderten. Wir Mountainbiker freuen uns heute über diese idealen Fortbewegungsmöglichkeiten durch Landschaften, die man zu Fuß kaum durchstreifen könnte. Es empfiehlt sich, hier oben der Route "100 km dei Forti" zu folgen, die die alten Kriegsanlagen gut miteinander verbindet. In den KOMPASS-Karten 75 und 101 ist der Weg als MTB-Route ausgewiesen.
Ich kenne große Teile der Route schon von meiner Tour "Transdolomiti 2002", so dass ich keine Probleme habe, mich zurechtzufinden. Wir folgen im wesentlichen der Hauptroute über Bivio Italia, Portule, Larici, Busa Verle, Passo Vezzana und Luserna. Wenn es die Tourplanung erlaubt, sollte man hier oben eine weitere Übernachtung einplanen, z.B. am Passo Vezzana oder in Lusern. Dann hat man ausreichend Zeit, die Gegend auch mal ohne Rucksack auf dem Rücken zu erkunden. Wir stehen zwar nicht unter immensem Zeitdruck, trödeln dürfen wir aber auch nicht, da wir heute noch den Monte Maggio bezwingen wollen. Am Passo Sommo treffen wir zu meiner großen Überraschung auf Michael, der in jenem Jahr an Himmelfahrt mit im Trainingscamp am Gardasee war. Er führt nun selber eine kleine Gruppe über die Alpen. Da ich sowieso auf David warten will, der bei der Auffahrt einen Gang zurücklegen musste, machen wir kurze Rast und quatschen. David hat die Pause gut zum Regenerieren genutzt und fährt mir wiederum am Passo Coe davon. So gleicht sich alles aus. Es ist schon später Nachmittag und wir checken, ob wir es zeitlich hinbekommen werden, heute noch die legendäre Abfahrt am Monte Maggio zu fahren. Es sollte klappen, wenn nichts schief geht; nur die Wolken in Richtung das Maiberges machen uns Sorgen. Wir nehmen den Wanderweg E5, der kurz nach dem Rifugio Passo Coe rechts abzweigt. Ein paar holprige Stellen zwingen uns kurz zum Schieben, wir kommen aber gut voran. Schließlich erreichen wir den schmalen Pfad, der hoch über dem Tal langsam in Richtung Gipfel zieht. Offensichtlich ist es auch ein alter Militärweg, der aber teilweise so verfallen ist, dass wir schieben müssen. Das Eisenkreuz auf dem Gipfel des Monte Maggio lugt ab und zu durch die Nebelschwaden. Es ist nicht mehr weit.

350 DSCN3035 350 DSCN3041 350 DSCN3049 350 DSCN3050 350 DSCN3051 350 DSCN3064 350 DSCN3067 350 DSCN3071 350 DSCN3073 350 DSCN3075 350 DSCN3080 350 DSCN3088

Später wird der Pfad flacher und breiter und lässt sich wieder gut fahren. Irgendwann wechselt der Weg auf die andere Seite der Bergflanke, wir sind oben und mir wird klar, warum es hier so neblig ist. Die Alpen sind hier zu Ende und die feuchtwarme Luft aus der Ebene wird gegen die Bergflanke gedrückt und zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kondensiert die Feuchtigkeit und Nebel bildet sich. Der ausgesetzte Pfad führt nun ein Stück am Kamm entlang, um dann bald drastisch an Höhe zu verlieren. Ab und zu reißt der Nebel auf und wir schauen in schwindelerregende Tiefen. Angstgefühle machen sich bei uns aber nicht breit; was wir nicht fahren können und wollen, schieben wir halt. Trailspezialisten werden hier ihre helle Freude haben, aber auch für Normalbiker wie David und mich ist die Abfahrt ein Erlebnis der besonderen Art. Fahren und Schieben wechseln sich ab. Es macht Spaß, hier zu sein. Nur bei Regen möchte ich diesen Trail nicht fahren. Irgendwann stoßen wir in der Nähe eines aufgelassenen Steinbruchs auf den legendären alten LKW, der im Wald vor sich hinrostet. Selbst danach ist es teilweise noch so steil, dass wir uns fragen, wie der LKW jemals hier hoch gekommen ist. Schließlich können auch wir flüssig die letzten Serpentinen fahren und erreichen am Passo Borcola die Straße.

350 DSCN3094 350 DSCN3096 350 DSCN3100 350 DSCN3103 350 DSCN3106 350 DSCN3110

350 DSCN3115Wir wollen in Posina übernachten. Es dauert links bergab keine zehn Minuten und wir sind da. Das Gasthaus "Trattoria All'Alpino" liegt direkt an der Straße. Die Chefin winkt uns schon aus der Küche zu, wo sie offenkundig das Abendessen eigenhändig zubereitet. Es riecht oberlecker - cucina alla casalinga. Keine Frage, hier bleiben wir, nach dem Preis frage ich gar nicht erst. Schnell beziehen wir unsere Zimmer in der Dependance und machen uns zum Essen fein. Wir haben kaum Platz genommen, da wird uns auch schon groß aufgetafelt. Ein frugales italienisches Menü vom Allerfeinsten und das in solchen Mengen, so dass selbst wir ausbelasteten Mountainbiker beim besten Willen nicht alles vertilgen können. Der Grappa danach ist ein Muss.

2005explorer 06

Variante: Via Crux Albi

siehe auch dort die Streckenführung am 6. Tag mit ihren Varianten

Tourdetails: (bitte Hinweise zum Haftungsausschluss beachten)

Ort km hm Zeit Bemerkungen Karte
Albergo Marcesina 0,0 1369 m 08:01 früher Start empfehlenswert, da lange Etappe
 
Abzweig rechts 0,9 1370 m 08:05 Abzweig rechts auf Schotter Richtung Malga Buson; alles Schotterwege, teils grob und erodiert, max. S1 76
Militärfriedhof 2,0 1378 m 08:11 Abzweig Militärfriedhof, geradeaus 76
Malga Buson 2,7 1394 m 08:14 weiter geradeaus auf guter Schotterpiste 76
Abzweig links 3,2 1413 m 08:17 Abzweig scharf links Richtung Malga Fossetta 76
Abzweig Rifugio Campo 5,7 1541 m 08:35 geradeaus weiter 76
Asphaltstück 8,6 1574 m 08:51 geradeaus weiter, nicht Ri Fossetta abbiegen 76
Bivio Monte Cucco di Molina 10,4 1647 m 09:02 links ab Schotter 76
Bivio Piazza delle Saline 11,2 1694 m 09:10 hier geradeaus weiter Richtung Malga Moline 76
Weggabel 11,4 1705 m 09:14 links Richtung Malga Pozze 76
Schautafel Monte Forno 13,9 1803 m 09:32 Schautafel Monte Forno, kurz danach links Richtung Bivio Italia 76
li Ri Bivio Italia 13,9 1810 m 09:35   76
Soldatenfriedhof 14,4 1847 m 09:42 gerade Richtung Bivio Italia 76
Bivio Monte Forno 15,9 1933 m 09:55 rechts Richtung Bivio Italia 75
Bivio Italia 16,5 1978 m 10:04 geradeaus Weg 2 Richtung Larici 75
Campo Gallina 20,9 1854 m 10:46 altes Lazarett 75
Erzherzog Eugen Denkmal 22,1 1796 m 10:51 rechts Richtung Larici 75
Kehre 23,1 1857 m 11:03 hier rechts Richtung Bocchetta Portule 75
Wasserstelle 23,6 1906 m 11:10 hier oben gibt es nicht viel zu trinken, also Wasser fassen 75
Bocchetta Portule 23,9 1936 m 11:14 alte österreichische Seilbahnstation aus dem 1. Weltkrieg, unbedingt besichtigen! 75
Malga Larici di sotto 29,8 1636 m 11:47 Rastmöglichkeit, ansonsten geradeaus weiter 75
Albergo Larici 30,2 1608 m 11:50 war 2005 geschlossen 75
Bivio Valfornica 30,7 1629 m 11:54 geradeaus, nicht rechts zur Malga Larici di sopra, es sei denn, man will Rast machen; weiter dann geradeaus Richtung Malga Porta Manazzo 75
geradeaus 30,8 1642 m 11:58 Richtung Malga Porta Manazzo 75
Malga Porta Manazzo 32,4 1737 m 12:10 weiter geradeaus 75
Porta Manazzo 32,9 1771 m 12:14 kleine Passhöhe 75
Weggabel 34,2 1739 m 12:20 rechts Richtung Forte Busa Verle, auf weiterem Weg bei Malga Marcai di Sopra besteht die Möglichkeit, zum ex Forte Spitz Verle auf dem Pizzo di Levico abzubiegen (ca. 400 Höhenmeter zusätzlich) 75
Fontanone 35,0 1714 m 12:23 ab hier Grobasphalt 75
Busa Verle 40,3 1472 m 12:37 halblinks weiter 75
Ex Fort Busa Verle 40,9 1486 m 12:44 alte Festung, besichtigen 75
Passo Vezzena 42,3 1412 m 13:02 Übernachtungsmöglichkeit, großes Hotel - Albergo Vezzena, loc. Passo Vezzena, 38056 Levico Terme (Trento),Tel.: 0039 0464 784197 - http://www.albergovezzena.com/
75
Abzweig links 43,4 1449 m 13:09 Abzweig links möglich zur Bikeroute "100 km dei Forti" oder auf Straße bis Lusern bleiben 75
Einmündung Bikeroute 46,9 1422 m 13:27 in der Nähe des Langlaufzentrums 75
Centro del Fondo 47,4 1415 m 13:29 Centro del Fondo Langlaufzentrum 75
Luserna 49,3 1324 m 13:35 unbedingt rasten und auf die Sprache der alten Einwohner achten, Lusern ist eine zimbrische Sprachinsel (altbayerischer Dialekt der Siedler aus dem Mittelalter), http://www.lusern.it/
75
Abzweig Bikeroute 53,7 1255 m 14:02 Abzweig Bikeroute möglich, weiter Straße 75
Albergo Monterovere 54,9 1255 m 14:06 Unterkunftsmöglichkeit unsicher - dann Teerstraße links Richtung Folgaria 75
Abzweig 56,2 1219 m 14:09 Bikeroute Malga Laghetto möglich, weiter Straße 75
Gasperi 60,2 1191 m 14:22 Straße, dann in Capella rechts Richtung Trento 75
Gionghi 60,6 1174 m 14:23 geradeaus Richtung Trento 75
Chiesa 62,0 1146 m 14:27 rechts Richtung Trento/Lavarone 75
Abzweig links 63,0 1169 m 14:31 links Richtung Trento/Carbonare 75
Virti 64,5 1113 m 14:33 Straße oder alternativ auf Bikeroute "100 km dei Forti" 75
Carbonare 66,1 1076 m 14:38 Übernachtungsmöglichkeit z.B. Hotel Cornetto, Via G. Carducci 9, Tel.: 0039 0464 765131, dann Straße Richtung Rovereto 75
Morganti 67,2 1151 m 14:45 Straße 75
San Sebastiano 68,3 1238 m 14:53 Straße Richtung Passo Sommo 75
Passo Sommo 69,7 1335 m 15:03 Passo Sommo Rast bis 15:29 75
Abzw. Bikeroute wie 2002 dolo 70,0 1336 m 15:29 Abzweig Bikeroute, diesmal geradeaus Straße bergab 75
Costa 71,3 1256 m 15:32 Straße bergab 75
Folgaria 72,6 1179 m 15:34 links Straße Richtung Passo Coe 75
Einmündung Bikeroute von Sommo Alto 78,6 1596 m 16:18 Einmündung Bikeroute von Sommo Alto wie 2002 dolo, Straße queren, dann links Ri Maggio 101
Passo Coe 78,9 1612 m 16:29 Straße überqueren, Route "100 km dei Forte" folgen oder oder Variante über Rifugio Passo Coe: am Passo Coe Straße nach links bis zum Rifugio Passo Coe, kurz danach rechts Weg 124/E 5 Ri Monte Maggio Weg, Wurzeln, Steine, teilweise schieben, trifft nach ca. 1,5 km auf Monte Maggio Trail 101
Rif. Passo Coe 79,2 1605 m 16:32 rechts Weg 124 Richtung Monte Maggio E5 101
Monte Maggio 82,6 1830 m 17:20 Gipfelkreuz aus Eisen, alte Stellungen besichtigen; Abfahrt ist eine Herausforderung für Fahrtechnikspezialisten, schmaler Singletrail mit Spitzkehren und verblockten Felspassagen: S2, Passagen bis S3 101
Borcoletta 84,7 1752 m 17:53 weiter Trail 101
LKW 85,9 1492 m 18:14 bei aufgelassenem Steinbruch, danach noch kurz steil, später Wiesenweg 101
Passo Borcola 87,1 1254 m 18:25 hier links bergab 101
Beber 94,4 681 m 18:39 wenn man direkt zum Pasubio will hier links zum Colle Xomo abzweigen - wenn es die Tourplanung erlaubt, unbedingt in Posina übernachten der zumindest essen 101
Posina 96,7 600 m 18:44 Tipp zum Übernachten u/o Essen: Trattoria All'Alpino, 36010 Posina, Via Sareo, Tel.: 0039 0445 748019 - preiswert, reichlich, alle casalinga 101