Transalp.info by Andreas Albrecht

Schweizcross


2. Tag: Die absolute Härte - Surenenpass

opner 350 P1030029Text: Daniel Bolender

Die Qualität der Übernachtung war durchschnittlich. Besonders die Straße hat mich sehr gestört. Schade, denn in Flüelen, das wir nach wenigen Kilometern erreichen, passieren wir das ganz passabel wirkende Hotel Tourist, das eigentlich angedachte Ziel von gestern. Weit war es nicht mehr ... Auf einem kurzen Stück Radweg überqueren wir die Reuss, einen Zufluss des Vierwaldstätter Sees und gelangen nach Seedorf (452 m). Hier muss ich erst mal meine Wunden lecken und mich darum kümmern, dass ich gestern Abend das Firmenhandy nicht mehr auffinden konnte. Telefonkarte kaufen, Telefonzelle suchen, Firma anrufen, kleinlaut werden, Telefon sperren lassen, die totale Spaßbremse.
Der Morgendunst hat sich verzogen und die Sonne scheint uns auf den Pelz. Mit frischer Verpflegung kann es weiter gehen. Das Tagesprogramm heute: Surenenpass. Nur ein Pass? Das klingt nach einem entspannten Tag. Allerdings sind wir vorgewarnt, dass der Surenenpass ein zäher Brocken ist. Es gibt mehrere „Auffahrten“ dort hinauf. Von Attingshausen über das Brüsti (wo es Seilbahnunterstützung gäbe) oder unsere Variante durch das Gitschtal. Also lassen wir den Vierwaldstätter See unter uns und fahren ein kleines fieses Sträßchen hinauf. Hier kann man sich schon ordentlich verausgaben. Der Wald bietet bis zur Baumgrenze ein bisschen Schatten vor der nun drückenderen Sonne. Auf ca. 1250 m endet der Asphalt. Fahren können wir noch bis zu einer kleinen Alm, an der wir noch mal Wasser fassen. Dann schieben wir die Schotterrampe zur Distleren Alp (1526 m) hinauf.
An der Alm machen wir Mittagspause, plündern den Inhalt des Rucksacks und unterhalten uns ein wenig mit den recht jungen Hüttenbewohnern. Von meinem Plan, den direkten Aufstieg zum Grat zu meiden und den langen Weg außen herum zu gehen, raten sie ab: „Da kann man nicht fahren.“ Ich denke, dieser Rat war sinnvoll, denn das wäre auch sehr weit gewesen. Also doch der direkte Aufstieg. Für knapp 300 hm wird das Rad zum zusätzlichen Gepäckstück, denn der Pfad ist sehr schmal und das Gestrüpp steht zu dicht, als dass man gescheit schieben könnte. Normale Alpencross-Übergänge sind spätestens nach diesem Tragestück geschafft. Nicht so der Surenenpass, hier geht es nun richtig los. Nach ein paar Kurven, die man sogar teilweise fahren kann, können wir einen ersten Blick auf den Pass werfen. Noch ganz schön weit. Zahlreiche Schneefelder sind auf dem weiteren Weg sichtbar. Ab dem Angistock (2070 m) befinden wir uns nur noch neben dem Rad, oder auch darunter. Schiebestücke wechseln sich ab mit steilen Tragepassagen durchs Geröll. Besonders die Altschneefelder kosten sehr viel Kraft. Es hätte auch einen Pfad weiter rechts am Hang gegeben mit weniger Schnee. Diesen sehen wir aber erst von oben. Jeder kämpft sich einzeln vorwärts, so gut es eben geht. Das letzte Stück ist, wie so häufig, das steilste. Aber jeder Pass ist einmal zu Ende, so auch dieser. Die Kräfte sind zwar aufgebraucht, dennoch erfüllt es mit einigem Stolz, den Surenenpass bezwungen zu haben. Und das Panorama in Richtung Engelberg ist traumhaft.

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Stahlblauer Himmel senkt sich über die schneebedeckten Gipfel. Bis auf einen weiteren einsamen Biker sind wir für uns alleine. Eigentlich viel zu Schade, um weiter zu fahren. Aber es ist schon wieder später Nachmittag. Nach der gestrigen langen Etappe abermals ein sehr anstrengender Tag. Ich wusste vorher zwar nicht, wie die Abfahrt werden würde, ob wir überhaupt werden fahren können, aber es ist alles bestens. Ein traumhafter Trail führt vom Pass hinab und entschädigt für viele Mühen. Er wird allerdings bald zur kleinen Piste. Diese muss man bei Stalden (1630 m) verlassen, dort führt ein kurzes Schiebestück in den Talgrund zur Stäfeli-Seilbahn. Gemütlich Rollen wir von dort die letzten Kilometer in der Abendsonne in Richtung Engelberg (1004 m).
Ziel für heute ist das Hotel Bellevue-Terminus gegenüber des Bahnhofs. Beim ersten Anblick des alten Grand Hotels staunt man etwas. Es hat die besten Zeiten hinter sich und ist wegen des verblichenen Charmes keineswegs teuer. Es wirkt zwar abgewohnt, strahlt aber immer noch etwas vom Glanz der alten Zeiten aus. Die Waschmaschine sorgt für frischen Duft in den Bikeklamotten. Eine empfehlenswerte Adresse. Im angeschlossenen Restaurant, das mit seinem modernen Interieur im krassen Gegensatz zum Hotel steht, kann man lecker mexikanisch Essen. Ein absolutes Novum für mich während einer Radltour.

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Hinweise zur Route:

Den Aufstieg zum Surenenpass kann man sich etwas erleichtern, indem man von Seedorf aus noch ca. 3 km nach Attinghausen fährt. Dort gibt es eine Seilbahn hinauf nach Brüsti. Die erspart einem ein paar Höhenmeter. Leicht wird es trotzdem nicht.

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