Transalp.info by Andreas Albrecht

München - Venedig


7. Tag: Zum Col Visentin in den Prealpi - ein letztes Aufbäumen vor der Ebene

07 350 IMG 1382Dem guten und reichlichem Abendessen im Albergo Al Ponte folgt ein zwar frühes, aber sehr italienisches Frühstück, heißt: kaum etwas zum Beißen für tatendurstige Mountainbiker. Es empfiehlt sich also, am Abend zuvor vorzusorgen, indem man sich mit Brot sowie Salami oder Schinken und Käse eindeckt. Auch als Verpflegung für die folgende Auffahrt kann es nicht schaden, wenn man zwischendurch mal einen Happen zu sich nehmen kann. Aus dem Stand heraus geht es stetig bergauf. Zunächst über rund 1000 Höhenmeter bis zum Ende der Fahrstraße beim Ristorante La Casera. Zwischendurch gibt es einen schönen geschotterten und schattigen Waldweg durch das Val di San Mamante. Den Schatten wird man zu schätzen wissen, falls das Wetter brütend heiß sein sollte. Im La Casera wird man dann wohl kurz Rast machen und sich verpflegen. Danach folgt eine steile Rampe bis man den Kamm der Prealpi erreicht. Der nun folgende Schotterweg in Richtung Col Visentin, der höchsten Erhebung der Prealpi, ist gut fahrbar und liegt auf der Südseite. Bei klarer Sicht hat man einen fantastischen Blick bis zur Lagune von Venedig, einfach traumhaft. Eine Übernachtung im Rifugio Col Visentin ist durchaus eine überlegenswerte Option, vor allem wenn man im heißen Hochsommer unterwegs sein sollte. Es ist auf einem kurzen Stichweg zu erreichen und liegt direkt auf dem höchsten Punkt - Rundumsicht also inklusive. Die Hütte ist auch ein beliebter Etappenort für die Weitwanderer auf der Strecke München - Venedig. Deren Strecke ist auf den nächsten drei Kilometern identisch mit der unseren.

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An der Forcella Zoppel trennen sich die Wege wieder. Die Wanderer nehmen den steilen Pfad TV1 über den Monte Agnelezze. Die Mountainbiker müssten dort schieben. Ich wähle also die weiter bergab führende Schotterpiste. 200 Höhenmeter tiefer stoße ich auf einen Abzweig nach rechts, der in Richtung Monte Cor führt. Eine kleine Teerstraße ohne motorisierten Verkehr führt zur Malga Frare. Hier beginnt ein schöner fahrbarer Trail mit etwas Auf und Ab bis zum Rifugio Pian de le Femene. Ich raste hier und werfe auch einen Blick in die Zimmer, einfacher Standard, aber in Verbindung mit dem guten hausgemachten Essen auch eine Möglichkeit zum Übernachten. Während der Rast mache ich mir Gedanken, wie es von hier aus weiter geht. Ich sehe wieder ein Hinweisschild von der Wanderung München-Venedig. Das zeigt auf den bergabführenden Wanderweg 1032 in Richtung Revine. Den nehme ich bei meiner ersten Erkundung. Der Trail entpuppt sich als wahres Steinmonster. Rund 800 Höhenmeter bergab auf einem wirklich schweren Trail sind sicher nicht jedermanns Sache. Ich empfehle ihn wirklich nur bei trockenem Bedingungen und nur für denjenigen zu fahren, die S3-Passagen nach Singletrail-Skala als freudige Herausforderung betrachten und offeriere den Trail deshalb als alternative Variante für diese Etappe. Der Trail ist eher die Kragenweite von Matthias, aber er sagt selbst, dass ihm das Risiko zu stürzen so kurz vor dem Ende dieser langen Transalp zu groß wäre, und er an dieser Stelle lieber die einfachere Variante nehmen würde.

Die Hauptroute habe ich dann zusammen mit Matthias Neumann erkundet. Sie ist deutlich entspannter und führt als Panoramaweg zunächst über La Posa und Casera Grava. Rund 2,5 Kilometer nach dem Rifugio Pian de le Femene folgt dann der Abzweig links in Richtung Sottocroda. Das Schild zeigt 8 Kilometer bis dorthin an. Der Weg beginnt als Waschbetonpiste. Das war übrigens der Grund, weil ich bei meiner ersten Erkundung hier umgedreht bin und den Trail 1028 gefahren bin (was heißt gefahren, meist gewandert!). Außerdem stellt sich bei unserer gemeinsamen Befahrung heraus, dass die Strecke später in eine Schotterpiste übergeht, die nur in einigen steilen Kurven mit Waschbeton gesichert wird. Als wir in Sottocroda ankommen, sind wir uns einig, dass das die Hauptroute sein soll. In der Ebene angekommen, suchen und finden wir Nebenwege. Die Comune di Tarzo hat hier einen Radweg geschaffen, der auch ein paar geschotterte Abschnitte enthält. In Follina mündet die Nebenroute über den Passo Praderadego ein, die auch wiederum eine Trailvariante enthält, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.

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In Follina gibt es diverse Übernachtungsmöglichkeiten. Eine davon ist etwas außerhalb, das Agriturismo Al Col. Es wird von Stefan Weigand empfohlen, der dort mit seiner Transalpfreunden Station machte, als sie auf meiner Route unterwegs waren.
Matthias und ich verlassen kurz nach dem Ortsausgang von Follina den geradeaus führenden Radweg nach rechts, weil dieser derzeit im Vorort La Bella endet und man weiter auf der recht stark befahren Straße SP 4 fahren müsste. Da gefallen uns die Nebenwege über Premaor besser. Die sind ein Mix aus Nebensträßchen und Schotterpisten, sogar die Überquerung einer kleinen Furt mit nachfolgendem Trail am Bach entlang ist dabei. Kurz vor Solighetto landen wir dann auf einem feingeschotterten Radweg, der uns abseits der Straße nach Pieve di Soligo bringt. Nur ein kurzes Stück müssen wir nun die Straße benutzen bis wir bei Barbisano auf eines der spärlich gesäten Hinweisschilder der Via Claudia stoßen. Wir sollen links nach Collalto abbiegen. Der Ortsname riecht schon nach Höhenmetern. Tatsächlich müssen wir ein Stück hinauf, werden oben aber belohnt mit einer wunderschönen Schotterallee, die uns direkt in südlicher Richtung unserem Ziel näher bringt.
Als wir dann später auf eine kleine Teerstraße stoßen, überlegen wir lange, ob wir rechts oder links weiterfahren sollen. Wir entscheiden uns schließlich für links - Volltreffer. Ein Stück rollen wir bergab, dann öffnet sich der Blick auf die Ebene. Eine Schotterpiste führt abwärts durch die Weinberge. Die Weinlese ist in vollem Gange und mit viel Gewinke und Gegrüße erreichen wir das Örtchen Colfosco. Einmal die Hauptstraße überquert und schon sind wir auf dem Uferdammweg des Piave - wieder perfekt. Den radeln wir bis Ponte di Priula. Wir beratschlagen kurz, suchen uns hier ein Quartier und werden schnell fündig. Das 2-Sterne-Hotel San Carlo liegt an der Hauptstraße. Der Preis ist ok, die Räder stehen sicher in der Garage, also checken wir ein.

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Variante A: Knochenbrechertrail

schwerer Trail von Pian delle Femene nach Revine

Übernachtungstipps:

Agriturismo Al Col bei Follina

Es wird von Stefan Weigand empfohlen, der dort mit seiner Transalpfreunden Station machte, als sie auf meiner Route unterwegs waren. Er schreibt dazu: "Nach Follina von der SP4 links abbiegen, angeschrieben. Die zusätzlichen Höhenmeter (keine 100) nimmt man gerne in Kauf. Sehr zu empfehlen! Äußerst nette Gastgeber; schöne, großzügige Zimmer, ÜF pro Person 30 €; wann kann man die Räder schon neben Weinfässern über Nacht abstellen?; Essen ganz vorzüglich - mit allem, was das Agriturismo hergibt, bis zum Abschluss nach dem Espresso noch ein ganz vorzüglicher Heidelbeer-Grappa gereicht wird. Dies führt allerdings auf der letzten Etappe noch zu einer zusätzlichen Belastungsprobe für den Rucksack, da natürlich jeder von uns noch eine Grappaflasche mit nach Hause nimmt. Super Frühstück - können gar nicht alles essen, Käse/Salami/Schinkenplatten, Eier, Saft, Cappuccino, selbstgebackenes Brot, Kuchen, … - Hilfe!"

Adresse: Via Col, 10, 31051 Follina TV, Italien
Telefon:+39 0438 970658
www.alcol.tv