Transalp.info by Andreas Albrecht

München - Venedig


Tourbericht

Man muss nicht immer der Erste sein. Es genügt vollkommen, wenn man es ordentlich zu Ende bringt.


Vom Marienplatz zum Markusplatz

Der erste Anlauf

00 marie 350 IMG 2038Nicht alles kann gleich auf Anhieb klappen. Schon seit einigen Jahren schwirrte in mir die Idee einer Transalp von München nach Venedig herum. Vom Marienplatz zum Markusplatz - war der Arbeitstitel. Auch wenn es, zugegeben, etas sinnfrei ist, mit dem Fahrrad auf dem Markusplatz zu erscheinen.
Von einem Sommer zum anderen haben wir es verschoben, immer kam etwas dazwischen. Wir - das sind mein langjähriger Transalpbegleiter David und ich. David ist Urmünchner und ihn reizt die Vorstellung, eine Transalp direkt an der Haustür zu beginnen, ganz besonders. Die Streckenplanung vom flachen Münchner Umland bis zu den Alpen ist logischerweise sein Part, es sind ja sowieso seine Radelstrecken. Direkt an der Isar entlang wird es flussaufwärts gehen. Bei der weiteren Planung war uns schnell klar, dass einige Etappen auch mal um die 100 Kilometern pro Tag lang sein können, um nicht länger als eine Woche unterwegs zu sein. Dieser Zeitraum hatte sich für uns im Laufe der Zeit als Obergrenze für eine Transalp herausgestellt. Noch länger unterwegs zu sein, hatte uns einfach keinen Spaß gemacht. Als Zeitraum hatten wir Mitte September vorgesehen. Da gibt es keine Unterkunftsprobleme, Übernachtungen findet man meist im ersten Anlauf. Außerdem gibt es oft stabile Spätsommer-Wetterlagen. Altweibersommer nennt man das - kenne ich noch von früher. Wie das Leben aber so spielt, gibt es das nicht immer, schon gar nicht, wenn ich in jenem Jahr unterwegs bin. Ein "junges" Genua-Tief (so drückte sich der Wetterdienst vornehm zurückhaltend aus) sollte unseren Tatendrang hemmen. Als das Tief dann etwas älter wurde und in seine pubertären Flegeljahre kam, gab es Schneefall bis weit unter 1500 Meter. Natürlich genau zu dem Zeitpunkt, als die hochalpinen Etappen anstanden. Damit hat es uns auf die Alternativstrecken gezwungen. Insofern nicht weiter tragisch, da man so etwas bei einer Transalp sowieso einplanen sollte. Am letzten Tag, der uns beim ersten Anlauf bis nach Venedig bringen sollte, war das Genua-Tief inzwischen so ausgewachsen, dass es uns mit sintflutartigem Regen daher kam. Schweren Herzens haben wir uns zum Abbruch entschließen müssen. Es hätte keinen Sinn ergeben, in strömendem Regen eine vernünftige Strecke nach Venedig zu suchen. Denn das war uns im Vorfeld bei der Planung klar. Den "schwierigsten" Abschnitt stellt bei dieser Transalp die Überwindung der Venetischen Tiefebene dar. Zumindest wenn wir den Anspruch haben, stark befahrene Straßen so weit als möglich zu meiden.

Die Vollendung

00 venice 350 IMG 1230Eine unvollendete Tour ist es nicht geblieben. 2010 bin ich den hochalpinen Abschnitt gefahren, der im Jahr zuvor den Wetterkapriolen zum Opfer gefallen ist. Zusammen mit Matthias Neumann habe ich den Abschnitt durch die Dolomiten befahren. Ein traumhaftes Erlebnis: Pfunderer Joch, Fanes, Forcella di Ambrizzola etc., und das bei bestem Wetter. Einen Regentag haben wir unterwegs auf der Fanes-Hütte einfach ausgesessen. Einige Transalpler sind bei Null-Sicht und Schneematsch durchgefahren. Muss jeder selber wissen. Wir hatten am folgenden Morgen jedenfalls einen perfekten Tag.
Im Jahr April/Mai 2011 sowie im Juni/September 2012 habe ich dann noch Feintuning betrieben. Die Hinweise dazu bekam ich u.a. aus dem IBC-Forum (www.mtb-news.de). Ich hatte dazu einen Thread eingestellt und bekam sehr qualifizierte Tipps von dede, on_any_sunday und und the.mtb.biker - Vielen Dank.
Im wunderschönen September 2011 bin ich dann mit David für drei Tage von München aus auf der Route unterwegs gewesen. Dabei hat sich ergeben, dass die erste Etappe locker bis ins Risstal gehen kann. Am zweiten Tag kommt man gut bis zum Breitlahner. Am nächsten Tag wird es dann schwierig, will man über Pfitscherjoch und Pfunderer Joch. Aber machbar ist das schon bei guten Wetterbedingungen.

00 markus 350 P1020276Die vorgeschlagenen Strecken bin ich selber gefahren. Die letzte Etappe von Treviso nach Venedig zusammen mit Stefano de Marchi, der dort wohnt und die Gegend natürlich wie seine Westentasche kennt. Dadurch ist ein sehr schöner Abschluss dieser Transalp entstanden. Zusammen mit den alpinen Varianten ist nun die Transalp München-Venedig eine würdige Tour für Mountainbiker. Mit den alternativen Strecken, die ich teils wetterbedingt recherchiert habe, gibt es auch ausreichend Schlechtwettervarianten, die es möglich machen, das Traumziel Venedig zu erreichen. Gleichzeitig kann man dadurch die Strecke etwas entschärfen, wenn unterwegs die Luft raus sein sollte. Außerdem ist dadurch auch die Möglichkeit entstanden, diese Transalp mit einem Trekkingbike oder gar einem eMTB zu befahren - je nach Lust und Laune.
Aus den Erfahrungen bei meinen eigenen Befahrungen habe ich die Strecke nun in 8 Etappen aufgeteilt, wobei mir klar ist, dass es verschiedene Zuschnitte der jeweiligen Tagesetappen geben kann. Das hängt stark von den persönlichen Vorlieben ab und auch davon, wie man den ersten Tag gestaltet. Durch den Startort München gibt es zu Beginn eine lange Flachstrecke an der Isar entlang, wenn man auf direktem Wege in die Alpen will. Und das wollte ich auf jeden Fall, keine Schnörkel oder Haken. Startet man am Morgen, sollte man locker die Berge erreichen. Reist man erst am Tage z.B. mit dem Zug nach München an, wird man vielleicht nur bis Bad Tölz fahren. Außerdem bevorzugt der eine Hüttenübernachtungen, der andere bleibt lieber im Tal. Auf jeden Fall hat man bei dieser Transalp die maximale Flexibilität, auch und gerade weil es die verschiedenen alternativen Varianten gibt.

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Transalp Roadbook10Klappentext Transalp Roadbook 10

Wie in Stein gemeißelt stehen sie da, die Eckpunkte dieser Transalp für Mountainbikes: München - Venedig. Ein Klang, der Sehnsucht nach der Ferne in sich trägt oder der bajuwarische Bierseligkeit mit verflossenem venezianischen Glanz verbindet. Lässt sich das überhaupt verbinden? Die Antwort von Andreas Albrecht ist ein klares "Ja". Wer bereits seine Albrecht-Route mit Begeisterung gefahren ist, kann sicher sein, dass auch diese Route eine würdige Transalp für Mountainbikes ist. Vier Jahre hat er an der Route getüftelt, ehe er zufrieden war.
Erst wenn Andreas Albrecht das Gefühl hat, dass nun alles passt, werden seine Transalps veröffentlicht. Denn nur dann stellt sich die wahre Freude ein, wenn man aus eigener Kraft am Ziel der Träume angekommen ist - nach einem langen Weg - in Venedig. Die hochalpine Hauptroute lässt sich in acht Etappen fahren. Für den Fall von Wetterkapriolen gibt es Ausweichstrecken, damit man auf alle Fälle Venedig erreichen kann. Das Buch enthält detaillierte Roadbooks in Tabellenform mit allen wichtigen Informationen zur Strecke. Im Webshop von Transalp.info gibt es ergänzend GPS-Daten, Kartenscans etc. Damit wird die Wegfindung deutlich einfacher und die landschaftlichen Highlights lassen sich entspannt genießen.
Ebenfalls erhältlich als eBook - mehr Info hier