Transalp.info by Andreas Albrecht

München - Venedig


3. Tag: Königsetappe über Pfitscher und Pfunderer Joch ins Pustertal

03 350 IMG 0191Für die Autos beginnt am Berggasthof Breitlahner die Mautstraße zum Schlegeisspeicher. Wir umfahren diesen Abschnitt elegant auf einem angenehm zu fahrenden Forstweg, der ein paar Trailabschnitte enthält. Die letzten Serpentinen hinauf zum Schlegeisspeicher legen wir wieder auf der Straße zurück. Die gewaltige Staumauer dominiert den Talschluss. Nach einem letzten Tunnel, in dem das Wasser von den Wänden tropft, stehen wir am Stausee, dem bekannten Schlegeisspeicher. Ein hochalpines Panorama breitet sich vor unseren Augen auf. Noch ist viel Publikumsverkehr, der auf der nun beginnenden Schotterstrecke immer weniger wird, je mehr wir uns vom Parkplatz entfernen. Nach der Imbissstation am Zamsgatterl wird der Pfad ein wenig verblockt, so dass man hin und wieder absteigen und ein Stück schieben muss. Dabei passieren wir auch den berühmten Felsblock, auf den irgendjemand "Venedig" geschrieben hat. Der zugehörige Pfeil sagt: da lang! Unter anderem deshalb ist es für mich auch der einzig logische Weg über den Alpenhauptkamm bei einer Transalp nach Venedig. Diese Route wird auch fleißig von Radfahrern frequentiert, die nicht mit einem Mountainbike unterwegs sind. Da bleibt einem vor Staunen fast der Mund offen stehen, wenn man hier plötzlich eine Gruppe älterer Herrschaften mit Fahrrädern antrifft, denen man maximal eine Kurztour in einen Biergarten zutrauen würde; den Fahrrädern - wohlgemerkt. Auch Rennradler sollen schon hier gesichtet worden sein. Deren Vergnügen wird wohl in einer langen Schiebepassage bestehen.

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Die bleibt den meisten Mountainbikern erspart, denn seit einigen Jahren gibt es eine Schotterpiste, die ungefähr ab Höhe Lavitzalm zum Pfitscher Joch führt. Damit gehört die frühere üble Tragepassage wohl endgültig der Geschichte an. Komplett fahrbar ist die Schotterpiste allerdings auch nicht immer und auch nicht für jeden. Einerseits können im Juni/Juli noch Schneefelder das Weiterkommen hemmen, andererseits ist der Weg teilweise sehr grob, weil er immer wieder durch Witterungseinflüsse ausgewaschen wird. Dazu kommt eine gewisse Steilheit, die sich in den Alpen leider nicht vermeiden lässt - da sollten die Tourismusämter endlich mal etwas dagegen unternehmen. Im Berggasthaus am Pfitscher Joch machen wir Rast. "Wir", das sind inzwischen David und ich. Ich habe das schlechte Wetter des Vorjahres hinter mir gelassen und befinde mich nun auf einer Schönwetter-Transalp. Aufgrund der Höhenlage ist es am Pfitscher Joch ziemlich kühl, auch wenn heute ein strahlender Tag ist. Wir ziehen die Windjacken über und ab geht's ins Pfitscher Tal. Eine schöne, lange und einfache Abfahrt. In Stein finden wir einen Wiesenweg, der rechts am Hang immer leicht bergab bis St. Jakob führt - ein Traum. Weiter versuchen wir die Hauptstraße zu meiden, was uns bis zum Stausee bei Ried ganz gut gelingt. Im Pfitscher Tal haben wir dann die Qual der Wahl. Entweder die hochalpine Variante über das Pfunderer Joch ins Pustertal oder die leichte Variante über Sterzing und durch das Eisacktal. In Niedervintl treffen beide Routen auf den Pustertalradweg wieder zusammen.

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Bei einer erneuten Befahrung mit Matthias erwischen wir einen Traumtag und nehmen das Pfunderer Joch in Angriff. Für mich ist es schon einige Jahre her, als ich das erste Mal diesen Übergang befahren habe. Ich hatte noch in Erinnerung, dass der Schotterweg ab Fussendrass mit einer Rampe beginnt und dann steil bleibt. Meine Erinnerung hat mich nicht getrogen. Bis zur Wasserstelle an der Großbergalm gibt es keine Stelle zum Ausruhen, abgesehen von den zwei Brücken, die wir überqueren und ca. 10 m Flachstrecke bieten. Die Wasserstelle besteht aus einem Eisenrohr, das Wasser aus einer Quelle zusammenfasst. Es ist gutes Wasser, wie uns ein Einheimischer bestätigt. Schmeckt auch gut - wie wir beide finden. Kurz nach dieser Stelle weitet sich das Tal, wir befinden uns oberhalb der Baumgrenze und haben freie Sicht in Richtung Pfunderer Joch. Einzelne Schneefelder sind noch vom Wintereinbruch der vergangenen Woche übriggeblieben. Sie bilden einen schönen optischen Kontrast zum strahlend blauen und klaren Himmel. Gestochen scharf liegen die Felswände in der Sonne. An den beschatteten Nordseiten hält sich der Schnee. Ein Traumtag an einem der schönsten Übergänge in den Alpen, die für Mountainbiker geeignet sind.
Die alte Militärpiste windet sich nach der Überquerung des Wildbaches über eine verfallene Brücke in Serpentinen zum Pfunderer Joch auf 2568 m. Vom Hörensagen weiß ich, dass es einige Leute gibt, die hier schon komplett gefahren sind. Das halte ich für realistisch, zumal der Untergrund heute recht griffig ist. Das schönste am Pfunderer Joch ist, dass der Pass von ganz oben komplett fahrbar ist. Im Hintergrund sehen wir die Gletscher am Hochfeiler, vor uns breitet sich eine sanfte Hochebene aus. Wir durchqueren ein paar Bachläufe und kommen bei der kleinen Jägerhütte mit zwei Jägern ins Gespräch. Die Jagd geht auf die Gams, wie sie sagen. Da ist die Verwechslungsgefahr zum Glück gering. Zur Weitenbergalm folgt ein etwas anspruchsvollerer Trail, der in einigen Spitzkehren hinab führt.

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Die Alm ist ein schöner Rastpunkt. Wir trinken eine frische Buttermilch und legen eine ausgiebige Pause ein. Der weitere Weg hinab ins Pustertal ist einfach. Bis nach Dun führt ein grober Schotterweg, der schnell an Höhe verliert. Als wir die kleine Teerstraße erreichen, die das Weitental erschließt, werden wir auf eine Hinweistafel aufmerksam. Sie verkündet als Belohnung für die Alpenüberquerung München - Venedig einen Aufkleber, der im Lebensmittelladen in Weitental erhältlich ist. Deshalb machen wir natürlich einen Abstecher dorthin und nehmen ihn in Empfang, auch wenn wir noch gar nicht in Venedig angekommen sind. Von Weitental fahren wir dann hinab ins Pustertal. Das erreichen wir in Niedervintl. Wir fahren noch ein paar Kilometer auf dem Radweg bis St. Siegmund und beschließen dort die Etappe.

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03MV Breitlahner

03 350 IMG 3605Variante 1: Sterzing - Franzensfeste - Mühlbach

Wenn am Pfitscher Joch noch Schneefelder liegen, ist am Pfunderer Joch kein Durchkommen. Da bleibt als Alternative - wir wollen ja Venedig erreichen und nicht als Ötzi enden - der Weg hinab nach Sterzing und durchs Eisacktal auf dem Radweg bis Franzensfeste. Hinter Mittewald (Mezzaselva) empfiehlt es sich, den Radweg kurzzeitig zu verlassen. Die Architekten des ansonsten gut trassierten Radwegs haben es sich hier nicht nehmen lassen, nach der sanft geschwungenen Radbrücke ein paar heftige und recht unnütze Rampen einzubauen. Das kann man leicht umgehen, in dem man das kurze Stück zwischen Mittewald und Franzensfeste auf dem breiten Seitenstreifen der alten Bundesstraße (die neue führt durch einen Tunnel) bergab rollt und an den ersten Häusern wieder auf den Radweg gelangt. In Franzensfeste wechseln wir auf den Radweg nach Aicha, der in den Pustertaler Radweg übergeht. In Niedervintl stoßen wir dann wieder auf die Hauptroute, die vom Pfunderer Joch kommt.

Übernachtungstipps:

Hotel Sigmunderhof
Pustertaler Str. 10, 39030 St. Sigmund/Kiens, Italien-Südtirol
Tel. 0039-0474-569553
www.sigmunderhof.com

Klammerhof
39040  Aicha, Nikolausstraße 19, Italien-Südtirol
Tel. 0039-0472-459032
www.klammerhof.com