Transalp.info by Andreas Albrecht

Mittenwald - Uina - Comersee


3. Tag: Drei-Länder-Etappe zur Sesvenna-Hütte

opner 350 opner IMG 2932Wie schon bei der Via Crux Albi verwendet Dirk seinen Familienurlaub in Südtirol, um mich auf einem Abschnitt meiner Transalp zu begleiten. Das geschieht bei einem Schönwetterfenster, um mit leichtem Gepäck oder gar keinem unterwegs sein zu können. In Kombination mit seinem auf extremen Leichtbau getrimmten Cannondale ist er mir bergauf natürlich haushoch überlegen. Aber darauf kommt es nicht an. Wichtig ist, dass wir heute eine sehr eindrucksvolle, alpine Etappe gemeinsam fahren werden. Die Strecke hatte ich schon vorher ausgetüftelt. Heute fahren wir sie bei bestem Wetter am Stück. Los geht es in Pfunds mit einer lockeren Einrollstrecke ab Pfunds auf dem Innradweg bis zur Kajetansbrücke. Hier gibt es einen Radweg flussaufwärts entlang des Inns. Dadurch können wir ein Stück der Straße nach Martina in der Schweiz vermeiden. In der Nähe des alten Innübergangs Altfinstermünz müssen wir dann doch auf die Straße wechseln. Der Inn hat hier einen Canyon in den Fels gegraben, an dessen Rand beim besten Willen kein Platz für einen Pfad ist. Zügig rollen wir nach dem Ort Vinadi hinunter nach Martina. An der Schweizer Grenzstation interessiert sich für uns Mountainbiker kein Mensch. Mit einem Kopfnicken werden wir durchgewunken. Die Straßenvariante über die Norbertshöhe nach Nauders verkneifen wir uns heute, wir wollen uns ein wenig mehr quälen. Dazu wählen wir die steile Auffahrt von Sclamischot in Richtung Nauders. Im kleinen Ort verlassen wir also den Innradweg, es geht auf der MTB-Route bald straff bergauf. Im Bereich der grünen Grenze zwischen der Schweiz und Österreich gibt es einen kurzen Trailabschnitt, ehe wir wieder auf einer Schotterpiste in Richtung Mösle rollen. Hier gibt es wieder einen kleinen Trail, der uns auf der Straße kurz vor Nauders ausspuckt. Die Via Claudia hat uns wieder.

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Der Radweg führt uns in Nauders wieder einmal an einem M-Preis vorbei, perfekte Zeit und perfekter Ort für eine Rast. Heute steht uns noch einiges bevor, da brauchen wir eine Stärkung. Wir suchen uns einen schattigen Platz auf der Terrasse. Erstaunlich, was in der halbstündigen Pause an Radlern an uns vorbeizieht. Tourenradler, Mountainbiker, Rennradler und E-Biker - ein bunt gemixtes Völkchen. Bis zum Reschenpass und entlang des Reschensees werden wir die Strecke mit ihnen teilen. Erst am Haidersee verlassen wir beide die Via Claudia und sind schlagartig wieder allein unterwegs. Eine Forstpiste führt uns stetig in die Höhe in Richtung Pfaffensee. Bald sind wir über der Baumgrenze. Die Sicht ist fanstatisch. Der Ortler liegt mit seiner Schneehaube gegenüber auf der anderen Talseite. An einer Wegbiegung treffen wir auf ein paar einheimische Forstarbeiter. Sie haben ein Fernglas dabei und reichen es uns. Auf dem Ortlerplateau ist doch tatsächlich deutlich die Trampelspur des Normalweges von der Payerhütte zum Gipfel zu sehen. Bei dem guten Wetter herrscht dort oben ein reger Betrieb.
Uns kommt die kleine Pause gerade recht. Denn es wartet eine nette, steile Rampe auf uns. Dirk schätzt ein, dass er sie fahren kann. Die Einheimischen wollen schon Wetten abgeben, dass er es nicht schafft. Wenn ich dagegen halten wollte, könnte ich sicher die Reisekasse aufbessern. Danach steht mir nicht der Sinn. Ich sage ihnen, dass sie die Wette wohl verlieren würden. Sie wollen es erst nicht glauben, müssen sich dann aber augenscheinlich vom Gegenteil überzeugen lassen.
Die Rampe ist fahrbar, jedenfalls für Dirk, der ohne Rucksack unterwegs ist. Ich habe Gepäck dabei und mein Rad wiegt vielleicht fünf Kilogramm mehr als das von Dirk, das ein Kampfgewicht von unter acht Kilogramm aufweist. Trotzdem ist das Cannondale transalptauglich. Dirk weiß, was er tut, wenn er sein Bike tunt. Sein Spruch lautet: "Man muss über jede Schraube nachdenken." Das macht Dirk mit Sinn und Verstand, bei der Sicherheit gibt es keine Kompromisse. Wenn er wollte, könnte er diese Marktnische professionell ausfüllen. Will er aber nicht, lieber sind ihm entspannte Transalptouren. Da hat er Recht.
Wir haben uns inzwischen weiter nach oben geschraubt und passieren die Pfaffenseen. In der Nähe der Plantapatsch-Hütte gelangen wir auf den Höhenweg, der sich zur Sesvenna-Hütte hinzieht. Wir befinden uns hoch über dem Schliniger Tal. Da hier ein Lift Wanderer in die Höhe befördert, muss man bei gutem Wetter mit einigen Wanderern auf der Strecke rechnen. Mit der gebotenen Rücksicht sollte es keine Probleme geben, zumal man das Rad bei einigen kleinen Gegenanstiegen schieben muss. Der Weg zieht sich schon hin, das Panorama entschädigt für die kleine Mühsal. Schließlich erreichen wir die Sesvenna-Hütte am späten Nachmittag. Mein Tagesziel für heute ist erreicht. Dirk fährt noch ins Tal ab, ins Urlaubsdomizil seiner Familie. Morgen will er in aller Frühe wieder da sein, um mit mir gemeinsam das Val d'Uina zu durchqueren.

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Altenative: Inn-Radweg, Straße über Norbertshöhe

Ab der Kajetansbrücke auf Straße bis Martina und über die Norbertshöhe nach Nauders.