Transalp.info by Andreas Albrecht

Pfunderer Joch - Grauner Joch


3. Tag: Pfunderer Joch

Die Auffahrt zum Schlüsseljoch (2209 m) war schnell erledigt. Ab und an musste wir schieben, weil der Weg zu ausgewaschen zum Fahren war. den Übergang als solchen erreicht man aber auf jeden Fall im Sattel sitzend. Gemeinsam mit zwei jungen Studenten auf ihrer ersten Transalp-Tour befreiten wir direkt am Joch ein Schaf, das sich im Stacheldraht verfangen hatte und sonst wohl dem Verdursten geweiht gewesen wäre. Das glückliche Geschöpf gab seiner Freude Ausdruck, in dem es eine ganze Weile bergab unseren Weg begleitete, bis es seine Herde erreicht hatte. Bei einem kurzen Foto-Stopp schien sich dann das Oberhaupt der Herde auch noch bei uns bedanken zu wollen. Es kam zu uns heran, beschnüffelte uns kurz, aber intensiv und trollte sich dann mit einem freundlichen Nicken von dannen. Leider hat sich diese gute Tat auf unsere kurzzeitigen Wegbegleiter nicht positiv ausgewirkt. Eigentlich wollten wir zusammen zum Pfunderer Joch fahren. Einer unserer kurzzeitigen Begleiter hatte bei der schweren Schotterabfahrt, die ca. 800 hm hinab nach Fussendrass führt, mit seinem schlauchlosen System-Rad einen Platten: Wie wir später von einer nachkommenden Gruppe erfuhren, mussten sie wegen der Reparatur nach Sterzing abfahren. Soviel zum Thema High-tech auf Transalp-Tour. Wir warteten also in Fussendrass vergebens und machten uns nach einer Weile allein auf den folgenden Uphill über ca. 1200 hm. Vorher füllten wir unsere Wasservorräte bei Einheimischen auf, die gerade beim Verlassen ihres Gehöftes waren. Sie gaben uns auch den Hinweis, wo noch Wasserstellen zu finden waren. Das Pfunderer Joch befindet sich im touristischen Niemandsland und ist auch deshalb einer der beeindruckendsten Übergange des Alpenhauptkammes, die mit dem Mountainbike machbar sind. Wir trafen unterwegs nur auf einem einsamen Hirten. Die Auffahrt ist zu weiten Teilen extrem steil, ohne Flachstücke und an der Grenze des Fahrbaren. Das eine oder andere Schiebestück lässt sich je nach Kondition sicher nicht vermeiden. In 2,5 - 3 Stunden sollte man aber oben sein.
Glücklich angekommen wartete hier im oberen Teil einer der besten Downhills im hochalpinen Bereich auf uns. Nur am Ende des Plateaus schon in Sichtweite der Weitenberg-Alm folgte noch eine Passage, die etwas für ausgewiesene Trial-Spezialisten ist. Der verblockte Singletrail wird die meisten wohl ab und zu zum Absteigen zwingen, zumal wenn der Rucksack von hinten, bei der Steilheit des Geländes muss man wohl sagen – von oben – nachdrückt.

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 Die Weitenberg-Alm ist ein natürlicher Rastplatz, an dem man das rustikale Angebot an Speisen und Getränken wahrnehmen sollte. Wir genehmigten uns eine ordentliche Portion Eier mit Speck, ergänzt mit Milch von glücklichen Kühen. Der weitere Weg ins Pfunderer Tal ist im oberen Teil landschaftlich spektakulär, so dass wir des Öfteren anhielten, um die Eindrücke in uns aufzusaugen. Ab dem Örtchen Dun (1583 m) ging es auf einem guten Asphalt-Sträßchen rasch bergab bis Nieder-Vintl im Puster-Tal, wo uns die mediterrane Hitze dieses Super-Sommers wieder voll vereinnahmte. Beim Anhalten bemerkten wir, dass der Hinterreifen des Bikes von Matze bei der Abfahrt auf dem schweren Schotter einen kleinen Riß abbekommen hatte. Er ließ ein wenig Luft ab und wir trödelten nicht lange, um zunächst auf dem Radweg, dann ein Stück die Straße entlang via Mühlbach nach Brixen abzufahren. Am Ortseingang befand sich ein Sportgeschäft mit professionellem Bike-Service. So konnten wir die Wehwehchen unserer Bikes in Ruhe kurieren. Nach einem Eiskaffee in der schönen Altstadt von Brixen fanden wir nach einer entspannten Fahrt auf dem Radweg entlang der Eisack Quartier in Albeins.

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