Transalp.info by Andreas Albrecht

Mittenwald - Uina - Comersee


5. Tag: Sentiero Italia

opner 350 opner DSC04262Auch den heutigen Tag werde ich nicht komplett allein fahren müssen. Bei einer Bikewoche im Valtellina hatte ich von Grosio und Grosotto aus einige schöne Trailtouren unternommen. Dabei hatte ich Vincenzo Osmetti kennengelernt. Er ist der Chef des Mountainbikeclubs des Valtellina und ein echter Trailfuchs. Da schwimmen wir beide auf derselben Wellenlänge. Bei der gemeinsamen Befahrung des berühmten Trails Tornantissima hatte ich ihm von meiner Transalp an den Comer See erzählt. Vincenzo meinte, dass der Sentiero Italia im Val Grosina Occidentale dazu ein interessantes Teilstück sein könnte. Nach einem Blick auf die Karte war mir klar, dass das perfekt passen könnte. Wir verabredeten, dass wir uns in Malghera treffen würden, wenn ich auf Tour wäre und er mir dann den interessantesten Trail hinunter nach Grosotto zeigen würde.
Beim Aufbruch am Morgen habe ich Vincenzo nun angerufen und eine ungefähre Zeit für den Treff vereinbart. Die vor mir liegende Strecke über Arnoga, Passo di Verva bis nach Eita ist mir bekannt. Sie ist Bestandteil meiner Albrecht-Route. Auch die neue Variante von Eita abseits von Straßen nach Fusino war ich schon einmal gefahren, so dass ich die Zeit recht gut einschätzen konnte.
Die Strecke Decouville von den Torri di Fraéle nach Arnoga ist eine perfekte Einrollstrecke für den knackigen Anstieg zum Passo di Verva. Ich bin gemütlich in meinem Tempo gefahren und habe meine Hassliebe, den Passo di Verva, tatsächlich komplett fahrenderweise bezwingen können. Unterwegs treffe ich auf eine kleine Gruppe von Mountainbikern, die gerade auf meiner Albrecht-Route unterwegs sind. Eine gute Gelegenheit, ein paar Bilder zu schießen Die grobe Schotterabfahrt nach Eita ist schnell erledigt und ich freue mich in Eita, dass ich nun nicht sinnlos die Höhenmeter bis Fusino auf Asphalt vernichten muss. Die Mountainbiker aus Grosio haben die Abfahrt ausgeschildert. Nach der Baita Franzini geht es auf Schotter bis in das Örtchen Fusino, von dem aus das Val Grosina Occidentale abzweigt.

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Jetzt heißt es kämpfen in Richtung Malghera. Die kaum befahrene Stichstraße ist durchgängig steil. Später wird es eine Naturstraße. Plötzlich hupt es hinter mir. Ich drehe mich um und erblicke Vincenzo. Er winkt mir aus einem Jeep zu. Er lässt sich hinaufshutteln, da er sich nur den Nachmittag frei nehmen konnte. Ob ich mitfahren will? Welche Frage! Ich kenne den Weg schon von einer Tourrecherche und er wird auch nicht anders, wenn ich ihn bequem aus dem Seitenfenster betrachten kann. Da wir einmal im Auto sitzen, fahren wir gleich durch bis zum Rifugio Malghera. dass sich noch einige Höhenmeter oberhalb des Einstiegs in den Sentiero Valtellina befindet. Wie es in Italien üblich ist, hetzt man auch nicht gleich los, sondern trinkt erst einmal einen Café, worunter der Italiener einen Espresso versteht. Dabei stellt er mir Franco Cadringher vor, der uns auf der Tour begleiten möchte. Er ist auch begeisterter Mountainbiker und wird mich, wie es sich später ergibt, auch auf der letzten Etappe an den Comer See begleiten.
Im recht großen Rifugio Malghera ist eine italienische Schulklasse gerade auf Klassenfahrt untergebracht. Entsprechend groß ist der Trubel. Den lassen wir bei unserem Aufbruch bald hinter uns. Der Sentiero Italia entpuppt sich als schöner Trail bis zu den Baite Grasso de Pedruna. Dannn folgt eine Schotterpiste zur Alpe Guinzana. Hier halten wir kurz an und Vincenzo wechselt ein paar Worte mit dem Almbauern. Er verfällt in den einheimischen Dialekt. Ich verstehe außer Bahnhof nur so viel, dass wir einen Schluck Wein oder Grappa trinken sollen. Vincenzo lehnt lachend ab, das ist hier also keine tödliche Beleidigung. Wir fahren weiter. Es geht nach der Alpe Piana noch einmal leicht bergan, dann folgen aber über 1000 Höhenmeter Abfahrt auf Vincenzos Geheimstrecke. Ohne seine Ortskenntnis hätte ich dieses Puzzle aus Schotterpisten, alten Karrenwegen und Trails nie und nimmer gefunden. Den Weg ohne GPS nachfahren zu wollen, wird trotz Karte kaum möglich sein.

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An der Pestkapelle San Sebastiano versorgt er mich noch mit historischen Hintergrundinformationen, die er zum Abschluss in der Barockkirche von Grosotto noch vertieft. Der Überlieferung nach wurde Grosotto im Mittelalter durch das Erscheinen der Jungfrau Maria vor der Plünderung und Zerstörung bewahrt, als die deutschsprechenden Schweizer Truppen ins Valtellina einfielen. Als das Heer sich dem Dorf näherte, gingen die Einwohner dem Heerführer entgegen. In dem Moment, als sie aufeinander trafen, erschien die Maria im Wald und der Heerführer ließ vom Dorf ab. Als Dank für die Errettung aus höchster Not errichtete die Gemeinde das Santuario della Beata Vergine delle Grazie. An dieser Stelle steht heute die Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert, in der diese Begebenheit dargestellt wird. Wenn jemandem ein Wunder geschehen ist, spendet er hier in der Kirche ein Bild unter dem Motto: Per Grazia Ricevuta.
Ich nehme den Faden auf und sage, dass ich als Deutschsprachler auch einen späten Beitrag leiste, um die historische Schuld zu tilgen. Das tue ich nun, in dem ich Mountainbiker mit meinen Tourberichten verlocke, ins Valtellina zu kommen. Was ja auch ganz gut klappt, wie Vincenzo mit einem Augenzwinkern bestätigt. Die Übereinstimmung der Meinungen vertiefen wir am Abend bei einem oder mehreren Grappa, nachdem mich Vincenzo im Hotel Le Corti abgeliefert hat, wo ich eine sehr angenehme und bikerfreundliche Unterkunft vorfinde. Für die Bikes gibt es eine abschließbare Garage. Man kann abends noch auf der Terrasse sitzen oder ins Städtchen bummeln. Ich fühle mich hier als Mountainbiker sehr willkommen und kann guten Herzens eine Empfehlung für das "Le Corti" aussprechen. Nicht nur aus diesem Grund lege ich hier einen Ruhetag ein.

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Alternative: ab Eita auf Straße bis Grosio/Grosotto

Im Fall schlechten Wetters rollt man einfach ab Eita oder Fusino die Straße hinunter bis Grosio und von dort auf dem Radweg oder der Straße talabwärts bis Grosotto.

Übernachtungstipp: Grosotto

Hotel Garni Le Corti in I-23034 Grosotto, via Patrioti 73, sichere Bikegarage, super Frühstück, Tel.: 0039-0342-848624
www.garnilecorti.it