Transalp.info by Andreas Albrecht

Pfunderer Joch - Grauner Joch


5. Tag: Grauner Joch

Frohgemut starteten wir an diesem strahlenden Sommermorgen zu einer Etappe, auf der wir reichlich 2800 Höhenmeter überwinden sollten. Das Grauner Joch und der italienische Urlaubsort Andalo in der Brenta waren die Eckpunkte. Das Joch mit einer Höhe von 1800 m hörte sich erst mal unspektakulär an. Der Start erfolgte aber bei rund 220 m. So wurde schnell klar, was uns bei dieser Hitze heute erwartete. Dieser Übergang ins italienische Sprachgebiet ist zwar durchgehend fahrbar, des Öfteren geht es allerdings in den Grenzbereich. Genug Wasser sollte man auf jeden Fall mitnehmen. Erst oben am Joch wussten wir nun, dass man in Graun bei ca. 900 m ordentlich Wasser für die Auffahrt bunkern sollte. Mit einer kleinen Ehrenrunde ab dem Wanderparkplatz, wo man sich geradeaus auf der guten Schotterpiste halten sollte, legten wir beide knapp 1000 Höhenmeter mit nur je einer Wasserflasche zurück. Als wir endlich oben angekommen waren, konnten wir gut nachvollziehen, wie sich ein Kamels in der Wüste fühlt, das am Verdursten ist.

Hinweis: Auf dem Weg zum Grauner Joch gibt es mittlerweile eine Wasserstelle, die zwar an einem versteckt liegenden Forsthaus ist, aber auf der Strecke als Wasserstelle ausgeschildert ist. (Danke an Steffen M. für den Tipp!)

Unser Hauptaugenmerk war nun darauf gerichtet, schnell zur nächsten Malga mit Wasserstelle zu kommen. Das war nicht ganz einfach, da die Wege in der Kompass-Karte hier eher gemalt schienen als den exakten Verlauf darstellend. Wir verließen uns auf unseren Wege-Instinkt und fanden schließlich nach ein paar schweren Passagen auf und ab entlang des Bergkammes den richtigen Weg zur Malga Coredo. Ich schätze mal, es werden so an die 2 Liter Wasser gewesen sein, die wir dort ins uns hineinschütteten. Frisch gestärkt genossen wir dann die Abfahrt über Vervo, Prio und Mollaro hinab ins Tal des Flusses Noce. An der Staatsstraße angekommen bogen wir links ab und benutzten deren breiten Randstreifen als Radweg, um schnell bergab zu gelangen (das ist heute nicht mehr erlaubt). Man sollte hier keine Experimente eingehen und den Abzweig auf die Straße Richtung Spormaggiore nehmen. Denn ab hier wartet noch eine sehr schöne Schotterpiste, die über Le Seghe und Selvaplana nach Andalo führt. Die gut 500 Höhenmeter wollten aber auch erst mal bewältigt sein. Der Weg zieht sich und zieht sich und wird zum Ende hin immer steiler. Ab einem Fußballplatz kann man nun ein wenig bergab hinein nach Andalo. Im August ist hier alles mit italienischen Familien belegt, die ihren Urlaub mit Kind und Kegel genießen. Wir waren heute garantiert die einzigen Deutschen hier und fanden mit Mühe und Not eine nicht ganz billige, aber sehr ansprechende Unterkunft. Im Juli oder September sieht es da garantiert besser aus.

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Nach mehr als sieben Stunden Sattelzeit reichte es uns. Wir kauften unser Abendbrot im Supermarkt und stellten unsere Fahrräder in der Garage des (damaligen) "Hotels Scoiattolo" sicher neben dem Porsche Boxster des Chefs ab. Am Abend genehmigte ich mir dann an der Bar noch einen Espresso nebst Grappa und kam mit dem jungen Chef des Hotels ins Gespräch. Meine mäßigen Italienischkenntnisse reichten zum Glück aus, um das wesentliche über Woher und Wohin mitteilen zu können. In Italien fasziniert mich immer wieder die herzliche und unkomplizierte Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit, die einem entgegenschlägt, wenn man auf die Menschen zugeht. Das Frühstück nach der Nacht im Himmelbett war für italienische Verhältnisse sehr üppig.

5tag

Variante A: Toss

Ab Prio unter Umgehung der Passage auf der stark befahren und inzwischen für Radfahrer verbotenen Staatstraße nach Toss. Weiter auf wie bei Tiroler Jöchl Transalp auf Nebenstrecke bis zum Verkehrskreisel am Ein- bzw. Ausgang des Nonstals. Hier ist volle Konzentration angesagt, um den richtigen Einstieg zur Straße in Richtung Andalo zu finden.