Transalp.info by Andreas Albrecht

München - Venedig


5. Tag: Cortina d'Ampezzo - Forcella Ambrizzola - Passo Duran

IMG 350 1186Cortina d`Ampezzo streifen wir nur am Rande. Wir passieren die alte Bobbahn und sind gleich schon wieder aus der Siedlung heraus. Falls die Wetterprognosen ungünstig sind, fährt man ins Ortszentrum hinein und erreicht am Busbahnhof den schon erwähnten Dolomitenradweg (ein sicherer Weg bei jedem Wetter aus den Alpen heraus - wenn es hart auf hart kommt, kann man aus den Alpen heraus bis nach Belluno rollen). Matthias und ich rasten kurz. Wir essen eine mitgebrachte Kleinigkeit und rüsten uns für die Auffahrt zur Forcella Ambrizzola. Das sind mehr als 1000 Höhenmeter am Stück, zunächst relativ einfach auf einer geteerten Forststraße.
Ab der Malga Federa wird dann der Weg zu einer Schotterpiste, bald sehr grob und kurze extrem steile Rampen. Ein paar Schiebestücke lassen sich mit dem Transalprucksack wohl kaum vermeiden. Es ist alles aber halb so wild. Zur Belohnung wartet dann das Rifugio Croda da Lago am gleichnamigen Bergsee: Mittagspause in der Sonne mit einem schönen Blick auf das, was uns noch bevorsteht - der Weg zur Forcella Ambrizzola. Leider wird die Idylle ausgerechnet heute etwas getrübt durch eine Horde laut schnatternder Pensionisten. Es ist unverkennbar der näselnde Wiener Dialekt, der selbst in den Ohren der meisten Österreicher eher unschön klingt. Irgendein Wanderreiseveranstalter mit Verbindung zur europaweit agierenden Busreise-Mafia hat sie wohl so weit herangekarrt, dass sie den schönen Höhenweg hierher bewältigen konnten. Die Bedienung ist das offenbar schon gewöhnt, denn sie geht gekonnt mit den mundartlichen Besonderheiten der Bestellungen um. Um so mehr ein Grund für Matthias und mich uns der Landessprache zu befleißigen so gut es geht.
Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zur Forcella Ambrizzola. Ich kenne den Weg schon und freue mich, dass heute so gute Sicht herrscht. Er ist zu großen Teilen fahrbar und man hat ständig eine wunderbare Aussicht auf die umliegenden Berge. An der Passhöhe wird das Panorama noch gesteigert mit Blick zu: Marmolada, Monte Pelmo und dem markanten Gebirgsstock der Civetta. An der Passhöhe tauchen ein in die Einsamkeit der Bergwelt. Die Wanderer nehmen einen anderen Weg.

05 350 050 05 350 IMG 1192 05 350 IMG 1197 05 350 IMG 1199 05 350 IMG 1200 058 05 350 IMG 1201 05 350 IMG 1206 05 350 IMG 1209
Wir halten auf den Monte Pelmo zu, der uns mit seinen charakteristischen Felsformationen eine Orientierung bietet. An der Forcella Ambrizzola darf man sich nicht verleiten lassen und den breiten Wanderweg nach rechts folgen. Auch der in den Karten eingezeichnete Weg geradeaus ist nicht optimal. Dessen Pfadspur ist überhaupt nicht zu erkennen. Nach meiner Erfahrung ist es am sinnvollsten, dem linken Weg Nr. 436 zu folgen (Ausschilderung: Richtung San Vito di Cadore, Prendera). Er führt auf direktem Weg zur Forc. Roan. Teilweise ist er zwar verblockt und nicht flüssig fahrbar, aber bei der Alternative geradeaus würde man Höhenmeter verlieren, die man in unwegsamen Gelände wieder mühsam schiebenderweise wiedergewinnen müsste. Unser Trail ist ab der Forc. Roan mehr oder minder fahrbar. Wir sind heute beide extrem vorsichtig unterwegs, so dass wir lieber einmal zu viel absteigen als Gefahr zu laufen, auf dem verblockten Trail zu stürzen.
Schließlich erreichen wir das Rifugio Città di Fiume (www.rifugiocittadifiume.it). Unsere Wasservorräte gehen zur Neige, also machen wir hier eine kurze Rast. Eine kleine italienische Wandergruppe genießt ebenfalls den schönen Nachmittag. Wir kommen gleich ins Gespräch und sie drücken gleich die übliche Anerkennung über unsere Reiseroute aus. Sie stammen aus Treviso in der Nähe von Venedig und können mir bestätigen, dass meine geplante Route über den Passo Praderadego wohl eine sinnvolle Wahl ist. Ein Mann spricht von einer strada bianca, also einer geschotterten Straße, es sollte also passen. Als wir den Pass dann am folgenden Tag passieren, stellt sich zwar heraus, dass von der Schotterpiste bei der Abfahrt nur noch ein kurzes Stück übriggeblieben ist. Deshalb wird dieser Übergang nur eine Variante werden.

05 350 IMG 1210 05 350 IMG 1212 05 350 IMG 1213 05 350 IMG 1214 064 05 350 IMG 1215 05 350 IMG 1377
Matthias und ich checken erst einmal die weitere Strecke. Wenn wir es heute noch bis zum Passo Duran schaffen wollen, liegen noch mehr als 1000 Höhenmeter vor uns, verteilt auf drei Anstiege. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass es machbar sein sollte, wenn uns keine Panne einen Strich durch die Rechnung macht. Außerdem liegen für den Notfall noch ein paar Übernachtungsmöglichkeiten an der Strecke als da wären: Passo Staulanza, Rifugio Palafavera, Pecol. Also ziehen wir los, begleitet von den Wünschen der Wanderfreunde: Buon viaggio, ragazzi!
Es folgt eine kurze Abfahrt auf der Schotterpiste bis zu einem Wanderparkplatz an der Straße zum Passo Staulanza. Die paar Höhenmeter zur Passhöhe sind schnell erledigt.
In einer Kehre geht es wieder ins Gelände. Der sacksteile Auffahrt vom Col de Baldi wird belohnt mit einer tollen Rundumsicht auf die umliegenden Gipfel der Civetta, des Monte Pelmo und vieler anderer Dolomitengipfel. In der Ferne ist sogar die Marmolada zu sehen. Die Abfahrt beginnt auf einer breiten Schotterpiste, ehe ein etwas versteckter Abzweig uns auf einem herrlichen Trail hinunter nach Pecol führt. Noch einmal geht es steil hinauf. An der Flanke der Civetta entlang quert die Schotterpiste ein Skigebiet. Es gibt also erwartungsgemäß ein paar knackige Rampen, allerdings auf einer guten Schotterpiste.
Schließlich folgt ein netter Trail zur Forcella della Grava, der von einem groben Karrenweg ins Tal hinunter abgelöst wird - sehr fein. An der Malga Grava wird renoviert, trotzdem ist das Valle della Grava ein einsames Tal, dass wir auf einer Mischung aus Schotterpiste und zerbröckelnden Asphalt hinunterrollen. Bei den paar Häusern von Moiazza erreichen wir die Verbindungsstraße zwischen Passo Cibiana und Passo Duran. Die Strecke kenne ich noch von der Regenetappe des vergangenen Jahres. Alles wird gut, wir schaffen noch die gut 300 Höhenmeter zum Rifugio Sebastiano am Passo Duran. Wir bekommen ohne Probleme ein Zimmer und ein ordentliches Abendessen. Schön, dass wir es heute so weit geschafft haben.
Wer noch Körner in den Beinen hat und das Wetter gut, kann noch die steilen Rampen hinauf zum Rif. Bruto Carestiato fahren und dort eine Hüttenübernachtung anpeilen. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, dort vorher anzurufen, ob geöffnet und ein Bett frei ist. Ansonsten ist die Übernachtung am Passo Duran im Rifugio Sebastiano auch eine gute Wahl.

05MV Cortina Dur

Variante 1: Passo Staulanza

direkt auf Straße nach Pecol

Variante 2: kurz vor Passo Duran

direkt zu Rifugio Rif. Bruto Carestiato

Variante 3: Schlechtwettervariante

Cortina - Dolomiten Radweg bis Venas - Passo Ciabiana - Forno di Zoldo - Chiesa

Variante 4: Dolomitenradweg

ab Venas bis Belluno, nur für den absoluten Notfall. Verläuft bis Tai di Cadore auf alter Bahntrasse. Dann wird der Dolomitenradweg zäh und öde (meist Nebenstraße und starker Gegenwind).

Übernachtungstipps:

Passo Duran: Rif. San Sebastiano, Tel. 0039-0437-62360
www.passoduran.it

Rifugio Bruto Carestiato: tel.(039) 0437-62949 im Tal
www.rifugiocarestiato.com