Transalp.info by Andreas Albrecht

Schweizcross


4. Tag: Im Banne des Eiger

opner 350 IMG 3963 Text: Daniel Bolender

Bereits beim Frühstück fällt der Blick wieder nach draußen. Keine Wolke, nur blau und darunter die weißen Bergriesen der Bilderbuchschweiz. Dies wird ein Genusstag, zumal wir dank gestern 600 hm weniger vor uns haben. Passend dazu beginnt die Etappe mit einem tollen Panoramaweg zur Alp Grindel. So früh morgens sind zum Glück nur wenig Wanderer unterwegs. Wir kommen vor lauter Fotopausen aber auch so kaum vorwärts. Wir fahren nicht bis zum Restaurant First, da es dafür wieder ein Stück aufwärts gehen würde, sondern rollen ab der Seilbahnstation Schreckfeld zunächst auf einem Sträßchen zu Tal. Gut möglich, dass wir so ein paar nette Trails versäumt haben.
Das Rollen geht sehr bald in einen Sturzflug über und ich habe große Mühe, mein Rad mit überhitzten Bremsen überhaupt noch mal zum Stehen zu bekommen. Doch dann hat das Elend ein Ende und über eine kleine Brücke geht es nach rechts in den Wald. Immer wieder geben kleine Lichtungen den Blick frei zu den Bergen. Tolle Bilder, die die Natur so liefert. Unsere Stimmung ist sehr entspannt heute. Nach einem kurzen Zwischenanstieg auf einem Forstweg (warum haben wir First eigentlich ausgelassen?), führt links ein interessanter Pfad in den Wald hinunter, beschrieben mit Ällfluh. Da der Überblick bei dem dichten Wegnetz etwas fehlt, nehmen wir den einfach. Es ist ein abwechslungsreicher Wald-Trail, der ebenfalls häufig den direkten Weg die Höhenlinien hinunter nimmt. Trotzdem lässt sich das Ding gut fahren und macht Laune.
Vorbei an der Jausenstation Ällfluh erreichen wir schließlich Grindelwald (1034 m), wo wir uns durch den Touristentrubel wühlen und wie üblich an einem Supermarkt stoppen: Mittagspause. Die heutige Etappe bietet zwar keine einsamen hochalpinen Erlebnisse, aber das Panorama, das hier im Herzen der Schweiz geboten wird, sucht wahrlich seinesgleichen. Immerhin hat man auf dem Rad noch das wohltuende Gefühl, die Höhenmeter wenigstens selbst erkämpft zu haben. Das wird wieder sehr deutlich, als wir uns nach der Pause am Aufstieg zur Kleinen Scheidegg befinden. Direkt neben der Piste verläuft die Zahnradbahn, die die Touristen aus Grindelwald zur Kleinen Scheidegg karrt. Wenn man die Steigung sieht, die sich das Bähnchen hinaufquälen muss, bekommt man schon einigen Respekt vor der Leistung, die man als Radlfahrer vollbringt.

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Zunächst geht es ein lichtes Sträßchen hoch, dann folgt Forstpiste im Wald. Von Thomas und Andreas sehe ich während der Auffahrt nichts mehr, nur eine ganze Menge Wanderer. Aber es treibt auch keine Eile. Berge und Wetter genießen, nur treten muss man noch. Total lästig ist leider ein verdammter Hubschrauber, der unablässig seine Runden dreht. Oberhalb der Baumgrenze kann man sehen, dass dieser immer wieder frischen Beton von einem Lastwagen abholt und hoch oben in der Nähe der Bahnstation Eigergletscher ablädt. Ich kann aber nicht erkennen, wofür. Die gesamte Strecke lässt sich bis auf zwei kleine Rampen sehr gut fahren und gegen 15:30 komme ich eine geschätzte Stunde nach den beiden anderen an der Kleinen Scheidegg (2061 m) an.
Meine Güte ist hier ein Trubel. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Aus zwei Tälern treffen hier die Bergbahnen zusammen. Eine Strecke führt weiter hinauf durch den Eiger bis zum Jungfraujoch auf 3500 m. Zudem dient der kleine Bahnhof als zentrale Versorgungsstation des Jungfraujochs. Kurz, es ist die Hölle los. Ich weiß auch erst gar nicht, wo ich eigentlich hin muss. Nachdem ich zunächst fälschlicherweise in einem der Hotels gelandet bin, erwischt mich Andreas und weist mich ein. Die Übernachtungslager sind tatsächlich direkt im Bahnhofsgebäude.
Von der Uhrzeit könnten wir problemlos noch ein ganzes Stück weiter fahren. Aber eine Übernachtung hier gehört mit zu der Planung dieser Tour, da ich mir bei schönem Wetter ebenfalls das Jungfraujoch und den Aletschgletscher ansehen will. Dies ist natürlich erst für morgen geplant, da ich nicht mit der frühen Ankunft gerechnet habe. Gutes Wetter ist heute zwar und Zeit wäre ebenfalls noch, doch es gibt mehrere Gründe trotzdem bis morgen zu warten. 1. Frühbucherticket. Die Fahrt aufs Joch ist schweineteuer. Früh morgens gibt es einen verlockenden Rabatt. 2. Klares Morgenlicht. 3. Weniger Trubel. Also bleiben wir hier und warten bis morgen. Ich mache mich mit Thomas immerhin mal zu Fuß auf den Weg entlang der ansteigenden Bahntrasse in Richtung Eigergletscher.
Am Abend haben wir den Bahnhof endlich für uns alleine und die Scheidegg wird zu einem ganz gemütlichen Plätzchen. So freue ich mich auf morgen und schlafe langsam ein, mit Blick vom Bett auf Jungfraujoch, Mönch und Jungfrau.

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