Transalp.info by Andreas Albrecht

Mittenwald - Uina - Comersee


4. Tag: Königsetappe - Val d'Uina und Pässe satt

opner 350 opner IMG 2984Dirk ist rechtzeitig zur Stelle. Was heute vor uns liegt, ist zweifellos die hochalpine Königsetappe dieser Transalp, was aber nicht heißt, dass es hinterher langweilig wird. Das Val d'Uina ist das erste Highlight des Tages. In beiden Richtungen ist die Durchquerung der Schlucht spektakulär und bei Alpencrossern eine Legende. In der von uns gewählten Süd-Nord-Richtung geht der Weg bergab. Damit wäre die Schlucht theoretisch zu großen Teilen fahrbar, wenn das nicht zu gefährlich und mit realer Lebensgefahr verbunden wäre. Der in die Felswand gehauene Pfad ist zwar meist recht breit, aber teilweise extrem ausgesetzt, so dass die Absturzgefahr sehr groß ist. Ein Sturz in die Tiefe hat unausweichlich den Tod zur Folge. Das ist einigen Mountainbikern im Laufe der Jahre auch schon zugestoßen. Das kann man nun tragisch finden oder auch nicht, in den Bergen bzw. allgemein sollte schon das Prinzip Eigenantwortung gelten. In den meisten Fällen ist Leichtsinn die Ursache. Letztlich ist jeder selbst für seine Sicherheit verantwortlich.
Ich entscheide mich an den kritischen Stellen, mein Rad zu schieben. Mit einem Rucksack auf dem Rücken ist die Balance nach meinem Gefühl nicht ausreichend sicher. Das Laufen und Schieben des Rades ist aber meines Erachtens relativ gefahrlos möglich, wenn man schwindelfrei ist. Allerdings sollte man sich vor der Durchquerung erkundigen, ob die Passage schon schnee- und eisfrei ist. Im Winter ist der Felsenweg vereist und nicht passierbar, demzufolge braucht es im Frühjahr/Sommer erst eine Weile, bis der Weg passierbar ist. Der Wirt von der Sesvenna-Hütte sollte zu einer kompetenten Auskunft in der Lage sein.

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Dirk hat keinen Rucksack dabei und entschließt sich, an einigen Stellen zu fahren. Das sieht schon spektakulär aus, ich sage aber nicht nur im Spaß zu ihm, dass ich eine Unfallmeldung nicht an seine Familie weiterleiten wollte. Schließlich ist alles gut gegangen. Wir erreichen sicheres Gelände und sind im Nu an der Alpe Dadaint. Es gibt frische Buttermilch, welche ich gerne trinke. Dirk zieht einen Kaffee vor. Wir beratschlagen, wie weit wir heute noch gemeinsam fahren wollen bzw. können. Zunächst werden wir im Inntal bei Sur En auf den Innradweg stoßen und via S-charl und Pass da Costainas ins Münstertal gelangen. Das ist für uns beide bekanntes Terrain. Danach soll es über die Alp Campatsch hoch über dem Val Müstair zum Ofenpass gehen. Von dort könnte Dirk locker und schnell wieder zurück ins Vinschgau rollen. Wenn alles ohne Pannen abläuft, sollte das für ihn ohne Hektik möglich sein. Gesagt - getan.
Wir machen uns auf den Weg. Schnell sind wir die Schlucht hinunter nach Sur En gerollt. Ich habe nun das Val d'Uina in beiden Richtungen befahren bzw. bewandert. Die hier beschriebene Variante gefällt mir am besten. Deswegen habe ich das auch so in diese Transalp eingebaut. Der Innradweg verläuft in Richtung Scuol leicht ansteigend, ist aber keine glattgebügelter Radweg, wie anscheinend viele meinen. Er ist ein wenig kupiert, wie man so sagt und keinesfalls komplett asphaltiert. Radwanderer, die mit der Erwartung diesen Abschnitt befahren, dass er so ausgebaut sei wie der Donauradweg, werden schnell eines Besseren belehrt.

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In Sichtweite von Scuol beginnt die Auffahrt zum Pass da Costainas. Wir verabreden als Zwischenstopps S-charl und danach die Alp Astras, damit jeder sein eigenes Tempo fahren kann. Auch wenn ich diese Strecke schon oft gefahren bin, der Abschnitt von S-charl über den Pass da Costainas begeistert mich immer wieder. Nahezu komplett fahrbar, gehört er für mich zu den schönsten Übergängen über den Alpenhauptkamm. Gespannt bin ich auf den für mich neuen Abschnitt, der von der Alp Campatsch hinüber zum Ofenpass führt. An der Alp legen wir eine kurze Rast ein. Wir liegen gut in der Zeit. Dirk fährt also mit bis zum Ofenpass. Nach einer kurzen, steilen Rampe folgt ein sehr schöner Höhentrail hoch über dem Münstertal. Der Ortler grüßt wie am Tag zuvor schneebedeckt aus der Ferne. Der letzte Abschnitt vor dem Ofenpass ist ein Pfad, der durch einen Krüppelkiefernwald führt. Er ist etwas verblockt und kupiert, so dass wir ihn nicht flüssig fahren können. Wem das nicht behagt, kann alternativ knapp zwei Kilometer nach der Alp da Munt hinunter zur Ofenpassstraße rollen. Die verlorenen Höhenmeter gilt es dann auf der Straße hinauf zur Passhöhe wieder zurückzugewinnen. Wir probieren bei dem schönen Wetter natürlich den Trail aus.

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Am Ofenpass verabschiedet sich Dirk. Er rollt hinunter ins Vinschgau, wo seine Familie auf ihn wartet. Ich fahre allein weiter, kenne aber die vor mir liegende Strecke von einer Recherche schon gut. Gleich am Ofenpass beginnt ein schöner kleiner Trail hinunter nach Buffalora. Nach der Alp Buffalora folgt ein knackiger Anstieg über rund 100 Höhenmeter. Die sind nur für absolute Beißer fahrbar. Am Ende des Steilstücks gibt es eine Wasserstelle, sehr angenehm bei der Hitze, die heute herrscht. Ich befinde mich nun auf der Hochebene Jufplan. Sie führt ansteigend hinüber zum Passo del Gallo. Der Pass markiert gleichzeitig die Grenze zwischen der Schweiz und Italien, die ich damit heute zum zweiten Male passiere. Mittlerweile sind auch schon Wanderreiter auf Transalprouten unterwegs. Diese Begegnungen sind meist von gegenseitigem Respekt geprägt.
Nach dem Passo Gallo folgt ein wunderschöner Abschnitt auf alten Militärpfaden hinunter zum Lago di Livigno. Am See ist ein Teil des Weges abgerutscht. Ansonsten ist die Strecke sehr gut fahrbar. Bei den Schotterfeldern zwischen dem Passo Val Mora und dem Passo di Fraéle erreiche ich mir bekanntes Gelände. Meine Albrecht-Route führt hier entlang. Ich genieße die entspannte Fahrt entlang der Stauseen. Mein Tagesziel für heute liegt in der Nähe der Staumauer das Lago di Cancano. Es ist das Rifugio Monte Scale, wo ich schon einige Male Mittagsrast gemacht hatte. Heute bleibe ich zum Übernachten hier und werde von der einfachen, aber gemütlichen Unterkunft nicht enttäuscht.

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04 MiCo

Variante A: Ofenpass Straße

Umgeht den etwas verblockten und nicht flüssig fahrbaren letzten Abschnitt vor dem Ofenpass.